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E9516.02.202232 Min

Klimaneutrale Zukunft – Welche Schlüssel haben wir und welche brauchen wir noch?

Im Gespräch: Janine Steeger (Green Janine)

Titelbild zu E95: Klimaneutrale Zukunft – Welche Schlüssel haben wir und welche brauchen wir noch? – Janine Steeger (Green Janine)

Worum es geht

Janine Steeger (Green Janine) spricht über Digitalisierung und Nachhaltigkeit mit Fokus auf Energie, Landwirtschaft und Mode.

Janine Steeger, bekannt als Green Janine, ist Moderatorin, Speakerin und Autorin. Sie arbeitet seit 2015 im Bereich Nachhaltigkeit. Ihr Weg begann 2011 mit der Fukushima-Katastrophe und der Schwangerschaft. Sie kündigte ihre Fernseh-Tätigkeit und gründete ihre eigene Arbeit im Umweltbereich.

Sie betont, dass Digitalisierung ohne Nachhaltigkeit nicht möglich ist. Beispiele sind intelligente Verkehrssteuerung, gezielte Bewässerung in der Landwirtschaft und digitale Regale im Einzelhandel, die Lebensmittelverschwendung reduzieren. Auch virtuelle Anproben in der Modeindustrie und On-Demand-Produktion senken Ressourcenverbrauch.

Der größte Hebel für Klimaneutralität liegt in der grünen Energieversorgung. Digitalisierung hilft, Stromnetze effizienter zu nutzen, etwa durch dynamische Laststeuerung bei Windkraftanlagen. Digitale Zwillinge von Offshore-Windrädern ermöglichen Fernwartung und reduzieren Wartungsaufwand.

Sie kritisiert Pauschalurteile gegen Digitalisierung. Stattdessen fordert sie eine differenzierte Betrachtung, die Chancen wie Ressourcenschonung und Effizienzsteigerung nutzt. Ihre neue Buchveröffentlichung thematisiert weibliche Stärken in der Transformation.

Ursprüngliche Shownotes 16.02.2022

Als wir Janine Steeger fragten, wie sie zum Thema Nachhaltigkeit kam, erzählte sie von diesem besonderen Change-Momente ihres Lebens, an dem sich ihr Fragen wie diese stellten:

  • „Wie gehen wir eigentlich mit diesem Planeten um?“ oder
  • „Wie gehe ich mit den Ressourcen um, die mir zur Verfügung stehen?“ und
  • „Was hinterlasse ich irgendwann einmal hier?“

Die Suche nach Antworten hat sie seitdem umgetrieben und zu der Person gemacht, als die sie jetzt bekannt ist: Green Janine, Botschafterin in Sachen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Sehr schnell kommen wir im Gespräch auf konkrete digitale Lösungen für Nachhaltigkeitsprobleme in den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft, Energie und Handel.

Wir betrachten innovative Ideen gegen Lebensmittelverschwendung oder Überproduktion in der Modebranche. Es geht um immer noch existierende Vorurteile von Umweltschützern gegenüber digitalen Mitteln und um Pauschalurteile.

Und es geht um Schlüsselfragen:

  • Woher bekommen wir ausreichend grüne Energie in der Zukunft?
  • Was ist der Schlüssel zur CO2-Reduktion?
  • Wo haben wir den größte Hebel?

Überraschendes, Interessantes, Neues – Lasst euch inspirieren.

Links aus dem Interview

Unsere Interviewpartnerin & ihr Arbeitsfeld

Tipps für mehr Wissen zum Thema

  • Futurewoman.de
    macht Frauen in der Nachhaltigkeit sichtbar und fördert sie in ihren Karrieren
  • Going Green: Warum man nicht perfekt sein muss, um das Klima zu schützen
    Buch von Janine Steeger
  • Das Neue Land: Wie es jetzt weitergeht!
    Buch von Verena Pausder
  • Blackout – Morgen ist es zu spät
    Roman von Marc Elsberg

Transkript

4.280 Wörter

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Hallo Welt, liebe Menschen. Herzlich willkommen bei unserem Software for Future Podcast. Mein Name ist Friederike Löwe und gleich hörst du auch Nils Löwe. Wir führen als Unternehmerpaar die Lionizers. Im Folgenden gibt es ein Interview mit Janine Steger, Moderatorin, Speakerin und Medientrainerin unter dem Pseudonym Green Janine. Ich wünsche dir jede Menge Spaß beim Zuhören.

Ja, herzlich willkommen, Janine, Green Janine, wenn ich von deiner Homepage ablese. Ich bin total gespannt, was wir heute lernen werden. Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Bevor ich jetzt lange unqualifizierte Worte über dich verliere, stell du dich doch gerne mal vor. Wer bist du, was machst du und was hast du mit Nachhaltigkeit zu tun?

Ja, erstmal vielen Dank für die Einladung. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich dabei sein darf. Und ja, du hast es vollkommen richtig gesagt. Ich nenne mich Green Janine seit 2015. Also ich bin ausgebildete Journalistin, habe viele Jahre, fast 20 Jahre beim Fernsehen gearbeitet und habe mich da vor allen Dingen dem Boulevard gewidmet mit großer Leidenschaft. Das wollte ich schon als Teenager unbedingt machen. Und insofern hat mir das ganz, ganz viel Spaß gemacht. Und ich habe dann aber 2011 war so mein, man spricht ja immer so von Change-Momenten im Leben, wo man halt plötzlich anfängt, über Dinge nachzudenken, über die man vorher nicht nachgedacht hat. Und 2011 war ich schwanger mit unserem Sohn und die Fukushima-Katastrophe passierte.

Und das war für mich tatsächlich, also das Beobachten dieser Katastrophe mit dem ungeborenen Leben in meinem Körper, war tatsächlich irgendwie so der Auslöser für ganz viele Fragen, die ich mir gestellt habe dann plötzlich zum ersten Mal. Nämlich, wie gehen wir eigentlich mit diesem Planeten um? Wie gehe ich ganz konkret mit den Ressourcen um, die mir zur Verfügung stehen oder auch nicht zur Verfügung stehen? Wie viele verbrauche ich eigentlich davon? Und habe dann im Nachgang wirklich erst mal angefangen, zu Hause ganz viel zu ändern, also in meinem Privatleben. Und habe dann irgendwann 2014 auch angefangen, mit Senderchefs bei uns in der Sendergruppe zu sprechen und wollte halt eigentlich eine Sendung zum Thema haben.

Das ist aber 2014 zu früh gewesen. Also wenn man sich jetzt heute eigentlich alle Sendergruppen anschaut, aber ich war damals ja bei RTL, dann würde man zu dem Ergebnis kommen, jetzt hätte ich deutlich bessere Chancen. Aber damals war das einfach echt zu früh und ich bin da wirklich absolut grandios gescheitert gegen die Wand gelaufen und habe dann gesagt, okay, es ist für mich aber so wichtig, dann kündige ich jetzt und mache mich selbstständig in diesem ganzen Nachhaltigkeits- und Umweltschutz- und Klimaschutzbereich. Und habe mich dann eben irgendwann, weil den Vorschlag jemand gemacht hat, Green Janine genannt und das war auch ganz gut, weil sich unter diesem Namen interessanterweise ganz viele Ideen, die ich hatte, wie ich jetzt mit diesem neuen Leben umgehe und was ich konkret beruflich machen will, irgendwie sortiert haben.

Und dann ist es halt dazu gekommen, dass ich vor allen Dingen als Veranstaltungsmoderatorin, Eventmoderatorin in dem Bereich arbeite, auch als Speakerin arbeite, auch ein Buch geschrieben habe und ein weiteres Buch, was ich zusammen mit einer weiteren Autorin, Ines Imdahl, geschrieben habe, im kommenden Jahr erscheint, also 2022. Und alles dreht sich sozusagen um das Thema Nachhaltigkeit. Und das Interessante ist natürlich, dass sich durch die vielen Jobs, die ich halt habe in dem Bereich, natürlich dann jedes Mal auch durch die Vorbereitung und durch das Zusammentreffen mit wahnsinnig vielen Expertinnen und Experten, dass das Wissen in der Thematik natürlich immer weiter zunimmt. Und das ist halt super spannend.

Und ich treffe da einfach auch auf ganz, ganz viele inspirierende Persönlichkeiten. Und das macht großen Spaß und ist wirklich, also ich liebe meinen Job. Anders kann ich es nicht sagen.

Das klingt total spannend. Und also diesen Change-Moment, ich kann den total nachvollziehen. 2011 habe ich noch angestellt gearbeitet für Nordex. Und das war enorm, was da auf einmal an Veränderungen im Raum war. Was alleine mein damaliger Arbeitgeber, ich glaube, allein die Aktienkurse sind um 30 Prozent gestiegen an dem Tag, weil ganz viele Leute gemerkt haben, irgendwie geht das so nicht weiter.

Ja, also ich glaube, das ist schon einfach ein ganz wichtiger Moment gewesen. Gleichzeitig muss ich auch sagen, also ich bin Mutter, ich bin dann im Sommer 34 geworden und war also zu dem Zeitpunkt, als das passierte, noch 33. Und ich war schon auch ein Stück weit so auf der Sinnsuche. Also es war bei mir so ein bisschen auch so eine vorgezogene Midlife-Crisis, würde man negativ sagen, dass man sich so überlegt, was hinterlasse ich denn irgendwann mal hier? Also darüber hinaus, dass ich halt irgendwie viel Spaß hatte an meinem Leben. Das kann ja auch vollkommen okay sein, dass man irgendwie sagt, das ist halt irgendwie mein großes Ziel. Aber ich war schon auch grundsätzlich auf der Suche nach einem Thema und dann war das Thema plötzlich da.

Also wir haben uns da so gegenseitig gefunden, glaube ich.

Du hast gesagt, du bist unter anderem Speakerin und Moderatorin und du lernst ganz viel auch durch die Vorbereitung auf die Events, die du da hostest. Jetzt ist ja unser Thema sowohl Nachhaltigkeit als auch Digitalisierung. Da würde mich total brennend interessieren, wie ist denn deine Formulierung, wie hängen Digitalisierung und Nachhaltigkeit heute zusammen? Wie beeinflussen die sich und was haben wir da für Chancen und auch für Risiken?

Also alle ExpertInnen, die ich zu dem Thema spreche und kenne, sagen unisono, ohne Digitalisierung ist Dekarbonisierung nicht möglich. Und das ist ja das, wo wir hinkommen müssen, nicht mehr auf fossile Brennstoffe zu setzen. Und das ist halt letztendlich, Digitalisierung ist an der Stelle einfach der Schlüssel zu allem und zur Klimaneutralität. Also natürlich ist es so, dass ich auch auf vielen Veranstaltungen immer wieder darüber spreche. Die sind dann auch schon gelabelt. Also ist das nicht eigentlich was Gegensätzliches? Also Digitalisierung bedeutet natürlich auch an vielen Stellen mehr Ressourcenverbrauch, also mehr Netzverbrauch sozusagen, mehr Energieverbrauch. Und ja, natürlich gibt es auch diese Herausforderung und deswegen muss man, glaube ich, immer gucken, wo gibt es sinnvolle Digitalisierung.

Aber letztendlich ist es halt so, dass wir ganz viel Gestaltungsmöglichkeiten haben für sinnvolle Digitalisierung, um halt wirklich einfach Ressourcen zu sparen. Also ich hatte kürzlich ein super spannendes Start-Event für eine Veranstaltungsreihe zusammen mit Microsoft. Und da ist mir einfach ganz viel nochmal klar geworden, weil die hatten ganz viele Best-Practice-Beispiele auch. von denen dann an dem Tag berichtet wurde. Und man kann gegen so viele Probleme im Bereich der Nachhaltigkeit mit Digitalisierung perfekt ankämpfen. Also wenn du Digitalisierung zum Beispiel im Verkehr dir anguckst, also wie du Verkehrsströme leiten kannst, wie du freie Parkplätze auch gerade an Elektroladesäulen beispielsweise steuern kannst.

Du kannst natürlich insgesamt einfach durch, also wenn wir mal beim Verkehr bleiben, bei Mobilität, durch Digitalisierung ja auch, also das geht ja beim Carsharing und dem einfachen Mieten über Digitalisierung geht das ja letztendlich los. Und Riesenmöglichkeiten stecken auch in der Landwirtschaft, also durch Digitalisierung wirklich nur noch gezielt Pflanzenschutzmittel beispielsweise einzusetzen, also ganz gezielt nur bei einzelnen Pflanzen überhaupt schon zu sehen auch durch Digitalisierung, welcher Pflanze geht es gerade gut, welcher geht es schlecht. dem ganz konkreten Einsatz von Wasser, wo du natürlich enorme Ressourcen, eben die Ressource Wasser sparen kannst, weil du halt ganz genau durch Digitalisierung messen kannst, wo brauchen wir jetzt gerade wirklich Feuchtigkeit und wo nicht.

Und also da stecken so viele Möglichkeiten drin. Und ich glaube, dass wir uns das alles angucken müssen. Und bei dieser Veranstaltung wurde eben auch nochmal klar, wir haben ja oft auch diesen Clash, so Umweltschützer gegen Digitalisierung. Also Umweltschützer finden das manchmal irgendwie per se doof. Und ich glaube, da müssen wir echt von wegkommen, weil da viel zu viele Chancen drinstecken. Und das würde ich auch niemals unterschreiben, dieses Schwarz-Weiß-Denken. Das ist wirklich einfach total falsch. Und ich glaube, wir müssen auch uns einfach da vielen Möglichkeiten öffnen, die woanders auf der Welt ja schon angewendet werden. Und es kann einfach nicht sein, dass wir da irgendwie so hinterherhinken aus solchen Pauschalurteilen wie, naja, aber was ist mit dem Datenschutz und Digitalisierung ist einfach per se Mist.

Das finde ich schwierig, da muss man genauer hingucken.

Das sehe ich genauso, zumal Datenschutz im Prinzip auch eigentlich ein Aspekt von Nachhaltigkeit ist. Also dieses pauschale Haben ist besser als brauchen beim Datensammeln, das ist weder nachhaltig noch ist das besonders schlau, was jedes Unternehmen unterschreiben kann, dass schon irgendwo mal zum Datendiebstahl unterlegen ist. Du hast schon ein paar total spannende Beispiele gesagt. Verkehrsströme, Carsharing, Landwirtschaft. Hast du da noch ein paar mehr konkrete Beispiele, wie das genau aussehen kann, aus deinen Wirkungen heraus?

Also ich habe auch gehört, es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, Es gibt jetzt so quasi mit KI ausgestattete Regale für den Lebensmitteleinzelhandel, die halt sozusagen über Sensorik weitergeben, was wird gerade besonders gut verkauft und was nicht. Und die beziehen aber zum Beispiel auch Wetterdaten mit ein. Also steht das Grillen heute Abend an? Müssen wir da jetzt nochmal, weiß ich nicht, Würstchen oder vegane Würstchen irgendwie auffüllen oder Brot oder sonst was? Und alles mit dem Ziel, eben gegen Lebensmittelverschwendung zu arbeiten. Weil wir in dieser verrückten Konsumgesellschaft leben, wo wir ja glauben, also wenn der Supermarkt bis 12 Uhr nachts geöffnet hat, dann wollen wir aber auch bis 12 Uhr natürlich gefüllte Regale und alles nochmal kaufen können.

Und das ist ja vom Ansatz her richtig. Also was habe ich von einem Supermarkt, der geöffnet hat, aber die Regale leer sind? Aber das landet ja teilweise dann einfach alles in der Tonne. Wir kennen das ja auch von einem klassischen Bäcker. Das kann natürlich nicht sein, dass wir bis zur letzten Sekunde noch alles dann frisch bekommen. Und insofern, das finde ich auch ein super spannendes Beispiel, diese ganze auch im Lebensmittelverschwendungsbereich eben auch zu gucken. Du kannst ja auch deinen privaten Kühlschrank inzwischen digitalisieren. Du kannst über deinen Abfalleimer, das, was da drin landet, kannst du im Grunde die neue Einkaufsliste generieren, dass sich das dann alles schon wieder selbsttätig bestellt.

Das setzt voraus, dass du immer das Gleiche auch haben willst. Also das sind alles so Fragen, die man sich dann natürlich stellen muss. Aber es ist also gerade diese Regale, die dann eben für den Lebensmitteleinzelhandel gedacht sind, finde ich halt wahnsinnig spannend. Ein anderes Beispiel ist, wenn wir mal in den Modebereich gehen und in den Bereich Pakete, die ja jetzt natürlich einfach, wie wir alle wissen, wahnsinnig viel E-Commerce betrieben wird. und ich nehme mich da gar nicht aus. Also ich kaufe jetzt auch nicht alles lokal. Und da gibt es zum Beispiel ja auch durch Digitalisierung Möglichkeiten, dass du es halt wirklich einfach vorher virtuell anprobieren kannst und auch wirklich sehen kannst, wird es mir denn nachher gefallen und passt es auch.

Du kannst natürlich dann irgendwie dich vorher vermessen lassen. Das geht ja bis hin zu den Gedanken, dass du wirklich on demand produzierst auch, also dass du im Grunde dein Kleidungsstück dir anguckst und es dann bestellst und dann wird es erst produziert. Es gibt ja auch schon einzelne kleinere Unternehmen, die das durchaus so machen. Aber wenn man sowas eben, weil wir wissen ja auch, wie viele Kleidungsstücke vollkommen umsonst produziert werden und dann irgendwann auf Müll landen. Das ist ja wirklich, man muss fast sagen, widerlich, in welcher Überfluss Gesellschaft wir da leben. Und dagegen anzukämpfen durch Digitalisierung, zum einen, dass man halt weniger umtauscht, weil man halt gar nicht erst drei Größen bestellen muss oder sich vielleicht erst beim Anprobieren merkt, dass es einem gar nicht steht, das große Blumenmuster, sondern das hat man dann vorher vielleicht schon festgestellt.

Und dann eben auch weitergedacht bis zur Frage der Produktion. Also wird es vielleicht einfach erst produziert, wenn es jemand bestellt. Und das sind natürlich einfach total spannende Sachen. Also auch 3D-Druck. Also ich meine, wir können mit 3D-Druck ja inzwischen fast alles machen. Also damit werden Häuser gebaut, damit können sicherlich auch Ressourcen geschont und gespart werden. Also es gibt einfach unfassbar viele Möglichkeiten, von denen man, glaube ich, auch viel zu wenig weiß. Also auch in einzelnen Branchen. Also das haben wir ja in fast allen Branchen, die auch vor solchen großen Transformationen stehen, dass man halt wirklich auch gucken muss, wie kriegen wir das auch in die Welt gebracht?

Wie ist da dein Eindruck, welche Bromben haben da einerseits den größten Nachholbedarf, aber andersrum auch, wo ist da am meisten Impact rauszuholen? Also ich fand das mit dem Modehandel, da kann ich mir vorstellen, Also da geht noch einiges mit der Technik, die gerade so im Erstehen ist. Da ist ein Riesenhebel. Aber wie sieht das so auf die gesamte Wirtschaft betrachtet aus?

Also ich glaube, wenn man jetzt mal danach geht, wo wir auch die größten Herausforderungen haben, also die Frage, wo kriegen wir grüne Energie her in der Zukunft, das ist ja die Grundlage von allem. Also egal, ob wir über, also alle Produktionsprozesse, alle Produkte, die wir produzieren, müssen in der Zukunft halt mit grüner Energie produziert werden. Und insofern, glaube ich, ist Energie einfach der größte Hebel, wo wir einfach sehr genau gucken müssen, wie können wir da mit Digitalisierung Dinge verbessern. Also auch dazu habe ich ein spannendes Beispiel. Wenn du beispielsweise das Thema Windenergie anguckst, dann ist es manchmal schwierig, weitere Windräder an ein Stromnetz anzuschließen.

weil die Kapazitäten sozusagen erreicht sind. Jetzt ist es aber so, dass die Kapazitäten nach einem ganz verrückten System gemessen werden, nämlich die gehen von einer Außentemperatur von 30 Grad sengender Hitze aus, und zwar permanent. Also das ist sozusagen der Grundstatus. Und jetzt haben wir das natürlich nicht so oft. Also durch den Klimawandel haben wir häufiger starke Hitze, richtig. Aber natürlich haben wir jetzt nicht alle Tage im Jahr 30 Grad draußen mit trockener Hitze. Und da habe ich kürzlich einen Studenten kennengelernt, der dazu eine tolle Arbeit auch geschrieben hat, wo du eben durch Digitalisierung, das klingt total banal, aber wo du einfach messen kannst, wie ist es denn da draußen und was kann ich ins Netz reingeben und das so eben anpassen kannst und du dann natürlich die Möglichkeit hast, weitere Windräder auch anzuschließen.

Weil es bringt ja nichts, wenn wir halt irgendwie uns streiten wie die Irren, wo jetzt neue Windräder aufgestellt werden dürfen und wir mehr Energie hätten, grüne Energie. Und dann können wir das aber nicht anschließen, weil dann das Netz überlastet wäre. Und das klingt wirklich total banal, ist aber natürlich ein Riesending und ein Riesenfaktor. Auf der gleichen Veranstaltung habe ich gelernt, dass es neue Windräder jetzt gibt, die zum Beispiel einen komplett digitalen Zwilling haben, sodass du, wenn die Offshore stehen, also im Wasser stehen, auf dem Meer oder im Meer, du natürlich viel weniger Drama hast sozusagen, wenn du irgendwas reparieren musst, weil du halt nicht vor Ort dahin musst, sondern du hast halt diesen digitalen Zwilling und kannst das halt da letztendlich beheben und bearbeiten.

Also ich glaube, weil die Energie die Grundlage von allem ist, müssen wir, glaube ich, haben wir da auch den größten Hebel, wie wir mit der Frage umgehen, wie bekommen wir möglichst viel der Energie, die wir dann auch produzieren, eben auch ins Netz und dahin, wo sie hin muss. Da kann man über Digitalisierung, glaube ich, auch ganz viele Stellschrauben noch drehen.

Das finde ich total spannend, dass du das sagst. Ich habe ja vor einer kurzen Weile ein Interview geführt mit Matthias Kühl von DeZera und die machen Ansteuerungen von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und optimieren die. Weil er gesagt hat, also im Prinzip deren Haupt unique selling point ist, die Anlagen werden bisher immer nach dem Strombedarf gefahren, produzieren aber ja Strom und Wärme. Aber Wärme ist das viel langsamere Medium. Das heißt, wenn man die auf dem Wärmeoptimum fährt, dann hat man da schon mal ein ganzes Stück Nachhaltigkeit eingespart. Und er hat also im Prinzip ein ähnliches Thema genannt wie du gerade. Die Leute, die so eine Anlage betreiben, die sagen dann immer, aber die muss mindestens 60 Minuten am Stück laufen aus irgendwelchen technischen Gründen.

Das wird aber nie gemessen. Und deren erster Schritt hinein ist, erstmal überhaupt Daten aufnehmen. Die ändern nichts, die machen erstmal nur zwei Wochen Bestandsaufnahme. Und dann zeigen die den Betreibern, ja, aber in diesen zwei Wochen lief die nicht einmal 60 Minuten am Stück. Lass uns doch jetzt mal anfangen, wirklich zu optimieren. Und ja, das finde ich erschreckend, an wie vielen Stellen das ganze System, das wir geschaffen haben, offensichtlich völlig ineffizient ist.

Ja, genau, das ist das richtige Wort. Also wir können das so viel effizienter gestalten und damit ja auch ressourcenschonender. Und das funktioniert halt nur über Digitalisierung. Also natürlich hast du direkt auch, wenn es um Energieversorgung geht, hast du natürlich direkt auch irgendwie hier Buch und Serie Blackout im Kopf. Und natürlich wissen wir auch, dass desto mehr wir digitalisieren, desto mehr sind wir natürlich auch abhängig von Technik. Also das hat natürlich auch Anfälligkeiten und bringt Gefahren mit sich. Die will ich jetzt gar nicht unter den Tisch fallen lassen. Also das ist natürlich schon auch was, worüber wir reden müssen, auch wie wir unsere Systeme, also wir hatten ja kürzlich auch wieder diesen Hacker-Fall.

Also das sind natürlich schon Sachen, die einem Sorge machen und wo wir einfach merken, da müssen wir unsere Systeme auch zumindest versuchen, besser zu schützen, um uns vor solchen Situationen zu schützen. Aber es kann uns halt nicht davon abhalten, meiner Meinung nach, eben die vielen positiven Effekte auch zu nutzen. Also weil dann müssen wir ja zurück in die Steinsnacht. Ja, das ist ja Quatsch. Also das kann ja nicht gehen.

Nee, sehe ich auch so. Und also letztendlich, ich glaube, es hat mittlerweile jeder erkannt, wir haben keine Wahl. Die paar Klimaleugner dahingestellt. Aber ich glaube, es ist mittlerweile zum Glück Konsens, dass das ein Thema ist, an dem wir arbeiten müssen. Ja, das glaube ich auch.

Das Problem ist ja immer an Menschen, die es anders sehen, dass die einfach so wahnsinnig laut sind. Es sind ja eigentlich immer wenige. Die sind halt so anstrengend laut. Und dann hat man immer das Gefühl, es sind ganz viele. Aber Gott sei Dank immer so.

Was ist denn deine größte Herausforderung, an der du als Unternehmerin, Moderatorin, Speakerin gerade so arbeitest? Das Buch habe ich so rausgehört. Das scheint schon weitestgehend durch zu sein, oder?

Ja, aber tatsächlich erst seit gestern Abend. Also meine Mitautorin und ich, wir hatten die Deadline heute und haben es jetzt auch tatsächlich geschafft. Und das ist tatsächlich auch gleichzeitig das Thema, was mich am meisten umtreibt. Also das Buch wird den Titel tragen, warum Frauen die Welt retten werden und Männer dabei unerlässlich sind. Und es geht halt darum, dass wir die Stärken des weiblichen Prinzips erkennen. Also das ist sowas wie das Kümmern, das Empathische, dass wir teilweise komplexer denken mit mehr Weitsicht. Also dass wir viele Herausforderungen schon mit einbeziehen, die vielleicht für den schnellen Run irgendwie gar nicht so offensichtlich sind. Und es sind alles Dinge, die letztendlich wichtig sind für die Zukunft.

Das beschreiben wir in dem Buch auch sehr gut, dass wir, glaube ich, wenn wir eine, also im Moment folgt ja sozusagen alles dem männlichen Prinzip und dem männlichen Maßstab. Und da müssen wir, glaube ich, von weg, nicht weil die Frauen und das weibliche Prinzip es jetzt alles besser könnten, Aber dieses höher, schneller, weiter, dieses ständig High-End-Performen und wir müssen vor allen Dingen wachsen, wachsen, wachsen und viel Geld verdienen, so funktioniert das nicht. Also wir wissen es eigentlich schon seit den 70ern, die Grenzen des Wachstums sind erreicht und da gab es ja damals das wichtige Buch auch dazu. Und wir müssen jetzt, glaube ich, gucken, wie wir eben eine Geschlechtergerechtigkeit herstellen und werden davon gesellschaftlich, glaube ich, absolut profitieren.

Weil es hat ja ganz viel auch mit, also empathisch zu sein, sich zu kümmern, hat ja mit so vielen Themen auch der Nachhaltigkeit zu tun, auch global betrachtet. Globale Empathie, was ist eigentlich mit unseren Lieferketten? Wie geht es den Menschen woanders auf der Welt? Wie geht es meinem Team vielleicht hier in Deutschland oder woanders? und wie kommen wir jetzt weiter gemeinsam. Und es ist im Übrigen auch, das weibliche Prinzip ist natürlich nicht so gedacht, dass nur Frauen da Zugang haben, sondern Männer können diese Stärken natürlich ganz genauso anwenden. Und ich glaube, wir brauchen da wirklich für die vielen Transformationswege, die uns da bevorstehen in so vielen unterschiedlichen Branchen und auch natürlich irgendwie als Gesellschaft, brauchen wir einfach mehr weiblichen Stärken und gerne auch von Männern angewendet.

Und darum geht es in dem Buch. Und das ist gleichzeitig eben auch die größte Herausforderung, das in die Welt zu tragen und das als Notwendigkeit eben auch darzustellen. Das ist aber auch eine sehr schöne Aufgabe.

Ja, klingt total sinnvoll, klingt auch nach einer wahnsinnig großen Aufgabe.

Ja.

Ich werde es auf jeden Fall lesen. Ich bin gespannt. Wir haben ja bei uns ja auch, also ich hoffe, dass wir das hier schon so ein bisschen leben, dadurch, dass wir halt als Ehepaar das Unternehmen führen und ja, ich glaube da einen guten Mittel, wie ich bisher versucht habe zu finden. Also du hast deine Homepage Green Janine. Es gibt das Buch Going Green. Gibt es weitere Quellen, die wir noch nennen sollten, die irgendwo auf der Reise helfen für alle, die gerade zuhören, die sich damit weiter auseinandersetzen wollen?

Also im Grunde in Anlehnung an das, was ich gerade gesagt habe, ich habe 2018 die Seite Future Woman ins Leben gerufen, also futurewoman-singular.de. Und wir haben mit zwei weiteren Frauen haben wir im vergangenen Jahr auch die Future Woman UG gegründet. Und da geht es uns darum, Expertinnen in der Nachhaltigkeit sichtbarer zu machen und ihnen mehr Gehör zu verschaffen, sie auch dabei zu unterstützen, in Entscheidungsebenen zu kommen. Aber vor allen Dingen geht es uns darum, auch Programme diverser zu gestalten, weil wir in vielen Branchen natürlich einfach sehen, dass immer wieder rein männliche Kollegen zu Wort kommen. Ich habe das natürlich so aus der Erfahrung der Moderatorin heraus, habe ich da einen ganz guten Einblick, dass bei vielen Themen, Digitalisierung gehört auch dazu, einfach sehr, sehr viele Männer auf der Bühne sind und Vorträge halten oder als Panel-Teilnehmer dabei sind.

sind. Und ich glaube, das betrachtet halt immer nur die eine Hälfte der Bevölkerung. Und den Blickwinkel von Frauen da mit reinzubringen, vielleicht auch andere Fragestellungen und grundsätzlich einfach zu zeigen, dass Frauen sich in den vielen Bereichen, wo sie im Moment unterrepräsentiert scheinen, eben auch da sind und gut sind in dem, was sie tun. Das ist halt unser Kernanliegen und insofern würde ich mich freuen, wenn wir diese Seite auch noch mit verlinken, weil da einfach ganz viele tolle Frauen drauf sind, die man durchaus in seine Programme einladen kann.

Cool. Ja, das klingt gut. Total spannend. Dann komme ich jetzt zu meiner letzten Frage für heute, obwohl ich bestimmt noch eine Stunde weiter gehen könnte, wenn ich. Gibt es jemanden, den du gerne in einem folgenden Interview hier bei Software for Future ausgefragt hören würdest?

Ja, zum Thema Digitalisierung. Ich weiß nicht, ob du sie schon hattest vielleicht oder ihr sie schon hattet, aber Verena Pauster würde ich natürlich ganz toll finden. Ich durfte sie auch unser Buch interviewen und ist wirklich eine tolle Frau. Ich könnte auch versuchen, den Kontakt herzustellen. Sie ist aber jetzt gerade einmal abgetaucht in einer digitalen Pause sozusagen. Aber das finde ich wirklich toll, was sie zum Thema Digitalisierung beizutragen hat und gleichzeitig eben auch die weibliche Perspektive da mitbringt und ja auch immer das Thema Nachhaltigkeit mitdenkt. Sie hat ja das Buch geschrieben, das neue Land und da sind eben auch ganz viele Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit mit drin, weil sie natürlich genauso wie wir alle weiß, dass es nicht ohne das geht und dass wir das mit eindenken müssen.

Und insofern diese Kombination, damit wäre sie, glaube ich, eine optimale Gesprächspartnerin.

Ja, total cool. Ich weiß, dass meine Frau mit ihr in Kontakt ist. Ja. Also von daher gibt es da einen Kontakt, dann sollte das einfach sein, da ein Interview zu organisieren. Cool. Sehr gut. Ja, sehr, sehr gerne. Damit bin ich für jetzt und hier durch. Gibt es ein Schlusswort, das du in die Runde schmeißen möchtest?

Also ich danke euch sehr, dass ihr diesen Podcast macht und dass ihr eben diese Verbindung herstellt zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. und ich finde das total wichtig, was ihr tut, aus den vorhin genannten Gründen, weil wir das eine nicht ohne das andere denken können und wir vielleicht da ein paar UmweltschützerInnen auch noch überzeugen können beziehungsweise ihr mit eurem Podcast und das finde ich per se total wertvoll und zielführend und genau richtig. Also insofern danke, dass ihr das macht und danke, dass ich dabei sein durfte.

So, da bin ich wieder. Schön, dass du noch zuhörst. Die Shownotes mit Links zu Empfehlungen aus dieser Episode findest du auf softwareforfuture.de. Hat dir diese Episode gefallen oder gibt es was, was dich irgendwie wurmt? Schreib uns dein Feedback an moin.lionizers.com. Wir freuen uns von dir zu hören. Und jetzt wünschen das Team und ich dir noch eine schöne weitere Woche. Wir sind der Software for Future Podcast und werden präsentiert und produziert von den Lionizers. Die Lionizers stehen für nachhaltige, individuelle Produktentwicklung. Wir entwickeln für andere Unternehmen Software, die uns als Menschheit helfen soll, der Klimakrise die Stirn zu bieten. Danke fürs Zuhören. Untertitelung des ZDF für funk, 2017

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