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E5802.10.201932 Min

Wie funktioniert Digitalisierung in der Logistikbranche?

Im Gespräch: Marc Meier (Fr. Meyer’s Sohn)

Titelbild zu E58: Wie funktioniert Digitalisierung in der Logistikbranche? – Marc Meier (Fr. Meyer’s Sohn)

Worum es geht

Marc Meier von Fr. Meyer’s Sohn erklärt, wie Speditionen mit Digitalisierung Wertschöpfung schaffen.

Marc Meier ist Geschäftsführer von Fr. Meyer’s Sohn, einer Spedition mit über 120 Jahren Geschichte und 800 Millionen Euro Umsatz. Das Unternehmen ist in 25 Ländern mit 50 Standorten aktiv und spezialisiert auf Seefracht und Forstprodukte.

Digitalisierung bedeutet für ihn drei Schwerpunkte: Erstens die Umstellung analoger Prozesse auf digitale, wie Rechnungsverarbeitung. Zweitens die Schaffung von Kundenplattformen zur Transparenz über Transporte und Kosten. Drittens die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, um als Spediteur nicht ausgeschaltet zu werden.

Meier betont, dass traditionelle Stärken wie langjährige Kundenbeziehungen und Fachwissen weiterhin entscheidend sind. Er sieht Risiken in der Digitalisierung, etwa dass Marktpreise transparent werden und Spediteure zu Commodity-Anbietern werden. Gleichzeitig sieht er Chancen, wenn Logistik als Wertschöpfung statt nur als Kostenfaktor betrachtet wird.

Die Firma arbeitet an Projekten wie Blockchain im Dokumentenaustausch, verzichtet aber auf große Piloten, da bestehende Technologien ausreichen. Meier sieht Deutschland bei Logistik-Infrastruktur als Weltmeister, bei Digitalisierung aber hinter China und den USA zurück.

Ursprüngliche Shownotes 02.10.2019

Die Logistikbranche ist eine der größten Branchen in Deutschland und eine der wichtigsten für unsere Volkswirtschaft. In Sachen Digitalisierung hinken viele Logistikunternehmen allerdings hinterher. Und das, obwohl das Potenzial, das die Digitalisierung der alten Systeme und Prozesse bietet, riesig ist.

Im Interview mit Nils erklärt Marc Meier, Geschäftsführer des globalen Speditionsunternehmens Fr. Meyer’s Sohn (FMS), welche Chancen die Digitalisierung mit sich bringt, warum die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle so wichtig ist und wie sich Logistikunternehmen aufstellen müssen, um auch in Zukunft Bestand haben zu können.

Tradition trifft auf Innovation

Friedrich Meyer‘s Sohn ist ein sehr traditionelles Unternehmen mit einer über 120-jährigen Unternehmensgeschichte. Es ist ein Familienunternehmen, das in der dritten Generation im Familienbesitz und immer noch seinen ursprünglichen Werten verhaftet ist. Dennoch hat es das Unternehmen in den vergangenen Jahren geschafft, sich zu einem  Hidden Champion in der Logistik-Branche zu mausern. Friedrich Meyer’s Sohn macht einen Umsatz von 800 Millionen Euro im Jahr und ist Marktführer im Bereich Papier- und Forstprodukte-Logistik und gehört in der Seefracht weltweit zu den Top 10. Grund dafür ist nicht nur die langjährige Expertise, sondern auch die Innovationsfreude.

Denn auch und gerade in einer traditionellen wie Speditionsbranche spielt Digitalisierung eine wichtige Rolle. Vor allem in den letzten vier bis fünf Jahren habe das Thema eine ganz neue Dynamik aufgenommen, so Meier. Computer seien zwar schon seit den 80er Jahren bei FMS im Einsatz gewesen. „Aber“, so Meier, „wir sind jetzt in einer neuen Phase angelangt, wo verschiedene Disziplinen zu einer Fertigungsreife kommen, sodass sie zusammenarbeiten können.“

Die drei entscheidenden Aspekte der Digitalisierung

Für Meier besteht die Digitalisierung aus drei Aspekten. Aspekt eins sei die Umwandlung eines analogen Prozesses in einen digitalen. Das klassische Beispiel hierfür ist die Rechnungszahlung. Diese geht zunehmend rein elektronisch vonstatten – was nicht nur effizienter, sondern auch transparenter und sicherer ist.

Der zweite Aspekt der Digitalisierung drehe sich darum, das Leben des Kunden zu verbessern. In der Speditionsbranche heiße das vor allem, Digitalisierung zum Erreichen größerer Transparenz zu nutzen. Das beinhalte beispielsweise die Möglichkeit, den Weg einer Sendung mittels Tracking and Tracing zu überprüfen. Es beziehe sich aber auch auf die Preistransparenz sowie die Transparenz hinsichtlich möglicher Schäden während des Logistikprozesses.

Der dritte Aspekt der Digitalisierung betreffe das Thema Innovation und zwar insbesondere hinsichtlich der Frage, wie sich das eigene Geschäftsmodell ändere: „Der Spediteur wird ja als Mittelsmann gesehen, das heißt als eine Art Händler der Fracht. Er kauft eine Seefracht ein bei der Reederei und verkauft sie mit einem Aufschlag an den Kunden“, erklärt Meier. Das Problem dabei sei, dass dieser Prozess durch die Digitalisierung obsolet werden könne. „Damit würde der Spediteur seine Daseinsberechtigung verlieren“, so Meier. Ziel müsse es deshalb sein, neue Produkte zu entwickeln, die sich auf den Service-Gedanken fokussierten und darauf, neue Lösungen für den Kunden zu finden.

Das Ende bisheriger Geschäftsmodelle

Problematisch sei die Digitalisierung deshalb insbesondere für diejenigen Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf der Intransparenz und der Volatilität des Marktes fuße: „Da wird Digitalisierung eine große Gefahr sein,“ so Meier, „denn Digitalisierung bringt Marktwissen an jeden.“

Deshalb sei es essenziell, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, bei dem die Frage nach der eigentlichen Wertschöpfung für den Kunden im Zentrum stehe. Dabei gehe es keineswegs allein um die Kosteneffizienz. Im Gegenteil, so Meier. Wichtig sei, die Kosten der Supply Chain nicht mehr allein als Kostenfaktor zu sehen, sondern sie als Wertschöpfungsfaktor zu verstehen.

Die Supply Chain als Wertschöpfungsfaktor

Das veranschaulicht Meier an dem Beispiel des Unternehmens Inditex, zu dem die Modekette Zara gehört: Zara ist eine sogenannte „Fast Fashion“-Kette, deren Konzept wesentlich darauf beruht, neue Modelinien in kürzester Zeit in die Läden zu bringen. Bei Zara klappt das laut Meier im besten Fall innerhalb von 14 Tagen nach Design. Dieser schnelle Transport sei nur per Luftfracht möglich. Hier würden zwar deutlich höhere Logistikkosten anfallen als auf anderen Wegen, die Schnelligkeit schaffe aber einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, für den sich die höheren Kosten lohnten.

Die Spedition als Berater

Wer als Spediteur auch künftig erfolgreich sein wolle, habe nun die Aufgabe, genau solche Wettbewerbsvorteile von seinen Kunden zu (er-)kennen und dann die entsprechenden Lösungen zu entwickeln. Dafür sei zum einen die menschliche Komponente wichtig, also der enge persönliche Kontakt zu seinen Kunden. Zum anderen sei die fachliche Komponente elementar. Denn man müsse in der Lage sein, die Lieferkette analysieren und sie auf dieser Basis verbessern zu können. Kurz gesagt: Man müsse weg von der reinen Outsourcing-Dienstleistung und der Idee, als reiner Mittelsmann zwischen Reederei und Kunden zu fungieren, und hin zu der Idee, ein Berater des Kunden zu sein.

Die Firma Friedrich Meyer’s Sohn habe in dieser Hinsicht sicherlich einen Vorteil, so Meier. Schließlich verfüge sie nicht nur über die erforderliche Expertise, sondern auch über sehr enge Kundenbeziehungen, die teilweise schon viele Jahrzehnte bestünden. Die langjährige Firmenhistorie könne jedoch auch hinderlich sein: „Niemand möchte ein erfolgreiches Geschäftsmodell verändern“, erklärt Meier. Deshalb würden sich Traditionsunternehmen generell schwertun, wenn es um Innovation gehe.

Digitalisierung als Chefsache begreifen

Grundsätzlich müsse die Logistikbranche verstehen, dass Digitalisierung eine Frage der Priorisierung sei. Wer erfolgreich bleiben wolle, müsse sich auf Innovation einlassen. Große Unternehmen hätten hier zwar einen Vorteil, weil sie mehr experimentieren könnten, wohingegen kleinere Unternehmen deutlich weniger (finanziellen) Spielraum hätten. Aber auch Mittelständler hätten gegenüber Konzernen klare Vorteile: Sie könnten deutlich agiler agieren, das Ausrollen von Software dauere nicht so lange und auch Mitarbeiter könnten rascher geschult werden, erläutert Meier.

Ohnehin sei letztlich ein ganz anderer Faktor entscheidend, wenn es um die erfolgreiche Digitalisierung von Logistikunternehmen gehe. Vielmehr als die Finanzkraft oder die Größe eines Unternehmens komme es auf die Ausrichtung der Geschäftsführung an: „Wer das Thema Digitalisierung für sich zur Chefsache macht, wird nicht an den Investitionen scheitern“, ist Meier überzeugt.

Viel Spaß beim Zuhören!

Links aus dem Interview:

Transkript

4.543 Wörter

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Hallo und herzlich willkommen zur 58. Folge des Podcasts Wege der Digitalisierung. Heute spreche ich mit Marc Meier von der Spedition Friedrich Meier Sohn. Ich bin sehr gespannt auf das Interview, weil diese Spedition ein paar Sachen ganz besonders macht und sehr speziell ist, dabei aber ein Familienunternehmen in dritter Generation ist. Ich bin sehr gespannt. Ich freue mich auf das Gespräch. Vielen Dank fürs Zuhören und auf geht's. Ja, herzlich willkommen hier bei uns in Hammer, Brooklyn.

Also wir sind ja auch, was den Standort angeht, schon ganz vorne, was Digitalisierung auch in der Logistikbranche in Hamburg angeht. Ja, Friedrich Meiers Sohn ist auf der einen Seite eben schon sehr traditionelles Unternehmen mit über 120 Jahren Unternehmensgeschichte, ein Familienunternehmen immer noch in Familienbesitz, auch immer noch traditionellen Werten verhaftet. Aber nichtsdestotrotz haben wir das in den letzten Jahren tatsächlich geschafft, uns zu einer Art Hidden Champion in der Logistik zu mausern. Und hier eben auch mit innovativen Ansätzen, was Digitalisierung angeht. Wir haben einen Umsatz von 800 Millionen Euro. Damit sind wir nicht ganz klein. Wir sind, was dann den Seefrachtbereich angeht, wir sind spezialisiert auf Seefrachttransporte, sind wir in den Top Ten weltweit und haben auch eine weitere Spezialisierung in Bezug auf Forstprodukte, aber auch andere Massenprodukte wie landwirtschaftliche Produkte, Metalle und Fast Moving Consumer Goods auch nach Deutschland rein.

Und wir haben hier sicherlich das Thema, wie schafft man dann den Sprung vom traditionellen Spediteur? Vielleicht muss man noch mal ein bisschen sagen, was ein Spediteur ist. Ein Spediteur ist der Mittelsmann zwischen der Reederei und dem Endkunden, die Ware von A nach B transportieren wollen. Das ist kein ganz unkomplizierter Prozess. Und die Unternehmen, insofern sind wir auch Outsourcing-Anbieter, die das nicht selber für sich organisieren wollen, Die suchen sich einen Spediteur, der dann von der Abholung der Ware über die Containergestellung, Verzollung, Verschiffung und dann Auslieferung in der Endbestimmung dann auch diese Prozesse steuert, optimiert und auch sicherstellt, dass alle Beteiligten dann gut informiert sind.

Ja, dann denke ich, sollten wir starten mit der Frage, was bedeutet Digitalisierung für euch? Also vielleicht vorweg die Frage einfach in ein paar Worten, dieses Buzzword abschrieben. Also was ist Digitalisierung aus deiner Perspektive überhaupt?

Ja, also Digitalisierung treibt uns um. Es gibt ja viele Interessensgruppen, die auch das Thema nach vorne bringen. Die Presse, Unternehmensberater, alle möglichen Leute, die damit Geld verdienen. Und es ist insofern ein interessantes Thema, weil es eine neue Dynamik genommen hat in den letzten vier, fünf Jahren, würde ich sagen. Und das hat was damit zu tun, dass die Computerisierung der Dienstleistungsgesellschaft in Bezug auf die Spedition eben jetzt umbenannt wurde in Digitalisierung und das auch nicht ganz zu Unrecht. Also ich würde sagen, Computer haben wir im Einsatz in der Spedition bestimmt seit den 80er Jahren. Aber wir sind jetzt in einer neuen Phase angelangt, wo verschiedene Disziplinen zu einer Fertigungsreife kommen, dass die zusammenarbeiten können.

Also ich will mal ein Beispiel nennen. Früher wäre es technisch eben nicht möglich gewesen, über GPS-Lösungen Container weltweit zu verfolgen, weil damals die Satellitensysteme nicht so weit waren und auch die Speichermengen nicht vorhanden waren. Und insofern hat man das nicht versucht vor 20 Jahren und heute wird eben diese Technik etabliert, weil der Kunde eben ein Interesse daran hat zu wissen, wo sein Container ist. Und das ist eben diese neue Phase der Digitalisierung. Digitalisierung fängt damit an, dass man einen analogen Prozess umwandelt in einen digitalen. Da gibt es auch Beispiele aus unserer Branche, zum Beispiel die Rechnungsbezahlung. Funktionierte eben früher so, dass eine Papierrechnung bei uns ankam, ein Buchhalter, die dann registriert hat, ein Operator sagen musste, dass die richtig ist.

sondern es ist wieder zurück in die Buchhaltung gegangen. Und dieser Prozess kann mittlerweile komplett digitalisiert werden. Das heißt, wir erhalten die Rechnung auf elektronischem Wege. Sie wird freigezeichnet auf elektronischem Wege vom Operator. Und das ist nicht nur effizienter, sondern auch transparenter und sicherer. Und so gibt es viele Anwendungsbeispiele für diesen ersten Teil der Digitalisierung. Der zweite Teil ist Digitalisierung im Sinne von, wir verbessern das Leben unserer Kunden. Das heißt, Digitalisierung als Methode, Transparenz zu schaffen, insbesondere zum Beispiel über Tracking und Tracing, aber auch Transparenz über Kosten und Transparenz über Schäden und Fehler, die im Logistikprozess passieren.

gibt es verschiedene Anwendungsgebiete. Eins wäre, dass man sogenannte Kundenplattformen einrichtet, wo verschiedene Prozesse überwacht werden. Also das fing an mit den Order-Management-Prozessen für den Import. Und wir sind mittlerweile so weit, dass wir eine sogenannte Collaboration-Plattform anbieten, die mehreren Teilnehmern der Lieferkette die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen. Also das sind dann erst mal wir mit dem Kunden zusammen. Dann können wir aber auch die Reederei dort einbinden. Wir können den Zoll einbinden. Wir können die Empfänger mit einbinden, die LKW-Unternehmer. Und wir alle kommunizieren dann über diese Plattform und schaffen so natürlich nicht nur Transparenz und effizienteres Arbeiten, sondern auch die Möglichkeit, diese Daten dann irgendwann mal auszuwerten, um dann weiter die Lieferkette zu optimieren.

Das ist so der zweite Teil der Digitalisierung und der dritte, das ist der Spannende, über den viel geredet wird. Das ist das Thema Innovation in Bezug auf die Frage, wie ändert sich das eigentliche Geschäftsmodell. Der Spediteur wird ja als Mittelsmann gesehen, das heißt als so eine Art Händler der Fracht. Also er kauft eine Seefracht ein bei der Reederei und verkauft sie mit einem Aufschlag an den Kunden. Man geht davon aus, dass das ein Prozess ist, der eventuell durch die Digitalisierung wie in anderen Industrien dann ausgeschaltet wird. Und damit würde dann der Spediteur seine Daseinsberechtigung verlieren. Und das versuchen wir natürlich zu verhindern, indem wir innovativ neue Produkte mit mehr Schwerpunkt auf den Servicegedanken tatsächlich entwickeln.

Und hier gibt es eben Chance und Risiko. Das Risiko ist, dass wir ausgeschaltet werden und vielleicht ein Marktplatz uns ersetzt. Und die Chance ist, dass wir für unsere Kunden neue Lösungen entwickeln und die dann als Geschäftsmodell auch etablieren können. Das sind so die drei Teile. Also ich fasse das nochmal zusammen. War ja doch jetzt relativ umfangreich. Also das Erste ist, das nennen wir immer Hausaufgaben machen. Das muss jedes Unternehmen machen, effizient arbeiten. Das heißt analog zu digital umwandeln. Das Zweite ist Kundenlösungen schaffen. Und das dritte sind neue Geschäftsmodelle. Das sind die drei Themen.

Das macht total Sinn, dieses analoge Prozesse in digital, das kann, glaube ich, jeder nachvollziehen. Die Verbesserung des Lebens der Kunden, habe ich mir hier notiert, macht auch total Sinn. Es sollte, glaube ich, jeder Unternehmer sowieso als Fokus haben. Also wer nicht das Wohl seiner Kunden im Blick hat, kann nicht Bestand haben, Digitalisierung hin oder her. Und ich glaube, an diesem dritten Punkt, Innovation, neue Geschäftsmodelle, da beißen sich viele die Zähne aus. Das ist ja der Punkt, wo viele Berater auch irgendwo durch die Welt hingeln und versuchen, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Innovation war ja schon immer irgendwie da. Ich glaube, sie wird schneller und ein bisschen forciert durch Digitalisierung.

Jetzt ist die Frage, ist da eure langjährige Historie, ist das ein Vorteil für euch oder steht ihr euch im Weg?

Ich glaube beides, ehrlich gesagt. Also generell, wenn es um Innovationen geht, auch jenseits von Digitalisierung, ist das immer schwierig, das in seinem eigenen Unternehmen zu machen. Insbesondere wenn es eine so lange Historie hat wie wir und insbesondere auch, wenn man so erfolgreich ist wie wir. Niemand möchte ein erfolgreiches Geschäftsmodell verändern. Das liegt ein wenig auch in der Natur der Sache natürlich. Auf der anderen Seite wissen wir natürlich um die Komplexität unseres eigenen Geschäftsmodells. Und diejenigen, die vor ein paar Jahren an den Start gegangen sind und gesagt haben, die Spediteure sind alle altmodisch und deswegen wird man die ersetzen können, das wussten wir damals eben schon, dass das so einfach nicht möglich ist.

Ich glaube, was ganz wichtig ist, ist, dass man sich nochmal, und da bietet uns diese Phase der Digitalisierung eine große Chance, dass wir uns nochmal auf unser Geschäftsmodell zurückziehen und überlegen, wo wird eigentlich Wertschöpfung getätigt für den Kunden? Was können wir an den Kunden belasten? Was ist eigentlich unser Geschäftsmodell? Denn eins muss man sagen, also diejenigen, die ihr Geschäftsmodell darauf aufgebaut haben, Und das ist in der Spedition jahrelang so gewesen, in Transparenz des Marktes und Volatilität des Marktes und auch Einkaufsvorteile auszunutzen. Da wird Digitalisierung eine große Gefahr sein, denn Digitalisierung bringt Marktwissen an jeden. Digitalisierung bringt eben auch Automation.

Und wenn man in dem Bereich, den ich so ein bisschen als den transaktionellen Bereich sehe, wenn man sich darauf verlässt, dann ist man den Marktkräften ausgesetzt und wird im Grunde eine Commodity dann anbieten und wird extrem effizient produzieren müssen, wenn man da überleben will. Also ich glaube, man muss auf den Teil der Wertschöpfung schauen. Wo findet eigentlich wirkliche Wertschöpfung für den Kunden statt über den Outsourcing-Prozess hinaus, was ein Kostenthema ist? Und ich glaube, Digitalisierung knüpft auch oder geht auch parallel zu einer anderen Entwicklung. Das heißt, dass man Transportkosten oder Kosten der Supply Chain nicht mehr allein als Kostenfaktor sieht, sondern eben auch als Wertschöpfungsfaktor.

Will heißen, eine teure Supply Chain muss nicht immer schlecht fürs Unternehmen sein. Ich gebe mal ein Beispiel, prominente Beispiele, Inditex. das bekannt ist, dass Unternehmen mit Marken wie Sarah und Adolfo Dominguez und andere Textilmarken sind eben bekannt dafür, dass sie es in ganz, ganz kurzer Zeit schaffen, neue Modelinien in ihre Geschäfte zu bringen. Im besten Falle innerhalb von 14 Tagen nach Design des Stückes. Das ist eben nur mit Luftfracht möglich. Und insofern wird dort ein Competitive Advantage geschaffen auf Basis von höherer Logistikkosten. Das heißt, die Logistikkosten per se, dass die hoch sind, das muss nicht immer schlecht sein. Apple ist ein anderes Beispiel, legt auch viel Wert auf extrem gut funktionierende Logistik.

Die ist nicht immer die billigste, aber das Geschäftsmodell in sich wird dann eben gestärkt und man kann sich gut von seinen Wettbewerbern abgrenzen. Ich glaube, diesen Weg zu beschreiten als Unternehmen setzt eben voraus, dass man sehr viel Wissen über seine Lieferkette hat und dafür braucht man dann eben Unternehmen, die auf der einen Seite dieses Wissen über Daten liefern können und auf der anderen Seite aber auch in der Lage sind, diese Daten zu analysieren und dann eben entsprechende Lösungen zu konzipieren.

Ich habe auf eurer Homepage einen, ich glaube unter Fun Facts lief es, gefunden. Euer ältester Kunde ist auch von 1897, also das muss ja irgendwo rund um die Gründung dann gewesen sein. Ist das, sage ich mal, ein Vorteil, den ihr da habt, also dass ihr einfach eng am Kunden seid, dass ihr diese Wertschöpfung da auch, ich nenne es mal als Berater, mitschaffen könnt?

Das ist absolut richtig. Also die Spedition, wie gesagt, ist als Geschäftsmodell ein Outsourcing-Geschäftsmodell. Der Kunde entscheidet sich, Ware nicht direkt beim LKW-Unternehmer oder beim Seefracht, bei der Reederei zu buchen, sondern sagt, ich mache das nicht selber, sondern ich lasse das über jemanden machen, der das auf der einen Seite vielleicht billiger kann, aber auf der anderen Seite auch besser, weil er einfach mehr Marktwissen hat. Und in dieser Kundenbeziehung sind dann verschiedene Sachen ganz wichtig. Das eine, und das ist ein Thema, da sind wir bärenstark und das erklärt eben auch teilweise über 100-jährige Kundenbeziehung, dass wir einen sehr, sehr engen persönlichen Kontakt pflegen. Das heißt, da gibt es sicherlich eine menschliche Komponente, aber eben auch eine ganz, ganz stark fachliche Komponente. Wir kennen uns sehr gut mit den Geschäften unserer Kunden aus.

Und was in der Zukunft eben hinzukommt, das fordern die Kunden auch ein, deswegen habe ich das ja auch als Beispiel gebracht, ist das Thema, dass man über die gute Beziehung, den guten Kundenservice hinaus auch in der Lage ist, die Lieferkette zu verbessern in irgendeiner Form. Und besser, wie gesagt, ist nicht immer billiger, es ist oft billiger. Es kann aber auch schneller sein, sicherer, transparenter. Da gibt es ganz viele Attribute, an denen man arbeiten kann.

Bei transparenter und sicherer fallen mir jetzt sofort so weitere Buzzwords ein wie Blockchain und so weiter. Ist das ein Thema, an dem ihr dann auch dran seid?

Ja, also seit vier, fünf Jahren geistern ja so ein paar Begriffe durch die Logistikwelt. Das ist sicherlich auch die Blockchain, Artificial Intelligence, Predictive Analytics und so weiter. Wir haben uns hier ein Thema verschrieben, das heißt, wir denken so, wir denken Digitalisierung nicht von der Technologie, sondern vom Menschen aus. Also wir überlegen uns, und du hast das vorhin genau richtig gesagt, das müssen wir sowieso tun, wie können wir unser Produkt verbessern, wie können wir unseren Service zum Kunden hin verbessern. Aber nicht nur das, wie können wir ein besserer Arbeitgeber werden, ist für uns ein Thema. Selbstverständlich müssen wir auch immer schauen, wenn wir Geld ausgeben, ob da eine entsprechende Renditeerwartung dagegen steht. Deswegen bin ich kein großer Freund davon, mal ins Blaue hinein verschiedene Technologien auszuprobieren.

So, wenn man jetzt eben überlegt, wie kann man die Welt verbessern, zum Beispiel auch für unsere Partner, die Reedereien, da kommt die Blockchain natürlich ins Thema. Da geht es über Dokumentenaustausch, sicheren Dokumentenaustausch und da gibt es durchaus für uns Ansatzpunkte. Wir sind in einem Forschungsprojekt dabei mit einer Reederei und auch einem Terminal und anderen Teilnehmern der Lieferkette, um zu schauen, ob denn die Blockchain-Technologie eine Technologie sein könnte, um diese Probleme oder diese Ineffizienzen, die wir haben, zu lösen. Und wir haben viele Ineffizienzen, das muss man auch sagen. Zum Beispiel das Frachtpapier in der Seefahrt ist das Bill of Lading. Das Bill of Lading, dieser Prozess, ist im Prinzip ein Prozess, so wie er vor 100 Jahren war. Ein Stück Papier, das heute sicherlich mit dem Computer gedruckt wird.

Aber am Ende des Tages fahren wir immer noch physisch mit Booten durch die Stadt und verschicken das dann per Luftpost oder heute per Kurier. Und da fragt man sich natürlich schon, wenn man sich ein bisschen mit Technologie auskennt, ob das sein muss. Und das ist jetzt so leicht gesagt, aber wenn man dann ins Detail geht, merkt man dann, dass es doch nicht so einfach ist. Es gibt sehr viele Interessensgruppen, wenn es um das BL geht, die Handelshäuser, die Reedereien, die Banken, die Spediteure. Und jeder muss eben einverstanden sein damit, dass man so etwas digitalisiert. Aber die Blockchain ist sicherlich ein Thema, das wir bei uns hier in Arbeit haben. Wir sind allerdings, und das will ich auch sagen, Blockchain ist ein spannendes Thema für viele Leute.

Es ist nur so, dass wir bislang der Meinung sind, dass wir Technologien haben, mit denen wir das ebenso gut und billiger umsetzen können. Deswegen sind wir noch nicht in große Piloten gegangen, was Blockchain-Technologie angeht.

Okay, das ist spannend. Jetzt hatten wir am Eingang gesagt, ihr seid in 25 Ländern vertreten mit über 50 Standorten. Was würdest du sagen, wie steht Deutschland als Logistikstandort da im Vergleich zum Rest der Welt? Also vielleicht zum Kontext. Estland ist zum Beispiel in der öffentlichen Verwaltung, in der Politik super weit vorne, was Digitalisierung angeht. Durch den Vorteil, wenn man es als Vorteil formulieren will, dass die halt einfach sehr spät starten konnten. Also denen fehlen 50 Jahre Legacy-Verwaltung, die wir ohne Digitalisierung schon voraus haben. Kannst du da sagen, wie es da um die Logistik bestellt ist?

Das hat wieder ganz viele Aspekte. Ich kann es erst mal leicht beantworten. Also Deutschland ist Weltmeister in der Logistik, also gerade wieder gekürt worden, mehrere Jahre hintereinander. Aber das hebt mehr ab auf Themen wie die Infrastruktur, Logistikanbieter, Effizienz der Logistik und so weiter. Digitalisierung in der Logistik, muss man sagen, sind uns die Amerikaner und insbesondere die Chinesen voraus. Und hier rede ich dann eben mehr über Themen wie Lagerhaltung, Robotik, Last-Mile-Delivery, Drohne und so weiter und so fort. Ob das dann immer alles Bestand hat, wird man sehen. Aber die Investitionssummen, die in Nordamerika und auch in China in die Logistik gehen, sind eben deutlich größer als in Europa.

Das hat verschiedene Gründe. Die Amerikaner haben eine andere Venture-Capital-Kultur als wir, sind also bereit, viel, viel mehr Geld zu riskieren für eine Idee. Und in China ist das natürlich dann irgendwo auch langfristig strategisch von der Regierung aus kontrolliert. Und wir haben da in Europa noch keine Lösung gefunden. Wir ruhen hier in uns selbst, wollen keine Risiken eingehen, uns geht es sehr gut. Es liegt ein bisschen in der Natur der Sache, dass wir da etwas hinterherhängen. Das ist aber erkannt, glaube ich. Wir sind ja, was die Speditionswelt angeht, weltweit führend. Es gibt nirgendwo viele große Speditionen. Die Marktführer sind alle aus Europa, die meisten auch aus Deutschland.

Diese Firmen, das beobachte ich, sind, was Digitalisierung angeht, alle gut aufgestellt. Also da muss man sich keine Sorgen machen. Das Thema, was natürlich immer wieder besprochen wird, ist das Thema des Spediteurs als Mittelmann. Kann der mal komplett ausgetauscht werden? Kann man alles, was ein Spediteur macht, digitalisieren? Und meine Kollegen auch in den anderen Speditionen sehen das doch mit großer Gelassenheit, weil eben das Themenfeld deutlich komplexer ist, als man denkt. Die Teilnehmer in dieser Logistikkette sind viel zahlreicher als bei den Vergleichsgeschäftsmodellen wie Amazon oder Expedia. und insofern glaube ich, ist es wichtig, dass man seine Hausaufgaben macht, dass man weiter ganz nah am Kunden ist, dass man Digitalisierung eben nicht nur, und die Konzerne machen das natürlich, die 3D-Druck war auch so ein Thema in der Logistik natürlich, ob das nicht Teile der Lieferkette aus Asien ersetzen könnte, wird es sicherlich, aber vielleicht auch nicht in dem Ausmaß wie gedacht.

Also Digitalisierung von Menschen aus sehen und dann eben überlegen, wer soll jetzt profitieren von irgendwelchen Investitionen, das scheint mir für die Mittelständler gerade angesagt zu sein.

Dann vielleicht noch mal einen Blick auf die Logistikbranche als großes Ganzes. Also auf der einen Seite stehen die Großen. Ich habe das Interview mit Eurogate vor einer Weile geführt. Die haben echt viel Geld in Custom Software gesteckt, um ihre eigenen Prozesse zu verbessern. Ihr seid auch eher auf der größeren Seite der Unternehmen, aber am anderen Ende gibt es halt auch die Leute, die irgendwo mit zwei, drei LKW unterwegs sind. Würdest du sagen, ist da die Digitalisierung durchweg gut oder gibt es da einen Bruch? Und was bedeutet das möglicherweise an Herausforderungen noch für den einen oder anderen?

Also ich glaube, da heute sehr viel schon als Freeware oder modular zu erhalten ist, ist das gar nicht eine Frage der Finanzkraft oder der Größe des Unternehmens, sondern der Ausrichtung der Geschäftsführung. Also wer das Thema Digitalisierung für sich zur Chefsache macht, wird nicht an den Investitionen scheitern. Also je kleiner das Unternehmen, desto weniger kann man experimentieren und desto sicherer muss die Investition auch sein. Das ist schon so, da haben die Konzerne mehr Spielraum. Aber was ich beobachte ist, dass natürlich auf der anderen Seite ein mittelgroßer Mittelständler wie wir durchaus auch agil agieren kann. Und zum Beispiel die Ausrollung einer Software dauert bei uns nicht so lange wie bei einem Konzern.

Die Schulung der Mitarbeiter dauert nicht so lange. Den Vorteil kann man durchaus ausnutzen. Also es gab mal eine Theorie vor Jahren, dass sich die Konsolidierung in der Spedition beschleunigen würde mit den Investitionssummen in die IT. Das sehe ich im Moment nicht.

Wenn ich mich jetzt als Hörerin oder Hörer weiter mit dem Thema beschäftigen will, hast du da Quellen, die du empfehlen kannst, wie man vielleicht speziell mit Schwerpunkt auf Logistik da dem näher kommen kann?

Dann gibt es wirklich wenig. Also das muss ich sagen, fast alles, was wir uns erarbeitet haben, haben wir uns erarbeitet durch große Nähe zu dem Thema, durch verschiedene Maßnahmen. Also wir haben selber investiert in Startups. Wir sind engagiert im Next Logistics Accelerator in Hamburg, das ein Incubator ist für Early Seed Investments, die dann eben denjenigen, die ein Startup gestartet haben, schon in der ganz, ganz frühen Phase helfen, Geschäftspläne zu entwerfen, Marketingpläne zu entwerfen, Investoren zu finden und so weiter. Das ist eine Initiative der Stadt Hamburg, die eben hier entsprechend auch Logistik-Startups ansiedeln will. Wir sind dann zusätzlich immer wieder im Kontakt und da sind die einschlägigen Prüfungsunternehmen wie KPMG und PwC, mit denen wir da viel arbeiten, gut aufgestellt, dass wir mal die eine oder andere Tour machen nach Berlin oder ins Silicon Valley bin ich jetzt noch nicht gefahren, da waren schon so viele andere Leute.

Ich glaube, China wäre vielleicht nochmal was oder Israel, was man sich anschauen könnte. Es gibt Lektüre dazu, aber nicht speziell für die Logistik. Also ich glaube, jeder, der da Bedarf hat, muss schauen, dass er sich sein eigenes Biotop aufbaut, weil das auch teilweise sehr, sehr speziell ist. Wir sind jetzt in der Seefracht tätig. Das heißt, unser Interesse gilt nicht so sehr Robotik und Automatisierung im Lagerbereich. Und das sind ganz viele kleine Mikrowelten, die da gerade entstehen. Und da gibt es spannende Entwicklungen, also gar keine Frage. Aber es ist eine Frage der Priorisierung. Also ich glaube, man sollte nicht den Fehler machen, dass man sich als Unternehmen dafür jemanden einstellt, um dann das Gefühl zu haben, dass man das Thema bedient hat, sondern man muss sich schon selber kümmern, weil Digitalisierung ganz nah am originären Geschäftszweck dran ist.

Und das ist nun mal Chefsache dann in einem Unternehmen.

Ja, das macht Sinn. Wenn du so jetzt an die nächsten kommenden Monate und Jahre denkst, was ist so eure große Herausforderung an der ihr konkret arbeiten wollt?

Ja, das ist wirklich das Thema und nicht nur bei uns, im Grunde bei allen Speditionen, das Thema des Geschäftsmodells und der Wertschöpfung. Wir sind in einer Situation, wo der Kunde uns im Grunde für die Outsourcing-Dienstleistung bezahlt. Und die Outsourcing-Dienstleistung, wenn ich das mal so in Prozessen benennen soll, ist dann zum Beispiel, ich erfasse Auftragsdaten. Das ist, ich buche einen Container, ich frage bei der Reederei nach, wann der Container gestellt wird, ich sage der Reederei, dass sie ihn abholen soll und so weiter und so fort. Das sind Prozesse, die bei uns abgerufen werden und für die wir dann auch vergütet werden vom Kunden. Was so ein bisschen als Zusatzdienstleistung dazukommt, weil man sehr austauschbar ist.

Der Spezionsmarkt ist hochfragmentiert. Es gibt hunderte von Firmen in Hamburg, tausende in Deutschland und hunderttausende auf der Welt. Um sich abzuheben, ist man aber natürlich auch Berater des Kunden. Wir haben gerade das Thema Niedrigwasser im Rhein gehabt, konzipieren dann ganz neue Vorlaufkonzepte für die Kunden. Wir haben das Thema Hurricanes in Nordamerika gehabt, müssen dann alternative Transportrouten finden. Wir machen allgemeine Beratung, wir machen Troubleshooting, wenn dann irgendetwas Schlimmes passiert wie ein Tsunami in Asien. Und das sind alles Tätigkeiten, die werden heutzutage nicht vergütet. So, wenn die Digitalisierung jetzt dazu führt, dass bei den Wertschöpfungsbereichen im Bereich der originären Outsourcing-Dienstleistung Tätigkeiten wegfallen, dann geraten wir einfach massiv unter Margendruck.

Und das ist ein Thema, das treibt alle Speditionen im Moment um und dem werden wir uns stellen müssen. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass wir die allgemeinen Marktkräfte nicht beeinflussen können, dann müssen wir eben schauen, dass wir effizienter werden und dass wir deutlich produktiver werden durch den Einsatz von Technologie. Also das wird sicherlich etwas sein, was uns die nächsten Jahre umtreiben wird. Wie wir es dann eben schaffen, mehr Aufträge, mehr Container mit der gleichen Anzahl von Mitarbeitern zu bewältigen, weil wir uns einfach konfrontiert sehen mit dem Wegfall von gewissen Dienstleistungen und damit eben auch mit dem Wegfall der entsprechenden Einnahmen.

Ja, spannend. Ich würde dann zu meiner Abschlussfrage kommen, die ich immer an diesem Punkt stelle. Gibt es irgendjemanden, den du in einem späteren Interview gerne mal zum Thema Digitalisierung von mir interviewt hören würdest?

Oh, das ist jetzt natürlich eine Frage. Wenn man träumen dürfte, dann natürlich Jeff Bezos, muss man sagen. Das ist natürlich ein Mann, der da eine gigantische Pionierleistung vollbracht hat. Und was viele so nicht sehen, ist, dass man ja immer davon ausgeht, dass Amazon die Retail-Landschaft revolutioniert hat. Aber ganz still und heimlich wird Amazon dieses Jahr das größte Logistikunternehmen der Welt auch werden mit einem Umsatz, der deutlich größer sein wird als das der Deutschen Post, die ja über ihre Akquisitionen bislang der Marktführer weltweit war. Und da würde mich natürlich auch brennend interessieren, wie man dann bei Amazon oder bei Jeff Bezos mit den Ängsten umgeht, die mit so einem gigantischen Unternehmen verbunden sind, die Investitionsmöglichkeiten haben, die kein anderer hat und die ja teilweise auch Geschäftspraktiken haben, was man dann in den regionalen Märkten dann so mitbekommt.

die nicht immer einhergehen mit der Wirtschaftsethik, die die Region, in denen sie agieren, so haben. Aber das ist natürlich sehr geträumt. Ich wünsche es dir. In Hamburg generell, glaube ich, einfach mal den Senator für Wirtschaft und Innovation zu befragen, wie es in Hamburg denn mit dem Thema Mobilität, was ja ein logistiknahes Thema ist, weil es ja auch viele Infrastruktur- und Technologiefragen beantworten muss, wie wir denn mit dem Thema Mobilität in der Politik umgehen wollen und wie wir uns zur Themenstellung nähern wollen, wie da wird viel ausprobiert mit Moja im Moment und Scootern und weiß der Teufel, Die aber offensichtlich im Moment eher ein Substitut für den Personennahverkehr sind, anstatt für das eigene Auto. Und das ist für mich ein politisches Thema, das finde ich hochspannend. Und da müssen wir als Menschen, glaube ich, jeder Einzelne auch seinen Beitrag leisten und eben überlegen, wann wird dann das Zweitauto abgeschafft und dann vielleicht auch irgendwann das Erstauto, um dann tatsächlich auch nachhaltig leben zu können.

Ja, spannend. Also zwei spannende Wünsche. Jeff Bezos stand tatsächlich schon auf der Wunschliste. Ich habe ihn bisher nicht erreicht, aber ich werde es weiter versuchen. Ja, viel Glück dabei. Ja, danke schön. Ja, ich könnte jetzt sicher noch eine Stunde weiter Fragen stellen, aber ich glaube, so den Kern haben wir abgefrühstückt. Hast du noch ein Schlusswort, das du gerne loswerden möchtest?

Ja, und zwar müssen wir, glaube ich, aufhören. Wir sprechen ja hier über Digitalisierung. Digitalisierung ist ein bisschen wie ein Naturereignis, ein menschengemachtes Naturereignis. Sie kommt sowieso, sich dagegen zu stellen, hat keinen Sinn, meiner Meinung nach. Ich glaube, jeder sollte versuchen, offen zu sehen, wie Digitalisierung zur Verbesserung des Lebens beitragen kann. Wir sollten nicht so sehr auf diese Parolen hören wie winner takes it all und so weiter. Das ist uninteressant. Die Digitalisierung ist so ein riesiges Thema und so facettenreich, dass wenn man mit der Denke rangeht, wie kann ich das Leben besser machen für meine Kunden, wie kann ich das Leben besser machen für meine Mitarbeiter oder auch meine Partner im Geschäftsleben, Leben, dann stecken da viele Möglichkeiten drin und wir sollten eben gerade in Deutschland diejenigen sein, die viele Ideen als erste haben und das umsetzen und da so ein bisschen experimentierfreudiger und positiver auch an das Thema rangehen.

Das finde ich einen großartigen Blickwinkel. Ganz vielen Dank für dein Wissen, für deine Zeit.

Ja, vielen Dank und vielen Dank für den Besuch.

Das war das 58. Interview des Podcasts Wege der Digitalisierung. Alle Quellen, alles, was wir genannt haben, wie immer auf wegederdigitalisierung.de Ich freue mich über Kommentare, über E-Mails, über Teilen in den Netzwerken und vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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