E83: Warum sollten Coaching und Beratung immer zusammen gedacht werden? – Claudia Bose (CBO Business Consulting)

Welchen Beweggrund hast du? Was ist deine Vision?

Gemeinsam mit ihren Klientinnen und Klienten Visionen entwickeln, dicke Knoten entwirren und dabei helfen, die großen (Unternehmens-)Ziele in verdauliche Meilensteine zu zerlegen: Das sieht Unternehmensberaterin und Coach Claudia Bose als ihre Kernaufgabe. Sie ist seit mehr als 25 Jahren berufstätig und war Projektmanagerin, Unternehmensberaterin und Interim-Managerin.

Seit 8 Jahren ist sie freiberuflich unterwegs, mit ihrer eigenen Unternehmensberatung CBO Business Consulting. Lange Zeit hat sie für große Konzerne gearbeitet, doch das war ihr irgendwann „zu weit weg vom wirklichen Leben“. Inzwischen fokussiert sie sich auf Mittelständler, weil sie da „einfach viel ganzheitlicher“ arbeiten kann. Ein besonderer Schwerpunkt liegt aktuell bei Boses Arbeit auf weiblich geführten Unternehmen und der Unterstützung von Unternehmerinnen. Warum dieser Fokus? „Weil ich glaube, dass unsere Zeit jetzt ist und dass es so viele tolle Frauen gibt, die Unternehmen und große Bereiche führen. Und dies sehr erfolgreich tun auf ihre sehr eigene Art und Weise.“

Nur weil die letzten 100, 200, 300 Jahre Unternehmen von Männern geführt worden seien, heiße das nicht, dass ihr Weg der einzig wahre sei, ist Bose überzeugt. Gleichzeitig gebe es aber auch nicht den weiblichen Weg: „Es gibt so viele Wege, wie es Frauen gibt. Und ich möchte Frauen dabei unterstützen, in diese Rolle zu wachsen und ihre Unternehmen erfolgreich zu führen.“

Coaching und Beratung gemeinsam denken

In ihrer täglichen Arbeit ist Bose wichtig, Coaching und Beratung stets gemeinsam zu denken: „Ich bin der Meinung, dass Beratung nur dann nachhaltig erfolgreich ist, wenn Coaching integriert wird.“ Denn das bedeutet für die Expertin, nicht nur Prozesse zu verbessern, sondern auch die Menschen, die diese Prozesse umsetzen, wertzuschätzen und zu respektieren: „Prozesse sind Arbeitsprozesse, und das alles funktioniert nicht – auch nicht in der besten Digitalisierung oder in der hundertprozentigen Technisierung – ohne die Menschen, die einen Beweggrund haben, warum sie das machen.“ Beratungsprozesse könnten deshalb letztlich nur dann erfolgreich sein, wenn man genau das berücksichtige.

Menschen mit ihren unterschiedlichen Ängsten, Zielen und Visionen berücksichtigen

Je größer das Unternehmen sei, desto schwieriger sei es häufig, auf diese menschliche, ganzheitliche Seite angemessen einzugehen. Denn mit der Größe des Unternehmens würde auch die Menge an einzelnen, abgegrenzten Bereichen und Abteilungen wachsen. Und diese würden in der Regel meist separat betrachtet. Die meisten Klientinnen und Klienten würden zwar verstehen, wie wichtig Schnittstellen zwischen den einzelnen Bereichen seien. Sie würden das aber oft „sehr prozessual und technisch“ sehen. Es würde lediglich darauf geachtet, dass die Schnittstellen funktionierten und die Prozesse entsprechend angepasst seien. „Dass da aber auch immer Menschen sitzen, die teilweise unterschiedliche Ziele haben, unterschiedliche Ängste und unterschiedliche Visionen – das wird oft nicht berücksichtigt“, so Bose.

Eine weitere Herausforderung bei Unternehmen mit mehreren Geschäftsführer_innen sei es, dass viele nicht voneinander wüssten, was ihre jeweilige Vision in Bezug auf das Unternehmen sei. Fragen, die man dem Gegenüber immer stellen sollte, sind deshalb: Welchen Beweggrund hast du? Was ist deine Vision? Was willst du mit einem bestimmten Vorgehen erreichen? Wie sieht deine langfristige Strategie dahinter aus? Und welche Vorteile siehst du, wenn du drei, fünf oder sogar zehn Jahre in die Zukunft blickst?

Zwar könne man insbesondere bei Digitalisierungsprozessen nur bedingt in die Zukunft planen. Aber eine Grobvision sollte jede Unternehmerin und jeder Unternehmer haben – und diese auch von den Geschäftspartner_innen kennen. Zudem sollte sich jeder fragen, wie das Unternehmen von anderen wahrgenommen werden soll: Wie nehmen Mitarbeiter das Unternehmen wahr? Was sagen Kunden und Dienstleister über uns heute? Was könnten sie in drei, vier, fünf Jahren sagen? Daraus resultierend könnten dann verschiedene Maßnahmen entstehen, die nach Priorität sortiert in Angriff genommen werden könnten.

Ängste zulassen und anschauen

Zu guter Letzt geht Bose auf das Thema „Ängste“ ein. Denn gerade in Zeiten der Digitalisierung würden diese bei vielen getriggert. Entscheidend sei es, die Ängste – von sich und von anderen – anzuerkennen. Es gehe darum, sich die Ängste anzuschauen und sich nicht wegzudrehen vor der Angst. Denn, so Bose, Angst sei grundsätzlich nichts Schlimmes, sondern sogar etwas Lebensnotwendiges. Deshalb sei es auch absolut legitim und verständlich, wenn Mitarbeiter_innen im Rahmen der Digitalisierung Ängste um ihren Job äußern würden oder befürchteten, neuen Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Aufgabe der Geschäftsführung sollte es nicht sein, diese Ängste zu negieren oder kleinzureden. Aber es sei durchaus Aufgabe, die Ängste zu verstehen und die Mitarbeiter_innen zu ermutigen, einen kleinen Schritt in Richtung der Angst zu gehen und dann vielleicht noch einen und noch einen.

Je nachdem, wie lange sich die Mitarbeiter_innen wohl fühlten, könnten dann gemeinsame Lösungen gefunden werden. Es sei aber auch möglich, dass der gemeinsame Weg schließlich an sein Ende komme. Auch das sei in Ordnung – schließlich bedeute das keinesfalls, dass bis zu diesem Zeitpunkt alles schlecht gewesen sei. Es bedeute lediglich, dass das Unternehmen und die jeweilige Mitarbeiterin beziehungsweise der jeweilige Mitarbeiter von nun an neue, aber eben getrennte Wege gehen müssten.

Links aus dem Interview

Claudia Bose online

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