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E02727.06.201844 Min

Wie führt man in Zeiten von Digitalisierung und Veränderung?

Im Gespräch: Rolf Hunck (Deutsche Bank)

Titelbild zu E027: Wie führt man in Zeiten von Digitalisierung und Veränderung? – Rolf Hunck (Deutsche Bank)

Worum es geht

Rolf Hunck, ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen Bank, spricht über Führung in der Digitalisierung.

Rolf Hunck war über 50 Jahre bei der Deutschen Bank tätig, unter anderem als Geschäftsführer. Er hat die Entwicklung von Handbuchung über Lochkarten bis zur Digitalisierung miterlebt.

Er warnt vor der Gefahr, dass 50 Prozent der Backoffice-Stellen in Banken und Versicherungen durch Digitalisierung verschwinden. Die soziale Nähe zwischen Mitarbeitern leidet unter Homeoffice und Videokonferenzen.

Hunck fordert kleine Teams, Vertrauen in Mitarbeiter und eine Führung, die Projekte begeistert statt Hierarchien zu nutzen. Er kritisiert zu viele Regulierungen, die Innovationskraft behindern.

Er sieht die Digitalisierung als Werkzeug, das den Menschen unterstützen soll – nicht ersetzen. Die Führung muss sich anpassen, um Menschen zu motivieren und soziale Nähe zu bewahren.

Ursprüngliche Shownotes 27.06.2018

Führung und Kultur sind eng verbunden mit Digitalisierung und Veränderung. Veränderung war schon immer da, die Veränderung wird durch Digitalisierung nur immer schneller. Welchen Rat kann uns heute jemand geben, der über 50 Jahre Führungspositionen inne hatte? Einige sehr spannende Antworten bekommen wir heute von Rolf Hunck, der über 50 Jahre für die Deutsche Bank gearbeitet hat.

Rolf Hunck hat bei der deutschen Bank gelernt, hat von Hand gebucht, die Lochkarte erlebt und war am Ende in der Geschäftsführung der Deutschen Bank tätig. Er hat Altkanzler Helmut Schmidt persönlich in Finanzfragen beraten und engagiert sich heute im Vorstand mehrerer Stiftungen.

In dieser Folge erzählt Herr Hunck uns, warum kleine Teams besser als große sind, wie uns die Digitalisierung zu schlechten Entscheidern macht und welche Verantwortung die Softwareentwickler bei der ganzen Angelegenheit spielen.

Ich habe aus diesem Gespräch sehr viel gelernt und bin sehr inspiriert von der Lebenserfahrung, an der ich ein Stück teilhaben durfte.

Viel Spaß beim Zuhöen!

Transkript

7.448 Wörter

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Hallo und herzlich willkommen zur 27. Folge des Podcasts "Wege der Digitalisierung". Heute bin ich zu Gast bei Rolf Hunk. Herr Hunk war über 50 Jahre für die Deutsche Bank tätig, unter anderem als Geschäftsführer. Ich habe Herrn Hunk im letzten Herbst bei einer Veranstaltung "12 Minutes Leap" kennengelernt. Dort hat er einen Vortrag gehalten über Führung und Verantwortung. Der hat mich sehr berührt und inspiriert und da er nun in allen Interviews bisher das Thema Digitalisierung sehr schnell auch zum Thema Führung geführt hat, konnte ich Herrn Hunk gewinnen, dass er uns heute ein bisschen erzählt, was er in 50 Jahren Führungserfahrung bei der Deutschen Bank gelernt hat und wie weit die Digitalisierung da eine Rolle gespielt hat und heute spielt. Herr Hunk, ganz vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit für mich nehmen. Auf geht's mit unserem Interview!

Wir haben uns ja kennengelernt, als sie bei dem 12-Minute-Lied im November erzählt haben. Und da fand ich einfach ihre Perspektive so unglaublich spannend, weil sie jetzt 50 Jahre Deutsche Bank am Stück haben und weil halt bei diesem Digitalisierungsthema das Thema Führung eigentlich immer durchkommt. Also dass Digitalisierung eigentlich immer nur so der der Stein des Anstoßes ist und das eigentlich dahinter aber Kulturführung und so weiter steckt. Von daher würde ich jetzt das Gespräch gleich in die Richtung gerne lenken wollen.

Also wenn Sie jetzt sagen, ich habe 50 Jahre Deutsche Bank und wenn Sie jetzt auf die Digitalisierung gehen, dann haben Sie natürlich jetzt eine Person, die schon ziemlich alt ist, das bin ich auch, ich habe noch Hand gebucht an einer Buchungsmaschine, habe dann die Entwicklung über die Lochkarten, das wissen Sie gar nicht, da sind Sie noch gar nicht geboren gewesen, mitgemacht, die mussten wir noch sortieren. Also mit der Handbuchung mussten wir jeden Tag abstimmen, die Salden, ob das stimmt. Und wenn Pfennig da nicht stimmte, wurde der gesucht, das macht man alles nicht mehr. Und so weit habe ich die ganze Entwicklung über die Jahre mitgemacht. Ich bin jetzt auch durch meine Söhne natürlich in der Digitalisierung sehr beeinflusst und auch interessiert dran.

Nur ich sehe natürlich in der Digitalisierung im Moment aus meiner alten Perspektive einmal eine ganz große Chance und auf der anderen Seite aber auch eine ganz große Gefahr. Lassen Sie mich auf die Gefahr gehen. Ich glaube zum Beispiel, dass bei den Banken und Versicherungen, aus diesem Gewerbe komme ich ja, werden in den nächsten fünf Jahren bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze im Backoffice wegfallen. Und das ist die Frage, was man mit diesen Menschen macht. Nun haben wir zurzeit in Deutschland eine Hochkonjunktur und man könnte jetzt im Endeffekt, wenn man geschickt politisch agieren würde, versuchen diese Leute dementsprechend für andere Tätigkeiten zu begeistern. Nämlich das dürfte nicht in eine weitere Arbeitslosigkeit dann gehen.

Die Chance der Digitalisierung sehe ich eigentlich, wenn wir allerdings in Deutschland, und ich war in den baltischen Staaten, wo die ja viel weiter sind, als wie wir hier sind, in den Kabelnetzen. Das können Sie jetzt besser ausdrücken, was ich damit meine. Das ist die höchste Priorität, die wir in Deutschland haben, um den Anschluss dazu zu kriegen. Und wenn wir dann die Digitalisierung aus meiner Sicht richtig einsetzen, und zwar nicht als Ersatz für den Menschen, sondern als Unterstützung für den Menschen. Und so muss man den Menschen das auch vermitteln. Und jetzt war die Frage der Führung bei Ihnen. Die Führung verändert sich natürlich auch dadurch. Ich diskutiere mit meinem Sohn häufig Homeoffice oder nicht.

Ich habe mit Homeoffice ein bisschen Probleme, weil ich natürlich bei Homeoffice den Kontakt verliere. Und das ist meine ganz große Sorge an der weitergehenden Digitalisierung, dass der Kontakt zwischen den Menschen darunter leidet, dass die Leute quasi nur vor diesen Kisten sitzen und sich darüber unterhalten. Übrigens, mich erwischen Sie hier auch mitunter schon. Und das ist aber nicht in Ordnung, sondern Sie brauchen die Ausstrahlung. Und ich will Ihnen auch sagen, warum. Lange Zeit habe ich viele Videokonferenzen gemacht, das liegt aber jetzt schon ein paar Jahre zurück. Und wenn Sie Videokonferenzen machen, dann stellen Sie fest, dass die immer zeitversetzt sind. Das heißt, Sie kriegen eigentlich die echte Reaktion Ihres Partners überhaupt nicht mit bei Verhandlungen.

Deshalb, ich glaube, man kann nicht alles technologisch erledigen, sondern man muss dabei sich bemühen, dass der Mensch im Kontakt untereinander in der alten Art bleibt. Und wiederum komme ich zurück, was ich eben gesagt habe, die Digitalisierung wird aus meiner Sicht gesehen als Unterstützung gehen. Und jetzt wird aber auch dadurch die Führung natürlich sich komplett verändern. Wie führe ich Menschen über, sage ich mal, digitale Netze? Und das ist für mich eine Sache, die man diskutieren muss. Sie müssen, die sogenannte Teamführung wird wesentlich stärker werden. Also wie sie früher, wie ich erzogen worden bin, da gab es einen Chef, da gab es so fünf Hierarchien. Die wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Was aber auch einen Nachteil hat. Nämlich ein junger Mensch will Karriere machen. So, da will dann erstmal das werden und die nächste Stufe und nächste Stufe. Also das muss diskutiert werden. Wie gibt man jemandem eine Perspektive? nämlich sie wollen ja im Leben nicht immer in einer Position bleiben, sondern müssen ja auch einen Anreiz haben, in die nächste Position zu geben. Das heißt, ob man die Hierarchien ganz über Bord schmeißen sollte, weiß ich nicht. Da muss man einen neuen Weg finden, aber das muss ihre Generation selbst finden. Ich bin mehr jemand für die alten Hierarchien gewesen, weil ich gesagt habe, da gebe ich Perspektive rein und trotz alter Hierarchien kann man mit Hilfe der Technik heute auch eine gute Führung hingehen.

Wichtig ist allerdings, dass wir wieder mehr Führungspersönlichkeiten kriegen, die sich aber auch für ihre Mitmenschen einsetzen. Lassen Sie mich das an einem Beispiel sagen. Wir haben zum Beispiel, wenn wir Leute mal umsetzen mussten, das heißt, weil die Abteilung damals geschrumpft ist und dann mussten sie woanders hingehen, dann habe ich das nicht so gemacht, dass ich der Personalabteilung gesagt habe, schreibe ihnen jetzt einen Brief und dann muss der andere hingehen, sondern ich habe den vorbereitet darauf. Ich bin eingegangen auf den Menschen und habe ihnen dann geholfen, in den nächsten Bereich zu gehen, sodass er mit einer gewissen Begeisterung hingeht. Wenn er jetzt nur einen Brief kriegt, beziehungsweise nur ganz kurz gesagt, Sie müssen jetzt ab morgen dort arbeiten, dann ist ein Frust da.

Und wenn jemand gefrustet ist, leistet er nicht mehr. Wie begeistern wir in Zukunft mit Hilfe der Digitalisierung den Menschen am Arbeitsplatz? Das wird ein Problem sein. Und ich darf Ihnen sagen, ich habe gerade vorgestern Amazon hier einen Winsen besucht. Das ist ja auch da alles digitalisiert. Und wie ich die Leute da in den Käfigen gesehen habe, die ja konzentriert da arbeiten, da frage ich mich, wie kann man die Menschen eigentlich damit begeistern? Und da sehe ich gewisse Probleme drin, die dazu führen wird, dass wir sozialpolitische Probleme kriegen.

Also bin ich total bei Ihnen und da frage ich mich jetzt, also meine Perspektive auf das Thema sind jetzt 15 Jahre Arbeitsleben. Ja. Verändert sich das jetzt gerade erst in der Geschwindigkeit oder haben Sie das im Prinzip über die Jahrzehnte?

Also die Geschwindigkeit ist schneller geworden, aber die Veränderung gab es immer. Also was ich in 50 Jahren Deutsche Bank für Veränderung mitgemacht habe, das ist unwahrscheinlich. Nur die Geschwindigkeit nimmt zu und die Zyklen werden kürzer. Und wir kommen ja jetzt auch zu dem Thema durch die Digitalisierung, zu der, wie nennt sich das, Künstliche Intelligenz, wie heißt diese, dass der Computer quasi immer stärker mitdenkt. Und da muss man natürlich aufpassen, dass er nicht besser wird als der Mensch nachher. Also da sind natürlich Risiken drin, die man also machen kann und da wird auch wahrscheinlich Schindluder mitgetrieben. Aber diese Entwicklung, die ist so schnell geworden und deshalb ist es für Ihre Generation wesentlich schwieriger, dem Stand zu halten.

Und da ist meine ganz große Sorge, auch wenn Sie nicht einen Ausgleich dazu haben, oder ich will anders sagen: Wenn ich früher einen Entscheidungsweg hatte, will ich Ihnen sagen, wie ich es gemacht habe. Ich bin in der Regel in der Woche, die ganze Woche auf Reisen immer gewesen, weil ich nicht nur in Hamburg tätig war, in Frankfurt, überall. Dann habe ich Sonntagnachmittag ab 16 Uhr am Schreibtisch hier gesessen und habe mir einen Plan gemacht, was ich nächste Woche machen will. Das ist heute fast gar nicht mehr möglich, weil die Veränderung so schnell ist, Sie müssen das permanent verändern. Da kommt aber eine Hektik auf und diese Hektik führt zu Fehlentscheidungen. Das heißt, die Schnelligkeit, die durch die Digitalisierung kommt, hat Risiken auch in Fehlentscheidungen.

Weil es werden die Folgen der Entscheidung nicht mehr durchdacht. Das heißt, sie sitzen nicht mehr am Schreibtisch, sondern sie sitzen nämlich am PC, wo einer im Chat sagt, wir müssen die und die Entscheidung haben und sie entscheiden gleich. Und ich kann nur appellieren, auch für die Zukunft, nehmt euch genug Zeit für Entscheidungen und nicht jetzt spontan immer sagen, so wird es gemacht, so wird es gemacht. Man sollte eine Entscheidung überlegt, treffen und auch überprüfen, ob diese Entscheidung richtig ist. Und ich glaube, das kommt zu sehr viel Fehlentscheidung. Übrigens merken Sie das im Moment sehr stark in den politischen Auseinandersetzungen. Wie die in den Fehlentscheidungen dadurch zustande kommen, weil sie die Sache mal so, mal so auslösen, das tun sie aber nicht bewusst, sondern unbewusst, weil sie im Grunde, sag ich mal, in der Schnelligkeit, das können sie gar nicht so schnell abspeichern.

Aber die Medien sind ja brutal, die zeichnen das auf, denn das ist das, wie sie es mit mir jetzt auch machen, das ist Wort und Ton dort. Und deshalb ist die Gefahr, dass wir zu schnell machen. Genauso hat die Digitalisierung an den Kapitalmärkten natürlich auch ein Risiko drin. Nämlich denken Sie mal dran, wenn Sie mal eine Zeit auf den falschen Knopf drücken und statt 1 Million mal 10 Milliarden überweisen. So ist alles schon passiert. Die Kontrollsysteme sind zwar da, die merken das relativ schnell, vielleicht auch mal einen Tag später, weil die Gegenbogen das alles nicht weltbewegend, aber trotzdem kann damit Schindluder kommen. Wir müssen aufpassen, dass wir die Schnelligkeit unseres Denkens nicht durch die Digitalisierung bestimmen lassen.

Und würden Sie sagen, dass das, ich meine, das kann man ja sagen, 1970 hatte man diese technischen Mittel nicht. Ja. Aber hätte jemand damals mit den gleichen Mitteln, wäre der genauso überfordert gewesen mit dieser Geschwindigkeit? Stehen wir einfach vor neuen Problemen, an die wir uns ranlernen müssen?

Also die Geschwindigkeit haben wir damals nicht gehabt. Aber das heißt, Ihre Generation ist natürlich auch anders ausgebildet schon. Sie sind ja mit dieser Technologie groß geworden. Das hilft natürlich. Das nimmt einen Teil, sage ich mal, des Problems weg. Aber dennoch behaupte ich, dass viele junge Leute heute gewisse Dinge zu schnell entscheiden. Und durch diese Außeneinflüsse, die sie haben, die ja über die Digitalisierung, übers Netz auf die Leute zukommen, die Frage ist auch, ob sie noch objektiv genug sind. Also man hat sich früher eigentlich tiefer reingearbeitet. Und das ist also mein Warnschluss, wenn wir mit der Digitalisierung in Zukunft richtig umgehen müssen, dann müssen wir im Endeffekt aufpassen, dass wir im Endeffekt das menschliche Hirn nicht außer Kraft setzen lassen durch die Digitalisierung und nur die Digitalisierung ergänzen.

Sondern es muss genau umgekehrt sein. Das menschliche Hirn muss sich ergänzen durch die Digitalisierung. Und das sehen Sie bei mir hier auch. Wenn ich hier zum Beispiel am Computer arbeite, dann hole ich mir im Endeffekt gewisse Wissen aus dem Netz raus und dann überlege ich dabei, kann ich das gebrauchen, ist es richtig und so weiter. Das ist eine absolute Hilfestellung. Und geben Sie mal zurück zu der Versicherungswirtschaft oder zur Bankenwirtschaft. die würden ohne Digitalisierung heute gar nicht mehr existieren können, weil sie im Endeffekt, sage ich mal, die Volumina gar nicht mehr schaffen können. Und wenn Sie jetzt mal sehen, gehen Sie mal, gucken Sie mal, die Digitalisierung in der Rechtsprechung, wie jetzt Anwälte, wie sie Fälle machen, die sie überall sammeln und dann können sie theoretisch über die Digitalisierung nachher sagen, ich gebe mal einen Fall ein und dann weiß ich schon, wie dieser Fall abgeurteilt worden ist.

Also diese Entwicklung, die ist nicht aufzuhalten und die ist auch richtig. Das wird aber wiederum auch dort Arbeitsplätze kosten. Und wichtig ist eigentlich, dass man sagt, Technik nach vorne, weiterentwickeln lassen, aber zwei große Dinge müssen Sie klären. Sie müssen versuchen, wie schichten Sie quasi die menschlichen Kapazitäten um, die durch die Digitalisierung verloren gehen Und wie machen Sie die optimale Führung in den Unternehmen? Arbeiten Sie in kleinen Teams? Arbeiten Sie, sage ich mal, ich glaube, die ganzen großen Teams können Sie vergessen. Sie brauchen kleine Teams. Das heißt, diese ganzen Großraumbüros, wo da 200, 300 Leute oder bei der Investmentbank 1000 Leute sitzen, das ist keine Zukunft mehr.

Sondern Sie brauchen kleine Teams, weil Sie über kleine Teams die soziale Nähe auch haben. Und da habe ich eigentlich am meisten Angst, dass diese soziale Nähe, und ich habe gerade gestern mit meinem Sohn eine Diskussion darüber gehabt, dass diese neue Generation ja im Endeffekt auch sehr ich-bezogen ist. Das heißt, weil sie alle, ihr seid ja alle, sag ich mal, Fachleute geworden. Ihr seid keine Generalisten mehr. Und da haben wir neulich mal eine Diskussion gehabt, kann man eigentlich bei dem Umfang noch Generalist heute sein? Und die Frage kann eigentlich keiner richtig beantworten. Nur wir brauchen aber Generalisten, wenn sie Leute haben, die den Gesamtüberblick nicht mehr haben. Und das ist für mich eine Frage der Führung später.

Eigentlich muss der Führer ein Generalist sein und in seinem Team die verschiedenen Spezialisten haben. Und er wird aber immer nur in den einzelnen Unterabteilungen Oberflächenwissen haben. Er wird nicht mehr das Detailwissen haben. Das war zu meiner Generation anders. Ich konnte richtig durchbuchen noch, obwohl ich kein Buchhalter war. Aber ich wusste, wenn was ist, oder ich wusste auch damals bei den Börsengeschäften die Zusammenhänge, wie das alles gebucht wird. Ich wusste genau damals, wenn ich eine Aktie beurteile, dann guckte man sich die Bilanzen an und so weiter. Das können die wenigsten heute. Das ist das Problem, was wir übrigens auch bei vielen Journalisten heute haben. Man wirft vielen Journalisten vor, dass sie zu oberflächlich schreiben.

Aber das kann man dir gar nicht vorwerfen, weil eigentlich die Komplexität einfach viel zu groß geworden ist. So einen Herrn kann man gar nicht haben.

Ich finde das gerade ganz spannend mit diesen kleinen Teams und der sozialen Nähe. Haben Sie das umgesetzt? Ja. In der Zeit, in die Sie da noch tätig waren?

Wie ich tätig war, habe ich immer darauf geachtet, dass es immer kleinere Teams gab. Und ich habe immer größere Teams versucht zu bekämpfen, aber nicht immer mit Erfolg. Ich habe zum Beispiel auch immer gegen eine zu starke Zentralisierung in den Großbetrieben gekämpft, weil da geht ein Teil dieser Sachen nämlich verloren. Und Sie können zum Beispiel, also die Zukunft zum Beispiel, Sie merken das auch gerade in Ihren, ich kriege das ja bei mir so ein bisschen, das sind alles kleine Teams, die eine absolute Nähe zwischen Chefs und Kunden haben. Da ist also nicht viel zwischen. So, jetzt ist nur die Frage, wie gibt man denen eine Perspektive? Und Geld ist nicht die Perspektive. In allen Umfragen, das war vor 20 Jahren, vor 50 Jahren so, eigentlich, die Leute wollen Freude am Job haben. Ich muss den Leuten Freude am Job vermitteln. Und das ist eben die Führung. Ich brauche die Führer, müssen Leute sein, die motivieren.

Wie jetzt Müller in Moskau für die Fußball-Weltmannschaft, der eine optimistische Haltung darstellt und die Leute mitzieht. Und da muss man, glaube ich, wenn man jetzt Digitalisierung weiterentwickelt, dann muss ich als Führungsverantwortlich auch weiterentwickeln. Sind eigentlich meine Führungskräfte wirklich so ausgebildet, dass sie die Leute mitziehen, mitreißen und so weiter? Man begeistert es. Also angenommen, Sie haben eine Idee und jetzt wird ein Projekt draus gemacht, was Sie programmieren müssen. Und dann muss man alle, die müssen so heiß sein, das Richtige zu programmieren und Ideen reinzubringen. Und dann sind die auch dabei, dann brauchen Sie keine Hierarchien, sondern dann begeistern Sie sie über das Projekt.

Und ich glaube, das ist die neue Führung, über die Projekte, die Leute zu begeistern für das Projekt. Und dann ziehen Sie da mit und dann bringen Sie auch Höchstleistung.

Also erlebe ich auf jeden Fall im Alltag, dass das genau so ist. Dieses Thema, ich komme da nochmal drauf zurück, kleine Teams. Also wenn man heute so in agile Entwicklungen und alles, was so Trendthemen sind, guckt, dann wird genau das propagiert. Jetzt haben Sie gesagt, Sie haben das schon immer so versucht umzusetzen. Ja. Mich motiviert das gerade.

Ich habe immer, früher gab es ja zum Beispiel bei uns sogenannte Beratungsteams. Und die haben ein Kundenklientel, wie sie auch, ob sie nun Finanzen machen oder programmieren, das ist völlig egal. Sie beraten Menschen. So, und dann habe ich versucht, den Leuten möglichst viel Unterstützung zu geben. Aber, und jetzt kommt aber, ist, sie müssen den Leuten einen Kompetenzfreiraum geben. Das heißt, sie müssen den Leuten Vertrauen geben. Und das ist im Endeffekt, sage ich mal, durch die angelsächsische Beeinflussung der Welt, wird ja alles kontrolliert bis ins Detail. Also wir haben ja Oberkontrollen. Und wir haben das ganz große Problem mit den zunehmenden Regulatoren. Deshalb haben die Leute unten gar nicht mehr den Mut zu entscheiden, weil sie Angst haben, dass sie gegen Regulatoren verstoßen.

Und das müssen wir ändern. Das ist also im Endeffekt eine Sache, ich weiß nicht, wie es jetzt in ihrer Branche aussieht, aber es wird immer mehr Regulatoren geben und diese Regulatoren engen die Innovationsfähigkeit der Menschen und die Teamführung auch ein. Nämlich, ich habe neulich mal jemand gesagt, ich sage, was macht denn so in Ihrem Kundengeschäft, wovon entwickeln Sie sich denn? Also das war bei den Banken. Und dann sagte der eine, ja, wieso, wir beraten den Kunden und so weiter. Ja, sagt er, aber Sie müssen doch mal überlegen, das bleibt ja nicht so, was will der Kunde eigentlich in Zukunft? Sie müssen sich doch die Frage stellen, wie will der Kunde eigentlich in zehn Jahren beraten werden?

Ja, aber das ist ja nicht mein Job, das müssen die ja in der Zentrale machen. Ich sage jetzt nur mal drin, aber die in der Zentrale haben doch überhaupt keine Ahnung, was da vorne ist. Also sie müssen doch mit ihrem Gespür sagen können, so, dann müssen sie sich doch mal was überlegen und sagen, das könnte es sein und müssen das nach oben bringen. So, da haben die Leute viel zu viel Angst vor. Und ich würde immer, und deshalb bin ich so begeistert, gerade in ihrer Branche sind ja sehr viele kleine Teams, die begeistert sich über die Projekte und dann bringen sie sich natürlich auch geistig ein und sagen, das könnte man noch machen, das könnte man noch machen und damit werden sie erfolgreich sein.

Das heißt, die großen Einheiten sind eigentlich zum Sterben verurteilt. Die Kleineinheiten werden das machen. Ich muss natürlich über große Einheiten, über Konstruktionen, die Kleineinheiten bündeln. Das ist ganz klar. Und da kommen natürlich dann aber auch wieder Hierarchien rein. Und da müssen die Leute aus den Kleineinheiten in die großen Einheiten wachsen und nicht Seiteneinsteiger aus der Uni in die großen Einheiten gehen, die ja nicht wissen, was dort passiert. Das ist das große Krux, das die Großunternehmen haben. Ob sie Chemieunternehmen sind, ob sie Versicherungen nehmen, ob sie Banken nehmen, ob sie Autos. Diese Seiteneinsteiger, die dann von der Uni kommen, die sehr kreativ, sehr viel gelernt haben, aber gar nicht wissen, was dort passiert, die sollen jetzt plötzlich dann dort oben die richtige Entscheidung haben.

Sie müssen die Leute, und deshalb haben sie dann auch wieder über die Teams eine Hierarchie nach oben. Wer dann sagt, ich will mal ins obere Management, der geht dann über die Teams nach oben. Also insofern kann man da auch sogar, das was ich sage, eine gewisse Hierarchie wieder reinbauen. Nur ist etwas anders, wie früher waren sie ja meinetwegen Bevollmächtigter, Progerist, Abteilungsdirektor, Stellverträger, Vollde, so was gab es. Und dann hat mein Sohn mir neulich mal gesagt, also mit den Titeln, das ist alles Quatsch, da widerspreche ich, die Eitelkeit der Menschen bleibt. Man will schon, sag ich mal nachher, Vice Manager und wie man das in der Elektronik, weiß ich jetzt nicht, man will schon Titel nachher irgendwo haben, dass man die Leute so ein bisschen begeistert.

Aber da ist für mich der entscheidende Faktor, dass man die Führung, sag ich mal, so anpasst, dass sie mit der Digitalisierung konform geht und dass man aber drei Dinge macht. Einmal, ich muss Vertrauen aufbringen in die untere Gruppe, dass die nach oben wächst. Dann muss ich im Endeffekt Folgendes tun, dass ich die Leute auch fördere, aber fördere in Menschenführung. Und ich sage Ihnen, gehen Sie mal, machen Sie eine Umfrage bei großen Unternehmen, bei kleinen Unternehmen, was investiert wird in Menschenführung unter psychologischen Gedanken und so weiter. Wir haben Führerkurse gemacht mit Psychologen über Menschenführung. Das wird heute nicht mehr gemacht. Ich weiß nicht, ob Sie schon einen Kurs mal gemacht haben.

Konfliktseminare und so was. Haben Sie nicht gemacht. Vielleicht ehr ich mich da. Aber auf jeden Fall gibt es das kaum noch, weil man nur gewinnorientiert sagt, Wir machen nur noch Daten in Fortbildung, was Geld bringt und das ist genau falsch. Geld bringt das Produkt und der Mensch. Und deshalb muss ich in beiden investieren. In Produkten investiert ihr alle, wunderbar. Aber in den Menschen investiert ihr einfach in der heutigen Generation zu wenig.

Also ich kenne auch zum Glück Gegenbeispiele. Ein Freund von mir sitzt in so einer Entwicklungsleiterposition in einer mittelgroßen Firma. Und die investieren sehr viel in ihre aufsteigenden Führungskräfte. Und gut, ich habe mich irgendwann selbstständig gemacht und ich bin da reingewachsen.

Ja, Sie haben es gelernt bei einem Training bei The Job.

Ja, genau.

Aber das ist, gut, bei den großen Firmen, ob sie jetzt meinetwegen Commerzbank, Deutschland und Allianz ist, die machen das auch, aber die machen das im Endeffekt nach meiner Ansicht heutzutage falsch, weil sie an der Basis nicht unten anfangen, sondern irgendwo vom Mittelbauch hoch anfangen. Also das ist der Punkt. Also für mich ist es ganz einfach so, ich muss eine Führungsstruktur neu definieren, dann muss ich die Führungsstruktur mit Leben erfüllen und dann muss ich die Führungsstruktur ergänzen mit allen Hilfsmitteln der Digitalisierung. Und man muss natürlich überlegen, die Digitalisierung gibt so viel Information, wie viel Information kann eigentlich ein Mensch ab?

Ja, das passt zu vielen Sachen, die ich aus anderen Interviews gelernt habe. gerade also dass wir als software entwickler im prinzip so eine verantwortung haben ja unsere kunden wollen immer ganz viel unser job ist es im prinzip zu sagen aber welche drei sachen brauchst

du wirklich und die anderen bauen wir einfach nicht also wir haben früher habe ich sehr viel sogenannte führungskonferenzen gemacht und da habe ich eigentlich motivations reden gehalten keine produkt reden da bin ich von hingegangen und habe gesagt da saßen teilweise bei mir 600 leute dann Aber ich habe das auch mit kleinen, also mit 20, 30 Leuten und da habe ich gesagt, so bei kleinen Leuten können sie es besser machen. In Podiumsdiskussionen haben wir gesagt, wir diskutieren jetzt mal alle unsere Probleme. Was finden Sie schlecht? Ich will nichts finden, was gut läuft. Sie müssen sich alle jetzt hinstellen und mir ein negatives Beispiel sagen. Und dann tun sie sich natürlich schwer. Sie wollen natürlich nicht dumm auffallen.

Und ich sage, wer jetzt kein negatives Beispiel hat, der muss raus aus dem Raum sein. So, ein bisschen humorvoll. So, und dann fing jemand an, ich finde das nicht gut, ich finde das nicht gut, das. Das haben wir dann an Flipchart alles geschrieben, haben wir das in Cluster getan. Und dann haben wir das abgearbeitet in Workshops. So, und dann habe ich nachher zum Schluss aus diesen ganzen Sachen eine Zusammenfassung gemacht. Und habe gesagt so, und Sie glauben gar nicht, diese ganze Kritik, die da rauskommt, da bräuchten Sie, erst mal, dass die Leute die Kritik geäußert haben, Da war eigentlich schon, das mit beantwortet, dass sie mal Luft rausgelassen haben. Da habe ich schon 80 Prozent mitgewonnen.

Also blieben nachher 20 Prozent Probleme, die ich lösen müsste als Führungskraft für die Leute. Und die habe ich dann versucht zu lösen. Und dann habe ich mich zum Schluss hingestellt, am Ende der Tag und habe gesagt, so meine Damen und Herren, wenn Sie sich jetzt mal überlegen, das bleibt stehen, kann man das Problem lösen. Da habe ich von vornherein gesagt, das, was Sie hier kritisieren, kann ich nicht ändern. Und da habe ich es begründet. Haben Sie es verstanden? Und das werde ich versuchen zu ändern und das ändern wir sofort, weil ich das aufgrund meiner Kompetenz konnte. Und dadurch nehmen Sie die Leute mit. Und dann habe ich natürlich immer wieder die Leute ins Boot geholt und habe gesagt, wir können nur erfolgreich sein, wenn Sie in guter Stimmung an Ihrem Arbeitsplatz und Ihren Job machen und uns Feedback geben. Nur dann kann es laufen.

Und das muss wieder stärker kommen.

Also ein Stück weit kann dann natürlich jeder, der irgendwo eine Führungsverantwortung hat, der jetzt hier zuhört, das annehmen und versuchen umzusetzen. Und wie weit sind das auch strukturelle Probleme, die man lösen müsste, wo ich als mittlere Ebene gar nicht rankomme. Ich denke zum Beispiel an VW. Irgendwer hat den Auftrag bekommen, baue mal diese Schummelsoftware ein. Das ist aber ja ein strukturelles Problem. Das waren nicht zwei Entwickler, die da Mist gemacht haben. Das war ja im gesamten Konzern, muss das ja irgendwie gewesen sein. Das heißt, wenn von oben im Prinzip eine Fehlerkultur gar nicht erwünscht ist.

Aber das ist eine Sache, die ich ja besonders in mittelständischen Unternehmen kann ich sehr gut ändern. Bei den großen Unternehmen wird der Markt sie dazu zwingen, dieses zu verändern. Bei VW lernen sie das jetzt. Und die Schummerssoftware ist für mich, sage ich mal, eigentlich vom Führungsverhalten insofern kein gutes Beispiel, weil die Schummerssoftware ja nicht nur ein VW-Problem ist, sondern ein politisches Problem ist. Und ich behaupte, und ich bin mir, also ich kann es nie beweisen, aber ich behaupte ganz einfach, es haben alle gewusst. Weil im Grunde wollte die Politik vorbildlich sein im Umweltschutz und hat die Werte so hoch gesetzt, wo alle wussten, die sind gar nicht zu erfüllen.

Und man kann mir nicht erklären, dass die Minister das alle nicht gewusst haben und die Staatssekretär das alles nicht gewusst hat. Und insofern ist man dazu gekommen. Und jetzt müssen Sie überlegen, wer jetzt von der Schummelsoftware, sage ich mal, gewusst hat und ob er rechtzeitig gewusst hat. Also wenn jetzt, Sie müssen sich vorstellen, in Ihrer Abteilung kommt ein junger Mann zu Ihnen und sagt, ich habe hier so eine Idee, das könnte unser Problem lösen und das ist also relativ einfach zu lösen. Dann sagen Sie, machen Sie mal. Das ist wieder das, was ich sage, wo man nicht in den Hintergrund geht. So, und ich könnte mir vorstellen, dass gewisse Techniker gekommen sind, wenn wir das so im Stand machen, dann kriegen wir das hin, dann sagt ein Vorstand, machen Sie.

So, hätte ich auch gemacht. So, jetzt ist die Frage, habe ich denn gewusst, dass das eine Schummelsoftware, sondern ich habe das als technische Lösung. Ich habe aber juristisch von der Schummelsoftware gewusst, natürlich, weil sie was, die wurde nur als Software und nicht als Schummelsoftware. Also Sie müssen mal in den Großbetrieben die Prozesse sehen. Also insofern, ich sehe, hier wird mit verschiedenen Dingen gekämpft und da bin ich mehr auf Seiten der Leute jetzt und dass so ein Mann jetzt da in Untersuchungshaft genommen wird. Das ist also rein alles nur, um jetzt zu zeigen, wir wollen auch, dass die Großen mal in den Knast kommen. Das ist für mich keine Lösung des Problems. Nämlich ein Chaot macht hier mit dem Laserpointer den Hubschrauber an, der fast abstürzt.

Der wird auf Bewährung gleich wieder freigelassen. Da passt das Rechtssystem, da habe ich ein gestörtes Verhältnis im Moment so und so zu. Aber wir müssen auch in der Politik, und die Politik muss eigentlich für ihre Beschlusse auch mal ein bisschen haftbar gemacht werden, Man hätte wissen müssen, dass gewisse Dinge einfach nicht erfüllbar sind und dadurch hat sie einen Zwang gebracht, in die Industrie sich irgendwo zu helfen dabei. Und das muss man mal sehen und die Amerikaner sind aus meiner Sicht in dieser Hinsicht so und so, sage ich mal, eigentlich nutzen das nur, die anderen Länder wieder an die Seite zu packen. Und Sie haben es schon geschafft. Die Deutsche Bank war der größte Konkurrent in Amerika, den haben Sie klein gemacht.

Jetzt machen Sie die Automobilindustrie klein. Und ich sage Ihnen, die Nächste, die Sie klein machen, ist, mit Ihrer Investition jetzt in Amerika, wenn die irgendwas machen, werden die auch klein gemacht. Und dann gucken Sie mal die amerikanischen Autos an, was da hinten rauskommt. Da muss man sich doch fragen, ob da irgendwas nicht stimmt. Aber das ist nicht das Thema hier bei Ihnen jetzt.

Ja, aber es geht alles irgendwo in die gleiche Richtung. Also ich denke, was auch eine spannende Frage da gleich anschließend wäre, ich habe vor einer Weile den Geschäftsführer vom TÜV Nord interviewt zum Thema Digitalisierung hier und der hatte auch Probleme mit der Politik aktuell und hat gesagt, der TÜV macht jetzt seit 130 Jahren seinen Job und kann diese Aufgabe demnächst gar nicht mehr so in der Form erfüllen, weil die Regularien nicht mehr hinterher kommen. Also einerseits wird es immer größer und komplexer, andererseits ist es nicht aktuell.

Die Regularien, die machen ja zu viel. Sie haben ja zu viele Regularien, dass sie die gar nicht mehr umsetzen können. Also wenn ein Wirtpapierberater einer Bank heute einen Kunden berät, dann muss er fast einen Juristen dabei haben. Und der Kunde ist auch entmündigt. Nämlich der Kunde, ich habe neulich, wollte ich was kaufen, ja online. Das durfte ich nicht mehr kaufen, weil das im Endeffekt aus irgendwelchen Gründen nur noch für institutionelle Anleger ist. Also da bin ich eigentlich wütend drüber, ich bin noch alt genug zu sagen, was ich kaufen will, was ich nicht kaufen will. Genauso, wenn Sie heute über 70 sind und wollen Kredit, kriegen Sie keinen Kredit mehr. Das ist, weil Sie nicht mehr auf Sicherheiten abstellen, sondern Sie stellen auf Einkommensentwicklung ab, was zum Teil auch richtig ist. Aber trotzdem, das muss man doch einer Bank selbst überlassen, das kann man doch nicht alles regulieren. Und das Problem, was wir auch haben, dass die Kunden ja denken, die Banken sind zu stur und die Sparkassen sind zu stur.

Die Regulatorik ist dermaßen verrückt geworden, so überzogen. Und da toben die sich in Brüssel und in Berlin aus. Und da sind Leute, die erlassen die Dinge, die also nach meiner Ansicht nur immer wieder Teile der Zusammenhänge wissen und als Generalist gar nicht überlegen, was sie damit anrichten. Oder bauen sie doch mal heute in Deutschland. Kriegen sich über die steigenden Baupreise in Deutschland. Ich bin im Beirat einer Beratung einer Immobiliengesellschaft. Wenn Sie heute mal die Regulatoren etwas reduzieren würden, würden Sie wahrscheinlich 10% billiger bauen können.

Und ist das dann ein Branchenproblem? Also betrifft das jetzt Banken, Versicherungen, Bauwesen?

Das ist überall. Gehen Sie in die Medizin rein. Das ist die Automobilindustrie. Dieser Skandal ist ja über diese Regulatorik gekommen. über die Anforderungen, wir wollen so und so viel sein. Dass wir in der Umwelt was tun müssen, was reduzieren müssen, ist klar. Aber das muss ich anders machen. Das muss ich dann eben sagen, ich muss es realistisch machen. Und Sie haben ja jetzt, glaube ich, 2020 die Ziele schon kassiert, politisch. Weil Sie selbst merken, das funktioniert so nicht. Sie können nicht auf der anderen Seite Wachstum haben, Sie können nicht auf der anderen Seite, sage ich mal, es muss sich alles weiterentwickeln. Sie versuchen, größere Städte zu machen und Wohnungen überall zu schaffen.

und umso mehr Wohnungen sie machen, umso weniger Umwelt. Sie bauen zwar umweltbewusst, aber durch die engen Straßen haben sie natürlich eine ganz andere Luftbildung und so weiter. Aber wie hier in Hamburg, jetzt zwei Straßen da abzusinken, das ist für mich also bundesleutscher Schwachsinn. Also das, was das auch wieder kostet, gucken Sie sich auch in Hamburg mal diese Idiotie mit den Radwegen an. Jetzt werden permanent Radfahrer totgefahren, aber ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, Früher haben sie Radwege gehabt, die von der Fahrbahn getrennt waren. Jetzt haben sie sie auf die Fahrbahn gebracht. Das machen sie ja nicht, um die Radfahrer auf die Fahrbahn zu bringen, sondern um den Verkehr zu beruhigen. Nur sie beruhigen den Verkehr nicht, weil die Leute immer wieder unter Zeitdruck stehen und dass wir andere Technologien auch haben. Aber kann ich mich stundenlang drüber auflegen? Das passt aber jetzt nicht zur Digitalisierung hin.

Ja, aber es hängt ja alles irgendwie zusammen. Also das macht diese Gespräche so spannend, dass man irgendwie von diesem Wort Digitalisierung ausgeht.

Ja, die Digitalisierung ist natürlich, wenn Sie jetzt mal gucken, wo war das irgendwo in den baltischen Staaten, da kriegt ja die Mutter, wenn der Junge zur Schule geht, nicht zur Schule kommt, hat die gleich eine digitale Meldung. Die sind also, die sind so vernetzt dabei und da sind wir ja fast Entwicklungsland in Deutschland. Und wir haben natürlich auch mit der Digitalisierung den sogenannten, wie nennt sich das, Datenschutz. Und was darf ich weitergeben, was darf ich nicht weitergeben. Auch das wird wieder übertrieben. Jetzt ist doch diese neue Verordnung gekommen, wo jeder, da habe ich nur gedacht, was ich hier in meinem PC gekriegt habe, um dazu zu machen. Ich habe natürlich diese ganzen Werbeblocks genutzt, jetzt mal dazu abzubauen, weil ich nicht mehr so auf dem Aufmerksamkeit habe.

Aber da muss man sich wirklich fragen, ist das überzogen?

Ist es ganz bestimmt, ja.

Genauso, wenn Sie jetzt mal gucken, die Diskussion über Überwachungskamera. Ich meine, alles, was der Sicherheit dient, das ist für mich nicht zu diskutieren. Das kann ich machen. Und dann sollen Sie mich doch aufnehmen, wenn ich über den Jungfernstich rübergebe. Und ich meine, da bricht die Technik eine enorme Chance, die Welt sicherer zu machen.

Ja, wobei an dem Punkt, muss ich sagen, gibt es halt die Studien, die ja sagen, es ändert ja nichts. Also, beziehungsweise es kommt drauf an, wie man...

Also Sie kriegen Täter schneller, wenn die Leute Sie fehlen, solche Sachen.

Wenn man die Daten nutzen darf. Meine Frau ist am Hauptbahnhof, das kommt um die geklaut worden, und die Daten dürfen Sie nicht nutzen, weil das wird nur für Raub und Mord und Totschlag...

Ja, ist gut, aber da würde ich gegen angehen. Das ist im Endeffekt, sag ich mal, wer eine Straftat begeht, das ist doch für die relativ einfach, das dann rauszukriegen.

Genau, aber da sind wieder irgendwelche Datenschutzgründe, weswegen für solche Fälle diese Überwachungstechnik dann nicht genutzt werden darf.

Ja, aber da können Sie mal sehen, wie unsere Politik falsch geschaltet ist. Aber unsere Politiker herrschen ja heute nicht nach dem Zum Wohle des Volkes, sondern zum Wohle, wie kriege ich Stimmen. Und das ist im Endeffekt, und ich meine, wenn Sie mal überlegen mit dem Berliner Flughafen, was da gelaufen ist. Wenn sie ein Wirtschaftsunternehmen wird, dann würde man schon wegen Untreue angezeigt werden und so weiter. Haben Sie schon mal einen Politiker gesehen, der da im Aufsichtsrat sagt, der wegen Untreue da? Ich habe noch nicht gehört. Da wird auch gar nicht nachgedacht. Aber wenn eine Industrie irgendetwas machen würde, wie bei VW jetzt, die kommt gleich, wird sogar einer in die Klasse reingesteckt. Das passt einfach nicht.

Thema Digitalisierung, wissen wir das? Also erfahren wir da heute einfach von? Und das war immer so und man wusste das früher nur nicht? Oder hat sich die Welt da auch einfach zum Schlechten gewandelt?

Also ich würde sagen, nein, ich glaube, zum Schlechten hat sich die Welt nicht gewandelt. Also ich glaube, ich bin so Optimist, ich glaube, dass die Welt sich zum Positiven gewandelt hat, auch über die Digitalisierung. Das würde ich nicht sagen. Nur die negative Sache, die wir eingangs gesprochen haben, ist ja durch Cyberangriffe und so weiter, was kann mit der Digitalisierung, diese Angst, die dort ist, da muss auch mehr Aufklärung gegeben werden. Und da ist auch die Frage, sind wir eigentlich in der Digitalisierung mit diesen ganzen Clouds richtig aufgestellt? Muss ich nicht für jedem Land eine Cloud haben? Ich kann Ihnen das jetzt nicht genau sagen, aber ich glaube, dass die Amerikaner fast überall reingehen können und so weiter. Das finde ich auch nicht richtig.

Also da müsste man auch eine Ordnung, und da gibt es ja keine Gesetze für, weil das ja länderübergreifend ist. Also das ist schon für mich, sage ich mal, da ist natürlich eine Angst, aber gerade bei uns in der älteren Generation. Bei uns in der älteren Generation ist auch Angst, wie unsere Kinder und Enkelkinder mit dem Gerät umgehen, wie sie ihre Persönlichkeiten ins Netz stellen. Ist das eigentlich richtig? Da habe ich schon eine gewisse Angst. Also ich bin nicht im Netz, also irgendwo drin. Ich habe eine E-Mail, WhatsApp habe ich mit den Kindern und so weiter, das machen wir schon. Aber ich bin jetzt nicht wie bei Facebook und so weiter als Typ mit Freunden. Und wenn ich als Freund angeschrieben werde, lege ich es auch ab.

Wenn einer mir eine E-Mail schreiben soll, dann geht das genauso. Also da ist die Angst. Aber diese Angst ist nicht, dass ich sage, dass sich das zum Schlechteren gewandert. Sondern die Chancen aus der Digitalisierung muss ich der Gesellschaft positiv zum Nutzen machen. Und wenn da jetzt Vorschriften dagegen sprechen, dann muss ich über diese Vorschriften diskutieren. Aber sie haben ja ein anderes Problem und was in Deutschland noch stärker wird. Wir haben eigentlich in Deutschland früher im Parteisystem zwei Blöcke gehabt. Ich sage Mitte rechts und Mitte links. Jetzt haben wir plötzlich sieben Parteien glaube ich. Und jetzt sind diese Parteien zum Teil nicht koalitionsfähig. Das heißt, es werden zukünftig in den Regierungen wahrscheinlich gar nicht mehr so lange hin, drei verschiedene Parteien sitzen.

Wenn drei verschiedene Parteien verhandeln, haben sie nur faule Kompromisse. Und das ist eigentlich unser Kernproblem für die Zukunft. Da mache ich mir in Deutschland am meisten Sorgen drüber. Ich mache mir nicht so viel Sorgen drüber, die Digitalisierung, die damit Veränderung der Arbeitsplätze. Das bin ich der Meinung. Mit einer vernünftigen politischen Größe könnte ich das lösen. Und ich glaube auch, dass die junge Generation so beweglich ist, dass sie das lösen. Nämlich, wir haben ja eigentlich zu wenig Arbeitsplätze. Versuchen Sie mal heute einen Bauhandwerker zu kriegen, kriegen Sie nicht. Versuchen Sie mal einen Pfleger heute zu kriegen, kriegen Sie nicht. Da kann ich natürlich nicht einen Banker zum Pfleger machen, aber ich kann einen Banker ins Krankenhaus, in die Verwaltung stecken und so weiter.

Da gibt es schon Möglichkeiten. Und ich will sagen, wir haben mal vor Jahren an der Handelskammer auf Anregung von unserem Altkanzler Schmidt, mit dem ich ein sehr enges Verhältnis hatte, der hat mal die Anregung gegeben, Ihr müsst einfach mal überlegen, wie zukünftig die Leute länger beschäftigt werden, aber das auch körperlich können. Als Beispiel ein Dachdenkermeister, der kann ja nicht mit 65 Meter Dach decken. Der muss irgendwo mit 50 oder mit 45, 40 ist der Körper. Nur er muss dann was anderes machen. Da hat sich eine Studie damit befasst. Und dann kam auch die Digitalisierung dabei. Das war auch uninteressant. Und dann haben wir gesagt, den können wir ja nicht am Computer setzen. Und da sagt der andere, das ist falsch. Die jungen Dachtäger haben heute alle ein Handy.

Die jungen Dachtäger haben zu Hause ein iPad. Also die wissen, wie das geht. Also die kann man schon anders einsetzen, weil dann eine ganz andere Generation ist. Der alte Dachtäger kann es nicht. Der wird auch demnächst pensioniert. Aber da die Leute wahrscheinlich alle bis 70, 72 arbeiten werden auf sich, das war damals schon, das würde man heute gar nicht politisch diskutieren können, haben wir gesagt, Man kann mithilfe der Digitalisierung solche Leute auch im Endeffekt, sage ich mal, in Lohn und Arbeit halten. Und ich habe das ja jetzt bei Amazon gesehen, wie viele Leute dort am Computer sind, wenn die Waren da gesteuert werden. Das ist also eine Tätigkeit, die man sicherlich relativ schnell mit dementsprechend Ausbildung lernen kann.

Und insofern ist die Umschichtung dort durch die Digitalisierung der Arbeitsplätze, die neuen Arbeitsplätze, die entstehen, die sind auch Möglichkeit. Gut, wenn der eine jetzt wie bei Ihnen programmiert, das ist ja schon etwas anspruchsvoll, da muss ja schon ein bisschen wirtschaftsmathematische Grundkenntnis haben, sonst funktioniert die Sache nicht. Aber sicherlich brauchen Sie natürlich auch Vertriebsleute nachher, die im Endeffekt dies verkaufen, das Produkt, was Sie machen wollen. Also das gibt genügend Möglichkeiten dabei, nämlich Sie werden vermutlich Ihre Programme nicht übers Internet verkaufen, sondern Sie werden die Probleme des Kunden aufnehmen und mit dem Problem des Kunden, die Sie aufnehmen, werden sie dann die Programme gestalten und programmieren quasi.

Und insofern, also deshalb würde ich das Wort sagen, die negative Entwicklung, die Digitalisierung, dass die Leute Angst vor gewissen Dingen haben, da ist sicherlich eine Möglichkeit, dass da ein bisschen ihre Branche stärker aufklären sollte. Dass man sagt, wo sind die Gefahren der Digitalisierung, zum Beispiel der Flughafen in Hamburg, der stromausfall den sie dort hatten da habe ich gerade miterlebt ich bin gerade gelandet da die vorletzte maschine da hat man natürlich auch zuerst dran gedacht dass es ein cyberangriff war und dass da jetzt so zwei solche stromkabel da so nah beieinander sind dass das in solcher wird passiert dürfte eigentlich im rahmen der digitalisierung nicht passieren dass man nämlich versuchen könnte mit prüfmöglichkeiten das werden sie jetzt wohl auch tun dass man sowas dann immer prüfen kann und bevor das bricht, dass man das macht. Also das ist schon, sag ich mal, und wenn ich jetzt sehe, auch in meinem Auto, mein Auto kann alleine fahren, wenn das dürfte, obwohl ich das vielleicht gar nicht will, aber ich bin natürlich sicherer mit der Dinge, mit den ganzen digitalen Verbindungen, die ich da drin habe. Nämlich, wenn ich zum Beispiel auf der Autobahn fahre und fahre schneller, dann habe ich den Piloten bei mir immer eingeschaltet, auch wenn ich den übertreibe, aber wenn ich jetzt plötzlich einen Herzinfarkt kriege, wird der selbst bremsen.

Das würde er nicht tun, wenn ich das Ding nicht hätte. Also, deshalb sage ich, also ich bin eigentlich ein Anhänger der Digitalisierung und sage ganz einfach, wir müssen es weiter entwickeln, wir müssen aber auch die Basis dazu haben, dass wir die Digitalisierung überall benutzen können. Und da können Sie zum Beispiel auch diese Landstriche, die aussterben, wo die jungen Leute weggehen, wenn ich da eine gute Vernetzung habe, dann hätte ich da gar kein Problem, dort auch eine Firma hinzusetzen. die sagt, wir machen das von hier aus und einmal die Woche fahren wir zu unseren Kunden, dann kann ich mich auch billiger irgendwo etablieren als in einem sehr starken mieteorientierten Hamburg. Also da kommen auch noch Entwicklungen rein, die also eine Chance geben.

Also wie gesagt, für mich als im Alter Mann, sage ich, ist eigentlich die Digitalisierung für die neue Generation zukunftsorientiert, Nur ich muss sie richtig nutzen. Aber nochmal, ich darf den Menschen dabei nicht vergessen. Und deshalb, ihr braucht dringend Leute, die zwischen Digitalisierung und Führung im Endeffekt als Generalisten die richtige Klammer herstellen.

Das war die 27. Folge unseres Podcasts Wege der Digitalisierung. Heute mit Herrn Hunk, der aus seiner 50-jährigen Erfahrung in der Führung der Deutschen Bank berichtet hat. Herr Hump, ganz vielen Dank für Ihre Zeit und für das ganze Wissen, das Sie uns heute weitergegeben haben. Ich bedanke mich fürs Zuhören. Diese Folge gibt es wie immer auf wegederdigitalisierung.de. Das hier ist die 27. Folge. Wenn ihr Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt uns gerne einen Kommentar in den Blog oder schreibt uns bei Facebook oder Twitter. Und teilt natürlich diese Folge gerne in euren Netzwerken. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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