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Spezial22.12.202128 Min

Analoge Weihnachten 2021: Welche Erfahrungen haben wir in diesem Jahr gemacht und was ergibt sich daraus für die Zukunft?

Im Gespräch: Nils Löwe & Friederike Löwe (Lionizers)

Titelbild zu Analoge Weihnachten 2021: Welche Erfahrungen haben wir in diesem Jahr gemacht und was ergibt sich daraus für die Zukunft? – Nils Löwe & Friederike Löwe (Lionizers)

Worum es geht

Nils und Friederike Löwe reflektieren 2021: Digitalisierung als Hebel für Nachhaltigkeit.

Nils Löwe und Friederike Löwe, Gründer der Lionizers GmbH, reflektieren gemeinsam das Jahr des Podcasts „Software for Future“. Sie besprechen, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander verknüpft sind.

Der Fokus liegt auf Energieverbrauch: Digitale Systeme verbrauchen Strom und Ressourcen. Solange Energie nicht aus 100 % grünen Quellen stammt, bleibt der ökologische Fußabdruck hoch. Beispiele sind Heizungssysteme mit 30 % Einsparung durch intelligente Thermostate oder Stahlproduktion mit grünem Wasserstoff.

Sie betonen, dass viele Unternehmen erst durch gesetzliche Reporting-Pflichten (ab 500 Mitarbeiter) mit CO2-Bilanzen beginnen. IT-Abteilungen sind oft der beste Startpunkt für nachhaltige Veränderungen, da sie Change-Prozesse kennen.

Ein zentrales Fazit ist: Erst durch Digitalisierung entstehen Daten. Erst dann kann man nachhaltig handeln. Tools wie SDGs (Sustainable Development Goals) werden als praktische Orientierungshilfe genutzt. Die Zukunft liegt in der Kombination von Technologie und ökologischem Bewusstsein.

Ursprüngliche Shownotes 22.12.2021

Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir unseren Podcast „Wege der Digitalisierung“ in den SoftwareForFuture Podcast verwandelt und seitdem ist eine Menge passiert: In der Welt, in unserem Land, in unserem Unternehmen, der Lionizers GmbH, und persönlich auch. 

Bleibt alles anders

Was ist geblieben? Auf jeden Fall ein bunter Podcast mit spannenden Gästen und Themen, vielen Fragen und zwanglos-offenen Gesprächen über Digitalisierung, Nachhaltigkeit und die Welt.

Ein Teil des Neuen ist dieser Aspekt der Nachhaltigkeit, der unsere Interviews durchzieht und elementarer Teil der Lionizers ist. Und zum Glück gewinnt Nachhaltigkeit immer mehr Raum im Bewusstsein vieler Menschen und Unternehmen. Und sei es im ersten Schritt auch „nur“ wegen der rechtlichen Notwendigkeit.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit als Team

Darüber, warum Digitalisierung und Nachhaltigkeit unbedingt gemeinsam gedacht werden sollten, hat Nils im Laufe viele Podcast- und Projekt-Gespräche die sehr interessante Erkenntnis gewonnen, „dass der Klimawandel im Wesentlichen auf eine Energiekrise zurückzuführen ist.“

„Denn“, so sagt er weiter, „Digitalisierung braucht Strom und braucht physische Ressourcen. Und das hat negativen Einfluss auf unsere Umwelt. Solange der Strom nicht aus 100 Prozent grüner Energie kommt. Und solange wir mit den physischen Ressourcen sehr verschwenderisch umgehen. Auch der ganze Rest, nicht nur die digitale Welt, sondern alles andere: Unsere Mobilität, unsere Logistik, unser Konsum – all das ist im Wesentlichen ein Problem in dieser Dimension. Weil die Energie nicht aus nachhaltigen Quellen kommt.“
Und er belegt das mit diversen Beispielen.

Software for Future, Daten und Green IT

Verbraucht Digitalisierung wirklich nur mehr Energie? Wie kann die Entscheidung getroffen werden, wann sich Digitalisierung wirklich lohnt? Dazu hören wir einen kleinen Diskurs zu Daten und speziell zu technischen Daten:

Datensparsamkeit ist eine grundlegende Tugend jeder Software. Das ist klar. Doch bevor ein Prozess sinnvoll digital formuliert werden kann, werden zunächst Daten benötigt, und zwar sehr viele. Erst anhand dieser sehr vielen Daten kann entschieden werden, welche von ihnen für die gewünschte Optimierung wirklich notwendig sind.

Die fertige „Software for Future“ ist dann wieder daten- und energiesparend und an den Anforderungen grüner IT-Entwicklung ausgerichtet.

So weit der anzustrebende Idealzustand. Klar ist, und das wird im Gespräch zwischen Rike und Nils deutlich, das auf diesem Gebiet in allen Unternehmen technologisch noch ganz viel im Werden und Ausprobieren ist. Doch das mit Riesenschritten.

Die Agenda 2030 im erweiterten Fokus

Eine weitere positive Entwicklung ist, dass die von den Vereinten Nationen von sechs Jahren veröffentlichte Globale Nachhaltigkeitsagenda (Sustainable Development Goals, SDG) immer mehr in den Fokus von Gesellschaft und Unternehmen rückt. Auch hier helfen Daten, die Erfüllung der Ziele handhab- und messbar zu machen.

Die Lionizers haben sich in Anlehnung an diese Ziele ganz dem Kampf gegen dem Klimawandel verschrieben. Das wird uns weiter beschäftigen. Dazu haben wir zwar schon viel beizutragen und doch auch immer noch viel zu lernen. Beispielsweise von unseren Interviewpartnern in diesem Podcast.

Wir hören uns im Januar wieder

Bis dahin wünschen wir Euch allen eine ruhige und besinnliche Zeit, ein analoges Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein hoffentlich gesundes Jahr 2021.

Allerbeste weihnachtliche Grüße und bis bald im neuen Jahr,

Friederike Löwe & Nils Löwe

Die im Gespräch erwähnten Episoden zum Nachhören

Transkript

3.549 Wörter

Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.

Hallo Welt, liebe Menschen, herzlich willkommen bei unserem Software for Future Podcast. Ich bin Friederike Löwe und gleich hörst du auch Nils Löwe. Wir führen als Unternehmerpaar die Lionizers. Und Nils spricht heute mit mir. Also vor allen Dingen mit euch. Wir haben gemerkt, dass es ein Jahr her ist, dass wir uns mit dem Podcast der digitalen Nachhaltigkeit gewidmet haben und allem, was damit zusammenhängt. Und es ist Zeit, es mal zurückzugucken. Nils, was hast du in diesem Jahr gelernt?

Ganz viel vorweggenommen. Ich bin total gespannt, dieses Gespräch heute mit dir zu führen. Es ist, glaube ich, das erste Mal, dass wir beiden an einer Episode mitwirken zur gleichen Zeit. Normalerweise führe ich in irgendeinem Moment das Interview mit irgendjemand anders. Und du sprichst dann hinterher ein Intro und ein Outro.

Ach, die Weihnachtsepisoden haben doch schon Tradition.

Ja, das stimmt. Die Weihnachtsepisoden waren immer schon auf dem Sofa mit dem Bier dabei. Das stimmt. Ja, aber Blick zurück aufs Jahr. Was haben wir gelernt? Ich finde, man erkennt schon einen roten Faden durch diese Interviews. Sie sind weiterhin sehr, sehr kunterbunt geblieben. Das war auch vorher so, als der Podcast noch Wege der Digitalisierung hieß. die Frage ist weiterhin sehr offen die Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen sind ganz vielfältig immer interessant, wie ich finde aber die Meinung wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammenhängen und wie sie sich gegenseitig pushen und wie man da einen guten Hebel draus machen kann, ich finde das ist schon das zeigt eine relativ klare Richtung Muss ich so sagen.

Könntest du das in wenigen Worten zusammenfassen?

Ich kann es versuchen. Mit Pech werden es viele Worte. Was ich finde, was festzuhalten ist, ist die Aussage, dass der Klimawandel im Wesentlichen auf eine Energiekrise zurückzuführen ist. Ich weiß gar nicht, ob das hier in dem Podcast so benannt wurde, aber wir beiden haben dieses Jahr auf der Solutions zwei Vorträge zu dem Thema gehalten, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Und eigentlich alles, was wir da vorgelernt haben und auch die Gespräche, die ich danach noch geführt habe, die haben es alle irgendwo bestätigt. Digitalisierung braucht Strom, braucht physische Ressourcen. Und das hat einen negativen Einfluss auf unsere Umwelt. Solange der Strom nicht aus 100% grüner Energie kommt, und solange wir mit den physischen Ressourcen auch tatsächlich sehr verschwenderisch umgehen.

Und der ganze Rest, nicht nur die digitale Welt, sondern alles andere, unsere Mobilität, unsere Logistik, unser Konsum, all das ist im Wesentlichen ein Problem in dieser Dimension, weil die Energie nicht aus nachhaltigen Quellen kommt. Und von daher haben sich viele Interviews des Jahres irgendwie mit dem Thema Energie befasst. Ich denke da jetzt gerade an das Letzte, das live gegangen ist, mit Matthias von DeZera. Da geht es um die Frage, wie man Kraft-Wärme-Kopplung besser führen kann. Da werden digitale Mittel genutzt, um existierende Anlagen einfach deutlich effizienter zu fahren. Relativ früh im Jahr haben wir mit Christoph Berger von Willisto ein Interview geführt, wo es darum geht, ein Thermostat smarter zu machen und schon spart man 30 Prozent Heizkosten. Geheizt wird heute nach wie vor hauptsächlich mit Gas, das heißt, da entstehen Emissionen, wenn wir es warm haben wollen.

Es gab diese Energieberatung, wo auch im Prinzip auf Daten geschaut wird, um dann festzustellen, wo sind irgendwo Ausreißer und wo wird offenbar Strom verschwendet in Supermärkten, wo das Licht die ganze Nacht brennt, weil irgendein Sensor kaputt ist. Das sind alles irgendwie Energiefragen. Das ist so mein Fazit. Und da haben wir einen riesengroßen Hebel.

Aber das heißt, der Hebel ist an vielen kleinen Stellen und nur weil es eine Energiefrage ist, heißt das nicht, wir fangen jetzt beim Kraftwerk an und hören beim Kraftwerk wieder auf, sondern das Problem ist schon überall.

Ja, das Problem ist überall. Wir verbrauchen mehr Ressourcen, als wir sollten. Wir verbrauchen mehr Energie, als uns auf nachhaltiger Weise zur Verfügung steht. Und das müssen wir ändern. Da gab es auch gute Beispiele. Also jede Branche muss da irgendwo was tun. Ich denke an die Smart-Steel-Folge. Stahl ist ein extrem energieintensives Vorhaben, Stahl zu produzieren. Und auch da, da werden KI-Methoden genutzt, um die Stahlproduktion nachhaltiger zu machen. Zum einen, weil die Rezepte so angepasst werden können, dass man mit grünem Wasserstoff heizen kann, anstatt mit Gas. Das alleine ist schon mal eine gute Sache. Und über eine Nachverfolgung von dem Material, alleine zu wissen, was ist wo drin, kann man dann auf einmal im Prinzip jede Art von recyceltem Stahl benutzen, um daraus jede beliebige Form von neuem Stahl wiederherzustellen.

Das war für mich eine wirklich spannende Neuigkeit, dass Stahl eines der nachhaltigsten Materialien auf unserem Planeten ist. Das kann zu 100% recycelt werden.

Sein kann.

Sein kann.

Vorher war ja Energie genau das Problem. Wenn die Energie eben nicht nachhaltig gewonnen wird, ist das ein Riesending. Und deswegen finde ich es so beeindruckend als Beispiel, weil es so einen großen Unterschied macht. Hast du vielleicht auch vor oder nach den Interviews mit den Leuten herausfinden können, wie wird diese Entscheidung getroffen, ob sich digitale Mittel, die ja eben auch Energie verbrauchen, für etwas lohnen?

Mein Bild ist, das ist alles in den Kinderschuhen noch. Diese Entscheidung wird oft gar nicht getroffen, weil niemand weiß, dass man so eine Entscheidung treffen kann. Christoph von Willistu hat mir das erzählt. Wenn die versuchen, ihr System an eine Schule, an eine Kommune, an irgendein großes Unternehmen zu verkaufen, und er dann erklärt, dass sich das nach dieser oder jener Zeit amortisiert, weil ja nun bis zu 30 Prozent Heizenergie eingespart wird, dann steht er oft völlig irritierten Leuten gegenüber, die sagen, hä, wie das amortisiert sich, wie ich spare da auch noch Geld mit, ich mache das, weil ich muss. Das heißt, bislang haben das viele Leute nicht auf dem Schirm, das Thema Nachhaltigkeit im Großen tatsächlich als Kosteneinsparung auch zu sehen.

So und von daher, wenn das erstmal das grundsätzliche Verständnisproblem ist, dann verstehe ich auch, dass niemand einen Schritt weiter geht und fragt und was bringt Digitales in dem Zuge. Ich glaube aber, das ändert sich gerade. Das ist auch ein Thema, das habe ich gelernt übers Jahr. Es gibt ja mittlerweile eine ganze Menge Reporting-Pflichten. Unternehmen über 500 Mitarbeiter müssen eine CO2-Bilanz machen. Das heißt, da ist eine ganze Reihe Startups entstanden, die erstmal einfach nur diese Reporting-Pflichten abnehmen. Und davon ausgehend, man muss ja erstmal überhaupt eine Bestandsaufnahme haben und Daten haben, um dann entscheiden zu können, und wo habe ich denn überhaupt Hebel? Das passiert momentan mit digitalen Mitteln, einfach weil es manuell auch sehr schwer zu handhaben ist. Und dann, das habe ich in einem Interview gelernt, das geht nach Weihnachten online mit dem Heldenrat, das ist das nächste Interview, das live gehen wird.

Die IT-Abteilungen sind üblicherweise die Abteilungen im Unternehmen, die am besten verstehen, Change-Prozesse durchzuführen, weil diese Abteilungen bisher immer die waren, die es ausgelöst haben. Das heißt, die IT-Abteilung ist eigentlich ein sehr guter Startpunkt, um auch nachhaltige Change-Prozesse im Unternehmen umzusetzen.

Wenn jetzt, also in Zukunft, man vielleicht einfach über das Reporting darauf kommt, Mensch, ich habe hier so ein energieintensives Problem. Und ich frage mich, kann ich denn da jetzt mit irgendeinem Tool, mit irgendeiner digitalen Klugheit was dran verändern oder kann ich das grundlegend neu denken? Weißt du, wie du jemanden beraten würdest, der vor so einer Entscheidung steht?

Also ich muss gestehen, ich kenne da jetzt nicht die Methode, wo ich sagen kann, lies dieses Buch oder benutze jenes Framework und dann hast du automatisch die Lösung. Ich denke, das ist Erfahrungswissen. Und da gibt es sicherlich Beratungsunternehmen, die da auch Erfahrung haben, gut geschult sind. Also ich denke jetzt zum Beispiel tatsächlich an die Heldenrad GmbH, die in der nächsten Folge live gehen wird. Die haben da Wissen. Aber wenn jetzt jemand zu mir persönlich mit einem sehr konkreten Problem käme, dann wüsste ich schon eine Reihe von Fragen, die ich stellen würde. Und dann könnte ich hinterher sagen, möglicherweise könnte ich da auch eine Idee entwickeln, was man bauen könnte. Oder mir würde jemand einfallen, den ich vielleicht hier interviewt habe oder den ich irgendwo kennengelernt habe, um den weiter zu empfehlen.

Aber was ich so gemerkt habe, ist, da entsteht gerade ganz viel. Da ist eine echte Aufbruchsstimmung. Aber es gibt noch nicht die erprobten Methoden, um zu sagen, du bist ein, keine Ahnung, Stahlunternehmen. Das heißt, du hast folgende drei Werkzeuge an der Hand. Es entstehen ja auch viele Technologien gerade oder kommen in einer Weise in die Praxis, dass man jetzt langsam weiß, wie man sie anwenden kann. das habe ich glaube ich auch hier in dem Podcast nicht erwähnt, vor nicht langer Zeit auf der Slush in Helsinki. Und da war Greentech das Thema. Also 8000 Leute, jeder Venture Capital Fonds, der irgendwie Rang und Namen hat, auf irgendeiner der Bühnen vertreten. Und in jedem zweiten Talk ging es irgendwie um Greentech.

Und das zeigt, wenn sich auch diese Branche damit auseinandersetzt, das ist der heiße Scheiß gerade. Das heißt, es gibt da noch nicht jahrzehntelang dokumentierte Best Practices, aus denen man gehen kann. Das heißt aber auch, es gibt wahnsinnige Potenziale. Also ich habe schon, als der Podcast noch Wege der Digitalisierung hieß, den Aaron Sternitzky interviewt. Und der hat mir schon, das war vor Corona, hat er gesagt, die nächsten Unicorns, die entstehen werden, kommen aus dem Greentech-Bereich. Und auf der Slush haben Leute gesagt, die nächsten Dekakorns, also Unternehmen mit einem zweistelligen Milliardenbewertungsbetrag, die werden alle aus dem Greentech-Bereich kommen, weil wir müssen. Dieses Problem ist da, der Klimawandel ist da. Der Planet wird auch ohne uns weiter existieren, aber wir nehmen uns gerade die Grundlage.

Und das ist ein Problem, das groß genug ist, um es jetzt ernsthaft anzugehen. Das heißt, damit lässt sich auch ein Schweinegeld verdienen.

Das heißt aber auch, wenn wir uns jetzt als Weltgemeinschaft betrachten und überlegen, wie lösen wir dieses Problem mit Technologie, mit Unternehmen, dass wir im Prinzip gucken müssen, in welcher Branche bewege ich mich gerade und gibt es da schon eben Leute wie Smartsteel, die da irgendwie schon ihren Teil ausgekocht haben, die auch ihr Wissen teilen und ihren Ansatz teilen, an denen ich mich orientieren kann. und wenn ja, haben die ein Standardprodukt, das ich irgendwie übernehmen kann oder muss ich mir das für mich implementieren, dann eine bestimmte digitale Lösung oder eben als Startup zu gucken, gibt es für eine Branche oder vielleicht auch als Unternehmen dann zu sagen, dann gründe ich ein Startup, das eben diese Lösung für alle anbietet.

Und sozusagen das Wissen zu teilen, aufeinander aufzubauen und gleichzeitig zu akzeptieren, dass wir alle da gerade sehr experimentell unterwegs sind und dass es schnell gehen muss.

Genau. Und dann muss man dazu noch eine Sache im Blick haben. Das habe ich auch auf dieser Konferenz in Helsinki gelernt. Da gab es einen, ich werde den Namen nachreichen, ich habe es in meinen Notizen nicht, ich habe den Namen gerade nicht präsent. Also einer der Vorträge, die ich gesehen habe, ging um Stand der Technik, was bringen uns das nächste Jahr so Trends, Trendforscher Vortrag, aber auf sehr technischer Ebene. Und er hat gesagt, es gibt im Prinzip drei große Trends, die man sich angucken muss. Das eine ist, man geht auf eine Tech-Konferenz und da lernt man, was ist gerade der angesagte heiße Scheiß. So, da spricht man dann jetzt gerade über irgendwelche Kryptosachen und über NFTs und über was weiß ich.

Aber jede Branche steckt ja irgendwo in einer bestimmten Phase. Es gibt bestimmte Ecken in der Wirtschaft, die bauen jetzt gerade mit diesen neuesten, angesagtesten Technologien rum. Und dann gibt es die Dinge, die vielleicht vor 10, 15 Jahren der heiße Scheiß waren. Und das ist jetzt gerade Breitentechnologie geworden. Und die Branchen, die schon so ein Stückchen modern in der heutigen Welt agieren oder einfach den Leidensdruck schon vor einer Weile hatten, die sind jetzt dabei, auf ganzer Linie diese Breitentechnologien einzuführen. Und dann gibt es die Branchen, die sind jetzt gerade dabei, das, was irgendwie Ende der 90er in der Dotcom-Bubble in war, was vor 20 Jahren der heiße Scheiß war, das kommt da jetzt gerade an. Also es gibt immer noch Branchen, die sind dabei, überhaupt ihre Kernprozesse zu digitalisieren.

Weil die einfach kein Problem hatten.

Genau, weil der Leidensdruck nicht groß genug war oder weil es auch einfach kompliziert war oder ist. So ein Unternehmen, das jetzt gerade dabei ist, überhaupt die Grundprozesse im Unternehmen irgendwie zu digitalisieren, den muss ich nicht mit irgendwelchem Kryptofancy-Kram kommen, die sind erstmal dabei, überhaupt laufen zu lernen. Und generell, das ist ein Fazit, das ist aus 70, 80 Interviews Wege der Digitalisierung gekommen. Und das hat sich auch in diesen Software-for-Future-Interviews wieder gespiegelt. Der erste Schritt ist, erstmal diese Prozesse überhaupt zu digitalisieren, damit ich Daten erhebe, damit ich Daten habe, die die physische Welt irgendwie repräsentieren, das ist die Grundlage.

Wenn ich die nicht habe, dann kann ich überhaupt nichts lernen. Ich kann nicht versuchen, irgendeinen Stahlprozess intelligenter zu machen und beliebige Recycling-Dinge in den Eingangskanal zu schmeißen. Wenn ich nicht verstehe, also wenn ich nicht ein digitales Abbild von diesem Prozess habe, dann funktioniert das nicht. Das heißt, das muss vorher passieren. Und dann kann ich mich aber heute mit unserem Wissen um Nachhaltigkeit und um die Notwendigkeit einer nachhaltigen Digitalisierung, dann kann ich sagen, wenn ich diesen ersten Schritt gegangen bin und ich verstehe jetzt, wie die Dinge überhaupt laufen und ich kann sie beobachten, weil ich die Daten, die richtigen Daten an der richtigen Stelle generiere, dann kann ich mich fragen, und wie kann ich das jetzt nutzen, um es nachhaltiger zu machen?

Das heißt, ein Stück weit legitimiert das Ziel eine gewisse Datensammelwut, die ja überhaupt nicht nachhaltig ist, zu sagen, ich habe es besser als brauche, ich sammle erst mal Daten und knall alles voll und nutze ganz viel Energie und Hardware-Kapazitäten für Daten, von denen ich nicht weiß, ob ich sie wieder brauchen werde. Aber dadurch, dass nicht ganz klar ist in manchen Anwendungsfällen, was man finden wird und welche Daten Relevanz haben, ist das sozusagen wie ein Übergangsschritt?

Ja, ich würde sagen, das ist Teil des, ich nenne es mal Projekt, also Teil des Projektes. Also ich denke da an einen aktuellen Kunden, den wir haben, wo wir den Namen nicht nennen dürfen. Die kommen aus einer Branche, die bisher gar nicht wirklich digital ist. Die bauen große, komplexe Maschinen und da geht es jetzt darum, am Ende des Tages wollen die Predictive Maintenance machen für ihre Komponenten. Das ist eine sehr nachhaltige Sache, wenn man auf einmal Wartungszyklen an den realen Bedarf anpasst und nicht auf Verdacht irgendwelche Dinge tauscht oder Leute irgendwo feststecken, nicht mehr weiterkommen, weil eine Wartung zwar erst in vier Wochen dran gewesen wäre, aber irgendein Teil trotzdem vorher verschlissen war.

Und dann Leute durch die Welt fliegen und alles, was da dran ist.

Genau, genau. Und wenn der Monteur zu so einer Anlage hinfährt und schon vorher weiß, was er austauschen muss, dann hat er auch die passenden Teile dabei und fährt nicht zweimal. Also das ist sehr nachhaltig und das ist eine richtig coole Sache. Wenn man jetzt irgendwo die richtigen Medien verfolgt hat, dann ist Predictive Maintenance auch nicht neu. Aber es kommt jetzt auf einmal in Branchen an, wo es nicht offensichtlich war. Reus Reus macht das mit Turbinen, die Airbus kauft schon seit 20 Jahren, nicht seit 10 Jahren. Jetzt kommt es auch anderswo an. Und in diesem Entwicklungsprojekt, in dem wir Teil sind, natürlich sammeln wir da erstmal alles an Daten, was wir kriegen können, weil wir ja vorher gar nicht wissen, welche brauchen wir denn, um eine gute Prediction machen zu können.

Aber das ist ja nicht das, was nachher in einem Produktivsystem in jeder Anlage auf diesem Planeten installiert werden wird. Wir lernen, was wir brauchen. Wir lernen, was wir auch nicht brauchen. Und in dem Moment, wo das aus der Forschungs- und Entwicklungsphase raus in die Produktionsphase geht, da sollte man dann tunlich nur noch die drei Datenpunkte aufnehmen, die man wirklich braucht. Aber da muss man hinkommen.

Wobei man hier sagen muss, dass es ja wirklich um technische Parameterdaten geht. Wenn wir jetzt über personenbezogene Daten reden würden, wäre es ja ein ganz anderes Gespräch. Klar. Genau, also hier geht es um die technische Verbesserung. Gibt es eine Geschichte oder eine Erkenntnis dieses Jahr, die dich wirklich überrascht hat?

Mich hat tatsächlich überrascht, dass die Unternehmen, die jetzt gerade loslegen, das aus einem reinen Zwang heraustun. Also jetzt bewege ich mich sicherlich auch in meiner eigenen Filterblase und ich habe das Gefühl, Alle finden das gut, alle finden das wichtig. Nachhaltigkeit ist jetzt endlich als Notwendigkeit verstanden worden und jetzt wollen wir auch was tun. Und dann lerne ich aber sowohl in einigen Interviews, die ich geführt habe, als auch zum Beispiel mit dem Gespräch, das ich mit der Nachhaltigkeitschefin von PwC geführt habe, alle Unternehmen, die gerade real aktiv werden, die tun das, weil sie müssen. weil es jetzt irgendeine neue Reporting-Pflicht gibt. Und deswegen tun sie was.

Und die haben vorher nichts getan. Obwohl vielleicht die Leute das eigentlich gar nicht schlecht fanden. Aber sie mussten nicht, also haben sie auch nicht. Das ist tatsächlich die Überraschung des Jahres gewesen.

Also bist du desillusioniert?

Das würde ich so vielleicht nicht sagen. Ich bin ja ein Freund von freiem Willen und ich bin nicht so sehr für Zwang und Verbote und Regulierung. Aber ich muss sagen, an der Stelle scheint es zu helfen.

Vielleicht auch einfach die Prioritäten anders zu setzen. Ich kann mir vorstellen, dass das ein Feld ist, das sehr unübersichtlich aussieht und das einem in der strategischen Planung auch schnell durchrutscht, weil einfach irgendwas anderes lauter schreit.

Ja, das stimmt. Und vielleicht mit einem ganz kurzen Blick auch aufs nächste Jahr eine weitere Erkenntnis, die ich hatte, die Sustainable Development Goals der UN. Die scheinen langsam auch überall angekommen zu sein. Ich habe das erste Interview mit Professor Hänsel-Börner schon auch vor dreieinhalb Jahren geführt. Also wir haben ja dieses Jahr auch unter dem Titel Software for Future eins mit ihr geführt. Aber ich meine, das erste ist schon, das ist schon wirklich eine ganze Weile her. Und da waren diese SDGs auch nicht neu. Auch da waren die schon irgendwie zwei, drei Jahre online. Die sind 2015 verfasst worden. Das ist jetzt sechs Jahre her. Mittlerweile laufen sie mir wirklich an jeder Straßenecke über den Weg.

Und mittlerweile treffe ich halt auf immer mehr Leute, die diese SDGs nutzen als Werkzeug. Und das finde ich großartig. Also heute ein Interview, das ich heute Morgen geführt habe, das auch dann im nächsten Jahr live gehen wird. die Sustainable User Interaction Leute. Die haben ein Template gebaut, um die SDGs in einem Workshop auf ein Digitalprojekt zu münzen. Richtig cool. Auch die Dr. Hose vom Heldenrad, die hat einen Fragebogen entwickelt, um abzufragen, ich habe hier folgendes Digitalprojekt vor, auf welche SDGs zahlt das ein?

Es wird immer handhabbarer, auch was an Material zur Verfügung gestellt wird von der UN.

Ja, genau. Das ist richtig motivierend, weil diese Ziele, das ist der Rundumschlag. Also wenn wir die einfach erreichen würden in den nächsten neun Jahren, dann wäre, glaube ich, alles gut. Fertig aus, Problem gelöst. Nur als sie vor sechs Jahren online gestellt wurden, ja, da waren das halt ein paar Ziele mit ein paar Unterzielen. Das war sehr abstrakt, gigantisch groß. Kein Mensch kann das alleine für sich lösen. Aber jetzt nach sechs Jahren haben halt weltweit genug Menschen drauf rumgedacht und sich überlegt, wie kann ich das für mich ein bisschen handhabbarer machen, dass es jetzt halt wirklich real wird. Ich meine, auch wir werden nächstes Jahr eine Masterarbeit betreuen, bei der irgendeine Art Tool rauskommt, um rauszufinden, wie kann ich meine IT an den SDGs orientiert ein bisschen nachhaltiger gestalten.

Das wird. Von daher wäre das jetzt auch mit Blick auf die Uhr so ein bisschen mein Fazit von dem Jahr. Es passiert ganz viel. Gerade die SDGs sind ein unglaublich gutes Werkzeug. Und das wird zumindest uns bei Lionizers, glaube ich, von ganz vielen verschiedenen Seiten beschäftigen, unser Wirken besser messbar zu machen. Da sind die SDGs ein tolles Werkzeug.

Und sind ja auch noch ein paar andere Werkzeuge über den Weg gelaufen. Vielleicht können wir unter der Episode in den Shownotes einfach mal ein paar teilen, die irgendwie schon helfen, so einen Grip an ein bestimmtes Thema zu bekommen. das so in unserem Umfeld liegt.

Ja, das finde ich gut. Das werden wir tun. Ja, von daher, von meiner Seite aus würde ich sagen, es war ein spannendes Jahr, es war auch ein herausforderndes Jahr natürlich, mit allem, was so gelaufen ist. Aber ich bin total optimistisch, dass wir das Problem gelöst kriegen werden, wir alle zusammen. Und ich freue mich wirklich auf nächstes Jahr, was ich da noch alles lernen werde.

Das glaube ich. Gut, dann stellen wir die Shownotes mit Links zu unseren Gedanken, wie gewohnt auf softwareforfuture.de. Hoffen, dass dir dieses völlig andere Gespräch gut gefallen hat und wünschen einfach frohe Weihnachtstage. Einen ebenso guten Rückblick auf ein erkennnisreiches Jahr und was einfach vielleicht aus einer Pause ganz viel Kraft rauskommt, im nächsten Jahr neue Dinge anzugehen.