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E4023.01.201933 Min

Wie hilft die Digitalisierung eigentlich in der Logistik?

Im Gespräch: Karim Youssef (Eurogate)

Titelbild zu E40: Wie hilft die Digitalisierung eigentlich in der Logistik? – Karim Youssef (Eurogate)

Worum es geht

Karim Youssef von Eurogate erklärt, wie Digitalisierung manuelle Logistikprozesse in Häfen effizienter macht.

Karim Youssef ist IT-Projektleiter bei Eurogate. Er hat einen BWL-Hintergrund und ist seit elf Jahren in der Containerlogistik tätig. Zuvor arbeitete er bei Eurogate Intermodal und übernahm die Digitalisierung von Auftragsabwicklungssystemen.

Er beschreibt zwei Projekte: Ein digitales Auftragsystem für LKW-Transporte, das Fax- und Telefonkontakte durch Drag-and-Drop-Übertragung ersetzt. Ein weiteres System für seemäßige Verpackung, das LKW-Anlieferungen, Schadensaufnahmen und Verpackungsprozesse digitalisiert.

Die Digitalisierung hat die Effizienz erhöht: Touren pro Tag verdoppelten sich, Auftragsabwicklung von Stunden auf 20 Minuten reduziert. Mitarbeiter wurden entlastet, nicht ersetzt. Transparenz für Kunden wurde verbessert.

Die Branche steht vor der Herausforderung, unterschiedliche Digitalisierungsstände zu harmonisieren. Gemeinsame Standards für die gesamte Logistikkette sind Ziel. Mitarbeiter bleiben entscheidend, da viele Prozesse noch manuell sind.

Ursprüngliche Shownotes 23.01.2019

Mit Logistik verbindet wohl jeder von uns etwas. Seien es Erinnerungen an „Auf Achse“ damals, die Freude über die großen Schiffe im Hamburger Hafen und auf der Elbe, oder das Leid mit Autobahnen und Landstraßen voller LKW. Aber vor welchen Herausforderungen steht eigentlich die Logistik-Branche heute? Durch unser Konsumverhalten tragen wir ja schließlich alle zum Wachstum dieser Branche bei. Und welche Rolle spielt die Digitalisierung hier? Ein paar sehr spannende Antworten gibt uns Karim Youssef, IT Manager bei Eurogate. 

Ich habe Karim letzten Herbst bei der Veranstaltung „Digital Faces“ der Handelskammer Hamburg kennengelernt, als er von zwei erfolgreichen Digitalisierungsprojekten berichtet hat. Als Softwareentwickler hat mich beeindruckt, wie schnell die Umsetzung passiert ist, vor allem ist aber die Akzeptanz erstaunlich, mit der die neuen Werkzeuge von den Anwendern angenommen wurden. Von diesen beiden Projekten und den Tricks bei der Akzeptanz berichtet Karim u.a. auch in unserem Interview.

Vor allem aber finde ich die Herausforderungen spannend, vor denen heute Eurogate, aber auch die meisten anderen Teilnehmer der Containerlogistik stehen. Durch die immer größer werdenden Schiffe kommen nämlich gar nicht unbedingt viel mehr Container pro Jahr im Hafen an, die Dichte der zu verladenden Container wird aber immer größer. Und an dieser Stelle hilft Digitalisierung mit besseren Informationsflüssen und mehr Effizienz in den Prozessen.

Ich habe in dem Gespräch sehr viele spannende Dinge gelernt, gerade auch sehr praktische Gedanken zur Umsetzbarkeit im kleinen Rahmen. Ich hoffe, dass du auch ein paar gute Gedanken mitnehmen kannst!

Viel Spaß beim Zuhören!

Links aus dem Interview:

Transkript

4.484 Wörter

Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.

Hallo und herzlich willkommen zur 40. Episode vom Podcast Wege der Digitalisierung. Heute sitze ich bei Eurogate. Vor mir sitzt Karim Youssef. Wir haben uns kennengelernt letzten November bei einer Veranstaltung der Handelskammer mit dem Titel Digital Faces. Karim ist IT-Projektleiter hier bei Eurogate und hat damals zwei sehr spannende Projekte vorgestellt, die unter dem Titel liefen Erfolgsgeschichten der Digitalisierung. Jetzt sitzen wir am Fuß in dieser riesengroßen Containerbrücken und ich war den Dinger noch nie so nah. Das ist ein sehr spannender Ausblick hier und ich bin sehr gespannt auf alles, was wir jetzt so bereden, was Digitalisierung, Hafen und Logistik.

Vielen Dank für die Einladung.

Ja, vielen Dank, dass ich hier sein darf. Zumindest für die Brücken hat sich das schon sehr gelohnt, herzukommen. Ja, erzähl mal ein paar Worte zu dir selbst. Wer bist du? Was machst du? Was hat dich hergeführt?

Also, wie schon angekündigt, Karin Yussef. Bin IT-Projektleiter bei der Eurogate Holding. Bin jetzt seit mittlerweile elf Jahren in der Containerlogistik. Ich habe angefangen bei der Eurogate Intermodal. Das ist eine Tochtergesellschaft der Eurogate GmbH. Und zwar ist das eine Firma, die sich spezialisiert auf intermodale Verkehre, also Containertransport, Bahn und LKW. Da war ich fünf Jahre lang im Betrieb. Und dann gab es halt eine Phase, wo es hieß, dass die Auftragsabflexungssysteme für den Bahnbereich und für den Truckbereich neu konzipiert aufgesetzt und die alten Systeme abgelöst werden sollten. Und da waren meine ersten Berührungspunkte mit der IT. Ich habe diese Projekte dann übernommen.

Und innerhalb von fünf Jahren haben wir beide Auftragsabflingssysteme abgelöst. Und wurde dann halt gefragt, ob ich noch beim weiteren Unternehmen der Eurogate-Gruppe behilflich sein kann. Das war die Firma Swap. Das ist die seemäßige Verpackung. Die quasi verpacken große Maschinen seetüchtig, dass sie dann halt dementsprechend auch auf dem Schiff transportiert werden können. und seit dem 1.7. bin ich nicht mehr tätig bei der Eurogate Intermodal, sondern bin jetzt bei der Eurogate IT angestellt als Projektleiter. Also nur noch mal ganz kurz, mein Background davor hatte nichts mit IT zu tun. Ich bin eigentlich ein ausgebildeter BWLer mit Bachelor und Master und bin quasi in diese ganze Thematik reingerutscht.

Wie es ja vielen geht.

So sieht es aus.

Ich habe mich in diesem Fall ein bisschen vorbereitet, einfach nur um mal so die Dimensionen zu sagen. Eurogate, ihr betreibt zwölf Terminalstandorte. Weltweit, ja. Weltweit. Und ich fand diese Zahl 14 Millionen Container pro Jahr. 2017, wahrscheinlich sind es heute noch mehr. Ja, das kann gut sein. Das finde ich ist einfach eine große Zahl. Und du hast es eben im Vorgespräch gesagt, ein Schiff hier in Hamburg liegt hier noch 18 Stunden und dann dampft das wieder ab.

Dann dampft das wieder ab.

Das kann man sich vorstellen, was das für Herausforderungen an die Logistik hier im Hafen bringt. Und dass das im Prinzip ohne Digitalisierung so gar nicht darstellbar wäre.

Ja, also es ist halt so, man muss sich das so vorstellen, dass die Digitalisierung in der Container, besonders in der Containerlogistik, um das ganz spezifisch zu sagen, das ist quasi noch in den Kinderschuhen. Noch nicht mehr ganz in den Kinderschuhen. Also das ist schon auf dem Weg, sich davon loszulösen. Aber prinzipiell ist es so, dass die gesamte Branche relativ nicht so wirklich digitalisiert ist oder beziehungsweise auf dem Weg ist, sich zu digitalisieren. Und man hat einfach gemerkt, dass die Prozesse, so wie sie bis dato angewendet worden sind, einfach ineffizient sind. Und dementsprechend halt durch eine Digitalisierung und den entsprechenden Daten, Datensätze und den Austausch von Daten, dass das halt immer wichtiger wird, um einen effizienteren Ablauf darzustellen.

Also eine der größten Herausforderungen ist es, dass die Schiffe halt immer größer werden. Und somit hat man nicht unbedingt mehr Container, die man in irgendeiner Form bewegen muss oder abwickeln muss, sondern man hat halt einfach mehr Container in weniger Zeit, die man abwickeln muss. Also wenn ein Schiff vorher kam, sagen wir mal mit 10.000 Container, war das schon eine Herausforderung. Aber jetzt kommen sie mit 14.000, 15.000 Container. Und dann muss man versuchen, in der gleichen Zeit, die man zur Verfügung hat, einfach noch effizienter zu arbeiten, um dementsprechend diese Transporte abwickeln zu können. Und das ist letztendlich der Kernpunkt des Ganzen, der das alles quasi zum Start gebracht hat, wo sich dann viele in der Branche, egal wer es ist, sei es der Räder oder der Spediteur oder der kleine Trucker oder auch halt Container-Terminals, Intermodal-Anbieter oder alle, die mit dieser Branche zu tun haben, haben gemerkt, dass man viel effizienter miteinander arbeiten muss, den Austausch von Informationen oder den Informationsfluss verbessern muss.

Und da ja eigentlich, wenn man sich das mal anguckt, sind das alles sehr manuelle Prozesse in der Containerbranche. Ein Schiff kommt an, der Container geht runter, der Container muss dann per LKW oder per Bahn verladen werden oder ein Container muss gepackt werden oder entladen werden. Und all diese Prozesse sind im Prinzip eigentlich sehr manuelle Prozesse, die bis dato nicht unterstützt worden sind in irgendeiner Art von irgendwelchen Systemen. Und von daher macht man sich halt jetzt Gedanken in der Branche, wie kriegen wir diese Ineffizienz irgendwie geregelt? Und da kommt die Digitalisierung ins Spiel.

Eigentlich hätte ich die Frage stellen wollen, was bedeutet Digitalisierung eigentlich in eurem Kontext? Ich glaube, das war schon die Antwort. Also im Prinzip würde ich es zusammenfassen, Effizienz in Prozesse bringen, die eher manuell getrimmt sind. Richtig. Und Informationsflüsse verbessern oder überhaupt erstmal erzeugen.

Genau, also es geht eigentlich die Erzeugung von Informationen oder digitale Informationen letztendlich, die es so in der Form eigentlich nicht gibt.

Ich würde gerne direkt auf diese beiden Projekte kommen, von denen du bei den Digital Faces erzählt hast, weil ich finde, ich habe sie noch sehr gut vor Augen, weil ich total beeindruckt war in dem Moment. Ich glaube, damit kann man sich das einfach sehr gut vorstellen. Würdest du einfach mal versuchen, so gut es ohne Präsentation geht?

Ich versuche das mal kurz zusammenzufassen. Also das erste Projekt, worum es ging, da ging es ganz konkret um LKW-Containertraktransporte. Die Eurogate Intermodal hat eine LKW-Sparte, die bis vor dem Umbruch zum neuen System komplett manuell unterwegs war. Was das genau bedeutet, die Aufträge sind per Fax oder per E-Mail reingekommen, dann wurden die aufbereitet, ausgedruckt und dann war es quasi ein Zettel, der von der Auftragserfassung bis hin zur Abrechnung immer wieder durchgereicht wurde, von einer Abteilung in die nächsten. Wenn es Änderungen oder wie auch immer gab, dann musste erstmal dieser Zettel rausgesucht und gefunden werden. Dann wurde da handschriftlich irgendetwas weggestrichen und neu hinplatziert.

Also man kann sich halt vorstellen, dass das eine komplette Ineffizienz von Auftragseingang bis hin zur Abrechnung war. Das war gar nicht mal das allergrößte Problem. Das größte Problem bei der ganzen Geschichte war das Zusammenspiel zwischen den Disponenten und den Fahrern, den Truckern. Also der Informationsaustausch zu den ganzen Touren, die die Trucker abfertigen sollten. Und da war es halt so, dass der Informationsfluss an erster Stelle über eine Funke vonstatten ging. Und da muss man sich halt vorstellen, dass so ein Disponent in seinen acht Stunden circa 1000 bis 1400 Funk- und Telefonkontakte zu den Fahrern hat. Und da kann man sich vorstellen, also diese Personen waren am Ende des Tages gar nicht mehr ansprechbar und insgesamt dieser ganze Prozess ist komplett ineffizient.

Und was wir uns da ausgedacht haben, wie es heute wahrscheinlich gang und gäbe ist, wie sich das jeder vorstellen kann, haben wir ein neues Auftragsabwechslungssystem, also eine Desktop-Anwendung, ins Leben gerufen, die diese komplette Auftragsabwechslung vom Auftragseingang bis zur Abrechnung quasi automatisiert weiterleitet in die jeweilige Abteilung. Und gleichzeitig haben wir die Kommunikation zwischen Disponenten und Fahrer umgeswitcht auf eine App letztendlich. Also der Disponent heute hat auf dem linken Bildschirm seine Touren, die er fahren muss. Auf der rechten Seite hat er eine Übersicht der Fahrer, die Aufträge abwickeln können. Und per Drag-and-Drop-Prinzip zieht er sich die Touren zu dem jeweiligen Fahrer.

Und in dem Moment bekommt der Fahrer einen Alert auf seinem Handy, dass er eine neue Tour hat und kann die dementsprechend annehmen und abwickeln. Also wir haben quasi diese 1400 Telefon- und Funkkontakte zu einem Drag-and-Drop umgewandelt. Und das war halt der große Wurf in dem Bereich.

Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, also weil wir eben bei Effizienz und so waren. Ich meine mich zu erinnern, du hattest gesagt, der Tag fing damit an, dass sich 40 Fahrer angemeldet haben und jeder hat per Funk gesagt, ich bin jetzt da. Richtig. Und also im Prinzip, das ist mit einer Anmeldung in der App erledigt.

Genau, die müssen heute einfach nur ein Knöpfchen drücken und in dem Moment erscheint für den Disponenten quasi der Fahrer bereit, um Aufträge zu empfangen.

Genau, das finde ich ist so gut vorstellbar. Also wie viel Zeit da Leute einfach verbraten haben, einfach nur mit sinnlosen Status. Sie sind natürlich notwendig, aber es sollte nicht nötig sein, dass da ein Mensch mit 40 Leuten kommuniziert, die einfach nur sagen, ich bin jetzt da.

Genau, also das war eigentlich nur der Anfang. Also damit hat der Tag tatsächlich begonnen. Also wenn man schon mit 40, 50 Funk- oder Telefunkontakten, um einfach nur die Information zu haben, dass der Fahrer bereit ist, Aufträge entgegenzunehmen, das war schon gut genug, dieses ganze Thema einmal anzugehen und in ein Projekt umzuwandeln und zu sagen, wir machen das anders. Und das zweite Projekt, das ist noch ein kleines bisschen größer von Umfang, weil es ein deutlich komplexerer Vorgang oder Prozess ist als jetzt die Trackumfuren. Bei den Trackumfuren geht es ja im Prinzip, dass ein Container von A nach B bewegt werden muss. Man braucht gewisse Angaben, um diesen Container bei A abzunehmen und bei B anliefern zu können.

Aber im Prinzip ist es genau dieser eine Vorgang. Die Tour mit allen Informationen bekommt der Fahrer und dann kann er gleich loslegen. Bei der seemäßigen Verpackung ist der Prozess noch deutlich komplexer, weil da geht es darum, dass Ware angeliefert wird, wo dieser ganze Prozess dieser Warenanlieferung in irgendeiner Form digital aufgefangen werden muss oder erfasst werden muss. Und die Ware kommt. Es können zu einem Auftrag zehn verschiedene Anlieferungen kommen, wo jede Anlieferung zwischen 1 und n Anzahl von Waren haben kann. Dieser ganze Anlieferungsprozess, das heißt diese ganze Koordination der LKWs, dass sie reinkommen dürfen und entladen werden, also das musste man irgendwie digital umsetzen.

Es war in der Vergangenheit dementsprechend so, dass die Fahrer kamen und mussten sich in ein Büro melden. Und dementsprechend konnte man es haben, dass man entweder an guten Tagen, dass man ein, zwei Fahrer pro halbe Stunde hatte, aber es konnte auch sein, dass 50 Fahrer gleichzeitig kamen. Und das zu koordinieren war extrem schwierig. Dann dieser Prozess der Entladung der Ware mit Fotos nehmen und dokumentieren, falls irgendetwas beschädigt ist und diese Information dann auch an seinen Kunden zu tragen. Wenn die Ware dann erstmal angeliefert war, dann fing der Prozess an, diese Ware soll dann halt auch verpackt werden. Die Ware wird dann normalerweise in Holzkisten verpackt, die dann individuell, je nachdem wie die Ware ist, dann halt gebaut werden.

Dann mit gewissen Korrosionsschützen überzogen werden müssen. Also wie gesagt, das sind alles sehr manuelle Prozesse. Diese ganze Kommunikation zwischen der Auftragsabwicklung und den Verpackern, welche Ware in welche Packstücke. Dann auch die ganze Auslieferung dieser Ware. Diese Ware kann dann entweder von LKWs abgeholt werden oder es müssen Container bestellt werden, weil die Ware soll in einen Container gepackt werden, die dann wiederum aufs Schiff. Also es ist schon ein sehr komplexer Prozess. Und der wie genau wie im Truckbereich eigentlich mit Zetteln. letztendlich abgewickelt wurde. Und diese ganze Thematik haben wir dann geregelt, indem wir einerseits, wie es halt notwendig ist, eine Desktop-Anwendung, die auch diese von der Auftragsannahme bis zur Abrechnung quasi diese ganzen Prozesse automatisiert übernimmt.

Aber halt auch eine Self-Service-Konsole, wo die Fahrer die Container abholen oder hinbringen oder Ware anliefern oder abholen möchten, wo sie sich dementsprechend erstmal anmelden und quasi per SMS von dem jeweiligen Mitarbeiter, der die Koordination von den LKWs rein und raus übernimmt, koordiniert wird. Und wir haben eine App entwickelt, die mehrere Funktionalitäten bietet. Aber es geht darum, eigentlich die ganzen Prozesse digital abbilden zu können. Also wir haben eine Funktionalität, die die Entladung überwacht oder erfasst mit Schädenaufnahme, Fotos nehmen und etc. Wie wir entladen, verladen wir auch. Wir können Container packen, also die Packstücke packen, diese ganzen Prozesse, die normalerweise mit sechs, sieben verschiedenen Digitalkameras und mit Speicherkarten, die dann entleert werden mussten und Aufträge zugeordnet werden mussten, All das wird heute über eine App abgewickelt und all diese Informationen läuft dann in das Auftragsabwechslungssystem.

Und aus dem Auftragsabwechslungssystem läuft das dann dementsprechend an die Kundschaft oder an die Dienstleister, je nachdem. Und auch da haben wir die Prozesse unglaublich optimieren können. Da kann man fast sagen, dass wenn ein Auftrag mehrere Stunden gebraucht hat oder wenn ein LKW-Fahrer bis zu drei, vier Stunden gebraucht hat, bis er überhaupt abgewickelt werden konnte. Das ist heute eine 20-Minuten-Geschichte und das hat mir klar eine Effizienz gebracht. Und ich würde mal behaupten, dass es echt, also jetzt in dem Truck-Bereich waren wir jetzt nicht innovativ in der Hinsicht, dass wir die ersten waren, die irgendwie eine App eingesetzt haben, damit der Disponent mit dem Fahrer kommunizieren kann.

Aber in dem Verpackungsgewerbe, ganz spezifisch auf den Container bezogen, würde ich jetzt mal sagen, dass es so ein System nirgendwo anders gibt. Also das sehen wir schon als einen großen Wurf, den wir uns selbst zuschreiben.

Cool. Ich habe so ein paar Zahlen im Kopf. Ich weiß nicht, wie genau ich da die richtigen Zahlen noch habe, aber also eine, ja, einen Vorwurf, den man der Digitalisierung immer macht, ist, dass Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Ich habe jetzt noch so ein bisschen vor Augen, wie du den Arbeitsablauf damals in dem Disponentenbüro beschrieben hast und wie er heute ist. Und dass du irgendwann, als das System live gegangen war, runtergegangen bist und dass du aus den Analytics gesehen hast, dass die irgendwie 50 Prozent mehr Touren umsetzen pro Tag als sonst an dem damaligen Maximum. Aber dass da auf einmal im Prinzip Ruhe eingekehrt war. Richtig. Wenn ich das jetzt, also ich bemühe mich immer, diese Positivbeispiele so ein bisschen hervorzuheben.

Also wenn ich das richtig in Erinnerung habe, habt ihr im Prinzip einfach nur vielen Leuten viel Leid abgenommen, aber es musste niemand gehen, weil einfach es wird mehr Arbeit geschafft.

Genau, also es ist genau so gewesen. Also man hat einfach gesehen, dass die Mitarbeiter aufgrund der Komplexität, weil es ist letztendlich doch komplex, auch wenn wir nur eine Büchse von A nach B, es ist einfach viel Information, die da fließen muss. Und irgendwann erreicht man sein Maximum, weil einfach der Aufwand, den man betreiben muss pro Auftrag, einfach sehr erschöpfend war. Und nach der Umstellung, wie du schon angesprochen hast, haben wir mal nach einer Zeit geguckt, okay, was waren jetzt die meisten Touren, die so mit dem neuen System an einem jeweiligen Tag gefahren worden sind. Da waren wir sehr überrascht zu sehen, dass wir quasi das Doppelte an Touren maximal an einem Tag geschafft haben, als der maximalste Tag, den es davor mit dem vorherigen System kam.

Und da hat man einfach gemerkt, man hat die Leute entlastet. Das bedeutete aber keineswegs einen Umkehrschluss, dass irgendwie jetzt Arbeit übernommen wurde von den Systemen. Ja, es wurde viel Arbeit quasi abgenommen von den Disponenten, aber die Disponenten hatten dann endlich die Möglichkeit, sich auf ihre Kernaufgabe zu konzentrieren. Und das ist das Disponieren und quasi das Disponieren auch noch optimiert. Und das hat eigentlich dazu geführt, dass unser Service Level gestiegen ist und unsere Mengen, die dementsprechend gestiegen sind, was wiederum dazu geführt hat, dass wir mehr Mitarbeiter brauchten, weil wir auf einmal mehr machen konnten. Also auch bei unserem Packunternehmen haben wir, also ich hatte bis jetzt noch kein Projekt, wo wir quasi einen großen Sprung gemacht haben, das Arbeitsplätze gekostet hat.

Also letztendlich ist es halt auch so, dass zumindest in diesem Gewerbe so viele Sachen passieren können, die keiner voraussehen kann, wo auch kein System der Welt darauf reagieren könnte. Also ich sehe es nicht, dass man irgendwie die Mitarbeiter in irgendeiner Weise in den Containergewerbe, solange, oder um das mal vielleicht vorsichtiger auszudrücken, solange nicht jegliche erforderliche Information, die man benötigen würde, um so einen Prozess vernünftig abwickeln zu können, digitalisiert und austauschbar ist und ausgetauscht wird, wird es nicht dazu kommen, dass man Mitarbeiter einsparen kann. Dazu gibt es einfach zu viele Eventualitäten. Bei einem Truck-Transport reicht es, wenn bei einem Container-Terminal oder bei einem Leerdepot ein Reach-Stacker, das ist quasi ein Gerät oder ein Fahrzeug, was Container von A nach B, wenn da ein, zwei, drei ausfallen, das weiß keine Systeme der Welt und das wissen andere Systeme dementsprechend auch nicht, aber hat einen unglaublichen Einfluss auf die Prozesse, die dann dementsprechend dahinter stecken.

Und ja, all das, das kann bis dato, das können keine Maschinen leisten in irgendeiner Form. Daher sind Mitarbeiter immer noch das Kern des Ganzen. Ohne die wird es nicht gehen.

Ist doch beruhigend. Okay, also im Prinzip kann man auch das zusammenfassen. Also ihr habt genau in diese Prozesse diese Effizienz reingebracht, Informationen überhaupt erstmal digital austauschbar gemacht und damit erstmal den Leuten, die eh da waren und denen, die zusätzlich eingestellt wurden, ermöglicht, ihre Arbeit überhaupt gut zu machen, wo sie vorher einfach unter so einer permanenten Überlast...

Effizient, genau, richtig. Sie können ihre Aufträge effizient ohne großartige Nebengeräusche weder aufstehen, auf dem Fahrrad sitzen und dann in die nächste Halle fahren, um irgendwelche Informationen reinzuholen. Aber was halt auch extrem wichtig ist, dass man auch eine gewisse Transparenz gegenüber der Kundschaft geschaffen hat. Davor war man ja eher geschlossen und jegliche Informationen, die man zum Status seiner Aufträge haben wollte, ja, das waren dann letztendlich irgendwelche mündlichen Angaben oder E-Mails, aber so einen tatsächlichen Statusfortschritt eines jeweiligen Auftrags, dass der angenommen wurde, dass der Fahrer jetzt den Container hinten drauf hat, dass er quasi fast vorm Ziel ist oder dass seine Ware angekommen ist.

und bereits verpackt worden ist, Container bestellt, aber noch nicht ausgeliefert. Das ist eine Transparenz, die wir bei uns reingebracht haben gegenüber den Kunden, wo wir sehen, dass es unglaublich wichtig war, das zu machen. Es ist ja auch etwas, was immer mehr gefordert wird von allen Beteiligten, eine gewisse Transparenz zu schaffen. Und das sehen wir halt auch als einen Meilenstein, den wir mit unserem System geschaffen haben.

Ja, ich denke im B2C-Bereich kennt man das, weil man von Amazon weiß, im Prinzip sagt mit meinem Telefon Bescheid, in siebeneinhalb Minuten steht der Fahrer vor der Tür.

Genau, also das ist halt eine Entwicklung, die sich quasi überall durchzieht und jetzt auch die Containerbranche erwischt hat. Und wir versuchen halt so gut es geht, derzeit ein kleines bisschen voraus zu sein und uns frühzeitig halt so aufzustellen, dass wir auch dem Markt gerecht werden. Aber in beide Richtungen, sei es jetzt ein Dienstleister, Kunde oder die eigenen Mitarbeiter.

Ja, also macht total Sinn und ich finde es erstrebenswert. Also ich sehe da viele Vorteile. Also wenn ich mir diese Intransparenz vorstelle, mich würde das quälen, wenn ich da arbeiten müsste. Definitiv. Also wir haben dankbare Mitarbeiter.

Also wir hatten jetzt noch nicht den Fall, dass jetzt sich irgendjemand grundsätzlich gewährt hat gegenüber dieser Entwicklung, sondern sie eigentlich bis dato immer sehr positiv aufgenommen worden ist, auch von den Mitarbeitern. Aber wir versuchen halt auch in diesen ganzen Entwicklungsprozessen die Mitarbeiter halt auch mit einzubeziehen. Wir versuchen, deren Arbeitsweise und Wünsche zu verstehen und aufzunehmen und mit in unsere Projekte zu integrieren. Also das ist halt auch ein großer Vorteil, den wir hier bei uns sehen, dass wir wirklich die Entwicklung hier in-house machen können. Und dementsprechend, also einerseits sind wir klar sehr nah an der Branche, weil wir die Branche sind. Und andererseits sehen wir halt, dass es unglaublich wichtig ist, die Mitarbeiter von Anfang an in so welchen Projekten oder in so welchen Gedanken gleich mit einzubeziehen.

Weil die letztendlich die sind, die ja auch mit diesen Werkzeugen arbeiten müssen. Also das ist so letztendlich, wie wir uns ein bisschen sehen. Also wir sehen uns als diejenigen, die versuchen, den Mitarbeitern vernünftiges Werkzeug an die Hand zu geben, damit sie ihre Arbeit entsprechend abwickeln können, ohne großartig in Effizienzen abfangen zu müssen, so wie es viele heute dementsprechend noch tun.

Das ist ein hehres Ziel. Also es ist andersrum auch das Einzige, was, glaube ich, funktioniert. Also es wird ja im Rahmen der Digitalisierung ganz viel darüber geredet, wie nehme ich meine Leute mit und was kann ich tun, wenn sie sich wehren. Aber ich glaube, wenn man es so rum angeht, ist das genau gut. Also ihr stülpt denen ja nicht irgendwas Ungewolltes auf, sondern letztendlich erleichtert ihnen die Arbeit, für die sie eh da sind.

Genau. Und wenn man sie halt von vornherein mit einbezieht, dann merkt man das halt auch. Und wenn sie es verstehen, Weil wenn so ein Austausch stattfindet zwischen Sachbearbeiter und IT, dann lernen alle unglaublich viel voneinander. Und dann ist es auch transparent gegenüber dem Mitarbeiter, was das Ziel des Ganzen ist. Und was genau halt zumindest angedacht ist, umzusetzen. Und wo seine Erleichterung also letztendlich sein wird. Die Mitarbeiter haben oft selber Interesse und kommen auch selber gerne mit ihren eigenen Ideen, wo sie, wenn sie selber merken, es gibt irgendwelche Ineffizienzen in irgendwelchen Prozessen oder so, sind wir auch mittlerweile da, dass die Mitarbeiter selbst ihre Hand heben und mit Ideen kommen, wie man das wohlmöglich halt aus der Welt schaffen kann.

Es ist eigentlich so, dass jeder einen Vorteil in so welchen Entwicklungen sieht Und jeder versteht auch, dass man sich nicht unbedingt wehren kann gegenüber diesen Entwicklungen, weil es halt auch von Teil vom Markt getrieben ist. Und manche verstehen auch, dass man mitmachen muss, halt um auch später konkurrenzfähig und gegenüber den Kunden letztendlich auch leisten zu können. Weil was bringt es, wenn man in zehn Jahren weg ist, nur weil man halt sich quasi vergessen hat zu digitalisieren.

Ja, das passt zu der Definition, der eigentlich besten Definition, die ich bisher so gehört habe, in einem vergangenen Interview, wo die Claudia Krüger gesagt hat, letztendlich der einzige Sinn und Zweck dieser ganzen Digitalisierung ist es ja, irgendwo effizienter zu werden, um mit der Veränderung Schritt zu halten. Weil die Veränderung ist eh da, gegen die können wir uns nicht wehren. Das heißt, wir müssen im Prinzip gucken, was können wir tun, um damit auf Stand zu bleiben und genau da hilft uns die Digitalisierung.

Richtig, das sehen wir genauso.

Ja, perfekt. Cool, dann würde ich sagen, komme ich zu den Abschlussfragen, weil wir schon eine ganze Weile reden. Du hast zwei sehr spannende Projekte vorgestellt. Was ist das nächste große Ding, was ihr digitalisieren werdet?

Hier bei Eurogate sind wir an diversen Themen dran, aber wir sind auch dementsprechend mit anderen Container-Logistik-Branchen Beteiligten dabei, größere Themen anzugehen. Jetzt momentan gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich halt mit der Thematik beschäftigt. Wie kriegt man die Zusammenarbeit aller Beteiligten von einem Seeterminal bis ins Hinterland? quasi wo denn letztendlich der Container hin soll. Also wie kriegt man diesen Prozess oder diese Kette gemeinsam besser abgebildet? Weil im Prinzip ist eine große Problematik in der Container-Logistik, dass jeder hat es erkannt, dass man sich digitalisieren muss. Und je nachdem, wie groß die Firma ist oder welche Denke in der jeweiligen Firma herrscht, der Grad der Digitalisierung unglaublich anders ist.

Und dementsprechend ist jetzt heutzutage, jetzt wenn wir zum Beispiel dieses Beispiel Amazon, jeder von uns hat ein Handy, jeder von uns geht auf die Plattform und wir sind alle quasi in der Hinsicht gleichgestellt. Das ist leider in der Container-Logistik-Branche nicht so. Das bedeutet, dass jeder ist auf einem anderen Grad der Digitalisierung. Manche machen sich Gedanken, manche sind schon ganz weit. Und das große Thema, was man jetzt gemeinsam versucht anzugehen, ist, wie kriegen wir denn alle auf einen ähnlichen oder gemeinsamen Stand, damit die Zusammenarbeit und die Prozesse aufeinander abgestimmt werden können. Das ist quasi das nächste große Thema, was behandelt wird.

Spannend. Klingt so, als sollten wir im Jahr noch ein Interview machen.

Können wir gerne machen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir es in einem Jahr gelöst haben.

Okay. Hast du eine Quelle, die du empfehlen kannst zum Thema Digitalisierung, mit der du dich irgendwie auf dem Laufen hältst?

Ja, dein Blog selbstverständlich. Und andererseits ist es dementsprechend überall, wo man das Potenzial hat, Informationen zu bekommen. Also sei es Fachzeitschriften, Internetseiten, sei es Blogs oder Veranstaltungen, die stattfinden. Man versucht letztendlich die Informationen oder Informationen zur Digitalisierung in der Containerbranche doch von überall herzuziehen. Was halt spannend zu sehen ist, dass es einfach immer mehr werden, weil es einfach immer mehr, sage ich jetzt auch, Branchenfremde gibt, die sich halt mit dieser Thematik beschäftigen. Und das ist auch deutlich spannender zu sehen, was Outsider halt denken über die jeweilige Branche und wie sie denken, was es für Probleme gibt und wie man sie potenziell mit smarten digitalen Lösungen irgendwie auflösen könnte. Also von daher eigentlich von überall.

Okay, dann die letzte Frage. Hast du jemanden, den du gerne in einer folgenden Folge hier hören würdest?

Also eine konkrete Person ist es nicht, aber mich würde mal ein Vortrag oder ein Podcast interessieren, der sich mit der Thematik digitale Spediteure auseinandersetzt. Also es wäre immer spannend, mal zu hören, wie so ein digitaler Spediteur, wie er denkt, was Digitalisierung für ihn bedeutet und wie er die Thematik Digitalisierung in der Containerbranche sieht. Also na klar interessiert mich relativ konkret die Container-Logistik-Branche in der Hinsicht. Und da jetzt diese digitalen Spediteure, jetzt nicht eine komplette Neuerscheinung, aber zwei, drei Jahre ist es her, dass es die dementsprechend gibt. Und das würde mich mal interessieren, was für einen Beitrag sie zu dieser ganzen Diskussion leisten können.

Okay, spannend. Ich werde mal gucken, wen ich da finde. Da wird es ja in Hamburg irgendwen geben. Das gibt es. Okay, dann bin ich am Ende mit meinen Fragen. Ich fand, das war ein sehr spannendes Gespräch.

Vielen Dank für die Einladung.

Ja, vielen Dank. Dann, das war das 40. Interview für den Podcast Wege der Digitalisierung mit Karim von Eurogate. Vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank für das Gespräch. Ich werde alles, was wir so besprochen haben, wie immer in den Shownotes verlinken auf wegederdigitalisierung.de. Alles, was wir an Quellen genannt haben, werde ich da auch verlinken. Ich bedanke mich fürs Zuhören. Ich hoffe, dass ihr alle was gelernt habt und Spaß hattet dabei. Ich freue mich über Teilen auf Twitter, Facebook, Xing usw. Und natürlich wie immer über Kommentare und E-Mails. Und bis zum nächsten Mal.

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