E5210.07.201931 Min
Welche Chancen bietet die Digitalisierung für ein mittelständisches Chemieunternehmen?
Im Gespräch: Arnold Mergell (Hobum Oleochemicals)

Worum es geht
Arnold Mergell von Hobum Oleochemicals erklärt, wie ein Chemieunternehmen Digitalisierung in Prozessen und Wertschöpfungsketten nutzt.
Arnold Mergell ist Geschäftsführer von Hobum Oleochemicals in Harburg. Das Unternehmen produziert technische Rohstoffe aus Pflanzenölen für die Lack- und Farbenindustrie. Es ist in vierter Generation familiengeführt.
Er spricht über vier Bereiche der Digitalisierung: Produkte, Prozesse, Wertschöpfungskette und Soft-Faktoren. Die Produkte sind nicht digitalisierbar. Dagegen setzt Hobum auf Echtzeitanalytik in Reaktoren, um Prozesse zu optimieren.
Ein Beispiel für die Wertschöpfungskette ist ein Tank mit Echtzeit-Messung. Wenn der Füllstand sinkt, löst das automatisch eine Neubestellung aus. Das reduziert Aufwände und schafft einen Wettbewerbsvorteil.
Mergell betont, dass Digitalisierung keine Arbeitsplatzabbau-Strategie ist. Die Qualifikation steigt, die Zahl der Mitarbeiter kann steigen. Die Kommunikation mit Mitarbeitern ist entscheidend, aber keine Angst vor Verlusten.
Ursprüngliche Shownotes 10.07.2019
Produkte, Prozesse, Wertschöpfungsketten und weiche Faktoren – das sind die vier Bereiche, auf die sich die Digitalisierung laut Arnold Mergell auswirkt. Mergell ist Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden und geschäftsführender Gesellschafter der Hobum Oleochemicals, ein Hamburger Familienunternehmen in vierter Generation, das auf die Herstellung von Lacken und Farben sowie Kunst- und Klebstoffen für Industriekunden spezialisiert ist.
Mergell kommt somit aus einer Branche, die bislang kaum von der Digitalisierung betroffen war. Dennoch setzen sich sein Team und er seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema auseinander. Denn Mergell ist überzeugt: Die Digitalisierung birgt auch für Branchen, deren Produkte sich nicht digitalisieren lassen, ein enormes Potenzial.
Im Interview mit Nils führt er anhand von zahlreichen Beispielen aus, wie sich Wettbewerbsvorteile auf- und ausbauen, Prozesse vereinfachen und Wertschöpfungsketten optimieren lassen – und das, ohne dass die Mitarbeiter um ihren Job fürchten müssen.
Auswählen aus den Möglichkeiten
Die eine Digitalisierungsstrategie, die allen Unternehmen hilft, gibt es laut Mergell nicht. Vielmehr müsse sich jede Firma eine eigene Strategie zurechtlegen, ist Mergell überzeugt und vergleicht die Strategieentwicklung mit dem Einkauf im Supermarkt. Dabei wähle man ja auch aus vielen verschiedenen Angeboten aus und stelle sich den Warenkorb so zusammen, dass er zu einem passe.
Trotz der individuellen Unterschiede erkennt Mergell aber durchaus Gemeinsamkeiten, was die übergeordneten Handlungsfelder betrifft. Alles in allem macht er vier Bereiche aus, die jedes Unternehmen mit Blick auf die Digitalisierung genau prüfen solle: Produkte, Prozesse, Wertschöpfungsketten und weiche Faktoren.
Nicht alles lässt sich digitalisieren
Fest steht dabei aber auch: Nicht alle Bereiche können in allen Branchen und Unternehmen digitalisiert werden. Mergells Firma Hobum ist dafür das beste Beispiel: Die Lacken und Farben lassen sich schlicht nicht digitalisieren. Es sind extrem langlebige Produkte, die zum Teil schon seit Jahrzehnten genauso auf dem Markt sind und die voraussichtlich auch noch in vielen Jahren genauso angeboten werden. Eine Digitalisierung ist hier schlicht nicht möglich.
Mehr Effizienz durch die Automatisierung von Prozessen
Ganz anders sieht es im zweiten Bereich, der Prozesstechnologie, aus. Die Produkte der Hobum werden im sogenannten Batchprozess hergestellt. Das heißt, die einzelnen Herstellungsschritte werden streng nacheinander abgearbeitet, vergleichbar mit dem Kochen nach Rezept mit einem Thermomix.
Mit Hilfe der Digitalisierung könnte dieser Prozess künftig noch stärker automatisiert werden. Das wird deutlich, wenn man sich den konkreten Ablauf der Qualitätssicherung anschaut: So müssen nicht nur die Endprodukte, sondern auch die Zwischenprodukte immer wieder analysiert werden. Dafür muss der Reaktor zum Stillstand gebracht werden und abkühlen – wobei es sich um Ausgangstemperaturen von bis zu 300 Grad handeln kann. Anschließend wird eine Probe gezogen und in einem separaten Labor festgestellt, ob diese in Ordnung ist. Erst dann kann der Reaktor wieder aufgeheizt und der Prozess fortgesetzt werden. Der ganze Prozess dauert viele Stunden und ist sehr aufwändig.
Über eine digitale Echtzeit-Analyse könnte die Qualitätssicherung künftig automatisiert und das Verfahren erheblich kosten-, energie- und zeiteffizienter gestaltet werden. Dabei könnte die Charge, die sich gerade in der Herstellung befindet, nicht nur durch Sensoren im Reaktor in Echtzeit überprüft werden. Die Charge könnte bei Bedarf sogar direkt nachgebessert werden, etwa indem fehlende Rohstoffe hinzugefügt oder die Herstellungstemperaturen angepasst werden.
Reibungsloser Ablauf der Supply Chain
Auch im dritten Bereich, dem Thema Wertschöpfungsketten, könnte die Digitalisierung in Zukunft bei Hobum effektiv genutzt werden. Das gilt für interne Prozesse wie die Auftragsannahme und -abwicklung ebenso wie für alle externen Prozesse von der Absprache mit den Rohstofflieferanten bis zur Auslieferung der Produkte an den Endkunden.
Erheblich effizienter gestaltet werden könnte die Supply Chain beispielsweise, wenn der Kunde nicht nur die Ware der Hobum bekommt, sondern ihm auch ein smarter, mit der Hobum vernetzter Tank bereitgestellt wird. Der Tank könnte Verbrauch und Füllstand kontinuierlich messen und die Hobum rechtzeitig darüber informieren, wann es wieder Zeit ist, Rohstoffe zu bestellen, um eine neue Charge herzustellen und diese dann auszuliefern.
Mit dieser Vernetzung könnte die Supply Chain nicht nur erheblich effizienter und reibungsloser ablaufen. Die Hobum hätte außerdem ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal. Sie würde dem Kunden nämlich nicht mehr nur ein Produkt liefern, sondern gleich den kompletten Versorgungsprozess übernehmen.
Die Digitalisierung als Chance in Zeiten des Fachkräftemangels
Der vierte Bereich, die weichen Faktoren, schließlich umfassen viele verschiedene Themen, etwa Cyber-Kriminalität, Cloud-Computing und Kommunikation. Eine ganz besondere Rolle spielt laut Mergell die interne Kommunikation mit den Mitarbeitern. Wichtig sei, mit ihnen über die Veränderungen, die durch die Digitalisierung ausgelöst werden, zu sprechen und ihnen eventuelle Ängste zu nehmen.
Mergell selbst habe keine Angst davor, dass es durch digitale Neuerungen in seinem Betrieb zu einem großen Arbeitsplatzabbau kommen werde. Im Gegenteil: „Ich sehe überhaupt nicht die Gefahr, dass wir heute 50 Leute sind und irgendwann nur noch 30 wegen der Digitalisierung. Ich sehe eher die Chance, dass wir irgendwann 100 sind, also doppelt so viele, dann aber das Dreifache an Produkten generieren.“ Für Mergell sei die Digitalisierung eine Chance, Wachstum zu begleiten, insbesondere auch in Zeiten des Fachkräftemangels.
Kleine Schritte auf dem Weg in die digitale Zukunft
Aktuell hat die Hobum – wie so viele deutsche Mittelständler – erst kleine Schritte in Richtung digitale Zukunft unternommen. Anders als andere Unternehmen hat die Hobum dafür aber auch Zeit: Die Edelstahl-Reaktoren, in denen die Produkte hergestellt werden, sind extrem langlebig und arbeiten auch nach vielen Jahrzehnten noch einwandfrei. Und auch die Produkte haben sich über die Jahre nicht verändert:
„Ein Produkt, was gut ist, bleibt auch gut“, ist Mergell überzeugt. „Die Applikation darf sich ändern, ein Automobil darf sich ändern, smarter werden, digitaler werden, elektrifiziert werden, mit Wasserstoff angetrieben werden. Aber solange ein Auto aus Metall gebaut wird, braucht es Korrosionsschutz.“ Und dafür werde heute – und voraussichtlich noch lange in der Zukunft – ein wasserbasierter Härter verwendet, der bereits in den Achtziger-Jahren entwickelt wurde.
Die Hobum hat damit einen wesentlichen Vorteil gegenüber anderen Unternehmen, deren Produkt-Zyklen kürzer sind. Ausruhen und abwarten will Mergell dennoch nicht. Momentan erarbeitet das Unternehmen eine umfassende Digitalisierungsstrategie, die in den kommenden Jahren nach und nach umgesetzt werden soll.
Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:
Transkript
5.151 Wörter
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Hallo und herzlich willkommen zur 52. Folge des Podcasts Wege der Digitalisierung. Heute sitze ich bei Hobum Audio Chemicals, von mir sitzt Arnold Mergell. Arnold ist auch Vorsitzender des Wirtschaftsvereins des Hamburger Südens, wo ich im Beirat neuerdings aufgenommen wurde. Und Hobum und die Lionizers teilen ein Stück Geschichte, weil Arnolds Urgroßvater die Apotheke gebaut hat, in der wir heute mit dem Büro sitzen. Genau. So wie sehen, schließt sich der Kreis jetzt. Ich bin total gespannt, was wir erfahren werden, wie eine Ölmühle in dritter, vierter Generation mit Digitalisierung zu kämpfen hat, was da gut ist, was da vielleicht auch schwierig ist. Also ganz vielen Dank schon mal für die Zeit, die dir da nimmst. Erzähl mal, was ist Hobum, wer bist du, was macht ihr so?
Genau, also die Hobum ist in der Tat in vierter Generation eine heute oleochemische Fabrik. Wir haben mal angefangen als Öhmülle, mein Obersvater, in Harburg, auch hier am gleichen Standort und haben Pflanzenöle hergestellt. Das haben wir allerdings nur bis Ende der 80er Jahre gemacht, weil das im Rahmen der Globalisierung als Familienbetrieb nicht mehr möglich war, weltweit dort mitzuhalten. Wir verarbeiten oder stellen wir keine Pflanzenöle her, sondern wir verarbeiten Pflanzenöle zu oleochemischen, das heißt technischen Rohstoffen für die Lack- und Farben, Kunststoff- und Klebstoffindustrie. Aber alles noch hier am Harburger Binnenhafen und immer noch in der Familie.
Ja, spannend. Bis wir uns in die vierte Generation weitergegeben haben. Haben wir noch ein paar Jahre vor uns. Ja, ich denke, also ich bin ganz gespannt und wahrscheinlich die meisten, die hier zuhören auch, hoffentlich alle. Was bedeutet Digitalisierung für ein Unternehmen wie das eure? Wir haben eben im Vorgespräch schon gehört, irgendwann habt ihr die ersten Stromkabel in Hamburg verlegt. Ja. Seitdem ist einiges passiert.
Also in der Tat, das ist eine alte Anekdote von meiner Großmutter, die mir erzählt hat, dass ihr Vater, also mein Urgroßvater, Der erste war, der in seinem Privathaus eine Stromleitung hat verlegen lassen und er für wahnsinnig erklärt wurde, weil das natürlich erhebliche Sicherheitsbedenken noch damals hatte. Also was der Strom vor 120 Jahren war, mag heute die Themen der Digitalisierung sein, jetzt wird keiner mehr für wahnsinnig erklärt. Aber Neuland ist es natürlich trotzdem und gerade wir sind natürlich ein alter Betrieb, der per se nicht auf Basis der Digitalisierung entstanden ist, sondern auf Basis von chemischen und prozessorientierten Technologien. Also was ist die Digitalisierung für uns? Erstmal eine riesige Herausforderung oder ein riesiges Fragezeichen natürlich auch.
Wir haben uns sehr viel mit dem Thema beschäftigt, was Digitalisierung ist. Und es ist ja eine Vielzahl von unterschiedlichen Themen. Per se ist es, würde ich mal sagen, die Vernetzung von Daten innerhalb der Kette, innerhalb und außerhalb eines Unternehmens, in der gesamten Wirtschaft, diese Vernetzung.
Und das möglichst intelligent.
Das waren wir bisher nicht und ich würde auch nicht behaupten, dass wir es heute sind. Wir sind erstmal in dem Schritt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und uns damit zu beschäftigen, was Digitalisierung für Möglichkeiten hat. Und auf der Basis muss, und ich glaube nicht nur wir, sondern auch jede andere Firma, sich eine individuelle Digitalisierungsstrategie zurechtlegen. Es gibt nicht die eine Strategie, sondern es gibt nur unternehmensspezifische Möglichkeiten, wie man geht durch den Supermarkt und kauft sich verschiedene Dinge ein und packt dann seinen Korb zusammen, den man dann im Rahmen der Digitalisierung machen möchte. Ich habe mir ein bisschen Gedanken gemacht, was wir darunter verstehen würden, wenn ich da mal so ein bisschen weiter erzählen soll.
Ich würde sagen, es sind vier verschiedene Bereiche, mit denen wir uns beschäftigt haben bezüglich der Digitalisierung. Das erste ist einmal die Digitalisierung unserer Produkte. Das zweite, ich nenne es erstmal so zum Anfang und dann gehe ich auf die einzelnen Bereiche ein. Das zweite ist die Digitalisierung unserer Prozesse, unserer Technologien. Das dritte ist die Digitalisierung der Wertschöpfungskette, nenne ich sie mal. Und das vierte sind wie immer sonstige Themen bzw. Soft-Faktoren der Digitalisierung, wie sie vielleicht sogar für andere Unternehmen auch eins zu eins gelten können, die nicht das machen, was wir machen. So, wollen wir einmal über diese vier Dinge reden? Prima. Also das erste, Digitalisierung der Produkte. Wir stellen Flüssigkeiten her.
Chemische Flüssigkeiten auf Basis von Pflanzenöl, das können Weichmacher sein, das können Lacke und Farben sein oder Rohstoffe für Lacke und Farben. Und zugegebenermaßen fällt es mir schwer, diese Produkte zu digitalisieren. Man kann da keine Nanopartikelchen einbauen, die dann irgendwie die Produkte schneller trocknen lassen oder kalt und warm werden oder die Farbe verändern lassen. Also so weit reicht meine Fantasie noch nicht. Deshalb haben wir uns zwar mit diesem Thema beschäftigt, aber relativ schnell auch ad acta gelegt. Also unsere Produkte sind per se am Ende nicht digitalisierbar. Die Endanwendung unserer Produkte, ob sie dann in Fahrzeugen, in Flugzeugen oder in anderen Verbrauchsgütern eingesetzt werden, die sind natürlich dann digitalisierbar.
Aber die Produkte selbst kann man bei uns nicht digitalisieren. Also müssen wir uns auf andere Bereiche konzentrieren. Und das wäre dann die zweite Frage, die ich aufgebracht hatte. Das wäre der Bereich der Prozestechnologie. Und das wird schon deutlich spannender für uns. Wie wird bei uns hergestellt? Wir haben einen Batchbetrieb. Das heißt, wir stellen den Chargen hier, dass wir uns das nicht vorstellen wie einen großen Thermomix, in dem ein Reaktor, ein zylindischer Reaktor mit Rohstoffen oder Nahrungsmitteln in Anführungsstrichen versehen wird und dann entsprechend einer Herstellvorschrift, einem Kochrezept, wird das Ganze abgearbeitet. Mit Temperaturen, mit verschiedenen anderen petrochemischen Zutaten, mit Druck, mit Vakuum, mit Kühlung, mit Erhitzung.
Und am Ende kommt dann ein modifiziertes Pflanzen- oder ein neues Produkt dabei raus, was wir entsprechend verkaufen können. Batch-Betrieb-Produktion ist im Grunde seit der chemischen Entwicklung von Produkten bekannt. Das heißt, das läuft seit 150 Jahren so. Und auch in Reaktoren findet auch seit Jahrzehnten statt. Was kann daran jetzt digital sein? Wir machen auf uns bezogen. Wir machen heute einen riesigen Aufwand im Bereich der Qualitätssicherung. Zu Recht. Qualität ist ein wichtiges Thema. Wenn wir also ein Produkt fahren, müssen wir die Rohstoffe analysieren. Aber viel wichtiger, wir müssen die Zwischenprodukte, also während des Prozesses, müssen wir sie immer wieder analysieren. Und wir müssen natürlich die Endprodukte auch analysieren. Und wenn man jetzt sich überlegt, dass man für jedes Analyseergebnis den Reaktor zum Stillstand bringen muss, man muss ihn abkühlen.
Prozesse teilweise bei bis zu 300 Grad. Man muss ihn abkühlen, man muss eine Probe ziehen, das wird manuell gemacht. Man muss feststellen, ob diese Probe in Ordnung ist. Das dauert Stunden, wird durch Mitarbeiter gemacht in einem separaten Labor. Und danach wieder eben entschieden, reicht es so, muss es nachgebessert werden innerhalb des Fahrprozesses oder kann es wieder aufgeheizt werden. Das kostet sehr viel Zeit und natürlich auch so viel Geld. Also da ist unsere Idee, da sind wir noch nicht, aber das ist die Idee, dass wir über Echtzeitanalytik sprechen. Das heißt, dass wir dort Sonden einbringen in den Reaktor, der im Grunde genommen uns sagt, was gerade in dieser Charge los ist. Das muss gar nicht so sein, dass er die verschiedenen analytischen Parameter analysiert.
Das wird auch schwierig sein. Aber es kann zum Beispiel sein, dass man mit Infrarot ein Spektrum dieser Probe aufnimmt und eine ideale Charge, von der man weiß, dass sie in Ordnung ist, hinterlegt. Und wenn dort eine Deckung zu 99 Prozent gegeben ist, dann ist das in Ordnung während des Prozesses. Und das in Echtzeit und das auch ständig, sodass ich im Grunde genommen über einen achtstündigen oder 16-stündigen Prozess zu jedem Zeitpunkt weiß, dass alles in Ordnung ist. Ich würde dadurch schneller werden, ich würde Energie einsparen und auch weniger Mitarbeiter benötigen. Jetzt kann man das Ganze noch weiter spinnen, das geht dann fast in Richtung KI, dass man nicht nur sagt, wenn etwas nicht in Ordnung ist und dann runterfährt und entscheidet, was zu tun ist.
sondern dass das System selbst weiß, anhand dessen, was nicht in Ordnung ist, wie man die Parameter ändert. Meistens muss noch einmal ein Rohstoff zugegeben werden. Manchmal muss etwas länger bei einer bestimmten Temperatur gehalten werden. Das kann ein fast selbstlernender Prozess sein, dass eine fehlgeleitete Charge sich selbst heilt. Ich weiß nicht, ob das schon KI ist oder noch nicht, oder ob das noch Digitalisierung ist. Ich bin, wie gesagt, kein Experte. Aber das ist so das, was wir uns vorstellen. Und da sind wir im Beginn jetzt, so die ersten Tests mal durchzuführen. Wir machen ein Forschungsprojekt mit der Technischen Universität, wo wir auf Mikroreaktoren genau diese Echtzeitanalytik mal beleuchten wollen.
Tun sicherlich andere auch, aber das ist mal so die Idee. Das wäre der zweite Prozess. Man kann auch darüber nachdenken, ob man Viskositäten misst während des Prozesses und andere Parameter. Also da gibt es sicherlich viele Möglichkeiten. Das dritte Thema, über das ich sprach, war das Thema Supply Chain, also Wertschöpfungskette. Da haben wir natürlich einmal die Möglichkeit, innerhalb des Hauses das Ganze zu verbessern, indem zum Beispiel eine Auftragsannahme nicht erst eingegeben werden muss und dann guckt sich der Produktionsmeister das an und sieht, aha, hier ist ein Auftrag gekommen, sondern dass man innerhalb der ERP-Software von Auftragsannahme bereits das Ganze durchtaktet bis zur Auslieferung und im Grunde genommen das System selbst weiß, wann diese Chargen gefahren werden können, sie selbst einplant und so weiter.
Ich würde aber das definitiv nicht nur auf den internen Prozess beziehen, sondern immer auf externen Prozess. Das heißt, die Kette würde ich immer verlängern vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden. Ich gebe ein Beispiel, worüber wir nachdenken, ist, dass wir einen Kunden haben, der, sage ich mal, jede Woche einen Tankzug eines Produktes bezieht. Das kann aber mal fünf Tage Abstand haben, das kann mal sieben Tage Abstand haben. Das wissen wir nicht so genau. Das weiß er auch nicht immer genau, weil das in Abhängigkeit ist von seinen Kunden und seiner Auftragslage. Also er schickt einen Auftrag, der wird bei uns angenommen, der wird bei uns diskutiert, der wird bei uns produktionsseitig eingeplant, der wird dann disponiert, da kommt die Spedition mit rein und so weiter und so fort.
Wenn wir jetzt Herrscher seiner Bestände wären und wissen, was er bedarf, dann könnten wir natürlich diese ganze Kette erheblich vereinfachen. Salab gesagt, würde ich ihm einen Tank hinstellen mit einer angeschlossenen Messung, Tankinhalt, und wir hier quasi mehr oder minder auch in Echtzeit sehen, was er für Verbräuche hat. Und ab einer gewissen Mindestmenge löst automatisch die ganze Rückkopplung aus zur Neubestellung, zur Produktion, bis hin zur Rohstoffbeschaffung, wo ich dann meinen Rohstofflieferanten mit implementiere. Da spart man sich sicherlich 5, 6, 7 Vorgänge, auch intern und muss sich darum nicht kümmern und der Computer sagt einem, wann man was zu produzieren hat. Das hat Vor- und Nachteile, weil manche Kunden auch sehr kurzfristig bestellen und hier alles immer in Unordnung bringen.
Also wenn wir ein bisschen Herrscher auf der Disposition unserer Kunden werden, hätte das den Vorteil, dass es eben einfacher wird. Und der ganz besondere Vorteil für uns wäre, wir hätten natürlich ein Alleinstellungsmerkmal mit dem Kunden, weil so ein Spiechen kann natürlich nur mit einem Lieferanten machen. Wenn wir den Tank haben, wenn wir dann einmal im Monat eine Rechnung schreiben über die verbrauchten Mengen, wir liefern fast nicht mehr das Produkt, sondern wir liefern eine Versorgung mit Produkt, das er braucht. Und es geht ja auch in der Digitalisierung nicht darum, es zu tun, sondern am Ende auch damit ein bisschen Geld zu verdienen oder sich besser darzustellen als Wettbewerber. Also das ist mal eine Idee für den dritten Bereich, über die wir nachdenken, Wertschöpfungsketten oder Logistik.
Da können Sie die Spediteure auch noch mit einbeziehen und andere. Wird sicherlich in einigen Bereichen auch schon gemacht. Und der vierte Bereich, das sind diese Soft-Faktoren, über die ich sprach, das sind Themen, die uns alle betreffen. Da haben wir uns beschäftigt mit dem Thema Cyberkriminalität. Das ist ein wichtiges Thema. Wie gut sind unsere Firewalls ausgestattet? Haben wir uns mal von der Universität Hannover beraten lassen. Die haben ein Audit hier gemacht. Ironischerweise war gar nicht die Hardware das Problem, sondern die Menschen. Die Disziplin der Menschen, wer guckt wohl im Internet nach und sowas, war auch mal eine interessante Erkenntnis, dass wir also schulen müssen. Das mag dann sein, ob das Thema Cloud Computing für uns relevant wird, wo wir im Rahmen einer Veranstaltung Wirtschaftsverein uns mal mit beschäftigt haben. Das kann Themen sein wie Kommunikation. Ich sprach immer wieder darüber, dass wir weniger Arbeitskräfte brauchen für das, was wir machen.
Wie sagt man das den Mitarbeitern, dass ihre Arbeitskraft nicht mehr oder nicht in dem Umfang gebraucht wird? Also Kommunikation ist, glaube ich, ein ganz wichtiges Thema. Hat nichts mit Digitalisierung zu tun, geht aber mit dem einen her, weil am Ende sind wir nur noch Menschen. Und auch in diesen Bereichen sind wir zugange und versuchen da uns ein bisschen erstmal schlau zu fragen. Also in Summe, wir haben Ideen, wir haben ein paar Projekte uns ausgeguckt, aber wir sind noch lange nicht am Ende. Wir fangen erst an.
Wie die meisten, ja. Ja, richtig. Ja, spannend. Also ich finde, das ist eine ganz, also allein diese Aufteilung schon, das macht total Sinn. Mir ist auch nicht eingefallen, wie man eure Produkte digitalisieren könnte.
Man darf auch im Zweifel sagen, geht nicht und das auch ad acta legen, das ist legitim. Das kann jemand, der Mineralwasser herstellt, wird sein Produkt auch nicht digitalisieren können. Es sei denn, er hat eine ständige pH-Wertmessung da dran, um dann zu zeigen, oder weiß ich nicht. Aber per se, Nahrungsmittel, Chemie sind dort bedingt geeignet. Martensuppe kann man nicht digitalisieren.
Genau, aber ich finde, das mit den Prozessen macht total Sinn. Also letztendlich eure Prozesse greifen ja, also auch diese Chargen-Echtzeitanalytik, kann man ja noch wiederum zusammendenken mit der Wertschöpfung. Also wenn ihr wisst, dass eine Charge jetzt drei Stunden länger braucht, weil da irgendwo die Zusammensetzung nicht ganz sauber war am Anfang, Wenn das schon mit den Kunden, die einen Tank stehen haben, verbunden ist, im Zweifel kann das System dann sogar noch automatisch den einen Tanklastzug von A nach B umdispatchen, weil bei dem anderen noch genug Bestand ist, um es einen Tag länger auszusitzen.
Genau. Wir können im Grunde entscheiden, braucht es jetzt, haben wir überhaupt Stress oder können wir es auch aussitzen? Im Idealfall läuft das so, wie das Privat heute schon läuft, dass auch der Kunde im Grunde per App oder wie auch immer online anfragen kann, wo ist meine Bestellung, wo ist mein Status. Wobei, ehrlich gesagt, am Ende braucht er nicht mehr das. Er kann sicher sein, dass er immer genügend Produkt im Tank hat. Er muss gar nicht wissen, wo seine Bestellung ist. Er kann sicher sein, dass es immer da ist. Dann kommt ja auch ein Nutzen dabei raus. Ich meine, die Digitalisierung hat tausende Möglichkeiten. Entscheidend ist doch, stiften Sie Nutzen. Für uns individuell. Das heißt, schaffen Sie einen Wettbewerbsvorteil, schaffen Sie einen Kostenvorteil, können wir uns differenzieren.
Und das ist ja das Ziel des Ganzen. Spielchen kann man unglaublich viel mit Digitalisierung beschreiben. Wir haben eine Schaltwarte, wo Mitarbeiter sitzen, um die Prozesse zu überwachen. Das kann man alles auch im Homeoffice machen. Aber Entschuldigung, ein Chemiefacharbeiter, der aus dem Homeoffice arbeitet, da hört es bei mir auch auf. Erstens meine Fantasie, aber auch mein Sicherheitsbedürfnis, dass der an der Anlage sein muss. Wenn mal irgendwas schief geht, der muss ja eingreifen können. Aber digitalisierungsseitig wäre das möglich, dass der von zu Hause die Anlage steuert. Das ist ja überhaupt gar kein Thema.
Ich habe gerade so einen Gedanken, also dieses Thema letztendlich, wenn du sagst, am Ende könnte es sein, dass ihr dem Kunden einen Service bietet, dass der immer genug Rohstoff, also Produkt im Tank hat. Das ist im Prinzip das, was Amazon heute, also ich kann mir ja auch meinen Kaffee immer auf einem gewissen Füllstand halten lassen mit Amazon. Also jetzt hast du ja hier über Hobo einen sehr guten Einblick in eure Branche, würde ich erwarten. Und durch den Wirtschaftsverein siehst du ja auch in andere Branchen rein, wie es denen so geht. Wenn man jetzt Amazon mit diesem, ich weiß gar nicht, wie deren Service da heißt, im B2C-Bereich ist das ja Standard geworden, da kommt ja auch keiner mehr an denen vorbei.
Wie würdest du sagen, steht da die Industrie, speziell jetzt hier Hamburger, Hamburger Süden, sind wir da genauso weit wie die anderen oder haben wir da noch einen weiteren Weg zu gehen als der Rest von Deutschland?
Also die Industrie im Vergleich zu den Plattform-Dienstleistern, nennen wir sie mal, hat sicherlich noch einen gewissen Weg zu geben. Und ich will jetzt keinem dazu nahe treten und sagen, dass das Daimler und BMW dann noch nicht auf der Höhe sind. Aber ich glaube, der Weg ist im Konsumbereich schon da weitergegangen. Vielleicht ist es auch einfacher, vielleicht sind die Amerikaner auch besser an diesen Dingen. Was mir ein bisschen schwerer fällt, ist zu sagen, ob es der Hamburger Süden jetzt konkret vorneweg oder hinterher ist. Was sicherlich von Vorteil ist, dass wir hier eine kleine, aber feine Start-up-Szene haben, dass wir mit der Technischen Universität sicherlich so einen Pool haben, wo überhaupt Ideen erstmal geboren werden können.
Und gleichzeitig haben wir auch eine Industrie, also auch produzierendes Gewerbe, und zwar große Spieler mit Airbus und Daimler und auch Arubis und Raffinerien, die einfach auf Weltmärkten unterwegs sind und sich diesen Themen annehmen müssen. Deshalb würde ich mir behaupten, diese Kombination aus zwar Industrieproduktion, aber auch den zwangsläufigen Erfordernissen ist zu tun, würde ich schon sagen, dass wir da gar nicht so schlecht aufgestellt sind. Im Mittelstand ist das, glaube ich, sehr unterschiedlich. Auch wir sind ja nicht jetzt irgendwie vorne dabei. Wir machen uns viele Gedanken und das klingt alles ganz schlüssig. Aber wenn wir jetzt in die Produktion gehen, würde ich jetzt sagen, das ist solide 90er-Jahre-Technik.
Vielleicht auch mal 2000er-Jahre-Technik. Automatisiert und schöne Steuerung und alles visualisiert an Bildschirmen. Aber Digitalisierung, außer dem, was ich beschrieben habe, in der Umsetzung ist noch etwas dünner. Ich hoffe, dass wir noch besser werden. Aber andersrum, wenn jemand eine Chance hat, dann der Hamburger Süden, da besser zu sein.
Ich denke, wer ist wo, da muss man auch einfach in Relation setzen. Wenn ich eine Softwareplattform habe, dann kann ich da mit Continuous Deployment jeden Tag eine neue Version raushauen. Bei rein digitalen Produkten, also wir haben ja Kunden, die rein digitale Produkte von uns bekommen. Da kann man auch schnelle Updates fahren und schnelle Tests machen. Aber wir helfen ja auch Mittelständlern dabei, physische Produkte zu digitalisieren. Und das sind teilweise Leute, da ist die letzte Gerätegeneration 20 Jahre alt. Ja. Aber die ist noch top. Also die verkauft sich noch, auch nach 20 Jahren, weil das eine Nischenanwendung für Emissionsmessung ist. Und natürlich denken die jetzt drüber nach, wie machen wir die nächste Gerätegeneration smart.
Und die wird dann vielleicht nicht mehr 20, sondern mit Glück 10 Jahre am Markt bestehen. Aber ich meine, eure Anlage, ihr baut ja nicht alle 14 Tage eine neue Anlage, wenn es jetzt ein bisschen digitaler geht.
Zwei Dinge sind nicht nur die Anlagen. Erstens kosten solche Anlagen sehr viel Geld. Das ist ein hochinvestives Geschäft. Das heißt, die Dinger sind nicht nur für Abschreibungszeiten von 10 Jahren geeignet, Die sind auch für 30 Jahre geeignet. Und gut, das ist gut, sie funktionieren auch 30 Jahre und auch deutlich länger. Weil einen Edelstahlreaktor, den kriegt man noch nicht kaputt. Die Steuerung drumherum, die kann man nach und nach austauschen. Aber der Reaktor selbst ist eigentlich unkaputtbar. Das Gleiche gilt aber auch für die Produkte. Man kann von der einen Seite kommen und sagen, die Chemie ist träge. Auf der anderen Seite sind Zyklen in chemischen Produkten auch sehr langwierig. Heißt, ein Produkt, was gut ist, bleibt auch gut.
Die Applikation darf sich ändern. Ein Automobil darf sich ändern. Smarter werden, digitaler werden, elektrifiziert werden, Wasserstoff angetrieben werden. Aber solange ein Auto aus Metall gebaut wird, braucht es Korrosionsschutz. Weil Rostkorrosion ist ja nun etwas, was wir nicht wollen. Im Auto ist es nicht schön anzusehen. Im Luftfahrtbereich ist es lebensgefährlich, mit korrodierten Flugzeugen mit die Ebenen zu fliegen. Und diese Schutzschichten, die Metall schützen, werden heute mit Lacken und Farben gemacht. Und wir bauen zum Beispiel einen wasserbasierten Härter zusammen. Und der stammt ursprünglich aus den 80er Jahren in der Entwicklung. Er freut sich aber heute höchster Beliebtheit, weil er eben nicht mehr lösemittelbasiert ist, sondern weil er auf Wasserbasis ist. Das heißt, das ist einfach ein nachhaltigeres Produkt.
Die Chemie ist aber eigentlich Aspach. Aber sie ist gut und sie funktioniert und sie schützt Metall. Das ist der Ansatz. Also das ist ein vollkommen undigitalisiertes Produkt, was aber tolles, immer noch gutes Wachstum generiert und auch Spaß macht unterm Strich.
Ja, das finde ich das Spannende. Also alle reden über Amazon und Google und so, aber einfach mal so einen Einblick zu kriegen in eine Branche, die in sich vom Produkt her einfach langlebig und eigentlich gar nicht digital ist. Ich habe noch eine Frage und zwar hast du gesagt, bei den Soft-Faktoren hast du es einsortiert. Also wenn ihr Prozesse digitalisiert, optimiert, dass das möglicherweise heißt, dass da Arbeitsplätze bei verloren gehen können. Das ist eine der großen Ängste, die mit Digitalisierung verbunden werden. Wenn man jetzt Bild-Zeitung lesen würde, würde man da auch gelegentlich wahrscheinlich solche Angstszenarien sehen. Ich habe in anderen Interviews schon rausgehört, also gerade hier das Archäologische Museum, die haben durch Digitalisierung neue Plätze geschaffen.
Und jetzt sind Museen auch kein neues Geschäftsmodell. Jetzt würde mich interessieren, wie das wirklich unterm Strich aussieht. Also klar, ihr könnt einen Prozess nehmen, ihr könnt da mit digitalen Hilfsmitteln, Optimierung, Dinge einsparen. Und ob das am Ende des Tages wirklich heißt, dass ihr insgesamt auf der Lohnliste weniger Leute stehen habt oder ob das nicht einfach eine höhere Wertigkeit der Jobs bedeutet. Also ich denke zum Beispiel daran, ich habe mich mal vor langer Zeit mit dem ganzen Lean-Thema beschäftigt. Das war ja auch so ein Buzzword vor längerer Zeit. Und der Erfinder von dem Lean bei Toyota, der hat ja gesagt, wenn ich irgendwo einen Arbeitsschritt einspare, heißt das ja nicht, dass ich den Menschen hinterher rauswerfen muss.
Ich habe da jemanden, der jetzt Zeit hat, um schlauere Dinge zu tun. Und wie äußert sich das am Ende des Tages?
Die Japaner sind sehr sicherlich Vorreiter, die haben auch nie Angst vor Robotern gehabt, sondern Roboter sind deren Haustiere, gefühlt. Nein, wir haben eine relativ klare Strategie und ich habe da überhaupt gar keine Angst. Wir sagen ganz einfach, erstens, die Qualifikation wird sich erhöhen und muss sich erhöhen. Aber wir haben gut ausgebildete Leute und wir haben auch eine Anspruchshaltung, dass auch gewisse Qualifikationen dort zu erwarten sind. Ich mache mir überhaupt gar keine Gedanken um Arbeitsplatzabbau. Ich würde eher sagen, dass man sagt, wir machen eines Tages entweder mehr mit der gleichen Mannschaft oder deutlich mehr mit einer unterproportional erhöhten Mannschaft. Das heißt, ich sehe überhaupt nicht die Gefahr, dass wir heute 50 Leute sind und irgendwann nur noch 30 wegen Digitalisierung.
Ich sehe eher die Chance, dass wir irgendwann 60 sind, ein Fünftel mehr von mir aus oder auch von mir aus 100 sind das doppelte mehr, aber dann das Dreifache an Produkt generieren. Also Digitalisierung als Chance, auch Wachstum zu begleiten und vielleicht auch in Zeiten von Fachkräftemangel auch diese Probleme etwas zu lösen. Wenn ein HVV, die 5000 Mitarbeiter haben, von denen 2000 Busfahrer sind, die haben in der Tat eine größere Herausforderung, wenn man jetzt über autonomes Fahren spricht, in der Betriebsversammlung dort aufzutreten und sagen, unsere Busse werden im übernächsten Jahr autonom fahren, dann haben die ein Problem. Was allen gemeinsam, auch dem HVV, uns hilft, ist, ist ja eben nicht ein Prozess, der über anderthalb Jahre geht.
Es ist ja ein Prozess, der uns, weiß ich nicht, drei Jahre, fünf Jahre, zehn Jahre immer in einzelnen Schritten begleiten wird. Und das muss mit einer aus unserer Sicht ganz klaren Wachstumsstrategie begleitet sein. Und dann habe ich auch überhaupt gar keine Probleme in der Kommunikation. Maximal in der Qualifikation. Und wenn dann jemand sagt, das ist nicht seins, dann muss man in der Tat aber auch sagen, das passt vielleicht nicht zusammen. Oder der ein oder andere ist ja sowieso in Rente. Mein Vater hat bis zuletzt gesagt, ich brauche keinen Computer und hat das auch wunderbar sein Leben lang hingekriegt. Wenn jemand heute 30 ist und sagt, ich kann das nicht, hat der ein Problem. Aber wenn heute jemand 61 ist und sagt, ich schaffe das nicht die nächsten zwei Jahre, dann werden wir für den auch noch die zwei Jahre einen Job haben, wo er das nicht den ganzen Tag machen muss.
Also deshalb habe ich vor der Kommunikation, man muss sich damit beschäftigen, aber überhaupt gar keine Sorge. Auch das war eine klare Strategie, die wir erfahren können. Im Gegenteil, ich sehe das als Chance und das kann man den Leuten auch verkaufen. Als wir die Steuerungssoftware bei uns eingeführt haben, das hat angefangen auch in den 90er Jahren, ist dann immer mehr geworden. Wir haben einen sehr großen Schwung mal vor ca. 15 Jahren gemacht. Da waren mit der Einführung große Ängsten und Sorgen verbunden. Gar nicht wegen des Wegfalls von Arbeitsplätzen, sondern mit der Sorge, dass sie es nicht verstehen. Und das ist sensationell gelungen. Da haben also Leute, die auch im etwas höheren Alter sind, haben das innerhalb von Wochen komplett angenommen.
Und die sind heute dankbar darüber, weil das ja auch alles Arbeit spart. Wir sind ein prozessorientierter Betrieb, da gibt es viel auch manuelle Tätigkeiten noch, die sind weniger geworden über die Zeit. Da sind die Leute dankbar für. Es ist ein Unterschied, ob man klimatisiert in der Schaltwarte sitzt oder ob man Fässer durch die Gegend schiebt. Und vor 100 Jahren haben sie Fässer geschoben, vor 30 Jahren haben sie Ventile bei 40 Grad bewegt und heute machen sie Mausklicks in klimatisierten Räumen. Das ist positiv.
Ja, cool. Also freut mich zu hören. Ich habe noch niemanden getroffen. Das HVV-Beispiel finde ich jetzt plausibel.
Aber die haben auch Zeit. Ich glaube, die haben Zeit, die werden das auch hinbringen. Aber die müssen sich darüber Gedanken machen.
Ja, genau. Aber ich finde, das wird immer so als unglaubliche Angst dargestellt. Aber ich finde tatsächlich ganz wenig Beispiele, wo jemand sagt, ja, wir haben Arbeitsabbau, weil wir keine andere Möglichkeit haben. Also ich finde dieses Wachstumsszenario viel plausibler, gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, der neben der Digitalisierung das zweite große Passwort der Zeit ist.
Und dann ist er auch eine Chance, eben Lohnstückkosten zu reduzieren. Das ist natürlich schon ein Faktor bei uns.
Ja, spannend. Ich würde dann einfach mal zu den Abschlussfragen kommen. Du hast, glaube ich, die erste schon so ein bisschen beantwortet. Was ist denn so die größte Herausforderung, die ihr angehen werdet im Zuge der Digitalisierung?
Ja, in der Tat haben wir sie schon ein bisschen mehr antwortet. Ich glaube, aus der unendlichen Zahl von Digitalisierungsthemen und Angeboten, die für uns relevanten Mosaiksteinchen herauszugreifen und eine insgesamt schlüssige Strategie zu formulieren. Ich glaube, das ist so. Da sind wir dabei. Das haben wir jetzt mal so ein bisschen schematisiert und das dann auch umzusetzen. Das ist sicherlich die größte Herausforderung. Und in einigen Jahren zu sagen, hier, das und das ist jetzt erfolgreich gelungen.
Gibt es eine Quelle, mit der du dich speziell auf dem Laufenden hältst, die ich hinterher auch verlinken kann?
Ehrlich gesagt nicht. Ich bin ein ganz schlechter Leser, muss ich sagen. Oder zumindest Bücher, Journal oder sowas. Ich lese sehr viel online, aber mehr so kurze Themen, wo ich wirklich viel, viel Nutzen daraus ziehe, die sind aus wirtschaftlichen Netzwerken. Das kann der Wirtschaftsverein sein, das kann der Industrieverband sein, das kann die Handelskammer sein, Das können andere Netzwerke sein, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen. Da gibt es sehr, sehr viele Angebote. Und ich habe so unendlich viele spannende Leute dort kennengelernt über die Zeit, sodass man auch so ein paar Telefonnummern inzwischen hat.
Und wenn ich mal eine Frage habe, dann rufe ich jemanden an.
Ich würde es dich wahrscheinlich auch mal anrufen, wenn ich jetzt irgendein Thema habe. Und andere auch. Und das ist sicherlich eine Quelle, die anders ist als die eine Seite von dem Anbieter, der jetzt irgendwelche Informationen zusammenträgt, sondern es ist eben ein fast analoges Netzwerk, wenn man so will. aber in dem man viel, viel Informationen ziehen kann.
Cool. Also ich werde die, die du genannt hast, nennen, falls du noch mehr hinterher irgendwie zwei, drei Links sagen kannst. Also Netzwerke, in denen man sich auch irgendwo engagieren könnte, werde ich die verlinken. Ja. Aber klar, Wirtschaftsverein ist auf jeden Fall gut da.
Gerade die Handelskammer hat auch so ein Mittelstandsnetzwerk, nennt sich auch Industrie 4.0, wo die verschiedene Angebote machen. Das ist auch ganz gut. Da ist der Industrieverband auch mit involviert. Die Technische Universität sowieso mit Einzelthemen.
Also es gibt natürlich noch viel mehr. Also haben wir so ein paar, mit denen wir uns beschäftigen. Cool. Dann letzte Frage für jetzt und hier. Gibt es jemanden, den du später in einem Interview gerne von mir interviewt hören würdest?
Ich bin, zwei Themen. Aus reiner betrieblicher Sicht würde mich immer interessieren, wie unsere direkten Wettbewerber das sehen. Ich bin gerne an Benchmarking interessiert. Also was machen die besser? wo können wir von lernen, das ist das eine. Und persönlich würde mich interessieren, wieso mancher Berufspolitiker das sehen würde, weil ich nicht immer sicher bin, ob die das auch so sehen, wie die Wirtschaft das sieht und vielleicht auch mal jemand von Facebook aus dieser ganzen anderen Brillen kommt, weil die wahrscheinlich schon drei Stufen weiter sind. Oder Amazon, Larry Page, keine Ahnung, Zuckerberg, solche Leute. Die haben nämlich eine ganz besondere Agenda davon, die wahrscheinlich vollkommen eine andere ist, als die, die ich beschrieben habe.
das wäre mal rein Interesse halber, um das zu wissen. Ich weiß nicht, ob du dich an die rankommst, aber ich drücke die Daumen. Ich kann es versuchen.
Ich habe zumindest von Dropbox schon jemanden gehabt. Siehst du, genau. Nicht ganz Google, aber zumindest auch sehr digital. Okay, ja, ganz vielen Dank für das Gespräch. Gerne. Ich bin fasziniert. Okay, ja. Ganz vielen Dank. Es war interessant, mal sich alles zu tauschen. Das war das 52. Interview im Podcast Wege der Digitalisierung mit Arnold Mergel von Hoboom. Ich hoffe, dass ihr auch alle ganz viel gelernt habt. Wie immer Show Notes, Links, alles was so zu finden ist auf wegederdigitalisierung.de Teilt das Ganze gerne, kommentiert, schreibt mir eine E-Mail, bewertet uns bei iTunes und wo auch immer. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Untertitelung des ZDF für funk, 2017