E01427.12.201750 Min
Wie verändert die breite Verfügbarkeit von Technologie unser aller Leben?
Im Gespräch: Frederik Kramer (initOS)

Worum es geht
Frederik Kramer von initOS spricht über die Veränderung der Lebenswelt durch breite Technologieverfügbarkeit.
Frederik Kramer ist Geschäftsführer von initOS, einem IT-Dienstleister mit Schwerpunkt auf Open-Source-Lösungen für mittelständische Unternehmen. Er hat in Magdeburg Wirtschaftsinformatik studiert und promoviert. initOS berät Kunden in IT-Strategie, Geschäftsprozessdigitalisierung und Technologieauswahl.
Das Gespräch dreht sich um die exponentielle Entwicklung von Technologie, insbesondere durch Open Source und IoT. Kramer betont, dass Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Technologie die Lebenswelt verändern. Er sieht Potenzial in Predictive Maintenance, Datenanalyse und neuen Geschäftsmodellen, die auf IoT- und KI-Technologien basieren.
Kramer sieht Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Unternehmen: Stadtnahe Betriebe sind technologieaffiner und digitaler. Er warnt vor dem Risiko, dass digitale Veränderungen auch traditionelle Mittelständler überrollt, wenn sie nicht auf die Veränderungen reagieren. Bildung, Sprachen und technisches Verständnis werden künftig entscheidend sein.
Die wichtigsten Themen für initOS sind die Nutzung von Daten zur Entscheidungsunterstützung und die Beratung im Kontext von Digitalisierung. Kramer empfiehlt Bücher von McAfee, Brynjolfsson und O’Reilly sowie Plattformen wie GitHub und das Hasso-Plattner-Institut als Quellen.
Ursprüngliche Shownotes 27.12.2017
Was muss ich heute in meiner IT Strategie berücksichtigen, um die Digitalisierung richtig umzusetzen? Kann mir Open Source Software dabei helfen? Wie weit wird das Internet der Dinge (IoT) dabei in Zukunft eine Rolle spielen? Die Antworten dazu gibt uns heute Frederik Kramer, Mitgründer und Geschäftsführer von initOS.
initOS berät seine Kunden zu den Themen IT-Strategie, Einsatz von Open Source Software und der Digitalisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen. Heute spreche ich mit Frederik Kramer darüber, welchen Fragen und Hürden er bei seinen Kunden immer wieder begegnet.
Frederik ist promovierter Wirtschaftsinformatiker und befasst sich schon sehr lange mit den Themen und Fragen rund um die Digitalisierung. Auch heute ist er noch in der akademischen Welt aktiv und veröffentlicht wissenschaftliche Artikel. Gleichzeitig ist er als Geschäftsführer mitten im Geschehen bei der Umsetzung der Digitalisierung bei seinen Kunden. Durch diese Kombination teilt er ein paar wirklich spannende Einblicke dazu.
Wer sich mit der Automatisierung seiner Geschäftsprozesse befasst oder das in Zukunft tun wird, kann aus diesem Interview viel mitnehmen.
Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview
- Frederik Kramer
- initOS
- Torsten Franke
- Andrew McAfee | Twitter
- Eric Brynjolfsson | Twitter
- Tim O’Reilly | Twitter
- Hasso Plattner Institut
- Github
Buchtipps
- The Second Machine Age: Work, Progress, and Prosperity in a Time of Brilliant Technologies
Erik Brynjolfsson, Andrew McAfee - Machine, Platform, Crowd: Harnessing Our Digital Future
Andrew McAfee, Erik Brynjolfsson - WTF?: What’s the Future and Why It’s Up to Us
Tim O’Reilly
Transkript
6.977 Wörter
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Hallo und herzlich willkommen zur 14. Episode von Wege der Digitalisierung. Heute spreche ich mit Frederik Kramer. Frederik ist Geschäftsführer von Init.OS. Ich lerne ihn heute gerade persönlich kennen. Sein Geschäftsführer-Kollege hat allerdings früher mit Ricke zusammengearbeitet. Daher ist der Kontakt zustande gekommen. InetUS ist IT-Dienstleister und ist damit auch maßgeblich Umsetzer der Digitalisierung. Viele Kunden von Frederik sind aus dem Mittelstand und Digitalisierung und Mittelstand sind ja auch so ein Thema, das zumindest in den Medien immer dargestellt wird, als wäre das ganz furchtbar schwierig. Von daher bin ich sehr gespannt, was Frederik aus der IT-Dienstleister-Sicht auf Digitalisierung uns heute alles Spannendes erzählen kann.
Vielen Dank, Frederik, für deine Zeit. Herzlich willkommen und viel Spaß beim Zuhören. Ja, herzlich willkommen zur nächsten Folge von Wege der Digitalisierung. Vor mir sitzt Frederik von Init.OS, Geschäftsführer, und wird uns jetzt erzählen, was er für die Digitalisierung tut und wer er ist und wie wir uns so hierher gefunden haben. Herzlich willkommen, vielen Dank für deine Zeit.
Ja, gerne. Erstmal herzlichen Dank für die Einladung. Also wie gesagt, mein Name ist Frederik, ich bin Mitgeschäftsführer von Init.OS und ich bin eigentlich auch Kind der Stadt Hamburg. Ich bin also von hier irgendwann zum Studium Richtung Magdeburg aufgebrochen und dort sozusagen geblieben. Ich habe sehr lange an der Otto-von-Gericke-Universität studiert und auch dort promoviert im Bereich Wirtschaftsinformatik. Und bereits 1998 als Schüler noch hier in Hamburg mein erstes Unternehmen gegründet. Und das dann mitgenommen, so Klassiker, man nimmt das mit zum Studium und macht das nebenbei so ein bisschen. Und nach dem Ende des Studiums, also nach dem Ende des Wirtschaftsinformatikstudiums, noch während der Promotion, haben wir dann die ersten Festangestellten eingestellt.
Das war so im Jahr 2011 herum und machen seitdem ERP-Systeme für mittelständische Unternehmen. Also haben relativ viel mit Geschäftsprozessen und Geschäftsprozess-Digitalisierung für mittelständische Kunden zu tun.
Also wirklich ein ganz klassischer Bereich, was viele Leute unter Digitalisierung sich so vorstellen würden.
Ja, ja, würde ich sagen. Ja, klar machen wir den klassischen Bereich, also Automation im Geschäftsprozessbereich, aber die Technologie hat sich natürlich in den Jahren sehr gewandelt. Und ich hatte das große Glück, in Magdeburg am dortigen MRCC, Magdeburg Research and Competence Cluster, zu studieren. Und dort ist auch das größte Hochschulkompetenzzentrum SAP angegliedert. Und deswegen habe ich so ein bisschen, wir arbeiten nur mit Open Source bei Init.OS, deswegen auch Init.OS. Das OS steht also für Open Source. Aber ich habe halt während des Studiums und auch während der Promotion die dunkle Seite der Macht sozusagen kennengelernt oder positiv dargestellt, das gesamte Geschäft, das sich um die Digitalisierung der klassischen Geschäftsprozesswelt herum entwickelt hat, also neue Technologien, neue Datenbanken und so weiter und das halt auch in die Open Source Welt weiterentwickelt.
Okay, das heißt, wie kann ich mir das vorstellen? Also wer klopft so bei euch an die Tür und wie sieht denn so ein Projekt aus? Was macht ihr?
Ja, also wir verstehen uns selber als ganzheitliches Beratungsunternehmen. Das heißt, wir fangen an, die Unternehmen bei der IT-Strategie in Relation zu ihren Geschäftsmodellen und ihrer Geschäftsstrategie zu beraten. Und dann ist unsere Value Proposition sozusagen, Open-Source-Technologien auszuwählen, die wir zum einen natürlich gut kennen und beurteilen können. Also diese ganze Frage der Technologiekostenakquisition, Akquisitionskosten für Technologie zu bewerten. Wie reif ist eine Open-Source-Software? Mit welchem Lizenzmodell kommt eine Open-Source-Software? Und dann sozusagen eine IT-Strategie für den Mittelständler zu entwickeln, die auf Basis dieser Komponenten eine vernünftige Umsetzung der Geschäftsmodelle in IT ermöglicht.
Aber eben nicht nur das, also nicht nur dieser Top-Down-Blick, der Mittelständler kommt mit einer Idee und hat ein bestimmtes Automatisierungs- oder Effizienzsteigerungspotenzial, sondern es entsteht sozusagen in der Relation Kunde, Entrepreneur mit uns ein gegenseitiger Pingback. und wir beraten den Kunden tatsächlich auch in Fragen der Technologienutzung für Geschäftsprozess-Enablement, also welche möglichen zukünftigen Geschäftsmodelle können wir machen. Und in der Natur der Sache liegt es dann, dass wir sehr viel mit Venture-Kapital getriebenen E-Commerce-Unternehmen zusammenarbeiten, die Online-Handel machen, hier so per se für den durchschnittlichen Mittelständler schon mal eine höhere Technologie-Affinität haben Und auch einen höheren Technologie-Einsatz.
Okay. Ja, dann würde mich jetzt vor dem Hintergrund interessieren, wie würdest du Digitalisierung definieren? Was ist das in deinen Augen?
Also als Wirtschaftsinformatiker sollte man immer sehr differenziert mit so Wordings umgehen, weil gerade die Wirtschaftsinformatik in Deutschland hat sich nicht unbedingt dadurch hervorgetan, nicht bei jeder Gelegenheit mit einem neuen Buzzword um die Ecke zu kommen und das wie die Sau durchs Dorf zu treiben, wenn ich das so salopp formulieren darf. Und die Digitalisierung ist für mich nichts inhärent Neues. Das ist etwas, was wir seit, ich würde sagen, eigentlich seit der Zeit, wo ich angefangen habe, mit Computern zu arbeiten, also seit 1998, konnte ich erleben. Der Punkt ist nur, dass diese Entwicklung auf der Digitalisierung eher so eine exponentielle Kurve ist. Während das die letzten 15, 20 Jahre relativ verhalten Fortschritte gemacht hat, sichtbar durchaus, Smartphone war vor fünf Jahren in der Form, wie das heute ist, noch nicht denkbar, ist das jetzt an einem Standpunkt, wo quasi alle klassischen Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse von Grund herauf neu durchdacht werden und durch Technologie durchdrungen werden und sich auf diesen Geschäftsmodellen ganze Wertschöpfungsnetze verändern.
Und zwar so substanziell, dass sie von heute auf morgen wirklich große etablierte Firmen an den Rand der Existenz bringen und kleine Unternehmen innerhalb kürzester Zeit zu großen Playern machen. Also Digitalisierung ist für mich vor allen Dingen die Nutzung von Technologie, die Verfügbarkeit von Technologie. Open Source spielt eine sehr, sehr große Rolle für die breite Masse und damit auch ein breiter Uptake, würde man das im Englischen nennen, der Technologie in breiteste Prozesse und damit auch sichtbar für den Bürger. Eine Veränderung der Lebenswelt.
Ja. Okay. Spannend, finde ich, kann ich total nachvollziehen. Gerade dieses Exponentielle ist ja was, was wir als Menschen nicht verstehen. Ich glaube, auf dem Hamburger Work Summit hat das nochmal jemand gezeigt, im September, wo wir überall linearisieren in unserem Alltag und in unserem Denken und dass das zutiefst menschlich ist und dass unser Leben eigentlich seit Jahrzehntausenden irgendwo linear vor sich hinschreitet. Und dieses Exponentielle geht nicht in unserem Kopf. Aber das ist genau das, was gerade passiert.
Da gibt es ein tolles Buch von einem der bekanntesten Wissenschaftler der Welt im Bereich Digitalisierung. Der heißt Eric Brandyofsen. Das ist ein Amerikaner, der am MIT forscht und lehrt. Oder es gibt mehrere Bücher von dem. Und Andrew McAfee, das behandelt genau diese Materie, also die exponentiellen Kurven, Entwicklungskurven. Er zeichnet also so ein Bild durch die inhärente Exponentialität der Technologiebranche. Und das ist wiederum auch nichts, was jetzt seit gestern gestartet ist, auch wenn man nur einmal das Moorsche Gesetz nimmt, also die Anzahl der Transistoren auf einer Halbleiterplatine. Dieses Gesetz ist seit seiner Erfindung in den 50er, 60er Jahren, glaube ich, ist es mehr oder weniger gültig.
Mit einer 18-Monat-Periode verdoppelt sich die Anzahl der Transistoren auf einer CPU. Und das ist natürlich auch exponentiell. Die Wirkung davon haben wir ja auch mitbekommen. Die war aber nicht so dramatisch wie die weiter oben angesiedelte exponentielle Änderung der Lebenswelt. Weil da ging es nur um Computer und die Rechenpower. Rechenpower ist mittlerweile nicht mehr das größte Problem, sondern die Anwendung, Die schiere Verfügbarkeit von Technologie, das Grenzkostentauschen von Informationen, das ist etwas, was unsere Lebenswelt substanziell ändert.
Ja, speziell an dem Murschen Gesetz finde ich es witzig. Das habe ich auch lange nicht gewusst. Also es wird immer als das Gesetz dargestellt, aber das war mal eine Strategieentscheidung. Also die haben gesagt, damit wir irgendwo als Intel gegenüber den Japanern noch Bestand haben werden, in Zukunft müssen wir alle 18 Monate das Ding verdoppeln. Und das war einfach ein Ziel, ein Überlebensziel. Also heute rückblickend wird das so dargestellt als, ist halt so.
Okay, das wusste ich noch nicht, das habe ich noch nie gelesen, aber okay, das klingt plausibel. Also die Geschichte, dass Intel gegenüber der japanischen Halbleiterindustrie in schwere Bedrängnis gekommen ist zu einer gewissen Zeit, das ist tatsächlich auch in dem Buch von Brindlson aufgearbeitet, aber die Geschichte, dass es sich da mehr um eine Strategie als um ein Gesetz handelt, das habe ich noch nicht gehört, das ist aber durchaus eingängig.
Okay, ich habe eine Frage zum Richtung IoT, finde ich. Also weil du gerade sagtest, dieses Thema Verfügbarkeit von Technologie. Jetzt ist IoT, glaube ich, nicht euer Kernbereich, aber mich würde total interessieren, ob du da irgendwo Entwicklungen siehst. Weil also IoT ist ja auch so ein Buzzword, genau wie Digitalisierung. Ja. Die Verfügbarkeit von IoT-Technologie sehe ich, ist genauso exponentiell, ist aber da, wo wir mit Rechenleistung vielleicht in den 90ern waren. Da würde mich interessieren, wie siehst du das für deine Kunden, für so die Branchen, in denen ihr unterwegs seid? Was wird sich dadurch vielleicht demnächst verändern?
Also für unsere Kunden ist das schon sehr relevant sogar. Nun muss man sagen, dass die Mittelständler nicht unbedingt dadurch gekennzeichnet sind, selbst die, die produzieren, dass sie ihre Produktions- und Logistikketten schon so durchoptimiert hätten, dass sie bei den Maschinen und den Kernelementen der Technologie ihres klassischen Produktionsprozesses unbedingt schon angekommen sind. Da läuft die Entwicklung eher andersrum. Ich habe da jetzt einen konkreten unserer Kunden im Blick, Der ist Produzent für Rohfütterung von Tieren und der hat einen relativ komplexen Maschinenpark im Einsatz. Ist vorne rum als Online-Händler, tritt er auf und komplett digitalisiert, aber im Produktionsprozess noch nicht.
Nur dort ist noch eine ganze Menge Potenzial. Also zum einen für Maschinenbelegung, Taktzeitenbewertung, Maschinenstandzeiten, Predictive Maintenance, all das wird für den in wenigen Jahren, würde ich meinen, eine Rolle spielen, weil die Produktion wächst mit dem Online-Handle und sie wächst viel schneller, als sie vielleicht bei dem klassischen Automobilhersteller des 19. Jahrhunderts gewachsen ist, verhältnismäßig zumindest. Und dort spielt natürlich IoT eine Rolle. Aber das geht noch viel weit darüber hinaus, wenn man sich vorstellt, Modelle wie Car2Go beispielsweise, die elementar davon abhängen, dass eine Komponente sozusagen des Geschäftsmodells ein digital kommunizierendes Element ist.
Das Fahrzeug, das dann wiederum in Verbindung mit anderen Endgeräten, mit dem mobilen Computer geöffnet, geschlossen werden kann, gebucht werden kann, das wird auch die ganze Automobilindustrie, Mobilitätsindustrie erheblich ändern und da haben wir natürlich an vielen Stellen auch mit unseren mittelständischen Kunden und deren Logistik hätten viel, viel zu tun. Aber es gibt kein generisches Pattern, wo ich jetzt sagen würde, da spielt IoT für unsere Kunden eine Rolle, sondern es ist auch ein Technologie-Asset sozusagen, den wir in bestimmten Konstellationen dann berücksichtigen und versuchen optimal zum Einsatz zu bringen.
Okay, aber also Industrie 4.0 kann man ja schon als Stichwort so ein bisschen rauszuhören. Also Maschinen smarter machen ist schon im Prinzip das, was man auch so aus der Presse kennt.
Genau, aber es geht halt nicht nur um, also das Interesse, das ich daran habe, ist nicht nur die Maschinen smarter zu machen, sondern auch, also was sicherlich auch ein Zukunftsmarkt sein wird, ist aus den Daten, die man potenziell erheben kann, die viele Maschinen heute auch schon erheben, intelligente Entscheidungen zu treffen. Also die Daten aufzureinigen, die Daten in Machine Learning Algorithmen einzuspeisen und Entscheidungsmuster sozusagen aus den Maschinen-Daten abzulesen. Also sozusagen die Spreu vom Weizen zu trennen, die berüchtigte Nadel im Heuhaufen zu finden und das Ganze in ein Modell zu überführen, das für den Kunden eine sehr werthaltige Unique Selling Proposition für das Unternehmen gibt.
Und das ist die Herausforderung auch und im Bereich IoT. Denkst du dann in Richtung Predictive Maintenance? Zum Beispiel in Richtung Predictive Maintenance, aber mit Sicherheit lassen sich da auch Geschäftsmodelle denken, die noch weiter in Richtung Kundeninteraktionsmodell gehen, also wo sozusagen der Kunde durch sein Feedback irgendwie die Funktion von Maschinen wieder beeinflussen kann, das Verhalten von Maschinen. Also wenn ich mir überlege, es gibt ja vor allen Dingen in Japan und auch im Silicon Valley sehr viele Unternehmen, die jetzt verstärkt in den Robotics-Markt einziehen. Gerade im Silicon Valley ist es durchaus sichtbar, dass Unternehmen wie Google, die gerade ein Robotics-Unternehmen gekauft haben oder auch Facebook, dass die digitale Helferlein entwickeln wollen.
Das sind ja letztlich auch Maschinen, die die Herausforderung ist, die menschlicher zu machen, die irgendwie empathisch zu machen. Ich bin mir nicht sicher, ob das wünschenswert ist aus Sicht der Gesellschaft, dass irgendwann eine Maschine so empathisch ist oder Empathie zeigen kann wie ein Mensch. Das ist noch eine der Kernherausforderungen, aber sicherlich geht die Reise dahin, Maschinen auch als beispielsweise Helfer in der medizinischen Hilfeversorgung einzusetzen.
In den Bereichen, wo man absoluten Fachkräftemangel hat, also im Zweifel lieber einen Roboter als gar keinen.
Genau, aber der Roboter muss natürlich dann trotzdem irgendwie empathisch sein. Es gibt natürlich auch schon Untersuchungen dahin, wo wirklich Erfolge erzielt worden sind, dass Maschinen also wahrgenommen werden als valide Gesprächspartner. Also bei den Chatbots gibt es dann erste Erfolge, die, wenn sie gut gemacht sind, dann wirklich, wo Menschen wirklich auch ernste Gedanken austauschen mit einer Maschine und auch eine ordentliche Antwort bekommen. Aber da stecken wir, glaube ich, noch relativ am Anfang. Da wird sich noch viel entwickeln.
Ja, aber gespannt bin ich auch. Ich habe über den Roboter-Robotik-Markt gerade gelernt. Irgendwo im arabischen Raum ist ja Kamelrennen so die Lieblingssportart erreichen. Oder Falken fliegen lassen. Genau, aber speziell für das Kamelrennen ist das so, da kommt es ja auf jedes Gramm des Jockeys an. Das hat lange Zeit, hat man da Kinder draufgesetzt. Weil die Verletzungsgefahr aber sehr hoch ist, gab es da dann immer mal Verletzte und Tote. Und das wird jetzt mit Robotern gemacht. Die haben da kleine Roboter auf den Kamelen sitzen und die reichen Scheichs fahren dann in ihrem klimatisierten SUV außenrum. Okay. Und die haben die Roboter, die setzen denen eine Sonnenbrille und einen Käppi auf und dann denkt das Kamel, prima, ist der Junge von gestern.
Okay. Gut.
Ist ein bisschen stranger Anwendungsfall von Digitalisierung, aber okay, wenn die Ölscheichs ihren Spaß daran haben, dann kann man das schon machen.
Ja, genau. Aber letztendlich das Tesla, wie hieß das, erste Modell, der Supersportwagen da. Das Model S, oder? Nee, der Roadster. Ach so,
ja, ja, ich weiß. Mir fällt der Name bloß gerade auch nicht ein. Ich glaube, der hieß
Roadster, ne? Tesla Roadster? Ich glaube ja,
genau. Der so ein bisschen aussah wie der Lotus, weil er auch
Teile davon vom Chassis des Lotus hatte. Genau, aber das war auch was für reiche Leute, die eigentlich, also das war vielleicht das vierte oder fünfte Auto, aber das hat sich niemand als Alltags-Erstauto gekauft und langsam kommen sie Richtung Massenmarkt. Ja, stimmt. Braucht man für solche völlig innovativen Technologien einfach die Einsatzgebiete, wo es nicht so drauf ankommt? Wo man die Leute mit Geld hat?
Ja, absolut. Also ich persönlich bin ein großer Fan von Elon Musk. Ich finde, was er tut, natürlich ist vielmehr am Marketing dabei, obwohl er gar kein Amerikaner ist, sondern Südafrikaner. Aber die Art und Weise, wie er das macht, ist schon mein Shifting. Und naja, ich glaube, der wirkliche Aha-Effekt ist, wenn man mal die Gelegenheit hatte, selbst in so einem Model S zu fahren. Ich hatte das Vergnügen mal und das ist schon. Also wenn man vorher viel über E-Autos gelästert hat und über ihre Inconvenience, da muss man nur einmal drin gesessen sein, dann weiß man, was Platz, Sportlichkeit und Digitalisierung in einem für Deutsche so liebgewordenen Baby wie dem Automobil alles bedeuten kann. Also das ist schon beeindruckend.
Schon beeindruckend. Ja, auf jeden Fall.
Also Tesla S durfte ich auch mal mitfahren, ist ein Highlight. Ich habe das alleine hier unsere Nachbarn hier in unserem Büro. Die fahren so ein Volvo Twin Engine. Das ist schon immer, wenn ich morgens hier einpark und die losfahren, auch nach Monaten ist es immer noch irritierend, steigen ins Auto ein, das Auto fährt los und du hörst nichts. Also das ist schon irre. Der Volvo schafft irgendwie 70, 80 Kilometer rein elektrisch, das ist auch schon okay.
Ja, klar, für den Nahverkehr, und vor allen Dingen ist es meines Erachtens auch alternativlos. Wenn man sich heute die Städte anguckt, ich war vor einer Woche oder so in München, auf einer vielbefahrenen Straße, Landsberger Straße, das ist eine Katastrophe. Sowohl die Luftqualität ist eine Katastrophe, als auch man kommt mit einem Auto da gar nicht mehr wirklich voran. Jeder fährt heute ein Auto und sie sind meistens nur mit einer Person besitzt. Wir brauchen also neue Mobilitätskonzepte und wir brauchen nachhaltige Mobilitätskonzepte. Und ich glaube, da wird Digitalisierung auch einiges dafür tun, dass das so die Richtung gehen wird.
Ja, das glaube ich auch. Also ich sehe zwar auch genau die Probleme beim autonomen Fahren, die noch zu lösen sind mit der ganzen ethischen Frage, für wen bremse ich und so weiter. Also da ist vieles noch nicht gelöst. Aber allein der Gedanke, dass ich als Familie ein Auto habe und ich fahre ins Büro und danach fährt das Auto zurück nach Hause, das ist schon super. Also alleine, was wir da an Parkraum einsparen, was das für Lebensraum wieder freigibt, der einfach nur mit Blechlawinen zugestellt ist.
Ich glaube, man muss das sogar noch weiterdenken. Ich glaube gar nicht mehr, dass man sich irgendwann noch ein eigenes Auto leistet, sondern dass das Auto, sozusagen das Ambiente des Autos und die Sitze auf die individuellen Bedürfnisse des Fahrers eingestellt werden, wenn es bei ihm vor der Tür steht. Sogar der Lack wird sich digital anpassen, das Setting, alles auf den hypothetischen, wenn er selber fahren will, Selbstfahrer, wobei das wird wahrscheinlich in 20 Jahren spätestens mit so hohen Versicherungsprämien belegt, dass sich jeder überlegt, ob er das Auto selbst lenkt oder es lenken lässt. Aber ich glaube, dass dieses Auto, das Besitzen eines Autos genauso langfristig ein Auslaufmodell ist, wie das Besitzen von Serverschränken in mittelständischen Unternehmen.
Also das wird nicht mehr so lange dauern. Also man sieht ja heute schon den Trend, junger Leute sich gar kein Auto mehr zu kaufen, wenn sie es nicht für die Familie oder so etwas brauchen. Also ich zum Beispiel hatte als junger Mann mit 18 ein Auto und mein letztes Auto habe ich mit 21 verkauft und seitdem habe ich keins mehr. Also nie wieder eins gehabt und ich bin passionierter Bahnfahrer, also das ist für mich überhaupt keine Überlegung. Weil das Fortbewegen mit dem Auto ist für mich nur noch anstrengend. Das ist kein Vergnügen mehr und das ist auch kaum noch ein Vorteil.
Ja, ein bisschen kommt es auf die Umgebung an. Also wenn ich irgendwo in die Innenstadt fahre, nehme ich lieber die Bahn. So momentan hier im Randgebiet von so einer Großstadt ist es immer noch praktisch, weil der Kindergarten keine ordentliche Busanbindung hat und so weiter.
Ja, klar.
Aber auch das ist temporär. Irgendwann fahren Kinder Fahrrad und dann ist das auch wieder gut.
Klar, wenn man eine Familie hat und Einkäufe für eine Familie macht, dann ist das alles eine andere Geschichte. Das ist schon klar. Dann hat man ja auch einen besseren Ansatz.
Ja, ich habe in die Richtung gleich eine Frage. Also dieses Thema Auto besitzen, nicht besitzen. es gibt ja diesen Trend, dass wir alle in die Städte ziehen und dass unsere ländlichen Gebiete irgendwo aussterben was Menschen angeht andersrum ich kann es mir gut vorstellen in Hamburg wir haben auch in Hamburg lange ohne Auto ohne eigenes Auto gelebt bevor wir Kinder hatten in der Stadt kann ich mir das super vorstellen ich habe hier Carsharing und Car2Go endet zwar zwei Kilometer vor meinem Wohnort aber das ist alles machbar. Aber wenn ich jetzt irgendwo aufs Dorf gucke, wo ich herkomme, funktioniert das nicht. Da brauche ich ein eigenes Auto und wenn ich da als Familie mit zwei Kindern wohne, brauche ich auch zwei Autos, weil es sonst einfach nicht darstellbar ist.
Und ich zweifle noch dran, dass sich dieses Carsharing in absehbarer Zeit auch in die kleinen Dörfer ausbreiten wird. Ich glaube, das bleibt in den Ballungsgebieten erstmal. Aber siehst du da Digitalisierung, Versteterung und dann deine mittelständischen Kunden? Also sind die Kunden, die in der Stadt sind, irgendwo digitaler, fortschrittlicher und so weiter? Also wenn da irgendwer seine Futtermaschinenfabrikpark irgendwo im Dorf außen vor hat, siehst du da einen Unterschied?
Also ja, würde ich jetzt schon sagen, ich würde nicht als Wissenschaftler oder so Semi-Wissenschaftler, ich bin ja fast vollständig Praktiker, aber mache immer noch Wissenschaft nebenbei, muss man da natürlich normalerweise mit Zahlen und Fakten sprechen. Aber aus meiner Wahrnehmung ist es so, dass man durchaus sagen kann, dass die Unternehmen, die stadtnäher sind, schon alleine jetzt im Kontext der Digitalisierung, dadurch technologieaffiner sind häufig, weil sie einen höheren Durchsatz auch an jungen, frischen Ideen und Geistern haben. Also die jungen Leute von heute, die wollen eher erstmal in Richtung Stadt und der Mittelständler innerhalb der Stadt oder im Randgebiet der Stadt hat auch in diesen Zeiten einen besseren Zugang zu jungen Fachkräften, auch IT-Fachkräften.
Und dadurch stellt man schon fest, dass es ein höherer Grad an Digitalisierung, wenn man so will, und auch Bereitschaften, sich mit den Thematiken auseinanderzusetzen, dort gibt. Dann ist es wieder regional abhängig, also die Herangehensweise in Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München ist eine andere als in Städten wie Magdeburg zum Beispiel, wo wir unseren Entwicklungssitz haben. Und das hat auch was mit der Industriestruktur in den Städten und in der städtlichen Richtung zu tun. Also Städte, die kapital- oder dienstleistungsgetrieben sind oder einen großen Hafen international sind wie Hamburg. Berlin ist auch so ein gutes Beispiel. Da gibt es kaum Industrie, das ist sehr dienstleistungsorientiert.
Das ist nach der Wende einfacher gewesen, dort Dinge zu verändern. Also da gibt es schon signifikante Unterschiede und dann brauchen wir über internationalen Blickwinkel gar nicht reden. Also Deutschland ist in vielen Bereichen der Digitalisierung mittlerweile in ein absolut dramatisches Hintertreffen geraten und das gilt es jetzt erstmal in den nächsten wenigen Jahren sozusagen wieder aufzuholen, was da an Problemen entstanden ist. Aber ja, um die Frage zu beantworten, es gibt einen Unterschied und ich würde sagen, je weiter man in die Stadt reinkommt, desto moderner, technologiefreudiger und schneller sind die Leute, auch in Richtung Digitalisierung.
Gibt es da irgendwas, was du dir wünschst von den Kunden? Also wenn ihr Kunden habt, die jetzt nicht sehr stadtnah sind, was dir die Arbeit leichter machen würde? Oder andersrum gibt es was, was du denen empfiehlst, damit die einfach irgendwo nicht völlig untergehen?
Ja, naja, also ich meine, meine Mission ist es ja als Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen auch sozusagen missionarisch vorzugehen und die Digitalisierung nicht als Buzzword sozusagen diesen weniger technologieaffinen Mittelständlern beizubringen, sondern die Chancen darin zu erkennen. Aber ich habe gelernt in meiner wissenschaftlichen und auch praktischen Karriere, dass man gerade den eher heimzärmlichen Unternehmern auf einfache Art und Weise erklären muss, was Digitalisierung denn für sie bedeutet. Und für mich hat sich da im Grunde genommen die Methode verstärkt oder verschärft, das in diesen drei Sphären des Digitalisierungsmodells zu tun. Also zum einen das Leistungserstellungsmodell, dann das Leistungsangebotsmodell und das Kundeninteraktionsmodell als drei Säulen der Digitalisierung zu verstehen.
Und dann ist es natürlich Leistungserstellung, Digitalisierung, Effizienzsteigerung, Leistungsangebot. Das ist schon ein bisschen komplizierter, weil da kann man dann Dienstleistungen, Hardware, Software, die Produktion und so weiter miteinander verbinden. Und das Kundeninteraktionsmodell ist letztendlich die Königsdisziplin, also den Kunden in einer Art und Weise Pursumer einzubinden. Aber ich glaube, dass der Mittelstand relativ langsam in die Richtung geht, wenn wir jetzt von den Venture-Kapital getriebenen Unternehmen absehen, sondern von klassischen Mittelständlern. Wird das noch ein bisschen dauern.
Ja, gut für uns, weil wir davon leben.
Genau, ja. Also ich meine, das ist auch, glaube ich, für die Gesellschaft nicht schlecht. Wo ich so ein bisschen Sorge habe, ist, dass die Zyklen heute so schnell sind. Ich meine, wir werden auch nicht jünger. Wir werden auch irgendwann in das Alter kommen, wo wir nicht mehr so dynamisch sind und nicht mehr so offen für radikalen Wandel. Und das Problem ist, der radikale Wandel wird vor uns keinen Halt machen. Und das wird sicherlich noch die eine oder andere auch gesellschaftliche Debatte erfordern. Du hast vorher das angesprochen mit der Entscheidungsgewalt der Maschinen. Das ist eine Sache, die kommen wird, aber es gibt noch viele andere Sachen. Irgendwann wird keine Airline der Welt mehr sich von Piloten abhängig machen wollen.
Und es wird früher oder später der Erste kommen, der das Flugzeug vom Computer fliegen lässt. Technisch möglich ist das heute schon.
Das passiert ja zu 90 Prozent Start und Landung und der Rest ist Autopilot.
Ja gut, aber genau zu 90 Prozent und die letzten 10 Prozent sind halt die weiche Landung und der weiche Start und das Wohlfühlgefühl, die empathische Begrüßung des Kapitäns vorne und das Danksagen für die Airline, die man heute benutzt, aber das wird in Zukunft vom Computer eingespielt, wahrscheinlich von der Bodenstation. Und naja, man ist auch kein Prophet, wenn man dann auch die Gefahren sieht der Digitalisierung an der Stelle. Alles, was steuerbar ist, kann auch gesteuert werden und nicht nur von den Guten, sondern theoretisch auch oder manchmal sehr praktisch auch von den Bösen. Also werden wir ganz andere Diskussionen noch führen werden. Und es wird von jedem Bürger dieser Erde sozusagen früher oder später ein höherer Grad an Technologieverständnis gefordert.
Deswegen glaube ich auch, dass Bildung und Ausbildung und digitale Bildung heute im frühesten Kindheitsalter stattfinden muss. Daran kommen wir gar nicht mehr vorbei.
Nee, das stimmt. Wahrscheinlich kommen wir eh nicht dran vorbei, weil ich keinen Dreijährigen kenne, der kein Smartphone bedienen kann.
Wobei das Smartphone sogar intuitiver bedient. Was man allerdings dann auch feststellen kann, ist, dass wenn man zum Beispiel einen älteren Fernseher zu Hause hat, dass die Kinder, die Dreijährigen dann auch an dem Fernseher versuchen zu wischen, wenn der das noch nicht kann, dann stehen sie erstmal verdutzt davor und denken, hä, wieso, das ist eine Funktion, die ich gewohnt bin, warum kann ich auf dem Display nun nicht wischen?
Ja, das stimmt.
Und nur weil man das Smartphone bedienen kann, hat man noch kein Stakeholder-Management gelernt. Der Umgang mit Menschen verändert sich zwar dramatisch durch die Digitalisierung, aber er ist immer noch der Dreh- und Angelpunkt für Erfolg oder Misserfolg.
Ja, das stimmt. In die Richtung würde mich mal interessieren, hast du Gedanken, Ideen? das nächste Buzzword wäre Disruption. Alle reden über Disruption und es gibt ja nur noch Branchen, die schon ziemlich weggeschmettert wurden. Wir als Softwareentwickler sind ja die, die es irgendwie umsetzen. Das heißt, momentan kommen die Leute noch zu uns. Was kann uns da ereilen? Also ich frage das manchmal und ich weiß es noch nicht so genau.
Das ist eine sehr spannende Frage. Ja, die Maschine. Wenn es uns irgendwann gelingt, uns selbst zu ersetzen, wenn wir also Computer entwickeln, die Software entwickeln können, dann ist es um uns geschehen. Also die es erkennen, die sozusagen Kundenwünsche antizipieren. Wenn man also in einem Sprachcomputer wie diesen hier spricht, was man sich vorstellt, der funktionale Experte im Computer versteht, was man will, das in die geeignete Technologieentscheidung umwandelt, die Open Source Tools oder das Stück Software, das es dafür gibt, zusammenkopiert und das bisschen, was es noch aus der Linguistik zu entnehmen geht, als Software entwickelt, dann wird es schwierig. Dann wird zumindest viel weniger Personal-Software-Entwickler-Kapazität gebraucht, die umsetzt.
Also ich meine, das ist auch etwas, was die Top-Ökonomen Brynjolfs und McAfee in ihrem Buch beschreiben. Die Frage ist tatsächlich, wie wird die Arbeitswelt auch unabhängig von der Informationstechnologie in 10, 20 Jahren aussehen. Und was man, glaube ich, mit einigermaßen Sicherheit heute schon sagen kann, ist, dass alles, was einen komplexen kognitiven Prozess voraussetzt und im Moment ist ein komplexes technisches System bauen wie ein Software-System, ist kognitiv so komplex, dass das nur das menschliche Gehirn oder sogar die Vielzahl menschlicher Gehirne gemeinsam schaffen. Wenn das irgendwann möglich ist, dass die Maschine anfängt, nicht mehr Standard zu tun, sondern abseits des Kontextes, den sie gelernt hat, also nicht das klassische künstliche Intelligenz-Vorgehen, sondern etwas darüber hinausgehendes zu schaffen, dann könnte es auch um die Informationstechnologen.
Aber das werden wir nicht mehr erleben.
Da bin ich mir relativ sicher. Wahrscheinlich nicht. Ich weiß es nicht. Ich bin halt nicht sicher. Ich denke auch, eine Code-Generierung passiert ja heute schon irgendwo in Teilen und nutzen wir auch, wenn es irgendwo ins Konzept passt. Aber wenn ich überlege, was ist denn der echte Wert, den ich unseren Kunden schaffe? Ja, am Ende schreiben wir irgendwie auch Code. Aber ich nutze teilweise auch Outsourcing, Earshoring über Freelance, also wenn es kleine Sachen sind, die ich gut beschreiben kann, dann kann ich mit Leuten irgendwo auf der Welt so interagieren, dass ich da auch gute Stundensätze kriege. Trotzdem kann ein Mittelstempler, der selber keine Ahnung von Softwareentwicklung hat, nicht zu Upwork gehen und sich einen iPhone-Entwickler für 20 Dollar die Stunde suchen, weil da der Transfer fehlt.
Das ist meistens das, was wir machen. Und wir implementieren auch selbst viel, aber in Lastspitzen bin ich in der Lage, gut Dinge auszulagern. Aber ich sehe noch nicht, dass sich das automatisieren lässt.
Naja, also die Lebenswelt und die Arbeitswelt wird internationaler. Die Grenzen verschwinden. Der Wettbewerb wird noch globaler, als er jetzt schon ist. Und der Arbeitnehmer von morgen wird nicht mehr ohne internationale Sprachkenntnis überleben können. Also wer heute noch denkt, dass er ohne Englisch zurande kommt, der gehört eines Besseren belehrt. Und wahrscheinlich wird Englisch in Zukunft vielleicht auch nicht mehr reichen, sondern vielleicht ist man auch gut beraten, man kann auch ein bisschen Mandarin dazu. Und Spanisch ist vielleicht auch nicht so schlecht. Also Sprachen sind auf jeden Fall ein Schlüssel zur Kommunikation. Und ich glaube schon, dass auch der klassische Mittelständler, so wie er heute ist, früher oder später in einer oder zwei Generationen von ganz anderem Personal geleitet wird, als das heute der Patriarch.
Also ich habe mich in meiner Dissertation mit Unternehmertypen auch auseinandergesetzt. Und der Patriarch, so wie wir uns den vorstellen, im Mittelstand, der an einer strategischen Spitze sozusagen die Entscheidung erleitet, Das ist eine, glaube ich, aussterbende Generation von Unternehmertüten. Das sind diejenigen, die keine Nachfolger für ihr Familienunternehmen finden, die so daran festhalten, dass sie auch nicht in der Lage sind, einen Change einzuleiten, also einen organisationalen Wandel. Die Unternehmen wird es dann einfach irgendwann nicht mehr geben, aber auch wir, die wir heute Unternehmen gründen, werden irgendwann in das Alter kommen, wo wir an die nächste Generation weitergeben und ich glaube, die nächste Generation wird einfach mehr Technologie lernen müssen.
Mathematik spielt dabei, gut, hätte man mir das als Kind gesagt, hätte ich gesagt, nein, Mathe, naja, gut, ich habe es immer gerne gemacht, aber ich kannte viele, die es nicht so gerne gemacht haben. Mathematik spielt eine Rolle, Sprachen spielen eine Rolle und Kommunikation im Allgemeinen, Umgangsformen. Also alle Tugenden, die man sozusagen gelernt hat als Kind der 70er und 80er, die spielen auch morgen wieder eine Rolle und wahrscheinlich sogar eine größere Rolle, als sie heute spielen. Aber ich sehe da ein dramatisches Problem auf uns zukommen, denn die Zeit ist nicht mehr da, der Raum ist nicht mehr dafür da. Und das wird zu Disruption führen, früher oder später, da bin ich relativ sicher.
Ja, das ist spannend. Das merke ich mir für meine Diskussion, wenn mein Sohn irgendwann in der Schule ist. Also ich war damals gut in Mathe und Physik und so weiter und in Sprachen nicht so. Aber das ist ja alles eine Mindset-Frage. Wenn dir ständig eingeredet wird, naja, du bist halt der, der eher gut in Mathe und nicht so gut in den Sprachen ist, dann verinnerlicht man das und dann gibt man sich ja auch nicht so viel Mühe bei Deutsch und Englisch und mehr in Mathe. Aber wenn ich jetzt sage, du wirst Sprachen können müssen und du wirst Mathe können müssen, finde dich damit ab.
Ja, gut. Ich glaube, das alleine wird noch nicht reichen. Also wenn ich in meine Kindheit zurückblicke, dann, ich war auch eher der Mathe-Typ und der Physik-Typ und der Chemie-Typ. Meine Mutter ist Mathelehrerin, mein Vater ist Doktor der Chemie. Also ich war da einigermaßen vorgeprägt auf Naturwissenschaften und Mathematik. und war auch entsprechend schlecht in zum Beispiel Englisch. Aber heute ist meine Alltagssprache Englisch. Ich reise sehr viel. Ohne Englisch geht es nicht. Und ich blicke zum Beispiel auf unsere Universität in Magdeburg. Relativ argwöhnisch, was die Sprachausbildung angeht, weil die Informatiker, die wir bekommen, sind alle hervorragend ausgebildete Ingenieure. Das einzige Problem, was sie haben, ist, sie sprechen nicht besonders gut Englisch, auch im deutschen Vergleich.
Und das ist etwas, was wirklich ein substanzielles Problem ist. Aber natürlich bin ich kein Advokat dessen, der sagt, bring deinen Kindern bei, was alles Wichtiges zu lernen. Curiosity und der Spieltrieb des Kindes ist das Allerwichtigste. Und das muss zuerst mal gefördert werden. Also dass ein Kind was gerne macht, was du auch gesagt hast, dass es nicht die Grenzen eingezogen bekommt und gesagt bekommt, du musst, sondern dass es auch eine Ehrgeiz entwickelt, die Dinge selber zu wollen, das ist, glaube ich, die Königsdisziplin der Erziehung von jemandem, der keine Ahnung davon hat. Muss ich dazu sagen. Ich bin also bis jetzt nur ein Nutzenieser von Erziehung gewesen, noch kein Akteur, selber Kinder erzogen.
Tja, ich wollte auch nicht sagen, jetzt muss ich ihn pushen, ich wollte nur sagen, dieses Entweder, du kannst halt Sprachen, also wenn du Sprachen kannst, kannst du Mathe nicht, Und wenn du Mathe kannst, kannst du Sprachen nicht. Das ist so dieses, als ob das zwei Welten sind und man kann nur eins. Und wenn man, also das ist Gott gegeben, welches man davon gewonnen hat. Ja. Ich glaube, also heute weiß ich, dass es nicht stimmt. Ja. Ich glaube, das kann man schon versuchen weiterzugeben und zu sagen. Absolut. Wenn du in Englisch noch nicht so gut bist, musst du da auch dran arbeiten.
Absolut. Und das tut man natürlich am besten, indem man sozusagen das trojanische Pferd im sprichwörtlichen Sinne einbaut. und das, was der Junge oder die Tochter gerne macht, ein Technologisch am besten gleich mit einem englischen Manual oder sowas verbindet oder ein Englisches von der nächsten Amerika-Reise ein Toy mitbringt, das eben nur auf Englisch zu programmieren geht, dann lernt man schon Sprachen. Also ich habe in meiner Zeit, ich war eine Zeit lang auf Kuba, ich habe gelernt, was es bedeutet, wenn man sich nicht artikulieren kann, weil man die Sprache des Landes nicht spricht und wie schnell man eine Sprache lernt, wenn man sie lernen muss, das habe ich dort gelernt.
Ja, okay. Ich bin bisher immer mit Englisch durchgekommen, aber ich warte auch noch auf den Moment, wo das nicht hinhaut.
Ja, mit Englisch ist man schon ganz gut beraten, glaube ich. Wenn das funktioniert, dann kann man sich schon ganz gut austauschen.
Ja, ich finde das Gespräch super spannend, aber mir gehen so ein bisschen die vorbereiteten Fragen aus. Von daher würde ich sagen, lass uns mal zu den Abschlussfragen kommen, die ich immer allen Gästen hier stelle. So, erstmal Thema Digitalisierung. Was ist da so das große Thema, das du für dich und dein Unternehmen als nächstes knappen willst?
Das ist eine ganz schwierige Frage. Was will ich für meinen Unternehmen? Also ich glaube für mich und mein Unternehmen die größte Mission ist, den Wert von Datenerfassung und Datenhaltung zum Nutzen der Kunden, meiner Kunden sozusagen zu erschließen, auch im Mittelstand. Das ist etwas, was im Bereich der Digitalisierung für uns in den nächsten Jahren immer wichtiger wird und auch für unsere Kunden ein Alleinstellungsmerkmal unserer Dienstleistung sein wird. Also wir kennen deren Geschäftsprozesse sehr gut, weil wir ERP-Systeme für sie bauen. Wir kennen ihre IT-Strategie und ihre Unternehmensstrategie in der Regel recht gut. Wenn es uns gelingt, mit ihren Daten und unseren Technologien oder den verfügbaren Technologien ihre Entscheidung zu unterstützen und den Erfolg ihres Unternehmens weiter nach vorne zu bringen, dann ist meine Mission erfüllt. Und das ist auch das Ziel des Unternehmens, also unseres Unternehmens.
Das klingt gut. Die hilfreichste Quelle zum Thema Digitalisierung. Du hast dieses eine Buch schon erwähnt, das werde ich auf jeden Fall verlinken. Gibt es andere, die du nennen würdest? Wie hältst du dich so auf dem laufenden?
Also ich bin als, das ist eine gute Frage, ich bin natürlich als, wie gesagt, habe ich ja gesagt, ich habe promoviert und irgendwie der Wissenschaft immer nahegeblieben und publiziere auch jetzt immer noch eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Artikeln und arbeite auch wissenschaftlich. Und da bleibt es nicht aus, dass man sich also mit den Größen der Digitalisierung weltweit irgendwie, deren Material liest, deren Paper liest und deren Bücher liest. Gute Quellen sind meines Erachtens eben angesprochener McAfee und Brynjolfsson. Die sind schon seit 1993 oder zumindest der Brynjolfsson seit 1993 eine Größe in dem Bereich der Digitalisierung. Der hat auch einen Lehrstuhl für Digitalisierung. Dann gibt es jetzt in der Universität in Potsdam einen Lehrstuhl von Professor K. Puschi, der sich mit Digitalisierung auseinandersetzt. Das Hasso-Blattner-Institut, ich hatte vorher die dunkle Seite der Macht genannt.
SAP hat auch viel, oder Hasso-Blattner persönlich, viel Geld investiert in ein Institut und Universitätsstrukturen in Deutschland, die sich mit der Materie auseinandersetzen. Naja, und das Silicon Valley ist natürlich als Quelle für Disruption für neue Geschäftsmodelle, allerdings auch immer für ein gutes Stück Marketing, sehr prominent. Autoren, die ich da auch durchaus empfehlen würde, also Tim O'Reilly ist immer jemand, dem man folgen sollte, wo immer man ihm folgen kann. Ich habe gerade das neueste Buch von ihm mir beschafft. Das ist gerade vor ein paar Tagen veröffentlicht worden. Das weiß ich noch nicht, ob das lesenswert ist. Die paar Zeilen, die ich darin gelesen habe, glaube ich schon, dass das auch wieder mindblowing ist. Immerhin war der Mensch auch einer, der zusammen den Terminus Open Source entwickelt haben.
Ich glaube, GitHub, Plattformen, Code-Plattformen, Technologie-Plattformen sind auch eine sehr gute Quelle, um sich mit Technologiefragen auseinanderzusetzen. Und dann hoffe ich doch, euer Blog Wege der Digitalisierung ist auch mal eine solche Quelle, wo man... Auf jeden Fall. Und natürlich junge dynamische Unternehmen wie eures oder unseres, die sich mit den Fragen auseinandersetzen.
Okay, perfekt. Ich werde uns alle selbst verlinken, mehrfach. Genau, letzte Frage. Wen würdest du hier gerne in einer zukünftigen Episode im Podcast mal hören? Wen soll ich mal so befragen?
Willst du wissen, welche konkrete Person oder welchen Typ von Person ich gerne...
Was du willst. Also wenn es eine konkrete Person ist, also gerne auch jemanden, den ich real vor das Mikro kriegen kann. Ich hatte auch schon utopische Wünsche, aber...
Naja, gut, also wenn ich einen utopischen Wunsch äußern darf, der wahrscheinlich utopisch ist, wäre es Linus Torvalds. Das ist, glaube ich, jemand, der eine so zentrale Rolle in Open Source für die Prägung des Begriffes auch gespielt hat. Dass er durchaus viel zu sagen weiß, der ist selten in Deutschland, glaube ich.
Ja, gut, aber der ist oft, also er war schon auf Konferenzen, auf denen ich auch war, also von daher.
Ja, vielleicht ist es gar nicht so schlecht zu jemandem oder wenn man das noch ein bisschen dogmatischer haben will. Richard Stallman ist sicherlich auch jemand.
Der ist doch jedes Jahr beim Chaos-Kongress, glaube ich.
Ja, der wird auch was zu erzählen haben zur Digitalisierung. Allerdings wird er natürlich auch ein distinktes Meinungsbild haben. Nein, aber wenn es um ein möglichst breites Meinungsbild geht, dann glaube ich, brauchst du auch Leute, die sozusagen die Digitalisierung eher als Risiko für sich und ihr Zukunft und ihr Leben begreifen, als wir das tun. Und dann ist es durchaus sinnvoll, ältere Menschen zu fragen, die IT noch aus der Zeit des Mainframe Computings kennen. Also da gibt es viele, die so in Banken, in der Zentraladministration von Banken oder dem Otto-Versand, ich hatte das heute Morgen in einem Meeting, im Otto-Versand irgendwie der zentralen IT sitzen und dort die Mainframes hosten.
Und das wäre ganz interessant, aus deren Blickwinkel das zu sehen. Oder der ultimative Gesprächspartner wäre wahrscheinlich so ein wirklicher patriarchischer Unternehmer, Familienunternehmer in fünfter Generation hier aus der Region. Vielleicht sprichst du mal Firma Hagel hier im Freiafenn in Hamburg an. Den Juni-Chef kenne ich ganz gut. Vielleicht kann ich den Kontakt herstellen. Der ist zwar jung und dynamisch, Aber wenn du seinen Vater auch oder die beide, dann hast du ein traditionsreiches Hamburger Unternehmen, die im Schüttgut Verladung tätig sind. Die werden sicherlich auch was zur Digitalisierung beitragen können.
Ja, ganz bestimmt. Spannend. Doch, also gerade weil wir jetzt irgendwo auch in der Logistik so ein bisschen uns verstärkt bewegen, ist das auf jeden Fall eine gute Idee. Bin ich gespannt. Also interessiert mich auch, was Sie zu sagen haben.
Ja, cool. Prima. Wenn mir noch irgendwas einfällt, dann werde ich dir gerne weitere Kontakte vermitteln.
Okay, ja super, vielen Dank. Ja, ich werde alles verlinken, was wir so an Quellen, Namen, Unternehmen und so genannt haben unterwegs. Ja, dann vielen Dank für deine Zeit, vielen Dank für dein Wissen.
Sehr gern geschehen, interessantes Gespräch. Euch viel Erfolg.
Ja, danke. Dann vielen Dank fürs Zuhören. Ich würde mich wie immer über eine Bewertung bei iTunes freuen. Das wird uns nach wie vor weiterhelfen. Und bis zum nächsten Mal. Das war die 14. Episode von Wege der Digitalisierung. Vielen Dank, Frederik, für deine Zeit und alles, was wir von dir lernen durften. Ich werde alle Quellen, alle Personen, alles, was wir so angerissen haben, was man irgendwie verlinken kann, in den Shownotes dokumentieren. Das Ganze findet ihr unter www.wegederdigitalisierung.de. Dies hier ist die 14. Episode mit Frederik von InnetOS. Wie immer würde ich mich natürlich über einen Review bei iTunes freuen. Ansonsten sind wir auch auf diversen anderen Kanälen zu erreichen, wenn ihr Feedback habt.
Ich freue mich, dass ihr zugehört habt und bis zum nächsten Mal. Untertitelung des ZDF für funk, 2017