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E3909.01.201934 Min

Was ist denn „nachhaltige“ Digitalisierung?

Im Gespräch: Prof. Susanne Hensel-Börner (HSBA)

Titelbild zu E39: Was ist denn „nachhaltige“ Digitalisierung? – Prof. Susanne Hensel-Börner (HSBA)

Worum es geht

Prof. Susanne Hensel-Börner erklärt, wie digitale Transformation und Nachhaltigkeit in einem Studiengang verknüpft werden.

Prof. Susanne Hensel-Börner leitet den Masterstudiengang Digitale Transformation und Nachhaltigkeit an der HSBA in Hamburg. Ihr akademischer Hintergrund liegt im Marketing und Vertrieb. Seit 2009 unterrichtet sie an der dualen Hochschule.

Sie unterscheidet Digitalisierung als technischen Aspekt von digitaler Transformation, die Arbeitsweisen, Kommunikation und gesellschaftliche Strukturen verändert. Nachhaltigkeit definiert sie als Berücksichtigung von Auswirkungen auf andere an anderen Orten und zu anderen Zeiten.

Der Studiengang integriert beide Themen in allen Modulen. Beispiele sind die soziale Teilhabe durch Technik (z. B. Roboter für kranke Schüler) oder die Skalierung von Foodsharing durch digitale Plattformen. Kollaboration und kritisches Denken sind zentrale Elemente.

Sie empfiehlt die SDGs als Orientierung und Bücher wie „Eine smarte grüne Welt“. Die Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit ist keine Modeerscheinung, sondern eine notwendige Verantwortung, die sich langfristig auch wirtschaftlich auszahlt.

Ursprüngliche Shownotes 09.01.2019

Was ist Digitalisierung? Mit der Frage beschäftigen wir uns hier seit einer ganzen Weile. Und was ist Nachhaltigkeit? Nachhaltigkeit ist ein ebenso großes und schwer fassbares Wort wie Digitalisierung. Und was passiert, wenn man diese beiden Begriffe in einem Studiengang zusammenbringt? Die Antworten darauf bekommen wir heute von Prof. Susanne Hensel-Börner, Studiengangsleiterin für den Master „Digitalisierung & Nachhaltigkeit“ an der Hamburg Schoob of Business Administration (HSBA). 

Prof. Hensel-Börner leitet das Department Marketing & Sales an der HSBA und hat den Studiengang Digitalisierung & Nachhaltigkeit ins Leben gerufen. Sie hat schon in den Anfangstagen des Internets E-Commerce und Online Marketing betrieben und befasst sich heute neben all den Möglichkeiten, die uns das Internet und die Digitalisierung bieten, auch mit den ganz vielfältigen Folgen davon.

Die folgende Definition von Nachhaltigkeit aus dem Interview finde ich sehr greifbar: „Nachhaltigkeit bedeutet, bei allem was wir tun zu berücksichtigen, was es zu einem späteren Zeitpunkt, an einem anderen Ort für jemand anderen bedeuten kann“. Genauso greifbar sind die 17 Sustainable Development Goals (SDG), die auf eine umsetzbare Nachhaltigkeit abzielen.

Ich habe in dem Gespräch sehr viele spannende Dinge gelernt, gerade auch sehr praktische Gedanken zur Umsetzbarkeit im kleinen Rahmen. Ich hoffe dass ihr auch ein paar gute Gedanken mitnehmen könnt!

Viel Spaß beim Zuhören!

Links aus dem Interview:

Transkript

4.600 Wörter

Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.

Hallo und herzlich willkommen zur 39. Folge vom Podcast Wege der Digitalisierung. Dies ist die erste Folge im neuen Jahr, wie angekündigt mit dem neuen Interviewformat. Vor mir sitzt Professor Hensel Börner. Wir haben uns kennengelernt bei einem Unternehmerabend der GLS Bank im letzten Jahr. Frau Hinsel-Börner leitet den Studiengang Digitale Transformation und Nachhaltigkeit an der HSBA. Und weil wir ja auch sehr das Thema Nachhaltigkeit und Verantwortung im Herzen tragen und versuchen umzusetzen, bin ich sehr gespannt auf die Themen, die wir heute besprechen werden. Herzlich willkommen, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen.

Ja, herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein.

Ja, erzählen Sie doch mal in Ihren Worten ein bisschen, wer Sie sind, was Sie dahin getrieben hat, wo Sie heute sind.

Ja, klar. Die Zuhörer sollen ja hören, wer hier sozusagen aus dem Off spricht. Ich bin Susanne Hänsel-Börner. Ich bin seit 2009 Hochschullehrerin hier in Hamburg an der dualen Hochschule HSBA, die Hamburg School of Business Administration. Ich unterrichte da seit zehn Jahren im Bachelor- und Masterbereich. Mein fachlicher Hintergrund sozusagen, wo ich ursprünglich herkomme aus meiner akademischen Vita und auch meiner unternehmerischen Tätigkeit, ist Marketing und Vertrieb. Und mit einem Kollegen zusammen habe ich jetzt in diesem Jahr 2018 das neue Masterprogramm Digitale Transformation und Nachhaltigkeit konzipiert. Mit diesem Studiengang brechen wir viele Muster. Als wir die ersten Ideen aufgebracht haben, war so die Frage, was bitte schön wollt ihr verbinden und was für ein Thema sucht ihr euch daraus?

Das ist jetzt irgendwie knapp zwei Jahre her. Manchmal dauert das ja, bis solche Dinge dann am Markt sind. Und es ist interessant, jetzt sind wir sehr erfolgreich gestartet und alle lächeln jetzt eher, wenn sie davon hören, ah, die beiden Trendthemen. Plötzlich klingt es als, naja, das, was jeder macht. Das könnte man negativ sehen. Ich sehe es eher positiv, weil ich mich freue, dass sozusagen die Notwendigkeit und die Awareness dafür entstanden ist, die beiden Themen miteinander zu verknüpfen. Wir sind jetzt im Oktober mit unserem ersten Jahrgang gestartet. 15 motivierte, ganz unterschiedliche junge Menschen, die interessanterweise eben so unterschiedlich sind, weil die einen mehr aus der digitalen Transformationsthematik und ihren entsprechenden Unternehmen kommen und die anderen eher aus der Einflugschneise Sustainability.

Und die zusammenzubringen macht wahnsinnig viel Spaß und es ist eine sehr motivierte Truppe, mit den jungen Menschen zu arbeiten.

Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe nachher eine Frage dazu. Ich bin sehr gespannt, wo die so herkommen. Kommen wir später zu. Fange ich mal an mit der Frage, die eigentlich immer hier im Podcast am Anfang steht. Was ist Digitalisierung? Und da bin ich jetzt sehr gespannt auf Ihre Perspektive.

Was ist Digitalisierung für mich? Auch in der Konzeption des Studiengangs haben wir lange diskutiert, wie benennen wir das? Für mich ist Digitalisierung der Begriff an sich zu wenig für das, was in der Welt im Moment passiert. Deshalb ist für mich digitale Transformation der ganzheitlichere, der umfassendere Begriff. Und mit der Digitalisierung assoziiere ich sehr stark die technische Komponente. Die Umsetzung, die Nullen und Einsen, mit denen wir das als Instrument nutzen. Tatsächlich wirkt sich das aber auf ganz viele Dinge aus, wie wir als Menschen miteinander umgehen, leben, wie wir vernetzt sind. Daten, das geflügelte Buzzword, sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts und auch wie wir miteinander kommunizieren.

Und sehr viel ist von dieser technischen Veränderung ausgelöst und wirkt sich eben deshalb ganzheitliche Perspektive, digitale Transformation auf unser Miteinander an der Stelle aus.

Okay, also ich versuche das mal ein bisschen zusammenzufassen. Digitalisierung ist nur der technische Aspekt davon. Und diese digitale Transformation, die unser Miteinander verändert, können Sie da noch ein bisschen konkreter sagen?

Also in unserem Studiengang gibt es zum Beispiel so Module wie agiles Arbeiten und es heißt nicht Projektmanagement, sondern dieses agile Arbeiten miteinander. Wie wir miteinander kommunizieren ist für mich sehr, sehr wichtig und deshalb auch das Ganzheitliche für uns als Mensch, also bis hin zu, dass auch ein Philosoph in diesem Studiengang unterrichtet, der mal sozusagen gesellschaftliche Veränderung mit in den Blick nimmt und nicht nur Fokus, App, wie geht das jetzt? Und nur Programmieren in Anführungszeichen.

Ich versuche es gerade zu greifen, aber ich glaube, ich habe ein Bild.

Also ich glaube, Digitalisierung und digitale Transformation, es wird an verschiedenen Stellen auch synonym verwendet. Es ist auch etwas, was uns alle bewegt, was für jeden auch ein bisschen unterschiedlich ist. Aber es ist aus meiner Sicht etwas, was passiert und wir noch massiv unterschätzen und augenblicklich auch noch sehr viel Unsicherheit rauslöst.

Ja, das mit der Unsicherheit kann ich bestätigen. Okay, also ich versuche es nochmal. Digitalisierung ist eher der technische Aspekt, über den auch schon viel geredet wurde. Und digitale Transformation ist das umfassendere Verändern von Arbeitsprozessen, Arbeitsweisen, Kommunikation und am Ende auch sogar gesellschaftlichen Prozessen.

Ja.

Okay. Dann haben wir ja heute ein zweites, ähnlich breites Thema. Was ist denn Nachhaltigkeit?

Als ich den Studiengangs erst mal vorgestellt habe, die Idee mit der Verbindung dieser beiden Themen, hieß es, Susanne, das mit der digitalen Transformation, Lottwiesch mit Katze, das ist super, das mit diesem Voodoo-Zeug daran, muss ich mir noch genauer angucken, muss ich mich dran gewöhnen. Auch genauso wie, glaube ich, das Begriffswirrwarr bei Digitalisierung besteht, gibt es das bei Nachhaltigkeit auch. Für mich, und das ist auch das, was wir unseren Studierenden beibringen wollen, ist Nachhaltigkeit, wenn ich bei jeder Entscheidung, die ich treffe, bei allem, was ich tue, mit berücksichtige, was bedeutet das für andere an einem anderen Ort und zu einem anderen Zeitpunkt. Jetzt könnte man natürlich die klassischen drei Säulen der Nachhaltigkeit usw.

Ich glaube, da herrscht sehr große Einigkeit in der Begriffsdefinition. Aber dieses, was ist es für andere an einem anderen Ort und zum anderen Zeitpunkt, stelle ich auch in den Diskussionen fest, macht es sehr schnell greifbar und unmittelbarer bei allem, was man tut. Und es hat nicht gleich so dieses Öko-Label irgendwas, sondern es wird ganz operativ und sehr konkret bis hin zu sehr persönlich. Und das ist das, was man eigentlich braucht bei der Entscheidung und bei den Themen, weil erst dann führe ich ein Umdenken oder komme ich zum Umdenken und zu wirklichen Veränderungen, wenn ich unmittelbar gefühlt betroffen bin.

Ich finde die Definition super. Also bei allem, was wir tun, berücksichtigen, was es für andere zu einem anderen Zeitpunkt und an einem anderen Ort möglicherweise für Konsequenzen hat. Das macht das irgendwie greifbar. Also das löst sofort so einen Denkprozess bei mir aus.

Das ist genau die Idee und das kann eben von, weil sonst global, das ist alles immer gleich sehr weit weg. Und was wir in den Nachrichten sehen, ist sehr abstrakt. Aber so kann ich das runterbrechen auf jede Kleinigkeit und auf mein tägliches Tun und Denken. Und das ist, glaube ich, das, was die Idee dahinter ist und was ich auch beobachte, was recht gut funktioniert.

Nur so aus Interesse heraus gefragt, weil Sie dieses Öko-Thema angerissen haben. Ist das denn aus dieser Ecke mittlerweile auch in der Öffentlichkeit raus? Also ich bin diesem Öko-Thema persönlich sehr verbunden. Also ich befasse mich damit schon länger, aber ist das irgendwo in der Allgemeinheit angekommen auf diese Weise?

Also aus den letzten zwei Jahren mit den unterschiedlichen Gesprächspartnern auf den unterschiedlichsten Ebenen bin ich nach wie vor überrascht, wie weit die beiden Themen, heutzutage nennt man sowas ja Filterblasen, Digitalisierung und Nachhaltigkeit doch noch weit entfernt voneinander sind. Die SDGs, also die Sustainable Development Goals, die jetzt sozusagen präsenter werden, die lösen solche Prozesse aus. Und ich habe gerade neulich mit jemandem wieder gesprochen, der seit 20 Jahren Nachhaltigkeitsberatung macht und die immer in diesen Stab stellen und immer in ihren Closed-Shop und ihren Abteilungen waren. die beobachten auch, dass plötzlich die Kollaboration und die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen, mit den Marketingleuten sozusagen, es fängt an, ich würde sagen, man fängt an, sich vorsichtig aneinander anzunähern.

Wobei sozusagen die ganz digitalen Start-up-Hippen, wenn man jetzt jedes Klischee belegen will, noch relativ weit weg sind. Und ich auch erstaunt bin, wie viel Unwissenheit auch darüber herrscht, beispielsweise was die Digitalisierung für eine maßgebliche Elektrifizierung ist. Und da herrscht noch sehr, sehr viel Unwissenheit auf dieser Seite, Umgekehrt auch im Kontext der Nachhaltigkeit, dass andere Extrem, die Bösen in der digitalen Welt mit Transparenz und meine Daten werden ausgelesen, ich werde beobachtet. Also da sind auch Vorbehalte nach wie vor noch zu beobachten.

Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen. Bevor wir gleich zu der Frage kommen, wie man diese beiden Begriffe verbindet. Sie haben eben schon das Stichwort SDG gesagt, Sustainable Development Goals. Und das ist ja sehr konkret und ich meine, dass Ihr Studiengang sich auch relativ stark darum organisiert. Können Sie das nochmal kurz in ein paar Sätzen erklären, was das ist, für die, die zuhören, die es noch nicht wissen?

Also die 17 Sustainable Development Goals, dieses bunte Logo, was man ja immer mehr sieht, sind 2015 von der UN sozusagen ins Leben gerufen worden, bei dem sich 193 Staaten miteinander auf diese Ziele und vor allem das Erreichen dieser Ziele bis 2030 sozusagen vorgenommen haben. Sozusagen unsere globale Agenda, könnte man es an der Stelle formulieren. Die haben auch eine Historie, wie die früheren die Millennium Goals, die sie vorher waren. Aber sie sind zum ersten Mal jetzt der Versuch, diese gemeinsame große Verantwortung in Teilthemen zu strukturieren und auch damit einfach handhabbarer zu machen, um auch wieder hier eine Verbindung herzustellen, dass jedes einzelne Element sozusagen oder jedes einzelne Unternehmen und jedes einzelne Business Case oder Sonstiges seinen bestimmten Fokus ziehen kann, um dann einen Beitrag für das große Ganze zu machen.

Was auch da wieder hilft, um es nicht zu abstrakt zu lassen.

Okay, das heißt, im Prinzip sind das Ziele und Ziele sollten ja mal irgendwo einen Zeitpunkt haben. Das ist 2030 und sie sind auf eine Weise messbar, dass ich mir als Unternehmer einen kleinen Aspekt davon rausbrechen kann und sagen kann, wenn ich das erreiche, dann trage ich mein Stückchen bei zu dem großen ganzen Ziel.

Das ist die Idee, das ist auch in der Theorie so, dass wir immer unterrichten, wie Ziele sein müssen, zeitlich begrenzt, klar definiert, bis wann, was ist der Zielerreichungsgrad und diese Dinge. Wenn man sich das nun für 193 Nationen auf dieser Welt vorstellt, mit sehr unterschiedlichen Situationen, Voraussetzungen, Notwendigkeiten, so viel zur Theorie. Wir merken gerade jetzt in unseren ersten Projekten mit den Studierenden zusammen, so leicht ist es natürlich gar nicht, das zu messen und zu quantifizieren. Aber der erste Schritt ist diesen, ja man könnte es auch Wertekanon nennen, zu verschriftlichen und es ist etwas, nicht was nice to have wäre, was man sich schön belabelt, sondern wir haben alle die Verantwortung dafür und das auch wirklich sozusagen als Muss zu akzeptieren.

Also finde ich total spannend. Ich stelle fest, dass wenig Leute davon wissen, mit denen ich so rede.

Das ist auch meine Beobachtung, also um nochmal den Bogen herzustellen für das Programm. Wie setzen wir das um? Und es ist für uns formuliert als Leitbild. Und am Anfang dachte ich auch, für jedes Projekt und alles, was wir tun, messen wir, welchen Beitrag wir konkret geleistet haben. im besten Fall jeder einzelne Studierende in seinem Unternehmen. Tatsächlich habe ich genau diese Beobachtung, wenn wir die Bekanntheit dafür erhöhen und dieses Bewusstsein in diese Richtung, dann erreichen wir schon eine ganze Menge. Und dann fängt es auch an, sozusagen als Multiplikator zu werden. Mein Ziel ist es ganz klar, unsere Studierenden auszubilden in der Gesellschaft und für ihre Unternehmen und unsere Gesellschaft Multiplikatoren und Botschafter für die 17 SDGs zu sein.

Okay, ich finde das eine super Überleitung zu der Frage, wie verbindet dieser Studiengang denn digitale Transformation und Nachhaltigkeit? Also ich finde, da steckt so ein bisschen die Frage hinter, warum ist denn digitale Transformation nicht nachhaltig? Provokant in den Raum gestellt.

provokant. Oder warum nutzen die Nachhaltigkeitsaktivisten nicht die Digitalisierung, um eine viel größere Skalierung zu machen? Die Themenverbindung ist, wenn ich jetzt ganz ehrlich bin, fast ein bisschen durch Zufall entstanden. Mein Hintergrund ist ja Marketing und Sales. Und irgendwann kam ich schon in diese Komponente, gerade im Sinne nachhaltiger Konsum und solche Dinge. Ich will nicht sagen, ich habe mir die Sinnfrage gestellt, aber so ein bisschen vielleicht in diese Tendenz. Und als wir das Programm aufgesetzt haben, als Hochschule muss man sowas ja auch immer akkreditieren und auch jeder Studienbewerber guckt sich dann immer das Curriculum an. Und dann ist immer die Frage, okay, welches sind denn die Module, so heißt das ja in den Hochschulen, für das Thema Digitalisierung oder digitale Transformation?

Und welche sind denn die Nachhaltigkeitsthemen? Dann sage ich immer, wenn man das eindeutig identifizieren könnte, dann hätte ich was falsch gemacht. und es ist durchgerutscht, es gibt tatsächlich eines von meinem volkswirtschaftlichen Kollegen, das heißt noch nachhaltig wirtschaften, das ist sozusagen ein einziges Modul, wo explizit das Leben drauf ist. Denn für mich ziehen sich beide Themen grundsätzlich durch das gesamte Curriculum und zu all dem, wie wir miteinander arbeiten und wie wir Lösungen für unsere Probleme in dieser Welt suchen.

Das eine oder das andere

kann man an der Stelle eigentlich noch gar nicht denken, wenngleich die Dinge natürlich im Widerspruch an manchen Stellen stehen, was wir auflösen müssen.

Können Sie da mal ein Beispiel geben? Also ein Beispiel, ein Modul, was diese beiden Themen verbindet, was jetzt nicht intuitiv wäre?

In jedem Projekt findet es natürlich statt. In dem Moment, wenn wir jetzt Ideen haben zur Mobilität, Sharing Economy, also Carsharing und solche Komponenten, gleichzeitig beobachten und zu diskutieren, halt Stopp, wie sieht es denn mit den und Effekten aus, führt das nicht zu noch mehr Verkehr, weil die Leute, weil es noch bequemer ist, einfach schlichtweg noch mehr an der Stelle fahren, sozusagen.

Okay, das finde ich spannend. Haben Sie noch ein Beispiel?

Ich glaube, der wesentlichste Punkt ist dieses Bewusstsein, das kritische Denken auf der einen Seite, was die Digitalisierung für Chancen gibt, aber gleichzeitig die massive Elektrifizierung, Ressourcenverbrauch und an solchen Stellen das an der Stelle zu berücksichtigen. Oder in dem Modul Effekte der Digitalisierung haben wir gerade thematisiert gehabt, wie Robotik oder sozusagen Mixed Reality dazu beitragen kann, für die soziale Teilhabe von Gehandicapten oder so ein konkretes Beispiel wäre, es gibt ein Startup, die haben so einen kleinen Computer, so einen kleinen Menschenentwickelten Roboter, über den Schüler, die krank sind, also langfristig krank sind, sozusagen mit ihrer Klassengemeinschaft präsent sein können.

Also das krebskranke Kind kann nicht zur Schule kommen, aber für ihn ist sein, ich nenne es mal digitaler Freund, physisch anwesend im Klassenraum. Und damit ist jetzt über sozusagen die technische Komponente die gesellschafts-soziale Teilhabe des Kindes, was krank zu Hause wäre, hergestellt. Also das hier sozusagen auf die Dimension Nachhaltigkeit soziale Teilhabe in der Perspektive. Die ökologische, das ist immer das Elektrifizieren, das liegt immer sehr präsent. Aber gerade die soziale Teilhabe als Unterstützung für ausgegrenzte Menschen.

Okay, das finde ich spannend. Und was heißt...

Und was weiß man jetzt gerade noch, weil ich vorhin so lange überlegen musste, also Foodsharing-Geschichten, also Reste wegschmeißen, ohne Digitalisierung, ohne die Kommunikation an der Stelle, würde sowas in der Umsetzung gar nicht funktionieren. Das heißt, viele kleine Initiativen im Sinne der Nachhaltigkeit von motivierten Aktivisten oder Gutmenschen, wenn man es sonst nennt, die haben die Möglichkeit oder die Digitalisierung gibt hier die Möglichkeit, eine ganz andere Skalierung hinzukriegen, was sozusagen die positive Effekte der spannenden und guten und sozialen Ideen ermöglicht. Stichwort Social Entrepreneur.

Ja, das macht Sinn. Da kenne ich auch viele, die letztendlich über Meetup solche Sachen gefunden haben. Lebensmittelretter ist, glaube ich, so ein Hamburgger. Er ist bestimmt über Hamburg hinaus bekannt, aber die sind hier ganz aktiv.

Weil Sie das Stichwort Meetup nennen, Gerade dieser Kollaborationsgedanke, dieses nicht mehr Einzelkämpfer tun, sondern dieses Kollaborationsgedanke, sich mit anderen zu vernetzen, das ist das eben auch für mich eine wesentliche Dimension der Digitalisierung, dass das überhaupt erst in diesen Maßstäben stattfindet und dass man so relativ leicht mit Menschen zusammenkommen kann und gemeinsam an Herausforderungen und Ideen zu bündeln.

Finde ich total spannend, wenn ich es überlege. Die Anfangszeit des Internets, da haben im Prinzip sich die Nerds und die Hacker irgendwo in ihren... Also die haben das von Anfang an gemacht. Also die hatten das Medium als erste zur Verfügung und die haben es gemacht. Und das heißt, es kommt jetzt einfach überall an.

Ich gerade, weil sie das Stichwort Nerd bezeichnen, was auch so für mich ein Learning ist, das sagt man auch, ich forsche auch viel über interdisziplinäre Zusammenarbeit. Ich meine, es ist so, dass so ein Nerd und so ein Marketing-Mensch eine andere Sprache spricht. Und die Kommunikation ist nicht immer ganz einfach. Da habe ich ganz lustige Erlebnisse selber, wenn mir ein Data Scientist mich in GitHub eingeladen hat, um gemeinsam an dem Projekt zu arbeiten. Und der mir dann seinen Pass, also mich freischaltet und mir ein Passwort schickt per E-Mail kurz. Und sagt, Vorsicht, das ist aber ganz, also eigentlich ist das nicht gut genug. Und wirklich sicher ist das Passwort auch nicht. Und ich sah dann so in meiner Inbox dieses Passwort mit 36 Zeichen, Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen, Sonderzeichen, irgendwas.

Und meine erste Reaktion, ich musste schallend lachen. User-Centricity, was der Marketingmensch die ganze Zeit denkt, aus Anwendungsgesichtsgrund, ein absolut unbrauchbares Passwort, was für den Data Scientist nur semi-gut war. Und das Interessante, deshalb komme ich gerade darauf, weil sie sagten, dass die Nerds sozusagen dieses Teilen von Wissen und diese Open-Source-Gedanke, das heißt, mein Learning ist, untereinander haben die ITler schon viel offener miteinander kommuniziert und vor allem offener kommuniziert. Und man sieht immer nur diese Sprachbarriere zwischen den Nerds und den, ich will jetzt nicht sagen, und die anders denkenden Menschen. Und ich finde es hochspannend, dass wir in unserer Kommunikation und auch aus Marketinggesichtspunkten im Sinne der Kommunikation von den Nerds was lernen können.

Finde ich eine ganz hochspannende, was ich selber nie erwartet hätte in der Komponente.

Ich habe das auch noch nie so betrachtet, aber es macht total Sinn. Also es ist einfach so, wenn man da an das Usenet der 80er zurückdenkt. Also heute ist das Beat-up und es gibt Gruppen für alles. Aber die Leute, die sich über den Dienungskörnel ausgetauscht haben, die haben das schon vor Jahrzehnten gemacht.

In der reinen wirtschaftlichen Perspektive im Business Case, im Marketing reden wir jetzt davon, der Kunde wird plötzlich Mitgestalter der Marke über Social Media, der redet mit und die sharen und die teilen und man ruft das raus. Was sozusagen für die, denen man immer sagt, mit denen kann man nicht reden, eigentlich kalter Kaffee ist. Ja. Habe ich auch noch nie so deutlich so gesehen.

Ja, haben wir doch schon eine Erkenntnis gemeinsam bekommen. Okay, ich würde gerne die Antworten von eben so ein bisschen versuchen auf ein, was habe ich denn davon zu bringen. Und zwar, wenn ich mich jetzt mal in die Lage versetze von irgendwem, der hier zuhört, der vielleicht irgendwie für das Thema Digitalisierung im Unternehmen verantwortlich ist. Und ich unterstelle jetzt mal, solange es mir keine Mühe macht, möchte jeder eigentlich die Welt verbessern. Wie könnte ich das verbinden? Also Sie hatten schon die Beispiele gesagt, Projekte, die Sie machen, aber so diese klassischen Digitalisierungsfragen, die eigentlich jedes Unternehmen umtreibt, die kann ich ja auch mehr oder weniger nachhaltig gestalten.

weil wir vorher darüber geredet hatten, also nachhaltig nicht im Sinne von, wie mache ich das, dass das im Unternehmen auch bleibt, sondern nachhaltig in dem Sinne, wie wir eben darüber gesprochen haben.

Das ist ganz häufig immer die Frage, und jetzt konkret, wie mache ich es? Und zweitens, was bringt mir das? Ich bin aufgewachsen, mein Vater hat immer zwei Sachen gesagt, die er von mir nie hören wollte. Und das eine war, ist mir egal. Und das zweite ist, was bringt mir das? Irgendwie hat er mir beigebracht, mich immer erst mal zu fragen, was habe ich letztendlich davon? Nichtsdestotrotz, die ökonomischen Gesetze sind ja nicht irgendwie sozusagen ganz auf der Dürfe gekommen. Also meine erste Antwort auf die Frage ist immer, also die SDGs, über die wir vorhin gesprochen haben, das ist kein Nice-to-have. Wir haben eine Verpflichtung eingelegt. Jetzt kann man das immer abschieben auf, ja, das große Ganze, die Politik.

Aber meine Überzeugung ist und mein Menschenbild ist und ich möchte auch daran glauben, dass sich jeder dafür verantwortlich fühlt. Das ist das eine. Und das andere ist, gerade die junge Generation steht ja unter immer dieses, sie wollen nicht mehr wirklich richtig arbeiten und sind so Minimax-Optimierer und suchen noch die Work-Life-Balance. Ich kann das nicht unmittelbar quantifizieren, aber was ich feststelle ist, wenn Mitarbeiter oder Kollegen oder die jungen Menschen einen Sinn darin stehen, jetzt ist so dieses Sinnstiftende, ist so abgedroschen, Aber es ist wirklich so, wenn sie wissen wofür, dann löst das Motivation und Kräfte aus. Die sind exponentiell, nehmen die zu mit Einsatzbereitschaft und etwas bewegen können und zu wollen.

Aus Hochschullehrersicht stelle ich das immer fest, wenn man die Studierenden gestalten lässt, dann sind sie längst von, die Note ist mir ganz egal, ich habe ganz viel gelernt. Das Gleiche ist sozusagen aus Unternehmensperspektive, dass dann auch die Mitarbeiter wirklich Spaß daran haben und auch gerne auch mal die Extrameile gehen. Und wir Menschen sind ein soziales Wesen und in der Interaktion und in der Gemeinschaft fühlen wir uns schlichtweg wohler. Und um es im Business-Deutsch auszurücken, performen wir auch besser und mehr. Und das, glaube ich, rechnet sich langfristig allemal. Und es mag pathetisch klingen, aber wenn man sich das anguckt, wie wir in Katowice geschritten haben, wie wir im Sommer wissen, dass das Klimaziel mit zwei Prozent eigentlich immer noch nicht reicht, es ist wirklich so.

Also wir müssen, wir haben nicht mehr die Wahl, wir müssen uns dem stellen und ich habe vorhin das definiert mit, was bedeutet, was ich tue für andere am anderen Ort, zum anderen Zeitpunkt, haben wir eine Verantwortung. Und ich bin sicher, auch durch die SDGs und sonst das Thema, ich hatte angedeutet, noch ist es ein bisschen in der Ökoszene, aber der Tsunami rollt auf uns zu, es wird sich verändern. Und spätestens dann kippt das in dem Moment, wenn wir anfangen, das zu thematisieren, ernsthaft.

Das heißt, ich versuche mal das zusammenzufassen. Also einerseits, das ist genau das Thema der digitalen Transformation mit Bestimmung, Kollaboration. Also ich darf das nicht einfach verordnen und sagen, das ist jetzt so, sondern ich muss die Leute mitnehmen, da wo sie sind und ihnen erklären, warum wir das tun und wo wir hinwollen. Und andererseits kann ich mich an den SDGs orientieren, es gibt glaube ich eine sehr schöne Webseite dazu. Das heißt, ich kann mir die angucken und kann da relativ einfach rausfinden und auf welche 1, 2, 3 davon kann ich vielleicht einzahlen, indem ich nur ein paar ganz kleine Kleinigkeiten verändere, was ich eh tun würde. Okay. Also ich würde, ich werde die SDGs auf jeden Fall verlinken. Also wer nachher in die Shownotes guckt, findet das hier über den Podcast.

Das ist die perfekte Überleitung zu der nächsten Frage. Haben Sie außer den SDGs eine Quelle oder mehrere Quellen, die Sie empfehlen würden, wenn jemand sich speziell mit diesem Schwerpunkt Nachhaltigkeit und digitale Transformation weiter befassen will?

Also ich trage im Moment in meinem Rucksack, wenn ich unterwegs bin, immer das Buch Eine smarte grüne Welt von Steffen und Tillmann in meinem Rucksack. die eben so neutral wie möglich sozusagen einfach die beiden Seiten dieser Medaille Digitalisierung und Nachhaltigkeit für die verschiedenen Lebens- und Gesellschaftsbereiche bei uns thematisieren und auch mal verdeutlichen an der Stelle. Und das andere ist, so geht es mir manchmal, dass ich denke, viele alte Quellen, ob es Konfuzius oder sonst was ist, da sind wir in einer Zeit, in der wir glauben, dass alles anders, alles neu und so ist, wie es nie da gewesen ist. Und doch gibt es ganz viele Klassiker, wo man denkt, die wussten schon vor mehreren hundert Jahren letztendlich, was für uns heute noch oder sind heute noch genauso aktuell.

Wenn nicht gar aktueller.

Haben Sie da einen Speziellen im Sinn, den Sie empfehlen wollen?

Nicht konkret in dem Moment.

Okay. Passt, finde ich, ganz gut zu der Aussage, die aus einem älteren Interview kam. Da habe ich den Rolf Funk interviewt. Der war Vorstand der Deutschen Bank mit und hat hier im Podcast erzählt über 50 Jahre Führung. Der hat im Prinzip auch das gesagt, das, was heute da ist, das ist nicht neu. Also das, was heute als agiles Arbeiten und Work 4.0 und diese ganzen Buzzwords gehypt wird, die Leute, die in den 50ern wussten, wie man gute Teams führt und gute Strukturen aufbaut. Also wir haben das damals auch schon gemacht.

Da geht mir das Herz auf, wenn Sie das sagen und sozusagen maximal sekundiert diese Aussage. Vieles ist nicht neu, sondern das ist einfach gute Führung, wertschätzende, auf Augenhöhe Kommunikation miteinander. Das ist nichts Neues und manchmal heute noch genauso schwierig, wie es schon immer war. aber genauso wichtig, wenn nicht gar wichtiger. Und gerade vor dem Hintergrund, wo wir sehr viel immer mit der Digitalisierung der Technik reden. Also ich bin immer fasziniert, dass in unserem Digital Innovation Lab, da findet nie was Technisches mit dem Computer fast statt. Da reden wir miteinander, wir kleben Zettel, das reicht auch nicht. Also Pussy-Notes kleben ist auch nicht die Lösung aller Dinge.

Aber wir haben immer diese technische Perspektive darauf. Die menschliche ist die wertvollere und die viel wichtigere an der Stelle. Das Technische danach, wenn die Motivation stimmt, erledigt sich von alleine. Wir müssen nur den Mut haben und unsere Verwandtordnung wirklich nachkommen, damit wir nicht gestaltet werden, sondern die Gestalter sind.

Ich finde, das ist ein sehr schönes Schlusswort. Ich habe trotzdem ein Schlusswort. Einer noch. Und zwar die Frage, die ich immer am Ende stelle. Haben Sie jemanden, den Sie hier gerne hören würden in einem späteren Interview?

Ich stelle mir gerade meine Nachbarin im Alter von 97 Jahren vor. Die ist letzte Woche 97 geworden. Das ist jetzt nicht realistisch, dass sie interviewt wird. Aber die Frage, wenn jemand das einordnen könnte, was wir alles so neu halten, würde ich unglaublich faszinierend finden. Und wenn ich die sehe, dann stelle ich mir auch immer genau die Frage, was bitte schön genau macht die digitale Transformation mit meiner Frau Krug um die Ecke. Wäre ein guter Gesprächspartner fürs nächste Mal, aber ich glaube, in guter Hochschulmanier nehme ich mir das als Hausaufgabe mit und würde die Überlegung und die konkrete Person, mit der das umsetzbar ist, gerne nachliefern.

Okay, hervorragend, sehr gerne. Okay, dann bin ich durch mit meinen Fragen. Falls Sie keine Anmerkungen haben, würde ich sagen.

Ich hoffe, die Hörer hatten Spaß und können manche Gedanken nachführen. Und ich freue mich auch über Weitersparen, Widerspruch, gemeinsames Weiterentwickeln. Denn auch wir alle lernen voneinander und müssen voneinander und miteinander lernen.

Das stimmt. Gucken wir mal, was an Feedback kommt. Ich werde es auf jeden Fall dann weiterleiten.

Gerne.

Okay. Ja, ganz vielen Dank für Ihre Zeit, für das Wissen. Das war die 39. Folge Podcast Wege der Digitalisierung. Ich werde alle Quellen, alles, was wir so genannt haben, verlinken, wie immer, auf der Webseite wegederdigitalisierung.de zu finden. Wie immer freue ich mich über E-Mails, über Kommentare unter der Episode, wenn ihr es teilt bei Facebook, Twitter, Xing, LinkedIn. Feedback jederzeit gerne. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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