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E5718.09.201924 Min

Wie kann der 3D-Druck unser Leben erleichtern und Kosten einsparen?

Im Gespräch: Mirco Schulz (ProTec)

Titelbild zu E57: Wie kann der 3D-Druck unser Leben erleichtern und Kosten einsparen? – Mirco Schulz (ProTec)

Worum es geht

Mirco Schulz von ProTec erklärt, wie 3D-Druck alte Bauteile nachdruckt und Kosten spart.

Mirco Schulz ist Geschäftsführer der ProTec GmbH in Buxtehude. Das Unternehmen war ursprünglich ein Dienstleister für Maschinenprogrammierung. Seit zwei Jahren fokussiert es sich auf 3D-Druck und 3D-Scanning.

ProTec nutzt FDM- und Inkjet-Druckverfahren für Kunststoffe und Silikone. Für Metallteile kooperiert es mit Partnern. Kunden sind Industrieunternehmen wie Airbus, aber auch Privatpersonen mit defekten Küchen- oder Oldtimer-Teilen.

Beispiele aus der Praxis: Ein Hydraulikblock wurde durch 3D-Druck kompakter und leichter. Eine kaputte Küchenplatte wurde ersetzt, statt die ganze Küche auszutauschen. Auch Oldtimer- und Camping-Zubehör werden nachgedruckt.

Die Technologie ermöglicht Gewichtseinsparungen, bessere Bauteilkomplexität und Ersatzteilherstellung ohne Originalzeichnungen. Die Kosten für den Druck sind höher, aber langfristig spart man durch Material- und Energieeinsparung.

Ursprüngliche Shownotes 18.09.2019

Um den 3D-Druck ist vor einigen Jahren ein regelrechter Hype ausgebrochen. In Tageszeitungen, Online-Magazinen und Fernsehsendungen haben sich die Nachrichten und Erfahrungsberichten nur so überschlagen. Entsprechend haben wohl die meisten Menschen eine grobe Vorstellung davon, was 3D-Druck ist. Wenn es aber um die konkreten Anwendungsmöglichkeiten geht – und vor allem um den großen Nutzen der Technologie – fehlt das Wissen in der Allgemeinheit oft.

Mit der aktuellen Folge von „Wege der Digitalisierung“ wollen wir das ändern: Im Interview mit Nils erklärt Mirco Schulz, Geschäftsführer des Buxtehuder Familienunternehmens ProTec, in welchen Bereichen 3D-Druck heute Anwendung findet, warum die Technologie in Zukunft immer wichtiger sein wird und wie Firmen und Privatleute mit 3D-Druck erhebliche Kosten sparen können.

Vielfältig und flexibel einsetzbar

Die ProTec GmbH, 1984 als Dienstleister für NC-Programmierung gegründet, ist mittlerweile auf 3D-Druck und 3D-Scan von Bauteilen fast aller Arten spezialisiert. Diese Technologien sind nicht nur für das Anfertige neuer Bauteile sinnvoll, sondern auch dann hilfreich, wenn es darum geht, alte und nicht mehr verfügbare Bauteile herzustellen, von denen keine Modelle und Zeichnungen vorhanden sind.

Gefertigt wird so ein Bauteil, in dem es über einen 3D-Scanner optisch eingescannt wird, sodass ein Polygonmodell entsteht. Aus diesem kann im nächsten Schritt durch Reverse Engineering ein Konstruktionsmodell erschaffen werden. Und darüber schließlich können neue Bauteile gefertigt werden – sowohl über 3D-Druck als auch über andere, herkömmliche Herstellungsmethoden. Neben verschiedenen Kunststoffen kann mit entsprechenden 3D-Druckern inzwischen auch mit anderen Materialien wie Silikonen und Acrylen, aber auch mit Metallen wie Aluminium, Stahl und Titan produziert werden.

Das Besondere am 3D-Druck: Er ist nicht nur schnell und materialeffizient; durch die bionische Konstruktion können auch stabilere Strukturen hergestellt werden, als es durch andere Verfahren möglich ist. Zudem sind die Anwendungsbereiche äußerst vielfältig: Neben der Herstellung von Bauteilen ist die Technologie beispielsweise ideal für das Erstellen von Prototypen geeignet. Zudem lassen sich mit 3D-Druck erhebliche Kosten sparen.

Platz- und Gewichteinsparungen durch den 3D-Druck

Das veranschaulicht Schulz an dem Beispiel des Hydraulikverteilers im Auto: „Das ist ein großer Block aus Metall, der eigentlich nur ein paar Bohrungen hat, um Kreisläufe zu verbinden“, so Schulz. Durch den 3D-Druck hätte man nun die Möglichkeit, diese Leitungen gezielt zu drucken und miteinander zu verbinden. Der Hydraulikblock könnte wegfallen und das Gesamtgewicht des Wagens würde sich erheblich verringern. Die Folge: Es könnte deutlich an Energie und Kraftstoff gespart werden, was die Kosten beachtlich senken würde. Bei Elektro-Autos wiederum stünde durch die Materialeinsparung wesentlich mehr Raum für eine größere Batterie zur Verfügung.

3D-Druck: Auch bei Privatkunden beliebt

Neben Firmenkunden betreut ProTec auch Privatkunden. Die Aufträge sind hier besonders vielfältig. So kommen beispielsweise immer wieder Kunden zu ProTec, die ein Ersatzteil für eine ältere Küche benötigen. Der Vorteil: Anstatt eine ganze Einheit oder die komplette Küchenzeile herausreißen und ersetzen zu müssen, reicht es hier oft, ein altes Ersatzteil wiederherzustellen. Statt mehrere Tausend Euro auszugeben, müssen die Kunden dadurch oft nur wenige Hundert Euro bezahlen.

Auch im Oldtimer-Bereich gibt es immer wieder Anfragen für Ersatzteile. Zudem steigt die Zahl der Kunden, die  selbsterdachte Konstrukte fertigen lassen möchten. Insbesondere bei Campern sei der 3D-Druck ein gefragtes Verfahren, um beispielsweise spezielle Halterungen zu realisieren, so Schulz. Grundsätzlich sei heute schon viel mehr mit der Technologie möglich, als den meisten bewusst sei. Das zu vermitteln und den Leuten zu zeigen, wie viel Potenzial der 3D-Druck habe, sei deshalb eine der großen Aufgaben für die Zukunft.

Viel Spaß beim Zuhören!

Links aus dem Interview:

Transkript

3.765 Wörter

Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.

Hallo und herzlich willkommen zur 57. Folge des Podcasts Wege der Digitalisierung. Heute sitze ich in Buxtehude in den Räumen von der Firma ProTech. Mir gegenüber sitzt Mirko Schulz, er ist Geschäftsführer in zweiter Generation der ProTech GmbH. ProTech macht in der Vergangenheit Automatisierung von EC-Maschinen, hat sich jetzt auch gewandelt, eingeschossen auf den Bereich 3D-Druck. 3D-Druck ist ja eins der Wörter, die oft im Kontext der Digitalisierung fallen. Von daher bin ich ganz gespannt, was wir heute lernen werden, wie Digitalisierung, 3D-Druck, additive Fertigung und so weiter zusammenhängen. Vielen Dank fürs Zuhören, ganz viel Spaß und auf geht's!

Ich bin Mirko Schulz von der Firma ProTech. Die ProTech im BH ist 1984 entstanden. Wir waren bislang reiner Dienstleister für Konstruktion, Planung, NC-Programmierung. Also wir programmieren quasi alle Maschinen, die sich automatisiert bewegen, um Bauteile herzustellen. Haben natürlich in der heutigen Zeit auch schon oft darüber nachgedacht, was wir jetzt auch umgesetzt haben, was den 3D-Druck und auch den 3D-Scannen angeht, weil heute natürlich auch die Möglichkeiten bestehen von alten Bauteilen, wo es keine Zeichnungsunterlagen mehr gibt oder früher wurden Hilfswerkzeuge händisch hergestellt aus Holz, aus anderen Materialien. Es gibt keine Modelle, es gibt keine Zeichnung und die Bauteile verschleißen auch und müssen irgendwie nachproduziert werden.

Da ist natürlich auch der 3D-Scan eigentlich so das fortschrittlichste und beste, was uns eigentlich so passieren konnte. Wir haben die Möglichkeit, optisch die Bauteile einzuscannen. Wir haben dann quasi ein Polygon-Modell, welches wir dann auch nachher reverse-engineeren können. Also wir können nachträglich da ein Konstruktionsmodell draus erschaffen und können somit dann auch auf einer Maschine das Bauteil nachfertigen. Ob es dann nun gefräst werden soll oder gedruckt oder in einer anderen Fertigungsherstellung. Also hat man halt die Möglichkeit, auf jeden Fall Bauteile, die es so nicht mehr gibt, nachzuproduzieren.

Gut, den Bedarf kann ich mir vorstellen, der muss gigantisch sein.

Ja, und ich selbst bin 2004 eingestiegen in den Betrieb. Ich habe dann auch erst mal von Grund auf das Programmieren gelernt. Habe dann 2015 endgültig den Betrieb auch übernommen von meinem Vater. Und seit zwei Jahren, wie gesagt, sind wir jetzt gerade dabei, ein Neustandbein aufzubauen, was halt das reine 3D-Drucken und 3D-Scannen angeht. Natürlich kann man auch die komplette Dienstleistung hier erwerben, wenn jetzt zum Beispiel ein Kunde oder wir machen das auch für Privatanwender, wenn irgendwelche Bauteile kaputt gehen im Küchenbereich oder im Oldtimer-Restaurationsbereich. Dann haben wir auch die Möglichkeit, sage ich mal industriell bis hin zur Privatperson, irgendwie Ersatzteile herzustellen.

Ob das nun eine Zersparnung ist oder ein 3D-Druck. Wir kooperieren auch mit einigen Firmen zusammen, weil wir selbst haben Kunststoffdruckanlagen. Also wir können ABS-Kunststoffe drucken, natürlich auch viele andere Kunststoffe. Dann haben wir noch ein Inkjet-Druckverfahren, wo wir Acryle und auch Silikone mit drucken können. Und alles, was darüber hinausgeht, was sehr metallisch ist, ob das nun Aluminium, Stahl, Titan oder irgendeine andere Legierung ist, Dafür haben wir dann halt Kooperationsfirmen, mit denen wir zusammenarbeiten, dass der Kunde eigentlich je nachdem, in welchem Werkstoff er seinen Teil haben möchte, das auch bei uns erwerben kann.

Ich denke, das macht total Sinn. Also ich habe letztens erfahren, was so ein 3D-Drucker kostet, der Metall drucken kann. Das stellt man sich auch nicht mal eben so in die Halle.

Ne, und man kann auch wirklich nicht jedes Druckverfahren beherrschen. Also wir haben das am Anfang auch uns ein bisschen leichter vorgestellt. Aber es gibt doch schon viele Sachen zu beachten und man muss auch wirklich jedes Gerät sich Stück für Stück einarbeiten, um überhaupt die Möglichkeiten wirklich herauszubekommen. Also es ist nicht grundsätzlich bei jedem Gerät, dass man einfach nur auf den Knopf drückt und das Teil wird nachher fertig gedruckt rausgenommen. Es gibt auch oftmals einige Sachen zu beachten, wie man die Bauteile auf den Drucker legt. Zum Beispiel, wie einige Stützmaterialien an den Bauteilen angebracht werden müssen oder sollten, damit der Druck halt nachher qualitativ auch in Ordnung ist.

Also es bedarf auch schon, sag ich mal, einiges an Lernzeit, um das alles nachher wirklich gut zu beherrschen.

Wie überall im Leben. Ich würde gerne im Prinzip unsere klassische Eingangsfrage stellen. Ich würde die so ein bisschen abwandeln. Also die Frage, was ist Digitalisierung, können wir vielleicht jetzt so ein bisschen mit Blick auf Industrie 4.0 schon eingegrenzt stellen. Also jetzt haben Sie zwar gerade gesagt, Sie haben auch Privatkunden sozusagen. Aber ich denke, spannend ist ja die Frage, es geht ja im Prinzip bei dieser Industrie 4.0 immer um die Frage, wie können wir unsere Fertigungsprozesse digitalisieren, wo kann man überall neue Werte schaffen, im Sinne von Geld einsparen oder Dinge machen, die vorher nicht möglich waren. Können Sie da einfach mal ein paar Sätze erzählen? Wer sind so Ihre Kunden? Mit welchen Herausforderungen kommen die?

Und wie helfen Sie denen auch?

Ja, also generell das Thema Industrie 4.0. Also bei uns im Betrieb ist es halt nicht das Riesenthema wie in anderen Betrieben, weil wir halt ein reines Dienstleistungsunternehmen sind. Also bei uns ist halt der Bereich Digitalisierung so zu sehen, dass wir halt papierlos arbeiten, dass jeder Mitarbeiter seine Daten gesammelt an einem gewissen Punkt abholen kann und auch die Lieferscheine oder die ganzen Unterlagen für die Kunden hier alles wirklich digital behandelt werden. Bei unseren Kunden, was da Industrie 4.0 angeht, ist es nicht so leicht umzusetzen, wie es oftmals so geplant ist. Digitalisierung 4.0 oder Industrie 4.0 ist ja eigentlich so ein Punkt. Wie kann man Arbeitsabläufe optimieren?

Wie kann man eventuell auch Personal einstellen? Wie kann man eine sichere Prozesskette herstellen, ohne dass, sage ich mal, menschliche Fehler entstehen? Das geht ja schon im Maschinellen los. Kann ich einen Roboter zum Beispiel eine Maschine mit Material bestücken? Kann ich einen Roboter ein Bauteil hinterher entgraten, damit das halt kontinuierlich und gleichgesetzt ist? Kann ich auch einen Roboter irgendwelche Teile verpacken? So diese ganzen Automatisierungsprozesse, wo man sagt, okay, die laufen wirklich sicher, hat natürlich auch den Vorteil, man hat grundsätzlich immer eine 24-7-Abdeckung. Ein Mitarbeiter kann zwar krank werden, eine Maschine kann ja auch mal kaputt gehen, aber im Grunde genommen ist das dann ja halt ein kalkulierbarer Prozess, der dann stattfindet, der umgesetzt wird.

Und naja, da werden nun halt viele Großkunden auch betreuen, wie Airbus oder halt auch die Tochtergesellschaften von Airbus oder auch andere große Hersteller im Hamburger Raum, wo man wirklich sieht, okay, das hat auch wirklich Vorteile, wenn man in dem Bereich, sag ich mal, Digitalisierung betreibt oder auch einführt. Ist das für die Zukunft gesehen schon gut, personell gesehen ist es natürlich nicht so positiv.

Wobei, ist das tatsächlich so, dass da bei Arbeitsplätze verloren gehen? Also diese Angst ist ja einfach da, die ist omnipräsent. Aber ich habe in unterschiedlichsten Interviews eher die Gegenbeispiele gehört. Zuletzt habe ich Arnold Mergell interviewt, den Geschäftsführer von Hobum, Chemieunternehmen in vierter Generation geführt. Der hat gesagt, natürlich automatisieren die, was sie können und versuchen da Qualitätssteigerungen reinzukriegen, wo es geht. Aber im Prinzip sitzen seine Leute heute in einer klimatisierten Leitwarte und früher mussten die durch die Anlage rennen und kochende Räder drehen. Aber er schafft jetzt mit dem gleichen Personal einfach viel mehr Durchsatz.

Ja, es kommt immer darauf an, wie auch der Trend ist. Wenn man natürlich die Digitalisierung so sieht, um einfach nur eine größere Rate zu fertigen. Ich denke mal, das kann man auch nicht verallgemeinern. Ich denke mal, einige Betriebe gehen in der Hoffnung, dass sie eventuell auch Einsparungen dadurch haben. Weil im Grunde genommen muss man ja schon sagen, wenn man viele händische Prozesse im Betrieb hat und das wird nachher maschinell erledigt, man braucht auch keine zehn Leute auf den Leitstand setzen, die dann die gleiche Kette da betreuen. Andererseits hat natürlich auch die Firma die Möglichkeit, die Stellen der Mitarbeiter zu verändern. Man kann natürlich dann auch weitergehen und dementsprechend ganz neue Stellen erzeugen, die andere Thematiken betreuen, ganz andere Aufgabengebiete bekommen.

Also ich denke, dass es von Betrieb zu Betrieb nicht wirklich übereinkann zu scheren.

Ja, das stimmt wahrscheinlich. Haben Sie da Erfahrungswerte? Also einfach durch, also ich unterstelle jetzt mal da, wo Sie jetzt mit dem 3D-Druck irgendwo reinkommen, ist das eher so der Innovationskopf der Firma, oder?

Ja, also einen richtigen Vergleich kann ich dazu nicht ziehen. Ich kann es wirklich immer nur als Betrachter von außen eigentlich auch schildern, weil wir haben vorher keine Maschinen gehabt, wo wir maschinell Bauteile mit hergestellt haben. Dadurch, dass unsere Kunden die Maschinen stehen haben und wir die wirklich nur rein für unsere Kunden programmieren und wir jetzt mit dem 3D-Druck auch mit eigenen Anlagen angefangen haben, sind das ja nun unsere ersten Anlagen. Ich kann mir schon vorstellen, dass auch gerade im 3D-Druck, weil wir nur noch sehen, was für Bauteile gefertigt werden oder, sage ich mal, viele Firmen sind ja auch einfach nur prototypenbedingt interessiert, wo halt konstruktiv irgendwas erschaffen wird und der Endkunde möchte da eigentlich ganz gerne das Produkt auch schon mal in der Hand halten.

Dafür ist ja nun der 3D-Druck eigentlich auch optimal, um die Prototypen dann damit herzustellen. Aber wir haben keinen Vergleich, wo wir jetzt sagen, dass wir eine Bauteilkette haben, die wir vorher, sage ich mal, auf einer Fräsmaschine hergestellt haben und jetzt über das Drucken herstellen, dass wir dadurch eine Arbeitserleichterung haben. Man hat auf jeden Fall die Möglichkeit, komplexere Bauteile zu fertigen.

Sie hatten eben im Vorgespräch dieses spannende Beispiel mit dem Hydraulikblock. Vielleicht können Sie das einfach nochmal für die Zuhörer erzählen. Ich finde dieses Thema genauso wie Digitalisierung. Jeder kennt den Begriff 3D-Druck. Ich unterstelle mal, dass das jeder kennt. Aber ich glaube auch, dass da viel Unklarheit herrscht. Einfach das so ein bisschen anschaulich zu machen.

Ja, also das ist auf jeden Fall so. Ich merke das eigentlich auch, egal in welcher Firma ich bin. Ich fühle mich anfangs eigentlich als Berater. Ich muss selbst schauen, was haben die Kunden für Bauteile? Wo können eventuell auch Hilfsmittel für die Fertigung benötigt werden? Weil viele Leute schrecken immer noch wirklich zurück vor diesem Thema 3D-Druck, weil der erste Gedanke ist meistens, das ist wahrscheinlich irrsinnig teuer, sowas hier umzusetzen, das lohnt sich nicht. Das hat ja so auch schon immer funktioniert, aber es gibt natürlich auch einfach mal viele andere Beweggründe, um sowas eventuell doch nochmal zu überdenken. Und ein recht einfaches Beispiel, welches ich mal ganz gerne nenne, was eigentlich auch verständlich für jeden ist, dem man sowas das erste Mal erzählt, ist, wenn man zum Beispiel wie im Auto, das hatte nun eigentlich jeder, einen Hydraulikblock hat.

Das ist halt ein großer Klotz aus Metall, der eigentlich nur ein paar Bohrungen hat, um Kreisläufe zu verbinden, um zum Beispiel ein ABS-Steuergerät zu steuern. Und man hätte dank des 3D-Drucks die Möglichkeit, man braucht keinen ganzen Block, den man zerfräst und durchbohrt, sondern man kann die Röhrchen, die sich verbinden sollen oder die Leitungen gezielt drucken, miteinander verbinden, dass man halt eine Bauteilkomponente hat mit ein paar Aufnahmepunkten, dass sie dann im Auto verschraubt werden können und man hätte dann eine extreme Gewichtserleichterung zum Beispiel. Oder wenn man auch Flüssigkeiten hat, die gekühlt werden müssen. So hat man dann mal einen extra Kühler verbaut. Man hätte ja auch durch den 3D-Druck die Möglichkeit, doppelwandige Rohre zu drucken.

Das heißt, außen fließt das Kühlmedium durch in das Medium, welches benutzt werden soll, was eventuell gekühlt oder auch andersrum vielleicht erhitzt werden muss. Und man hat alles in einem Kreislauf mit wenig Material und somit auch wenig Gewicht. Und daher heutzutage der Trend sowieso immer in alle Richtungen geht, alles muss leicht werden, um Energie zu sparen, um Kraftstoff zu sparen oder bei den E-Autos, um da Gewicht zu ersparen, dass man eventuell dann doch wiederum größere Akkus einbauen kann, um eine weitere Kapazität zu erreichen. Da, denke ich, ist das schon auf jeden Fall sinnvoll, da mal drüber nachzudenken, was für Möglichkeiten hat man heute mittels des 3D-Drucks. Und auch durch die bionische Konstruktion kann man halt stabilere Strukturen herstellen, als wenn das teilweise sogar aus den Folgen gefräst ist.

Aber es ist natürlich auch mit hohen Projektkosten verbunden und von der Bauteilfertigung oder von der Herstellung ist es, denke ich mal, auch in einigen Bereichen noch kostenintensiver.

Gut, es ist halt eine neue Technologie noch. Aber diese Kosteneinsparungen, Gewichtseinsparungen, ich finde das total plausibel. Ich habe im Laserzentrum Nord vor einer längeren Zeit einen Vortrag gehört, die haben das erste Bauteil auf den Tisch gelegt, das bei Airbus wirklich Luftfahrt zugelassen, also das fliegt und das ist diese Sitzhalterung, wo an jedem einzelnen Sitz im Flugzeug vier Stück von verbaut sind. Das heißt, das sind ja irgendwie im A380 dann ja irgendwie eine vierstellige Anzahl Bauteile und die haben die auch irgendwo auf 15% Gewicht von dem Vorteil gebracht. Wenn man das mal hochrechnet, ein paar tausend Teile pro Fluggewichtseinsparung, Also man kann es ja zwei Schritte weiter auch auf CO2-Einsparungen direkt umrechnen.

Ja, klar. Generell auf die Verbraucherkosten. Also natürlich, selbst wenn man sagt, der Herstellungspreis ist halt dementsprechend teurer, muss man halt auch wirklich im Gegenzug sagen, ja, aber was spart das im Endeffekt ein? Das ist ja beim Auto genau das Gleiche, wenn man jetzt zum Beispiel das mal extrem vergleichen würde und man sagt jetzt aktuell, okay, ist halt noch Benzin und so, der gängige Kraftstoff und ein Wagen würde aus Modernisierungsgründen nachher statt 600 Kilometer 800 Kilometer weit kommen, wäre das für einen Verbraucher generell natürlich auch eine überaus interessante Geschichte.

Jetzt hatten Sie am Anfang gesagt, dass Sie auch Privatkunden haben. Haben Sie da irgendein plakatives, anschauliches Beispiel? Also wer kommt da zum Beispiel zu Ihnen und was machen Sie dann da?

Ja, also generell haben wir die verschiedensten Anwendungen bis jetzt gehabt. Wir haben schon Privatkunden gehabt, die eine ältere Küche zum Beispiel haben. Küchen werden heutzutage recht alt, damals auch schon. Es gibt eine 20-, 25-jährige Küche, ist wirklich nichts Seltenes. Und ja, auch da sind halt Kunststoffbauteile verbaut, die nach einer gewissen Zeit eventuell, wo dann doch mal die Weichmacher rausgehen und die Bauteile zerbrechen. Und der Ersatzteilbereich ist natürlich nicht mehr abgedeckt. Bei kleineren Haltern, die man auch so irgendwo erwerben kann, ist es natürlich nicht wirklich lukrativ, das dann im 3D-Druck herzustellen. Aber es gibt auch einige Bauteile in Küchen, wo halt sonst ganze Einheiten wirklich rausgeschmissen werden müssen und neu eingebaut werden müssen.

Und da ist es dann doch schon effizienter, auch mal ein Ersatzteil für zu drucken, weil so als Erfahrungswert jetzt haben wir so ein Ersatzteil mal für 180 Euro hergestellt und eigentlich hätte der sonst eine ganze Küchenzeile rausschmeißen müssen, weil es definitiv keine Möglichkeit mehr gab, da irgendeinen Ersatzteile zu bekommen. Und er war natürlich sehr froh, dass er sich halt mal ein Ersatzteil relativ kostengünstig drucken lassen konnte und damit seine Küche halt weiter benutzen kann. Wir haben aber auch oft, also wir haben auch zum Teil im Oldtimer-Bereich schon mehrere Anfragen gehabt, was natürlich Kunststoffbauteile auch angeht, ob das irgendwelche Verkleidungsteile von Motorrädern waren, wo es halt kein Ersatzteil mehr gibt oder, sag ich mal, vom Außenspiegel, das Gehäuse, andere kleine Komponenten, die irgendwo verbaut werden, ob es selbst ein Luftfilterkasten, Sektorist oder andere Geschichten.

Wenn da wirklich kein Ersatzteilbedarf mehr da ist, dann haben wir halt die Möglichkeit, auch das kaputte Teil dann erstmal zu kleben, damit wir es dann halt ordentlich scannen können. Dann können wir es halt auch nachmodellieren und können dann halt ein Ersatzteil dafür herstellen.

Ja, spannend. Ich denke gerade an unseren uralten Land Rover. Das ist auch das eine oder andere Teil, was mal nachgedruckt werden könnte.

Ja, viele Autohersteller machen das ja generell auch schon, die dann auch schon eigene 3D-Druckanlagen da haben. Es gibt aber auch viel Bedarf im Campingbereich zum Beispiel. Wir haben jetzt auch schon öfters mal Anfragen gehabt. Sag mal, gerade Camper sind ja auch mal die kreativsten Leute, was das Hobby angeht. Und ja, ob das nun wirklich irgendwelche speziellen Weinglashalterungen waren, die da mal schon mal vorkamen oder irgendwelche speziellen LTE-Antennenhalter, die dann außen an den Wohnwagen angebaut werden sollten. Dann natürlich auch teils wieder irgendwelche frei ausgedachten Sachen, was die Leute haben möchten, ob es nun Fernbedienunghalter sind oder irgendwas anderes. Also da ist, sage ich mal, der Fantasie auch freien Lauf gelassen.

Jeder hat seine eigene Kreativität, jeder stellt sich was anderes vor und gerade auch in dem Bereich, wenn man dann weiß, dass es den 3D-Druck gibt und man kann sich irgendwas ausdenken, was man so mal nicht eben herstellen oder fertigen kann, dafür ist das natürlich schon eine ziemlich interessante Sache.

Ja, spannend. Wie würden Sie empfehlen, kann man sich da weiter informieren? Gibt das irgendwie Quellen, wo Sie sagen, das macht Sinn, das mal im Blick zu behalten? Das ist ja auch eine Sache, die sich schnell fortentwickelt. Wo kann man da am Ball bleiben?

Wie man sowas am besten im Auge behalten könnte, beziehungsweise das weiter treiben könnte, das ist für mich auch noch eine ganz große Frage, muss ich ganz ehrlich sagen, weil ich versuche natürlich auch, gerade hier bei uns in der Region, irgendwie verstärkt Werbung zu machen, auch durch diese Zeitungsartikel in Business and People zum Beispiel, wo wir irgendwie versuchen darzustellen, was machen wir, was ist möglich, wie kann man das den Menschen irgendwie vermitteln, was man hier betreibt und dass es gar nicht so weit weg ist, wie die meisten es halt denken. Das ist wirklich ein schwieriger Punkt. Den goldenen Schlüssel dafür habe ich auch noch nicht entdeckt, wie man es wirklich am besten an die Person transferieren kann, sage ich mal, das Know-how oder die Ideen oder die Möglichkeiten. Das bedarf wirklich immer an Einzelgesprächen in der Regel.

Ich habe hier auch oft Kunden, die einfach dann klingeln und die haben dann hier die Werbung vorhin am Haus gesehen oder haben auch in der Zeitung halt gelesen, sagen ja und ich hätte da mal einen Teil, wäre das überhaupt möglich, was würde sowas ungefähr kosten, wie funktioniert das überhaupt? Dann hat man quasi ein einzelnes Gespräch, erklärt denjenigen das und dementsprechend können sie sich dann halt überlegen, ob das, sag ich mal, lukrativ für den Bereich ist, so ein Teil jetzt herstellen zu lassen oder auch nicht. Aber ja, jetzt so global irgendwie ein paar Buzzwords in die Menge zu schmeißen und jeder weiß, was man meint, das ist leider noch nicht so.

Okay, schade. Ja, kommt noch.

Ja, ich denke mal, das ist eine Zeitgeschichte. Es wird, denke ich mal, immer mehr werden und Stück für Stück werden auch die Firmen sowas mehr einsetzen und dadurch wird es dann wahrscheinlich auch in den Medien ein bisschen präsenter werden und irgendwann wird es dann halt auch normal sein wie einige Sachen, die heute normal sind, wie ein Smartphone. Das hat vor 20 Jahren auch noch keiner drüber nachgedacht.

Ja, stimmt. Stimmt, ja. Was ist so das größte Thema, an dem Sie gerade dran sind? Was soll in einem Jahr anders sein als heute?

In einem Jahr anders. Ja, das ist auch immer ganz gut. Man hat ja so seine Ziele. Ja, also ich bin wirklich daran interessiert, noch andere Druckverfahren hier einzuführen. Wie gesagt, jetzt haben wir ja ein FDM-Druckverfahren und ein Inkjet-Druckverfahren. Aber es gibt ja noch einige andere Druckverfahren, um auch eine größere Materialvielfalt dem Endkunden anbieten zu können. Ich bin eher so in der Richtung, dass ich auch flexible Materialien, dass ich da mehr Varianten habe und auch farbig gesehen. Also wir haben natürlich jetzt Druckanlagen, wo man halt einfarbig mit drucken kann. Die Farben sind oftmals aber auch begrenzt bei den industriellen Druckern. Ich sage mal, wenn man jetzt natürlich so einen Hobbydrucker hat, da kriegt man in jedem Shop tausende von Filamenten und jeder kann sich eine Farbe aussuchen bis hin zum Glitzerfilament.

Aber wenn man natürlich auch Bauteile herstellen möchte, die wirklich ordentlich halten, die UV-vollständig sind, wo man auch sagt, okay, man kann wirklich ein Bauteil verkaufen, ohne dass man sich Sorgen darüber machen muss, dass das dann doch nach einem halben Jahr mal kaputt geht, dann braucht man natürlich auch etwas bessere Druckanlagen. Und ja, da schrumpft nachher auch die Materialvielfalt, weil natürlich jedes Material auch getestet werden muss. Und ja, aus Realität gesprochen ist es auch so, wenn man ein Filament zum Beispiel hat, das ist ja quasi der Grundstein, den man zum Drucken braucht, da gibt es selbst farbliche Unterschiede. Obwohl es eigentlich das gleiche Material ist, ist es durch verschiedene Farben, hat es teilweise auch schon wieder verschiedene Eigenschaften.

Und das muss natürlich auch alles erprobt werden und man muss auch irgendwo eine Prozesssicherheit dann haben, um so eine Bauteile herzustellen. Aber es gibt natürlich auch noch so Laser-Sinter-Anlagen, das ist recht interessant, um auch filigrane Bauteile herzustellen. Und ja, ich bin gerade dabei, nochmal ein bisschen links und rechts zu gucken, um eventuell da nochmal ein, zwei neue Druckverfahren einzuführen. Das ist so das, was ich eigentlich so im nächsten Jahr realisieren möchte.

Okay. Dann letzte Frage für jetzt und hier. Gibt es jemanden, den Sie gerne mal zum Begriff Digitalisierung von mir ausgefragt hören würden?

Ja, wie eben vorgeschrieben, das ist eine gute Frage. Thema Digitalisierung, ich meine, da hat natürlich jeder seine eigene Ansicht. Ich denke mal, so mit den Firmen, mit denen ich jetzt auch im 3D-Druck ein bisschen enger kooperiere, sagten ja auch schon Laserzentrum Nord. Das sind natürlich auch schon so Kontakte, mit denen ich mich dann auch unterhalte, beziehungsweise da mal ein Austausch stattfindet. Da ist jetzt auch zum Beispiel ein neuerer Zweig unterstanden, das ist ja die Bionic Production, kennen Sie bestimmt auch. Da wäre das eigentlich auch mal recht interessant, was da wirklich der Punkt Industrie 4.0 ist, weil da natürlich auch die ganze bionische Konstruktion und das ganze Know-how sitzt.

Wäre das eventuell eine Anlaufstelle, die mal interessant wäre.

Ja, spannend. Da habe ich sogar schon ein Draht hin. Cool. Interessiert mich jetzt auch spontan sehr. Ja. Okay. Ja, dann würde ich sagen, wir könnten da bestimmt noch eine Stunde weiter drüber reden, aber ich denke, die relevanten Kerninfos haben wir, glaube ich. Ja. Ganz vielen Dank für Ihre Zeit. Ja, gerne. Danke auch. Das war die 57. Folge des Podcasts Wege der Digitalisierung mit Mirko Schulz von ProTech. Vielen Dank fürs Zuhören. Wie immer, teilt das Ganze gerne in den Netzwerken eurer Wahl. Schreibt uns Rezensionen bei iTunes, wenn es euch gefallen hat. Schreibt uns E-Mails. Alles, was so an Quellen genannt wurde aus dem Interview, findet ihr auf wegederdigitalisierung.de. Das hier ist das 57. Interview. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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