E4106.02.201919 Min
Führung in digitalen Zeiten: Ein Erfahrungsbericht
Im Gespräch: Nils Löwe (Lionizers)

Worum es geht
Nils Löwe berichtet über Führung in digitalen Teams bei Seon – mit Fokus auf gemeinsame Ziele und digitale Kooperation.
Nils Löwe berichtet aus eigener Erfahrung mit der Firma Seon, einem Startup, das ein smartes Alarmsystem für private Sicherheitsdienste entwickelt. Das Team arbeitet über mehrere Kontinente verteilt: Hamburg, Kapstadt, New York, Shenzhen.
Die digitale Zusammenarbeit funktioniert reibungslos, weil alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: Menschenleben retten und eine Region sicherer machen. Tools zur Aufgabenverfolgung sind nützlich, aber nicht entscheidend. Entscheidend ist das gemeinsame Verständnis, warum jeder etwas tut.
Die Entwicklung digitaler Produkte ist einfacher geworden durch moderne Kommunikations- und Koordinationswerkzeuge. Die größte Herausforderung war nicht die Technik, sondern die Schulung von Nutzern – hier halfen klassische Anreizsysteme wie Leaderboards.
Digitale Tools bringen Wert, wenn sie echte Probleme lösen. In analog gebliebenen Branchen wie der Sicherheitsbranche werden sie sofort angenommen, wenn sie die Arbeit verbessern. Der Erfolg hängt an der klaren Zielsetzung und dem Verständnis des Nutzens.
Ursprüngliche Shownotes 06.02.2019
Digitalisierung und Führung – das sind zwei Themen, die eng miteinander verwoben sind. In der 41. Folge von „Wege der Digitalisierung“ nimmt sich Nils genau diesem Themenkomplex an. Ausnahmsweise führt er dafür kein Interview mit einem Gast. Stattdessen berichtet er von eigenen Erfahrungen und erklärt, welcher Aspekt für das erfolgreiche ortsunabhängige Arbeiten im Team und bei der Entwicklung eines digitalen Produktes entscheidend ist.
Das Projekt: SEON
SEON ist ein Startup, das ein smartes Alarmsystem für den südafrikanischen Markt entwickelt hat. Das Produkt besteht aus einer Plattform und einem smarten Clip, über den Menschen in einer Notfallsituation einen privaten Sicherheitsdienst alarmieren können.
Die Lionizers waren an der Gründung des Unternehmens 2017 beteiligt und sind heute eine Art externe Technikabteilung des Startups.
Das Besondere an SEON: Das Produkt wird von einem Team entwickelt, dessen Mitglieder sich auf vier verschiedenen Kontinenten befinden und somit weitgehend ortsunabhängig arbeiten können. SEON ist somit ein Paradebeispiel für globales, digitales Arbeiten – oder wie es heute auch immer öfter genannt wird – für „New Work“ und das Arbeiten 4.0.
Erfolgsfaktoren für ortsunabhängiges Arbeiten im Team
Doch wie kann ein solches Arbeiten reibungslos funktionieren? Was ist der konkrete Erfolgsfaktor? Natürlich sind digitale Tools essentiell, um erfolgreich zu unterschiedlichen Zeiten und von unterschiedlichen Orten aus an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Nicht nur die reibungslose schriftliche und mündliche Kommunikation muss gesichert sein. Auch für das Projektmanagement und die Abstimmung von Aufgaben untereinander sind digitale Tools unabdingbar.
„Wäre das gemeinsame Ziel nicht gegeben, würde das beste Tool der Welt nichts nützen.“
Die besten Tools alleine garantieren aber noch lange nicht den Erfolg des Projekts. Was Nils während der Arbeit mit SEON klar wurde, ist dies: Entscheidend für das Gelingen ist es, ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Vision zu haben. Erst wenn das Team ein gemeinsames Verständnis dafür hat, wo es hinwill, und wenn jeder weiß, welchen Beitrag er dafür leisten kann, kann orts- und zeitunabhängiges Arbeiten funktionieren. Nur wer sein Warum kennt und dafür brennt, wird mit Herzblut bei der Sache sein.
Erfolgsfaktoren für die Entwicklung digitaler Produkte
Wie man es schafft, erfolgreich im ortsunabhängigen Team zu arbeiten, ist nicht die einzige Frage, die viele Unternehmenslenker umtreibt. Wer ein digitales Produkt auf den Markt bringen möchte, wird sich ebenso mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie er das Produkt am besten testen und auf seine Marktfähigkeit prüfen kann.
Beim SEON-Sicherheitsclip war das zunächst durchaus mit Schwierigkeiten verbunden. Eine erste Herausforderung lag darin, den Clip möglichst einfach nutzbar zu machen, damit eine große Anzahl von Wachleuten mit sehr unterschiedlichem Bildungsgrad ihn möglichst intuitiv nutzen konnten.
Die zweite Hürde lag darin, die Wachleute in der Testphase von SEON zu überzeugen. Die Sicherheitsbranche in Südafrika ist eine Branche, die bis dato komplett analog unterwegs gewesen war und mit der Digitalisierung kaum etwas am Hut hatte. Entsprechend skeptisch reagierten einige Sicherheitsleute zunächst auf das Produkt.
Um die Mitarbeiter zur Nutzung der Anwendung zu motivieren, hat zunächst eine klassische Incentivierung geholfen: Auf einem Leaderboard direkt im Kontrollraum wurde vermerkt, wie schnell welche Schicht auf einen Alarm reagierte. Dadurch wurde einerseits der Teamgeist innerhalb der Schichten gestärkt und andererseits der Wettbewerbseifer angefacht: Jede Schicht wollte besser sein und schneller reagieren als die andere. Gleichzeitig haben sich die Sicherheitsleute dadurch viel eingehender mit der Technik auseinandergesetzt und hilfreiches Feedback gegeben, das zur Weiterentwicklung der Anwendung gebraucht wurde.
Ausschlaggebend für den Erfolg von SEON war aber letztlich ein anderer Aspekt: Die Sicherheitsleute haben schnell gemerkt, wie sehr das Produkt ihren Arbeitsalltag erleichtert. Haben sie bisher über Funk kommuniziert und ihre Aufträge auf Papier bearbeitet, so erhalten sie durch SEON plötzlich eine Anwendung, die sehr effizient ist und ihnen einen enormen Arbeitsaufwand erspart. Der Nutzungsgrad war also sofort extrem hoch – und die Sicherheitsleute entsprechend dankbar. Sie mussten nicht mehr von dem Produkt überzeugt werden. Sobald sie es einmal angewendet hatten, wollten sie nicht mehr darauf verzichten.
Fazit
Die Zusammenarbeit eines ortsunabhängigen Teams und vor allem auch seine Führung wird durch digitale Tools und Anwendungen extrem erleichtert. Entscheidend für den Erfolg eines Projekts ist aber letztlich, dass alle wissen, warum sie an dieser Sache arbeiten und welchen konkreten Beitrag jeder einzelne leistet. Und auch für das Produkt selbst gilt: Das Warum muss sofort ersichtlich sein: Warum brauche ich genau dieses Gerät? Wie erleichtert es mir meinen Alltag? Wie macht es mein Leben besser? Wenn dem Nutzer die Antworten auf diese Fragen klar sind, steht dem Erfolg eines Produktes nichts mehr im Weg.
Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:
Transkript
2.727 Wörter
Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.
Hallo und herzlich willkommen zur 41. Folge im Podcast Wege der Digitalisierung. Heute habe ich mal kein klassisches Interview, sondern ich werde einen kleinen Erfahrungsbericht abgeben, den ich quasi mit mir selbst jetzt ausmache. Geht so ein bisschen zurück einerseits auf ein paar Nachfragen. Es wurden immer mal Interviewpartner gewünscht, die irgendwo Start-up-Erfahrungen haben oder aus kleineren Firmen, die allerdings einen hohen Digitalisierungsgrad haben. Und andererseits habe ich letzten Dienstag teilgenommen an einer Veranstaltung des Bundesverbands Mittelstand, nämlich der Zukunftswerkstatt. Da ging es im Kontext der Digitalisierung vor allen Dingen um das ganze Thema Arbeit 4.0, New Work und wie man das auch immer nennen will.
Und da habe ich gemerkt, sowohl bei Lionizers selber machen wir da schon sehr viel, was im Rahmen dieser Runde irgendwo so als Best Practice angesehen wurde. Vor allen Dingen, wir sind ja an der Firma Seon beteiligt und arbeiten da sehr aktiv mit, ist diese Firma ein Paradebeispiel für sowohl Digitalisierung in ganz vielen Bereichen, als auch für das Thema Führung und Arbeit, Mitarbeit untereinander. untereinander. So, und da habe ich gedacht, erzähle ich einfach mal ein bisschen aus dem Nähkästchen, was wir so tun und vor allen Dingen, also halt wie Seon funktioniert, weil ich denke, dass das wirklich ganz viele schöne, positive Beispiele und Geschichten sind, wie sowas laufen kann. Bevor ich damit jetzt anfange, möchte ich eine sehr coole Sache sagen und zwar wurde unser Podcast ausgewählt als Medienpartner der Hub Berlin im April. Die wird am 10. und 11. April Ich glaube, das wird eine wirklich sehr coole Veranstaltung und hoffe, dass ich vielleicht den einen oder anderen Hörer oder die Hörerin da auch treffen kann, dass das vielleicht sehr anders ist, dass da jemand hingeht.
Ich werde auf jeden Fall vor Ort sein und darf mit einer ganzen Reihe der Speaker dort Interviews führen. Das heißt, im Anschluss, nach dem 10. April, wird es hier eine Reihe Interviews zu hören geben, die ich dann dort vor Ort geführt haben werde. Da sind wirklich coole Leute bei, zum Beispiel die Google-Chefin der Schweiz habe ich jetzt gerade im Sinn. Ein paar DAX-Konzerne haben da Vertreter. Ich bin gespannt, mit wem ich am Ende wirklich ein Gespräch führen darf. Ich glaube, das wird sehr, sehr cool. Möglicherweise werde ich auch vorher noch mit jemandem aus dem Bitkom-Vorstand ein Interview führen, auch im Zuge dieser Medienpartnerschaft. Das würde dann natürlich vorher hier erscheinen.
So, nun also zu meinem Erfahrungsbericht. Ich habe, glaube ich, in dem einen oder anderen Interview schon mal irgendwie am Rande erwähnt, dass es diese Firma gibt. Also, die Firma heißt Seon. Wir haben die Firma mitgegründet. Wir sind sozusagen die Technikabteilung von diesem Startup gegründet im Sommer 2017. Ursprünglich war noch geplant, dass der Markteintritt für das Produkt, das wir da entwickeln, in Deutschland sein soll. Das hat sich dann in der frühen Marktrecherche ergeben, dass das hier nicht so plausibel ist, weswegen bis auf uns Entwicklertruppe das ganze Team nach Kapstadt gezogen ist. Xeon entwickelt ein smartes Alarmsystem, sprich eine Sicherheitsplattform mit kleinen smarten Geräten.
Das ist im ersten Schritt so ein Sicherheitsclip, den kann ich irgendwo an meine Kleidung heften. Sieht aus wie ein Modeaccessoire, fällt überhaupt nicht auf, dass das ein smartes Gerät ist. Und über dieses Gerät kann ich, wie man das aus dem Krimi oder aus dem Film kennt, wie in der Bank, einen Zeitel Alarm auslösen. Genau das kann man nun mit sich rumtragen. Und auf der anderen Seite, am Ende sind wir halt nur Plattformanbieter, sitzen private Sicherheitsdienste und wir vermitteln zwischen dem Menschen, der den Knopf gedrückt hat und dem nächstgelegensten privaten Sicherheitsmenschen, der dann mit Geolocation und Navigation und Foto und allem, was er braucht, so schnell wie möglich zu Hilfe kommt und da hilft.
So, und ja, jetzt ist Deutschland einfach zu sicher, um es positiv zu sagen, weswegen das Ganze hier nicht plausibel war zu starten. Aber Kapstadt kennt man ja irgendwo, ist noch nicht einer der sicheren Orte unserer Welt, weswegen wir da starten. So, jetzt abgesehen davon, dass das Produkt an sich auch ein sehr schönes Digitalbeispiel ist, ist mir als erstes eingefallen, warum ist diese Firma Seon ein Beispiel, das mir einfällt für Digitalisierung und vor allem dieses Arbeit 4.0-Thema. Letztendlich arbeiten wir gerade über mehrere Kontinente hinweg. Wir Entwicklungstruppe sind in Hamburg geblieben. Das eigentliche Team ist nach Kapstadt gezogen. Wir haben mit einem Produktdesigner zusammengearbeitet, der in New York sitzt.
Und die Hardwareentwicklung und auch die Fertigung haben wir mit einem Technologiepartner aus Shenzhen gemacht. So, das heißt, wir haben irgendwie Asien, Afrika, Europa, Nordamerika beisammen. Und das Ganze läuft erstaunlich reibungslos. Man muss ein bisschen planen mit den Zeitzonen, dass man halt irgendwo die Meetings so legt, dass das für jeden irgendwie in den Tag passt. Aber ansonsten ist das überhaupt kein Thema. Also die größten Probleme, die wir überhaupt hatten, macht der Zoll. Also Dinge von Asien nach Südafrika schicken, ist kompliziert. Und wie gesagt, die Kommunikation, man muss es halt planen. Es muss einem bewusst sein, dass man da Zeitzonen überwinden muss und dass es eher eine digitale, schriftliche Kommunikation in vielen Fällen ist.
Aber wenn man sich darauf einstellt, funktioniert das sehr gut. Das ist ja in vielen Fällen, wo es einfach um die Frage Homeoffice oder nicht Homeoffice geht, wird ja immer gesagt, Kommunikation ist dann nicht möglich. Und an vielen Stellen sind das so Todschlag-Argumente. Wir erleben das jetzt seit eineinhalb Jahren, wovon das letzte Jahr im Prinzip wirklich komplett ist, das eigentliche Core-Team auch verteilt auf die Kontinente ist. Das läuft sehr gut. Ich habe darüber nachgedacht, warum läuft das gut? Erst ist mir eingefallen, wir haben ein Tool, in dem wir unsere Wochen- und Monatsaufgaben tracken. Dann habe ich gemerkt, das ist aber nicht der Erfolgsfaktor. Wichtig ist, warum das funktioniert.
Wir haben ein gemeinsames Ziel und wir sind alle gemeinsam committed auf dieses Ziel. Und jeder kennt den Beitrag, den er leisten muss, damit wir dieses Ziel gemeinsam erreichen werden. Und dann ist am Ende dieses Tool ein gutes Synchronisationswerkzeug, dass man so ein ungefähres Gefühl hat, woran arbeiten die anderen? Wer könnte vielleicht noch Hilfe brauchen? Man weiß auch, wo man auf nachverfolgbare Weise selber um Hilfe bitten kann. Aber wichtig ist, wir wollen alle dieses Ziel erreichen. Wir wollen da eine Plattform aufbauen, die Menschenleben rettet und eine Region der Welt sicherer macht. Und daran arbeiten alle mit und darauf zielen alle ab. Und das ist wichtig. Wäre das nicht gegeben, würde das beste Tool der Welt nichts nützen.
Und ich denke, das ist so ein Learning, das man vielleicht daraus ziehen kann, auch um es irgendwo in andere Kontexte zu bringen. Dieses Alignment, dieses gemeinsame Zielverständnis, das gemeinsame Verständnis, wo will man eigentlich hin und vor allen Dingen für jeden Einzelnen, der mitarbeitet, was ist mein Beitrag und warum ist das wichtig. Wenn ich das nicht klar kriege innerhalb meiner Organisation, dann sind alle Tools irrelevant. So, und das ist natürlich in so einem Start-up, wo alle irgendwo mit Herzblut dabei sind, einfacher hinzukriegen als in einer großen, gewachsenen, etablierten Struktur, wo Leute mit Pech auch einfach Dienst nach Vorschrift machen. Aber meiner Meinung nach ist das der Kernfaktor, mit dem alles steht und fällt.
Und um das noch einen Schritt weiter zu treiben, habe ich gemerkt, von der Technologie her arbeiten wir bei Lionizers eigentlich genauso. Es ist zwar ein anderes Tool, aber es ist eins, das genau den gleichen Zweck erfüllt. Wir haben irgendwo unsere Ziele und unsere Aufgaben synchronisiert. Dadurch, dass wir halt Softwareentwickler sind, haben wir da eher Tools, die auf den Softwareentwicklungsprozess ausgelegt sind. Aber wichtig ist, dass jeder weiß, was er tut und warum er das tut. Jetzt habe ich ein bisschen drüber nachgedacht und habe festgestellt, dass das bei Xeon noch einfacher ist und irgendwie noch reibungsloser funktioniert als bei Lionizers. Und ich glaube, das liegt daran, dass Xeon ein rein remote arbeitender Laden ist.
Letztendlich, weil halt jeder auf einem anderen Kontinent sitzt. Und bei Lionizers, wir haben unser Büro in Harburg, da kommen auch alle sechs bis sieben Leute, ich sag mal, fast jeden Tag hin, aber jeder ist viele Tage die Woche da. Das heißt, tendenziell neigen wir dazu, Dinge auch einfach mit Post-its an die Wand zu tun. Das heißt, wir haben da aber immer diesen Bruch analoge Welt, digitale Welt. Das heißt, von der Toolchain her sind wir total in der Lage, komplett remote zu arbeiten. Vom Verständnis her sind wir aber an vielen Stellen doch offline unterwegs. Und das macht an einigen Stellen ein paar Mehrabstimmungsprobleme, zum Beispiel die Frage nach einem Urlaubskalender. Wir haben den jetzt erstmal klassischerweise an die Wand gehängt. Das heißt aber, jemand, der im Homeoffice sitzt oder im Coworking Space, hat erstmal auf diese Weise nicht Zugriff auf unseren Urlaubskalender, weil das einfach nur ein Zettel an der Wand ist.
So, und jetzt ist die Frage, wie viel Spaß macht das denn, in ein Büro zu gehen, wo nichts an der Wand hängt, weil alles digital ist, aber ich glaube, für so Abstimmungen, die das ganze Team betreffen, müsste man das konsequenterweise tun, dass wir da digital first arbeiten. So, ach, das war mir vorher gar nicht bewusst, dass Lionizers da von Seher noch lernen kann. Dann nächstes Thema, digitale Produktentwicklung. Das ist ja nun etwas, was unser täglich Brot ist, was aber viele, ich denke, viele Hörer sicherlich interessiert. Und vor allen Dingen, wenn man über Digitalisierung redet, ist das immer ein Thema, das spannend ist, dass man heute immer öfter zu hören kriegt, ihr braucht eine Plattform, ihr braucht digitale Produkte und so weiter.
Man muss das im Einzelfall natürlich prüfen, ob das wirklich so ist, ob man das braucht oder nicht. An vielen Stellen ist das, glaube ich, Quatsch. Wichtig ist, wir haben nun mit Seon erlebt, wie unkompliziert Produktentwicklung, speziell Entwicklung digitaler Produkte, auch wenn sie einen physischen Anteil haben, wie diesen smarten Clip, wie einfach das geworden ist, das zu organisieren. Natürlich wird nicht der eigentliche Entwicklungsprozess dadurch leichter. Ich muss immer noch dafür sorgen, dass das Ganze korrekt funktioniert und günstig ist und produzierbar ist und so weiter. Aber die Tools, die einem zur Verfügung stehen und auch die Kommunikation über den Prozess, das ist so viel einfacher geworden, als es das vor 10, 15, 20 Jahren noch war.
Wir haben mit den Hardware-Entwicklern aus China sehr viel über Skype und Hangout kommuniziert. Wir können das alles irgendwo mit sinnvollen Tools benutzen, dass diese ganze Abstimmung, welches Produkt wird es denn, Abstimmung über Designs, das kann man alles per E-Mail und über irgendwie gute Plattformen lösen. das ist also erstaunlich einfach. Also ich habe da jetzt eigentlich im Umgang mit dem chinesischen Entwicklungspartner keinen nennenswerten Unterschied gemerkt gegenüber früher, als ich vor 15 Jahren als angestellter Softwareentwickler mit einem Hardwarepartner aus München zusammengearbeitet habe. Also eigentlich außer der Zeitverschiebung hat das jetzt keinen Unterschied gemacht. Gut, und die Chinesen sprechen anderes Englisch als die Bayern. Aber das war es dann auch schon.
Bei dem Produkt selber haben wir dann wiederum gemerkt, man kann sich ein noch so gutes digitales Produkt ausdenken. Die Schulung hinterher ist der spannende Teil, mit der steht und fällt, ob das Ganze angewendet werden kann. Und zwar sind ja Hauptnutzer unserer Plattform die privaten Sicherheitsleute. Und wir haben schon uns ein aus unserer Sicht sehr gutes UX-Konzept überlegt, damit das Ganze möglichst einfach nutzbar ist für möglichst eine große Anzahl Wachleute mit unterschiedlichen Bildungsgraden. Da haben wir gemerkt, auch wenn wir es schon sehr einfach hinbekommen haben, waren das doch immer noch echte Hürden. Und da greifen jetzt, wo wir in der Beta-Phase sind, tatsächlich die ganz klassischen Inzentivierungsmaßnahmen, um Leute dazu zu bringen, das System zu nutzen, über die schon in Führungsbüchern aus den 50ern geschrieben wurde.
Also zum Beispiel bei dem einen Sicherheitsdienstleister, mit dem wir arbeiten, gibt es mehrere Schichten und die haben jetzt so ein ganz klassisches Leaderboard in ihrem Kontrollroom aufgehängt. Welche Schicht hat wie schnell auf Alarme reagiert? Und damit pusht man so ein bisschen das eine Team gegen das andere Team, weil die natürlich besser sein wollen als die anderen. So und dadurch setzen die sich dann mehr mit der Technik auseinander und stellen Fragen und dann erst bekommen wir auch das Feedback, das wir letztendlich brauchen, um zu entscheiden, okay, an welcher Stelle können wir Dinge vielleicht noch besser machen. So, aber das hatte ich tatsächlich unterschätzt und jetzt bin ich da auch nur mäßig vor Ort, aber ich höre das halt von den Leuten, die vor Ort mit den Guards reden, dass das unerwartet schwierig ist.
Jetzt hatte ich am Anfang schon ein bisschen erzählt, wie dieses ganze Konzept funktioniert. Es gibt private Sicherheitsleute, die sind als eine Hälfte der Nutzer auf der Plattform und es gibt die Leute, die einen Alarm auslösen. Die zahlen dafür entweder monatlich oder als Hotelgast irgendwo über das Hotel pro Nacht. Was wir damit tun, ist, dass wir eine komplett analoge Branche, die Sicherheitsbranche gerade in Südafrika, ist also immer noch 100% analog unterwegs. Die haben so klassische Funkgeräte und im Prinzip ist es das. Die machen ihr ganzes Dispatchment oft noch auf Papier. Und da haben wir gemerkt, die sind unglaublich dankbar für diese Tools. Das bringt mich im Prinzip dazu, in dem letzten Interview bei Eurogate mit Karim hat er auch gesagt, die Leute nehmen solche Tools sofort an, wenn es ihnen hilft, ihre Arbeit besser zu machen.
Und wir haben jetzt diesen Wachleuten im Prinzip das Werkzeug gegeben, mit dem sie ihre Gegend sicherer machen können. Und das hatten sie vorher nicht und es gab bisher nichts Vergleichbares, zumindest hat es da niemand angeboten. Und von daher ist der Nutzungsgrad sofort sehr hoch gewesen, auch wenn der Schulungsbedarf höher war als erwartet. So, jetzt muss man halt wissen, viele dieser privaten Wachleute sind ehemalige Polizisten, denen das staatliche Polizeisystem irgendwo nicht effizient genug war. Die sind letztendlich Polizisten mit Leib und Seele und mit Herz dabei. Die wollen einfach, dass ihr Land sicherer wird. solchen Menschen, die damit so viel Herzblut bei sind, ein Werkzeug zu geben, dass die ihre Arbeit einfach besser machen können, das ist total cool.
So, da merken wir einfach, man muss manchmal einfach nur die richtigen Werkzeuge finden. Oft sind das dann digitale Werkzeuge für Branchen, die bisher einfach komplett analog waren. Und dann reißen einem die Leute das aus der Hand und freuen sich sehr darüber, dass sie nun diese Werkzeuge haben und ihren Job besser machen können. So, jetzt bin ich am Ende meiner Notizen angekommen und ich merke, ich habe auch, glaube ich, einfach alle Kernpunkte erzählt. Am Ende, um es vielleicht nochmal zusammenzufassen, Führung in digitalen Zeiten, also ich würde sagen, die Tools sind schöne Werkzeuge. Wir haben heute Zugriff auf so viele tolle, günstige, teilweise kostenlose Tools, mit denen wir besser und effizienter kommunizieren können.
Trotzdem, das Ganze hat erst dann einen Wert, wenn alle wissen, warum sie an einer bestimmten Sache arbeiten, warum das wichtig ist. Letztendlich auch, welchen Impact sie da haben. Das haben wir bei Serien auch gemerkt. Seit wir das Feedback kriegen, dass die Guards da so drauf abgehen und seitdem wir gemerkt haben, wie unsere Testkunden glücklich sind, dass sie sich in der ganzen Umgebung sicherer fühlen. Damit haben wir nochmal einen anderen Schub bekommen, um dieses Unternehmen irgendwo weiter Richtung Erfolg zu führen. Das ist meiner Meinung nach der Kernbestandteil. Und das ist eigentlich erstmal kein Digitalisierungsthema. Aber an der Stelle kann Digitalisierung helfen, das Leben besser und einfacher zu machen.
So, ich hoffe, dass diese Folge, obwohl sie kein Interview wie bisher war, irgendwie spannend für euch war. Nächstes Mal gibt es ein Interview mit Dropbox, kann ich jetzt schon verraten, da freue ich mich sehr drauf. Und ja, ich hoffe, dass ich vielleicht den einen oder anderen von euch auf der Hub Berlin treffen kann im April. So, das war es von meiner Seite. Wie immer freue ich mich, wenn ihr das ganze Thema mit euren bekannten Freunden teilt. Xing, Twitter, LinkedIn, Facebook. Ich freue mich über Kommentare. Ich bin sehr froh, dass wir mittlerweile mehr Kommentare pro Folge kriegen. Das ist eine super schöne Sache. Das gibt mir auch das Feedback, dass ich tatsächlich Menschen erreiche, denen das was gibt.
Und ja, ich freue mich auf das nächste Mal. Bis bald.