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E9122.09.2021

Nur noch Schönes im Briefkasten – Wie kann die Briefflut aus Dokumenten und rein Informativem clever digitalisiert werden?

Im Gespräch: Christian Gericke (bitkasten)

Titelbild zu E91: Nur noch Schönes im Briefkasten – Wie kann die Briefflut aus Dokumenten und rein Informativem clever digitalisiert werden? – Christian Gericke (bitkasten)

Worum es geht

Christian Gericke von bitkasten erklärt, wie Briefkommunikation ohne Papier nachhaltig digitalisiert wird.

Christian Gericke ist Mitbegründer und Geschäftsführer von bitkasten, einem Nürnberger Softwareunternehmen. Das Unternehmen digitalisiert Briefkommunikation und Informationsaustausch für Unternehmen.

Der Bitkasten nutzt bestehende Druckdatenströme. Dokumente werden an die Postadresse gebunden, elektronisch zugestellt und über App oder Webinterface abgerufen. Kein Druck, kein Porto, nur sichere digitale Zustellung.

Gericke betont, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammengehören. Ein Brief verursacht etwa 20 Gramm CO2, eine E-Mail nur etwa 7 Gramm. Unternehmen sparen Kosten und CO2, ohne große IT-Projekte.

Der Fokus liegt auf praktischer Umsetzung: Keine Kundenportale, keine unnötigen Scans. Stattdessen zentrale, sichere Plattform für alle Dokumente. Zukunftsidee: Integration mit Online-Banking und automatische Zahlungen.

Ursprüngliche Shownotes 22.09.2021

Wer kennt nicht die Tage, an denen der Briefkasten voller Post ist – und alles sind nur Rechnungen, Versicherungsdokumente und Eigenwerbung der Bank oder der Energieversorger. Vielleicht noch ein kommunaler Fragebogen, der ausgefüllt und zurückgeschickt werden soll.
Viel Papier!

Auf der anderen Seite ein volles Mailpostfach mit vergleichbaren Inhalten. Was passiert? Viel davon wird ausgedruckt, abgeheftet und nach einer angemessenen Zeit entsorgt.
Noch mehr Papier!

Das meiste davon ist natürlich notwendig, aber so viel weniger erfreulich als eine Urlaubspostkarte oder ein sogar Liebesbrief!

Druckt doch einfach gewisse Sachen gar nicht mehr

„Emotionslose Dokumente“, so nennt Christian Gericke Dokumente wie Gehaltsabrechnungen, Versicherungspolicen, Verträge, Rechnungen und administrative Informationen. Und findet, dass die im Briefkasten von heute nichts mehr zu suchen haben.

Er geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er selbst klimaneutrales Drucken in Frage stellt: „Wir sagen: Druckt doch einfach gewisse Sachen gar nicht mehr, sondern stellt sie auf eine sichere Art und Weise digital zu. Und wenn wir von digitaler Zustellung reden, heißt das nicht automatisch E-Mail!“

„Wir“, das sind Christian Gericke und seine Mitstreiter vom bitkasten. Der bitkasten ist eine Digitalisierungs- und Kommunikationsplattform. Seine Aufgabe ist die vollständige Digitalisierung von Briefkommunikation und Informationsaustausch. Und damit bietet der bitkasten noch viel mehr als ein digitaler Briefkasten!

Briefpost und Dokumente – einfach digital

„Wir sind unterwegs, Prozesse wirklich digital abzubilden und klimaneutral aufzustellen, indem einfach nicht gedruckt wird. … Wir haben im Endeffekt das Prinzip der analogen Post – eines der ältesten Prinzipien, die es in dem Umfeld gibt – in die neue Zeit gehoben.“, erzählt Christian Gericke in unserem Interview.

Und er berichtet noch viel mehr:

  • Geschichten aus dem Leben der „papierverliebten Industrien“, wie er Banken, Versicherungen, Energieversorger nennt
  • Was es bedeutet, Briefprozesse wirklich digital abzubilden
  • Wie man fertige Datenströme ohne großartigen Mehraufwand für intelligent Digitalisierung nutzen kann
  • Über seine Abneigung gegen Greenwashing und wie er den ökologischen Nutzen des bitkastens beschreiben würde (Interessantes Understatement!)
  • Wie im bitkasten Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammenkommen und ihn ökologisch und smart machen

Hört rein! Es ist spannend und echt erhellend.

Links aus dem Interview

Unser Interviewpartner & sein Arbeitsfeld

Buchtipp

  • Digital unplugged: Über außergewöhnliche Phänomene und Macher unserer Zeit
    Unternehmensgründung, Online Marketing, Digitalisierung und Wirtschaft neu verstehen
    Philipp Westermeyer

Transkript

3.411 Wörter

Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.

Hallo Welt, liebe Menschen, herzlich willkommen bei unserem Software for Future Podcast. Ich bin Friederike Löwe und gleich wirst du auch Nils Löwe. Wir führen als Unternehmerpaar die Line Isis. Jetzt geht es direkt los mit einem Interview von Nils und Christian Gericke von Bitkasten. Die beiden sprechen heute über die Digitalisierung der Briefkommunikation. Ich wünsche dir jede Menge Spaß beim Zuhören.

Ja, herzlich willkommen zu einer weiteren Folge des Podcasts Software for Future. Heute spreche ich mit Christian Giericke vom Bitkasten. Christian, erzähl doch mal, stell dich mal vor, wer bist du, was ist der Bitkasten?

Ja, vielen lieben Dank erst einmal für die Einladung. Also der Bitkasten, wir sind ein deutscher Softwarehersteller, kommen aus dem schönen Nürnberg. Und was wir machen, ist, wir kümmern uns um die vollständige Digitalisierung der Briefkommunikation und des Informationsaustauschs. Das heißt, wir sind eine Digitalisierungs- und Kommunikationsplattform. Und unser Schwerpunkt ist, und das ist auch so ein bisschen so unser Markenclaim, ist, dass wir sagen, wir sind ökologisch, nachhaltig und auch smart. Das heißt, was macht der, vereinfacht dargestellt, mit dem Bitkasten überbrücken Unternehmen quasi so die letzte Meile zum Kunden, zu einem Bürger oder aber auch zu einem Mitarbeiter in einem internen Anwendungsfall durch die gesamte Digitalisierung der In- und Output-Prozesse.

Das ist so das, was wir so High-Level machen.

Spannend. Nachhaltig ist schon genau das Stichwort. Bevor wir jetzt tiefer einsteigen und ich ganz viel frage, wie das denn genau funktioniert, Erzähl doch mal in deinen Worten, wie hängen Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen?

Die Output AG gibt es schon relativ lange, die gibt es schon seit 2008. Und was wir halt festgestellt haben in jahrelanger Projektarbeit ist, dass eigentlich dieses ganze Thema Digitalisierung mit nachhaltig wirklich einhergehen muss. Nachhaltigkeit ist natürlich in den letzten Jahren so einem dieser großen Basswörter geworden in den Unternehmensstrategien und auch in der Unternehmenskommunikation. Aber unserer Meinung nach gibt es da auch noch relativ viel Schönfärberei oder Greenwashing und man hört natürlich ständig, dass Corona auch die Digitalisierung beschleunigt und das ist ja auch in vielen Bereichen so. Aber was wir uns anschauen ist, und das hat dann auch zu der Produktentwicklung geführt, die wir 2018 quasi gestartet haben, ist, dass wir sagen oder dass wir uns wirklich gefragt haben, warum müssen denn beispielsweise immer noch Gehaltsabrechnungen gedruckt werden oder wozu müssen immer noch Rechnungen gedruckt werden?

Und wir unterscheiden da ganz klar auch zwischen, wir sagen es immer, ich sage mal so emotionslosen Dokumenten, wie zum Beispiel Gehaltsabrechnung oder auch einfach auch eine Rechnung oder Dokumente, die dann tatsächlich sinnvoll sind, wie zum Beispiel ein Mailing, wo es auch einfach eine gewisse Haptik gibt. Und wenn man heute sieht, wie viele Unternehmen, und das sind gerade Banken, Versicherungen, Energieversorger, sind, ich nenne es immer papierverliebte Industrien. Und selbst mir geht es so, dass ich teilweise drei Sendungen von einer Bank an einem Tag bekomme. Und das ist gerade so aus Gründen der Nachhaltigkeit, wenn man sieht, wie viele Milliarden Briefsendungen es jedes Jahr gibt, ist das natürlich einfach was, was wir versuchen wollen zu vermeiden.

Ja, und diese Nachhaltigkeitsprogramme, die viele Unternehmen haben, die sagen halt, ja, wir drucken halt klimaneutral, ja, aber wir sagen einfach, druck doch einfach gewisse Sachen einfach gar nicht mehr, ja, sondern stellt sie auf eine sichere Art und Weise digital zu, ja, und wenn wir von zum Beispiel digitaler Zustellung reden, ja, heißt das ja nicht automatisch E-Mail. Das heißt also, wir sind wirklich in dem Bereich unterwegs, Prozesse wirklich digital abzubilden und einfach klimaneutraler sich aufzustellen, indem einfach nicht gedruckt wird.

Kannst du das ein bisschen genauer beschreiben? Also ich meine, also wenn du jetzt sagst, heißt nicht automatisch E-Mail, das ist ja das, was die Leute da draußen eigentlich darunter verstehen. Ich kriege meine Gehaltsabrechnung jetzt per E-Mail und da gibt es natürlich auch Ängste, dass jetzt bestimmte Inhalte vielleicht nicht geeignet sind, per Postkarte geschickt zu werden. Wie macht ihr das?

Also wir haben im Endeffekt das Prinzip der analogen Post mit einem der ältesten Prinzipien, die es in dem Umfeld gibt, nämlich haben wir eigentlich in die neue Zeit gehoben. Das heißt, wir nehmen tatsächlich die Postadresse, um den Adressaten, um den Empfänger dementsprechend zu identifizieren. Weil wenn du dir gerade anguckst, auch, und ich will jetzt gar nicht in die großen rechtlichen oder nicht in die Sicherheitsthemen gehen, aber E-Mail ist in vielen Branchen ja schon, wie du eben auch sagst, das Problem behaftet. Was aber alle eigentlich haben, ist ja die Postadresse. Und das ist das, was wir machen. Das heißt, wir nehmen tatsächlich die Postadresse und identifizieren den Nutzer digital an der Postadresse und stellen dann dementsprechend zu.

Und auf welchen Weg wird zugestellt? Also angenommen, ich würde jetzt von einem Energieversorger meine Rechnung über euer System beziehen wollen, wie würde das für mich aussehen?

Du würdest dir beispielsweise die App runterladen, die wir haben, die Bitkasten-App, kannst dich mit dem elektronischen Personalausweis daran identifizieren und dann wissen wir ja, wir machen das schon sehr, sehr lange, dann wissen wir ja dementsprechend, wer du bist und wir identifizieren dich an der Adresse. Das heißt, der Energieversorger schickt uns seinen Druckdatenstrom, den er sowieso schon fertig hat. Der Bitkasten-Server guckt sich das dementsprechend an, identifiziert diejenigen, die elektronisch abholen und diejenigen, die elektronisch nicht abholen. wie du holst ja in dem Fall elektronisch ab über die App oder über das Webinterface, die würden dann wieder in den bestehenden Druckprozess zugeführt, um sicherzustellen, dass alle Dokumente entweder elektronisch oder gedruckt dementsprechend den Empfänger erreichen.

Ah, okay, das heißt, ihr geht wirklich in den, also für den Fall, dass jetzt nicht wie bei uns hier irgendwie überhaupt nur 15 Rechnungen im Monat auf einen lokalen Drucker rausgehen, sondern ihr hängt euch im Prinzip zwischen die Buchhaltung eines Unternehmens in den Datenstrom und da hängt eigentlich ein Druckzentrum hinter.

Genau, was wir machen ist, wir setzen auf bestehende Datenströme auf, technisch gesprochen. Das heißt, wir nehmen den fertigen Druckdatenstrom, schicken den zu unserem Server und das führt halt auch dazu, dass Unternehmen sehr, sehr schnell mit uns dann live gehen können. Wir haben jetzt letztens einen großen Personaldienstleister zum Beispiel ongebordet. Der hat dieses Thema der Mitarbeiterkommunikation, der Digitalisierung, war in drei Wochen abgeschlossen. Und das ist natürlich was, was Unternehmen heute auch wollen, dass sie digitalisieren, aber ohne ein großes IT-Projekt, ohne große Risiken, sondern wir setzen ja auf die bestehenden Prozesse auf und sind dann sehr, sehr schnell live, ohne Risiko und auch ohne Investment.

Das ist spannend. Habt ihr mal andersrum versucht zu benennen, wie groß euer positiver Impact ist?

Ja, das ist, also wir betreiben da kein Greenwashing. Ich weigere mich da auch, muss ich ganz ehrlich sagen. Wir hatten auch mal überlegt, ob wir den Bitkasten CO2-neutral machen. Das könnten wir ja quasi machen über Klimazertifikate. Man rechnet damit, dass ungefähr ein Brief, ungefähr 20 Gramm, das ist ein bisschen schwierig, ungefähr 20 Gramm CO2 mit dem ganzen Thema Druck, Papierherstellung und auch Transport produziert. Wir nehmen als Vergleichswert ungefähr den Wert, der so für eine E-Mail ungefähr genommen wird. Und das sind meines Erachtens so 7 Gramm. Also es ist schon eine deutliche Einsparung auf der CO2-Seite, aber es ist natürlich auch eine deutliche Einsparung auf der Kostenseite, weil Unternehmen einfach dieses ganze Thema Drucken und Zustellen und Porto einfach nicht mehr haben, sondern dementsprechend an uns ein elektronisches Porto entrichten.

CO2-Neutralität ist immer nochmal ein anderes Thema, aber wenn du sagst 20 Gramm für einen klassischen Brief und 7 Gramm auf eurer Seite, Klar, da wird keiner zu promoviert haben und das wird jetzt nicht aufs Nachkomma genau sein. Aber das ist ja mindestens eine Halbierung. Da kann sich ja jeder ausrechnen, wie viele Briefe schicke ich so über einen Monat. Das heißt, die Einsparung, die würde ich jetzt sagen, das ist kein Greenwashing, die ist doch real.

Viele Unternehmen, und wir sehen es gerade ganz stark in der Versicherungsbranche, aber auch bei Banken, bei Energieversorger, wir sind auch im kommunalen Umfeld, ist es so, dass sie alle irgendwo versuchen, ja, mit ihrem Bürger, mit dem Mitarbeiter oder auch dem Kunden dementsprechend auch zu kommunizieren. Und was uns oder was mich teilweise auch ehrlich gesagt fast ein bisschen wütend macht, muss ich ganz ehrlich sagen, ist, dass einfach Unternehmen in dem Umfeld einfach auch keine neuen Wege gehen. Viele arbeiten nach wie vor mit Kundenportalen, versuchen, ihre Kunden dementsprechend in Kundenportale zu bekommen. Und ich habe jetzt auch schon mit Versicherern gesprochen, die Erhebungen gemacht haben, zum Beispiel, die gesagt haben, Kunden melden sich von dem Portal ab, lassen es sich nach Hause schicken, scannen es da dann ein, legen es privat ab und schmeißen es weg.

Und das ist natürlich irgendwo absurd. Oder das Beispiel, was ich vorhin auch schon sagte, dass man teilweise drei, vier, fünf Briefe an einem Tag bekommt. Das ursprüngliche Problem der Datenaufbereitung bleibt natürlich immer noch da. Das lösen wir natürlich auch nicht. Aber es ist einfach so, dass wir das einfach digitalisieren und dadurch auf jeden Fall schon mal besser machen und Kunden damit auch einfach einen neuen Kanal zur Verfügung stellen, wie sie vielleicht auch ihre Kunden erreichen.

Wie seid ihr damals auf die Idee gekommen? Also du hast vorhin gesagt, euch war schon länger klar, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen müssen. Was war der Stein des Anstoßes? Eher die Digitalisierung oder eher die Nachhaltigkeit?

Ich glaube, es geht Hand in Hand. Ich glaube, es geht Hand in Hand. Also es war mit Sicherheit, die Nachhaltigkeit war ein großer Treiber, weil wir halt jahrelang in diesem Output-Geschäft unterwegs waren und wir einfach auch gesagt haben, warum muss man das immer noch drucken, wenn es auch teilweise einfach wenig Sinn macht. Und haben da dann angefangen, diese Idee des zentralen digitalen Bitkastens, als zentralen Briefkasten quasi zu entwickeln, weil das ist ja unsere Vision. Unsere Vision ist ja, dass viele Versender dementsprechend daran teilnehmen und umso mehr teilnehmen, umso größer wird natürlich auch der Nutzen für die Privatperson, dass du dann nicht mehr, ich sag mal, in unterschiedliche Portale musst oder du kriegst es hier, kriegst es per E-Mail, da kriegst du es vielleicht gar nicht, sondern dass es dann einfach alles zentralisiert wird und dementsprechend du dann über, idealerweise, das ist so die große Vision, über eine Lösung deine gesamte digitale Post bekommst.

Du hattest eben in einem Nebensatz gesagt, du willst gar nicht mit den ganzen rechtlichen Themen anfangen. Wie ist das denn mit Rechtssicherheit, gerade vor dem Hintergrund, dass, glaube ich, eins von beiden, die E-Mail oder E-Postbrief, also einer von beiden ist ja gerade vor einer Weile abgeschaltet worden, ich glaube einfach, weil es nicht genutzt wurde, oder?

Es wurde nicht genutzt, es war zu kompliziert und es war, glaube ich, auch einfach zu teuer. Was wir machen und das ist im Bitkasten wirklich auch schön gelöst ist, wenn du dich im Bitkasten, in diesem geschlossenen, in sich geschlossenen System des Bitkastens bewegst, kannst du darüber natürlich viel mehr machen. Und deswegen nennen wir es nicht nur einen Briefkasten, sondern nennen es im Endeffekt eine Kommunikation- und Digitalisierungsplattform, weil wir da zum Beispiel auch einen rechtssicheren Austausch von Dokumenten sicherstellen können. Weil du bewegst dich ja in einem in sich geschlossenen System, was vom Grundsatz her auch ja die Idee von de-Mail war. Die Idee ist ja nicht schlecht.

Also es war halt einfach, ich sage mal, für Endkunden und für Unternehmen einfach auch zu schwer zu bedienen. Und wir haben bei uns also auch digitale Signaturlösungen integriert, um dementsprechend auch sicherzustellen, dass du auch rechtsverbindlich austauschen kannst und vor allen Dingen sicher. Und teilweise gibt es noch Themen, wo der Gesetzgeber auch noch ein bisschen hinterherhängt, beispielsweise solche Themen wie, du darfst einen Arbeitsvertrag, darfst du unterschreiben. Das machen wir mit Hilfe einer qualifizierten elektronischen Signatur. Eine Kündigung darfst aber zum Beispiel nicht unterschreiben. Gerade im kommunalen Umfeld gibt es auch noch unheimlich viele Fachverfahren und Prozesse, wo teilweise wirklich auch noch eine physikalische Anwesenheit, also zum Beispiel im Meldewesen, ja, einfach notwendig ist. Das könnte man natürlich auch digitalisieren.

Aber gerade dieses Thema Sicherheit bei E-Mail ist ein großes Thema und da war die Idee mit DE-Mail, denke ich, gut, aber 39 Cent für eine DE-Mail mit dem technischen Aufwand auch dahinter, den man ja auch als Privatnutzer dann haben musste mit dem ganzen technischen Gefummel da, das hat sich einfach nicht durchgesetzt und hat sich, glaube ich, ja auch zu einem Multimillionengrab entwickelt. Und führt daher im Moment auch wieder zu einem gewissen Aufleben, wie soll ich das sagen, der physikalischen Zustellung, weil einfach da jetzt ein gewisses Vakuum einer gesicherten Kommunikation entsteht.

Vor dem Hintergrund, was ist denn eure nächste große Herausforderung, an der ihr so gerade zu knacken habt?

Also eine große Herausforderung, an der wir arbeiten, sind natürlich immer Themen, dass wir den Bitkasten zu einem quasi digitalen, und das ist so ein bisschen meine Vision, zu einem digitalen Assistenten weiterentwickeln wollen. Wir haben heute schon Themen wie Signaturen und Sicherheit und so weiter, hatte ich eben schon gesagt, integriert. Wir denken da aber durchaus weiter. Also ich will jetzt den Zugang zum Bitkasten nicht nur mit dem digitalen Personalausweis, was ja ein sehr, sehr sicheres Verfahren ist, sondern zum Beispiel auch durch Online-Banking sicher machen. Das funktioniert dann so, dass du dich mit deinen Online-Banking-Daten mittels eines Dienstes quasi am Bitkasten anmelden kannst und die Bank stellt quasi dahinter als Vertrauensgeber zur Verfügung oder stellt sicher, dass, stellt die Daten zur Verfügung und stellt sicher, dass du auch derjenige bist, ja.

Und wenn wir natürlich das machen, denken wir natürlich auch an Themen wie Zahlungen beispielsweise. Wenn du zum Beispiel was bekommst, dass du dann automatisch aus dem Dokument zaraus zahlen kannst. Es gibt Möglichkeiten natürlich dann auch, und das ist gerade für Marketer spannend, wirklich die analoge Welt dann dementsprechend in der digitalen Welt auch zu verbinden. Du kannst ja mit dem Dokument interagieren. Du kannst vielleicht dann irgendwelche Marketing-Elemente mit einbauen. Du könntest theoretisch dann sogar aus dem Dokument irgendwelche Daten, Live-Daten abrufen, Und das sind Themen. Und was wir momentan auch ganz stark sehen ist, und das ist gerade im kommunalen Umfeld, ist es so, dass wir versuchen, uns da auch mit Fachverfahren auch auf der kommunalen Seite mit zu integrieren, um diese letzte Meile hin zum Bürger hin zu überbrücken.

Weil wenn du dir heute diese ganzen Bestrebungen anschaust, wie das Online-Zugangsgesetz OZG, ist es ja schon so, dass auch aufgrund der fehlenden Skills teils in den Kommunen und ich muss auch fairerweise sagen, teilweise des Lobbyismus, da Lösungen angeboten werden, die oft ein wenig am Bürger vorbeigehen. vorbeigehen, weil gerade das Thema dieser letzten Weile, wie erreiche ich den Bürger, wie kommuniziere ich mit dem Bürger, das wird oft nicht gesehen und da wird dann einfach dementsprechend ein PDF zum Download angeboten, das lädt der Bürger sich runter, füllt es dann aus mit der Hand, schickt es dann wieder ein und dann wird es dann gescannt oder über eine Posteingangsverarbeitung weiter bearbeitet. Das kann man ja heutzutage auch anders lösen. Das ist auch nicht nachhaltig und es ist einfach auch von den Prozesskosten ist das natürlich auch mehr als suboptimal.

Ja. Ich glaube, das ist ein spannender Punkt, da dran zu arbeiten, wenn man überlegt, dass jetzt eigentlich jeder Bezirk, jede Kommune, alle hatten irgendwie mit ihren Corona-Hilfeanträgen zu tun und ich weiß nicht, wie viele Einzelfrickellösungen da geschaffen wurden. Von daher, damit in Kontakt gekommen sind, glaube ich, gerade alle. Da jetzt einmal hinterher aufzuräumen und eine vernünftige Standardlösung zu schaffen, ist sicherlich ein dankbarer Sales-Job verglichen mit vor zwei Jahren.

Ja, ist aber auch ein schwerer Job insofern, weil es da auch unterschiedliche Strömungen natürlich gibt. Hier gibt es also viele, die da unterschiedliche Ideen haben, in welche Richtung sie da gehen wollen. Also es ist ein sehr, sehr schwieriges Umfeld auch.

Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Wenn wir mal dieses ganze Thema Nachhaltigkeit, Digitalisierung betrachten, gibt es da Quellen, mit denen du dich gerne auf dem Laufenden hältst? Was kannst du da weiterempfehlen?

Also wir lesen natürlich immer relativ viele Studien in dem Umfeld. Ich muss sagen, es gibt nicht allzu viel in dem Umfeld. Also gerade die Zahlen, die ich eben schon mal genannt habe, mit den Nachhaltigkeitszahlen, also zum Beispiel Druck versus E-Mail und so weiter, gibt es relativ wenig. Wir haben jetzt eine Kollegin eingestellt, die sich um unsere Kunden kümmert hauptsächlich, also die ist quasi Customer Happiness Managerin, die hat aber Nachhaltigkeit studiert. Und da haben wir jetzt tatsächlich angefangen, also auch selber Untersuchungen in dem Umfeld zu machen. Und was ich natürlich jetzt auch privat momentan mache, ist, ich lese natürlich unheimlich viel in diesem Umfeld, auch mit der Digitalisierung.

Was sind da die neuen Trends? Und lese momentan auch, ich muss es ja mal zugeben, ich habe jetzt gerade das Buch geschenkt bekommen von Philipp Westermeyer, Digital Unplugged. Ich höre das sowieso relativ viel OMR. Und das ist also auch eine ganz spannende Geschichte.

Das digital an Plug nehme ich mal auf, das habe ich tatsächlich auch hier auf dem Regal liegen. Du hast von den Studien gesprochen, kannst du da irgendeine konkret benennen, die ihr gut fandet?

Nee, müsste ich nochmal rausholen.

Okay, alles gut. Also falls dir noch eine einfällt und du sie mir per Mail hinterher steckst, wir verlinken das ja alles in dem Artikel.

Ich habe eine, wenn ich die finde, ich habe eine Studie, die sind aber relativ alt, die sind schon von 2017, 2018. Die schicke ich dir nochmal.

Ja, cool, gerne. Dann komme ich zu meiner letzten Frage für heute. Gibt es jemanden, den du gerne in einem kommenden Interview von mir ausgefragt hören würdest?

Also unbedingt. Wen ich dir vorschlagen würde, mit dem ich jetzt auch Anfang der Woche wirklich, glaube ich, einen tollen Podcast und einen tollen Web-Talk aufgenommen habe, ist der Matthias Mett. Der Matthias ist Mitbegründer und Geschäftsführer der sogenannten Make-Better GmbH. Das heißt, es ist ein kleines Beratungshaus für digitale Transformation. Was er aber macht ist, und er arbeitet in einer sehr, sehr spitzen Zielgruppe, ist, er kümmert sich hauptsächlich um Stadtwerke. Das heißt, er hat also auch eine Online-Plattform, die nennt sich digitale-stadtwerke.de und er arbeitet wirklich in dieser beschaulichen Stadtwerke-Welt, die ja natürlich auch von jeglichen Disruptionen irgendwo umzingelt ist.

Und er hilft wirklich da denen auch, er hilft denen bei der Digitalisierung, diese unterschiedlichen Daten, die die dann haben, auch hin zum Kunden auch zu transportieren und ist also da, was das angeht, auch ein, glaube ich, ein toller Gesprächspartner mit unheimlich viel Erfahrung in dem Umfeld.

Das klingt spannend. Cool. Ja, sehr, sehr gerne. Bin ich inspiriert, mit dem zu reden. Ja, ich bin damit durch mit meinen Fragen für jetzt und hier. Möchtest du berühmte letzte Worte in die Runde schmeißen?

Ich schmeiße ein paar Worte in die Runde. Ich glaube, es ist gerade wichtig in diesem Umfeld der Digitalisierung, dass man da einfach nicht nur drüber spricht, weil viele sprechen gerade über dieses Thema, sondern dass man einfach auch mal den Mut entwickelt, einfach mal Sachen zu ändern und neu zu machen, sondern nicht nur an dem beharrt. Und da ist natürlich Mut zur Veränderung, aber natürlich auch Skills ein unheimliches Thema, die man dann im Unternehmen, in der Kommune haben muss. Und das ist das, mit Unternehmen und mit Kommunen zusammenzuarbeiten, die das haben, macht natürlich unheimlich viel Spaß. Und wir sind da auch in Anführungsstrichen klein genug, um auch solche Leuchttürme dann in der Industrie auch zu bauen. Und wir bringen dann die Steine mit und das Personal. Wir brauchen halt nur einen Bauplatz.

Das ist ein schönes Schlusswort. Ja, ganz vielen Dank für deine Zeit. Danke dir. Ich fand das wieder sehr inspirierend. Ich habe viel gelernt. Und dann, ja, euch allen da draußen, vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

So, da bin ich wieder. Schön, dass du noch da bist und bis hierher zuhören mochtest. Die Shownotes mit Links zur Empfehlung aus dieser Episode findest du auf softwareforfuture.de. Mich würde ja interessieren, wie hat dir diese Episode gefallen, mit dir in Kontakt zu kommen? Und jetzt wünsche ich dir noch eine schöne weitere Woche. Wir sind der Software for Future Podcast. Wir entwickeln für andere Unternehmen Software,

die uns als Menschheit helfen soll, der Klimakrise die Stirn zu bieten. Danke fürs Zuhören. Untertitelung des ZDF für funk, 2017

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