E9227.10.202129 Min
Neuware oder Refurbished – In welchem Maß kann Kreislaufwirtschaft unseren Umgang mit kritischen Rohstoffen verbessern?
Im Gespräch: Christopher Sweetsir (Techbuyer)

Worum es geht
Christopher Sweetser von Techbuyer erklärt, wie gebrauchte Server die Nutzung kritischer Rohstoffe nachhaltig verbessern.
Christopher Sweetser ist Business Development Manager bei Techbuyer. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Aufbereitung und Wiederverwendung von gebrauchter Server-Hardware. Es betreibt eine Kreislaufwirtschaft im Rechenzentrumsbereich.
Techbuyer kauft gebrauchte Server ein, bereitet sie auf, löscht Daten (DSGVO-konform) und verkauft sie wieder. Jeder Server enthält etwa zehn kritische Rohstoffe. Die Lebensdauer von Neuware liegt bei drei bis fünf Jahren, gebrauchte Server können über 20 Jahre genutzt werden.
Die Hauptherausforderung ist die Wahrnehmung: Viele Kunden glauben, gebrauchte Hardware sei weniger zuverlässig. Techbuyer weist mit Studien nach, dass gebrauchte Hardware nicht schlechter ist als Neuware. Energieeffizienz allein reicht nicht für Entscheidungen – auch Wartung, Migration und Kosten spielen eine Rolle.
Techbuyer arbeitet mit großen Herstellern zusammen, fördert nachhaltige Verpackung (bis 70 % recycelt) und setzt auf gemeinsame Lösungen mit Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Die eigene Software InteractDC unterstützt die Effizienz von Rechenzentren.
Ursprüngliche Shownotes 27.10.2021
Recycling, Upcycling, Sharing. Nachhaltigkeit an sich. All das sind Strategien, die in den vergangen Jahren vermehrt in den Fokus unserer Gesellschaft gelangt sind. Und das mit gutem Grund.
Doch gleichzeitig mit dem grünen Bewusstsein von Menschen, Unternehmen und Gesellschaft ist der Bedarf an digitalen Produkten und Geräten gewachsen. Digitalisierung und Globalisierung sind von einem sich rasant entwickelnden Energie- und Rohstoffhunger geprägt. Und besonders Produkte, die unser modernes Leben ermöglichen, enthalten oft mehrere kritische Rohstoffe gleichzeitig.
Dazu gehören neben den heiß geliebten mobilen Geräten auch zahllose Server, deren Existenz in den Rechenzentren dieser Welt das Internet und seine fantastischen Möglichkeiten schafft.
Außen Top, innen … na, ja …
In jedem neuen Server sind ungefähr zehn der weltweit kritischen Rohstoffe verbaut. Dabei wird jedem dieser Server standardmäßig nur eine Lebensdauer von 3 bis 5 Jahren zugemessen. Dann wird er entsorgt. Es passiert nichts mehr mit ihm. Jedenfalls meistens.
„… und die kritischen Rohstoffe waren verschwendet bzw. die Rechenleistung des Servers wurde verschwendet.“, so ungefähr erzählt es unser Gast Christopher Sweetsir.
Doch er wäre nicht unser Gast, wenn sein Unternehmen Techbuyer nicht die passende Lösung für dieses Dilemma hätte.
Kreislaufwirtschaft statt kurzer Existenz
„Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, nachhaltige Rechenzentrumslösungen zu bieten.“, sagt Christopher Sweetsir. Heißt: Techbuyer kauft gebrauchte Geräte auf und bereitet sie für den Wieder- oder Weiterbetrieb auf. Inklusive Garantie!
Mit diesem Ansatz ist Techbuyer seit 2005 zu einem der großen nachhaltigen Refurbisher im Markt geworden. Und das, weil – wirklich wieder einmal! – der heutige CEO Kevin Towers in einer Garage anfing, Server aufzubereiten. Ansatz: „Wozu Neuware? Die alten Geräte tun’s genau so gut. Die müssen nur ein bisschen aufgefrischt werden werden.“
Der sich ergebende Kreislauf aus Ankauf, Aufbereitung und Verkauf schließt sich perfekt, wenn Zulieferer und Kunden dieselben sind. Und das kommt mehr als einmal vor.
Mehr Refurbys für alle!
Bedenken wegen Garantie oder Zuverlässigkeit? Die gibt es bei einigen Endkunden, doch „wir haben wissenschaftlich fundiert nachgewiesen, dass gebrauchte Hardware nicht schlechter ist als Neuware und auch vom Lebenszyklus keine Einbußen hat.“ So Christopher Sweetsir.
In Zahlen heißt das, dass sich die Lebensdauer eines Servers von 5 auf bis zu 20 Jahren verlängern kann. Was für ein Ausblick.
Und er sagt auch, dass jede Person Techbuyer-Kunde werden kann. So ist Techbuyer besonders seit 2020 verstärkt im Markt für refurbished Notebooks aktiv und erfolgreich.
War es das?
Noch lange nicht. Wie es aussieht, ist das ganze Thema Refurbished Hardware noch lange nicht so präsent, wie es umwelttechnisch sinnvoll wäre.
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Mehr Hintergrundinformationen gibt es in unserer Quellenliste.
Links aus dem Interview
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Transkript
3.695 Wörter
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Herzlich willkommen bei unserem Software for Future Podcast. Ich bin Friederike Löwe und gleich hörst du auch Nils Löwe. Wir führen als Unternehmerpaar zusammen die Lionizers. Heute hörst du ein Interview mit Nils und Christopher Sweetser von TechBuy. Die beiden sprechen über Kreislaufwirtschaft in Rechenzentren. Da bin ich richtig gespannt.
Ja, herzlich willkommen zur 91. Folge des Podcasts Software for Future. Heute spreche ich mit Christopher Sweetser von TechBuy. TechBuy wurde sich gewünscht vor einigen Folgen von Beatrice von Nachhaltig Digital. Ich bin sehr froh, dass wir das Gespräch heute führen können. Christopher, herzlich willkommen. Vielen Dank, dass du da bist. und ja, ich übergebe direkt mal an dich. Wer bist du und was macht Techbuyer?
Ja, vielen Dank für die Einladung, Nils. Ich bin Business Development Manager bei Techbuyer. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, nachhaltige Rechenzentrumslösungen zu bieten, sprich nicht immer die neueste Hardware in den Markt zu pushen, sondern dass wir wirklich eine Kreislaufwirtschaft im Rechenzentrumsbetrieb darstellen können. Jetzt gebrauchte Hardware, sprich wir kaufen gebrauchte Hardware aus dem Markt heraus, bereiten die wieder auf und stellen die dem Markt wieder zur Verfügung.
Das macht auf den ersten Blick einfach total Sinn, wenn man sich überlegt, wie die Welt funktioniert. Du hast gerade schon ein ganz spannendes Wort gesagt, das in diesem Podcast, glaube ich, noch nicht gefallen ist. Das ist Kreislaufwirtschaft. Da würde ich gleich noch ein bisschen mehr zu hinterfragen wollen. Aber vorab die Frage, mit der es eigentlich immer losgeht. Diese beiden großen Worte, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Wie würdest du die zusammenbringen? Welchen Einfluss hat Digitalisierung auf unsere Welt heute?
Ich glaube, den größten, den irgendwie wir bisher hatten. Es gab nie eine derart große Vernetzung von einzelnen Individuen weltweit. Das ist die große Chance für uns, durch Digitalisierung Nachhaltigkeit voranzubringen. Noch nie haben so viele schlaue Leute auch miteinander direkten Kontakt haben können, ohne großartig reisen zu müssen. Wir sehen das, wir können so miteinander reden, obwohl wir hunderte Kilometer voneinander entfernt sind. Wenn wir da die richtigen Leute aufmerksam machen, wenn wir dann eine große Masse an Leuten auch aufmerksam machen, auch die Thematik Nachhaltigkeit und Digitalisierung, was das bedeuten kann im Einzelnen, welche Ersparnisse, welche zukunftsweisenden Ideen dadurch entstehen können, dann ist das für mich, wo Digitalisierung Nachhaltigkeit trifft.
Jetzt ist, man muss ja sagen, zum Glück, dass es überhaupt losgeht. Leider, dass es jetzt erst losgeht. Also Nachhaltigkeit, ich habe das Gefühl, mit der letzten Bundestagswahl ist es überhaupt erst wirklich als großes Thema für alle anerkannt worden, dass es wirklich ein Thema ist, das uns alle betrifft. Das Thema ist jetzt eigentlich schon eine ganze Weile dringend präsent. Ich habe gelesen, TechBuyer gibt es schon seit 2005, richtig?
Das ist richtig. Also wir haben vorher anders firmiert. Vorher waren wir die Pinnacle Data. Tatsächlich klassisch gestartet, unser Chef, der Kevin Towers, in einer Garage. Wir haben angefangen, Server aufzubereiten mit dem Ansatz, man braucht nicht immer Neuware, sondern die alten Geräte tun es genauso gut. Die brauchen nur noch ein bisschen, die müssen ein bisschen aufgefrischt werden, vielleicht muss man da eine Batterie getauscht werden, vielleicht da mal ein Power Supply. Aber dieser ökologische Hintergrund, dass man sagen muss, okay, das ist noch nicht schockfrei, das war der sozusagen der Startpunkt für TechPay. Und ja, wir sind, wie du gerade gesagt hast, es wird aktuell gerade so thematisiert, aber das Thema ist eigentlich schon sehr alt.
Wir machen es von Anfang an. Unterm Punkt Nachhaltigkeit, unsere Hardware war immer schon nachhaltig. Es war nur nie ein breites Thema für die Öffentlichkeit. Wenn man überlegt, in den letzten Jahren war der Einsatz von gebrauchter Hardware im Markt unter 10%. Das ist schon wenig, würde ich sagen. Also dafür, dass die Möglichkeiten da sind, gerade auch im deutschen Markt, in anderen Märkten sieht es ein bisschen besser, aus, aber der Deutsche Markt ist da relativ konservativ, was Server-Hardware angeht.
Kannst du sagen, wie sich das über die Jahre entwickelt hat? Also ich meine, 2005 ist schon ein Moment her und wenn der Markt jetzt bei unter 10% immer noch ist, wart ihr die Ersten in Deutschland? Wie hat das angefangen?
Also es ist so ein bisschen, wir als GmbH waren mit der ersten, die das zumindest in die Öffentlichkeit getragen haben. Also es gibt diesen Sekundärmarkt, den gibt es schon sehr lange. Den gibt es auch schon seit mehr als 15 Jahren. Sprich Ersatzteilbeschaffung, solche Geschichten, die von Herstellern betrieben wird, der wird oftmals auf gebrauchte Hardware zurückgegriffen. Weil es einfach unsinnig wäre, immer wieder neu auch die alten Geräte zu produzieren. als die gerade jemanden Lebenskennzyklus, ja, wo dann halt einfach gebrauchte Hardware benutzt wird. Aber der Zugriff auf die breite Öffentlichkeit war nie da, sodass man sich in Anführungszeichen ein neues Rechenzentrum hinsetzt, was mit gebrauchter Hardware läuft, das ist erst in den letzten Jahren entstanden.
Also die TechBuy ist auch in den letzten, ja, seit wir die GmbH gegründet haben, eigentlich rasant gewachsen. Als ich angefangen habe, gab es die TechBuy Limited mit knapp 40 Mitarbeitern, Mein Kollege Nino, Sinatra und ich haben dann 2017 die GmbH gegründet. Und seitdem sind wir auf weltweit über 250 Mitarbeiter angewachsen, an über sechs Standorten weltweit. Das heißt, wir sind mittlerweile groß. Wir sind einer der großen, nachhaltigen Refurbishers im Markt.
Ja, wow, das ist ein beeindruckendes Wachstum. Ja. Also ich finde, der Impact, der ist offensichtlich. Ich glaube, das müssen wir gar nicht groß erklären, einen gebrauchten Server zu benutzen, statt einen neuen. Das ist wie ein Gebrauchtwagen. Also ich schmeiße ein Auto auch nicht nach zwei, drei Jahren in Müll, sondern es wird halt gefahren. Du hast eben Kreislaufwirtschaft gesagt. Magst du da ein bisschen mehr drauf eingehen? Das ist ein Thema, also ich lese das immer wieder in den Medien. Also ich selbst könnte es jetzt wahrscheinlich erklären, aber ich weiß nicht, wie viele Leute, die hier gerade zuhören, schon eine Idee haben, was Kreislaufwirtschaft eigentlich so im Großen und Ganzen bedeutet.
Ja, also wenn man das jetzt an dem Beispiel eines Servers festlegen wollen würde, dann wird der anfänglich produziert. Es werden kritische Rohstoffe verbaut, die in jedem Server zum Einsatz kommen. Jeder Server hat ungefähr zehn der weltweit kritischen Rohstoffe verbaut. Das heißt, in seinem Lebenszyklus wird er produziert, hergestellt, vielleicht als kleiner Fakt an der Seite, jeder neu gebaute Server bindet knapp 1000 Kilo Kohlenstoff. Ja, er kommt in den Handel, er kommt zum Endkunden und dann war oft der Usus, dass wenn er beim Endkunden außerhalb des Gewährungszeitraums gelaufen ist, also sprich drei bis fünf Jahre, sprechen wir so in der Branche, dass das der aktuelle Lebenszyklus eines Servers ist, dann ist er danach oft weggebrochen worden.
ist irgendwo in irgendwelchen Lagerhallen gelagert worden und es ist einfach weiter nichts damit passiert und die kritischen Rohstoffe waren verschwendet beziehungsweise die Rechenleistung auch des Servers wurde verschwendet. Wo wir dann die Kreislaufwirtschaft ansetzen, ist dann die Ware, die dort dann nicht mehr zum Einsatz kommt, zurückzukaufen. Wir bereiten die wieder auf. Die muss natürlich funktionieren. Dementsprechend wird die wieder aufbereitet. von uns, also sprich, wir setzen, wir schauen uns jedes Teil an, was muss etwas erneuert werden, müssen Festplatten gelöscht werden, gerade heute auch ein ganz wichtiger Faktor, DSGVO, müssen wir jegliche Daten von allen Komponenten, die Daten enthalten können, löschen und wir, ja, wir bereiten die Server so wieder auf, dass wir die danach anschließend wieder in den Markt bringen können, das heißt, wir setzen wieder oben an, Der Kunde kann diese Partner wieder von uns kaufen und der Kreis ist geschlossen.
Ich habe spontan so ein paar Gedanken, ja eher wahrscheinlich Ängste von Kunden, die euch da begegnen. Also ich meine, bei einem Auto weiß ich auch, wenn ich, auch ein Neuwagen kann seine Probleme haben, aber in der Regel habe ich da mal eine Garantie. Und ich gehe ja davon aus, dass in dieser Garantiezeit eigentlich auch hoffentlich gar keine Probleme auftreten. Ich bekomme auch auf einem acht Jahre alten Gebrauchtwagen Garantie, aber das ist für mich eher die Gewissheit, da wird vermutlich irgendwas passieren in der Zeit. Es ist nur nicht wirtschaftlich mein Problem. Das ist jetzt bei einem privaten Auto eine Sache. Das ist bei einem Dienstwagen vielleicht schon eine andere Sache. Das ist aber bei einem Server, wo vielleicht mein Geschäftsmodell davon abhängt, dass das Rechenzentrum 24-7 funktioniert.
Noch eine andere Nummer. Ist das ein Thema für euch, dass irgendwie die Zuverlässigkeit in Frage gestellt wird?
Das ist einer der großen Mythen, sag ich mal, für refurbischte Hardware. Das ist natürlich das, worauf wir täglich kämpfen, teilweise auch gegen Windmühlen. Ich benutze auch gerne das Autobeispiel tatsächlich. Wenn ich mit Kunden spreche, sprich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Neuwagen Mängel hat, die sofort auftreten, die keiner vorher überprüft hat, sind höher, als wenn ich den Gebrauchtwagen kaufe, der schon 20.000 Kilometer gelaufen ist, der getestet wurde, der danach nochmal beim TÜV war. Dass der dann zuverlässig läuft, ist mindestens genauso wahrscheinlich wie bei den Neuwagen. Und das ist eine der großen Mythen, die wir da oft widerlegen möchten. Was wir erfahren, ist, dass die Annahme trotzdem eine andere ist.
Also oft wird für kritische Infrastrukturen weiterhin auf Neuware zurückgegriffen, was einfach schwierig ist, für uns dagegen zu argumentieren. Und wir können natürlich mit dem Preis argumentieren. Ich kann auch Daten und Fakten nennen. Wir haben zum Beispiel ein EEEE-Paper veröffentlicht. mit Universität in Israel, unter anderem auch einer in England. Da ist auch unsere Tochterfirma, die Interact, dabei. Da können wir bestimmt nachher auch mal drauf verlinken. Ja, also wir haben es wissenschaftlich fundiert nachgewiesen, dass gebrauchte Hardware nicht schlechter ist als Neubare, auch vom Lebenszyklus, keine Einbußen hat. Trotzdem ist es schwierig, dagegen anzukämpfen, weil man einfach gegen die großen Hersteller rennt, die sich da sträuben, tatsächlich.
Ja gut, aus Sicht der großen Hersteller kann ich es, also ich finde es nicht gut, aber ich kann es zumindest nachvollziehen.
Ja, das können wir natürlich auch. Wir arbeiten tatsächlich auch eng mit den großen Herstellern zusammen, muss man sagen, weil die natürlich andererseits unsere qualitativ hochwertig refurbischte Hardware auch setzen. Sprich, die großen Hardware kaufen. Was auch wieder gut ist für die Kreislaufwirtschaft, aber auf der anderen Seite natürlich auch ein bisschen von der einen Hand in die andere erscheint.
Ja. Also, was mir noch so als ein bisschen paralleles Modell einfällt, wo mich das gleich interessieren würde, wer so primär eure Kunden sind, zum Beispiel Hetzner hat ja eine Gebrauchserverbörse, also bei der wir zum Beispiel mehrere Server geordert haben, aber das ist ja nicht direkt vergleichbar, Hetzner stellt sich da irgendwie einen Schrank nach dem anderen hin und dann werden die mal für eine Weile gemietet und danach ist der Server, die bauen den dann nicht aus. Also, der steckt ja weiterhin an seinen Platz und dann kann ich halt auch einen gebrauchten Server mieten. Das macht jetzt für so einen großen Rechenzentrumsbetreiber vielleicht Sinn. Wer sind eure Kunden?
Im Prinzip kann jeder unser Kunde sein, der Hardware zum Einsatz bringt. Also, wir haben durch unsere verschiedenen Einrichtungen können wir sowohl Rechenzentren beliefern, Rechenzentren können aber auch unsere Lieferanten sein. Da sieht man wieder diesen Kreislaufwirtschaftsaspekt, der da zum Tragen kommt. Also sprich, unsere besten Kunden können auch unsere besten Lieferanten sein. Das ist einfach das tragende Prinzip und das kann vom kleinen Händler um die Ecke bis zum Endverbraucher, der seinen Laptop oder seinen PC aufrüsten möchte oder wieder verlängern möchte. Wir haben das gerade zu Corona ganz, ganz stark erfahren, als es dann ließ, okay, es geht jetzt in den Lockdown, gab es auf einmal einen unglaublichen Bedarf an Notebooks.
Und ja, wir haben da auch gesehen, dass es da einen Markt gibt, sprich, wir haben auch angefangen, Notebooks zum Beispiel zu refurbischen, wieder zu verwenden, da eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Und ja, also im Prinzip kann jeder unserer Kunde sein, der uns, unserer Expertise vertraut, der das möchte, Krankenhäuser, Universitäten sind unsere Kunden, große Systemhäuser sind unsere Kunden. Also wir haben eine sehr große Bandbreite, aber die Awareness ist einfach nicht so wirklich da im breiten Publikum, der breiten Masse. Wir haben auch, du hast es vorhin erwähnt, die Beatrice von Nachhaltig Digital. Wir haben auch in Workshops miteinander darüber gesprochen, dass da einfach auch tatsächlich die Signale aus der Politik fehlen, das mal in einen gesetzlichen Rahmen zu packen.
dass da angesetzt wird. Wenn das in einem gesetzlichen Rahmen wäre, dann wäre das Geschäft auch einfacher und man könnte deutlich einfacher nachhaltig handeln.
Stichwort nachhaltig handeln. Habt ihr Erfahrungswerte? Wie lang ist der realistische Lebenszyklus für so ein Server? Du hattest vorhin gesagt, drei bis fünf Jahre ist der neue Zyklus. Also wer nur an Neuware glaubt, tauscht dann wahrscheinlich ein Server nach drei bis fünf Jahren aus? Wenn ihr so einen refurbished, wie viele Jahre kann der realistisch eingesetzt werden?
Also wenn man überlegt, dass wir, wenn man jetzt so einen Lebenszyklus von fünf Jahren bei Neuware rausgeht und ich sehe, wir verkaufen Server-Konfigurationen, die teilweise drei oder vier Server-Generationen zurückgehen, dann können Server auch durchaus 20 Jahre im Rechenzentrum oder da, wo auch immer sie gebraucht werden, benutzt werden. Es kommt immer auf die Forderungen darauf an, was da gerade State of the Art ist, also sprich, wie die Anforderungen sind, wenn da alte Rechenprozesse drauf laufen, warum sollte der Server nicht noch weiterhin genutzt werden? Man muss dann natürlich ab und zu mal schauen, dass man vielleicht Power Supply erneuert oder Festplatten haben einfach auch einen bestimmten Lebenszyklus. Heute die SSDs haben auch einen bestimmten Lebenszyklus.
Ich mache bestimmte Schreib- und Lesezyklen, wenn die vorbei sind, dann war es das einfach leider. Da man nachhaltig erneuert, ab und zu mal vielleicht ein kleines Upgrade nur fährt, anstatt komplett neu zu kaufen, kann man deutlich mehr erreichen. Und wie gesagt, 20 Jahre kenne ich Maschinen, die so lange im Einsatz waren. Letztens noch mit einem Krankenhaus, wo ich früher mal gearbeitet habe, gesprochen. Die hatten tatsächlich noch einen der Server, die ich damals getreut habe, im Einsatz.
Cool. Also, wenn wir jetzt mal so gucken, Klimawandel ist, so wie ich das verstanden habe, im Wesentlichen eine Energiekrise und Energie können wir ziemlich direkt in CO2 umrechnen. wenn ich mir jetzt überlege, um es wieder mit Autos zu vergleichen, Autos werden in der Theorie energieeffizienter und auch Server werden ja energieeffizienter. Gibt das da irgendwo so einen, wie soll man das nennen, Breakpoint, wo man sagen muss, jetzt könnte ich den Server zwar noch länger betreiben, aber jetzt ist er so alt, dass es im Verhältnis so viel Energie im Betrieb kostet, dass es jetzt wirtschaftlich, also ganzheitlich wirtschaftlicher wäre, ihn zu ersetzen? Oder ist das da tatsächlich so, solange er funktioniert, laufen lassen? Weil die Hardware, du hast eben gesagt, 1000 Kilo Kohlenstoff gebunden in einem neuen Server.
Mir fehlt da ein Bauchgefühl zu Energie für den Betrieb und Energie für Produktion und Verwertung am Ende.
Ja, also die genauen Zahlen habe ich tatsächlich gerade nicht zur Hand. Natürlich werden die Server und die Rechenzentren effizienter, sprich der Energieverbrauch wird geringer, aber wir haben das auch, das ist auch Teil dieses EEEE-Papers, was wir veröffentlicht haben mit Interact, dass es durchaus Sinn macht, alte Server auch weiterhin laufen zu lassen, weil der Kosten-Nutzen-Faktor einfach nicht gegeben ist. Also sprich, die Energieeffizienz ist nicht so gravierend für den tagtäglichen Bau, dass es einen riesen Unterschied machen würde. Klar, wenn man 1000 Server davon hat, da muss man wiederum schauen, okay, benutzt man vielleicht anstatt der 1000 Server, migriert man einzelne Programme oder einzelne Datenbanken auf andere Server, die die gleiche Rechenleistung bieten können.
Und ja, also für mich macht es immer Sinn, die Server so lange wie möglich laufen zu lassen, solange sie Nutzen haben, solange sie kosteneffizient arbeiten. Man muss dem natürlich auch gegenüberstellen, denn wenn man sich jetzt einen neuen Server hinstellt, der kostet natürlich auch wieder Geld. Die Migration kostet Geld, es werden wieder Arbeitskräfte verbunden für diese Migration. Deswegen ist die reine Energieeffizienz vielleicht ein wichtiger Faktor, aber kein ganzheitlicher Faktor in dem Moment. Da muss man viele Faktoren abwägen. Das macht auch diese Interact Software unter anderem. Die misst auch Manpower.
Ja, auf jeden Fall komplexer, als man das auf den ersten Blick so annimmt, die ganze Frage. Was ist denn eure größte Herausforderung in dem ganzen Spielfeld, an der ihr gerade arbeitet?
Ja, die größte Herausforderung ist tatsächlich, wie ich das vorhin schon erwähnt habe, dieses Gemeingefühl für Nachhaltigkeit und dieses Gefühl von Gemeinschaft, wir können das gemeinsam erreichen, dafür müssen aber alle mit anpacken. Das ist so die Herausforderung, vor der wir stehen, sprich unsere Kunden anzusprechen, denen es verständlich auch zu machen, welchen nachhaltigen Nutzen es hat, gebrauchte Hardware zu benutzen. Das ist für mich oder für uns auch persönlich eine der größten Hürden, vor der wir stehen.
Und was ist da euer Ansatz? Also, was ist ein realistischer Weg, das zu lösen?
Wir versuchen natürlich auf diversen Messen, wir haben diverse Publikationen, wir haben Reports, wir haben Blogs, also wir versuchen das natürlich so weit wie möglich irgendwie zu streuen. Man darf nicht vergessen, natürlich haben wir natürlich auch einen wirtschaftlichen Ansatz, den wir dann wiederum dafür benutzen können, weiter nachhaltig zu sein. Also das, was wir erwirtschaften, das setzen wir wieder in Forschung ein. Also sprich, wir haben auch nachhaltige Verpackungsmaterialien erforscht mit einer englischen Firma zusammen. Vorher gab es zum Beispiel in dem Bereich wurde 7% recyceltes Foam, nennt sich das so, das Verpackungsmaterial, was so bei Servern benutzt wird, da waren nur 7% von recycelt und durch diese Studie haben wir bis auf 70% recyceltes Material hochgebracht.
Und wenn man da alle zusammenarbeiten und wenn wir da zeigen können, was funktioniert, das funktioniert auch noch, nur wenn wir wirtschaftlich auch das ermöglichen können, dann können wir solche Sachen auch zeigen, dann können wir Gespräche führen, dann können wir auf Messen gehen, dann können wir bei der Bundesstiftung auch vorstellig werden und dann auch was fordern. Aber das können wir alles nur als Gemeinschaft. Wir können das nicht alleine stemmen, sondern da muss die Politik mit angreifen, da muss die Wissenschaft mit angreifen und da muss der Handel auch mit angreifen. Gemeinsam kann man das schaffen.
Das ist eines der verbindenden Elemente, muss ich sagen. All dieser Podcast-Interviews, die Welt wird immer vernetzter. Und du hattest es ja auch am Anfang gesagt. Also ich glaube, die Digitalisierung ist auch da genau das Hilfsmittel, das uns hilft, alle zusammenzubringen, die helfen müssen. Ja, absolut. Du hattest eben schon das IEEE-Paper angesprochen. Gibt es weitere Quellen, die du noch zum Thema empfehlen magst, die ich nachher in den Artikel zum Interview aufnehmen kann?
Ja, wir haben diverse Fallstudien bei uns auf der Seite. Wie ich auch vorhin schon sagte, Fallstudie zur Verpackung. Sehr, sehr interessant. Was man mit ein bisschen Forschung erreichen kann, wie viel nachhaltiger man agieren kann. wenn man ein bisschen danach schaut. Also InteractDC kann ich auch, InteractDC.com kann ich empfehlen. Das ist unsere hausinterne Software, die wir benutzen, um Rechenzentren effizienter zu machen. Also natürlich ist es Teil von TechPay, aber ich finde die Software einfach persönlich einfach toll. wenn ich drüber rede, wenn ich davon höre, dann bekomme ich tatsächlich manchmal ein bisschen Gänsehaut, weil ich es einfach klassisch finde, was da gearbeitet wird. Wir haben auch weitere Fallstudien zur Nachhaltigkeit in Rechenzentren zum Beispiel.
Ja, das klingt gut. Die gucke ich mir einfach mal an. Also eure Homepage verlinke ich natürlich auch. dann aber auch die konkreten Studien. Ich glaube, das ist genau das, was halt oft fehlt. Also irgendwie über Nachhaltigkeit als großes, kompliziertes Wort reden können alle, aber mal zu sagen, was denn wirklich geht und wie es denn auch konkret geht und was es dann auch wirklich bringt, das ist halt wichtig, dass man mal ins Machen kommt.
Das ist das. Die Leute haben selten was zum Anpacken. Die wissen nicht, wo sie es anpacken sollen. Wenn jeder seinen kleinen Beitrag leistet, dann kann man auch kurz das erreichen. Wenn dann von Unternehmen auch aus dem Mittelstand gerade, der ist da gefordert meiner Meinung nach, die richtigen Signale gesetzt werden, dann können wir dem Klimawandel hoffentlich entgegensetzen.
Müssen wir. Ja, müssen wir. Ja, dann letzte Frage. Ich glaube, du hast schon einen ganz spannenden Kandidaten gerade genannt. Gibt es jemanden, den du in einem kommenden Interview gerne mal ausgefragt hören würdest?
Ja, also da würde ich ganz klar auch Richard Kenny aus unserem Hause Interact empfehlen. Ganz toller Gesprächspartner, sehr viel Know-how. Die Firma würde ich gerne mal hören.
Cool. Ja, sehr gerne. Also klingt auf jeden Fall total spannend. Ja, dann bin ich mit meinen Fragen schon soweit durch für heute. Also ich glaube, wir könnten bestimmt noch eine Stunde weiterreden, aber ich denke, den Kern des Themas haben wir irgendwie umrissen. Gibt es noch irgendein Schlusswort, das du gerne in die Runde schmeißen möchtest?
Ja, ich denke, wir sollten einfach, wenn wir alle zusammen anfassen, alle zusammen reden über die wichtigen Themen, nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen, die Politik mit ins Boot holen. Die sind die, die die Rahmenvoraussetzungen schaffen können für einzelne Projekte. Wenn das gegeben ist und der Markt auch mitspielt, dann können wir Großes erreichen.
Das klingt sehr gut. So machen wir das. Super. Ja, ganz vielen Dank für deine Zeit. Ganz vielen Dank für deinen Beitrag. Ich habe ganz viel gelernt. Ich finde das super spannend. Und ja, vielleicht kommt ja der eine oder andere aus der Zuhörerschaft heute auf den Gedanken, den nächsten Server gebraucht zu kaufen. Das würde uns sehr freuen.
So, da bin ich wieder. Schön, dass du noch zuhörst. Die Shownotes zu dieser Episode findest du auf softwareforfuture.de Ich würde ja interessieren, wie du die Episode fandst. Magst du uns eine Bewertung auf iTunes hinterlassen vielleicht? Ich wünsche dir auf jeden Fall noch eine schöne weitere Woche. Achso, wir sind der Software for Future Podcast und werden präsentiert und produziert von den Lionizers. Die Lionizers stehen für nachhaltige individuelle Produktentwicklung. Wir entwickeln für andere Unternehmen Software, die uns als Menschheit helfen soll, der Klimakrise die Stirn zu bieten. Danke für dein Zuhören. Untertitelung des ZDF für funk, 2017