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E4503.04.201921 Min

Wie können wir Kinder von der eigenen digitalen Zukunft begeistern?

Im Gespräch: Julia Freudenberg (Hacker School)

Titelbild zu E45: Wie können wir Kinder von der eigenen digitalen Zukunft begeistern? – Julia Freudenberg (Hacker School)

Worum es geht

Julia Freudenberg von der Hacker School erklärt, wie Kinder mit Programmieren und kritischem Denken die digitale Zukunft gestalten können.

Julia Freudenberg leitet die Hacker School in Hamburg. Der gemeinnützige Verein veranstaltet Wochenend-Workshops für Jugendliche. Zehn Kinder arbeiten mit zwei IT-Experten aus der Wirtschaft zusammen.

Die Workshops haben kein Curriculum. Themen variieren: Sensoren mit Sensebox, Logistik mit Lego Mindstorms bei Otto, Wahlcomputer mit Calliope. Ziel ist es, Kinder aktiv in die digitale Zukunft einzubinden.

Die Hacker School verbindet Wirtschaft und Jugend. Firmen engagieren sich über CSR-Aktivitäten. Kinder lernen Programmieren, kritisches Denken und sehen sich als Gestalter ihrer Zukunft.

Julia betont, dass kritisches Denken wichtiger ist als technische Fähigkeiten. Kinder sollen verstehen, wie Technik funktioniert, um sie nicht nur zu nutzen, sondern auch zu hinterfragen.

Ursprüngliche Shownotes 03.04.2019

Kritisches Denken ist die wichtigste Fähigkeit im 21. Jahrhundert. Wir alle wollen unseren Kindern die besten Startbedingungen mitgeben, die man heute haben kann. Einen sehr spannenden Weg dazu hat Julia Freudenberg als Gründerin der Hacker School gefunden.

Die Hacker School bringt jeweils 10Jugendliche und 2 „Inspirer“ für ein Wochenende zusammen, an dem die Jugendlichen einen direkten Zugang zum Programmieren bekommen. Dabei lernen die Jugendlichen, wie einfach man sehr spannende Dinge erfinden kann.

Andererseits lernen sie auch, dass der stetige Wandel von heute eine Chance sein kann. Da sich junge Menschen und Erwachsene von ganz unterschiedlichen Dingen beunruhigen lassen, ist dieser Austausch sowohl für die Jugendlichen, als auch für die Inspirer eine ganz wertvolle Erfahrung.

Julia ist absolut passioniert und engagiert und leistet mit der Hacker School ganz wunderbare Dinge. Das Gespräch hat mir wieder mal ganz neue Perspektiven eröffnet. Ich hoffe, euch auch!

Viel Spaß beim Zuhören!

Links aus dem Interview:

Transkript

3.396 Wörter

Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.

Hallo und herzlich willkommen zur 45. Folge des Podcasts "Wege der Digitalisierung". Heute aus dem noch nicht renovierten Keller, der allein ist, vor mir sitzt Julia von der Hacker School. Wir haben uns kennengelernt im letzten Herbst bei einer Veranstaltung von Hamburg at Work und sitzen jetzt hier, weil Julia auch die zweite Hälfte der Lionizers Gesellschaft kennengelernt hat, ebenfalls bei Hamburg at Work. Julia macht total spannende Sachen, die auch mit Digitalisierung zu tun haben. Erzähl doch mal, wer bist du, was machst du?

Ja, ich habe die große Freude seit jetzt fast zwei Jahren die Hacker School zu leiten in Hamburg. Die Hacker School ist ein gemeinnütziger Verein, der Kinder und Jugendliche für Programmieren begeistern will und ihnen einfach Tools an die Hand geben möchte, aktiv die eigene Zukunft zu gestalten, die eigene vielleicht auch digitale Zukunft zu gestalten und sie einfach mitprogrammieren als der Schlüssel zu einem Zugang zum ganz großen Bereich der Digitalisierung vertraut zu machen, dass sie Kinder nicht einfach nur Sachen anwenden können, sondern sie verstehen, wie sie funktionieren und sie auch selber steuern können.

Ich habe dich, glaube ich, damals schon gefragt. Ich habe in einem früheren Interview Diana und Philipp schon mal interviewt von AppCamps. Das heißt, die richten sich ja eher an die Lehrer und versuchen, das Ganze in die Schulen zu tragen. Ihr seid nicht in der Schule selber, habt zwar School im Titel, aber es geht darum, ihr geht an die Firmen, oder?

Also Diana, Philipp und ich haben eine große Schnittmenge in einem Teilthema von ihnen, wenn sie die Summer Camps machen. Die machen sie halt einmal im Jahr, vielleicht jetzt auch sogar ein bisschen öfter, ich bin unsicher, wo sie sich an Mädchen richten und mit denen wirklich programmieren. Da sind wir konzeptionell sehr, sehr nah beieinander. Ansonsten ganz richtig, die machen eben halt Lehrerfortbildung und Unterrichtsmaterialien, damit Lehrer auch Digitalisierung sozusagen im Unterricht stärker spielen können, dass sie mit den Kindern halt da eben auf unterschiedlichen Tools arbeiten und auch zu digitalen Themen. Wir richten uns zum einen ja an Firmen, aber eben mit der Zielgruppe immer, dass uns die Firmen unterstützen, Kinder wirklich für Programmieren zu begeistern.

Und wir machen das eben so, dass wir zwei ITler nehmen aus der Wirtschaft, zehn Kinder, die ein Wochenende im Jargon der Kinder geilen Scheiß machen lassen. Also da geht es darum, wir haben kein Curriculum und es geht bei uns auch nicht darum, dass man hinterher mit einem Zertifikat rausgeht, sondern wir haben gesehen, dass eben halt, was die großen Jungs und Mädels, also unsere Inspirer-Toy finden, dass sie dafür die Kinder wunderbar begeistern können. Und das gibt ganz unterschiedliche Themenbereiche. Also zum Beispiel haben wir gerade eine Kooperation mit der Sensebox gestartet. Das spielt halt mit dem Begriff Sensorik und aber auch Sinnhaftigkeit, wo man mit Umweltsensoren einfach, was weiß ich, Feinstaub messen kann, gefühlte Temperatur, also die richtige Temperatur, darüber dann eben auch das Programmieren kommt, wo wir eben auch sehen, dass das Mädchen wahnsinnig begeistert.

Oder wenn wir zum Beispiel bei Otto sind und da unsere Wochenendkurse, die Hackerschool Sessions machen, dann machen die mal gerne was mit dem Lego Mindstorm und mit Logistik, dass eben halt dieser Roboter dann ein Paket von A nach B bringt, weil Otto ja Versandhändler ist. Und so versuchen wir halt die Brücke von der Wirtschaft über CSR-Aktivitäten zu den Kindern zu bauen, dass eben halt auch die Wirtschaft sich wirklich engagiert und da auch mal in die Bütt geht, wenn es darum geht, was können Sie beitragen für die wirklich digitalen Kompetenzen der Jugend, die heute hier anwächst.

Total spannend. Wir haben ja eben im Vorgespräch schon so ein bisschen drüber geredet. Also ich bin ja durch den Wirtschaftsverein gerade an den Nachwuchscampus gelangt. Ich glaube, da sollten wir unbedingt sehen, wie wir das vereinen können.

Total gerne, weil es ist egal, mit wem du sprichst. Ich war neulich bei einer Veranstaltung von UNICEF im Schloss Bellevue, großartige Gäste. Und es kam jeder zweite Beitrag zum Thema, die Wirtschaft muss aber auch was machen. Ja, das Schulsystem hat sehr, sehr viele Herausforderungen. Also allein die Inklusion ist schon, also es ist toll, was Lehrer da leisten. Und allein von dem Setting her, dass du siehst, in der Wirtschaft kannst du mit IT so viel mehr verdienen, denn als Lehrer. Und es gibt nur wenige, die wirklich als IT-Lehrer in die Wirtschaft gehen. Und dann wird der Physiklehrer freiwillig, äh, in die Schule gehen, Entschuldigung. Dann wird der Physiklehrer freiwillig gemeldet, der Mathelehrer, weil die ja eh schon was mit Zahlen machen.

Die arbeiten aber in ganz anderen Fachgebietern. Und da zu gucken, wenn ich das Verständnis nach vorne bringe, wir können die Schule nicht alleine lassen. Wir haben doch alle ein Interesse daran, dass sich unsere Kinder auch in der Zukunft, wie sie sich auch immer jetzt gestalten wird, zurechtfinden werden. Und das Einzige, was wir aktuell wissen, ist, dass wir gar nicht mehr wissen, was in der Zukunft ist. Und dass wir dann den Kindern einfach die Werkzeuge an die Hand geben, in der Lage zu sein, kritisch zu hinterfragen. Eine Sache, wo wir unserem Namen am gerechtesten werden, ist, das machen wir jetzt auch auf der Leipziger Buchmesse, dass wir Kinder mit dem Calliope einen Wahlcomputer bauen lassen und ihnen dann den Auftrag geben, das Ding zu hacken.

Und du kannst ja besprechen, was ist der Vorteil von papierbasierten Wahlen, also Umweltproblem etc. Was ist der Vorteil am Wahlcomputer? Aber wie anfällig ist das? Und die Kinder sind sicher, das Ding ist, das passt, zack, einmal reingehackt. Jetzt ist es aber sicher, zack. Man kann die auch ineinander betteln lassen. Und die gehen da raus und hinterfragen alles. Und das ist so toll zu sehen, das kritische Denken und die Fähigkeit, Wandel als Chance zu begreifen. Das ist, glaube ich, das Beste, was wir den Kindern mitgeben können. Und wenn sie dann noch ein Verständnis hat, was wir meinen, wenn wir sagen, der Rechner kann nur Nullen und Einsen, Dann haben sie eine ganz andere Basis, sich diesem Leben zu stellen, was sie erwarten wird.

Das ist eine wahnsinnig inspirierende Mission.

Es macht auch wahnsinnig viel Spaß. Also mein Mann, ich bin selber kein ITler. Ich habe meine IT-Kompetenz geheiratet, sage ich immer gern. Mein Mann macht Banken-IT. Und natürlich ist er auch manchmal als Inspirer dabei. Also wenn wir in eine andere Stadt gehen oder ich sonst wieder gerade jemanden brauche. Und Andi sagt selber, wenn man eben halt mit den Kindern arbeitet, sagte neulich mal, du, wir hatten zehn unterschiedliche Lösungen. Keine war die, die ich gedacht hatte, aber sie waren alle toll. Und wenn du halt siehst bei den Kindern, wie sich oben die Synapsen neu verdrahten und wie sie selber ein Verständnis dafür kriegen, auch dass sie das selber können. Das ist halt auch ein wichtiger Teil bei uns.

Wir lassen die halt zwei Tage lang programmieren. Und in der letzten Stunde stellen die sich gegenseitig vor, was sie gemacht haben. Und dann hast du da einen, ich sag mal jetzt von mir, das wirklich elfjährige Jungen vorne hatten wir neulich, der hat eine Diebstahlsicherung für so ein Microbit gebaut. Das sind ja diese kleinen Ein-Klatin-Controller da. Und der hat einen Lagesensor. Und wenn er dir geklaut wird, dann wird er ja weggerissen. Und dann piept das Ding oder blinkt oder explodiert. Völlig egal. Aber die 80 anderen Kindern haben den gefeiert wie einen Helden. Und der ging da raus und dachte, ja, ich hab's echt drauf. Zehn Zentimeter gewachsen. Und ich glaube, die Eltern mussten direkt abends so ein Ding kaufen.

Und das ist halt das, was wir wollen, dass die Kinder sehen, sie kriegen das hin, sie können das, es ist keine Raketentechnik. Und Kinder, die sich begeistern, ist eigentlich der Standard, bis wir anfangen, es ihnen abzutrainieren. Und denen zu zeigen, sie können das machen, das ist nichts für, das ist wie gesagt, das ist nicht mystisch, das ist keine Raketentechnik, das ist großartig zu sehen.

Ja, cool. Wir waren am Wochenende mit unseren gerade in Bremen im Universum. Ah, das ist toll. Das hatte ich auch. Also hatte ich vorher ein bisschen Schiss, ob der Große mit fünf da schon wirklich, also war genial. Du hast gerade gesagt, die Fähigkeit, Wandel als Chance zu begreifen, das finde ich passt total gut zu dem O-Ton, der sich aus diesen ganzen vielen Interviews so gezogen hat. dass Digitalisierung letztendlich Veränderung bedeutet in erster Linie. Ja. Und was würdest du sagen, die Kinder, die jetzt langsam irgendwo dann aufs Berufsleben zusteuern, auf was für eine Welt, also was bedeutet Digitalisierung für die Welt, in der die sich zurechtfinden müssen?

Ich glaube, die Herausforderungen für Kinder und auch die Eltern sind unterschiedlich. Weil die Kinder kommen auf eine Welt, die wir als Eltern teilweise gar nicht kennen. Also viele Berufe sind ja jetzt auch schon durchaus ersetzbar. Für die Kinder hingegen, die kennen ja unsere Welt gar nicht mehr. Also Stichwort Lochkarten, Stichwort euer Telefon hatte mal eine Scheibe und wie, das war an der Schnur. Das sind halt alles Sachen, die eher Erwachsene beunruhigen, Kinder und Jugendliche eher nicht. Die wachsen da in Teilen rein. Sie begegnen aber auch einer und nach meiner Einschätzung der größten Gefährdung durch die Digitalisierung. Das ist die menschliche Bequemlichkeit. Ich will nicht sagen, dass das schlecht ist.

Es sind ja auch durchaus konvinient viele Sachen. Aber einfach damit aufzuwachsen, dass man heute das Auto nicht mehr selber repariert, sondern es direkt in die Werkstatt gibt. Man tauscht bei einem Handy nicht mehr den Akku aus, sondern direkt das Handy. Die Spider-App macht ja sowieso das Display schneller kaputt als alles andere. Und wir müssen, glaube ich, diesen jungen Menschen auf dem Weg in den Arbeitsmarkt mitgeben, dass wenn sie sich als Lemming abstempeln lassen, dann werden sie ein Lemming werden. Und diese Fähigkeit, das wirklich zu hinterfragen und zu gucken, ja, okay, vielleicht brauchen wir die Steuerfachangestellte tatsächlich nicht mehr in fünf Jahren. Ich möchte verstehen, was der Treiber ist, wie dieses System funktioniert.

Und wenn ich da reinkomme, dann steht mir die Welt offen. Dann kann ich mich in jeden Bereich einzeln reinarbeiten. Ich habe sogar eine krasse These gerade jetzt bei der Zukunftskonferenz oder Zukunft der Bildung in Berlin, vorher noch die Bitkom. Und da war tatsächlich eine Aussage, dass wir Erwachsene uns in Frage stellen müssen, ob ein Kind heute noch eine vernünftige Handschrift entwickeln sollte. Ich persönlich finde das schon gut, muss ich zugeben. Aber ich bin auch hier und da, merke ich selber bei mir, auch in diesen Mustern verhaftet. Weil die Aussage oder die Fragestellung war, werden die Kinder überhaupt noch mit der Hand schreiben? Die nächste Fragestellung war, werden sie überhaupt noch eine Fremdsprache lernen müssen?

Weil das geht ja alles per Sofortübersetzung demnächst. demnächst. Und ich gehe nicht alle Stellen mit. Ich finde halt, da ich selber gemerkt habe, dass Sprachen und so weiter auch das persönliche Gespräch, ohne ich rede in eine Maschine und die übersetzt das für mich, dass das einen sehr großen Wert hat. Aber ich merke, dass wir Erwachsenen selber häufig ganz oft Angst haben, etwas loszulassen im Sinne von, ich habe das gelernt, das muss mein Kind auch lernen, damit es gut aufgestellt ist. Und da den Kindern zu vermitteln, macht euch nicht um alles einen Kopf, aber nutzt alles, was ihr seht, als Chance, etwas zu lernen. Im Leben ist nichts umsonst. Wenn etwas umsonst ist, bezahlen wir es mit unseren Daten oder auf eine andere Weise. Aber was ihr quasi überall mitnehmen könnt, ist wirklich neue Einsichten, neues Verständnis und die Chance, dann eben aktiv zu gestalten. Und diesen Wunsch, aktiv, aktiver Gestalter zu sein, das kann glaube ich für Kinder der ganz entscheidende Schlüssel zum Arbeitsmarkt sein, weil dann können sie sich aussuchen, was sie machen wollen.

Was ich wichtig finde, ist auch, dass wir in den Köpfen der Eltern oder auch in den Köpfen der Schulen, Schüler, Lehrer, den Workaround hinkriegen, dass ein Unternehmen nicht per se böse ist oder bei Gewinnerzielungsabsicht können sie nichts Gutes tun, sondern eben halt wirklich zu gucken, dass wir im Zuge der Digitalisierung das wirklich gemeinsam als Chance begreifen zu sagen, ja, ein Unternehmen hat natürlich auch einen Vorteil, wenn es Menschen, Initiativen wie uns, wie Hackerschool unterstützt, weil dann auch die Leute sehen, sie tun was Gutes, sie kümmern sich. Aber es muss auch ein Format sein, wo ein Unternehmen das machen kann, weil sie haben immer noch eine Gewinnerzielungsabsicht, sonst können sie meine Gelder nicht bezahlen, damit kann ich keine Wohnung mehr bezahlen.

Also das ist ja ein ganz großer Kreislauf. Und da wirklich die Digitalisierung als Chance zu begreifen, dass wir dadurch, dass wir einige Aufgaben abgeben können, die vielleicht auch Maschinen besser machen können, Studierende vielleicht auch gar nicht wirklich Lust haben, dass wir aber dafür die Möglichkeit und auch den Auftrag haben, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und wo wer was am besten kann und das eben halt auch für einen gemeinschaftlichen Nutzen nach vorne zu bringen. Das, denke ich, wird auch nochmal ein ganz spannender Teilbereich der Digitalisierung sein.

Das finde ich interessant, gerade vor diesem Hintergrund, unser Bild von Unternehmen und Unternehmern, dass das an vielen Stellen ja einfach nicht reflektiert ist. Das habe ich bisher so nie mit Digitalisierung in Verbindung gebracht. Aber es stimmt schon, dass im Prinzip die Macht, die einzelne Unternehmer, Unternehmen so haben, wenn wir jetzt an Google oder Facebook oder so denken, dass wir da schon ein ganzes Stück kritischer werden müssen, weil die einen Einfluss bekommen, den hätte es vor 20, 30 Jahren nie geben können. Aber andersrum halt dürfen wir auch nicht in die Falle tappen und sagen, alle Unternehmen sind böse. Ich meine, ich habe auch irgendwann mich selbstständig gemacht und dann ein Unternehmen mitgegründet.

Und ich stehe dahinter, dass wir irgendwo einen guten Beitrag leisten, der über die Gehälter hinausgeht, die bezahlen.

Ich glaube, dass das auch dahinter der Grund ist, warum das kritische Denken als wichtigste dieser 21st-Century-Skills immer genannt wird. Wir werden, viele Daten werden zukünftig auch von Maschinen ausgelesen werden. Und ich habe noch nicht einen Satz gehört, den mich sehr erschreckt hat und dem ich auch nicht zustimme. Da sagte eine Dame in einem Vortrag, wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass wir Entscheidungen auf Grundlagen treffen, die wir nicht mehr verstehen. Und genau das darf nach meiner Einschätzung nicht passieren. Und wir müssen, dadurch, dass uns viel abgenommen wird, wirklich diese Fähigkeit des kritischen Hinterfragens, des Verstehens, wie auch eine künstliche Intelligenz ihre Learnings generiert oder Vorhersagen trifft.

Die künstliche Intelligenz hat fehlerfrei vorhergesagt, dass Trump Präsident war. Hauptfaktor war noch nie eine Frau. Und das sind einfach Sachen, wenn ich nicht weiß, wie Daten entstehen, kann ich sie überhaupt nicht mehr beurteilen. Und ich glaube tatsächlich, dass auch das Programmieren, das Verständnis, wie diese Daten entstehen, generiert werden, wie Machine Learning funktioniert, wie auch dieses Trainieren an der Stelle vonstatten geht. Wenn ich das verstehe, kann ich mir ein Bild davon machen, wie das zustande kommt, wie das zu beurteilen ist und auch, wo die Gefahrenquellen sind. Und das ist eben das kritische Denken. Das ist, glaube ich, die wichtigste menschliche Fähigkeit, die wir nicht nur erhalten müssen, sondern die wir, genau vor dem Hintergrund, was du auch gesagt hast, die wir massiv ausbauen müssen.

Weil früher hatte jedes Dorf einen Trottel. Jetzt treffen die sich alle online. Und das wird verstärkt. Das ist kein Satz von mir, den habe ich irgendwo geklaut. Aber genau dadurch, dass diese Vernetzung, dass vieles so viel schneller geht und vieles so viel einfacher ist Und die Fähigkeit, dass der kürzteste Weg nicht immer der beste ist und dass es sich lohnt, die extra Meile zu gehen und dass uns das Denken tatsächlich niemand abnehmen kann und auch nicht sollte. Wenn wir das der Jugend mitgeben können, dann ist, glaube ich, viel gewonnen.

Da ist was dran, ja. Vor dem Hintergrund die Frage, was heißt das für euch als Hacker School? Was ist eure größte digitale Herausforderung der kommenden Zeit?

Die größte tatsächlich Teil digitale Herausforderung ist, wie wir im Moment unser eigenes Wachstum handeln können. Die Nachfrage ist wirklich begeisternd. Da, wo wir hingehen, es wird toll angenommen, die Unternehmen, wenn sie die erste Session durchhaben wollen, gleich noch drei, vier weitere in dem Jahr machen. Das überhaupt hinzukriegen, das operativ aufzusetzen und auch die Hardware-Versorgung hinzustellen, das ist tatsächlich meine größte Herausforderung. Das Ziel tatsächlich, was ich im Moment verfolge, ist, mit genau diesem Gedankengut, was wir gerade besprochen haben, auch in Richtung der Wirtschaft, in Richtung der Schule zu gehen, um da eben per Digitalisierung oder eben auch ohne diese latenten wechselseitigen Feindbilder abzubauen und da einfach dieses gemeinschaftliche Verständnis zu bauen, Dass die Unternehmen unterstützen können und dass die Schulen sich nicht bevormundet fühlen müssen, nur weil Unternehmen das, was sie sowieso machen, wahrscheinlich an der Stelle etwas besser können. Ja, das sind im Moment so meine größten, teils digitalen, teils analogen Herausforderungen.

Spannend. Gibt es eine Quelle, die du speziell zu dem Thema empfehlen möchtest, kannst?

Ich habe neulich von einer ganz tollen Gründung gehört, das wird jetzt zu Anfang April sein, dass es in Freiburg ein, ich glaube sogar, europäisches Institut für Gaming geben wird, wo es darum geht, welche Rolle tatsächlich Gaming in der digitalen Bildung von Kindern spielt. Und das ist ein Ansatz, den ich mir unbedingt näher angucken möchte und wo ich eben halt auch auf die Zugehörigen, den Professor und die Mitarbeiter, die sehr gerne als Quelle heranziehe, einfach weil es ein toller Zugang zu Kinder ist und weil es da die Digitalisierung eine ganz andere Lernmöglichkeit eröffnet. Zum Beispiel, wenn Kinder in diesen Realspielen drin sind. Es gibt jetzt gerade so ein Farming-Spiel, wo sie eben halt letztendlich Bauer sind, ohne auf dem Feld zu stehen, aber wo die auch lernen, dass sie ihre Entscheidung treffen müssen.

Und dass es nicht schwarz und weiß gibt und nicht gut und böse, sondern man manchmal eine bittere Entscheidung treffen muss, um letztendlich einen größeren Zweck zu erfüllen. Und da mir wirklich viele Infos auch über den Einfluss von Digitalisierung auf das Lernverhalten anzulesen und abzuholen, das werde ich mir mit Sicherheit ab Anfang April sehr genau angucken.

Cool. Also ich war früher als Kind selbst passionierter Computerspieler. Also ich sehe heute im Alltag, was mir das gebracht hat. Also bestimmte Sachen, du mit vielleicht nicht so, aber andere Sachen schon. Weißt du, also ich weiß, dass die HAW Hamburg ein Master in Game Design hat.

Ja.

Gehen die auch in diese didaktische Richtung oder geht das da wirklich nur darum, coole Technologie zu lernen?

Da besteht aktuell noch kein Kontakt, aber das sollte ich auf jeden Fall aufnehmen, jetzt wo du es sagst.

Ah, okay. Ich kenne da jemanden.

Stell super gerne Kontakt her. Kann ich den Kontakt herstellen.

Cool. Okay, dann die letzte Frage für jetzt und hier. Gibt es jemanden, den du in einem späteren Interview gerne mal hier hören würdest?

Wenn dir Freiburg nicht zu weit ist, würde ich tatsächlich den Kontakt zu dem Jan Böhmann total gerne mal herstellen, weil der zur Digitalisierung einen super inspirierenden Vortrag neulich gehalten hat, den ich hören konnte. Also für mich haben sich dadurch ganz, ganz viele neue Gedanken ergeben. Den würde ich dir gerne mal vorstellen.

Cool, sehr gerne. Freiburg ist nicht um die Ecke, aber das kriegen wir irgendwie hin. Ach, die kommen auch mal nach Hamburg, ich sage dir Bescheid. Hervorragend. Ja, perfekt. Dann, falls du nichts mehr hinzuzufügen hast.

Nein, alles hat mir sehr viel Spaß gemacht, mich mit dir darüber auszutauschen.

Ja, mir auch. Dann ganz vielen Dank für deine Zeit, für dein Wissen,

für deinen Input. Sehr gerne.

Super. Das war die 45. Folge Wege der Digitalisierung mit Julia von der Hacker School. Alles, was wir so besprochen haben und was man verlinken kann, werde ich wie gehabt in den Shownotes verlinken, zu finden auf wegederdigitalisierung.de. Ich freue mich wie immer über Kommentare. Teilt diese Folge gerne wie gewohnt in allen gängigen und nicht gängigen Netzwerken eurer Wahl. Nochmal der Hinweis, wir sind Medienpartner der Hub Berlin. Das heißt, falls ihr da hinkommen wollt, können wir uns da auch gerne irgendwo auf einen Kaffee treffen.

Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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