E8517.03.202131 Min
Digitalisierung & Nachhaltigkeit: Was gibt es Neues?
Im Gespräch: Prof. Susanne Hensel-Börner (HSBA)

Worum es geht
Prof. Susanne Hensel-Börner spricht über die Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Masterstudium an der HSBA.
Prof. Susanne Hensel-Börner ist Studiengangsleiterin für den Master 'Digitalisierung & Nachhaltigkeit' an der HSBA in Hamburg. Sie initiierte den Studiengang, um beide Themen miteinander zu verknüpfen.
Sie erklärt, dass Digitalisierung Chancen bietet – wie bei der Sharing Economy oder Smart Cities –, aber auch Risiken birgt, etwa durch hohen Energieverbrauch und Rebound-Effekte.
Beispiele aus dem Studium zeigen, wie kleine Maßnahmen wie Dateigröße oder E-Mail-Nutzung den ökologischen Fußabdruck reduzieren können.
Die Verknüpfung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit ist heute selbstverständlich. Die Studierenden lernen, kritisch zu reflektieren und gemeinsam Veränderung anzustoßen.
Ursprüngliche Shownotes 17.03.2021
Vor zwei Jahren führten wir – noch unter dem Titel „Wege der Digitalisierung“ – das erste Interview mit Prof. Hensel-Börner. Darin ging es um die Frage, was denn „nachhaltige“ Digitalisierung sei. Heute strebt der erste Durchgang Ihres Studienganges „Digitalisierung & Nachhaltigkeit“ dem Abschluss entgegen. Höchste Zeit also, das Gespräch erneut zu suchen und zu schauen, was sich in den zwei Jahren getan hat!
Prof. Susanne Hensel-Börner ist Studiengangsleiterin für den Master “Digitalisierung & Nachhaltigkeit” an der Hamburg School of Business Administration (HSBA). Sie leitet dort das Department Marketing & Sales und hat den Studiengang “Digitalisierung & Nachhaltigkeit” ins Leben gerufen. Ihre Definition von Nachhaltigkeit aus unserem ersten Interview ist noch gültig:
„Nachhaltigkeit bedeutet, bei allem, was wir tun, zu berücksichtigen, was es zu einem späteren Zeitpunk und an einem anderen Ort für jemand anderen bedeuten kann.“
Genauso greifbar sind die 17 Sustainable Development Goals (SDG) geblieben, die auf eine umsetzbare Nachhaltigkeit abzielen.

Und so haben wir in diesem zweiten Interview wieder viele wertvolle Impulse bekommen, wie wir sowohl als Individuen als auch mit unseren Unternehmen ganz alltägliche Dinge nachhaltiger gestalten können. Dazu gehören auch sehr praktische Gedanken zur Umsetzbarkeit im kleinen Rahmen.
Wir hoffen, dass ihr gute Gedanken mitnehmen könnt!
Links aus dem Interview
Unsere Interviewpartnerin & ihr Arbeitsfeld
- Prof. Susanne Hensel-Börner bei der HSBA
- HSBA – Hamburg School of Business Administration
- Masterstudiengang “Digitalisierung & Nachhaltigkeit”
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Transkript
4.391 Wörter
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Hallo Welt, liebe Menschen, herzlich willkommen bei unserem Software for Future Podcast. Ich bin Friederike Löwe und gleich hörst du auch Nils Löwe. Wir führen als Unternehmerpaar die Lionizers mit dem Ziel, Software zu entwickeln, die hilft, den Klimawandel zu stoppen und damit diese Welt in einem guten Zustand für unsere Kinder zu erhalten. Jetzt geht es los mit einem Interview von Nils mit Professorin Susanne Hänsel-Börner von der Hamburg School of Business Administration. Sie ist Initiatorin und Studiengangsleiterin für den Master of Science in Digital Transformation and Sustainability. Ich wünsche dir viel Inspiration und jede Menge Spaß beim Zuhören.
Herzlich willkommen, Frau Professorin Hänsel-Börner. Wir haben uns vor über zwei Jahren zuletzt in einem Interview gesehen. Das war die Folge 39. Da haben wir uns auch noch von Auge zu Auge getroffen. Jetzt gerade ist es ein digitales Interview. Ich habe ja gute Hoffnung, dass sich das im Laufe des Jahres nochmal ändert und wir uns wieder persönlich sehen können. Vielen Dank, dass Sie da sind, dass wir nochmal ein Interview führen können und dass wir jetzt konkreter das Interview führen können zu der Frage, wie funktionieren Digitalisierung und Nachhaltigkeit Hand in Hand? Herzlich willkommen. Ich gehe davon aus, einige, die zuhören, erinnern sich noch gut an das Interview von damals, andere nicht. Erzählen Sie doch erstmal zwei, drei Sätze zu sich, wer Sie sind, was Sie so umtreibt, was Sie mit Nachhaltigkeit und Digitalisierung am Mut haben.
Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, dass ich schon ein zweites Mal bei Ihnen dabei sein darf. Ich bin ja hier an der Hamburg School of Business Administration hier in Hamburg an der HSBA-Professorin und habe mit meinen Kollegen zusammen, Michael Höbig, hier einen Studiengang, ein Masterprogramm initiiert und ins Leben gerufen, das zum ersten Mal die beiden Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander verknüpft als Themenschwerpunkt und auch als Titel des Programms. Und, ja, wenn ich jetzt ehrlich bin, freue ich mich jetzt genau genommen über die zweite Einladung noch mehr, weil ich erinnere, dass ich, als ich zum ersten Mal da war, war der Fokus ja so auf das Thema Digitalisierung oder alleinstehend das Thema Digitalisierung.
was ist das, als wir darüber gesprochen haben. Und jetzt sprechen wir wieder. Und schon jetzt in dieser kurzen Zeit ist die Verknüpfung aus Digitalisierung und Nachhaltigkeit schon so selbstverständlich und war vorher noch gar nicht so ganz auf der Agenda. Von daher finde ich das auch eine tolle Entwicklung zu sehen, dass diese Themenverknüpfung, die vielleicht vor drei, vier Jahren, als wir damit angefangen haben, noch für den einen oder anderen komisch bis merkwürdig war. Ich zitiere immer gerne einen Kollegen, der sagte, ja, Digitalisierung ist schon super, aber dieses Voodoo-Zeug dazu, was hat denn das damit zu tun? Und jetzt ist es schon längst selbstverständlich und jetzt ist die Herausforderung da zu gucken, okay, wie kriegen wir das denn Hand in Hand und wo sind die Chancen und wo sind vielleicht auch noch Risiken und wie können wir die lösen gemeinsam?
Das ist ein gutes Stichwort. Ich möchte ja gerne mit der Neuausrichtung von diesem Podcast vor allen Dingen lernen, wie können wir die Chancen der Digitalisierung nutzen, um dem Klimawandel entgegenzutreten. Ich finde es aber auch total gut zu sagen, die Digitalisierung selber ist ja auch ein Treiber des Klimawandels und birgt damit halt auch Risiken und richtet Schäden an. Lassen Sie uns gerne über beides reden. Ich denke, das ist wichtig, dass beide Aspekte irgendwo im Blick sind.
Ja, unbedingt. Also wir formulieren das ja gerne bei uns intern, sowohl mit den Studierenden, aber auch bei Veranstaltungen, dieses vom Duell zum Duett, um die Chancen an der Stelle letztendlich zu nutzen und gleichzeitig den Risiken, weil wie alles im Leben hat natürlich auch das an der Stelle zwei Seiten.
Ich erinnere mich noch ziemlich gut, wie Sie vor zwei Jahren das Thema Nachhaltigkeit definiert haben. Stehen Sie noch zu der Definition von damals oder wie würden Sie heute Nachhaltigkeit beschreiben?
Ich überlege jetzt gerade, ob wir einmal abgleichen müssen, ob Sie das in Erinnerung haben, was ich glaube, dass Sie in Erinnerung haben. Ich hoffe, ich finde, zu sagen, dass Nachhaltigkeit bedeutet, dass ich bei allem, was ich entscheide, eben auch überlege, was bedeutet das für andere zu einem Zeitpunkt und an anderen Orten. Und damit, weil die Nachhaltigkeit hat wahnsinnig viele Facetten, die drei Säulen oder sonst was, aber dieses ja vielleicht ganz vereinfachende, aber doch für mich treffende Form der Definition, die steht für mich nach wie vor. Und das Schöne daran finde ich, kann sich jeder drin wiederfinden und genauer genauer muss sich auch jeder drin wiederfinden.
Ja, also das ist tatsächlich genau die Formulierung, wie ich sie auch noch im Kopf habe.
Da habe ich ja Glück gehabt.
Wir haben die sogar auf eine Postkarte gedruckt und schon vielen Leuten geschickt seitdem. Ja, genau, wenn das Nachhaltigkeit ist, über Digitalisierung, was das ist, habe ich jetzt schon 80 Interviews geführt, das würde ich jetzt nicht nochmal vertiefen wollen, Aber ganz konkret die Frage, wie spielen in Ihren Augen Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammen?
Ich glaube, wenn man versucht, Digitalisierung zu verstehen, als wie wir miteinander vernetzt sind, also wie die Welt und die Menschen mehr miteinander vernetzt sind, bis hin zu, dass die Daten ein wesentlicher Bestandteil von Digitalisierung sind, bietet es uns sehr viele Chancen, physische Distanzen zu überbrücken, die es vorher gab. Also sprich, auch das, was wir jetzt gerade tun, dass wir miteinander vernetzt sind über den Digitalen, ohne dass wir uns auf den Weg gemacht haben. Wir hätten es jetzt bestimmt schön gefunden, es wäre ja auch nicht weit gewesen, aber die globale, die Welt ist ja auch wirtschaftlich global vernetzt und da viele Wege einzusparen und das über digitale Möglichkeiten auszuspielen und zu nutzen, ist natürlich eine ganz wesentliche Komponente.
Ich finde auch mal die Vergleiche, wenn wir Stichwort Sharing Economy nehmen, ist das, es ist ja nichts Neues. Der Gedanke des Teilens und des Austauschens Dinge, die man nicht mehr braucht oder so nur dann, wenn man sie braucht. Das Konzept ist nicht neu, aber die Digitalisierung gibt uns eben die Chance und die Möglichkeit, das in einem Umfang zu skalieren, was ohne Digitalisierung nicht funktionieren würde. Und da, glaube ich, liefert die Digitalisierung durch diese Vernetzung auf einer größeren Skalierungsebene eine sehr, sehr große Chance. Vieles, ich hatte das Stichwort Daten gesagt, also viele Optimierungsprozesse im Kontext Smart City, Smart Home, Smart irgendwas, würden ohne Digitalisierung auch nicht funktionieren.
Und wir können natürlich viele Prozesse viel zielgenauer, effizienter, ressourcenärmer konzipieren und nutzen, was wir ohne Digitalisierung durch die Information und die Vernetzung gar nicht könnten.
Das finde ich einen schönen Gedanken, zu sagen, Teilen ist kein neues Konzept, aber wir können Teilen skalieren. Ja, das macht einfach Sinn. Vielleicht macht es Sinn, an genau der Stelle gleich die Gegenfrage zu stellen, welchen Schaden richtet Digitalisierung aber gleichzeitig auch an?
Naja, die Digitalisierung umgekehrt. Wir wissen ja, wenn das Internet ein Land wäre, wäre es nach China und den USA das drittgrößte Stromverbrauch, weil Digitalisierung eben auch mit einer massiven Elektrifizierung einhergeht. So, all die Systeme zu nutzen, die müssen laufen und dafür werden Ressourcen, sprich Strom, einfach verbraucht. So. Ich glaube, dass da die Unternehmen, die Experten der IT und die Softwareentwickler sehr große Chance haben, die Potenziale zu heben, um diese Rebound-Effekte eben nicht zu groß werden zu lassen, im besten Fall sie zu nivellieren oder auf Null zu bringen, dass wir eben auch den Effekt der Chancen haben. Das setzt voraus, dass wir uns dessen bewusst werden, die berühmte zweite Seite der Medaille.
Und ich habe die feste Zuversicht, dass wenn wir damit auch bewusst umgehen und voneinander lernen, dass wir dann diese Effekte durchaus reduzieren können. Auf einmal Seite aus Experten-Sicht der Unternehmen und der Entwickler, die die Hard- und die Software an der Stelle bereitstellen. Und umgekehrt, weil ich ja bei den Schreckensgespänzen, ich finde ja mal wichtig, was können wir tun, um das zu lösen? Und ich glaube, dass wir einfach auch im bewussten Umgang als Anwender selber die digitalen Tools, die wir nutzen, einfach so zu nutzen, dass wir diese Chancen der Effizienz auch nutzen und nicht Datenmüll und sonst was produzieren an der Stelle. Also wir haben jetzt im Rahmen des Studiums haben Studierende Projekte gemacht, wie eine Website einfach lean aussehen muss oder gestaltet sein kann, muss damit eben nicht so viel CO2 produziert wird durch den Erstaufruf einer Website.
Und das sind verrückterweise viele kleine banale Dinge, auf die man einfach nur berücksichtigen muss und drandenken muss und sich zu Herzen nehmen muss, um diesen Effekt einfach auch zu positiv zu nutzen. und ob das E-Mails ist, ob das die Auflösung von Fotos ist, die wir nutzen. Ich gehe schon so weit mit meinen Studierenden, dass ich, wir haben ja immer von Hausarbeiten, man redet immer von Seitenzahlen. Ich fange an, bei Präsentationen die Megabits zu beschränken, wie groß die Datei werden darf, die man abgibt. Das ist eine ganz neue Einheit zu quantifizieren und das sind so Dinge, die kann man lösen. Und das Interessante ist, dass viele dann einfach, ach so, weil sie es einfach nicht wissen.
Also ich halte es nicht für unlösbar, sondern wir müssen reflektieren, dann den Hype nicht so alle Chancen, egal wie. Digital ist immer schneller, besser, effizienter. Nee, ganz so trivial ist es nicht. Sondern mit dem zweiten Blick eben auch hingucken. Auf die ökologische Komponente dann.
Ja, ich finde, das sind total viele gute Beispiele. Die sind so im Alltag von jedem von uns. Also das ist jetzt irgendwie kein Spezialproblem, das ein paar Experten haben. Wir alle schreiben E-Mails, wir alle machen Fotos mit unserem Smartphone. Und um einmal kurz nachzufragen, Rebound-Effekt, das ist der Effekt, dass Technologie effizienter wird und wir dadurch am Ende aber nicht sparen, sondern dadurch, dass es effizienter geworden ist, wird es mehr genutzt. Richtig. Das ist genauso, wie mein erstes Auto 10 Liter verbraucht hat und 60 PS hatte und mein Auto heute verbraucht auch 10 Liter und hat 300 PS. Aber ich verbrauche immer noch 10 Liter. Bin nur schnell dabei.
So ungefähr. Ja, also dass wir eben, oder dadurch, dass wir, ich meine, das ist, Beispiel hatte ich vorhin, die Sharing Economy, ja. Es gibt eben auch die Dinge, dadurch, dass wir jetzt diese Mobilitätskonzepte haben, dass die Leute wieder mehr Auto fahren, weil es ja so einfach und so leicht ist, dass sie kein eigenes haben. Und damit habe ich den eigentlichen Chance des Wenigers können, futter ich wieder auf. Auch das ist kein digitales Prinzip, sondern das kennen wir schon von früher aus dem Marketing der Preissetzung. Wenn ich den Preis senke, dann sind Sachen günstiger, dann esse ich halt drei Tafeln Schokolade. Oder ich kaufe einfach das Doppelte für den halben Preis und habe dann trotzdem nichts gespart.
Ist ein anderer Kontext, aber um das zu verdeutlichen.
Ich finde das total gut, dass wir festhalten können, jeder von uns kann was tun, so ganz alltäglich. andersrum gedacht. Sie hatten schon gesagt, Smart City ist so ein Stichwort, das heute viel genannt wird. Ich würde jetzt auch die Energiewende und erneuerbare Energien irgendwo anführen als riesengroßen Hebel, den wir haben und brauchen. Wie kann Digitalisierung bei diesen positiven Dingen helfen? Also wie können wir da Digitalisierung nutzen, wo das vielleicht vorher ohne gar nicht so möglich war, gute Effekte zu erzielen?
Also wenn Sie die Energiewende ansprechen, ist natürlich klar, dass die, ich nenne es jetzt mal, die passgenaue Energiebereitstellung, dass wir es dann haben und einspeisen, wenn wir es brauchen, all das wäre ohne den, in dem Fall wieder den Rohstoffdaten, wer braucht wann was, wie genau und wie verteilen wir es, wäre auch hier wieder in diesem Maßstab, in der Größenordnung gar nicht möglich, wenn wir da nicht die Informationen dazu an der Stelle hätten. Und ich glaube, was einfach wichtig ist, ist bei diesen Chancen, auch das ist nichts Neues. Nicht alles, was technologisch jetzt möglich ist, ist deswegen auch gleich an der Stelle sinnvoll. Und da die entsprechende Reflexion und genau zu überlegen, wo es sich lohnt, den Schritt dann weiter zu folgen und auch mal ehrlich den Mut zu haben, wenn man mal hoffentlich nur kurzzeitig aufs falsche Pferd gesetzt hat oder mal einem Irrwegen.
Weil das ist, finde ich, auch ein ganz wichtiger Komponent des Vernetzungsgedanken durch das Internet, also die Kollaboration, die Möglichkeit des Expertenaustausches und der Vielschichtigkeit, das sind die Herausforderungen, wir können sie nicht alleine lösen. Und es macht einfach mehr Sinn, wenn wir da gemeinschaftlicher in die Kräfte bündeln und die unterschiedlichen Perspektiven einfach mit berücksichtigen. Auch das wäre, also die Vernetzung globaler Experten, wäre in dem Kontext, in dem Ausmaß nicht möglich, ohne die Digitalisierung an der Stelle. Wenn ich da vielleicht einen Gedanken, weil jetzt waren wir so auf Anwendersicht, einmal bezogen auf die Unternehmensperspektive, was ja auch ganz wichtig ist in der Digitalisierung, weil die Herausforderung haben alle, vor der stehen alle und das ist alles selbstverständlich, dass die Unternehmen sagen, okay, wie gehen wir jetzt, was ist mit meinem Geschäftsmodell, was ist mit meinen Produkten durch die Digitalisierung und da die Nachhaltigkeit als gleichberechtigtes Thema in die Unternehmen reinzubringen und dann interdisziplinär zusammenzuarbeiten in den Unternehmen ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Schlüssel, um die Chancen gemeinsam zu nutzen und nicht dieses, ja, ja, also CSA Nachhaltigkeit, die sind am Ende des Flurs, ist noch so ein Büro, die sitzen da, aber die IT und die Digitalisierung, das ist jetzt auf unserer Agenda. Aber auch da finde ich, beobachte ich in den letzten zwei, drei Jahren unglaublich positive Effekte in den Unternehmen, diese Verbindung und zu sagen, wir müssen jetzt was tun und wir müssen unsere Hardware auf Green IT umstellen und welchen Strom und welche Energien wir an der Stelle nutzen.
Und manchmal ist es, ich komme ja aus dem Süddeutschen, ja, und der sagt mal einfach mal, schwätzt miteinander. Also, weil man es einfach nicht weiß und es so vielschichtig ist und jeder seine Expertise einfach mit reinbringt. Und wenn es uns mehr gelingt, die beiden Themen zu verknüpfen und uns miteinander zu verknüpfen, ich glaube, dass wir dann auf einem guten Weg sind, die Chancen auf jeden Fall in den Vordergrund zu stellen und zu nutzen.
Ich bin da ja auch guter Dinge. Und also gerade bei dem Thema Kommunikation und Experten zusammenbringen, wo man früher vielleicht noch irgendwo über den Teich geflogen wäre oder auch nicht, glauben Sie da, dass uns da Corona irgendwo auch ein Stück weit hilft? Also dass wir jetzt einfach mal alle ein Jahr lang gezwungen waren, uns digital zu treffen? Oder ist das eine Eintagsfliege und in einem Jahr fliegen wir alle wieder um die Welt?
Ach, ich glaube schon, dass das was verändert hat. Gerade gestern sagte jemand zu mir, wenn man noch vor über einem Jahr von einer Videokonferenz gesprochen hätte, dann hätte man so einen Konferenzraum vor Augen gehabt, wo dann acht Leute am Tisch sitzen, eine große Telefonspinne in der Mitte und ein Bildschirm, wo sich jemand zuschaltet. und der Videokonferenz ist neu definiert jetzt. Ich glaube schon, dass uns da in der Vernetzung, dass es das einfach selbstverständlicher gemacht hat. Wenngleich ich trotzdem noch glaube, dass wir noch gut üben müssen und auch akzeptieren müssen, dass wir Menschen eben sind, wie wir sind als Spezi und wie viel Vertrauen durch Bits und Bytes geschaffen wird, Das müssen wir sehen. Also es muss auch da eine gute Balance aus beiden sein.
Ja, das ist wohl so. Etwas abseits gefragt. Sie hatten im Vorgespräch gesagt, dass jetzt gerade der erste Studiengang auf den Master zugeht. Und ich weiß noch, als wir vor knapp zwei Jahren gesprochen haben, da war der ja gerade gestartet und es war der erste Studiengang. Das heißt, Sie sind jetzt so mit dem ersten Durchlauf, was vorher irgendwie erdacht wurde, das ist das erste Mal jetzt richtig durchgeführt worden. Haben Sie da, also weil das ja unter dem Titel Digitalisierung und Nachhaltigkeit, also genau das, worüber wir jetzt sprechen, ist ja genau auch der Titel des Studiengangs. Mit welchen Annahmen sind Sie vor drei Jahren ungefähr ins Rennen gegangen und was davon hat sich bewahrheitet und wie hat sich die Welt auch einfach weiterentwickelt?
Also was würden Sie heute sagen, sehen Sie anders, wenn Sie diese beiden Begriffe zusammenbringen als vor drei Jahren?
Also was definitiv sich schon verändert hat, ist, dass die Begriffe nicht mehr isoliert voneinander betrachtet werden, sondern dass die zusammengehören, dass es in den Köpfen schon zusammengewachsen. Also der erste Jahrgang kam, Studierende, die da immer gefragt haben oder auch schon in dem Bewerbungsprozess. Man kam aus der digitalen Schiene und war von diesem Digitalisierungs- oder digitalen Transformationsthema angesprochen und musste dann halt auch die Nachhaltigkeit noch mitnehmen. Oder man kam aus dieser Nachhaltigkeitseinflugschneise und da gehört jetzt dann halt auch Digitalisierung dazu. Und das ist jetzt schon anders bei denen, die kommen. Da gibt es gar nicht mehr so dieses eine und das andere Lager, wenn ich es mal so formuliere, sondern es ist schon, das ist die Themenverbindung. Und merkt man auch den jungen Leuten an, die sich jetzt bewerben, dass die sich schon viel mehr mit dieser Verknüpfung der beiden Themen viel klarer ist.
Ich finde eigentlich erstaunt, wie schnell sowas dann doch geht. Aber merkt man ja auch an Veranstaltungen, an Themen und sonst was. Wir waren, glaube ich, schon relativ Pioniere in dieser Themenverknüpfung. Bis hin zu Sie haben es ja jetzt auch mittlerweile dann verknüpft, so wie ich eingangs das erzählt hatte. Und trotzdem ist umgekehrt, was ich wahnsinnig spannend finde, gerade jetzt aus denen, die jetzt vor ein paar Monaten erst angefangen haben, das erste Semester zu Ende haben, sagte dann auch jemand, also ich bin ja ja angekommen, eigentlich gefühlt so 80 Prozent Digitalisierung, aber jetzt nach knapp einem Semester, also es dreht sich jetzt für mich alles um Nachhaltigkeit. Ich habe einen ganz neuen Blick gekriegt. Und das finde ich schon. Und ich glaube schon, das klingt jetzt ein bisschen so Marketing-lastig, aber ich glaube schon, dass die Digitalisierung so ein richtiges Trittbrett für die Nachhaltigkeit war, um dem richtig Schwung zu geben, weil das ist ja alles nichts Neues.
Wir wissen es längst, ja, im Sinne der Nachhaltigkeit. Und da die Digitalisierung, die ja eben, dass irgendwie das viel hüppere Thema war und viel schicker und es war schon irgendwie cool, dass man das, und da musste man dann ganz vorne dabei sein. Aber ich habe noch von niemandem gehört, Sustainability 2.3.4.0. Alles andere hat Digitalisierung 4.0, gibt es alles. Also, lass mich gerne belehren, aber Sustainability 4.0, Es ist eher so, hat man ja so immer noch dieses Verstaubte, irgendwie ist doch nichts Neues, wissen wir doch. Aber jetzt kriegt das zum Glück, es ist 5 vor 12, wir müssen, aber es kriegt diese, hoffentlich diese positive Chancen-Tonalität. Und nicht mehr dieses, das diskutieren wir ganz oft, dass es nicht dieser moralische Zeigefinger und sonst was ist.
Weil das frustriert auch nur häufig. Und ja, es muss sehr schnell und es muss auch sehr viel passieren. Aber mit dem Blick auf Veränderungen, also der Mensch kann viel. Wir wollen alles verändern, nur nicht uns selber. Aber das ist das, wo wir anfangen müssen. Und Change tut verdammt weh und ist unbequem und so. Und dafür brauchen wir aber auch die kleinen Schritte, um dann die großen Veränderungen hinzukriegen.
Ich finde, das klingt total motivierend. Also dass das jetzt, also dass es auch in ihren Augen so zusammengewachsen ist. Also auch für uns, also sowohl hier der Podcast hat irgendwo einen neuen Titel bekommen. Und auch mit den Dianisers haben wir gesagt, technisch, ja, wir können gute Produktentwicklung machen. Und das könnten wir theoretisch für jeden machen. Aber praktisch machen wir das halt jetzt, um den Klimawandel zu lösen, weil es einfach, weil es nötig ist. Und gleichzeitig merke ich auch, ich kriege da an keiner Stelle irgendwie eine gerunzelte Stirn oder ein, was bist du für ein Spinner? Alle sagen, ja, genau, gute Sache, wie kann ich helfen? Und ich glaube, das wäre vor drei Jahren nicht so gewesen.
Ganz genau. Das kann ich, da kann ich Ihnen Brief und Segel geben. Also das haben wir durchaus ganz klar erlebt. Also, dass das, das war irgendwie so, das war einfach unsexy. Das war dröge, das war nicht nett, das war nicht hip, das war gar nichts. Also jetzt ein bisschen überspitzt formuliert, aber. Und das macht jetzt viel mehr Freude. Und dann, da sehe ich auch die Chance drin. Und das ist auch ein bisschen, wenn wir vorhin von der zweiten Seite der Medaille, deshalb ist nur zu verteufeln und böse, weil eben auch Elektrifizierung und so weiter, nee, das ist es ja nicht, also wir dürfen ja deshalb nicht die Chancen vergessen, nur weil es auch Risiken hat. Alles hat ja immer seine Chancen und seine Risiken.
Was wir aber schonen müssen, ist eine kritische Reflexion und dann auch mutig Dinge eben dann auch mal anders zu machen oder uns auch, wenn wir heute schlauer sind als gestern, auch den Mut haben, das einzugestehen. Also auch, ich meine, Fehlerkultur ist auch so ein beflügeltes Wort, aber wirklich leicht fällt es uns ja auch nicht.
Gerade den Deutschen nicht. Was ist denn, also wenn jetzt der erste Studiengang gerade so aufs Ende zugeht, was ist denn so die größte Challenge, an der Sie jetzt gerade knacken mit Blick auf Zukunft?
Also ich glaube, es ist meine Ungeduld ein bisschen, dass man selber schon auf dieser Reise weiter ist und man vergisst, dass manche einfach noch drei Schritte weiter hinten sind, dass man dann nochmal abwartet und die wieder mit abholt und wieder mit, die jetzt einfach noch nicht so schnell sind, weil manche Dinge sind für einen selber ja schon so total selbstverständlich. Und dann vergisst man, dass die, die sich jetzt eben auch aufmachen, weil es jetzt angekommen ist, dass man da nicht zu ungeduldig ist. Und das Zweite ist, wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, dass die Themenverknüpfung jetzt im Präsent uns, wir davon wissen und wir es kapiert haben, sondern jetzt, jetzt müssen wir den Mut haben und ins Handeln kommen. Walk the talk.
Und das ist immer noch schwer. Also das bleibt auch schwer, Stichwort Veränderung, aber auch da bin ich zuversichtlich. Auch da sehen wir es bei den jungen Leuten, sehe ich es bei den Unternehmen, wenn wir da mutig und auch kritisch miteinander einfach die Dinge ansprechen und dann gelingt uns das auch.
Glaube ich auch. Klingt gut. Gibt es Quellen, die Sie empfehlen können, die wir nachher verlinken können?
Also das Wichtigste, was mir im Herzen liegt, ist, dass unsere jungen Changemaker, unsere Studierenden, die wirklich sich auf den Weg gemacht haben und tolle Projekte machen, was sie eben auch nicht nur in den Hausarbeiten für uns an der Hochschule schreiben und für uns Lehrende, sondern für die Welt dann raus, damit andere davon lernen können, ist deren Blogseite digital-sustainable.world. Was deren Reisetagebuch im Sinne der Learning Journey ist, wo die genau die Generation, die die nächsten Entscheider sind, einfach erzählen, wie es ihnen dabei geht und was sie für Projekte gemacht haben. Ich glaube, das ist es wert, dass das gehört und gesehen und gelesen wird.
Ich muss gestehen, die kenne ich noch nicht, aber ich werde sie mir angucken und wir werden sie verlinken. Bin ich sehr gespannt.
Unbedingt.
Ja, auch wenn ich jetzt gerne noch eine Stunde weiterreden würde, komme ich zu meiner letzten Frage für jetzt und hier. Gibt es jemanden, den Sie gerne in einem der kommenden Interviews ausgefragt hören würden zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit?
Also ich bin ja viel unterwegs in dem Themenverknüpfungskontext, hätte auch ein paar Ideen, aber ich glaube, ich würde Ihnen den Karl Ernst Müller ans Herz legen wollen, der die Kompetenzplattform nachhaltig digital mit initiiert hat und verantwortet und mit dem wir auch viel und eng zusammenarbeiten mit der Plattform, weil es auch da gerade mit Blick, ich bin ja sehr hochschulgeprägt, mit Blick auf die Unternehmen, wie die Best Practices haben und da deren Vernetzung,
Lebensmess wieder wie jedes Mal ganz viel gelernt. Ich hoffe, dass alle Leute, die dazuhören, auch ganz viel gelernt haben und ins Handeln kommen, im Großen und im Kleinen. Gibt es irgendeine, irgendwelche letzten Worte, die Sie noch mit in die Runde geben wollen?
Wie bei der Hochzeit, so sprechen Sie jetzt oder schweigen für immer. Nein, ich glaube, ich glaube, Hand aufs Herz, reden miteinander, aufeinander zugehen und Veränderung lebt davon, auch mal die Meile zu gehen und die Dinge, wo man manchmal das Gefühl hat auf der Agenda, ich habe da keine Zeit für, aber wirklich so vielleicht jedes dritte, vierte, fünfte Mal sich dann doch für dieses Add-on die Zeit nehmen, weil es gemeinsam diese Veränderung zu gestalten, motiviert und beflügelt unglaublich und es passiert was, es hat Impact. nicht immer gleichmessbar. Vielleicht muss man es auch gar nicht immer messen. Aber es gibt viele da draußen, die wirklich konstruktiv zusammenarbeiten wollen in die Richtung.
Von daher, glaube ich, brauchen wir da alle offenen Herzes und guten Mutes. Und dann kriegen wir das auch hin, mit dem Klimawandel aufzuhalten und unserem Planeten für unsere nächsten Generationen verantwortungsvoll, am anderen Ort, zur anderen Zeit. zu bewahren. Und wir sind es unseren nächsten Generationenverdammt nochmal schuldig.
Ja, das stimmt. Ja, ganz vielen Dank. Ich finde, das sind perfekte Schlussworte für diese Folge.
Ja, herzlichen Dank, dass ich da sein durfte. Und ich komme gerne auch wieder.
Ja, sehr gerne und ganz bestimmt.
Und wir bleiben an der Vision dran, wenn Corona vorbei ist, die Podcast-Gäste mal physisch zusammenzubringen.
Genau. Es gab einen Plan für letztes Jahr, der wurde nur ausgebremst. Genau. Ja, ganz vielen Dank.
So, da bin ich wieder. Schön, dass du noch da bist und bis hierher zuhören mochtest. Aber jetzt will ich es genau wissen. Ist das hier Quatsch oder Qualität? Bitte hinterlasse uns eine Bewertung bei iTunes oder einen Kommentar zu dieser Episode auf softwareforfuture.de. Wir sind unheimlich gespannt, was du sagst. Und jetzt wünschen wir dir noch eine schöne weitere Woche. Wir sind der Software for Future Podcast und werden präsentiert und produziert von den Lionizers.
Danke fürs Zuhören. Untertitelung des ZDF für funk, 2017