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E6719.02.202048 Min

Was macht eine gute und innovative Software aus?

Im Gespräch: Heiko Müller (HEC)

Titelbild zu E67: Was macht eine gute und innovative Software aus? – Heiko Müller (HEC)

Worum es geht

Heiko Müller von der HEC GmbH erklärt, was eine gute und innovative Software ausmacht.

Heiko Müller ist Team- und Accountmanager bei der HEC GmbH in Bremen. Er verantwortet mehrere Teams und hat über 25 Jahre Erfahrung in der Digitalisierungsberatung und Softwareentwicklung. Sein Unternehmen beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter und entwickelt individuelle Softwarelösungen für mittelständische Unternehmen.

Die Diskussion dreht sich um die Bedeutung von Digitalisierung, die sich nicht neu erfinden, sondern Prozesse digital strukturieren soll. Müller kritisiert den Einsatz von Standardsoftware, die Prozesse anpasst, statt umgekehrt. Er nennt dies „Softwaresozialismus“. Stattdessen setzt er auf individuelle Lösungen, die auf spezifischen Unternehmensabläufen basieren.

Müller betont, dass Innovation nicht immer disruptive sein muss. Nach Schumpeter ist jede neue, wirtschaftlich sinnvolle Software eine Innovation. Erfolgreiche Software entsteht durch enge Zusammenarbeit mit Anwendern, durch agile Entwicklung und durch technische Grundlagen wie automatisiertes Testen. Die Erwartungshaltung der Nutzer ist heute höher als vor 25 Jahren.

Für Softwareentwickler bedeutet dies, nicht nur technisch kompetent zu sein, sondern auch neugierig auf Anwendungsfelder wie Logistik zu sein. Praxiserfahrung, wie Betriebsbesichtigungen oder Schulterblicke, sind entscheidend. Lernen ist lebenslang – durch Netzwerke, Podcasts und aktive Teilnahme an Branchenverbänden wie der BVL.

Ursprüngliche Shownotes 19.02.2020

Bessere Dienstleistungen und Produkte, eine effizientere Produktion, eine höhere Auslastung und engere Kommunikation – die Digitalisierung bietet ein riesiges Potenzial für Unternehmen. Doch vielen fehlt das erforderliche Wissen, um ihre Firma digital aufzustellen. Deshalb möchte die Firma HEC – ähnlich wie die Lionizers – ihre Kunden mit Beratung und Softwareentwicklung optimal auf dem Weg ins digitale Zeitalter begleiten.

Im Interview mit Nils erklärt der Team- und Accountmanager Heiko Müller, der schon über 25 Jahre bei HEC ist, wie sich Softwareentwicklung früher und heute unterscheidet, was eine erfolgreiche Software ausmacht und was Innovation tatsächlich ist.

Digitalisierung früher und heute

Auch wenn Digitalisierung erst in den vergangenen Jahren zum Megatrend avanciert ist, gibt es die Idee dahinter schon deutlich länger. Denn bei der Digitalisierung geht es laut Müller in erster Linie darum, manuelle Prozesse, die durch Friktion und Medienbrüche gekennzeichnet sind, zu automatisieren und sie dadurch flüssiger und sauberer zu machen. Das habe man auch schon vor 25 Jahren versucht – allerdings damals noch unter der Bezeichnung „elektronische Datenverarbeitung“.

Während sich an der Grundidee dahinter im Laufe der Jahre kaum etwas verändert hat, hat sich die Art der Umsetzung ganz erheblich gewandelt. Besonders gut zu sehen ist das am Beispiel der Softwareentwicklung. Früher sei es durchaus üblich gewesen, ein halbes Jahr oder mehr für die Softwarekonzeption und das Schreiben von Lasten- und Pflichtenheften zu veranschlagen. Heute hingegen erwarte der Kunde eine fertige Software in wenigen Monaten.

Die Softwareentwicklung ist aber nicht nur sehr viel schneller geworden, sondern auch deutlich agiler. Der Anwender wird heute erheblich stärker einbezogen: „Es reicht nicht mehr, sich hinzusetzen, eine Konzeption zu machen und das dann zu implementieren, in der Hoffnung, dass es dem Kunden gefällt“, erklärt Müller. „Wir müssen sehr viel stärker in die Interaktion rein und gucken, wie die Menschen mit der Software arbeiten und welche Erwartungen sie haben.“ Der sogenannte Gemba Walk, also der Besuch der tatsächlichen Arbeitsorte des Anwenders und der „Blick über die Schulter“ während der Arbeit seien entscheidend, um eine erfolgreiche Software zu gestalten.

Gesteigerte Erwartungshaltung

Ein weiterer Aspekt, der sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten fundamental gewandelt habe, sei die Erwartungshaltung der Software-Nutzer: Heute müsse eine Software erheblich mehr leisten als früher und eine deutlich größere Grundfunktionalität mitbringen. Viele Leistungsmerkmale brauchen laut Müller nicht mehr explizit hervorgehoben werden, stattdessen müssen sie „halt einfach da sein“.

Umso wichtiger sei es heute, die Vorteile der Individualsoftware zu erklären. Denn viele Kunden hätten das Gefühl, dass es für alles schon fertige Programme gebe, die man nur noch installieren müsse. Das Problem dabei ist Müller zufolge, dass die Software nicht ideal auf die individuellen Abläufe im Unternehmen abgestimmt ist – und deshalb eigentlich gut laufende und seit Jahren etablierte Prozesse an die Software angepasst werden müssen. Das habe eine Gleichförmigkeit zur Folge, die Müller als „Software-Sozialismus“ bezeichnet.

Individualsoftware und Innovation

Eine Individualsoftware hingegen könne nicht nur optimal auf Unternehmensabläufe zugeschnitten werden, sie biete Firmen außerdem die Möglichkeit, sich vom Markt abzuheben. Denn eine solche Software sei automatisch innovativ. Zumindest dann, wenn man unter „innovativ“ nicht – wie heute üblich – „disruptiv“ versteht, sondern den Innovationsbegriff des Wirtschaftswissenschaftlers Joseph Schumpeter zugrunde legt. Schumpeter versteht unter „Innovation“ schlicht etwas, das neu und zugleich wirtschaftlich ist. Und da niemand eine Individualsoftware entwickelt und implementieret, die nicht wirtschaftlich ist, ist geradezu jede individuelle Softwarelösung auch innovativ.

Das wiederum ist laut Müller letztlich oft wichtiger als disruptiv zu sein. Zum einen gebe es nicht jede Branche her, disruptive – also sich selbst kannibalisierende – Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zum anderen würden es Unternehmen durch innovative, gewinnbringende Software schaffen, Dinge tatsächlich anders und besser zu machen als ihre Wettbewerber.

Der Softwareentwickler als Berater

Um herauszufinden, was ein Unternehmen in Sachen Digitalisierung wirklich braucht und wie die wichtigsten Schritte aussehen könnten, sollte zunächst ein digitaler Bebauungsplan erstellt werden. Konkret bedeutet das: Man analysiert, mit welchen Software-Lösungen, Tools und Plattformen gearbeitet wird, und man schaut sich die Prozesse und Prozessketten sowie Schnittstellen an. Basierend darauf wird eine IST-Bebauung erstellt, aus der dann eine SOLL-Bebauung, also die Ziel-Situation, entwickelt wird. Anhand der SOLL-Bebauung wird geprüft, welche Software-Bestandteile, Module und Funktionalitäten benötigt werden. Zudem wird priorisiert und festgelegt, welche Aspekte als erstes angegangen werden sollten. Der Fokus sollte dabei laut Müller auf den „low hanging fruits“ liegen: auf Projekten und Maßnahmen also mit vergleichsweise geringem (finanziellen) Aufwand und hoher Hebelwirkung.

Damit man den Kunden bei diesem Prozess ideal betreuen kann, ist es heute laut Müller wichtiger denn je, sich nicht nur mit der eigentlichen Softwareentwicklung auszukennen, sondern auch immer wieder über den Tellerrand zu schauen und sich intensiv mit der Arbeit des Kunden auseinanderzusetzen: „Ein Softwareentwickler im 21. Jahrhundert muss die Eigenschaft haben, permanent neugierig zu sein. Und das nicht nur auf seine eigene Software-Domäne, sondern
auch im Anwendungskontext“, so Müller. Er müsse heute also viel stärker als Berater und adäquater Ansprechpartner fungieren und auch in den Disput mit dem Kunden gehen. Nur dann könne er tatsächlich innovative Software für den Kunden bauen.

Viel Spaß beim Zuhören!

Links aus dem Interview:

Transkript

6.448 Wörter

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Hallo und herzlich willkommen zur 67. Folge des Podcasts Wege der Digitalisierung. Heute habe ich zu Gast Heiko Müller von der HEC GmbH. Heiko ist verantwortlich für mehrere Teams, wobei das Unternehmen ein seit über zehn Jahren, wenn ich das richtig gehört habe, agil organisiertes Unternehmen ist, also auf dem Weg ist, dahin zu werden. Bin ich total gespannt. Heute ist es ein Buzzword geworden. Ich finde, vor zehn Jahren war das noch nicht so üblich. Also bin ich sehr gespannt zu erfahren, wie der Weg nach zehn Jahren aussieht. Heiko macht Digitalisierungsberatung bei seinen Kunden als irgendwie auch Vertriebsmensch, wenn ich das richtig verstanden habe, und ist sehr interessiert und aktiv in der Logistik.

Von daher, die HEC macht auch Softwareentwicklung, genau wie wir. Werden wir ein bisschen uns darüber austauschen, wie Softwareentwicklung, Digitalisierung und Innovation heute so zusammenhängen. Aber alles mit dem Blick, denke ich, auf Unternehmensentwicklung, Organisationsentwicklung, Strategie, Digitalisierung und Logistik. Herzlich willkommen. Toll, dass du da bist. Ja, schön, dass ich hier sein darf. Ja, jetzt habe ich versucht, das, was du mir eben erzählt hast, in meinen Worten zu erzählen. Aber stell dich mal kurz vor, wer bist du? Was macht HEC? Was machst du da?

Ja, du hast das im Prinzip schon ganz gut zusammengefasst. Ja, mein Name ist Heiko Müller, bin bei der HIC verantwortlich für eine Reihe von Teams, damit halt für die Kunden und für die Projekte, die dann halt eigenverantwortlich und mit einer hohen Kompetenz von den Teams halt umgesetzt werden. Das mache ich seit über 25 Jahren. Ich bin also schon ein paar Jahre im Job unterwegs und habe von daher halt das Thema Digitalisierung noch als elektronische Datenverarbeitung kennengelernt, also auch diesen Weg durchschritten. Und das macht irre Spaß, solche Systeme zum einen mit Kunden zusammen zu konzipieren, im Werden zu erleben und dann halt schlussendlich auch die Früchte davon zu tragen, also praktisch zu erleben, wie Digitalisierung denn tatsächlich greift.

Das mache ich mit meinen Kollegen. Ich habe mehrere Teams, das sind roundabout 30 Menschen, die da tolle Software bauen. Und das machen wir halt in der HIC als Unternehmung mit roundabout 180 Mitarbeitern im Team Neustar. Organisiert sind wir Team Neustar Unternehmensgruppe mit dem Hauptsitz in Bremen mit bundesweit um die 1.100 Mitarbeiter. Also schon auch eine ernstzunehmende, wie wir sagen, Größe. Und mit hin werden uns auch Digitalisierungsvorhaben übertragen, die halt eine gewisse Wichtigkeit auch für die Unternehmen schlussendlich haben. Also weniger so halt die Randlösungen, sondern schon auch halt wesentliche Lösungen, mit denen halt Unternehmen ihre Kernwertschöpfung erbringen.

Da bin ich gespannt auf Beispiele, wenn du welche nennen darfst. Vorweg die Frage, du hast eben gesagt, Digitalisierung, früher war es irgendwie noch EDV. Da du ja in einem sehr ähnlichen Umfeld tätig bist wie wir, hast du eine Definition für das Wort Digitalisierung? Also was ist es heute, was steckt da alles so hinter?

Im Endeffekt geht es bei der Digitalisierung immer darum, die Prozesse, die heute noch weitestgehend händisch erbracht werden, die durch Friktionen, durch Medienbrüche gekennzeichnet sind, einen flüssigen digitalen Unterbau zu strukturieren. Sodass Dinge, die heute noch sehr manuell erfolgen oder eben halt sehr fragmentiert, flüssig, sauber in einem Datenmanagement halt erfolgen und so halt Nutzern, sowohl der Unternehmung als auch der Kunden, halt in einfacher Art und Weise präsentiert werden. Also alles das, was praktisch Papier früher ersetzt hat, das sollte digitaler werden. Und wenn man diese Definition dann schon mal so hat, also Digitalisierung von Prozessen, dann erkennt man sofort, dass Digitalisierung nichts Neues ist.

Das machen wir, wie gesagt, auch schon seit 30 Jahren. Wir haben es halt früher elektronische Datenverarbeitung genannt. Es hatte einen anderen Stellenwert. Und wir sind heute sehr, sehr froh, dass es diese Begriffe gibt, dass es diese Themen gibt, weil sie uns ganz viel dabei helfen, das zu erklären, was wir beim Kunden tun oder was wir dort vorhaben. Das war früher sehr viel schwieriger, noch Dinge zu erklären, Dinge zu erläutern. Auch die Frage zu beantworten, digital, Software, warum denn Individualsoftware? Das gibt es doch alles schon. Es gibt doch für alles schon fertige Programme, die man nur noch installieren muss, konfigurieren muss, vielleicht noch ein bisschen und dann läuft das.

Wo wir auch immer halt dagegenhalten mussten und sagen mussten, wenn man halt bestimmte Prozesse hat, die sich als gut erwiesen haben, dann ist es halt sehr, sehr schwer, genau dafür eine passende Standardsoftware zu finden. Weil derjenige, der sich die erdacht hat, der muss sozusagen schon, ja, wie in einer Glaskuhl, seine Kunden vorweg lesen. Das ist ein für mich sehr schweres Unterfangen. Ja, und da das halt nicht geht, wird es häufig dann so gemacht, dass halt Prozesse den Softwareprodukten angepasst werden. Das heißt, eine Gleichförmigkeit. Und das ist für mich dann schlussendlich, ich verwende den Begriff, vielleicht ist er nicht ganz sauber, aber das ist für mich Softwaresozialismus. Weil dort halt sehr, sehr viel Gleichmacherei ist.

Das, was man halt an guten Effizienzen erarbeitet hat, wird einfach über Bord geworfen, weil man sagt, das ist im Standard so und deshalb muss das so sein. Das halte ich für keinen guten Weg. Es ist ein praktikabler Weg, der ganz oft beschritten wird, aber es ist eben kein guter Weg. Ich kann mich damit auch nicht vom Markt absetzen. Und gute Beispiele für Digitalisierung sind zum Beispiel die großen digitalen Player. Wenn ich mir angucke, haben ein Google oder ein Facebook, das sind von ihrer Grundtendenz her keine IT-Firmen, sondern Advertising-Firmen. Die verkaufen Werbung. Und die haben eins gemacht, die haben genau geguckt, wie können wir unsere Wortschöpfung digitalisieren, wie können wir sie digital gestalten.

Und sie haben nicht darauf gewartet, bis SAP das Facebook-Modul rausgebracht hat oder das Google-Modul rausgebracht hat, sondern sie haben gesagt, wir bauen für unsere Belange unsere digitalen Plattformen, unsere digitalen Lösungen und sind damit irre erfolgreich. Wenn man das transportiert auf sogar auch mittelständische Unternehmen, dann ist dort halt so viel Potenzial in der Digitalisierung, dass wir eigentlich nicht mehr wissen, wohin.

Also macht Sinn, verstehe ich, teile ich. Aber jetzt sind Facebook und Google, wenn man so will, auch Amazon und andere Große, im Prinzip gegründet worden auf der grünen Wiese, haben sich irgendwo eine Branche genommen, die es entweder noch nicht gab oder die einfach noch nicht digital war und haben im Prinzip geguckt, wie können wir das, was da ist, günstiger, besser, effizienter machen. Wenn ich jetzt an irgendeinen etablierten Mittelständler denke, der irgendwas produziert und weltweit verkauft oder eine Dienstleistung anbietet, dann ist das für den aber ja eine andere Herangehensweise, oder? Also der muss ja im Prinzip nicht irgendwas auf der grünen Wiese neu erfinden, sondern sich selbst neu erfinden.

Im Endeffekt zum Beispiel sich selbst neu erfinden. Aber um sich selbst neu zu erfinden, zunächst mal vielleicht die Hausaufgaben zu machen und zu sagen halt, welche IT-Systeme setze ich denn heutzutage ein? Welche digitalen Prozesse habe ich denn im Unternehmen? Um daraus dann zu schauen, in welchem Grad tangiert das Ganze meine Wertschöpfung? Wie kann ich damit am Markt bestehen? Kann ich damit am Markt bestehen oder muss ich an der Stelle handeln? Und welche Handlungsoptionen habe ich? Wir haben das ganz oft, dass wir halt in Unternehmen reingehen und dann auch zum Thema Digitalisierung miteinander reden und haben so einen Geschäftsführer, der dann sagt, ja, ich habe das Wort Digitalisierung aufgeschnappt, was ist denn das?

Ja, dann sage ich immer, okay, wenn Sie Ihre Super-8-Filme schon digitalisiert haben, dann ist im Prinzip alles gut, mehr digitalisieren brauchen Sie nicht, nein, Quatsch. Sondern wir müssen an der Stelle genau gucken, wie sind die Unternehmen digitalisiert? wie sieht die digitale Bebauung heute aus? Und das ist ein gutes Stichwort. Wir gehen dann ganz häufig rein in die Unternehmen, gucken uns die Prozesse an, schauen an, wie die Prozesse digital gestützt sind, mit welchen Softwaeren, mit welchen Plattformen, mit welchen Tools dort gearbeitet wird, wie sind auch die Prozessketten dort abgebildet, wie sehen Schnittstellen aus, um dann halt so einen Bebauungsplan, also einen IT- oder digitalen Bebauungsplan aufzubauen aus der Ist-Bebauung und daraus dann halt eine Sollbebauung zu entwickeln.

Das Ganze ist von daher sehr effizient, weil es sehr, sehr plastisch eine Ist-Situation darstellt und man daraus eine Zielsituation erarbeiten kann. Die Ist-Situation ist ganz oft so, dass es halt wie ein Flickenteppich aussieht, der Plan. Das ist ein zweidimensionaler Plan. Auf der einen Seite haben wir die Prozesse auf der X-Achse, die Prozesse auf der Y-Achse, die Organisationsstrukturen und dann gucken wir, mit welchen Organisationseinheiten oder welchen Prozesseinheiten, mit welchen Softwaeren halt gearbeitet wird. Und wenn das halt ein Flickenteppich ist, dann kann das sein, dass das gut ist, weil die Unternehmung halt so fragmentiert in sich arbeitet. Es kann aber auch nicht gut sein.

Und oftmals ist es nicht gut, dann hat man aber genau den Ansatzpunkt zu sagen, wo gehen wir dann jetzt rein, wo müssen wir jetzt das Excel ablösen Oder dass die Access-Anwendung, die dort halt mal ein Praktikant gebaut hat, nochmal in eine bessere Lösung hinüberführen. Mit durchgehenden Schnittstellen, mit entsprechender Integration, auch ins ERP-System zum Beispiel, wenn es dann ein GNS gibt, etc. Das gibt viel Transparenz und damit halt einen guten Ansatz, die Frage zu beantworten, Digitalisierung, was müssen wir da eigentlich machen?

Und das eine ist, wenn du dann mit so jemandem im Gespräch bist und ihr diesen Plan erarbeitet, dann kommen da Dinge raus, wo ihr sagen könnt, das wäre jetzt eine gute Idee. Andersrum, wenn jemand bei euch anruft und sagt, ich hätte gerne drei Kilo Digitalisierung, also mit was für Problemen kommen die typischerweise durch die Tür?

Die kommen eigentlich ganz oft mit der Fragestellung selbst durch die Tür, Digitalisierung, was müssen wir eigentlich machen? Also wirklich mit der grundsätzlichen Frage, jemanden zu haben, der mal als Externer auch da drauf schaut. Ganz oft ist es auch so, dass wir den Kunden dann gar nicht mal unbedingt etwas Neues erzählen. Die kennen ihre Probleme ganz gut. Was wir ganz gut machen können dann, wir bilden einen sehr, sehr scharfen Kontrast. Also die Kontrastierung zwischen dem halt, was sie machen sollten und was sie nicht machen sollten. Weil es gibt halt im Deutschen das schöne Wort angedacht. Und dieses Wort, das treffe ich immer wieder bei solchen Erstgesprächen, wo dann gesagt wird, ja, wir haben mal ein Portal angedacht oder wir haben mal da ein Logistiksystem angedacht oder wir haben dort halt ein Order-Management angedacht.

Angedacht ist aber nicht fertig gedacht. Das heißt, wir müssen zu dem Punkt kommen, dass wir sagen, welches Thema denken wir denn jetzt mal zu Ende? Das heißt, wir projektieren es. Wir projektieren es so weit, dass wir dazu kommen, eine Kosten-Nutzen-Aufstellung auch zu machen. Also was kostet mich das, was bringt es mir an der Stelle, welchen Effekt habe ich dann, wenn ich dieses da tue. Und da gibt es halt welche Maßnahmen, also Projekte, Low-Hanging-Fruits, die halt wenig Invest haben, aber einen hohen Hebel haben. Und da gibt es halt welche, wo ich dann immer sage, das ist das Schöne, schöner wohnen, die viel kosten, aber eben nicht so einen großen Hebel haben. Und genau das herauszuarbeiten, ist ganz oft die erste Fragestellung mit den Kunden.

Ja, das macht Sinn. Jetzt frage ich mich gerade, du hast am Eingang gesagt, du bist schon seit 25 Jahren dabei, also bei HEC. Mit was für Themen kamen die Leute damals? Also ich meine, wir wissen, was sich in der Technik getan hat seit Mitte der 90er. Das ist eine völlig neue Welt. Also eigentlich haben wir mehrere neue Welten erlebt seitdem.

Ja, haben wir.

Aber ich meine, eine Firma, die Schuhe produziert und verkauft, hat das damals genauso wie heute getan. Jemand, der Bücher verkauft. Also die Produkte erscheinen uns an vielen Stellen irgendwie viel moderner geworden zu sein, aber ein Großteil dessen, was wir heute tun, ist eigentlich nicht so viel anders im Vergleich zu vor 25 Jahren. Welche Probleme hast du vor 25 Jahren schon gelöst, die heute noch genauso bei euren Kunden auftreten und was für Themen gibt es, die wirklich ganz und gar neu entstanden sind?

Das ist eine sehr gute Frage. Also so irre viele Themen, die jetzt so ultra neu sind, ist es gar nicht. Technologien natürlich ist es immer. Technologien, die ändern sich alle paar Jahre, werden moderner, werden halt vielfältiger in der Leistungsfähigkeit etc. Das, was wir vor 25 Jahren noch programmiert haben, so wie wir dort programmiert haben, so programmieren wir heute nicht mehr. Und wir könnten uns das schlicht und ergreifend auch nicht mehr leisten, auch im Kunde nicht mehr. Es hängt mit der Konstruktion der Software an in Mehrschichtigkeit. Microservice-Architekturen sind da so Themen und das hört bei dem ganzen Testthema auf. Wir könnten heute nicht agil alle zwei Wochen Software-Inkremente produzieren und die potenziell deploybar machen, wenn wir nicht automatisiert testen würden zum Beispiel.

Das würde schlicht und ergreifend nicht funktionieren, weil die Entwickler zwei Wochen dann testen würden und dann halt müssten halt des Nächten nochmal eine Schar von Tester an testen. Geht nicht, geht rein physisch überhaupt nicht. Das heißt, da hat sich eine ganze Menge geändert. Die Anforderungen sind insofern andere geworden, als dass sie volatiler sind und dass sie schneller sind. Früher haben wir uns geleistet, erst mal ein halbes Jahr oder ein Jahr auch Lastenhefte, Pflichtenhefte zu schreiben, Softwarekonzeptionen zu machen. Das ist heute undenkbar. Kein Mensch würde heute erst mal ein halbes oder ein dreiviertel Jahr oder ein Jahr eine innovative Software auf einem Reißbrett konzipieren, um dann halt sie zu implementieren und dann festzustellen, dass es doch was anderes braucht.

Das ist sehr viel schneller geworden, sehr viel agiler geworden das Ganze natürlich. Deshalb auch die agile Softwareentwicklung, die dort halt genau richtig ist. Anders könnten wir das nicht mehr leisten. Die Aufgabenstellungen selber sind, wenn man ganz von oben guckt, nicht irre anders. Sie sind vielleicht fragmentierter geworden, sie sind kleinteiliger geworden. auch so, dass Projekte schneller umsetzbar sind. Wenn wir früher von Projektlaufzeiten von zwei, drei Jahren geredet haben, dann war das halt gar nicht etwas Abwegiges. Wenn ich heute eine Projektierung aufbauen würde und einem Kunden sage, in drei Jahren kriegst du die Software, dann sagt der, oh Gott, no way, ich brauche die in drei Monaten oder in sechs Monaten.

Und da sind andere Intentionen dabei, auch andere Erwartungen dabei, um halt solche Themen abzubilden. Und dann ist natürlich eins auch, die Erwartungshaltung ist eine sehr viel größere. Wir müssen die Anwender mitnehmen, sehr viel mehr. Die Anwender selber sind ein Schlüssel für ein gutes Softwareprodukt. Es reicht nicht mehr, sich als Softwareer hinzusetzen, eine Konzeption zu machen, das dann zu implementieren, in der Hoffnung, dass es dem Kunden gefällt. dass es dem Mitarbeiter auch, der damit arbeitet, gefällt. Wir müssen sehr viel stärker heute in die Interaktion rein und gucken halt, wie arbeiten die Menschen mit der Software, welche Erwartungen haben sie, um die auch tatsächlich dann zu treffen.

Und dann nutzen wir so etwas wie Schulterblicke oder Gemberwalk, wie sie heute genannt werden, um halt dort eine möglichst hohe Assoziation mit dem Thema zu bekommen, um dann halt schön auch eine gute, gute, adäquate Lösung dafür zu liefern. Das hat sich, glaube ich, sehr viel mehr geändert. Wir sind sowohl die Kunden offener geworden, das auch zu wollen und da auch mitzugehen. Und wir als Softwareentwickler müssen dem natürlich Genüge tun und sehen auch an der Stelle den Erfolg, weil wir wissen, dass wir durch die Nähe einfach bessere Produkte bauen.

Also ich kann all das nachvollziehen. Jetzt habe ich selbst vor 25 Jahren noch nicht professionell Software entwickelt, aber einen Großteil der Zeit schon. Ich frage mich bei den ganzen Themen gerade, ob es da eine Kausalität gibt. Also bei der Technologie hast du gesagt, wir könnten heute gar nicht mehr Software in der Geschwindigkeit bauen, wie wir das tun müssen, ohne die modernen Hilfsmittel wie automatisiertes Testen. mit dem Anwender im Fokus? Also ich würde jetzt fast sagen, dass man drei Monate statt drei Jahren an der Software arbeitet und dass man den Anwender vorher fragt, was hättest du gerne? Hätte man die Kunden vor 25 Jahren gefragt, hätten die auch da schon gesagt, klingt doch gut.

Das wäre aber nicht gegangen. Und aus dem Grunde ist ja, klar, logisch, jeder fände das gut. Deshalb auch den Ansatz, fertige Softwareprodukte zu kaufen, weil man sieht dann sofort, wie es funktioniert und wie es sich anfühlt. Aber die Sozialisierung auch der Kunden war ja so, dass sie wussten, dass das nicht geht. Und mithin ist es halt auch keine Anforderung, keine Erfordernis. Und dann, wenn diese Erfordernis nicht da ist, nicht machbar ist und nicht da ist, dann justiert sich auch so ein Markt dahingehend. Weil dann gesagt wird, geht ja nicht, wissen wir ja, und dann machen wir das so. Es war auch etablierte Vorgehensweise. Etablierte Vorgehensweise, Paradigmen, die gesetzt waren und die nur selten in Frage gestellt wurden.

Gut, und letztendlich hatten damals auch, also ich meine, heute hat eigentlich jeder von Aufwachen bis ins Bett gehen Kontakt mit Software. Damals eher noch nicht. Vielleicht ist das auch ein Thema, dass das einfach mittlerweile jeden Winkel voll durchdrungen hat.

Und da hat halt das Internet seinen erheblichen Anteil dran. Vor 25 Jahren war Internet nicht so weit in aller Munde. Auch Vernetzung. Wenn wir zur CeBIT gefahren sind, dann musste die Software da sein. Schlicht und ergreifend mal noch ein schnelles Update zum Beispiel rüberzuschieben. Man konnte sich damals ISDN-Leitungen für teuer Geld mieten. Aber das war wirklich mehrere hundert Euro, oder D-Mark damals, die das noch gekostet hat, dann so eine Leitung. Das hat man vermieden. Deshalb war dann halt auf den Punkt auch die Lösung dabei zu haben. Installationen, was war damals anders? Installationen, da sind wir mit Disketten hingefahren zum Kunden und haben die dort auf dem Server installiert.

Also die Playments, wie wir sie heute machen, über das Internet nicht denkbar. Dann auch halt das ganze Thema der Connectivity, dass Schlitzstellen verfügbar sind zu anderen Systemen, dass eine Integration da ist. Das war nicht da. Und auch natürlich das Erleben der Kunden von Software. Genau durch solche Softwaeren wie Google, wie Amazon, wie Facebook und Co. ist die Erlebniswelt dessen, was Software leisten kann bei auch ganz normalen Mitarbeitern, Sachbearbeiter-Ebene, die mit Software halt hantieren, eine ganz andere, das ist eine ganz andere Erwartung geworden. Dass halt dessen Grundfunktionalität in einer Software drin sein muss, damit sie tatsächlich akzeptiert wird. Das ist heute sehr viel stärker ausgeprägt, als es noch vor vielen Jahren war.

Da habe ich ein lustiges Beispiel gerade zwischen den Jahren erlebt. Also ich habe einen sechsjährigen Sohn und wir haben beim Aufräumen in der Schublade meinen alten Game Boy gefunden. Also wirklich Game Boy der ersten Generation Ende der 80er. Und er war total begeistert und wir haben ihn leider nicht mehr zum Laufen gekriegt, weil die Batterien ausgelaufen waren. Aber er hat dann gefragt, und wenn wir das repariert haben, kann ich mir dann da auch Spiele drauf runterladen? Wo ich so dachte, nee, aber er ist sechs und ich habe es auch nicht geschafft, ihm zu erklären, warum man auf so einem Gerät nichts runterladen kann. Das geht heute, wahrscheinlich selbst auf unserer Küchenwaage kann man Apps installieren, wenn man das will.

Und mit dieser Erwartungshaltung gehen ja auch Kunden oder Anwender an Softwaren heutzutage ran. Und das hat sich fundamental geändert, das Verständnis dafür, auch die Selbstverständlichkeit von Software, Dinge, die einfach erwartet werden. Das sind halt Leistungsmerkmale in einer Software, die nicht nochmal dann explizit erwähnt werden, sondern die halt einfach da sein müssen, damit sie als adäquate Lösung am Markt auch bestehen kann.

Ja, wenn man jetzt mal das Wort Innovation als genauso breitgetretenes Wort wie Digitalisierung daneben legt, bringt denn die Digitalisierung, wie wir sie heute haben, automatisch auch mehr Innovation mit sich oder fühlt sich das nur so an oder wie erlebst du das?

Das Thema Innovation ist echt ein spannendes, weil wir alle wollen natürlich alle irre innovativ sein. Und wenn man sich mal die Definition des alten Wirtschaftswissenschaftlers Schumpeter nimmt, der gesagt hat, was ist eine Investition? Art eins, es muss wirtschaftlich sein und Art zwei, es muss neu sein. Und insofern sage ich immer, wenn man in dem Segment der individuellen Softwarelösung, der individuellen Digitalisierung, ist eigentlich nach Schlumpeter jede Software, die man entwickelt, eine Innovation. Warum ist das so? Weil sie ist neu. Es gab sie noch nicht. Es gibt keinen Softwareprodukt, was adäquat auf die Prozesse abgestimmt ist. Und spätestens wenn wir sie implementieren, ist sie auch wirtschaftlich.

Weil kein Mensch würde Geld in die Hand nehmen, wenn es nicht in irgendeiner Art und Weise einen Mehrwert darstellen würde. Also mehr an Produktionsausstoß, weniger an Schwund, an Friktion, an Medienbrüchen darstellt etc. Also auch wirtschaftlich ist. Und mithin, ganz einfache Definition, ist alles, was wir machen, innovativ. Jetzt komme ich um die Ecke und sage halt, wir bauen ein Transportmanagement-System für die Logistik, wo man Transporte planen kann, wo man halt Angebote erstellen kann, wo man Frachtbriefe mit erstellen kann, wo man Abrechnungen mitmachen kann. Und dann muss ich sagen, was ist denn daran jetzt innovativ? Es gibt tausende Dinge davon. Wenn man von oben drüber guckt, ist dann der Innovationsgrad natürlich immer differenziert zu sehen, genau auf das, was individuell für den Bereich, für den Prozess implementiert ist und was eben der Nutzer auch selber als neu innovativ und für sich gewinnbringend sieht.

Also weg von dem Begriff Innovation ist nur die Raumfahrt und dass wir zum Mond fliegen können, hin zu dem halt, dass wir Innovationen bezogen auf Prozesse sehen, auf Dinge, die diametral anders machen sehen und uns vom Markt auch schlicht und ergreifend abheben. Und wenn wir so weit sind in dem Thema, dann haben wir mal eine ganze Reihe von Innovationen.

Ich finde diese Definition gerade spannend. Also ich habe da nie drüber nachgedacht, was ist denn meine Definition von Innovation? Und ich finde, man denkt, also es ist halt so breit getreten, man denkt immer irgendwie eigentlich an Disruption. Also ich meine, es gibt ein paar disruptive Entwicklungen und auch ein paar mehr. Ich habe das Gefühl, eigentlich muss, wenn jemand Innovation sagt, da etwas hinterstecken, was eher schon so Disruptionscharakter hat. Weil wenn du sagst, es muss im Prinzip nur neu sein und irgendwie wirtschaftlich sein und dann ist es schon Innovation, Das ist erstmal keine so hohe Hürde.

Ist es auch, deshalb sagte ich ja, wenn man Schlumpeter nimmt an sich, der das mal formuliert hat, wann ist eine Innovation Innovation, dann wird das runterbrechen auf das, was wir tun, dann kommen wir da ganz schnell hin, dass ganz vieles innovativ ist. Jetzt muss man sich die Frage stellen, ist es denn tatsächlich innovativ oder ist es nur scheinbar innovativ oder wie auch immer. Ich sage da an der Stelle halt, dass es vollkommen egal ist, ob ich das jetzt selber als innovativ empfinde oder nicht. Die Innovation kommt eher daher, dass es für mich gewinnbringend ist. In dem digitalen Prozess, in dem Umgehen damit. Und ob ich dann halt Dinge besser und anders mache, anders und besser mache als vielleicht der Wettbewerb.

Und ich mich damit halt abgrenze. Und das kann schlussendlich, das kann auch disruptiv sein. Disruptiv heißt ja im Endeffekt nur, ich stelle mich mal vollkommen in Frage und mache Dinge ganz anders. Also nicht der evolutionäre Gedanke, sondern der revolutionäre Gedanke an der Stelle. Nicht immer zieht aber auch dann eine Disruption. Nicht jeder hat ein Geschäftsmodell, was sich durch Kannibalisierung halt nochmal toppen lässt. Da ist eher halt dann ein seichterer Charakter da. Aber selbst wenn ich halt da hinkomme und sage, ich schaffe meine verdammten Excel-Listen mal ab, meine 10.000, Ich baue mir dafür ein geschlossenes Datenrepository auf, in dem ich dann halt entsprechend der Personas und der darauf nützenden Anforderungen halt entsprechende User-Interfaces setze.

Dann ist das schon eine irre Innovation. Genau für dieses Geschäft.

Zumal man ja auch sehen muss, es gibt ja nicht an jeder Stelle beliebig Potenzial für Disruption. Also ich meine, wenn wir jetzt gerade an Logistik denken, am Ende ist es immer noch irgendein physisches Gut, das von A nach B transportiert wird. Also die Disruption haben wir vielleicht dann, wenn das Beam irgendwann existiert. Aber bis dahin muss immer noch irgendein Mensch eine Kiste nehmen und irgendwo durch die Gegend fahren. Man kann natürlich da irgendwo Wirtschaftlichkeit an vielen Stellen noch erhöhen, Aber dass irgendjemand Dinge von A nach B schleppt, wird sich nicht ändern.

Das wird sich nicht ändern. Aber Disruption kann auch gerade in der Logistik an anderer Stelle vollzogen werden. Und zwar gerade in der Supply Chain haben wir es immer mit ganz, ganz vielen Playern zu tun. Und diese Player, die machen heute schon elektronische Datenübertragung, zu einem Data Interchange, EDI, mit dem Umstand, dass Daten von einem Knoten sozusagen einem Teilnehmer an der Supply Chain zum anderen weitergereicht werden. Das hat ganz oft mal diesen stillen Postcharakter. Das, was vorne in die Prozesskette reingesteckt wurde, ist nicht das, was hinten rausgekommen ist. Warum? Weil Daten umgemappt werden, weil Daten anders interpretiert werden, weil sie aggregiert werden, weil sie vielleicht auch wieder aufgesplittet werden und damit halt dann halt die entsprechende Information halt nicht mehr die ist, die vorne reingesteckt, nicht mehr die, die hinten rausgekommen ist.

Das möchte man eigentlich ändern, weil jeder weiß, wenn man ein BL erstellt hat und da ist ein Fehler drauf, in der Sendungsbeschreibung wird das Ding zurückgereicht. Das heißt, wir haben dann halt wirklich in dem Logistikprozess mit mal eine Friktion drin, die nicht mehr smooth durchläuft. Wenn wir da an Disruption denken, Dinge anders machen denken, dann kommen wir ganz schnell vielleicht zu Blockchain-Technologien, wo ich halt Informationen in einer Blockchain-Technologie verlässlich ablege, wo alle darauf zugreifen können und ich nicht mehr dieses stille Post-Prinzip habe. Das wäre zum Beispiel ein Thema, dass wir Sendungen selber physisch transportieren müssen, dass es einen LKW-Fahrer geben muss, dass es die Bahn hoffentlich mehr gibt, die transportiert, dass es aber auch Schiffe geben muss, die transportieren, etc.

Da werden wir nicht umhinkommen. Das wird nicht mit einmal disruptiv sein. Aber andere Dinge werden disruptiv sein. Auch das Thema, dass Supply Chains aufeinander abgestimmt werden. Wenn ein Dampfer in Hamburg ankommt und die LKWs sind noch gar nicht da, um die Ladung aufzunehmen, dann kann man vielleicht daran arbeiten, dass da die Supply Chain besser aneinandergreift. Wenn der Dampfer dann am Ärmelkanal ein bisschen langsamer fährt, um einen Tag später anzukommen, dann sind auch die LKW oder die Stellplätze frei etc., um halt die Folgeprozesse im Nachlauf dann smooth zu gestalten. Das sind eher solche Ansatzpunkte, die man in der Supply Chain noch hat. Und ich bin mir sicher, dass da noch ganz viel an Potenzial schlimmert.

Verzollungsprozesse zum Beispiel. Dann halt das ganze Thema des Nachlaufes, des Vorlaufes. Containergestellung, das sind irre viele Themen. Dann haben wir das ganze Thema der Rundläufe. Ein hoher Prozentsatz der LKWs auf diesen Straßen fahren leer. Warum? Weil es die entsprechenden Rückladung nicht gibt. Ja gut, Timo kommen und solche Frachtenbörsen versuchen da gegenzusteuern und sind da auch unterwegs und machen da auch einen guten Job. Aber nichtsdestotrotz ist da halt auch etwas mehr Digitalisierung Digitalisierung noch von Nöten, dass halt das plattformübergreifend halt verfügbar ist, dass wenn ein Disponent halt eine Sendung in seinem TMS eingibt, vielleicht wie aus dem Off sofort sagt, oh, ich habe eine Rückladung dafür.

Also da können wir, glaube ich, noch sehr viel mehr digital machen, auch einfach digital. Einfach digital im Sinne von halt, da leuchtet sofort halt im TMS kein Werbebanner auf, sondern halt eine Liste mit mit entsprechenden Rückladungen oder additiven Ergänzungsladungen zum Beispiel. Und Innovationen an der Stelle nicht so zu sehen, wie wir brauchen die Drohne, die die Pakete zum Empfänger bringt, sondern eher bezogen auf die tatsächlich realen Prozesse und reale Prozessverbesserungen. Sowas wie Drohne ist nett, ist toll. Da kann man super Filme drüber drehen. Da kann man super Zeitungsartikel drüber schreiben. Das heißt, die Technologie-Journalie ist da ganz weit oben. Und um sich dort halt Content zu organisieren, aber tatsächlich würde es am Himmel auch klumpen, wenn kurz vor Weihnachten alle Pakete mit Drohnen versendet werden.

Ja. Also macht alles total Sinn. Und ich versuche jetzt gerade so ein bisschen diese beiden Bilder übereinzubringen. Also das eine ist, das kann ja ein Spediteur alleine nicht leisten. Also wenn ich irgendwo eine kleine Spedition habe, habe da 10, 20 LKW und versuche irgendwie die möglichst effizient ausgelastet durch die Welt zu bringen, dann werde ich da noch so viel Digitalisierung machen können. Meine Möglichkeiten sind einfach extrem begrenzt. Also auch in der Größenordnung einer Firma ist ja das, was ich investieren kann, in individuelle Software einfach limitiert. Andersrum, das, was du genannt hast, auch diese Frachtbörsen, das sind Plattformen, die Dritte betreiben, im Zweifel Konsortien betreiben.

Am Ende muss ich aber dann meine Prozesse ja wieder an diese Plattform anpassen, damit ich daran teilnehmen kann. Und dann kommen wir, du hast es ganz am Anfang gesagt, zum Software-Sozialismus. Wie kann man da irgendwo einen guten Mittelweg finden, um nicht einfach zu einer Spedition zu werden, die völlig austauschbar ist gegen 87 andere, aber trotzdem an diesem Vorteil der Digitalisierung an der Stelle.

Das ist das Erste, glaube ich, was man immer machen sollte, ist, man sollte sich darüber im Klaren sein, was man braucht, um seine Prozesse bestmöglich abzubilden. Das ist das Erste, Bebauungsplan. Mach dir einen Bebauungsplan fertig, in dem Sinne, welche Softwarebestandteile brauchst du, welche Module brauchst du, welche Funktionalität brauchst du. Und dann guckst du halt, wie bildest du das Ganze halt ab. Brauchst du eine Individualsoftware, findest du halt Applikationen, Apps, die halt den Need, also die Anforderungen genügen. Auch da wiederum halt Pareto-Prinzip, 80-20-Regel, ist sehr, sehr wichtig. Nicht die eierlegende Räumigsaus suchen, die alles kann, sondern wirklich auf den Kern sich besinnen und dann einfach mal anfangen.

Ja, natürlich weiß ich, dass Logistiker jetzt von ihren Ergebnisbeiträgen halt nicht gesegnet sind. Das ist halt, die Renditen, die da eingefahren werden, sind halt gerade bei mittelständischen Logistikern jetzt nicht so, dass sie jetzt doch üppig unterwegs sind. Nur, welche Chance haben sie denn? Sie haben doch nur die Chance, sich selbst gut zu verstehen, sich selbst besser zu digitalisieren, um am Markt bestehen zu bleiben. Alles andere wäre eine Frage der Zeit, wann dann sowieso Ende ist, weil es hinreichend andere Unternehmen gibt, die halt gesagt haben, Digitalisierung ist das, was uns eben in den nächsten Jahren das Überleben sichert, unsere Daseinsberechtigung sichert und damit wir auch einen Bestand am Markt haben.

Also die Frage geht an der Stelle, gerade bei Unternehmen, die sagen, kann ich mir das leisten? Die sollten sich ganz klar die Frage stellen, habe ich meine Hausaufgaben gemacht? Habe ich meine Bebauung mal durchdacht? Habe ich mir dort Rat geholt, um das entsprechend aufzuziehen? Ansonsten ist das ganz schnell so, dass die von den Tatsachen überrannt werden. Ein größerer Auftrag gibt es sowieso nicht, weil das traut ihnen keiner mehr zu. Die kleinen Aufträge versiegen vielleicht irgendwann, weil es vielleicht eine Aggregation dort auch am Markt gibt. Und schon ist der kleine Dienstleister nicht mehr von Nöten. Wenn man das verhindern will, dann muss man gucken, dass man wirklich Hausaufgaben macht.

Sein Unternehmen so strukturiert, dass man halt mit den Mitteln gut am Markt unterwegs ist und damit halt hinreichend viel Geld erwirtschaftet, um sich weitere Digitalisierung auch leisten zu können.

Hat jetzt überhaupt nichts mit Logistik zu tun, ist aber eine Anschlussfrage. Was heißt das denn für uns beide als Softwareentwickler? Also was sind die Hausaufgaben, an denen du gerade sitzt? Und was sind Hausaufgaben, die jeder andere Softwareentwicklungsdienstleister sich auch machen sollte? Also für unsere Kunden sind wir die, die Digitalisierung umsetzen. Also die brauchen uns alle irgendwie.

Für uns als Softwareentwickler ist es im Endeffekt so, dass wir zum einen halt, müssen wir die Softwareentwicklung gut verstehen, also Software Engineering perfekt drauf haben. Das fängt an bei der Konzeption, bei Architekturen, bei dem Ansetzen von Programmiersprachen, bei dem Einsetzen von Softwarebibliotheken, Frameworks etc., um eben eine hohe Produktivität zu haben. Und das, was wir an der Stelle additiv unbedingt brauchen, ist Spaß und Freude an Anwendungsgebieten. Wir müssen neugierig sein. Also ein Softwareentwickler im 21. Jahrhundert, der muss eigentlich die Eigenschaft haben, permanent neugierig zu sein. Nicht nur auf seine eigene Software-Domäne, sondern im Anwendungskontext immer auch Spaß und Neugierde an der Anwendungsebene haben.

Also gucken, dass man, wenn man jetzt zum Beispiel in der Logistik unterwegs ist, wie funktioniert ein Transportmanagement-System? Was ist zweistufige Kommissionierung? Was heißt Mann zu Ware, Ware zu Mann? Also nicht nur zu wissen, was ist ein Singleton und was ist ein Model-View-Konzept und was ist der Unterschied zwischen einer NoSQL-Datenbank und einer SQL-Datenbank, sondern auch zu wissen im Anwendungskontext, was ist eigentlich ein Vorlauf oder was ist der Unterschied zwischen Vorlauf und Nachlauf? In der Logistik zum Beispiel. Das heißt, wir müssen an der Stelle halt sehr viel mehr in verschiedenen Domänen unterwegs sein, cross-funktional und damit eben ganz unterschiedliche, spannende Felder bedienen können.

Und die Antizipation von Fachlichkeit eben auch in kurzer Zeit gewährleisten. Also das ist etwas, was wir immer wieder liefern müssen. Jeder Anwender oder Mensch, mit dem wir interagieren, das wirst du auch kennen, freut sich irre, wenn man in kurzer Zeit als adäquater Ansprechpartner in der Domäne mit ihm in den Disput gehen kann. Wenn man das nicht macht, dann ist man halt nur der Softwareentwickler und nicht der adäquate Ansprechpartner. Und dann beraubt man sich auch ganz viel des Einsatzes von Technologien, um Ideen wirklich werden zu lassen. Oder andersherum auch vor Technologien zu warnen. Nach dem Motto, wenn du die Anforderungen hast, wie sollen wir das so umsetzen, dann passiert aber das und das und willst du das wirklich?

Diese Frage. Also adäquate Ansprechpartner an der Stelle werden. Und das, glaube ich, ist etwas, was wir als Softwareentwickler einfach mitbringen müssen. Auf allen Ebenen. Im Requirement, im Test, aber auch in der Softwareentwicklung selber.

Das macht Sinn, ja. Also jetzt mache ich das eh schon seit langer Zeit, einfach weil ich ein neugieriger Mensch bin. im Prinzip, also wenn ich andere Software-Geschäftsführer finde, dann sind das auch alles neugierige Menschen. Und wenn ich die traurigen Einzelkämpfer finde, dann sind das die Nerds, die ihren Keller nicht freiwillig verlassen.

Genau. Die braucht man auch. Die braucht man auch in den Teams. Aber nicht nur. Wenn ich ein Team habe, nur mit Nerds, da kommt da nichts Vernünftiges bei raus. Das wird eher dann halt, da wird eher halt das reinprogrammiert, was sie schon immer mal programmieren wollten. Die Liste mit goldenen Knöpfen und Schaltern zum Anfassen, was sie immer mal programmieren wollten. Das passiert dann genau in der Software. Die erklären ja auch genau, warum das da sinnvoll ist. Aber ob das dann sinnvoll ist für den Anwender und für den Prozess, das kann man wirklich nur beantworten, wenn man auch im Prozess drin ist. Und sowas wie Schulterblick zum Beispiel, auch mal sich in die Unternehmung reingehen, gucken, wie die arbeiten.

Ein Hobby ist von mir Betriebsbesichtigung. in Anführungszeichen. Aber mache ich total gerne. Ich gucke mir total gerne Unternehmen an, wie die funktionieren. Weil man da ganz, ganz viel bei rauszieht.

Ja. Ja, kenne ich. Mache ich auch gerne, das stimmt. Jetzt bin ich ganz gespannt, was du dazu sagst. Aber wie hältst du dich denn dazu aktuell? Das ist ja sehr vielschichtig.

Also einmal aktuell halt natürlich ist immer wieder ein Thema. muss man. Ich sage mal, wenn man diesen Job ergriffen hat, dann hat man sich dazu entschlossen, halt lebenslang zu lernen. Weil das, was ich irgendwann mal im Studium gelernt habe, das ist wichtig und hilfreich, sicherlich, aber damit kommt man heute nicht mehr durch den Tag. Das ist einfach so. Das heißt, Wissen ist ganz viel natürlich selbst lesen, neugierig sein, lesen, sich Dinge aneignen, aber auch halt das Organisieren in Verbänden. Ich bin in der Bundesverein Logistik organisiert, bin in der Regionalgruppensprecher, einer der drei, Weser Ems. Wir organisieren selber Veranstaltungen bei Logistikern, thematisieren dort. Ich bin viel unterwegs, rede mit ganz vielen Menschen und kann dadurch halt immer wieder neue Dinge erfahren und neue Dinge lernen.

Einfach durch das Unterhalten oder auch das, was wir hier machen heute. So ein Podcast ist so ein Gespräch, ist irre informativ am Ende des Tages. Warum? Weil man sich kennenlernt miteinander, weil man neue Aspekte kennenlernt und einfach in die Diskussion eintritt und das macht Spaß.

Ja, das kann ich bestätigen. Ja, cool. Und zum Thema Lesen, Also ich würde gerne irgendwas für die Quellenliste verlinken für die Menschen, die hier zuhören. Hast du da irgendwas, was du sagst, da bist du regelmäßig irgendwie dran, drauf?

Also als Regionalgruppensprecher der BVL muss ich natürlich die BVL-Seite reinbringen. Aber was Interessantes ist, die BVL hat einen neuen Zweig ins Leben gerufen. Das ist BVL-Digital. Und auch dort gibt es neben Webinaren auch Podcasts Und immer wieder Informationen halt rund um moderne Themen und neue Themen der Logistik. Und da lohnt es sich, wirklich mal reinzugucken und mal reinzuhören, weil der Christian Grotemeyer mit seinem Team dort wirklich gute, tolle Themen auch aufgreift.

Okay, cool. Werde ich verlinken.

Dann stelle ich jetzt die letzte Frage. Darüber hinaus natürlich, das darf ich nicht vergessen, Der Podcast und der Blog der HIC.

Ach ja, habe ich tatsächlich direkt vor diesem Interview mir auch angeguckt und fand ich auch sehr spannend, werde ich auch verlinken. Ja, dann letzte Frage für jetzt und hier. Gibt es jemanden, den du gerne in einem späteren Interview von mir ausgefragt hören würdest?

Also ich habe eine ganze Reihe von Menschen, die ich mal fragen würde. Ich würde die mal versuchen zu kontaktieren. Ich werde sie kontaktieren. Und dann können wir auch noch mal die miteinander telefonieren. So würde ich es machen.

Ja, gerne. Wunderbar.

Prima.

Dann müssen wir jetzt hier aus Zeitgründen leider so ein bisschen zum Ende kommen. Ich würde gerne noch eine Stunde weiterreden, Wir haben unseren üblichen Zeitraum schon ein bisschen gerissen.

Das können wir aber an anderer Stelle gerne nochmal machen.

Ja, perfekt. Dann machen wir das so. Dann ganz vielen Dank, dass du dich auf den Weg hierher gemacht hast. Gerne. Für dein Wissen und für deine Zeit. Ja, das war das 67. Interview im Podcast Wege der Digitalisierung mit Heiko Müller von der HEC. Vielen Dank fürs Zuhören. Und wie immer, bitte heilt das Ganze, schreibt mir Kommentare, schreibt mir E-Mails, gebt uns Bewertungen bei iTunes, wenn euch es gefallen hat. Und ja, dann hoffentlich bis zum nächsten Mal.

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