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E10120.07.202225 Min

Open Data & Klimawandel – Was klug aufbereitete Daten für Unternehmens-Entscheidungen bedeuten

Im Gespräch: Philipp von Bieberstein (Climatiq)

Titelbild zu E101: Open Data & Klimawandel – Was klug aufbereitete Daten für Unternehmens-Entscheidungen bedeuten – Philipp von Bieberstein (Climatiq)

Worum es geht

Philipp von Bieberstein von Climatiq spricht über Open-Data-Tools zur CO2-Berechnung im Unternehmensalltag.

Philipp von Bieberstein ist Co-Gründer von Climatiq, einem Berliner Startup. Das Unternehmen baut eine öffentlich zugängliche Datenbank für CO2-Emissionsfaktoren. Die Daten stammen aus öffentlichen Quellen wie Umweltbundesamt oder EPA.

Climatiq stellt APIs bereit, um Emissionsberechnungen automatisiert in Geschäftsprozesse zu integrieren. Beispiele sind die Auswahl zwischen Flug- oder Seetransport bei Kundenbestellungen oder die Optimierung von Cloud-Workloads nach Echtzeit-Strommix.

Die Datenbank ist Open Data. Nutzer können eigene Daten hinzufügen. Climatiq arbeitet mit einer britischen Universität zusammen. Ziel ist eine zentrale, verlässliche Quelle statt 20 bis 30 getrennten Datenquellen.

Die größte Herausforderung ist die Priorisierung: Was wird zuerst gebaut? Zudem ist die Datenqualität und -normalisierung schwierig. Auch die Integration in ERP-Systeme wie SAP erfordert viel Data Cleaning.

Ursprüngliche Shownotes 20.07.2022

Eine unfassbar große Menge von Daten zu fast allen denkbaren Themen steht im Internet jedem frei zur Verfügung. Das gilt auch für klimarelevante Daten. Doch leider sind diese Datenquellen sehr verteilt, teilweise unstrukturiert, uneinheitlich und nicht aufbereitet.

Natürlich gibt es bereits Unternehmen, die sich die Mühe gemacht haben, diese öffentlichen Daten zu sammeln und so abzubilden, dass daraus Empfehlungen für klimafreundliches persönliches oder unternehmerisches Handeln abgeleitet werden könnten. Nur werden diese aufbereiteten Daten häufig hinter einer Paywall versteckt.

Mit Open Data in die Zukunft

Anders ist besser, sagen die Datenexperten von Climatiq. Sie verfolgen einen Open Data-Ansatz. Das heißt, sie haben aus den frei verfügbaren Daten eine bereinigte Datenbank aufgebaut und öffentlich zur Verfügung gestellt.

“Das Schöne an der offenen Datenbank ist, dass auch andere ermutigt werden, etwas beizusteuern.” sagt Philipp von Bieberstein, Co-Founder von Climatiq. “Wir haben mittlerweile die ersten Kunden, die ihre eigenen Daten hinzufügen. Und wir arbeiten mit einer Universität in Großbritannien zusammen, die Daten hinzufügt. Hoffentlich kommen wir dahin, dass wir irgendwann nur eine Datenquelle haben, und nicht zwanzig oder dreißig, was im Moment der Fall ist.”

Tools für klimafreundliche Entscheidungen

Mit Hilfe dieser Daten baut Climatiq Tools, die Unternehmen direkt im Tagesgeschäft klimafreundliche Entscheidungen begünstigen, besonders in Bezug auf CO2-Emissionen. Die ersten Tools dieser Art sind bereits im Einsatz und Philipp von Bieberstein zeigt mögliche Szenarien und bringt verblüffende Beispiele der Anwendung, die sich auch rechnen!

Natürlich erfahren wir auch, für welche Branchen und in welchen Bereichen mit diese Tools besonders gute Ergebnisse erzielt werden. Gut fürs Unternehmen, gut fürs Klima.

Wenn ich als Unternehmen eine Entscheidung treffe, darf es nicht nur auf die Kosten ankommen und den Wert und wieviel Umsatz ich mit einem gewissen Produkt vielleicht erziele, sondern auch, welche Emissionen ich damit verursache.
Philipp von Bieberstein

Streiflichter & Thesen

Wie es in guten Gesprächen häufig vorkommt, streifen Nils Löwe und sein Gesprächspartner auch weitere, spannende Fragen, beispielsweise:

  • Wie groß der CO2-Fußabdruck von Datenverarbeitung wirklich ist und welche Konsequenzen das hat
  • Wie die Klimaaktivitäten von Playern wie Google, Microsoft und Amazon einzuschätzen sind
  • Wie es passiert, dass auch jemand, der nur Ökostrom bezieht, Kohleenergie verbraucht

Lasst euch überraschen und inspirieren.

Wenn du zu einem gewissen Punkt mehr Energie verbrauchst, verbraucht du auch mehr fossile Energie, selbst wenn du einen Ökostrom Vertrag hast.
Philipp von Bieberstein

Der CO2-Ausstoß von Datenzentren ist höher als der von Flügen heute. Das ist noch nicht so ganz angekommen bei den meisten Menschen.
Philipp von Bieberstein

Links aus dem Interview

Unser Interviewpartner & sein Arbeitsfeld

Tipps für mehr Wissen zum Thema

Transkript

3.988 Wörter

Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.

Hallo Welt, liebe Menschen, herzlich willkommen bei unserem Software for Future Podcast. Mein Name ist Friederike Löwe und gleich hörst du auch Nils Löwe. Wir führen als Unternehmerpaar die Lionizers. Diesmal gibt es ein Interview mit Philipp von Biberstein, einer der Gründer von Climatic. Sein Unternehmen stellt eine Schnittstelle zu frei verfügbaren Daten bereit, mit der Emissionsberechnung automatisiert werden kann. Es wird spannend, auch verständlich für Menschen ohne Coding-Hintergrund und es gibt Beispiele für die Anwendung im Business-Alltag. Los geht's!

Herzlich willkommen Philipp von Climatic. Da du dich viel besser vorstellen kannst, als ich das machen kann, sage ich jetzt drei Stichworte. Open Data, Klimawandel, API. Das kannst du jetzt ausfüllen.

Genau, fülle ich mal aus. Also, ja, vielen Dank, Nils. Ich bin Philipp, einer der Gründer von Climatic. Wir sind ein Startup, das sich in der Pandemie gegründet hat, also vor ungefähr anderthalb Jahren. Wir sind hauptsächlich in Berlin, aber weil wir eben in der Pandemie gegründet worden sind, haben wir jetzt Mitarbeiter überall in Europa und das hat sich so als Vorteil herausgestellt. Die drei Stichworte, die du genannt hast, ja, wir sind ein Technologieunternehmen, also wir haben alle einen Tech-Hintergrund und sind keine Experten im Thema Nachhaltigkeit. Zumindest waren wir keine Experten, als wir damit angefangen haben. Inzwischen sind wir ein bisschen besser, aber es gibt natürlich immer noch Leute, die das noch viel, viel besser verstehen als wir.

Wir haben allerdings einen ganz guten Hintergrund, was Tech angeht und haben uns da zusammengesetzt. Wir kennen uns selber schon seit Jahren und haben uns zusammengesetzt, dass wir wirklich in dem Bereich endlich auch was machen wollen. Und weil wir aus der Tech-Branche kommen, sind wir mit dem Thema Daten ganz gut vertraut. Und als solche kennen wir uns gut damit aus, wie man Daten verwendet, strukturiert und auch nutzbarer macht. Und dann haben wir uns den Klimabereich angeschaut und festgestellt, diese Daten sind wirklich, da gibt es unheimlich viele Daten, aber die sind alle sehr verteilt, teilweise unstrukturiert, teilweise in Silos, teilweise schwer zu bekommen, oft nicht maschinenlesbar. Und da haben wir gesagt, was können wir denn damit machen?

Was gleichzeitig passiert ist, ist, dass wir über die Jahre einfach in diesem Tech-Background uns wirklich irgendwie inspiriert gefühlt haben bei einigen dieser Unternehmen, die doch groß geworden sind, indem sie einfach nur ein API bereitgestellt haben. Stripe ist zum Beispiel mal so das große Beispiel, aber es gibt auch andere Segment oder Twilio oder Plate, die so in verschiedenen Bereichen wirklich große Firmen gebaut haben, indem sie einfach nur ein API bereitgestellt haben. Ja, und dann haben wir das so ein bisschen zusammengebracht. Nachhaltigkeit, API, Daten und haben gesagt, können wir in dem Bereich was machen? Dann haben wir angefangen, uns mit dem Thema zu befassen und festgestellt, diese ganzen Daten sind bereits verfügbar vielleicht, aber vielleicht können wir die irgendwie aggregieren und besser aufbereiten.

Und dann haben wir festgestellt, ja, alle anderen tun die hinter einer Paywall. Und dann haben wir gesagt, das kann es eigentlich nicht sein. Wir müssen, um wirklich was verändern zu wollen, müssen wir diese Daten auch öffentlich zugänglich machen und nicht irgendwie hinter einer Paywall setzen und dafür Geld verlangen. Und dann ist so, diese Entscheidung zum Open Data ist daraus entstanden und haben gesagt, nee, wir bauen diese Datenbank auf und stellen die allen zur Verfügung. Und das hat ganz gut geklappt. Sonst haben wir wirklich auch inzwischen eine Community, die da Daten hinzufügt, die Interesse hat, die Daten zu nutzen. Super.

Ja, cool. Im Prinzip darüber haben wir uns ja auch kennengelernt. Also ich habe einen deiner Co-Founder auf der Slush in Helsinki gesehen, fand das dann cool. Und daraus haben wir ja auch unser erstmal internes Projekt entwickelt, das hoffentlich irgendwann dann auch was Schönes, Großes, Nutzbares wird. Du hast schon gesagt, es geht um Daten. Es gibt ganz viele Daten rund um den Klimabereich. Die sind nicht maschinenlesbar, sie sind in Silos und so weiter und so fort. Wie können uns Daten denn helfen, um jetzt ganz konkret gegen den Klimawandel anzuarbeiten?

Also aus meiner Sicht ist es ja erstmal so, dass wir uns derzeit jedenfalls nur auf Emissionsdaten konzentrieren, also auf CO2-Emissionen, Grundstoffemissionen. Und im Moment ist das so, dass die meisten Unternehmen oder viele Unternehmen damit anfangen, einen jährlichen Bericht zu erstellen, wo sie ein bisschen transparenter sein möchten, was sie eigentlich an der Emissionen verursachen. Das ist alles schön und gut, aber meiner Meinung nach noch nicht ausreichend. Wenn ich einmal so einen Bericht erstelle, hilft mir das noch nicht so richtig. Und wo wir hinwollen, was so ein bisschen die Vision des Ganzen angeht, was wir machen, ist, dass wir denken, dass CO2-Emissionen Teil der Entscheidungsmatrix sein müssen.

Also wenn ich mal eine Entscheidung treffe, kann es nicht nur darauf, also wenn ich als Unternehmen eine Entscheidung treffe, darf es nicht nur auf die Kosten ankommen und den Wert und wie viel Umsatz ich vielleicht erziele mit einem gewissen neuen Produkt, sondern eben auch, welche Emissionen ich damit verursache. Und bisher geht es immer nur um Kosten oder Wert. Und wir hoffen, dass eben Missionen eben da auch einen Teil zu beibringen. Und ich hoffe eben, wenn diese Daten dann wirklich überall verfügbar sind und dynamisch auch in der Entscheidungsfindung präsentiert werden, dass man dann Unternehmen, eventuell auch Konsumenten oder Anwendern dazu hilft oder dabei hilft, bessere Entscheidungen zu treffen.

Das finde ich einen spannenden Gedanken, weil das quasi nach vorne gedacht ist. Also ich habe dieses Thema Nachhaltigkeitsberichte, Emissionsmessungen und so weiter. Ich erlebe das eigentlich fast immer, dass das quasi aus dem Zwang heraus gemacht wird, dass ja Unternehmen ab 500 Mitarbeitern verpflichtet sind, so eine Bilanzierung zu machen. Und das bestenfalls der nächste Schritt ist, dass die sich dann Gedanken machen, wo können wir jetzt reduzieren? Aber nach vorne raus in die Entscheidungsfindung einzugreifen, ist sehr cool.

Ja, das ist genau so ein bisschen das Problem, was wir sehen. Die machen einmal im Jahr ihren Bericht und dann auf Basis des Berichtes erstellen sie ihre Strategie oder manchmal machen wir das parallel und sagen, na jetzt wollen wir das verbessern und dann treffen sie vielleicht auch Entscheidungen und dann gucken sie sich das halt ein Jahr später wieder an. Oder wenn du eine Firma hast, die ein bisschen progressiver unterwegs ist, dann vielleicht machen die das auch vierteljährlich. Aber dass man das wirklich so in die Entscheidungsfindung mit einbezieht, das ist sehr, sehr selten. Also, dass man so Szenarien entwickelt. Wenn ich das mache, dann bedeutet das das im Sinne von CO2 ausstößen. Und das, denke ich mir, kann man eben nur dynamisch, muss man irgendwie dynamisch berechnen und deswegen haben wir das API gebaut, weil wir glauben, das können wir damit einbauen. Es gibt vielleicht auch andere Möglichkeiten, aber dass man das wirklich in die Entscheidungsfindung mit einbaut und so Szenarien sich überlegt.

Also so ein ganz einfaches Beispiel zum Beispiel, was wir hatten. Wir hatten einen Kunden, der hatte das eingebaut in Salesforce und seine Vertriebler, wenn die was verkauft haben, konnten dann mit ihren Kunden wiederum sprechen und sagen, naja, also du willst jetzt hier, in dem Fall ging es um Computer, du willst um die 1000 Computer kaufen, die kommen aus Shenzhen in China. wenn du die jetzt in einer Woche haben willst, dann kommen die mit dem Flugzeug und dann sind das die Emissionen. Und wenn du aber bereit bist, sechs Wochen oder acht Wochen zu warten, dann kommen sie mit dem Schiff. Das war noch vor der ganzen Krise mit dem Transport. Aber dann kommen sie mit dem Schiff und dann sind die Emissionen eben dementsprechend niedriger.

Und so konnte man wirklich das dann auch dem Kunden verkaufen und dann hat der Kunde dann dementsprechend jemand, je nachdem, was er machen wollte, eine Entscheidung treffen können.

Das ist total cool. Ich wollte nämlich genau fragen, ob du ein Beispiel dafür hast, aber das ist ja wirklich am Tagesgeschäft ausgerichtet. Also ich habe jetzt, meine ersten Ideen waren, kaufen wir jetzt E-Autos oder Fahrräder oder wie auch immer, also wie ich die Mobilität meiner Mitarbeiter sicherstelle, aber das ist ja sogar das eigentliche Business, das darüber nachhaltiger werden kann.

Genau. Also es gibt tausende Szenarien. Eigentlich jede Entscheidung, die du triffst, hat ja irgendeinen Einfluss darauf, was ich an Emissionen verursache im Unternehmen. Die andere Sache, an der wir arbeiten, die ist noch nicht ganz so weit, aber hoffentlich bald, ist, dass wir wissen ganz gut, was die Messung von Computing oder Cloud Computing Emissionen angeht. Das können wir ganz gut. Und wir wollen jetzt Echtzeitdaten liefern, was die Carbon Intensity, also was den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß des Strommixes in Echtzeit angeht. Und wenn man die Sachen verbindet, also Cloud Computing und Echtzeitanalyse, das Kohlenstoffausstöße, dann kann ich darauf, das kann ich dann wiederum verwenden, indem ich beispielsweise, wenn ich so maschinelles LAN oder KI-Algorithmen laufen lassen möchte, die kann ich dann an Datencenter schicken, die grüner sind. Oder ich kann sie dann laufen lassen, wenn der regenerative Anteil von Energie besonders hoch ist. Und das kann man dann sogar automatisieren. Da muss man die Entscheidung gar nicht mehr manuell treffen.

Ja, das ist cool. Wir bauen ja gerade so ein Tool, mit dem man die, also mit eurer API im Prinzip den Eigenverbrauch über AWS und Microsoft und Google zumindest mal transparent machen kann. Also was kostet meine Infrastruktur eigentlich an Daten? Das heißt aber, diese Daten sind nicht mal statisch. Also momentan kann ich den Faktor für eine AWS EC2 Instanz abrufen, aber das heißt, die Zahl ist eigentlich noch abhängig davon, wie viel Windstrom gerade im Netz ist oder wie würde das funktionieren?

Ja, also im Moment sind das ja Durchschnittswerte. Also du guckst dir an, was ist der Strommix, wie sieht der Strommix aus im Durchschnitt pro Datencenter fürs Jahr. Und das ist schon hilfreich, damit kann man schon mal ein bisschen was machen, aber ist natürlich auch eingeschränkt. Aber wenn du jetzt, es ist nicht direkt Echtzeit, aber es ist stündlich. Wenn du dann stündliche Daten kriegst, da kannst du dann Vorhersagen treffen, weil das kannst du dann kombinieren mit Wetterdaten, mit anderen Konsumdaten. Da gibt es auch andere Services oder Serviceanbieter, die einem so ein bisschen eine Vorhersage treffen, wann der Strommix wie ist und dann kann ich das eben nutzen, um besondere prozessintensive Anwendungen dann laufen zu lassen, wenn meinetwegen die Sonne scheint oder der Wind weht.

Jetzt interessiert mich ja aus Vertriebssicht die Frage, ist das ein Problem, mit dem jemand auf euch zugekommen ist, das ihr jetzt löst oder habt ihr eine Lösung für etwas geschaffen, was natürlich gelöst werden muss, was ich aus Informatikersicht total nachvollziehen kann, aber das heißt, ihr müsst jetzt erstmal eine Lösung in den Markt tragen, von der die Leute noch gar nicht wissen, dass sie das Problem haben?

Sehr gute Frage. Also es ist ein bisschen von beidem. Wir haben erstmal diese Cloud Computing Faktoren als API bereitgestellt. Da gibt es bereits ein paar andere NGOs, Non-Profits, die sich mit den Nehmer beschäftigen. Wir haben auch mit denen zusammengearbeitet und diese Sachen veröffentlicht im API. Und dann auf dessen Basis haben wir ziemlich viel Interesse bekommen an diesem ganzen Cloud-Computing-Ansatz. Und dann nach dem Cloud-Computing kam dir jetzt auf uns zu, könnt ihr auch bitte was machen für On-Prem, dass du sozusagen deine eigenen Daten-Center misst. Und es hat dann so eine Dynamik gewonnen. Also um deine Frage zu beantworten, wir haben erstmal so angefangen, erstmal was ins Netz zu stellen und gucken, wie ist denn das Interesse und dann haben wir plötzlich Interesse bekommen und das hat sich dann beschleunigt und das machen wir mehr und mehr in dem Thema.

Also da passiert schon eine Menge. Dazu muss man sagen, die Emissionen von Datenzentren, also der Kohlenstoffdioxidausstoß von Datenzentren ist höher als der von Flügen heute. Und ich glaube, das ist noch nicht so ganz angekommen bei den meisten Menschen, dass das wirklich tatsächlich so hoch ist. Aber es fängt langsam an, habe ich den Eindruck.

Jetzt hat ja zum Beispiel Google vor gar nicht so langer Zeit behauptet, dass sie klimaneutral und sogar rückwirkend alles kompensiert haben, was sie jemals verursacht haben. Und ich weiß, dass sie auch nachweislich große Solarkraftwerke gebaut haben. Heißt das, eine Entscheidung wäre auch zu sagen, ich suche einfach einen Anbieter aus, der nachweislich oder per Behauptung sagt, ich habe hier nur Ökostrom? Oder macht es trotzdem Sinn, ich meine, selbst wenn mein Anbieter nur Ökostrom einkauft und auch wir in unserem Büro kaufen nur Ökostrom ein, trotzdem ist es eine gute Idee, Energie zu sparen, weil es wird ja trotzdem Kohle verbrannt. Und nur weil ich nicht für Kohlestrom im Netz verantwortlich bin, ist er trotzdem da.

Also du sprichst da verschiedene Sachen an und die sind alle wichtig. Also wenn du jetzt einfach den Stecker in die Steckdose steckst, dann kriegst du ja daraus Strom. Und der Strom hat einen gewissen Strommix. Und in diesem Strommix ist Strom aus Kohle und aus Gas und aus anderen Fossilquellen drin. Und das ist bei einem Google-Datencenter genauso. Zumindest meistens. Nicht immer. Jetzt ist es natürlich so, dass die dann versuchen, das zu kompensieren. Mit verschiedenen Kompensationsmaßnahmen oder eben sogar Removals, also aus der Luft versuchen, CO2 herauszuziehen. Und das geben sie dann weiter an dich. Oder sie machen das eben so, sie sagen, wir haben diese genau, wie du sagst, ihr kauft nur Ökostrom.

Wenn du nur Ökostrom kaufst, was du eigentlich kaufst, ist ein Zertifikat von einem Ökostromanbieter. Und der sagt, diese Strommenge habt ihr dann gekauft, obwohl du auch ein leicht anderes Strom aus der Steckdose bekommst. Wenn du mehr Strom verbrauchst, verbrauchst du auch mehr Kohle. Es gibt dieses Konzept der zusätzlichen Emissionen, die entstehen. Du kannst davon ausgehen, dass jetzt, das ist mal so grob gesprochen, erneuerbare Energien laufen und sind immer Teil des Strommixes. Und wenn der Wind weht, dann wird sozusagen die Energie, die aus der Windturbine kommt, landet im Stromnetz. Wenn ich jetzt aber das Licht anmache, verbrauche ich zusätzliche Energie. Und die einzige Energie, die jetzt sozusagen das kompensieren kann, dass mehr Energie verbraucht wird, ist Kohle oder Gas.

Also weil die kannst du hoch oder runterfahren. Das heißt, wenn ich mehr Energie verbrauche, zum gewissen Punkt verbrauchst du normalerweise mehr Fossilenergie, selbst wenn du einen Ökostromvertrag hast. Die andere Sache, die du noch angesprochen hast, sind diese Datencenter. Da will ich noch im Wiedersehen drauf eingehen. Google ist ziemlich gut, was das angeht. Also die haben natürlich Verträge mit Ökostromanbietern, aber die haben wirklich auch ihre eigenen Solarkraftanlagen und versuchen eine erneuerbare Energien zu kaufen. Da gibt es immer noch viel rumzukratisieren, wie transparent sie genau sind und welcher Datencenter was macht. Aber es geht so ein bisschen in die richtige Richtung. Microsoft ist auch recht gut.

Also könnte besser werden, aber ist auch anständig. Bei Amazon kann man ein paar Fragezeichen dran machen, weil die doch sehr viel maskieren in dem, was sie eigentlich in Emissionen verursachen. Also die sagen dir, ich bin vielleicht erneuerbar, aber du weißt nicht, wie es kompensiert wird, du weißt nicht, welche Maßnahmen da ergriffen werden. Also da fehlt es doch deutlich an Transparenz.

Du hattest am Anfang gesagt, eine eurer Gründungsideen war, es gibt andere Firmen, die sind über eine reine API-Lösung groß geworden, allerdings mit einer Paywall und jetzt wollt ihr auch eine erfolgreiche große Firma werden, ihr habt diese Paywall aber nicht. Wie ist denn da der Plan, dass das funktioniert?

Ja, das stimmt nicht so ganz. Also wir haben, also wenn ich jetzt diese anderen Firmen nenne, die haben tatsächlich eine Paypal, die haben ein anderes Businessmodell, da geht es um Marketing oder um Finance oder um Transaktionen, Kreditkartenabrechnung und so weiter. Bei uns im Bereich ist es so, dass wir diesen Datenbereich, also die Emissionsfaktoren als solche, auf GitHub bereitstellen, weil wir glauben, diese Emissionsfaktoren als Datenquelle kann jeder auch selber sich holen, ist vielleicht nicht so schön aufbereitet wie wir, aber das ist glaube ich nicht das, wo man jetzt den Durchbruch schafft damit. Wo wir uns darauf konzentrieren und dafür verlangen wir dann auch Geld, ist, dass wir eine Logik obendrauf bauen auf den Daten. Das heißt, wir bauen so eine Art automatische Berechnung von jeglicher Aktivität, die ein Unternehmen hat oder diese Automatisierung der Berechnung. Dafür verlangen wir dann Geld, ob das jetzt im Einkauf ist für Transport, Energiemanagement, Logistik etc.

Okay, das macht natürlich Sinn.

Aber den Datensatz darunter, da wollten wir jetzt, weil das sind öffentliche Daten. Also sie werden vom Umweltbundesamt bereitgestellt oder von der Environmental Protection Agency in Amerika etc. Und jetzt zu sagen, wir nehmen diese öffentlichen Daten, tun sie hinter einer Paywall und verkaufen sie dann, das fühlte sich irgendwie falsch an. Und das Schöne an der offenen Datenmarkt ist, dass es sich dann auch anderer ermutigt, da was hinzuzufügen. Also wir haben die ersten Kunden, die ihre eigenen Daten hinzufügen. Wir arbeiten mit einer Universität zusammen in Großbritannien, die Daten hinzufügt. Und insofern, das ist super. Da gibt es hoffentlich, kommen wir irgendwo dahin, dass wir eine Datenquelle haben, nicht 20 oder 30, was im Moment der Fall ist.

Ja, das macht total Sinn.

Was ist denn eure größte Herausforderung, an der ihr gerade zu knapsen habt?

Also wir haben natürlich als Startup unheimlich viele Herausforderungen. Ich glaube, die größte Herausforderung, die wir haben, ist einfach die Priorisierung. Was bauen wir zuerst und was kommt danach? Wir haben so viele Anfragen, teilweise mehr Daten hinzuzufügen, mehr Logik hinzuzufügen, das und das zu bauen. Da muss man einfach gucken, was ist denn eigentlich die Priorisierung und was machen wir zuerst. Und es ist manchmal nicht so einfach. Auf dem Papier, das ist immer einfacher. Du denkst, was der Kunde will, baust du. Aber dann gibt es fünf Kunden, die sind klein und einen Kunde, der ist groß und was machst du dann? Also das sind alles so. Das muss man sich ein bisschen hinüberlegen. Speziell, was wir da bauen wollen, ist, wir wollen natürlich die Daten normalisieren.

Das ist nicht immer so einfach. Wir versuchen auch jetzt eine Art Governance-Modell einzubauen für diesen offenen Datensatz. Das wird auch seine Zeit dauern, wie gute Daten herausgekristallisiert werden und schlechte Daten sozusagen als solche auch so markiert werden und wer das macht, das sind alles so Herausforderungen, die wir da gerade stehen. Die andere Sache, wo wir Herausforderungen haben, wir wollen jetzt so ERP, so Plugins bauen, so Integration mit SAP und anderen ERP-Systemen und das ist dann auch schwieriger manchmal, als man das am Anfang so denkt. Gerade was Data Cleaning angeht. Also das ist, wenn die Quelldaten, also Seiten des Unternehmens, die Aktivitätsdaten, die sind meistens nicht so schön aufbereitet, wie man das gerne hätte. Dann muss man durch so einen Data Cleaning Aspekt gehen und der ist natürlich relativ manuell noch. Das ist was, wo wir das gerne noch automatisieren möchten.

Da bin ich sehr gespannt, ob wir als Menschheit jemals an den Punkt kommen, dass wir Daten sauber automatisiert aufräumen können. Ich habe da auch schon meine Schmerzen mitgehabt.

Ja, ich glaube es nicht, aber mal gucken.

Wir haben ja die Quellenliste auf der Podcast-Webseite. Gibt es da irgendeine oder mehrere Quellen, die du gerne dazufügen möchtest? Womit hältst du dich auf dem Laufenden zum Thema Digitalisierung, Nachhaltigkeit?

Zum Thema Nachhaltigkeit fallen mir insbesondere zwei Quellen ein. Ich weiß nicht, ob die schon bei euch auf der Liste sind. Einmal, es gibt diese zwei Slack-Gruppen. Die eine heißt Work on Climate und die andere Climate Action Tech. Das sind wirklich tolle Communities, wo viel passiert und man viel teilhaben kann an dem, was andere Leute daran arbeiten. und wenn man so nach Inspiration sucht, was soll ich denn jetzt machen, ist das echt super. Gerade so die Energie, die da ist und die Leute, die das machen wollen. Es gibt auch verschiedene örtliche Gruppen in Deutschland, wo man sich dann auch in Personen trifft, persönlich trifft und das wird auch über die Slack-Gruppen organisiert. Also das ist so eine der Quellen, die ich nennen würde.

Es gibt natürlich noch verschiedene Newsletter und Twitter, die kommen auch da mit so raus, aber das ist eine der Quellen. Zum Thema reine Digitalisierung, Ich stehe so ein bisschen auf der einen Seite, das ist im Nachhaltigkeitsbereich mit einem Bein und mit dem anderen Bereich wirklich noch in meinem alten Tech-Bereich. Und da gibt es natürlich tolle große Newsletter. Da gibt es ein paar Newsletter, die ich wirklich jede Woche lese. Ben Thompson, Stradery, Benedict Evans. Es gibt einen neuen, der heißt Sunday CET von Dragos, was aus Schweden ist, auch super. Ja, und da gibt es immer wieder tolle Insights. Cool.

Die Slack-Gruppen kannte ich tatsächlich beide nicht. Ich bin in der Sustainable UX-Gruppe. Die ist ganz cool. Da versuchen wir gerade die SDGs zu münzen. Wie kriegt man den UX-Prozess von einem beliebigen Produkt so optimiert, dass man auf die SDG einzahlt? Aber die andere werde ich auch gleich im Nachgang direkt beitreten. Austausch ist immer gut. Aus Zeitgründen. Leider die letzte Frage jetzt. Wen würdest du gerne in einem kommenden Interview mal ausgefragt hören?

Also es gibt am MEN-Gesprachigen-Bereich, fallen mir so ein paar Leute ein, die ich immer sehr eindrucksvoll fand. Zum Beispiel der Gründer von Servest. Wie heißt der dann? Iggy Bazzi, genau. Super Typ. Auch den Gründer von Pure Earth. Ich weiß nicht, ob du den kennst. Pure Earth ist so ein Carbon-Removal-Startup. Der ist ein Finner, Anti, oder der ist der CEO, der Gründer ist Anti-Vihai-Weinen. In Deutschland, ich glaube, was ganz interessant wäre, ein guter Freund von mir, Marc Preusche, der war früher auch mit mir bei Google und der ist jetzt wirklich nur noch im Klimabereich unterwegs, insbesondere auch in der Investmentseite. Das könnte, glaube ich, ganz interessant sein. Was auch interessant sein könnte, ist von der Investmentseite der Gründer von Übermorgen, heißen die, das ist ein Venture Capitalist aus Zürich.

Der hat früher mal Doodle gegründet. Und Doodle verkauft und ist jetzt VC geworden und engagiert sich sehr in diesem Klimabereich. Wie heißt der denn noch? Adrian Bührer.

Ach, den Namen habe ich schon mal gelesen, irgendwo zumindest.

Ja, cool. Also spannende Namen. Sorry. Adrian Böhre hat was anderes gemacht. Der hat auch ein Studentenportal gemacht und ist an Springer verkauft. Mike Neff heißt der. Das ist der, der Doodle gebaut hat. Und die haben sich zusammengetan, um ein ganz kleines Impact VC zu gründen. Der heißt Übermorgen Zürich. Und die sind auch ganz fit. Und dann hast du schon mal jetzt fällt es mir langsam ein. Hast du schon mal Tim Schumacher interviewt in seinem Team?

Nicht interviewt. Ich meine, er schon auf der Wunschliste steht, aber das Bild hält besser.

Ja, Tim ist super. Großes Team, hat auch ein gutes, gutes Team um sich rum. Mit dem könnte man auch mal drüber reden.

Ja, spannend. Also coole Namen. Ja, also ganz vielen Dank. Total spannendes Gespräch. Ich habe wieder was gelernt. Sehr schön. Zumindest ich habe was davon, dass wir diesen Podcast haben.

Ich auch. Wunderbar.

Super. Ja, vielen Dank für deine Zeit. ich hoffe, dass wir uns bald mal im echten Leben begegnen. Dank dir Nils. Dann, alles Gute. Danke, danke. Ebenso. Tschüss. Tschüss.

So, da bin ich wieder. Schön, dass du noch zuhörst. Die Shownotes mit Links zu Empfehlungen aus dieser Episode findest du auf softwareforfuture.de Hat dir die Episode gefallen? Oder gibt es was, was dich echt wurmt? Schreib uns dein Feedback an moin.lionizers.com Wir freuen uns von dir zu hören. Und jetzt wünschen das Team und ich dir noch eine schöne weitere Woche. Wir sind der Software for Future Podcast und werden präsentiert und produziert von den Lionizers. Die Lionizers stehen für nachhaltige, individuelle Produktentwicklung. Wir entwickeln für andere Unternehmen Software, die uns als Menschheit helfen soll, der Klimakrise die Stirn zu bieten. Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal.

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