E7313.05.2020
Wie funktioniert Datensicherheit in der Industrie 4.0?
Im Gespräch: Pierre Manière (Cybus)

Worum es geht
Pierre Manière von Cybus erklärt, wie Datensicherheit in der Industrie 4.0 funktioniert.
Pierre Manière ist Geschäftsführer von Cybus, einem Hamburger Start-up. Er hat BWL studiert und früher als Strategieberater gearbeitet. Mit zwei Mitgründern gründete er Cybus vor knapp fünf Jahren.
Cybus entwickelt eine Software-Plattform namens Connectware. Diese ermöglicht den sicheren Zugriff auf Maschinen- und Sensordaten in der Industrie. Die Daten bleiben lokal, und die Kunden behalten die Kontrolle über ihre Nutzung.
Die Kunden nutzen die Plattform für Smart Factory (innere Effizienzsteigerung) und Smart Services (externe Dienstleistungen wie Predictive Maintenance). Cybus positioniert sich als universelles Edge-Gateway mit Datenhoheit.
Die deutsche Industrie ist gemischt: große Unternehmen sind weit vorne, viele KMUs hinken hinterher. Cybus nutzt den Second-Mover-Advantage, um Fehler der Digitalisierung im Internet zu vermeiden.
Ursprüngliche Shownotes 13.05.2020
Die produzierende Industrie ist seit jeher das Herzstück der deutschen Wirtschaft. Damit das auch künftig so bleibt, muss sie sich für innovative Ideen öffnen: Das Buzzword der Stunde heißt „Industrie 4.0“. Damit ist die Digitalisierung der Industrie gemeint, etwa mit Hilfe von Automatisierungen, Künstlicher Intelligenz, Robotik und dem Internet der Dinge.
Für all diese Technologien sind Daten die entscheidende Grundlage. Das Hamburger Start-up Cybus kümmert sich um die sinnvolle und sichere Nutzung genau dieser Daten. Mit seiner Connectware lassen sich Daten aus Industriegeräten, Maschinen und Sensoren auslesen und auf einer entwicklerfreundlichen API zur Verfügung stellen. Die Datenhoheit ist Cybus dabei ein essenzielles Anliegen: Ihre Kunden behalten stets die volle Kontrolle darüber, welche Daten an welchen Service-Anbieter weitergegeben werden.
Im Interview mit Nils spricht Co-Gründer und -Geschäftsführer Pierre Manière über die zunehmende Bedeutung von Datenbeständen, Smart Factorys und Services sowie die Zukunft des Industriestandorts Deutschland.
Smart Factory und Smart Services
Im Umfeld der Industrie 4.0 sind laut Manière vor allem zwei Aspekte der Digitalisierung von Bedeutung: die Smart Factory und die Smart Services. Unter Smart Factory versteht man die Idee, dass sich Maschinen und Produktionsanlagen ohne menschliche Eingriffe weitgehend selbst organisieren. Laut Manière fasst der Begriff alle Bemühungen zusammen, mit denen eine Fabrik effizienter und schneller wird, eine höhere Qualität liefert, Fehler vermeidet und der Mensch eine bessere Übersicht darüber hat, was getan wird. Zudem gehe es darum, sich besser zu vernetzen, und zwar sowohl innerhalb des Betriebs als auch nach außen, etwa mit Zulieferern und Kunden.
Smart Services wiederum sind datenbasierte, digitalisierte Dienstleistungen für produzierende Unternehmen. Hier geht es laut Manière vorrangig darum, die aus der Fabrik kommenden Daten zu nutzen, um der Fabrik weitergehende Services anbieten zu können. Solche Services können beispielsweise Condition Monitoring oder Predictive Maintenance. Beim Condition Monitoring werden laufend Maschinendaten erfasst, um den Zustand zu überprüfen und die Effizienz zu steigern, bei der Predictive Maintenance kann anhand von Daten abgeschätzt werden, wann die nächste Wartung erfolgen sollte.
Neben Dienstleistungen wie den genannten sei es mit Hilfe von Smart Services außerdem möglich, vollkommen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Als Beispiel hierfür nennt Manière das Prinzip „Power-by-the-Hour“, bei dem Maschinen nicht verkauft, sondern für eine bestimmte Zeit zur Nutzung überlassen werden.
Sicherung der Datenhoheit
Cybus unterstützt Unternehmen dabei, Daten aus ihren Maschinen zu gewinnen, um die Vorteile von Smart Factory und Smart Services für sich nutzen zu können. Im Zentrum steht dabei, dass die Firmen die Kontrolle über ihre Daten behalten. Den Unternehmen soll es möglich sein, selbst entscheiden zu können, was mit ihren Daten passiert und wer diese zu Gesicht bekommt. Das schafft Cybus, indem ihre Software nicht cloudbasiert ist, sondern lokal installiert wird und so sichere Schnittstellen zu anderen Diensten gewährleistet.
Damit unterscheidet sich der Service von Cybus beispielsweise von Diensten, die im Internet angeboten werden. Hier bezahlt man für die Nutzung unterschiedlicher Services stets mit dem wohl wichtigsten Gut: den eigenen Daten. Diesen Fehler wollen die Gründer von Cybus mit Blick auf die Industrie vermeiden und stattdessen „the best of both worlds“ vereinen.
Profitieren vom Second Mover Advantage
So wie die Industrie jetzt vom Second Mover Advantage hinsichtlich der eigenen Datenhoheit profitiert, kann laut Manière auch der deutsche Mittelstand davon profitieren, in Sachen Digitalisierung aktuell nicht immer zu den Pionieren zu gehören.
Zwar hätten die großen Unternehmen den Vorteil, es sich leisten zu können, neben ihrem Kerngeschäft auch sehr stark in die digitale Zukunft zu investieren. Dafür könnten aber kleinere Firmen von den Großen lernen. Sie müssten weniger selbst ausprobieren und könnten Fehler vermeiden, die vorher von anderen begangen wurden. Zudem könnten KMUs häufig deutlich flexibler agieren und schneller handeln.
Alles in allem hält Manière die deutsche Industrie für recht gut aufgestellt. Als einzige Kritik merkt er an, dass sich die deutschen Unternehmen manchmal zu stark auf Negativpunkte und Risiken konzentrieren würden und darum teilweise zurückhaltender seien als Firmen aus anderen Kulturen.
Für das eigene Unternehmen sieht Manière darin aber kein Problem. Zum einen ist er davon überzeugt, dass Cybus überall erfolgreich sein wird, wenn es sich hierzulande durchsetzt (frei nach dem Motto „If you can make it there, you`ll make it anywhere“). Zum anderen agieren viele Kunden von Cybus länderübergreifend, sodass das Unternehmen schon jetzt „international mitgenommen“ werde.
Links aus dem Interview
- Pierre Manière bei LinkedIn
- Pierre Manière bei XING
- Website von Cybus
- International Data Spaces Association
Gemeinnütziger Verein. Bietet Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Verbänden und Initiativen in mehreren Arbeitsgruppen die Möglichkeit, den Industrial Data Space mitzugestalten. Ziel ist das Schaffen eines sicheren Datenraums für die Industrie - Open Industry 4.0 Alliance
Verein für Unternehmen zur Umsetzung von Industrie 4.0. Ziel ist es, eine durchgehende Interoperabilitätsplattform mit existierenden Standards zu schaffen, um die Wertschöpfungsketten der Industrien digital zu vernetzen und so den entscheidenden Unterschied für die Endkunden zu liefern.
Transkript
4.062 Wörter
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Hallo und herzlich willkommen zur 73. Folge des Podcasts Wege der Digitalisierung. Heute spreche ich mit Pierre, Geschäftsführer der Firma Saibus. Wir kennen uns, glaube ich, noch nicht persönlich. Ich habe allerdings in den Anfangstagen von Saibus mal den Marius persönlich kennengelernt. Sehr gut. Und seitdem versuchen wir uns auf einen Kaffee zu treffen. Das hat in den ganzen Jahren nicht funktioniert. Aber zumindest haben wir heute Pierre als einen der drei Geschäftsführer hier im Podcast. Dank Corona ein weiteres Remote-Interview. Toll, dass du da bist. Vielen Dank für die Zeit, die du nimmst. Und ja, erzähl einfach mal zwei, drei Worte. Wer bist du? Was macht Zybus? Bevor wir auf die Frage kommen, was hat das mit Digitalisierung zu tun?
Ja, super. Danke, Nils. Ja, ich freue mich auf das Gespräch. Mein Name ist also Pierre Manier. Ich bin gerade im Homeoffice, wie man vielleicht von ein paar Kindern Geräuschen im Hintergrund hören kann. Ich bin mal Franzose, ich bin vom Hintergrund her BWLer, ich habe mal Luft- und Raumfahrttechnik studiert, ich habe mal als Strategieberater gearbeitet, ich habe mal angestellt und dann lange Zeit auch freiberuflich und selbstständig gearbeitet und habe in dieser Zeit dann auch mehrere Unternehmen unterstützt, ein paar Unternehmen gegründet, Projekte gestartet und das aktuelle Cybers, Das ist eben das vielversprechendste und das ist ein Unternehmen, das ich seit jetzt knapp über fünf Jahren tatsächlich gegründet habe.
Mit meinen beiden Mitgründern Peter Sofka und Marius Schmeding, den du gerade erwähnt hast. Und ja, passend zum Thema bewegen wir uns natürlich voll in der Digitalisierung und zwar mit einem starken Fokus auf die Industrie, also produzierende Industrie, was in Deutschland natürlich einen entsprechenden Stellenwert hat. und bieten dort eine Software an, die letztendlich eben auf dem Weg der Digitalisierung Unternehmen unterstützt, dabei Daten von Maschinen zu gewinnen und die Kontrolle darüber zu behalten, was man damit macht. Das heißt, letztendlich ein Tool, um klarzukommen mit der Digitalisierung, die Mehrwerte von digitalen Tools selbst gewinnen zu können und dabei eben die Kontrolle zu behalten.
Wenn man auf eure Homepage schaut, dann findet man, also Digitalisierung ist das erste Buzzword, man findet andere Buzzwords, nenne ich sie mal, wie Industrie 4.0, Industrial, IoT, überhaupt IoT. Und du hast schon gesagt, ihr bewegt euch im Feld der Industrie. Was ist denn Digitalisierung in eurem Erleben? Was bewegt eure Kunden, wenn ihr über Digitalisierung sprecht?
Ja, also Digitalisierung ist für mich erstmal das, was die neuen IT-gestützten Tools letztendlich mit unserer Welt macht. uns persönlich und natürlich eben die Unternehmen, in denen wir arbeiten. Und Digitalisierung in unserem Umfeld hat wieder tatsächlich eine ziemliche Bandbreite, weil wir auch kurz vor der Aufnahme darüber gesprochen haben, jeder hat ein anderes Bild von Digitalisierung und ist natürlich auch in der Industrie nicht anders. Wir sehen vor allem zwei Seiten von Digitalisierung im Umfeld von Industrie 4.0. Das ist eben einerseits das, was man neudeutsch Smart Factory nennt und das sind also alle Bemühungen, die darauf einzahlen, dass man als Fabrik letztendlich effizienter wird, schneller wird, bessere Qualität liefern kann, bessere Übersicht hat darüber, was man tut, den Fehler vermeidet, auch besser vernetzt ist innerhalb der Firma, aber insbesondere auch außerhalb der Firma mit seinen eigenen Zulieferern, mit seinen Kunden und so weiter.
Das ist also die smarte Fabrik, ja. Dieser Blick ist sehr nach innen gerichtet vor allem tatsächlich und auf die eigenen internen Prozesse. Und dann haben wir die andere Seite, das ist das, was man als Smart Services auch bezeichnen kann. Das ist das, was eher von außen kommt in die Fabrik rein, was natürlich auch auf Daten basiert und vielfach auch auf Maschinendaten, die Basis davon. was eben den Blick darauf hat, diese Daten aus der Fabrik oder dem Umfeld zu benutzen, um wiederum der Fabrik oder dem Umfeld einen Service, eine Dienstleistung zu erbringen. Und das ist oft, ja, da sind wiederum andere Buzzwords Thema wie Predictive Maintenance zum Beispiel. Aber im ersten Schritt ist es meistens dann doch Condition Monitoring zum Beispiel und wie geht es eigentlich meiner einzelnen Maschine?
Wie kann ich vielleicht Bestellprozesse effizienter darstellen? Und das bis hin zu dem Thema Equipment as a Service oder Power by the Hour. Wenn ich als Maschinenbauer eine Maschine statt zu verkaufen eben nach Nutzung anbiete, also neue Geschäftsmodelle anbieten kann. Das ist sozusagen die andere Seite. Und beide Seiten greifen natürlich sehr, sehr stark ineinander. Und da sehen wir uns eben, wo wir eben im Kern diese Datendrehscheibe anbieten, die erstmal lokal läuft, wo die Fabrik entscheiden kann, was mit den Daten passiert, die bei ihr erhoben werden. und womit sie die Kontrolle darüber haben, wie sie intern mit diesen Daten umgehen, aber auch wie sie auch Dienstleistungen von außen akzeptieren können und mitgestalten.
Das heißt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, habt ihr quasi so eine Art universelles Smart Gateway, Edge Computing artig gebaut, mit dem man existierende Maschinen beliebiger Art, also wahrscheinlich in Grenzen, aber es ist jetzt nicht auf eine spezielle Herstellerreihe eingeschossen, upgraden kann. und dann kann ich entscheiden als Betreiber von so einer Maschine oder einem Maschinenpark, welche Mehrwerte schaffe ich quasi lokal auf meinem Shopfloor und dann habe ich einen Smart Connector nach außen, was gebe ich überhaupt nach außen, wohin gebe ich das an eine Cloud, an die interne IT-Infrastruktur und davon ausgehen kann ich dann die weiteren Services ausdenken, oder?
Genau, ja, ziemlich genau, ja, perfekt eigentlich. Richtig, ich weiß gar nicht, was ich genau hinzufügen soll. Ja, also die, ich nenne es auch hier hier, Buzzwords, ja, Edge Computing ist richtig, ist eine Universal Gateway, ist eines der Worte, die unsere Kunden benutzen, Integration Platform ist was anderes. Manche sagen sogar Data Governance Platform, weil es letztendlich eben um die Wahrung der Datenhoheit geht. Das ist das, wo wir uns eben bewegen und was natürlich auch den zusätzlichen Mehrwert und den Impuls gibt für jemanden von außen, der sagt, ich biete dir, liebe Fabrik, einen Service und ja, ich biete ihm diesen Service dir auf eine Art und Weise, die für dich akzeptabel ist. Und darüber, dass ich eben dieses, ja letztendlich auch hier, Gateway nutzen kann, was aber unter deiner Obhut liegt. Ganz genau. Und eben die Use Cases, wie du sie auch schon genannt hast, die können wirklich sehr vielfältig sein.
Genau, und letztendlich geht es aber auch da bei der Digitalisierung darum, das, was wir im Internet gesehen haben, wo man verschiedenste Dienste aneinanderreihen kann, ja, jeder fokussiert sich auf seinen Mehrwert, auf seinen Kern und darüber, dass man einfache, sichere Schnittstellen dazwischen hat. KPIs ist ja das Wort der Stunde, Application Programming Interface, die standardisierte Schnittstelle zwischen solchen Diensten. Damit kann man dann was Größeres bauen, was Größeres, Wertvolleres bauen, einfacher solche Dienste dann auch zusammenstellen. Beispielsweise, klar, ich nehme mir einen WordPress-Dienst, hole mir dann auch ein PayPal-Plugin, damit meine Kunden, die da drauf kommen, was bezahlen können.
Und schon habe ich eben sozusagen einen Mini-Webshop sozusagen. Das ist etwas, was es in der Industrie nicht gibt, wofür es eben solche Schnittstellen und Tools gibt, wie wir das anbieten. Also das ist letztendlich die Perspektive, die wir sehen. Das, was wir sehen, was im Internet einfach gut geklappt hat, wollen wir auch in die Industrie reinbringen, mit dem großen Unterschied, dass wir sehen, und das sehen eben auch nicht nur wir, Zum Glück, dass die Digitalisierung vielfach im Privaten, im Internet, bei solchen Industrien wie Bücher, Medien, Videos und so weiter, aber auch mittlerweile Retail, klar, dass Digitalisierung dort mit einem gewissen Preis einhergegangen ist, nämlich Verlust der eigenen Datenhoheit, der Kontrolle.
und das ist etwas, was wir dadurch, dass die Industrie ein bisschen hinterher rennt, was Digitalisierung anbetrifft in diesem Sinne, also nur diese Vernetzungskomponenten und so weiter, dass das etwas ist, wo jetzt einfach eine Chance darin liegt, diese Fehler einfach dort nicht zu wiederholen, sondern eben, the best of both worlds vielleicht ausgedrückt, dazu zu vereinen.
Das ist eine coole Perspektive. Ich habe eines der letzteren Interviews geführt mit einem Studiengangsleiter für mehrere MBA-Studiengänge. Und der hat promoviert zum Thema Freiheit und erforscht jetzt, wie hängen denn Freiheit in einer Demokratie und Digitalisierung zusammen. Und er hat auch gesagt, es gibt halt immer diese zeitversetzten, verzögerten Prozesse. und dass demokratische Prozesse immer langsamer sind als technische Prozesse. Und dass wir aber immer die Chance haben, in dem, was wir heute beschließen, im Prinzip ja aus den Fehlern der letzten Jahre schon lernen können. Ich finde, das geht genauso wie das, was du gerade gesagt hast. Die Industrie ist in bestimmten Ecken zwangsläufig langsamer.
Da reden wir über Investition, Zeiträume und Summen. Es ist völlig anders als ein kleiner Einzelhandelsbuchladen auf der Straßenecke. Aber dafür haben wir halt auch die Chance, die Fehler, die andere gemacht haben, schon mal zu beheben.
Richtig, also die Industrie wurde sozusagen durch ihre Trägheit geschützt. Und jetzt kann sie sozusagen ein bisschen was überspringen. Ein klassisches Beispiel ist natürlich auch so die Mobilfunk in Afrika zum Beispiel. Sie hatten davor keine Telefone. Die Infrastruktur, Landlines zu legen und so weiter, vielfach, gab es einfach nicht, war nicht möglich. als Mobilfunk reinkam, gab es auch eine Explosion davon. Die waren auch teilweise mit die Ersten, die sozusagen über Prepaid-Karten und so weiter letztendlich Währungen auch dort umgesetzt haben. Und das sind Dinge, die man sich am Anfang vielleicht nicht so richtig vorstellen kann. Aber genau, wenn man sozusagen in dem Fall den Second-Mover-Advantage, wie es auch mittlerweile als Passwort vielleicht heißt, auch nutzen kann, eben die Fehler, wie du sagst, nicht zu wiederholen.
den nächsten Schritt einfach besser zu machen, als das, was jetzt da ist.
Wie ist denn dein Eindruck, also jetzt habt ihr ja ganz unterschiedliche Kunden aus, also Industrie ist ja auch ein sehr breites Feld, also aus unterschiedlichen Sektoren der Industrie. Wo steht da die deutsche Industrie? Also vielleicht zur Einordnung, ich habe zum Beispiel mit den Logistikern auch, also mit einigen Logistikern Interviews geführt und mit anderen einfach so gesprochen. Und da ist mein Bild, es gibt die paar sehr großen. So, und die sind super weit. Ich weiß nicht, wie viel 100 Softwareentwickler Kühne und Nagel alleine beschäftigt. Die sind ganz weit vorne. Und dann ist aber unsere Logistikbranche so Longtail-mäßig. Also es gibt auch 250.000 Speditionen, die bestehen aus einem Fahrer, einem LKW und einer Bürokraft in Teilzeit, die noch auf Papier dispatched.
Und also da sieht man halt, ein paar große sind sehr weit und ganz viele kleine quasi noch in den 80ern, um es doof zu sagen. So steht da unsere Industrie.
Ja, also die deutsche Industrie steht erstmal ziemlich gut da. Und jetzt muss man natürlich jetzt anfangen zu differenzieren. Und eine ganz pauschale Aussage ist für dich nicht ganz so leicht. Also, wie du sagst, es gibt natürlich einen riesen Unterschied zwischen denjenigen, die einfach groß sind, die sich sozusagen auch neben dem eigentlichen Kerngeschäft sozusagen andere Ressourcen leisten können, ja, Leute, die sich mit ein paar anderen Dingen beschäftigen, sozusagen ein bisschen stärker mit der Zukunft. Und deshalb sind die teilweise besser aufgestellt als kleinere. Gleichzeitig auch da gibt es sozusagen Second-Move-Advantage, auch die kleineren, wenn sie eben nicht selbst so viel ausprobieren, wobei das kann man eben auch nicht pauschalisieren, weil viele kleine probieren dann doch noch mehr aus.
Die sind ein bisschen flexibler, insbesondere wenn die Entscheidungsstrukturen auch so sind, wenn meinetwegen ein Familienunternehmen, der Patriarch, wenn es so ein Unternehmen ist, einfach digital aufgestellt ist oder das Lust drauf hat und innovativ drauf ist, dann geht das dort viel einfacher und viel schneller zugegangen als bei den Großen. Aber auch dort haben die kleineren, also die KMUs, sagen wir mal, ja, natürlich besteht die Gefahr, dass sie den Zug verpassen, aber sie haben trotzdem eben genau diese Chance zu sehen, was machen alle die Großen falsch, was möchte ich anders machen. Ja, die können auf reifere Angebote auch zugreifen. Jetzt schweife ich ein bisschen ab, aber überlegen wir mal, wie die Krise, jetzt die Corona-Krise vor fünf oder zehn Jahren ausgesehen hätte, wenn es eben nicht Google Hangouts, Zoom und Co. gegeben hätte.
wäre nochmal ganz anders. Und jetzt, wo diese Dienste da sind und reifer sind, können sie auch genutzt werden. Und das ist etwas, was ich glaube, dass auch die Keimungs in Deutschland nicht so schlecht aufgestellt sind. Die müssen aber tatsächlich ja manchmal ein bisschen über ihren Schatten springen. Weil es schon tendenziell so ist, dass einfach deutsche Unternehmen eher ein bisschen zurückhaltender sind. Vielfach auf die Negativpunkte oder die Risiken gucken, als vielleicht in anderen Kulturen, tatsächlich. Ist aber für uns jetzt, für uns und für unser Geschäft erstmal nicht unbedingt schlechter. Wir glauben nämlich, dass es ähnlich New York sozusagen, if you can make it here, you can make it anywhere.
Und zweitens, unsere Kunden sind nun mal auch international, sprich, mit ihnen werden wir auch, wir werden ja jetzt schon tatsächlich von unseren Kunden international mitgenommen sozusagen. Und daher sind wir da eigentlich, ja, sind wir da positiv bestimmt.
Und wie ist so das Mindset? Also wenn ich jetzt mal mich in euren Vertrieb versuche zu versetzen, ist das eher so, dass da draußen eine Industrie ist, die festgestellt hat, wir könnten da total viele coole Sachen machen und ich kenne Buzzwords und jetzt gucke ich mal, wen gibt es da als Anbieter und kommen die auf euch zu? Oder ist das so, dass ihr momentan noch Aufklärungsarbeit leisten müsst, auf Messen geht, auf Veranstaltungen geht, dann erklärt, guckt, das wäre eine Chance und das rechnet sich so und so schnell und dann habt ihr einen Return on Invest. Also wo steht ihr da? Wahrscheinlich wird das ja irgendwann auf jeden Fall kippen, aber...
Ja, also du sagst, es ist auch sehr unterschiedlich. Wir haben vor allem, wir haben bisher sehr stark einfach auf Events gesetzt. Das heißt, Events sind einfach thematisch, man kann sich halt die thematisch passenden raussuchen und dann findet man auch diejenigen, die sich für diese Themen interessieren und da kommt man sehr gut weiter. Wir sind gerade auch dabei, das ein bisschen zu ändern. Wir haben jetzt auch ein bisschen mehr, also zwei Vertriebler mehr. Und das heißt, damit können wir viel mehr eben nach außen, also Outreach treiben. Und gleichzeitig sind wir aber natürlich auch darauf angewiesen, dass die Leute uns finden und uns darauf ansprechen. Und das sind aber tatsächlich ganz unterschiedliche Kundengruppen letztendlich. Es gibt diejenigen, die aktiv suchen. Es gibt diejenigen, die deshalb auch sehr vergleichsweise weit sind vielleicht.
Und es gibt andere, die erstmal nicht drauf kommen und da ist es tatsächlich eine Art Market Education, die man selbst betreiben muss, die halt gemacht werden muss. Und für uns dann ist es einfach nur die Frage der Vertriebseffizienz, wie viel Education wollen wir uns leisten bei diesem einen Kunden oder bieten wir ihm sozusagen auch da entweder weiterführende Informationen oder bieten ihm die Möglichkeit, mit unserem Netzwerk in Kontakt zu kommen. Vielleicht braucht er irgendwie eher eine Beratung, letztendlich vielleicht umfangreichere Digitalisierungsberatung, bevor er sich mit diesen spezifischen Themen beschäftigt, die wir ihm lösen können.
Bei den Projekten, die ihr konkret umsetzt, wo sehen da die Kunden den größten Mehrwert? Liegt das eher in dem, du hattest ja ganz am Anfang gesagt, es gibt einmal den Bereich Smart Factory, sprich das nach innen gerichtete, also eigene Effizienzen erhöhen, klassische Lean-Ansätze, Verschwendung identifizieren und reduzieren. Und dann die Smart Services, das heißt irgendwie mein Geschäftsmodell weiterdenken, nach vorne bringen. Wo stehen eure Kunden da? Kommen die eher, also kommen die mit dem Weg nach innen und gucken dann später nach außen?
oder? Sehr gut. Nee, also ganz klar beides, ja, ganz klar beide Seiten. Und es gibt die einen, die eben nur die Fabrikssicht haben, weil ihre Produkte einfach sozusagen Endprodukte sind oder ja, nicht Produkte, auf die man direkt einen Service drauf aufbaut. Und es gibt welche, die tatsächlich, wie du sagst, die letztendlich eine Service-Sicht haben, also Maschinenbauer zum Beispiel oder Komponentenhersteller teilweise auch, die neue Geschäftsmodelle entwickeln, die aber im Vorfeld erstmal natürlich das Eat-Your-Own-Dog-Food sozusagen erstmal selbst ausprobieren wollen und müssen. Wie funktioniert die smarte Fabrik für mich? Wie ist mein Produkt eingebettet in die Smart Factory eigentlich im Einsatz?
Wie funktioniert das? Was sind dann die Mehrwerte für meine Endkunden dann? um dann eben auf die Endkunden zugehen zu können und sagen, schau mal, wir haben es hier bei uns ein, zwei Jahre ausprobiert und das kriegst du jetzt von uns. Das heißt, unsere Kunden kommen aus beiden Welten. Diejenigen, die aus der Smart-Service-Ecke erstmal ankommen, je nachdem in welcher Reifephase sie sind, fangen aber tatsächlich auch erstmal mit der Smart-Factory-Seite an. Aber das ist auch wieder unterschiedlich. Wir haben jetzt beispielsweise größere Unternehmen, die machen ja vielfach einfach selbst Dinge, probieren sie aus. Klassiker ist natürlich Raspberry Pi und hier bin ich mit der Maschine. Ah, cool, ich habe Daten. Schön.
Geht auch, ja, aber es ist halt natürlich nicht sicher, nicht skalierbar und so weiter und so fort. Aber um zum Ausprobieren geht das schon. Und es gibt ja Unternehmen, die, wie du sagst, hunderte Entwickler haben, die zwei, drei Jahre eigene Lösungen gebaut haben, die im Grunde genommen eben nicht Dinge machen wie wir, beziehungsweise um dasselbe Problem zu lösen. Und dann müssen sie feststellen, ja, erstens ist es nicht ihr Kern. Zweitens, dadurch hat es sozusagen Bedingungen erfüllt, die zum Beispiel für Piloten richtig waren, wo jetzt aber nicht mehr die Piloten da sind, sondern es richtig ins Feld gehen soll, richtig Richtung Rollout, wo die Bedingungen eben nicht mehr erfüllt werden. Und das ist eigentlich für uns natürlich sehr schön, weil die sind sozusagen gegen die Wand schon gelaufen, wissen, was das alles eigentlich mit sich bringt und sind dann auch eher gewillt zu überlegen, okay, können wir das sinnvollerweise ersetzen mit etwas, was sich im Kern genau mit der Problematik beschäftigt, letztendlich Daten zu managen, einerseits zwar querieren, aber dann auch zu managen, letztendlich für die Serviceanbieter-Seite, insbesondere geht es auch darum, wie kriege ich eigentlich mein Service an meine Kunden verteilt, deployed, wie kriege ich Updates hin und so weiter und so fort.
Und das sind Dinge, auf die wir uns eben konzentrieren. Wir sind sozusagen eine dünne, aber sehr universelle Schicht einfach. Und das ist unser Fokus. Und das sehen halt auch natürlich die Unternehmen. Ja, wir sind jetzt seit fünf Jahren unterwegs, sind sozusagen alte Hasen im Industrie 4.0-Umfeld. Und das ist natürlich interessant, ja.
Dazu passt perfekt die erste meiner letzten drei Fragen. Was ist denn eure größte Challenge? Also jetzt nach fünf Jahren in dem Umfeld, also die Welt bewegt sich wahnsinnig schnell. Ihr habt sicherlich in fünf Jahren auch die eine oder andere Wendung hingelegt, die ihr vorher nicht geplant hattet. Was ist der nächste große Punkt, an dem ihr so dran seid gerade?
Ja gut, also innen gerichtet gibt es vieles. Wir sind eben auch ein junges Team, wachsendes Team. Da gibt es immer die eine oder andere Herausforderung, aber vor allem Richtung nach außen. Ja, die Herausforderung im Markt ist ja weiterhin zuzusehen, dass wir einerseits diese strategische Perspektive, über die wir bisher viel gesprochen haben, in Einklang zu bringen mit den Dingen, die jetzt gerade den Leuten unter den Nägeln brennen. Und das ist etwas, was wir können, was aber trotzdem nicht ganz leicht ist, rüberzubringen bei jedem kleinen oder mittelständischen Unternehmen. Das ist, glaube ich, für uns auf jeden Fall eine große Herausforderung, Ihnen auch zu zeigen, schaut mal, ihr braucht euch hinter den Großen nicht verstecken.
Und auch für euch wird was dabei rausspringen. Klammer, wenn ihr das nicht tut, ja, werdet ihr eben das anstehen haben.
Bitte? Werdet ihr sterben. So ungefähr. Okay, wenn du jetzt dich selbst zu dem Thema aktuell halten willst und wenn du vielleicht auch überlegst, jemand, der hier zuhört und sich generell mit Digitalisierung und so weiter befasst, gibt es Quellen, die du empfehlen kannst, die wir verlinken können oder Personen, die wir nennen wollen, mit denen man sich mal auseinandersetzen sollte?
Ja, sehr gut. Ehrlich gesagt, ich stöbere auch auf Twitter und LinkedIn und da sozusagen meine, sozusagen als Oberquellen, als Personen, fährt mir gerade ein bisschen schwer. Ich versuche tatsächlich ein bisschen querbeet zu schauen. Deshalb würde ich dir vielleicht im Nachgang ein paar Links vielleicht geben. Aber ansonsten, genau, und inhaltlich, tatsächlich thematisch inhaltlich, gibt es auch viel Literatur, viele gute Verweise. Wo ich vielleicht hinweisen möchte, sind zum Beispiel zwei Dinge. Das eine ist ein, letztendlich sind es beides Vereine. Also das eine ist die International Data Space Association aus dem Industrial Data Space Association ist es rausgewachsen sozusagen und die haben sich tatsächlich mit der Frage beschäftigt oder mit der Prämisse sind sie reingegangen und haben gesagt, wir wissen, dass wir in Zukunft als Unternehmen nur ordentlich Wert schaffen werden, wenn wir es schaffen Daten, Informationen zwischen Unternehmen zu teilen. Wenn wir das aber tun, müssen wir auf bestimmte Dinge achten und das in einer Art und Weise machen, die eben für alle Beteiligten akzeptabel ist.
Und die haben sich eben also vor einigen Jahren damit beschäftigt und mittlerweile haben sie auch ein paar Lösungsansätze rausgebracht, insbesondere die DIN-Spec 27070 möchte ich tatsächlich an dieser Stelle erwähnen. Das ist also eine DIN-Spec, die wir auch maßgeblich mit beeinflusst haben, weil das genau unser Thema auch trifft. Und wir sind natürlich sehr, sehr stolz darauf. Das wird auch in die DIN-Norm, sollte das irgendwann dann auch überführt werden. Und genau, also das zum Thema eben Datenteilen auch als Unternehmen über Unternehmensgrenzen hinweg. sehr interessant. Und das andere aktuell auch, die haben jetzt im letzten Jahr einen ziemlichen Push gemacht, das ist die Open Industry 4.0 Alliance, die letztendlich sagt, also die Prämisse ist auch da, wir stellen die Interessen des Betreibers, also der Fabrik, in den Vordergrund und wenn wir eben Services, eben Dienstleistungen und so weiter erbringen wollen, die auf Daten basieren, müssen wir aber das im Vordergrund behalten.
Und das sind zwei Vereine, in denen wir auch aktiv sind, die sehr gut, aus meiner Sicht, diese Perspektive einfach darstellen und da auch einfach Lösungsvorschläge erarbeiten. Das finde ich, glaube ich, für jeden Interessierten interessant.
Sehr spannend. Also werde ich auf jeden Fall beides verlinken. Also wenn du mir noch weitere Links per Mail mitteilst, werde ich die auch aufnehmen. Genau, wir haben ja die Quellenliste auf der Webseite zu dem Podcast. Also alles, was bisher genannt wurde an Quellen, kann man da sortiert, gruppiert finden. Klare. Okay. Ja, dann meine letzte Frage für jetzt und hier. Gibt es jemand, den du gerne in einem späteren Interview mal ausgefragt hören würdest?
Ja, also gut, den würde ich auch gerne selbst interviewen. Das ist Thierry Breton, der ist EU-Kommissar für den Binnenmarkt, auch für Dienstleistungen, Industrie und Digital ist zuständig. Und ja, das ist gut, ist ein Landsmann von mir, ist einer, der in den letzten Wochen und Monaten auch sehr stark letztendlich die EU als starke Region auch im Digitalen vertritt. und das finde ich sehr stark, finde ich sehr richtig und sehr gut und ich glaube, der hat ganz gute Einsichten, sicherlich ein interessanter Gesprächspartner.
Das glaube ich auch. Sehr spannend. Ich versuche mal, einen Termin zu kriegen. Super. Okay. Dann bin ich durch für jetzt und hier mit meinen Fragen. Hast du ein Schlusswort, das du in die Runde werfen möchtest?
Ich möchte mich auf jeden Fall bedanken Es hat viel Spaß gemacht und ich freue mich, wenn wir uns auch mal live treffen. Und ich freue mich natürlich auf Gedanken, Anregungen, Fragen, Kritik und so weiter von denjenigen, die das hier hören, mitkriegen werden.
Vielen Dank. Vielen Dank, auch von meiner Seite. Also ich habe auch, ich habe viel gelernt immer wieder. Auch nach 73 Interviews lerne ich jedes Mal was Neues. Ja, Dankeschön. Ja, danke. Und ich hoffe auch, dass wir uns bald mal persönlich auf einen Kaffee...
Klasse, kriegen wir hin. Diesmal für Marius.
Okay. Ja, das war die 73. Folge des Podcasts Wege der Digitalisierung. Heute mit Pierre von Cybers. Wie immer, ihr findet alle Quellen, alles, was wir so besprochen haben, was man verlinken kann, auf unserer Webseite wegederdigitalisierung.de Bei Fragen, Kommentaren, Anmerkungen, wie immer, schreibt uns gerne E-Mails, kommentiert. Wenn es euch gefallen hat, bewertet uns bei iTunes und allen anderen Portalen, wo ihr uns findet. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.