E10412.10.202234 Min
Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Globalisierung – Welche Unternehmen werden überleben?
Im Gespräch: Dr. Dina Barbian (Institute for Sustainability)

Worum es geht
Dr. Dina Barbian spricht über Nachhaltigkeit, Digitalisierung und die Zukunft der Globalisierung.
Dr. Dina Barbian leitet das Institut für Nachhaltigkeit in Nürnberg. Sie hat seit den 1990er Jahren mit Nachhaltigkeit und Digitalisierung geforscht. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Ökologie, Ökonomie und Sozialem in der digitalen Wirtschaft.
Sie diskutiert, dass Globalisierung und Nachhaltigkeit im Widerspruch stehen. Materialproduktion wird durch planetare Grenzen teurer. Digitale Dienstleistungen wie Software können weiter globalisiert werden, aber nur mit nachhaltiger Hardware und effizienter Programmierung.
Nachhaltige Softwareentwicklung erfordert sparsamen Code, lange Hardwarenutzung und Recycling. Die Lebenszyklen von Geräten sind entscheidend. Kritische Rohstoffe wie Kobalt oder seltene Erden sind knapp und schwer recycelbar.
Sie plädiert für Standards wie den blauen Engel für Software und eine breitere Akzeptanz der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Unternehmen müssen Nachhaltigkeit in ihre Strategien integrieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Ursprüngliche Shownotes 12.10.2022
“Ich finde es immer wieder erschreckend, dass das Thema Nachhaltigkeit bei ganz vielen noch gar nicht so präsent ist, obwohl es ein sehr altes Thema ist.” sagt Dr. Dina Barbian im Gespräch mit uns.
Die Aussage “sehr alt” stützt sie beispielsweise durch Hinweisen auf die UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung von 1992 oder den Bericht “Die Grenzen des Wachstums” vom Club of Rome aus den 70er Jahren.
Tatsächlich forscht sie schon lange zum Thema Nachhaltigkeit und war zu Beginn der 2000er eine der ersten, die sich mit dem Zusammenhang und dem notwendigen Zusammenspiel von Nachhaltigkeit und Digitalisierung beschäftigt haben.
So überrascht es nicht, dass wir viel über nachhaltige Softwareentwicklung, Green IT, Herausforderungen bei der Hardware-Produktion und zum Hardware-Recycling hören.
Doch richtig spannend wird es bei dieser Frage:
Für wie echt hältst du die aktuelle Popularität von Nachhaltigkeit, wird jetzt wirklich was passieren oder ist das wieder ein Hype?
Die Antworten kommen schnell auf das Ungleichgewicht in der Globalisierung, wie sie bis jetzt betrieben wurde und die Physik unseres Planeten.
In der Vergangenheit wurde nur die Säule der Ökonomie betrachtet. Aber Nachhaltigkeit heißt, dass wir drei Säulen haben: Die Ökonomie, die Ökologie und das Soziale.
Dr. Dina Barbian
Ob die Nachhaltigkeitswelle andauern wird? Ja, weil die Grenzen unserer Erde spürbar sind und diese Grenzen einen Einfluss auf unsere Art des Wirtschaftens haben.
Dr. Dina Barbian
Wir erfahren weiterhin
- wie wirtschaftlich die Lebenszyklen von Produkten sind, die über die ganze Welt verlaufen und wie mehr Effizienzen erreicht werden können
- in welche Richtung die Globalisierung der Wirtschaft gehen sollte, um nachhaltig und damit überlebensfähig zu werden
- was Unternehmen tun sollten, um ihre Zukunft zu sichern
- wie durch Digitalisierung mehr Nachhaltigkeit erreicht werden kann
- wo und wie die Software-Entwicklung Einfluss nehmen kann
Lasst euch überraschen und inspirieren.
Links aus dem Interview
Unsere Interviewpartnerin & ihr Arbeitsfeld
- Dr. Dina Barbian bei LinkedIn
- Dr. Dina Barbian bei Twitter
- Website Institute for Sustainability
- Institute for Sustainability bei Instagram
Tipps für mehr Wissen zum Thema
- Die Grenzen des Wachstums.
Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit
Transkript
4.307 Wörter
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Hallo Welt, liebe Menschen, herzlich willkommen bei unserem Software for Future Podcast. Mein Name ist Friederike Löwe und gleich hörst du auch Nils Löwe. Wir führen als Unternehmerpaar die Lionizers. Diesmal gibt es ein Interview mit Dina Barbian vom Institut für Nachhaltigkeit. Ich wünsche dir ganz viele inspirierende Gedanken.
Herzlich willkommen, Dr. Dina Babian, Leiterin des Instituts für Nachhaltigkeit. Schön, dass du da bist. Auf deiner eurer Homepage steht, dass du eine der ersten warst, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung befasst hat. Das finde ich total spannend, weil wir uns dem Thema ja erst seit einigen Jahren widmen und ich immer noch wahnsinnig viel lerne. Von daher würde ich sagen, bevor wir ans Eingemachte gehen, stell dich doch erstmal in deinen eigenen Worten vor. Wer bist du und was machst du eigentlich so?
Ja, herzlichen Dank für die Einladung und ich freue mich sehr, Teil des Podcasts zu sein von Software for Future. Ich habe im Jahr 2012 das Institut für Nachhaltigkeit gegründet in Nürnberg und wir haben das Ziel, dass wir die Nachhaltigkeit in die Region bringen, aber auch in Deutschland bringen über alle möglichen Akteure, über Privatpersonen natürlich in erster Linie, aber auch über die Unternehmen, Bildungseinrichtungen, kirchlichen Träger. und haben die Vision, dass die Nachhaltigkeit eben bei jedem und bei jeder in Deutschland ankommt und auch darüber hinaus. Das Institut wurde gegründet als Spin-off der Universität Erlangen-Nürnberg. 2012 war ich noch Assistentin am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik bei Herrn Professor Mertens und auch der Nachfolgerin Frau Professor Mösslein.
Und schon Jahre davor kam schon immer so der Wunsch, dass wir Nachhaltigkeit und Digitalisierung miteinander verbinden. Also in den Projekten der Wirtschaftsinformatik auch noch zusätzlich die Nachhaltigkeit mit drin haben. Die Idee zur Gründung kam nicht nur von mir, sondern auch von Studierenden von meiner Vorlesung Nationale Nachhaltigkeitsstrategien in einem internationalen Masterstudiengang an der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Und zu Beginn waren auch ganz viele Studierende, die ein Praktikum am Institut gemacht hatten. Wir hatten die Idee gehabt, weil ich einerseits zu den Ersten in Deutschland gehöre, die eben eine Doktorarbeit im Bereich Nachhaltigkeit geschrieben hat.
Schon in den 90er Jahren habe ich dazu geforscht. Also die Rio Umweltkonferenz 1992 ist mir noch sehr stark in Erinnerung. Und das war für mich dann so der Zeitpunkt, also da wurde ich sensibilisiert für das Thema Nachhaltigkeit. Bin eigentlich schon seitdem dabei, darüber zu lesen, zu forschen und finde es immer wieder erschreckend, dass das Thema doch bei ganz vielen noch gar nicht so präsent ist, obwohl es ein sehr altes Thema ist. Schon in den 70er Jahren gab es ja eine Studie von dem Club of Rome, die Grenzen des Wachstums. Aber auch in den 90er Jahren hatte man einen Hype, weil da die Unternehmen ja dann auch vermehrt Umweltmanagementberichte geschrieben haben, nach der ISO 14001 oder nach der EMAS. Und heute ist aber das Thema immer noch sehr, sehr aktuell.
Und so, das war jetzt ein Rundumschlag meines Werdegangs.
Ich finde das total spannend, dass das, gut, also wir reden über Software for Future, das heißt also es geht irgendwie um Software natürlich, aber dass ihr da seit, ja, zehn, mehr als zehn Jahren schon forscht und tätig seid. Ich persönlich befasse mich mit dem Thema auch schon länger. Also 1992 war ich noch in der Grundschule. Also da war ich noch auf keiner Konferenz. Aber das große Thema betreibe ich auch schon länger. Wir mit den Lionizers haben uns dem auch jetzt seit fünf Jahren gewidmet. Ich sehe vor allen Dingen in den letzten zwei Jahren, dass da ganz viel passiert. Also dass es irgendwie mehr Präsenz zumindest bekommt. Ich war letztes Jahr auf der Slush in Helsinki, da wurde berichtet, dass jetzt gerade auch im ganzen Startup-Umfeld da ganz viel passiert, dass es aber wohl mal eine erste Welle an Startups gab, so vor zehn Jahren ungefähr, die dann irgendwie alle in der Versenkung verschwanden.
Jetzt würde mich total interessieren, wenn du dich ja schon wirklich eine ganze Weile damit befasst. Wie ist deine Wahrnehmung von heute? Also ist das jetzt echt? Also wird jetzt wirklich was passieren oder ist das jetzt wieder ein Hype und in zwei Jahren haben wir ein anderes Thema?
Ja, das haben wir am Institut für Nachhaltigkeit jetzt auch so festgestellt in den letzten zwei Jahren. Es hat eigentlich schon 2018 circa begonnen mit der Jugendbewegung Fridays for Future. Da hat man auch bei uns am Institut gemerkt von der Anzahl der Anfragen, dass da der Beginn einer Welle war und nach wie vor das Thema Nachhaltigkeit auf dem aufsteigenden Ast ist. Also nach wie vor ist es ein Geschäftsfeld, mit dem man auch Geld verdienen kann. Ob diese Welle lange andauern wird? Ich denke von meiner Wahrnehmung ja, weil die Grenzen unserer Erde eben spürbar sind, bemerkbar sind. Also wir haben Restriktionen von der Physik unseres Planeten und diese Grenzen haben auch einen Einfluss auf unsere Art des Wirtschaftens.
Und diese neuen planetaren Grenzen, die ja vom Stockholm Resilience Institute Research Center in Stockholm schon 2009 detektiert wurden, es sind ja schon sehr viele Kipppunkte davon auch erreicht seit 2019. Und das wird der begrenzende Faktor für alle wirtschaftlichen Unternehmungen sein. Und ich denke, dass das kein Hype sein wird, keine Modeerscheinung, sondern es wird das New Normal sein, das normale Geschäftsleben und Unternehmen, die Nachhaltigkeit noch nicht implementiert haben, keine Nachhaltigkeitsstrategien haben und die werden dann so von meinem Empfinden vom Markt verschwinden, weil andere Unternehmen, die eben mit den Ressourcen schonend umgehen, weniger Materialverbräuche haben, weniger Energieverbräuche haben und einfach auch eine Nachhaltigkeitsphilosophie vorleben, auch einen Wettbewerbsvorteil haben werden, weil man durch Energie- und Materialeinsparung eben auch Kosten reduzieren kann.
Wer eine gute Nachhaltigkeitsstrategie haben wird, wird dann auch das Rennen haben.
Glaube ich persönlich auch unbedingt. Wenn wir in die Richtung mal weiterdenken, der große Trend vor der Digitalisierung war ja die Globalisierung und die gehen ja auch Hand in Hand. Jetzt war Globalisierung lange Zeit im Prinzip entgegengesetzt zu Nachhaltigkeit. Es war billiger Produktion und Energieverbrauch irgendwo nach weit weg zu verlagern, dadurch Kosten einzusparen. Siehst du den Trend noch anhalten oder haben wir den Punkt jetzt mittlerweile, also haben wir so weit verlagert, dass es keinen noch weiter gibt und Energiekosten und Ressourcenkosten auch in Bangladesch und in Taiwan ein Thema sind?
Also ich denke, dass die Globalisierung weiterhin ein Thema bleiben wird, aber für digitale Geschäfte, nicht für materialbezogene Geschäfte, weil wir da eben die Restriktionen haben werden über die planetaren Grenzen. Das heißt, es wird sehr teuer sein, Klamotten oder von sonst woher Waren zu importieren, weil die ganze Energiesituation uns da ja dann auch mit einspielt bei den Kosten. Alles, was nicht materialbezogen sein wird, also Software, Programmierung, kann man durchaus auslagern, outsourcen in andere Länder, was ja auch gemacht wird. Und nach Indien oder jetzt auch der afrikanische Markt ist interessant. Es gibt ja auch schon Softwareunternehmen, die in Afrika angesiedelt sind. Und ich denke, dass dort die Globalisierung weiterhin eine Rolle spielen wird.
Man muss aber auch bei der Digitalisierung sehen, wir haben ja da auch einen Materialverbrauch. Also wenn man über Nachhaltigkeit, auch nachhaltige Software redet, geht es ja nicht nur um die reine Programmierung, weil selbst zum Schreiben eines Softwarekots braucht man ja auch Rechner oder Hardware. Das heißt, nachhaltige Programmierung geht halt auch nur mit einer nachhaltigen Hardware, also mit einem nachhaltigen Materialverbrauch. Man muss das so sehen, dass man hier zwei Lebenszyklen hat. Also man hat zum einen den Lebenszyklus der Hardware durch die Produktion, also Ressourcenherkunft, Rohstoffabbau, dann die Nutzung der Hardware und dann eben das Recycling, die Entsorgung der Hardware.
Also diese drei Teile des Lebenszykluses, die halt rein physikalisch sind, also von den Materialien abhängig sind. Die Softwareprogrammierung, die bezieht sich ja nur in Anführungsstriche auf den Teil der Nutzung der Hardware. Es ist auch für eine nachhaltige Programmierung wichtig, dass man diese Hardware sehr, sehr lange verwendet, weil in der Hardware viele kostbare Rohstoffe drin sind, wie zum Beispiel Molybden oder Kobalt oder auch die seltenen Erden, aber auch noch andere kritische Mineralien, für die es im Moment noch keine, entweder keine Recyclingmöglichkeit gibt oder keine wirtschaftliche Recyclingmöglichkeit. Die Software an sich spielt ja nur auf den Teil der Nutzung der Hardware. Und da kommt es auch darauf an, wie sparsam ich eben mit Softwarecode umgehe, wie viele Zeilen ich brauche, wie viele Plätze belegt werden.
Und da müssen auch die Programmierer und Programmiererinnen der Zukunft so geschult werden, dass sie eben die Programmierung sehr sparsam hinbekommen. Und da gibt es aber auch Gott sei Dank schon Kurse beziehungsweise Vorlesungen an Universitäten, Hochschulen. Auch im Bereich Clean Code macht ja auch die Automobilindustrie. Und dort kann man auch sehr viele Effizienzen rausholen und da kann man nach wie vor die Globalisierung nutzen und wäre auch sinnvoll, weil man da auch Kosten einspart. Und zur Globalisierung muss man auch noch eine Sache sagen, warum ging das in der Vergangenheit so gut? Weil wir da über Effizienzen, also über Kosteneinsparungen das Maximalste herausholen konnten. Aber da hat man nur die Säule der Ökonomie betrachtet.
Also die finanzielle Säule. Aber Nachhaltigkeit heißt ja, dass wir drei Säulen haben. Wir haben ja nicht nur die Ökonomie, wir haben ja auch die Ökologie und wir haben ja auch das Soziale. Also alles, was so zum Thema Menschenrechte, Transparenz, Solidarität und Arbeiten auf Augenhöhe abzielt. Und diese zwei Säulen, wenn man die Umwelt, die Umweltsäule und auch das Soziale mit eingerechnet hätte, mit zu diesen finanziellen Kriterien, dann ist es auch nicht mehr wirtschaftlich, wenn man sich so diese ganzen Lebenszyklungen, die über die ganze Welt verlaufen, anschaut. Vor allen Dingen der Umweltbereich, wenn man den ganzen CO2-Emissionen und die Kosten davon mit eingerechnet hätte in den Preis, dann hätte man auch einen anderen Preis als den, den wir jetzt real zahlen.
Im Prinzip ist das ja das Thema, dass wir Kosten irgendwo in die Zukunft verlagert haben. Also wir räumen jetzt gerade Probleme auf, die Leute vor uns verursacht haben. Aber das Problem ist ja, dass es möglich war. Also dass es möglich war und theoretisch ja immer noch möglich ist, Produktion irgendwo auszulagern, dafür nur die ökonomischen Kosten zu zahlen und die beiden anderen Säulen geflissen dicht zu ignorieren. Das fällt uns jetzt auf die Füße, aber ich finde das interessant, dass du sagst, dass das für materielle Dinge eher zu einem Ende kommen wird, bei Digitalisierung aber durchaus weitergehen wird. Jetzt haben wir diese beiden Worte Digitalisierung und Nachhaltigkeit schon ganz oft benutzt. Eigentlich fange ich die Episoden immer an mit der Frage, wie hängen diese beiden Begriffe für dich zusammen? Auch wenn wir schon halb durch sind, stelle ich die Frage jetzt.
Ja, der Startpunkt für mich, als ich darüber nachgedacht habe über Nachhaltigkeit und Digitalisierung, war so im Jahr 2005, weil ich habe mal hinterfragt, was denn mit den ganzen Rechnern passiert, die so in Unternehmen dann eben anfallen, weil ja in so einem Rechner ganz viele kostbare Rohstoffe auch sind und auch schon damals waren. Und ich habe dann auch festgestellt, dass die Lebenszykles, die Dauern, die Nutzungsdauern immer kürzer wurden, sowohl in meinem Umfeld, also im privaten Umfeld, auch im beruflichen Umfeld. Und dann habe ich auch mal hinterfragt, was wird mit den Rechnern gemacht? Und in vielen Fällen wurde mit dem Hammer auf die Festplatte, dass halt die Daten gelöscht wurden und dann wurde das doch tatsächlich verschrottet. Und dann habe ich gesagt, das kann doch wohl nicht sein, das ist ja eine Einbahnstraße.
Und da ging es dann bei mir los, über nachhaltige Digitalisierung nachzudenken und auch selber Artikel zu schreiben, zu forschen, was heißt überhaupt nachhaltige Digitalisierung. Und so habe ich dann auch eine Vorlesungsreihe eben entwickelt. Diese Vorlesung gibt es auch. Also ich habe die entwickelt schon sehr früh. Es kam immer was dazu aus meinem Wissen, das ich eben in der Wirtschaftsinformatik, am Lehrschuh für Wirtschaftsinformatik an der Universität Erlangen-Nürnberg hatte, mit meinem Nachhaltigkeitswissen aus meiner Doktorarbeit, mit meinem Studium. Ich bin ja Wirtschaftsingenieurin, also sind da ganz viele Disziplinen eingeflossen, habe ich an einer Vorlesungsreihe gearbeitet und 2017 war dann diese Reihe fertig.
Die heißt auch Digitalisierung und Nachhaltigkeit und wird jetzt an der Technischen Hochschule in Nürnberg auch gelehrt, an der Fakultät Informatik. Also ich selbst lehre das für Studierende der Informatik, der Medieninformatik und der Wirtschaftsinformatik. Und in diesem Studiengang, in dieser Vorlesung geht es darum, zu erforschen, was für einen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Nachhaltigkeit, also auf unsere Umwelt und auf die sozialen Faktoren. Zum einen verbrauchen wir ja auch Rohstoffe und es wird ja auch Energie verbraucht durch die Digitalisierung. Und in den Lieferketten sind ja leider immer noch Menschenrechtsverletzungen. Auch kriegerische Auseinandersetzungen werden damit finanziert, wenn man sich den Kobaltabbau im Kongo anschaut. Aber auf der anderen Seite gibt es auch eine gute Seite von der Digitalisierung. Also es gibt eben zwei Seiten der Medaille.
Die gute Seite ist, dass wir über Digitalisierung auch mehr Nachhaltigkeit erreichen können, indem wir eben die Software eben nachhaltig programmieren und auch die Hardware nachhaltig gestalten. Aber auch über maschinelles Lernen kann man Effizienzen rausholen, zum Beispiel, wenn man die Rechenleistungen von Servern oder von Rechnern an sich, aber auch die Serverwärme, Serverabwärme eben effizient noch weiter nutzen oder auch aufwendige Berechnungen eben dann durchführen, Und wenn man ganz viel Strom hat, zum Beispiel, wenn man das koppelt mit erneuerbaren Energien, wenn man weiß, es kommt ein sehr sonniger Tag, dass man da eben aufwendige Berechnungen macht und an dunklen Tagen oder nachts halt weniger den Strom nutzt.
Also da kann man auch noch Effizienzen rausholen und wurde ja auch schon geschafft von einem großen globalen Tech-Riesen, der 40 Prozent der Serverenergie reduzieren konnte, nur über maschinelles Lernen, also nur über ein intelligentes Lastmanagement.
Ja, spannend. Also das fällt fast zeitgleich zusammen mit meinen Anfängen in der Richtung. Wir haben, ich glaube, das habe ich hier im Podcast schon zwei, dreimal gesagt, also wir haben uns früh der Frage gestellt, was machen wir aus der Tatsache, dass wir hier an einem der stabilsten und friedlichsten Orte wohnen und studieren durften. Daraus haben wir irgendwie so einen Selbstanspruch abgeleitet. Irgendwas Sinnvolles sollten wir damit anstellen über reines Geldverdienen hinaus. Und da ist 2014 haben wir das Manifest für verantwortungsvolle Softwareentwicklung geschrieben. Unter anderem haben wir da die Autoren des AGN-Manifests mit involviert. Zwei von denen haben uns auch geholfen, das zu formulieren. Und da war Energieverbrauch schon einer der Punkte, neben Datenschutz und Menschenrechtsverletzungen.
Also all das, wir Softwareentwickler haben ja einen Einfluss, der ist ja jenseits von allem, was irgendeine andere Berufsgruppe heute an Einfluss hat. Nur sind wir da alle total neu und naiv rangegangen, wenn man sich überlegt, dass Ärzte den hippokratischen Eid seit über 2000 Jahren in ihrem Berufsethos haben. Sowas haben Softwareentwickler leider noch nicht. Aber ja, dann lief das relativ zeitgleich los, würde ich sagen. Also Lionizers mit dieser Mission, dass wir Unternehmen helfen, Software auf der einen Seite effizient und grün zu entwickeln und auf der anderen Seite einzusetzen, um dadurch insgesamt Effizienz im Unternehmen zu schaffen. haben wir 2017 gegründet. Das fällt so gesehen zusammen.
Sehr schön, das hört sich richtig gut an. Ihr seid dann aber auch Vorreiter als Unternehmen.
Ja, wahrscheinlich schon. Und also von daher finde ich auch diese zwei Jahre, also dass du auch gesagt hast, seit zwei Jahren, 2018 mit Fridays for Future, aber so richtig seit zwei Jahren. Also ich sehe das auch mittlerweile, Man trifft immer mehr Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und die da auch wirklich coole, schlaue Gedanken haben. Ich weiß nicht, wie es dir 2017 ging. Ich bin vor lauter ratlose Gesichter getreten, als ich mit diesen Ideen das erste Mal irgendwo aufgetreten bin.
Ja, es war schon sehr innovativ und visionär, 2017, 2018 auf jeden Fall. Aber sobald man aber anfängt, über das Thema zu reden, ist es sehr logisch und auch einleuchtend. Und die meisten Menschen konnte ich schon damit begeistern. Auch die Inhalte klingen auch sehr gut und sehr realistisch, die auch umzusetzen. Und ich sehe es ja auch, weil ich arbeite ja mit ganz vielen Studierenden zusammen, auch an den Studienarbeiten sehe ich, dass die Studierenden immer mit Begeisterung dabei sind und der Output ja auch sehr positiv ist und Mut macht und Hoffnung macht, dass man über die Digitalisierung eben mehr Nachhaltigkeit auch erlangen kann. Und aber da muss ich auch sagen, ihr wart wirklich vorne mit dabei und alle Achtung, dass ihr schon die Nachhaltigkeit dann mit berücksichtigt habt, weil da habt ihr wirklich eine Vorreiterrolle. Und ich weiß nicht, kennt ihr die Plattform für Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Mittelstand, nachhaltig.digital?
Ich müsste jetzt die Episoden-Nummer raussuchen, aber vor einiger Zeit haben wir ein Interview mit denen auch geführt.
Sehr schön.
Die sitzen ja auch hier in Hamburg.
Genau, und dann kennt ihr auch die Konferenz Bits und Bäume.
Genau, habe ich heute gerade ein Ticket gebucht für einen unserer Entwickler.
Naja, ich kann leider nicht hin, aber ich bin mit dem Herzen da.
Genau, ich auch und wir werden auch mindestens durch eine Person vertreten sein.
Ich war auf der Konferenz im Oktober 2018 Speakerin bei Bits & Bäume in Berlin. Das war an der TU Berlin. Und damals wurde auch ein Forderungskatalog erstellt. Also es ist auch sowas wie ein Manifest. Ich weiß nicht, ob du diese Forderungen kennst. Also ich gehöre auch zu den ersten Unterzeichnerinnen und vielleicht ist das ja auch etwas für euch, da auch mit dabei zu sein, weil ich finde, es lohnt sich halt in einer großen Community zu sein, weil man erstens mal halt aus dem Netzwerk auch neue Ideen, neue Anregungen bekommt. Also zumindest geht es mir so, dass man fühlt sich dann nicht so alleine und zum anderen kann man dann auch mit einer breiteren Masse andere überzeugen oder ich will auch nicht überzeugen, sondern ich will mehr aufklären und ein Beispiel geben und auch mit gutem Beispiel vorangehen. Also positive Anreize setzen.
Unbedingt. Ich behaupte jetzt, ich habe da auch schon unterzeichnet, aber ich gucke gleich im Nachgang nach. Wenn nicht, hole ich das nach.
Es steht unter bitsandbäume.de
Aber ja, also was du sagst, im Prinzip dieser Podcast soll ja auch in die Kerbe schlagen, dass wir einfach Geschichten sammeln. Keiner von uns hat die eine Antwort, wie diese riesengroßen beiden Themen wirklich genau zusammenhängen. Aber je mehr Geschichten wir sammeln, je mehr Interviews ich führe, desto besser wird das Gesamtbild. Ich hoffe, dass hier irgendwer zuhört, der sich jetzt ein Herz nimmt und sagt, ich werde da auch jetzt was machen in Zukunft.
Also es gibt schon einige. Ich kenne jetzt hier in Nürnberg führt auch zwei Unternehmen, kann ich dann gleich auch empfehlen, die sicherlich dann auch für ein Interview zur Verfügung stehen. Aber ich denke, dass man schon Zeichen setzt und es sollte auf jeden Fall. Und du hattest ja auch gesagt, wenn man so ein bisschen in die Zukunft schaut, was braucht man für eine nachhaltige Digitalisierung? Ich finde, man sollte auch so ein Siegel haben. Es gibt schon ein Siegel, den blauen Engel für nachhaltige USB-Sticks, für nachhaltige Datenträger, auch für nachhaltige Server. Aber ich meine auch für Unternehmen, dass man so ein Siegel hat, wer betreibt die Digitalisierung nachhaltig? Man sollte ein paar Standards haben, dass man in den Lieferketten eben keine Umweltverschmutzung hat und auch keine Menschenrechtsverletzung.
Also dass man so Mindestkriterien zumindest definiert, wie man es ja auch für Banken hat nach der EU-Taxonomie-Verordnung oder auch für andere Unternehmen.
Ja, das stimmt. Und ein Stück weit entsteht das ja. Der blaue Engel, es gibt den ja auch für Software. Allerdings, soweit ich weiß, bisher nur für Desktop-Software. Das ist vielleicht heutzutage nicht mehr ganz zeitgemäß. Leider. Aber wir sind da über den Bit.me auch involviert. Also der soll erweitert werden. Ah ja, sehr schön. In Richtung Cloud-Software. Ja, du hattest schon mögliche zukünftige Gäste angesprochen. Vorab die Frage, was ist eure größte Herausforderung? Woran arbeitet ihr gerade als nächstes großes Ding?
Wir persönlich arbeiten im Bereich Wasserstofftechnologie. Ich lehre auch selbst das Thema grüner Wasserstoff. Bin auch in dem Netzwerk Women in Green Hydrogen als Expertin gelistet. Und das bewegt mich, weil man über Wasserstoff eben eine Dekarbonisierung hinbekommt. Aber die Produktion von Wasserstoff ist da noch die größte Herausforderung. Und warum erwähne ich das hier in dem Podcast für nachhaltige Digitalisierung? Bei der nachhaltigen Digitalisierung hat man ja auch einen enormen Energieverbrauch und eine nachhaltige Digitalisierung kriegt man auch nur hin, wenn man wirklich zu 100 Prozent die Energie über erneuerbare Energien eben bereitstellt. Und das ist immer noch eine sehr große Herausforderung, wobei wir im Strombereich in Deutschland das Potenzial schon hätten, 100 Prozent erneuerbar zu sein. Der Wärmebereich ist halt der, der noch nicht über erneuerbare Energien eben realisierbar ist.
Und deswegen finde ich, also die größte Herausforderung ist wirklich Wasserstoff einzusetzen, eine Infrastruktur zu haben und eben Wasserstoff zu produzieren, der eben nachhaltig ist und nicht nochmal dann eine Infrastruktur zu haben, die eben auch sehr viel Energie, sehr viel fossile Energie braucht, sondern die eben auf grünen Strom setzt oder vielleicht auch auf biologische Ressourcen. Es gibt ja auch neben dem grünen Wasserstoff auch noch den orangenen Wasserstoff und der orangenen Wasserstoff nutzt eben biologische Ressourcen und da sind die Effizienzen auch größer. Man weiß jetzt noch nicht, wo die Zukunft hingeht, aber das ist eine große Herausforderung.
Das ist total spannend. Da müssen wir gleich im Nachgang noch einmal reden. Wir sitzen ja im Süden Hamburgs, in Harburg. Das ist ein sehr etablierter, alter Industriestandort. Und hier entsteht gerade eine riesengroße Szene rund um Wasserstoff, weil wir das Kohlekraftwerk Moorburg haben. Das war mal das modernste Kohlekraftwerk, zumindest in Deutschland. Das ist wieder abgeschaltet worden, was im Sinne der Energiewende eine sehr gute Sache ist. Es ist ein bisschen doof, dass wir das älteste Braunkohlekraftwerk das direkter Nebenstand weiter betreiben und den modernsten abschalten. Aber das Ding soll zu einem riesen Wasserstoff-Elektrolyseur umgebaut werden und es soll hier im Bezirk ein Wasserstoffnetz für die Industrie entstehen. Da wird es im Oktober ein Wasserstoff-Symposium geben und wir machen über den Wirtschaftsverein einmal im Monat eine digitale Veranstaltungsserie mit Gästen, die zu dem Thema reden.
Klingt so, als hätten wir da noch einen Anknüpfungspunkt.
Nächste Woche findet der Hydrogen Dialog, also eine Wasserstoffmesse in der Nürnberger Messe statt. Und zwar am 21. und 22. September.
Ich muss gucken, ob ich spontan Zeit habe. Wahrscheinlich nicht. Aber das behalten wir auf dem Zettel. Bevor wir jetzt hier komplett vom Thema abkommen. Vorletzte Frage. Gibt es Quellen, die du empfehlen kannst, die wir hier in die Show Notes aufnehmen sollten?
Ja, sehr, sehr gerne würde ich empfehlen den Herrn Jens Horstmann. Das ist der Vorstand der Trevisto AG. Trevisto AG ist ein Nürnberger Softwareunternehmen und die sind sehr stark in KI und Nachhaltigkeit. Und diese setzen machinelles Lernen ein, um Energie einzusparen, um eben hocheffiziente, gute Digitalisierung bereitzustellen. Wer hier in der Region auch noch sehr stark ist, ist der Geschäftsführer von der Firma Silbury GmbH in Fürth. Der Markus, der Nachname fällt mir jetzt gerade leider nicht ein, aber der Markus steht mit Sicherheit auch zur Verfügung für ein Interview. Und die Silbury GmbH setzen das Thema nachhaltige Digitalisierung vollumfänglich um, also von dem kompletten Lebenszyklus. Sie haben auch diese Philosophie, dass der komplette Lebenszyklus eben nachhaltig sein soll, also dass alle drei Säulen berücksichtigt sein sollen, die Ökonomie, die Ökologie und das Soziale.
Es ist natürlich auch immer noch sehr visionär, aber die Firma Silbury ist da schon sehr, sehr weit und betreibt das auch mit viel Engagement und Ernsthaftigkeit. Kann ich auch sehr empfehlen. Der Geschäftsführer Markus Neubauer betreibt das auch vom Herzen her.
Ja, spannend. Habe ich notiert. Werde ich unbedingt ansprechen. Sehr cool. Ja, also wenn ich auf die Uhr gucke, sind wir schon ein bisschen über die Zeit, die ich immer so anpeile. Ich glaube, wir könnten noch zwei Stunden weiterreden und es würde nicht langweilig werden. Aber für jetzt und hier würde ich sagen, lass uns ein Schlusswort finden. Wenn du an eine unbekannte Anzahl Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen ein letztes Wort richten sollst, was würdest du denen mit auf den Weg geben?
Ja, ich würde mir wünschen, dass vor allen Dingen die Agenda 2030, die ja jetzt in dem Podcast überhaupt nicht erwähnt wurde, aber die sogenannten SDGs, die Sustainable Development Goals, die es seit dem Jahr 2015 schon gibt und wir sind jetzt in der Halbzeit, die sollen bis 2030 umgesetzt sein, dass die auch bei der Digitalisierung mit berücksichtigt werden und auch Teil unseres kompletten Lebens werden, weil es ist ein Plan für die ganze Welt, für alle Länder dieser Erde wurde es auch ratifiziert. Deutschland hat es auch angenommen und ich würde mir wünschen, dass es auch bei den Menschen, bei den Privaten auch ankommt, alle 17 UN-Nachhaltigkeitsziele.
Das klingt sehr gut. Ich mache mit.
Das freut mich sehr.
Ja, dann ganz vielen Dank fürs Mitmachen, für dein Wissen, für deine Einblicke. Ich finde, das war sehr lehrreich. Ich habe ganz viel gelernt und ich fand es vor allen Dingen inspirierend.
Vielen, vielen Dank auch, dass ich Teil der Podcast-Serie sein darf.
So, da bin ich wieder. Schön, dass du noch zuhörst. Die Shownotes mit Links zu Empfehlungen aus dieser Episode findest du auf softwareforfuture.de. Hat dir die Episode gefallen oder gibt es was, was dich echt wurmt? Schreib uns dein Feedback an moin.lionizers.com. Wir freuen uns, von dir zu hören. Und jetzt wünschen das Team und ich dir noch eine schöne weitere Woche. Wir sind der Software for Future Podcast und werden präsentiert und produziert von den Lionizers. Die Lionizers stehen für nachhaltige, individuelle Produktentwicklung. Wir entwickeln für andere Unternehmen Software, die uns als Menschheit helfen soll, der Klimakrise die Stirn zu bieten. Danke fürs Zuhören.