E8311.11.202029 Min
Warum sollten Coaching und Beratung immer zusammen gedacht werden?
Im Gespräch: Claudia Bose (CBO Business Consulting)

Worum es geht
Claudia Bose berät weiblich geführte Unternehmen und verbindet Beratung mit Coaching.
Claudia Bose ist Unternehmensberaterin und Business Coach mit Schwerpunkt auf weiblich geführten Mittelständlern. Sie arbeitet seit zehn Jahren selbstständig und war früher für große Konzerne tätig. Ihre Beratung umfasst Prozessoptimierung, CRM- und ERP-Systeme sowie die Digitalisierung von Arbeitsabläufen.
Sie betont, dass Beratung ohne Coaching nicht nachhaltig wirkt. Digitale Veränderungen scheitern oft, weil menschliche Faktoren wie Ängste, unterschiedliche Visionen und Widerstände ignoriert werden. Sie fordert, dass Führungskräfte ihre Ziele und Beweggründe für Digitalisierung klar definieren.
Ihre größte Herausforderung ist die Balance zwischen Empathie und Druck. Sie muss Menschen in Veränderungsprozesse bringen, ohne sich von Ängsten leiten zu lassen. Dazu nutzt sie praxisnahe Werkzeuge wie Checklisten aus dem Impulse-Magazin und inspiriert sich aus der Berliner Gründerszene.
Ursprüngliche Shownotes 11.11.2020
Gemeinsam mit ihren Klientinnen und Klienten Visionen entwickeln, dicke Knoten entwirren und dabei helfen, die großen (Unternehmens-)Ziele in verdauliche Meilensteine zu zerlegen: Das sieht Unternehmensberaterin und Coach Claudia Bose als ihre Kernaufgabe. Sie ist seit mehr als 25 Jahren berufstätig und war Projektmanagerin, Unternehmensberaterin und Interim-Managerin.
Seit 8 Jahren ist sie freiberuflich unterwegs, mit ihrer eigenen Unternehmensberatung CBO Business Consulting. Lange Zeit hat sie für große Konzerne gearbeitet, doch das war ihr irgendwann „zu weit weg vom wirklichen Leben“. Inzwischen fokussiert sie sich auf Mittelständler, weil sie da „einfach viel ganzheitlicher“ arbeiten kann. Ein besonderer Schwerpunkt liegt aktuell bei Boses Arbeit auf weiblich geführten Unternehmen und der Unterstützung von Unternehmerinnen. Warum dieser Fokus? „Weil ich glaube, dass unsere Zeit jetzt ist und dass es so viele tolle Frauen gibt, die Unternehmen und große Bereiche führen. Und dies sehr erfolgreich tun auf ihre sehr eigene Art und Weise.“
Nur weil die letzten 100, 200, 300 Jahre Unternehmen von Männern geführt worden seien, heiße das nicht, dass ihr Weg der einzig wahre sei, ist Bose überzeugt. Gleichzeitig gebe es aber auch nicht den weiblichen Weg: „Es gibt so viele Wege, wie es Frauen gibt. Und ich möchte Frauen dabei unterstützen, in diese Rolle zu wachsen und ihre Unternehmen erfolgreich zu führen.“
Coaching und Beratung gemeinsam denken
In ihrer täglichen Arbeit ist Bose wichtig, Coaching und Beratung stets gemeinsam zu denken: „Ich bin der Meinung, dass Beratung nur dann nachhaltig erfolgreich ist, wenn Coaching integriert wird.“ Denn das bedeutet für die Expertin, nicht nur Prozesse zu verbessern, sondern auch die Menschen, die diese Prozesse umsetzen, wertzuschätzen und zu respektieren: „Prozesse sind Arbeitsprozesse, und das alles funktioniert nicht – auch nicht in der besten Digitalisierung oder in der hundertprozentigen Technisierung – ohne die Menschen, die einen Beweggrund haben, warum sie das machen.“ Beratungsprozesse könnten deshalb letztlich nur dann erfolgreich sein, wenn man genau das berücksichtige.
Menschen mit ihren unterschiedlichen Ängsten, Zielen und Visionen berücksichtigen
Je größer das Unternehmen sei, desto schwieriger sei es häufig, auf diese menschliche, ganzheitliche Seite angemessen einzugehen. Denn mit der Größe des Unternehmens würde auch die Menge an einzelnen, abgegrenzten Bereichen und Abteilungen wachsen. Und diese würden in der Regel meist separat betrachtet. Die meisten Klientinnen und Klienten würden zwar verstehen, wie wichtig Schnittstellen zwischen den einzelnen Bereichen seien. Sie würden das aber oft „sehr prozessual und technisch“ sehen. Es würde lediglich darauf geachtet, dass die Schnittstellen funktionierten und die Prozesse entsprechend angepasst seien. „Dass da aber auch immer Menschen sitzen, die teilweise unterschiedliche Ziele haben, unterschiedliche Ängste und unterschiedliche Visionen – das wird oft nicht berücksichtigt“, so Bose.
Eine weitere Herausforderung bei Unternehmen mit mehreren Geschäftsführer_innen sei es, dass viele nicht voneinander wüssten, was ihre jeweilige Vision in Bezug auf das Unternehmen sei. Fragen, die man dem Gegenüber immer stellen sollte, sind deshalb: Welchen Beweggrund hast du? Was ist deine Vision? Was willst du mit einem bestimmten Vorgehen erreichen? Wie sieht deine langfristige Strategie dahinter aus? Und welche Vorteile siehst du, wenn du drei, fünf oder sogar zehn Jahre in die Zukunft blickst?
Zwar könne man insbesondere bei Digitalisierungsprozessen nur bedingt in die Zukunft planen. Aber eine Grobvision sollte jede Unternehmerin und jeder Unternehmer haben – und diese auch von den Geschäftspartner_innen kennen. Zudem sollte sich jeder fragen, wie das Unternehmen von anderen wahrgenommen werden soll: Wie nehmen Mitarbeiter das Unternehmen wahr? Was sagen Kunden und Dienstleister über uns heute? Was könnten sie in drei, vier, fünf Jahren sagen? Daraus resultierend könnten dann verschiedene Maßnahmen entstehen, die nach Priorität sortiert in Angriff genommen werden könnten.
Ängste zulassen und anschauen
Zu guter Letzt geht Bose auf das Thema „Ängste“ ein. Denn gerade in Zeiten der Digitalisierung würden diese bei vielen getriggert. Entscheidend sei es, die Ängste – von sich und von anderen – anzuerkennen. Es gehe darum, sich die Ängste anzuschauen und sich nicht wegzudrehen vor der Angst. Denn, so Bose, Angst sei grundsätzlich nichts Schlimmes, sondern sogar etwas Lebensnotwendiges. Deshalb sei es auch absolut legitim und verständlich, wenn Mitarbeiter_innen im Rahmen der Digitalisierung Ängste um ihren Job äußern würden oder befürchteten, neuen Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Aufgabe der Geschäftsführung sollte es nicht sein, diese Ängste zu negieren oder kleinzureden. Aber es sei durchaus Aufgabe, die Ängste zu verstehen und die Mitarbeiter_innen zu ermutigen, einen kleinen Schritt in Richtung der Angst zu gehen und dann vielleicht noch einen und noch einen.
Je nachdem, wie lange sich die Mitarbeiter_innen wohl fühlten, könnten dann gemeinsame Lösungen gefunden werden. Es sei aber auch möglich, dass der gemeinsame Weg schließlich an sein Ende komme. Auch das sei in Ordnung – schließlich bedeute das keinesfalls, dass bis zu diesem Zeitpunkt alles schlecht gewesen sei. Es bedeute lediglich, dass das Unternehmen und die jeweilige Mitarbeiterin beziehungsweise der jeweilige Mitarbeiter von nun an neue, aber eben getrennte Wege gehen müssten.
Links aus dem Interview
Claudia Bose online
Webtipp
- Impulse
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Transkript
3.682 Wörter
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Hallo und herzlich willkommen zur 83. Folge des Podcasts Wege der Digitalisierung. Heute ein Interview in person. Corona ist gerade ein bisschen abgeflacht. Wir werden sehen, wie lange das möglich ist. Mit mir im Büro, mit Sicherheitsabstand, sitzt Claudia Bose. Claudia ist Unternehmensberaterin, Business Coach, spezialisiert auf Unternehmen, die von Frauen geführt werden. Hat Rieke unsere zweite Hälfte der Geschäftsleitung kennengelernt über Social Media. Ich weiß nicht, ob das nun schon der Aufhänger ist für Digitalisierung. Auf jeden Fall geht es auch bei Claudias Mandanten oft um Digitalisierung. Herzlich willkommen, schön, dass du da bist und erzähl am besten selber nochmal. Du weißt viel besser, was du machst als ich.
Hallo, vielen Dank für die Einladung. Ich finde es super spannend und freue mich, dass ich hier sein kann. Ja, ich bin Unternehmensberaterin, ich sage gerne Hands-on Organisationsberaterin und Business-Coach. Und dieser Coaching-Aspekt hat in den letzten Jahren bei mir mehr zugenommen. Und ich bin auch der Meinung, dass Beratung nur dann nachhaltig erfolgreich ist, wenn Coaching integriert wird. Also ich komme aus dem Servicebereich, aus dem Callcenter-Geschäft, bin seit zehn Jahren unterwegs, als freiberuflich als Unternehmensberaterin, habe für große Konzerne klassische Unternehmensberatungsaufgaben gemacht und habe dann gemerkt, das ist mir zu weit weg vom wirklichen Leben. Ich habe mich dann mehr auf Mittelständler konzentriert, weil ich da einfach viel ganzheitlicher arbeiten konnte und arbeiten kann und konzentriere mich jetzt schon eine Weile auf weiblich geführte Unternehmen und die Unterstützung von Unternehmerinnen.
Warum mache ich das eigentlich? Weil ich glaube, dass unsere Zeit jetzt ist und dass es wirklich Zeit wird und dass es so viele tolle Frauen gibt, die Unternehmen führen und große Bereiche führen und die das sehr erfolgreich tun auf ihre sehr eigene Art und Weise. Und nur weil die letzten 100, 200, 300 Jahre Unternehmen von Männern geführt wurden, heißt das nicht, dass der Weg der einzig wahre ist. Es gibt auch nicht den weiblichen Weg, es gibt so viele, wie es Frauen gibt, aber ich möchte Frauen dabei unterstützen, in dieser Rolle zu wachsen und ihre Unternehmen erfolgreich zu führen.
Ja, total spannend. Also ich kann dieses Thema total gut nachvollziehen. Also die Lionizers sind ja nun ein Familienunternehmen im vierten Geschäftsjahr. Und wir kämpfen ja auch damit, wie ich wahrgenommen werde, wie ich angenommen werde und wie meine Frau, die genau die gleiche Qualifikation und den gleichen Titel hat, also wo die an Grenzen stößt, die gibt es für mich nicht. Und wir versuchen da gemeinsam gegen anzukämpfen. ich kenne das Problem, ich finde das sehr gut. Wir reden über Digitalisierung. In welchem Kontext begegnet dir Digitalisierung und wie würdest du das in deinen Worten versuchen zu beschreiben?
Jeden Tag, jede Minute, immer. Ich habe für mich jetzt auch noch nicht so genau herausgefunden, wo fängt es an? Ja, wir haben ja auch so ein bisschen im Vorgespräch gesagt, es ist auch so ein bisschen Bullshit-Bingo, Digitalisierung. Und ich glaube, dass jeder da seine eigene Definition hat und das ist auch völlig in Ordnung. Bei mir ist es so, ich würde mich jetzt als alles andere als Digitalisierungsexpertin bezeichnen, weil ich gedacht habe, für mich ist die klassische Digitalisierung, wo man auch in der Industrie im Mittelstand von spricht, ist eben sowas, wie auch schon gesagt wurde, Industrie 4.0. Das ist jetzt nicht mein Bereich. Bei mir ist es aber so, Digitalisierung fängt damit an, wenn ich in ein mittelständisches Unternehmen komme und auch heute es dort noch Faxgeräte gibt und das Fax ausgedruckt und danach wieder eingescannt wird.
dass es immer noch wirklich große Prozesse sind, zum Beispiel Kundenportale digital aufzusetzen, Servicetechniker in der Beauftragung digital aufzusetzen, CRM- und ERP-Systeme zu vernetzen, die Daten von CRM-Systemen wirklich komplett zu nutzen und auch solche Sachen wie meine eigene Buchhaltung mal zu digitalisieren. Also so breit ist wirklich das Spektrum. Das kommt extrem auf die Größe des Unternehmens an, auf die Geschichte des Unternehmens und natürlich auch auf das Geschäftsfeld. Ich weiß jetzt nicht, ob das so eine zufriedenstellende Antwort ist, weil es ist ja eigentlich alles oder nichts. alles und nichts, aber so ist es, glaube ich.
Also ich kann es bestätigen und ich denke für viele, die hier zuhören, ist das vielleicht beruhigend, dass auch du, also dass du nicht als erste Person nach 83 Interviews sagst, das ist Digitalisierung und Punkt. Es ist einfach alles und nichts. Und für den einen ist es das Fax-Abschaffen, für den anderen ist es ein ERP-System, Für den Nächsten ist es das Produkt digitalisieren, das man bisher anders hatte. Du hast ganz am Anfang gesagt, du bist Unternehmensberaterin und Business Coach. Und dir ist es wichtig, dass Beratung ohne Coaching heute eigentlich wenig Wert hat. Würdest du sagen, dass das irgendwie mit Digitalisierung zusammenhängt? Also ist das eine Folge dessen oder war das eigentlich nie anders?
Es hätte nie anders sein sollen. Es war und ist großteils noch anders. Ich glaube, wenn ich mit Menschen darüber spreche, wie mein Ansatz ist, wird mir grundsätzlich immer zugestimmt. Ich erlebe es aber in der Praxis anders. Das fängt schon damit an, dass jede Form von Beratungsförderung, also ich bin zertifiziert für Unternehmenswert Mensch, BAFA gelistet und so weiter, Coaching explizit ausschließt. Man darf das in den Berichten nicht verwenden, man darf es nicht machen. Es sind reine Beratungsprojekte und es ist auch so, dass mir das eigentlich im Alltag begegnet. Das heißt, Kunden und Kundinnen kommen auf mich zu und sagen, ja, wir haben da und da eine Schwierigkeit, da hätten wir gerne mal Hilfe, da möchten wir zum Beispiel Prozesse anders aufsetzen oder eben ein CRM-System implementieren im Kundenservice zum Beispiel.
oder unsere Prozesse von Interessent bis Stammkunde mal durchleuchten und besser aufsetzen. Und ja, und da gibt es einen klaren Auftrag und dann soll ich das bitte machen. Und dann werde ich so vorgestellt und dann sage ich immer zuerst so, ich bin nicht Wunderwoman und ich kann nicht zaubern. Und wir können das hier umsetzen, aber nur so, wie es Sinn macht und wenn alle mitmachen und dass wir das zusammen machen. Und das geht natürlich nicht ohne Coaching, weil Coaching heißt für mich, ich wertschätze und respektiere die Menschen, die diese Prozesse umsetzen. Software ist ein Tool, Prozesse sind Arbeitsprozesse und das alles funktioniert nicht, auch nicht in der besten Digitalisierung oder in der 100% Digitalisierung, ohne die Menschen, die einen Beweggrund haben, warum sie das machen.
Die eine Vision haben, wo sie mit ihrem Unternehmen hinwollen, die Ziele haben, die sie erreichen wollen und die selber bestimmte Arten zu arbeiten haben, wie sie an Dinge rangehen. Und Beratungsprojekte sind nur dann erfolgreich aus meiner Sicht, wenn man genau das berücksichtigt und über alles stellt.
Wahrscheinlich kommt das ein bisschen darauf an, auf welcher Ebene du beauftragt wirst, oder? Also ich unterstelle jetzt mal, wenn dich irgendwo eine Geschäftsleitung beauftragt und die aktiv mitmischt und das als ihren Job betrachtet, Veränderungen mit anzuschieben, dann ist das eine Sache, weil wenn du irgendwo beauftragt wirst, hier nimm dir mal Abteilung X und mach mal CRM und die Ebene drüber steht aber nicht dahinter, dass es dann ohne Coaching überhaupt gar nicht funktionieren könnte, oder?
Jein, grundsätzlich ja. Meiner Meinung nach funktioniert es nie ohne Coaching, egal wie klein oder groß der Auftrag ist. Es ist aber auch schwer, das zu benennen. Also ich bin seit zehn Jahren selbstständig unterwegs und habe auch vor zehn Jahren meine erste große Coaching-Ausbildung gemacht. Und seitdem fließt das ja immer damit rein. Also ich kann das auch gar nicht abschalten. Und habe mich seitdem permanent weiterentwickelt in dem Bereich. Und seitdem, ich sehe ja auch Dinge ganz anders im Laufe der Jahre. Je mehr Erfahrungen ich habe, je mehr Projekte ich mache, je mehr ich auch mich mit diesen Coaching-Skills weiterentwicke, sehe ich halt Sachen. Ich verstehe jetzt zum Beispiel besser, warum bestimmte Sachen nicht funktionieren, wo ich noch vor ein paar Jahren dran verzweifelt bin und gesagt habe, das müssen die doch verstehen, das ist doch logisch.
Aber so funktioniert es nicht, weil meine Logik ist nicht unbedingt die Logik des anderen. Es wird, je größer das Unternehmen ist und je weiter abgeteilt Abteilungen und Bereiche es sind, umso schwieriger wird es, weil da wirklich eben dieser abgetrennte Bereich sehr separat betrachtet wird. Die meisten verstehen, dass natürlich Schnittstellen noch wichtig sind zu Kunden, zu Dienstleistern, zu anderen Bereichen, sehen das aber auch oft sehr prozessual und technisch. Also dass da Schnittstellen gut funktionieren müssen und die Prozesse angepasst werden müssen. Dass da aber auch immer Menschen sitzen, die teilweise unterschiedliche Ziele haben, Unterschiedliche Ängste und unterschiedliche Visionen, das wird oft nicht berücksichtigt.
Ich stelle das auch in Geschäftsführungen fest, also besonders bei, wenn es mehr als einen Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin gibt. Interessant ist, du hast ja gerade gesagt, dass ihr auch zu zweit, also als Paar auch, als Mann und Frau das macht. Ich bin gerade voll fixiert auf gemischte Geschäftsführungen, weil ich entdecke da so viele interessante Sachen. Habe ich auch gedacht, da wäre auch mal ein interessanter Podcast. Ich glaube, also ich finde es voll schwierig. Ich habe die letzten Wochen viele kleinere Workshops gemacht in Unternehmen und habe festgestellt, dass Geschäftsführungen oft voneinander nicht wissen, was ihre Vision in Bezug auf das Unternehmen ist.
Das finde ich spannend. Also das ist bei uns nicht so. Aber wir arbeiten da auch seit Jahren konsequent.
Und ihr habt es auch zusammen aufgebaut, also ihr habt zusammen angefangen.
Genau, wenn ich mir jetzt vorstelle, es gibt irgendwo einen Gesellschafter, Geschäftsführer und der hat vielleicht irgendwann noch wen dazu angestellt. Das kann ich mir gut vorstellen. Da gibt es ja schon einfach systembedingt Interessenskonflikte.
Genau, also wenn jemand dazugekommen ist, wenn es zwei Familien sind, die zusammengewachsen sind. Und so ist das natürlich auch bei der Digitalisierung. Das heißt, die Frage, die man immer stellen sollte, ich weiß, dass es nicht so einfach ist, was ist dein Beweggrund dahinter, mich hier mit diesem oder jenem Digitalisierungsprojekt zu beauftragen, lieber Geschäftsführer oder liebe Geschäftsführerin. Oft, also meine persönliche Erfahrung, ich kann ja nur von mir sprechen, nicht von den Erfahrungen, die andere gemacht haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dann gesagt wird, ja, ich habe verstanden, dass wir da nicht drumherum kommen und dass das sinnvoll ist und dass wir das jetzt machen müssen, wenn wir nicht auf der Strecke bleiben wollen.
Außerdem liegen mir meine diversen Mitarbeiter in Ohren, dass wir das jetzt hier machen müssen, dann machen wir das eben jetzt. Punkt. Und wenn ich dann nachfrage, aber du oder sie, je nachdem, Was ist denn Ihre Vision dahinter? Was wollen Sie damit erreichen? Was sehen Sie als Vorteil, wenn Sie mal drei, fünf, zehn Jahre in die Zukunft gehen? Was ist denn die lange Strategie dahinter? Also in nahezu 100 Prozent der Fälle, mit denen ich zu tun hatte, man muss aber dazu sagen, andere kommen auch vielleicht nicht zu mir, gab es darauf keine Antwort. Die haben natürlich schon eine Idee für ihre Produkte und wo sie hinwollen, was ihr Unternehmen betrifft. Und vielleicht auch, wo sie auf dem Markt stehen wollen, dass sie wachsen wollen oder expandieren wollen oder auch was Neues entwickeln.
Aber das war sehr losgelöst und nicht auf das ganze Unternehmen betrachtet. Und ich finde das bei jedem Digitalisierungsprojekt auch wichtig. Es ist heute alles agil, natürlich. Ich kann heute nicht sagen, jetzt machen wir das und in zwei Jahren machen wir das und in fünf Jahren machen wir das. Der ist in einem Jahr wahrscheinlich schon obsolet, der Plan. Aber diese Grobvision, wo will ich stehen, wie soll mein Unternehmen von außen aussehen, was will ich hier wahrnehmen, was nehmen Mitarbeiter wahr, was sagen Kunden und Dienstleister über uns heute in x Jahren. Das finde ich super wichtig und daraus resultieren können verschiedene Maßnahmen entstehen und eine Riesenmaßnahme ist Digitalisierung, also was macht hier Sinn, in welcher Reihenfolge und mit welcher Priorität und mit welchem Schwerpunkt gehen wir das an.
Du hast eben zwei Worte gesagt, wo ich einhaken möchte. Das eine ist, die Leute haben Ängste und das andere ist halt dieses Thema Strategie. Und also in ganz vielen Gesprächen in diesem Podcast kam halt raus, Digitalisierung beschleunigt halt auch massiv. Unsere Welt als Ganzes beschleunigt. Also Corona hat uns gerade wieder ein bisschen ausgebremst, aber unser Leben.
Glaube ich übrigens nicht, aber gut.
Ich glaube auch nicht, aber zumindest die Wahrnehmung hat sich da deutlich geändert. Würdest du sagen, dass das in deiner Beratung irgendwo ein Thema ist, dass Digitalisierung zumindest gefühlt alles beschleunigt und dass das natürlich Ängste auch verstärkt? Also wenn sich die Welt vor 20 Jahren ganz anders entwickelt hat als heute, dann muss ich ja viel schneller Schritt halten. Verstärkt das die Ängste vielleicht auch?
Das ist eine interessante Frage, weil spontan meine Reaktion war jetzt, es ist gar nicht die Beschleunigung, es ist Entwicklung. Ich glaube, dass heute alles vermeintlich schneller ist, weil wir uns einfach auch wirklich schneller fortbewegen, weil wir aber andere Möglichkeiten haben. Ich glaube aber nicht, dass wir uns selbst überholen oder sowas, was ich mit so Beschleunigung oder zu schnell verbinde. Die Schritte, die heute gemacht werden in Entwicklungen, sind einfach vermeintlich schneller als vor 20, 50, 100 Jahren, weil wir heute halt ganz andere Möglichkeiten haben. Damals waren die vermeintlich langsameren Schritte, hatten vielleicht sogar eine viel riesigere Bedeutung als heute, wo technisch einfach ständig mehr möglich ist.
Und Ängste? Ja. Ja. Ich finde ja Angst nichts Schlimmes. Also Angst hält uns ja am Leben, sonst würden wir ja ohne zu gucken auf die Straße rennen und wären dann alle tot. Ich finde Angst nichts Schlimmes. Ich finde nur wichtig, dass ich meine Angst angucke und mich nicht wegdrehe vor der Angst. Und mich halt frage, was genau ängstigt mich denn hier? Und ich finde es auch legitim, wenn meine MitarbeiterInnen Angst äußern und Angst haben. Angst um ihren Job, Angst, dass dann Sachen von ihnen gefordert werden, die sie nicht können, heute noch nicht können. Dass sie Sachen machen, auf die sie keine Lust haben, dass sie ihren Job eben verlieren, das ist ja oft die größte Angst. Und ich finde diese Ängste völlig legitim und völlig in Ordnung und nachvollziehbar.
Und es kann auch und sollte auch nicht die Aufgabe von Geschäftsführung oder von wem auch immer sein, Ängste zu negieren oder klein zu reden. Es ist auch wichtig, dass ich die verstehe. Ich selber habe vielleicht andere Ängste, aber ich habe auch Ängste. Ja, also ich zum Beispiel persönlich habe überhaupt keine Höhenangst und ist für mich auch schwer nachzuvollziehen, wenn jemand auf dem Hügel steht und irgendwie da nicht runtergucken kann. Ich kriege aber Beklemmung, wenn ich eingequetscht in einem Fahrstuhl stehe. Also so unterschiedlich ist das. und jeder hat das Recht auf seine Emotionen und Ängste. Wichtig ist, dass ich Menschen ermuntere, den kleinen Schritt und noch kleinen Schritt und noch kleinen Schritt weiterzugehen und sich anzugucken, was passiert mit mir?
Fühle ich mich hier wohl, fühle ich mich hier nicht wohl? Und es ist immer dein gutes Recht auch zu sagen, irgendwo fühle ich mich nicht mehr wohl und dann müssen wir gucken, gehen wir den Weg weiter gemeinsam oder ist der Weg hier zu Ende für uns zusammen als Unternehmen und MitarbeiterInnen. Was nicht heißt, dass das schlecht war, was bisher war. Das war jetzt sehr zusammengefasst, aber so würde ich es mal beschreiben.
Ich unterstelle mal, dass das eine gute Überleitung zu der Frage ist, was deine größte Challenge gerade ist. Ich würde jetzt nämlich erwarten, wenn ich an viele Bekannte denke, die ich so kenne, die irgendwo Unternehmen führen, dass die sich nicht so verhalten. Also wie Mitarbeiter geführt werden so im Alltag, da ist das Akzeptieren und Anerkennen von Emotionen, glaube ich, nicht Prio 1.
Ja, also ich habe Challenges und ich habe eine Mission und Aufgaben im Leben. und ich glaube, meine Mission ist, genau dafür zu sensibilisieren und auch klarzumachen, dass mein Blick auf die Welt meiner ist und nicht deiner und umgedreht genauso und dass mein Blick auf die Welt und mit Dinge, Art und Weise, mit Dingen umzugehen nicht besser oder schlechter ist als der von jemand anders, es ist nur anders und dass ich mich wirklich selber dafür öffne und sage, okay, wir gucken uns das jetzt mal an. Das ist so meine Mission, wofür ich zu sensibilisieren versuche. Es ist ja auch dieses Thema, auch wenn es sehr pauschalisiert ist, Frauen führen anders als Männer. Gibt es da ein Gut und gibt es da ein Schlecht?
Nee, da gibt es nur ein Anders. Und manches passender für bestimmte Situationen, anderes weniger zum Erfolg führend und das zu erkennen und was auszuprobieren. Wenn etwas nicht funktioniert, probiere etwas anderes. Das ist so meine Mission. Und Challenge beruflich in Bezug auf Digitalisierung ist wirklich die Balance und der Drahtseilakt, alles in einem für alle passenden Tempo zu machen. aber auf der anderen Seite trotzdem an bestimmten Stellen den Druck reinzubringen, den es braucht, damit wirklich eine Veränderung stattfindet und es nicht zu sehr verwässert wird, sondern wirklich das Unternehmen, das ich da gerade begleite, auch voranbringt. Meine Challenge ist oft, dass ich dann auch manchmal ein bisschen gemeiner und brutaler sein muss und ich bin eigentlich ein sehr harmoniesüchtiger Mensch, aber ich muss manchmal gemein sein und fies sein und einen Finger in die Wunde legen, damit in dem Unternehmen, mit dem ich arbeite oder mit dem Menschen, mit dem ich arbeite, wirklich eine Auseinandersetzung stattfindet.
damit die anfangen, sich damit auseinanderzusetzen. Und das war eine Herausforderung für mich, zu lernen, zu sagen, das ist hier die Rolle, die ich habe, das ist nicht meine Person und ich glaube, dass ich immer den Menschen im Respekt voll im Blick habe. Aber die Challenge ist wirklich, wo ist der richtige Weg, wo ist die Balance zu finden, alle in einem guten Change-Management mitzunehmen, aber auch nicht zuzulassen, dass Leute sich von ihren Ängsten beherrschen lassen oder ich mich als Unternehmer von meinen Ängsten beherrschen lasse, ich verliere Kunden, weil die keine Lust auf die Veränderung haben. Es aber wirklich nötig ist, wenn ich meine eigene unternehmerische Vision wahr machen will und wachsen will und am Markt bestehen will.
Und diese Balance zu finden, das ist jeden Tag und in jedem Unternehmen und in jeder Situation wieder eine neue Herausforderung.
Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ja, eine spannende Herausforderung auf jeden Fall. Was gibt es so für Quellen, die du empfehlen magst, mit denen du dich im Kontext der Digitalisierung gerne aber auch zu diesem Thema Sensibilisierung gerade auf dem laufenden Helds gerne irgendwas, was wir verlinken können in der Quellenliste?
Euer Podcast. Ich habe nämlich echt entdeckt, dass da wirklich spannende Leute sind und ich finde die Vielfalt auch super interessant. Ich bin grundsätzlich sehr breit unterwegs, also sehr viel auf Social Media. Da gibt es auch immer wieder andere Leute, denen ich folge und die ich toll finde. Auch so Berliner Gründerszene wie Verena Pauster zum Beispiel, die sich für die Digitalisierung in der Bildung sehr stark macht. Also das finde ich wahnsinnig interessant, die Frau, und sehr inspirierend. Und wo ich eigentlich permanent, jetzt ganz, um mal bei Hands-on zu bleiben, mir Anregungen raushole. Ich bin Abonnentin des Impulse-Magazins. Ich sehe das auch hier liegen. Und das finde ich immer wieder super, weil die wirklich coole Praxisbeispiele haben.
Und ich weiß nicht, wie viele Post-its mit Notizen drauf ich an den Heften habe. Und ich bin eigentlich sehr minimalistisch unterwegs und schmeiße sowas immer weg, aber die nicht. Die hebe ich mir alle auf. Und die haben auch ein sehr gutes Digitalangebot, wo ich wirklich immer mal wieder stöber. Ich habe da schon ganz viele Sachen rausgenommen, richtige Checklisten, die ich auch meinen Kunden gebe und sage, hier guckt ihr das mal an, auch Anregungen für meine eigenen Workshops, wo ich dann echt ein bisschen klaue und kopiere. Also das finde ich sehr, sehr praxisnah, muss ich wirklich sagen.
Ja, du hast gesagt, es liegt hier, ich kann das bestätigen, also ich bin da auch seit vielen, vielen Jahren treuer Abonnent. Ich finde, es wird auch von Jahr zu Jahr immer besser. Also man ahnt es nicht, aber es wird einfach immer noch besser. Ja, cool, werde ich alles verlinken. Wenn es Profile gibt, die ich finde, werden wir die auch konkret verlinken. Ja, dann die letzte Frage für jetzt und hier. Gibt es jemanden, den du gerne in einem kommenden Interview nochmal ausgefragt hören würdest?
Ja, ich wollte sagen, Dr. Nikolaus Förster, der Herausgeber von Impulse, gerade weil der eben auch sehr das Thema Digitalisierung und seinem eigenen Mittelstandsunternehmen vorangetrieben hat. Ich weiß, dass der schon mal da war. Macht ja sicher auch Freude, nochmal mit ihm zu sprechen und zu hören, was hat sich seitdem getan. Und was mir gerade eingefallen ist, Verena Paus, da finde ich auch eine super coole Frau. Die ist im Moment sehr überall auf allen Kanälen unterwegs. Aber die interessiert sich sehr oder die treibt es extrem voran, Digitalisierung, gerade im Bildungsbereich. Und das ist ja nun durch Corona heiser als je zuvor das Thema.
Ja, da haben wir, glaube ich, alle unsere Erfahrungen mitgemacht. Ja, cool. Also ich denke, ein zweites Gespräch mit Nikolaus Förster wäre auch total spannend. Also ich habe ihn schon interviewt, das stimmt, aber es ist auch schon sicher zwei Jahre her. Da ist bestimmt viel passiert. Und ja, Verena Pauster werde ich mal versuchen ranzukommen. Wir haben ja auch in den letzten Monaten dank Corona viel über Bildung hier geredet. finde ich auch spannend. Unser Sohn ist vor einer Woche eingeschult worden, also ich bin da jetzt auch noch mehr betroffen als eh schon. Ja, sehr spannend.
Ganz vielen Dank. Gerne.
Ich finde, das war ein sehr anregendes Gespräch. Vielen Dank für deine Zeit. Das war das 83. Interview mit Claudia Bose. Wie immer, teilt das Ganze gerne in den sozialen Netzwerken eures Vertrauens, schreibt mir Kommentare, schreibt mir E-Mails und ja, an euch alle, vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Danke schön.