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E9018.08.202130 Min

Stahl und KI – Wie kann eine ressourcen- und energieintensive Kernindustrie umgekrempelt und sogar CO2-neutral werden?

Im Gespräch: Lucas Corts (Smart Steel Technologies GmbH)

Titelbild zu E90: Stahl und KI – Wie kann eine ressourcen- und energieintensive Kernindustrie umgekrempelt und sogar CO2-neutral werden? – Lucas Corts (Smart Steel Technologies GmbH)

Worum es geht

Lucas Corts von Smart Steel Technologies erklärt, wie KI die Stahlindustrie nachhaltiger macht.

Lucas Corts ist Head of Business Development bei Smart Steel Technologies GmbH, einem Berliner Softwareunternehmen. Das Unternehmen entwickelt KI-gestützte Lösungen für Stahlhersteller wie ThyssenKrupp und Salzgitter. Ziel ist die Optimierung von Energieverbrauch, Produktqualität und Produktivität im Stahlprozess.

Die KI-Software analysiert komplexe Produktionsabläufe, insbesondere im Elektro-Lichtbogenofen. Sie optimiert die Schrotzzugabe, die Temperatursteuerung und die Stahlchemie. Dadurch können Energieeinsparungen und eine Reduktion von CO2-Emissionen erreicht werden – aktuell etwa 1,7 Tonnen CO2 pro Tonne Stahl.

Das Unternehmen arbeitet nicht mit Rohstoffen, sondern unterstützt Stahlwerke bei der Digitalisierung. Es ermöglicht CO2-Mapping und -Tracking, was für Zertifizierungen in der Automobilindustrie wichtig ist. Die Lösungen sind bereits in Betrieb und zeigen nachweisbare Einsparungen.

Die größten Herausforderungen sind der Aufbau des Teams und die Kommunikation komplexer Technologien ohne physischen Kontakt. Der Gründer hat einen mathematischen Hintergrund und kombiniert KI-Know-how mit tiefem metallurgischem Prozesswissen aus der Industrie.

Ursprüngliche Shownotes 18.08.2021

Stahl ist eins der wichtigsten Materialien. Vor knapp hundert Jahren waren die „Stahlbarone“ die reichsten Menschen ihrer Zeit.

Heute führen digitale Konzerne wie Google, Amazon, Facebook & Apple und deren Gründer die Listen der reichsten Menschen unserer Zeit an und sind auch in den Medien deutlich präsenter als die heutigen Stahlunternehmen.

Dennoch ist die Bedeutung von Stahl für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft eher gestiegen als gesunken — lediglich die Wahrnehmung hat sich verändert.

Stahl ist ein faszinierendes Material, unter anderem weil er zu 100% recycelt werden kann. Zugleich ist Stahl ein extrem energieintensives Erzeugnis. Wird Stahl aus rohen Erzen produziert, kommt noch der negative Einfluss auf die Umwelt hinzu.

Genau aus diesen Gründen befasst sich Smart Steel Technologies mit Software-Lösungen rund um Stahl:

  • Wie kann der Grad an Recycling erhöht werden?
  • Wie lässt sich die Nachhaltigkeit des gesamten Prozesses erhöhen, ohne dabei in Qualität oder Produktivität Abstriche machen zu müssen?

Wie das funktioniert und welche Hindernisse und Herausforderungen dabei zu bewältigen sind, erklärt Lucas Corts von Smart Steel Technologies in einem wahnsinnig spannenden Gespräch.

Links aus dem Interview

Unser Interviewpartner & sein Arbeitsfeld

Transkript

4.474 Wörter

Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.

Hallo Welt, liebe Menschen, herzlich willkommen bei unserem Software for Future Podcast. Ich bin Friederike Löwe und gleich hörst du auch Nils Löwe. Wir führen als Unternehmerpaar die Lionizers. Wir Lionizers stehen für nachhaltige, individuelle Produktentwicklung. Wir entwickeln Software, die uns als Menschheit helfen soll, der Klimakrise die Stirn zu bieten. Jetzt geht es gleich los mit einem Interview von Nils mit Lukas Kortz, dem Head of Business Development von Smart Steel Technologies. Ich bin sehr gespannt, worüber die beiden sprechen und wünsche auch dir jede Menge Spaß beim Zuhören.

Ja, herzlich willkommen, Lukas von Smart Steel Technologies. Ihr macht Software im Umfeld Stahlfertigung, wenn ich das mal in meinen leihenhaften Worten sagen soll. Vielen Dank für die Zeit, die du dir nimmst. Toll, dass du da bist. Ich würde sagen, erzähl du mal, wer du bist und was ihr wirklich macht.

Das mache ich gerne, Nils. Danke für die Einladung. Schön, dass ich da sein darf. Du hast es fast schon richtig beschrieben. Also Smart Steel Technologies, was wir machen, wir sind Category Leader für KI im Stahlsektor. Also das heißt, unsere Kunden sind tatsächlich Stahlproduzenten. Also das ist Asylor Metall, Thyssenkrop, die Namen, die man so kennt. Das sind wirklich Stahlproduzenten, die Stahl kochen. Das sind unsere Kunden und für diese Kunden haben wir fertig einsetzbare KI-Software-Lösungen entwickelt, die für diesen kompletten Stahlherstellungsprozess auf verschiedenen Ebenen unterwegs sind. Und zwar sind wir in der Lage, durch diese KI unterschiedlichste Elemente anzufassen. Also wir sind in der Lage, den Energiebedarf beispielsweise zu optimieren.

Wir gehen aber auch in den Bereich der Produktqualität, weil wir sehen, dass die Produktqualität, also das produzierte Stahl, der hergestellt wird, von der Produktqualität immer höher wird. Und wir gehen auch in Richtung der Produktivität. Und das machen wir und das ist Kern. Wir sind also ein Softwareunternehmen aus Berlin und ich bin seit Juni diesen Jahres als Head of Business Development bei Smart Steel Technologies. Und ja, ich bin gespannt auf den Podcast und wie gesagt, schön, dass ich da sein darf.

Ja, cool. Spannend. Software im Stahlbereich. Da wir ja auch Software machen, bin ich da natürlich besonders interessiert, wie ihr da auch auf die Idee gekommen seid und wie sich das entwickelt hat. Trotzdem, lass uns mal mit meiner Standard-Eingangsfrage starten. Du hast schon gesagt, Nachhaltigkeit ist ein Aspekt, der da natürlich rauskommt, neben Produktivität und Qualität. Wie erhöht ihr die Nachhaltigkeit bei euren Kunden, in diesem Fall durch reine Software?

Also das ist auch, wir müssen ein bisschen vorne anfangen. Ich weiß nicht, die Zuhörer kennen wahrscheinlich nicht alle den Stahlherstellungsprozess. Deswegen würde ich vielleicht mal grob anfangen, den relativ, also in Form eines Symbols oder einem Beispiel klarzumachen, wie das eigentlich überhaupt funktioniert, damit man versteht, wo, also warum es überhaupt notwendig ist, aktuell das Thema Nachhaltigkeit auch zu betrachten aus einer Softwareperspektive und wo wir dann konkret auch angreifen. Und man könnte vielleicht so anfangen, das wirklich relativ simpel zu beschreiben. Ein Stahlherstellungsprozess, der ist sehr, sehr komplex und zum jetzigen Zeitpunkt ist der eben nicht nachhaltig. Es hat damit zu tun, wenn man über das Thema Nachhaltigkeit spricht, da fallen einem, glaube ich, immer diese beiden Begriffe Ressourcennutzung und so Regenerationsfähigkeit ein.

Die Ressourcennutzung, die aktuell dafür benötigt wird, um Stahl herzuzeugen, die ist halt immens. Und auch der Energiebedarf, der dort einfließt, ist immens. Also beispielsweise für jede Tonne Stahl, die produziert wird, werden aktuell 1,7 Tonnen CO2 emittiert. Das ist natürlich enorm. Und der Ressourceneinsatz, der dort notwendig ist, ist auch entsprechend enorm. Also zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch so, dass ein Großteil der Produktion über Eisenerze, Kohle und beispielsweise auch Kalk, das ist der Herstellungsprozess, sind die Rohstoffe, die notwendig sind, um Stahl erstmal zu produzieren. und das ist natürlich extrem ressourcen- und energieintensiv und da gehen wir halt rein. Und da dieser Prozess halt sehr, sehr komplex ist und auf verschiedenen Ebenen optimiert werden kann, bedarf es halt einer KI, die in der Lage ist, diese Komplexität entsprechend abzubilden.

Und ganz konkret, um jetzt vielleicht mal ein Beispiel zu geben, man kann sich das so grob vorstellen, dieser Stahlherrschungsprozess, um darauf zurückzukommen, Man stellt sich jetzt einfach mal vor, man möchte irgendwie einen Kuchen backen. Und man hat verschiedenste Inhaltsstoffe, die dort zusammengemengt werden und sind dann irgendwie in so einer flüssigen Phase. Und diese flüssige Phase wird dann irgendwann gegossen. Und irgendwann wird diese Masse dann auch entsprechend gewalzt. Und irgendwann wird dieser Kuchen dann auch in den Ofen getan. Und dann wird er geschnitten und irgendwann ist er halt fertig. Und diese komplette Prozesskette ist halt sehr, sehr komplex. Und wenn man jetzt in der Lage ist, durch diese KI diese einzelnen Prozesse entsprechend besser abzubilden und im Bereich der Effizienzsteigerung zu gehen, dann gibt es enorme Einsparungspotenziale, sowohl natürlich monetäre, aber auch natürlich im Bereich der CO2, der Energie, der Energieverbräuche etc.

Und da greifen wir halt an und ganz konkret vielleicht, um auf das Thema Nachhaltigkeit zu kommen, das Thema CO2 ist natürlich gerade was in der Stahlindustrie oder was gerade sowieso relativ stark nicht im Kommen ist, aber halt immer mehr Bedeutung gewinnt, gerade bei solchen, sagen wir mal, energieintensiven Prozessen. was wir erreichen können ist durch unsere Software, wir sind in der Lage pro Coil, also pro Produkt das tatsächlich von den Stahlherstellern produziert wird, sehr genau zu metten wie viel CO2 denn pro Prozessschritt und dann summa summarum auch tatsächlich dann in dem Produkt tatsächlich drin steckt da tun sich die Stahlhersteller aktuell noch ein bisschen schwer weil die Technologie noch nicht wirklich da ist diese Komplexität abzubilden und das ist eine Herausforderung die die Stahlindustrie Und da gehen wir halt ganz konkret rein. Das heißt, das Thema Nachhaltigkeit grundsätzlich packen wir an verschiedenen Ebenen an, aber auch das Thema CO2-Reduktion bzw. CO2-Mapping und Tracking der einzelnen Produktionsstufen.

Spannend. Also, dass das ein energieintensiver Prozess ist, kann sich, glaube ich, jeder vorstellen. Also, auch wenn ich jetzt den Prozess nicht nach Lehrbuch erklären könnte, also zumindest in irgendeinem Film mal so eine glühende Stahlmenge gesehen haben wir alle. Und heißt das, also klar, Energieeinsparung ist das eine, heißt das denn auch Ressourceneinsparung? Also könnt ihr mit der KI-Lösung dafür sorgen, dass die gleiche Menge Stahl aus weniger Erz entsteht?

Ja, indirekt. Also man muss dazu wissen, dass sich die Produktionsrouten gerade etwas verändern. Also es geht weniger in Richtung traditionelle Produktionsroute, wo Eisenerze und Rohstoffe quasi geschmolzen werden und in dieser Flüssigphase halt bearbeitet werden. Es geht mehr dahin, dass quasi über einen Elektro-Lichtbogenofen quasi so ein sogenanntes Multi-Recycling stattfindet. Das heißt, das Produkt Stahl an sich ist, was das Thema Nachhaltigkeit anbetrifft, also ich ein Paradebeispiel dafür, weil Stahl an sich kann so häufig wie auch immer möglich und notwendig eingeschmolzen werden und recycelt werden. Das heißt, die chemischen Bestandteile dieses Produkts sind halt super eigentlich für das Thema Nachhaltigkeit und deswegen ändert sich gerade die Produktionsroute.

Also es geht mehr dahin, dass quasi über Schrottzugabe und über eine andere Produktionsroute ein sogenanntes Multi-Recycling stattfindet. Und hier sind wir halt in der Lage, durch zum Beispiel unsere Temperature-AI diesen Prozess, dieses Schmelzens zu optimieren oder auch teilweise die Zugabe und die Stahlchemie zu optimieren, sodass mit einer optimierten Zugabe von Rohstoffen oder von Stählen oder von Schrott beispielsweise eine optimierte Produktion stattfindet. Also, ob deine Frage zu beziehungsweise, ja, wir sind in der Lage gerade, was die neueren oder die jetzt steigenden Produktionsrouten, was den Elektro-Lichtbogen hoch betrifft, sind wir in der Lage, das entsprechend abzudecken, ja.

Das ist cool. Das habe ich mich tatsächlich immer gefragt, wie denn Recycling, also ich meine, man kennt das, Glasflaschen werden eingeschmolzen und es gibt neue Glasflaschen. Aber ja, letztendlich auch Eisenerz ist eine endliche Ressource und es macht total Sinn, dass wir recyceln. Aber wie einfach das ist, hätte ich jetzt gar nicht sagen können.

Genau, also es geht hier weniger darum, dass jetzt irgendwie Eisenerze oder so recycelt werden, sondern es sind tatsächlich Schrotte. Also man kennt ja so, jetzt mal vielleicht ein bisschen platt gesprochen, aber diese Schrottwägen, die halt rumfahren und Schrotte einsammeln, wenn man sich das mal jetzt in großem Stil vorstellt, ist die Zugabe von Schrott für einen Elektro-Lichtbogenofen, ist das quasi der Kernbestandteil, woraus dann zukünftig wieder neuer Stahl generiert wird. Und deswegen ist dieser Nachhaltigkeit und dieser Multi-Recycle-Gedanke halt super gut und sehr, sehr spannend für die Stahlindustrie. Weil das hat die Stahlindustrie natürlich erkannt und ändert sich auch gerade sukzessive von einer traditionellen Produktionsweise, wo wirklich über Rohstoffzugabe, Eisenerze, Kalk etc. Kohle, Stahl erzeugt wird, hin zu einer veränderten Produktionsroute, wo über die Schrottzugabe und das Schmelzen von Schrott ein neuer Stahl erzeugt wird.

Kannst du mal eine grobe Einordnung geben? Man kennt so Stahl, also es ist ja eine relativ alte Industrie und also nach den, ich weiß nicht, wer da voraktiv war, aber ich meine, einer der reichsten Milliardäre der Welt war Stahl-Tycoon in den USA. Also damals war das die Industrie, die irgendwo die Welt bestimmt hat?

Also genau, bitte, sorry, wollte ich nicht verbrechen.

Welche Rolle spielt Stahl eigentlich heute noch? Also es ist nicht mehr so präsent. Also andere Leute sind präsenter, Elon Musk und Jeff Bezos und wie die ganzen Internet-Milliardäre gerade heißen. Alle reden drüber. Aber letztendlich, wir bauen immer noch Eisenbahnen, wir fahren alle noch Auto, wir bauen immer noch Hochhäuser. Also Stahl ist ja immer noch präsent. Welche Rolle spielt Stahl überhaupt in unserer Wirtschaft gerade? Hintergrund der Frage, damit einher geht ja auch die Wichtigkeit an Nachhaltigkeit, Ressourcen, Einsparung, Recycling, oder?

Also ich bin bei dir, dass natürlich das Thema Stahl jetzt im Vergleich zu irgendwelchen fancy Raketen, die Richtung Mars fliegen, so ein bisschen ein anderes Image hat. Dennoch ist es natürlich aber so, diese Raketen, die gebaut werden, die werden auch teilweise noch aus Stahl gebaut. Das heißt, Stahl ist nach wie vor das absolute Rückgrat einer Industrie und einer Nation. Das heißt, ohne Stahl kann man keine Autobahnen, keine Häuser, keine Autos, keine Waschmaschinen. Stahl ist nach wie vor und wird auch auf lange Zeit eines der Produkte sein, wovon eine Industrie halt einfach lebt. Das ist nichts wegzudenken. Meiner Meinung nach wird es noch extrem lange dauern, bis alternative Rohstoffe oder alternative Produkte, die Stahl ersetzen könnten, flächendeckend in den Industrien wirklich eingesetzt werden. Also da gibt es natürlich auch schon verschiedenste Ideen, aber dennoch, und da komme ich zurück auf die chemische Zusammensetzung von Stahl, es gibt zum jetzigen Zeitpunkt nicht ein Produkt, was man so häufig und zwar unendlich recyceln kann wie Stahl.

Das heißt, der chemische Bestandteil bleibt erhalten und das sucht seinesgleichen. Deswegen ist es auch so zum Thema der Notwendigkeit und auch der Brisanz dieses Thema. Ich meine, ich glaube, Altmaier hat jetzt 35 Milliarden Euro in die Modernisierung der deutschen Stahlindustrie gepumpt. Das ist nach wie vor das absolute Rückgrat von Deutschland sowieso, aber auch weltweit. Und wenn man das so ein bisschen vergleicht, Deutschland produziert knapp 36 Millionen Tonnen Stahl im Vergleich zu China, die produzieren 1,1 Milliarden Tonnen. Also der Bedarf an Stahl ist nach wie vor noch extrem da und wird auch meiner Meinung nach oder unserer Meinung nach noch anhalten. Das ist gar keine Frage. Was sich aber ändert, ist tatsächlich der Produktionsprozess, also wie dieser Stahl hergezeugt wird, wie er vertrieben wird, was mit diesem Stahl gemacht wird, welche Produkte daraus gefertigt werden. Das steht gerade unter einem riesengroßen Transformationsprojekt, weil natürlich unter anderem das Thema Nachhaltigkeit dort mit reinkommt.

Stahl ist nun mal nicht wegzudenken, aber die Produktionsrouten, wie sie aktuell, nicht flächendeckend. Es gibt natürlich auch schon Stahlwerke, die eine komplett andere Herangehensweise haben, beispielsweise H2 Green Steel. Das ist ein neues Stahlwerk, was gerade in Schweden aufgebaut wird und das wird das erste komplett CO2-neutrale Stahlwerk, was bis zu 5 Millionen Tonnen Stahl produzieren wird. Das heißt, diese Notwendigkeit, die Produktionsroute und den Herstellungsprozess neu zu denken, die ist auf jeden Fall da. Aber genau deswegen, weil alle auch erkannt haben, dass Stahl als Produkt und als Rohstoff für die Industrien nach wie vor extreme Bedeutung hat.

Den Gedanken mit dem CO2-neutralen Stahlwerk finde ich total spannend. Es geht Energie rein, es gehen Rohstoffe rein. Klingt für mich jetzt, wenn ich im Prinzip die Rohstoffe, also wenn ich es komplett über Recycling lösen kann, die Rohstoffzufuhr und das Ganze mit entweder grünem Wasserstoff oder einfach nur Ökostrom, Solar, Strom mache, könnte man doch langfristig einen geschlossenen Kreislauf erzeugen, oder?

Ja, also es ist natürlich alles etwas ein bisschen komplexer, weil, wie gesagt, dieser Herstellungsprozess an sich, der ist enorm kompliziert und komplex. Das heißt, das ist extrem schwierig, mal in Anführungszeichen mal eben hinzugehen und so eine Produktionsroute zu ändern. Es gibt verschiedene Ansätze. Ja, das Thema Wasserstoffzugabe, da wird natürlich auch relativ intensiv auch in Deutschland schon daran geforscht. ThyssenKrupp ist da gerade sehr, sehr stark dran, verschiedene Stahlwerke aber auch. Das Thema dieser Direktreduktion spielt dort auch mit herein. Also verschiedene Ansätze sind in dieser Industrie auf jeden Fall erkennbar und werden auch durchgeführt. Und da komme ich nochmal zurück auf die Förderung von der Bundesregierung. Ich glaube, das sind die knapp 35 Milliarden Euro, die jetzt gerade in diese Modernisierung der Stahlindustrie fließen. Das ist natürlich ein absoluter Hebel, dass diese Technologien und diese neuen alternativen Produktionsrouten für die Stahlherstellung natürlich angegangen werden.

Dennoch ist es natürlich auch so, gerade wenn es zu dem Thema Wasserstoff kommt, es ist natürlich auch extrem energieintensiv Wasserstoff überhaupt erstmal zu gewinnen. Das heißt, dort fangen wir schon wieder mit der Komplexität an. Klar ist Wasserstoff und die Zugabe von Wasserstoff absolut sinnvoll, aber das muss natürlich so aufgesetzt sein, dass natürlich der Herstellungsprozess von Wasserstoff gleichzeitig auch entsprechend auf das Thema Nachhaltigkeit mit einzahlt und nicht beispielsweise mehr Energie, produziert, als es über eine normale Herstellungsroute der Fall wäre. Das heißt, das meine ich, das ist immer ein Abwägen. Dennoch, und da komme ich jetzt auf dieses Beispiel von Age2GreenSteel zurück, gibt es jetzt wirklich erste Leuchtturmprojekte, nenne ich es jetzt einfach mal, die aufgesetzt werden, wo wirklich vom Scratch aus ein komplett neues Stahlwerk aufgesetzt wird.

Das sitzt in Schweden, das ist natürlich geografisch auch entsprechend interessant, weil die dort entsprechend schon eine entsprechende Infrastruktur haben, auch von der Geografie entsprechend, auch was das Thema Wasserstoff anbetrifft, eine gute Grundlage haben. Dennoch ist das natürlich ein enorm kompliziertes und komplexes Unterfangen, aber wir sind gespannt. Aber dafür werden entsprechende Technologien benötigt, um diese Komplexität überhaupt abbilden zu können und auch zu mappen, über welche Produktionsstrecke und Produktionsroute wie viel genau an Energie, an CO2, an was auch immer emittiert wurde. Dafür braucht man Technologien und dafür braucht man diese Artificial Intelligence, die wir zur Verfügung stellen, um überhaupt in der Lage zu sein, dieses Mapping und dieses Monitoring der Input-Output-Parameter überhaupt hinzubekommen. Und da ist, was wir machen.

Wir sind kein Stahlhersteller. Also wir bauen keine Stahlwerke, wir produzieren keinen Stahl, aber wir helfen den Stahlwerken, ihre Produktion so zu optimieren, dass sie auf die entsprechenden Ziele auch entsprechend einzahlen.

Cool. Ja, also super spannend. Du hattest ganz am Anfang gesagt, Nachhaltigkeit, Qualität und Effizienz, Produktionsoptimierung.

Ja, es sind eigentlich die drei Bereiche, Energiebedarf, Qualität und Produktivität. Das sind eigentlich die Kernelemente, wo unsere Technologie darauf aufsetzt.

Sind nicht am Ende des Tages Qualität und Produktivität eigentlich auch Nachhaltigkeitsaspekte?

Ja, selbstverständlich. Die zahlen natürlich damit rein. Aber wenn wir von Produktqualität sprechen, reden wir natürlich davon, also du musst dir das so vorstellen, die Stahlwerke produzieren verschiedenste Produktgüten. Also die produzieren nicht immer nur einen gleichen Stahl, sondern es gibt wirklich hochqualitative Ställe, wie zum Beispiel Stille, wo daraus dann auch entsprechende Autos hergestellt werden. Das hat natürlich einen extrem hohen produktqualitativen Anspruch. Es gibt aber natürlich auch beispielsweise Grobbleche, also Bleche, wo daraus dann beispielsweise Brücken oder was auch immer gebaut werden. Also wo jetzt nicht wirklich auf die Produkteigenschaft, also auf die Produktqualität, auf was die Oberflächen anbetrifft, ankommt, sondern eben auf andere Bestandteile.

Und was wir sehen ist natürlich, dass die Produktqualität immer weiter zunimmt, Gerade wenn wir auch im Bereich der Automotive-Sektor gucken, sind die Automobilhersteller natürlich auch immer daran interessiert, höhere Qualität zu gewährleisten, dünnere Produkte zu bekommen, um so gerade, was das ganze Thema der Elektromobilität anbetrifft, Gewicht zu sparen bei den Produkten, bei den Autos, die hergestellt werden. Das heißt, der Anspruch an die Produktqualität von Stahl wird immer mehr wachsen. Und um das zu gewährleisten, haben wir entsprechende Lösungen. Das heißt, ja, ich bin bei dir, dass diese drei Punkte alle irgendwie auch auf das Thema Nachhaltigkeit einzahlen, aber Produktqualität ist wirklich gemeint.

Wir helfen dabei, entweder die Produktqualität zu erreichen oder tatsächlich auch zu optimieren.

Das mit der höheren Qualität, die dadurch ermöglicht, dünnere Bleche in einer nachgelagerten Industrie einzusetzen, wodurch dann am Ende aber ja wieder Energie gespart wird, finde ich auch eine total spannende Kette. Also diese Kette von Einsparungen habe ich auch so noch nicht präsent gehabt. Spannend.

Ja, genau. Und du musst dir das so vorstellen, wenn wir vielleicht bei einem Beispiel der Automobilindustrie bleiben, die Automobilindustrie wird früher oder später den Stahlherstellern sagen, du pass auf, wir sind gerade dabei, unsere komplette Supply Chain zu optimieren und wir möchten die komplette Supply Chain CO2-neutral herstellen. Das heißt, wenn du, weiß ich nicht, du gehst zum Automobilhersteller A und der garantiert dir, pass auf, das Auto, was du jetzt kaufst, das ist über eine CO2-neutrale Supply Chain erstellt worden. Das heißt natürlich, dass die Stahlwerke in der Lage sein müssen, die Produkte, die die herstellen, auch entsprechend CO2-neutral anzubieten. Aber das können die natürlich nur, wenn die in der Lage sind, das sehr, sehr detailliert zu monitoren und zu mappen und zu tracken, um den Stahlhersteller dann auch zu garantieren und teilweise auch zu zertifizieren, zu sagen, so das Produkt, was du jetzt von mir kaufst, lieber Automobilhersteller A, das garantieren wir dir, da ist nicht ein Gramm CO2 drin.

Dafür haben wir Sorge getragen. Dafür brauchen wir entsprechend diese Technologie. Und das setzt natürlich die Stahlindustrie neben Kostendruck und Überkapazität natürlich jetzt auch extrem unter Druck. Und deswegen muss da sehr, sehr viel passieren.

Wie seid ihr gestartet? Also ist euer Gründer jemand, der Stahlindustrie-Experte ist? Oder ist jemand mit dem Problem auf euch zugetreten? Also ich finde das total spannend und ich finde das hat einen riesen Hebel. Aber ich kann mir gerade nicht vorstellen, wie man auf diese Idee kommt.

Da kann ich dir gerne erklären. Also unser Gründer und CEO, Dr. Falk-Floren Henrich, der ist promovierter Mathematiker und hat vorher schon ein Unternehmen gegründet und das erfolgreich an Axis Springer verkauft. Und dieses Unternehmen, Serial One hieß das, oder heißt es, das hat eine ähnliche, was heißt ähnliche, aber es hat auch eine KI-Technologie entwickelt, eine Software für eine andere Industrie und zwar für das Verlagswesen, deswegen wurde es auch an Axis Springer verkauft. Das heißt, er hat sich intensiv aus der AI-Perspektive logischerweise damit auseinandergesetzt. Und Serial A1 wurde dann irgendwann mal angefragt tatsächlich über verschiedene Verbindungen von einem Stahlhersteller, weil die ein Problem hatten und das Thema durch eine AI entsprechend überprüft werden sollte und da wurde eine Fachunterstützung angefragt.

Und deswegen war das quasi so der erste Wink mit dem Zaunfall, das da gegebenenfalls Interesse ist in dieser Industrie. Und dann hat sich unser Gründer intensiver natürlich mit dieser Thematik und auch mit dem Stahlherstellungsprozess auseinandergesetzt und gesehen, dass da ein enormes Potenzial ist, was Optimierungen anbetrifft. weil rein von der Prozessdenke und von den Daten, die dort anfallen, ist ein enormes Digitalisierungspotenzial vorhanden, was natürlich durch diese Technologie dann entsprechend genutzt werden kann. Und da er natürlich jetzt nicht von Hause aus ein Stahlexperte ist, aber er kommt aus Eisenhüttestadt, also er ist quasi im Ursprung der Stahlstellung in Deutschland mit aufgewachsen.

Aber da natürlich, und das ist auch tatsächlich unser USP, wenn du es so willst, wir sind in der Lage, auf der einen Seite dieses AI-Know-how, was unser Gründer und mit seinem Team und diversen Machine Learning und K.I.-Experten mitbringt. Aber auf der anderen Seite sind wir in der Lage, das ganze Prozessthema von der Stahlherstellung, das haben wir miteinander kombiniert. Wir haben halt sehr, sehr tiefes Prozess-Know-how, also metallurgisches Prozesswissen. Wir haben Metallogen, wir haben Experten, die 20 Jahre lang nichts anderes gemacht haben, als wirklich Stahlwerke in Betrieb zu nehmen. Das heißt, wenn ein Stahlwerk gebaut wurde, dann wurde er quasi angerufen und gesagt, jetzt komm bitte vorbei und jetzt mach die Maschine an, sodass wir entsprechende Stahl produzieren können, jetzt einfach gesprochen. Das heißt, wir sind in der Lage, diese beiden sehr, sehr facettenreichen Disziplinen miteinander zu kombinieren.

Und Ursprung war, wie gesagt, dass die AI-Technologie da war. Ursprung war, dass enormes Potenzial in diesen Stahlwerken herrscht, was diese AI-Technologie anbetrifft. Und deswegen hat sich unser Gründer dann irgendwann dazu entschieden zu sagen, okay, dann fokussiert er sich jetzt halt nicht mehr auf die Verlagsindustrie, sondern tatsächlich auf die Stahlindustrie. Und so kam das eine zum anderen.

Spannend. Ja, cool. Also Respekt. Also das ist ein Wahnsinns-Impact, den ihr da habt. Das ist richtig cool. Was ist die größte Challenge, an der ihr gerade knackt? Was ist euer nächster Level?

Was heißt größte Challenge? Also natürlich haben wir diverse Herausforderungen. Wir sind nach wie vor noch ein junges Unternehmen, aber ich muss noch dazu sagen, dass wir bereits in Stahlwerken vor Ort mit unserer Technologie 24-7 laufen. Das heißt, wir haben diese Proof-of-Concept-Phase lange überschritten. Die Technologie und auch das, was wir an Einsparungspotenzialen definieren, das können wir tatsächlich halten. Das haben wir durch diverse Projekte bei großen Stahlherstellern in Deutschland auch schon bewiesen. Das heißt, die Technologie, die funktioniert, aber wir haben natürlich Herausforderungen. Eine Herausforderung ist selbstverständlich, ja, wir sind immer auf der Suche nach sehr, sehr fähigen Softwareentwicklern. Also, wenn du da irgendwie jemanden kennst aus deinem Netzwerk oder so, sag gerne Bescheid. Wir sind gerne bereit, Gespräche zu führen, weil wir sehen, es ist ein enormer Bedarf da und ich meine, überall, ja, das kennt man, wir sitzen zwar schon in Berlin, aber überall ist der Bedarf an fähigen Softwareentwicklern und Entwicklerinnen natürlich da.

Da sind wir gerade im Bereich des Recruitings natürlich. Da haben wir eine Herausforderung, da sind wir gerade dabei zu gucken, wie wir die Mannschaft entsprechend weiter aufbauen können. Klar, eine andere Herausforderung, die wir auch haben, Corona sowieso wie überall und immer, es macht es nicht einfacher zu reisen. Die Technologie, die wir entsprechend anbieten, die ist nicht auf den ersten Moment sofort einfach zu erklären. Man muss vor Ort sein und das wirklich mal nahe bringen und auch zeigen und den Leuten das wirklich auch detailliert erläutern. Das geht am besten durch einen Vor-Ort-Termin. Das ist natürlich durch Corona etwas schwieriger geworden. Aber wir haben da jetzt Wege gefunden, wie wir es über Videocalls und entsprechende Videoaufzeichnungen da auch hinbekommen. Aber ich würde immer sagen, das sind so die beiden großen Blöcke, wo wir gerade daran arbeiten, gucken, dass wir weltweit unsere Produkte natürlich in die Stahlwerke reinbekommen auf der einen Seite und auf der anderen Seite, dass wir hier in Berlin die entsprechende Mannschaft weiter aufbauen können.

Ich meine, wir sind schon jetzt fast mehr als 30 Leute, das heißt, wir haben schon ein sehr, sehr gutes Potenzial, aber klar, wir sind auf Wachstumskurs und wir brauchen immer entsprechende gute Leute aus dem Bereich der Softwareentwicklung.

Ja, da seid ihr nicht alleine, kann ich sagen. Genau. Ja, krass, aber ja, gut, Covid ist, wie es ist, geht hoffentlich irgendwann vorbei. Ja, gibt es Quellen, die du nennen kannst, willst, die sich, also einerseits über euch, über das, was ihr so macht, wer da hier aus der Hörerschaft mehr wissen will, aber auch Digitalisierung, Nachhaltigkeit im Großen und Ganzen, irgendwas, was du da empfehlen magst?

Also ihr könnt natürlich gerne, klar, unsere Website, da sind auch, da ist alles soweit beschrieben, unsere Produkte, die wir anbieten, da sind auch die offenen Stellen, das heißt, wer sich da natürlich weiter informieren will, ist natürlich herzlich eingeladen, sich einfach mal auf der Website ein bisschen auszutoben, das ist eine Quelle. Es gibt auch einen sehr, sehr guten Handelsblatt-Artikel, der so ein bisschen auch die Entstehungsgeschichte und auch beschreibt, was SST macht. Also Handelsblatt hat da mal ein Interview mit unserem CEO und Founder geführt. Das kann man sich natürlich gerne angucken. und natürlich haben wir auch diverse, man haben aber Projektreferenzen, das heißt, wenn Sie jetzt hier von deiner Hörerschaft wirklich intensiver mit dem Thema AI, aber auch natürlich mit dem Fokus Stahlindustrie auseinandersetzen will, da haben wir diverse Projektreferenzen, die wir natürlich gerne zur Verfügung stellen können.

Das ist eigentlich so das, was ich ganz gerne, kann ich dir gerne im Anschluss mal zuschicken und dann, sofern einer aus deiner Hörerschaft sagt, bitte, bitte schick mal, dann kannst du es natürlich sehr gerne weiterleiten.

Ja, cool. Sehr gerne. Super. Dann, auch wenn ich noch ganz viele weitere Fragen habe, mit Blick auf die Uhr. Letzte Frage für jetzt und hier. Gibt es jemanden, den du gerne in einer folgenden Folge von mir ausgefragt hören würdest?

Ja, lad doch bitte gerne mal Peter Altmaier ein und frage ihn, inwieweit wir mit AI dabei helfen können, die Stahlindustrie zu transformieren, weil ich glaube, da sind wir durchaus in der Lage zu.

Ja, das ist spannend. Politiker hatte ich lange nicht. Gute Idee, werde ich gerne tun. Alles klar. Cool. Ja, dann hast du noch irgendwas, was du als berühmte letzte Worte in die Runde schmeißen willst?

Ja, berühmte letzte Worte. Ich richte mich an die Hörerschaft. Das sind ja alles wahrscheinlich Leute auch, die sich irgendwie im Bereich der Softwareentwicklung und der IT auskennen. Also, wenn ihr Bock habt, irgendwie die Stahlindustrie zu transformieren und wirklich dabei zu unterstützen, eine Kernindustrie umzukrempeln, dann meldet euch gerne entweder bei mir oder bei Nils. Das wäre das, was ich ganz gerne noch mit da draußen geben wollen würde.

Das klingt gut. Ja, super. Ganz vielen Dank. Ich habe total viel gelernt, wie fast immer eigentlich. Ganz vielen Dank dir. Vielen Dank für die Zeit.

Sehr gerne.

Und ja, hoffentlich auf bald im echten Leben.

Auf jeden Fall. Wenn es zulässt, wenn ich in Hamburg bin, komme ich gerne mal vorbei.

So, da bin ich wieder. Schön, dass du noch da bist und bis hierher zuhören mochtest. Die Shownotes mit Links zu Empfehlungen aus dieser Episode findest du auf softwareforfuture.de. Aber jetzt will ich es genau wissen. Ist das hier Quatsch oder Qualität? Hinterlass uns gerne eine Bewertung bei iTunes. Wir sind unheimlich gespannt, was du sagst und freuen uns, mit dir in Kontakt zu kommen. Und jetzt wünschen wir dir noch eine schöne weitere Woche. Wir sind der Software for Future Podcast und werden präsentiert und produziert von den Lionizers. Danke fürs Zuhören.

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