E02302.05.201863 Min
Die Veränderung war schon immer da – was ist daran heute anders?
Im Gespräch: Ulrich Sucker (Kommunikations-Berater)

Worum es geht
Ulrich Sucker, ehemaliger Entwickler von Videokonferenzsystemen, erklärt, warum digitale Technologien heute akzeptiert werden, wo sie früher scheiterten.
Ulrich Sucker ist Kommunikations-Berater mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklung und Beratung von digitalen Systemen. Er hat seit den 80er Jahren an Videokonferenzsystemen für die Deutsche Post gearbeitet, bevor diese in die Telekom überging.
Er erklärt, dass digitale Technologien wie Videokonferenzen schon in den 80er Jahren existierten, aber nicht akzeptiert wurden, weil Nutzer Hemmungen hatten, gesehen zu werden. Erst später, mit der Verbreitung von Smartphones und Plattformen wie Skype, wurde die Technik allgemein angenommen.
Sucker betont, dass die Veränderung heute schneller ist, weil digitale Systeme leichter wiederverwendet werden können und die Technologie in fast alle Haushalte vorgedrungen ist. Dennoch bleibt der Mensch im Mittelpunkt: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug zur Verbesserung von Prozessen und Beziehungen.
Er warnt vor der Illusion, dass digitale Systeme immer zuverlässig sind. Beispiele aus der Schifffahrt zeigen, dass zu viel Vertrauen in Technik gefährlich sein kann. Auch Mittelständler müssen heute nicht nur technisch, sondern auch in Marketing, Finanzen und Kundenbindung gut sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Ursprüngliche Shownotes 02.05.2018
Digitalisierung ist im Prinzip nichts Neues. Die meisten Technologien gab es schon in den 80ern und Veränderung gab es auch schon immer. Was ist also heute anders, wenn die Digitalisierung solche massiven Veränderungen mit sich bringt und solche Ängste erzeugt? Einige Antworten und Erklärungen dazu gibt und Ulrich Sucker in unserer heutigen Episode unseres Podcasts.
Ulrich Sucker hat schon vor Jahrzehnten für die Post an den ersten Videokonferenz-Systemen gearbeitet. Heute haben wir Skype, Hangouts, Zoom, Facetime, … Der Unterschied zu damals ist, dass die Technologien heute rege genutzt werden. Was war damals anders?
Gerade Mittelständler haben teilweise große Angst vor der Digitalisierung. Die Geschwindigkeit der Veränderung nimmt immer mehr zu und die Verunsicherung wächst. Ulrich Sucker hat aber sehr gute Argumente, warum diese Angst in vielen Fällen gar nicht begründet ist. Die Mittelständler haben oft sehr gute Werte und arbeiten mit Geschäftsmodellen, die gar nicht unbedingt durch Google, Facebook und Apple bedroht sind. Dieser Werte muss man sich aber erstmal bewusst werden, das ist oft das eigentliche Problem.
Ich finde es besonders spannend, dass die Technologie tatsächlich schon viel länger existiert als uns im Allgemeinen bewusst ist. Digitalisierung ist also tatsächlich ein ganzes Stück weit unabhängig von der Technologie. Ulrich Sucker gibt dazu eine ganze Reihe guter Tipps, wie man diese Erkenntnis jetzt in seinen Alltag umsetzt und damit angstfreier arbeiten kann.
Viel Spaß beim Zuhören
Links aus dem Interview:
Transkript
8.451 Wörter
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Hallo und herzlich willkommen zur 23. Folge unseres Podcasts "Wege der Digitalisierung". Heute spreche ich mit Ulrich Zucker. Ulli ist Berater für Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen. Er hat als Ingenieur selber lange Produkte entwickelt, die irgendwie Digitalisierung vorangetrieben haben, zum Beispiel Videokonferenzsysteme damals noch für die Deutsche Post, bevor es zur Telekom wurde. Von daher hat er einen sehr guten Einblick in alles, was von der technischen Seite entsteht. Vor allen Dingen berät er aber um diese ganzen Change-Prozesse drumherum und hat einfach einen Wahnsinnsüberblick über alles, was da links und rechts der Technik entsteht. Ich freue mich auf das Gespräch. Vielen Dank, Uli, für deine Zeit. Auf geht's!
Ja, stell dich doch mal vor, was machst du, wenn du nicht gerade Podcast-Interviews führst?
Also wenn ich nicht gerade Podcast-Interviews führe, dann habe ich eigentlich mit fast allen Themen zu tun, die ein Mittelständler haben könnte im Bereich der Digitalisierung. Liegt einfach daran, dass ich 40 Jahre lang oder fast 40 Jahre lang mich mit EDV beschäftige. Von der Entwicklung über die Vermarktung, die Beratung und in den letzten Jahren natürlich auch viele Themen im Internet bis zum Internetmarketing behandelt habe. Mache halt auch ganz viel Projektleitung für unterschiedlich große Firmen, teilweise sogar für Konzerne. Geht dann häufig auch um Shops, wobei das natürlich nur ein Bereich ist, der zum Thema Digitalisierung gehört.
Ja, jetzt greife ich mal ein bisschen zurück auf unser Gespräch von letzter Woche. Du hast angefangen und hast Videokommunikation.
Ja, ich hatte das Glück, ab 1988 die ersten Videokonferenzsysteme mitzubauen. Damals noch für die Telekom, nein, damals hieß es noch Post, Deutsche Post. Und die hatte mit der japanischen NTT den Vorteil, dass sie ein staatliches Unternehmen waren, nicht gewinnorientiert und dementsprechend auch Ressourcen hatten, Dinge zu tun, die andere nicht tun konnten. Und das Spannende war, dass die Telekom ein sogenanntes Vorläufer- oder Breitbandnetz gebaut hat, ein vermitteltes Breitbandnetz, was mit, wenn ich das richtig erinnere, mit 150 Megabit Videosignale übertragen konnte und dass man wirklich im Wahlverfahren seinen Partner anrufen konnte und dann halt nicht nur Ton hatte, sondern auch Bild. Und weil man dann in den 80er Jahren glaubte, dass halt die Videokonferenz mal ganz groß rauskommen würde.
Und so haben die halt angefangen. Dann haben sie aber festgestellt, dass diese Videokonferenz also keinen Anklang bei den Menschen findet. Technisch klappte das alles wohl ganz hervorragend. Und diese Leitungen sind dann auch später angemietet worden von Fernsehsendern, die ihre Fernsehbeiträge überspielen wollten. Aber die Menschen hatten einfach Hemmungen, in die Studios zu gehen. Damals waren das noch immer Videokonferenzstudios. Und im Nachhinein muss ich sagen, ist es nachvollziehbar, dass die Menschen halt durchaus einen großen Unterschied machen zwischen normalem Telefonieren und der Bildkommunikation, wo sie halt auch gesehen werden, wo man manchmal mehr sieht, als einem lieb ist. Und ja, das war aus meiner Sicht einer der Gründe, warum diese Technik gescheitert ist.
Sie ist dann weiter gescheitert. So ab, ich denke mal so 93, 94 gab es dann ISDN-basierende Systeme. Damit hat sich die Möglichkeit, Videokonferenzen zu machen, deutlich verbreitert. Also ISDN-Kanäle wurden gebündelt und so weiter, wenn man eine sehr hohe Qualität haben wollte. Aber es hat sich dennoch nicht durchgesetzt, weil die Menschen immer noch nicht den anderen sehen wollten oder selber gesehen werden wollten. Ein Highlight gab es damals in Mitte der 90er Jahre. Das war ein großer Industriekonzern, der Industrieanlagen ausgeliefert hat. Der hat dann seine Industrieanlagen mit, ich sage mal, industrietauglichen Videokonferenzsystemen ausgeliefert, die auf einem kleinen Rolli durch die ganze Industrieanlage gerollt werden konnten und dort praktisch den Service und Support unterstützt haben.
und die Leute, denen war das scheißegal, wie sie aussehen, die haben sich weder die Lippen nachgeschminkt noch die Haare gekämmt, sondern die waren froh, dass sie mal eben Unterstützung aus einem Servicecenter irgendwo aus der Welt zu sich in die Anlage holen konnten und mit einem Servicemitarbeiter diskutieren konnten, ist das Teil kaputt, ja, nein und wenn ja, schickt uns bitte genau dieses Teil und nicht irgendein anderes, damit die Anlage weiterläuft, weil dort war jede Ausfallminute oder Stunde mit Tausenden von Dollars, Euros oder sonstigen Währungen behaftet. Und das war aus meiner Sicht damals somit das erfolgreichste Projekt, was wir da gemacht haben.
Jetzt ist so ein Konsens, der sich im Prinzip durch alle bisherigen Interviews zieht. Die Technologie ist immer nur irgendwie so der Stein des Anstoßes. Eigentlich ist die Digitalisierung ein Thema, das Menschen und Prozesse und das Bitteneinander betrifft. Ich finde, das klingt so bei dir auch durch. Die Technik war zwar irgendwie da und da gab es Leute, die hatten viel Geld und viel Ressourcen und haben tolle Sachen gebaut, aber eigentlich wollte es keiner haben. Heute ist Google Hangout, Skype, wie sie alle heißen, irgendwie total etabliert. Absolut. Was hat sich denn da geändert? Was ist an uns heute anders als Gesellschaft oder als Einzelnutzer, dass wir das heute so annehmen?
Naja, ich glaube, dass die jüngere Generation Unbefangener mit der Technik umgeht. Und wenn man sich mit Marketing beschäftigt, dann kennt man auch Theorien, die nennen sich Sinusgruppen. die Sinusgruppen unterteilt beispielsweise die deutsche Bevölkerung in eine Handvoll verschiedene Gruppen. Und da gibt es die sogenannten Early Adapter. Das sind Leute, die immer das Neueste, Schnellste und Schönste haben wollen. Das sind auch die Ersten, die von mir aus sich ein iPhone kaufen, die sich das, wenn das ein iPhone ein Jahr alt ist, dann das nächste Android oder sonstige Gerät kaufen. Und so diffundiert letzten Endes eine Innovation und die muss nicht technologisch sein, aber ist halt häufig technologisch, durch die Gesellschaft.
Und irgendwann kommt sie auch bei Oma und Opa an. Und heutzutage ist es ja dann auch so, dass nachdem Oma und Opa das gesehen haben, mit dem Enkel in Vancouver oder Australien skypt und sich da jetzt keine großen Gedanken mehr macht, sondern einfach es macht, weil sie es schon woanders gesehen haben und weil es ihnen jetzt auch plötzlich einen Nutzen bietet. Weil ohne das Gerät würden sie mit dem sozialen Kontakt nicht halten können.
Jetzt erinnere mich, dass du letztes Mal so ein bisschen polemisch gesagt hast, Digitalisierung ist eigentlich nichts Neues. Es spricht ja im Prinzip dafür, oder? Also kann das einfach sein, dass Dinge, die wir heute als großen Wurf und große Revolutionen annehmen, dass das einfach schon eine sehr lange Vorlaufzeit hat?
Ja, zu dieser These Digitalisierung kann ich eigentlich, aber da habe ich zwei Meinungen oder zwei Sachen zu sagen. Das eine ist, wenn heutzutage, sagen wir mal im Jahr 2017, 18, 19, über das Thema Digitalisierung geredet wird, wird oft der Anschein erweckt, als wäre das was völlig Neues. Meiner Ansicht nach ist es so, dass die Welt sich ständig verändert. Das ist aus meiner Sicht eine Binsenweisheit. Und dass wir uns andauernd damit beschäftigen müssen, wo stehen wir, wo kommen wir her und wo wollen wir hin. Und was bedeutet die Veränderung in unserer Unwesendung für mich, welche Konsequenzen hat das Ganze. Und dementsprechend ist auch das, was wir heutzutage als Digitalisierung bezeichnen, eigentlich nur ein Aspekt der ganzen Veränderungen, die um uns herum passieren. Und ja, so würde ich das jetzt einschätzen.
Und würdest du sagen, dass das schneller wird? Also das hört man auch mal wieder raus, dass die Veränderung immer schon da war, aber dass sie halt in den 50ern in einer anderen Geschwindigkeit vorangingen als in den 50ern?
Ja, die Veränderungen gehen schneller und die Entwicklungen werden auch beschleunigt. Hängt meiner Ansicht nach auch damit zusammen, dass wir durch die Computerprogramme, Software viel Altes wunderbar recyceln können. Wenn ich heute etwas Neues baue, kann ich viel Altes wiederverwenden und kann dadurch natürlich schneller werden. Früher, wenn ich ein neues Haus bauen musste, dann als Beispiel, dann habe ich immer wieder von vorne anfangen müssen. Ich habe ein Fundament gießen müssen, ich habe Wände hochziehen müssen etc. Diese Prozesse gehen heutzutage viel schneller, weil ich letzten Endes heutzutage auf eine Basis zurückgreife, die von mir aus bis in die 70er Jahre zurückgreift. Compiler, Software etc.
All die Dinge, die kann ich jetzt auf Knopfdruck recyceln, kann was Neues draufsetzen und dadurch habe ich natürlich eine ganz andere Steigung in der Entwicklung. Dazu kommt natürlich auch, dass die Entwicklungen, die früher nur wenige betrafen, nur wenige hatten Computer, nur wenige hatten diese technischen Hightech-Geräte. Ich habe gerade vor kurzem gehört, dass in Deutschland auch erst Ende der 80er Jahre fast 90 oder 100 Prozent der Haushalte ein Telefon hatten. Heutzutage sind alle so weit und diese Veränderungen, die werden auch viel stärker in die privaten Haushalte reingetragen, wodurch auch die Wahrnehmung, dass sich das beschleunigt, eine ganz andere ist. Mein Vater hat mir beispielsweise Ende der 60er Jahre erzählt, dass es irgendwann Plattenspieler geben wird, die von Lesern abgetastet werden.
Fand ich total spannend und keine Ahnung, fünf oder sieben Jahre später kamen dann die ersten CDs raus, kann ich mich noch erinnern. Und war ganz fasziniert, dass mein Vater das vorher schon wusste. Früher war es halt so, dass diese Innovationen und die Menschen, die mit diesen Innovationen in Berührung kamen, ein kleiner Kreis von Leuten waren, für die das normal war. Und heutzutage finden diese Veränderungen ja auch öffentlich sichtbar in der Gesellschaft statt. Ein gutes Beispiel sind die selbstfahrenden Autos, über die jetzt im Moment gerade geredet wird. Früher wurde sowas in Labors abseits der Öffentlichkeit gemacht. Heutzutage werden diese ganzen Tests auch mit ihren Fehlversuchen und so weiter in der Öffentlichkeit ausgetragen.
Und dadurch entsteht natürlich auch eine andere Wahrnehmung.
Ja, das stimmt. Es gibt da ja diese Kurven, welche Technologie wie viele Jahre oder Jahrzehnte gebraucht hat, bis sie 100 Millionen Nutzer oder irgendeine Zahl hatte. Ich habe die Zahl nicht parat, aber fürs Radio waren das irgendwo wirklich Jahrzehnte. Fernsehen auch noch, Telefon, weiß ich nicht, aber Facebook hat das irgendwo in zwei Jahren geschafft, Snapchat in Monaten. Ja, ist ja schon ein Zeichen, dass das alles immer schneller wird.
Wobei ich das auch nicht so bedrohlich finde, weil grundsätzliche Veränderungen finden ja auch wiederum langsamer statt. Also ich glaube, eine echte Revolution war halt, von mir aus das iPhone oder die Geräte, die wirklich den Taschencomputer, den tragbaren Taschencomputer mit Internet und allem drum und dran gebracht haben. Und dann kommen so Dinge wie Snapchat oder Facebook, das sind dann Add-ons, das sind so Marginalitäten. Also ich will es jetzt nicht runterreden, aber das ist dann aus meiner Sicht nicht ganz so weltbefähigend mehr.
Also jetzt hast du ja gesagt, dass du viel mit Mittelständlern arbeitest. Letztendlich haben wir uns ja über den Bundesverband Mittelstand auch kennengelernt. Jetzt hast du gesagt, Facebook ist eher so eine Marginalität. Also ein anderer großer Trend heute, zumindest als Buzzword kann man es hinnehmen, sind ja Plattformen. Wir reden darüber, dass Plattform-Business das Modell der Zukunft ist. Wo ich in letzter Zeit viel gelesen habe und jetzt weiß, das gab es schon immer. Also auch ein Marktplatz oder eine Shopping-Mall ist eine Plattform. Also das Modell selber ist nicht neu. Aber durch digitale Medien, durch die Technik, die wir heute haben, werden Plattformen viel schneller, viel mächtiger, als sie das vorher je sein konnten.
Wenn du das jetzt aus dem Blickwinkel des Mittelstands betrachtest, ist das eine größere Gefahr auf einmal? Oder kann man sagen, der Mittelstand hatte eh nie vor, Facebook zu werden?
Ich glaube, dass viele Mittelständler verunsichert werden, wenn mit ihnen über Plattformen geredet werden und sie das Gefühl bekommen, sie sollen mit Google, Facebook, Amazon oder ähnlichen Konkurrenten sich messen oder auf ähnliche Wege geschickt werden. Ich glaube, dass viele Mittelständler gute traditionelle Werte haben, denen sie sich nicht bewusst sind. und dass sie die zunächst erstmal für sich identifizieren sollten, um daraus dann Strategien zu entwickeln, wie sie diese Werte in einer stärker auf digitale Medien setzenden Welt weiter nutzen können oder vielleicht sogar ausbauen können. Und für mich ist auch eigentlich das Thema Digitalisierung nicht so im Mittelpunkt. Das ist hinterher vielleicht eine Lösung an einer Stelle.
Das ist aber nicht das Hauptproblem. Das Hauptthema ist, da wiederhole ich mich jetzt, wo stehe ich, wo will ich hin, was brauchen meine Kunden, wie kann ich für meine Kunden nützlich und wertvoll sein. Und wenn ich mir das vor Augen geführt habe, dann kann ich überlegen, ob Digitalisierung mir da weiterhilft. Man muss ja auch die Grenzen von Digitalisierung sehen. Ich kenne ein Beispiel von einem kleinen Unternehmer, der einen Mietservice für Geräte hat, der komplett digital ist. Also, die Geräte sind im Internet verfügbar, der Kunde kann die Geräte übers Internet buchen, er holt sie ab, liefert sie wieder ab nach einer gewissen Zeit, die Rechnungen werden automatisch generiert etc. Und wenn Geräte lange nicht ausgeliefert werden, wird automatisch sogar ein Newsletter erstellt, wo die Geräte angeboten werden.
Das Einzige, was der Mann nur noch machen muss, ist die Geräte ein bisschen warten und Geld kassieren. Klingt jetzt erstmal total toll und viele werden jetzt sagen, nein, das hätte ich auch gerne so viele Prozesse. Die Wahrheit dahinter ist, alles, was ich bisher gesagt habe, stimmt, aber die ganze Software im Zusammenspiel mit der Buchhaltung und dem ganzen Kram ist vor sieben bis zehn Jahren programmiert worden. muss jetzt auf virtuellen Maschinen laufen, weil die Datenbank nicht mehr auf den aktuellen Systemen läuft, die Buchhaltungssoftware wird es pleite gegangen, gibt es nicht mehr etc. Und jede Automatisierung hat halt auch ihre Grenzen bzw. muss gepflegt werden. Und wenn ich das nicht leisten kann, dann sollte ich mir überlegen, ob ich eventuell mal nicht digitalisiere.
Was nicht heißt, dass ich gegen Digitalisierung bin. Aber das muss halt alles sauber miteinander in Einklang gebracht werden. Und ich glaube, da ist ein Beratungsbedarf mit Leuten notwendig, die sowohl die Chancen als auch die Risiken oder die Grenzen kennen.
Ja, also sehe ich genauso und ist ja letztendlich, also wir sind Softwareentwickler, wir bauen ja auch solche Systeme. würdest du sagen, dass da auch die, die es umsetzen, also die Softwareentwickler manchmal ehrlicher sein müssten, als sie es sind? Also ich meine, ich vermittle unseren Kunden immer sehr ehrlich, wenn wir euch das bauen, entweder ihr seid in der Lage, das selbst zu warten oder ihr seid gut beraten, einen Wartungsvertrag zu machen. Sonst habt ihr dann drei Jahre was stehen, was unsicher und in alle Richtungen offen und nicht mehr pflegbar ist?
Das sollte sicherlich der Auftragnehmer auch machen, Aber ich sehe da wiederum die Hauptverantwortung der Entscheidungsträger, der Geschäftsführer, der Abteilungsleiter, die so etwas machen. Die müssen letzten Endes ihr Geschäftsmodell kennen. Die müssen sich darüber informieren, welche Risiken sind damit verbunden und welche Chancen. Also da sehe ich den Ball eher bei dem Auftraggeber. Es gibt genügend Auftraggeber, die das Know-how nicht haben, aber da müssen sie da rein investieren. Ich erlebe ja auch oft, dass Leute dann Aufträge vergeben und das soll dann der möglichst billigste umsetzen. Und aus meiner Siemens-Zeit habe ich noch diesen Begriff im War, Total Cost of Ownership. Das heißt, was kostet mich der Betrieb eines Systems über N Jahre?
Und damals hatten wir die Diskussion Linux versus Microsoft. Und dann wurde immer gesagt, ja, aber Linux ist doch kostenlos. Stimmt, aber die Wartung kostet auch Geld. Du brauchst einen speziellen Administrator haben. Und manche Dinge gingen damals mit Microsoft deutlich einfacher, billiger und schneller als mit Linux-Systemen. Und wenn man das gegeneinander gerechnet hat, dann kommt man zu einem vernünftigen Ergebnis. Wobei ich weder für das eine noch für das andere plädieren will. Aber nur weil etwas billig eingekauft ist, ist es noch lange nicht billig im Gesamtbetrieb. Und das ist sicherlich etwas, wo man, wenn man solche Entscheidungen trifft, auch mal Gehirnschmalz reinstecken muss. Und das sehe ich im Grunde genommen nur letzten Endes beim Auftraggeber.
Und wenn er das Know-how nicht hat, dann muss er das einkaufen. Und es ist unter Umständen billiger, einen guten Berater mal für ein, zwei Tage zu beschäftigen. Manche Beratungen dauern auch nur eine halbe Stunde und sind strategisch sehr, sehr wertvoll. Als dass man dann sich darauf verlässt, dass irgendein billiger Dienstleister etwas umsetzt. umsetzt.
Schönes Beispiel habe ich, ich glaube, das war das letzte Interview mit dem Herrn Böckel vom Hit Technopark. Die haben da ja zig Gebäude und der hat von der Heizung erzählt. Die haben jetzt eine smarte Heizung. Also bisher in den letzten Jahrzehnten ist der Hausmeister einmal im Jahr umgelaufen und hat irgendwo einige hundert Heizkörper abgelesen. Das sparen sie jetzt ein, weil man die jetzt automatisch auslesen kann, aber dafür jetzt einen Ingenieur angestellt, der die Komponenten mit der Buchhaltungssoftware verbindet. Also der ist genauso viel damit beschäftigt, nur dass er einen anderen Stundensatz hat. Ja. Genau, es wird nicht weniger Arbeit, es wird nur andere.
Naja, das ist der Punkt eins. Und der Punkt zwei ist, ich habe, weil ich auch selber, glaube ich, sehr technikaffin bin, auch genügend Misstrauen gegenüber der Technik. Das ist einerseits, was die Haltbarkeit angeht. Und das andere ist, was die Zuverlässigkeit angeht. weil nur weil mir ein gerät x anzeigt ist alles in ordnung muss nicht alles in ordnung sein und ein mensch darum geht sieht unter umständen mehr als ein elektronischer sensor das ist punkt eins und dann möchte ich noch eine geschichte zum besten geben ein bekannter von mir hat ein Hersteller beraten, der Navigationssysteme für Schiffe herstellt. Navigationssysteme für Schiffe sind gut, aber nicht perfekt. Und das führt dazu, dass Schiffspersonal oft der Navigationssoftware oder dem Navigationsgerät mehr vertraut als dem eigenen seemännischen Erfahrungsschatz.
Weil die Maschine hat sich ja in den letzten fünf bis zehn Jahren nicht geirrt. Also wird sie wahrscheinlich auch heute recht haben. Und die Aufgabe dieses Beraters war, mit den Softwareingenieuren zu überlegen, wie können wir in die Software Fehler einbauen, damit das Vertrauen nicht zu hoch wird. Und das ist etwas, was ich total spannend finde. Ich glaube, das wird etwas, also im Moment bemühen wir uns ja, selbstfahrende Autos zu bauen, selbst fliegende Flugzeuge, was weiß ich heute alles geträumt wird. Und wenn wir das dann haben werden, dann werden wir irgendwann so viel Vertrauen dazu haben, dass das auch wieder nicht mehr gesund ist. Dass dann da vielleicht auch wieder Leute drüber nachdenken, wie bauen wir Fehler ein.
Also das wäre jetzt der überall nächste Schritt. Und das ist sicherlich etwas, was auch kommen wird und was man bei aller Digitalisierung und Vertrauen in diese Technik und Bequemlichkeit auch beachten sollte. Die Dinger sind nicht unfähbar.
Ja, gut. Mir ist es bewusst, ich versuche das unseren Kunden gegenüber offen zu kommunizieren, aber ja, es ist ein schwieriges Thema. Ich würde gerne doch nochmal auf die Plattform zurückkommen. Ich habe dazu noch einen Gedanken. Und zwar habe ich relativ am Anfang des Podcasts mal den Dr. Felix Menden von Wer liefert was interviewt. Der ist der CTO. Und Wer liefert was baut ja eine B2B-Plattform für mittlerweile Produkte. Es war mal eher so ein Anzeigenbusiness. Heute machen die viel Produktmarktplatz. Und der hat gesagt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, Digitalisierung ist der große Bruder der Globalisierung. und daher kommt eigentlich die Gefahr, gerade auch für den deutschen Mittelstand, weil die heute noch sehr analog zum Teil unterwegs sind und das Problem für die Mittelständler ist gar nicht, dass eine Plattform eine direkte Konkurrenz wird.
Ich weiß nicht, ob es überhaupt mal eine deutsche Suchmaschine gab, die jetzt durch Google außer Gefecht gesetzt wurde, Aber wenn es einen Spezialhersteller für eine bestimmte Art von Ventilen gibt, der irgendwo in der Pampa sitzt und schon seit langer Zeit extrem gut in seiner engen Nische ist, dann hatte der bisher wenig Chance, überrollt zu werden, weil einfach man hatte die zwei Kataloge. Heute gibt es Plattformen und vielleicht gibt es in Portugal jemanden, der genauso gute oder bessere Ventile baut, wo ich als Kunde, der einfach nur gute, günstige Ventile haben will, eigentlich nicht wusste, dass es die gibt. Heute kann ich das übers Internet rausfinden. Das heißt, dieser Mittelständler macht nichts anders, macht auch eigentlich nichts falsch. Es hat immer gut funktioniert.
Und trotzdem brechen ihm die Kunden auf einmal weg durch eine Plattform, die jetzt durch digitale Medien da ist. Ist das was, was du irgendwo durch deine Beratung bestätigen oder widerlegen kannst?
Ja, okay, das ist jetzt für mich nicht das Thema Plattformen, sondern eher die Sichtbarkeit. Wir haben eine weltweite Sichtbarkeit durch das Internet bekommen. Das ist sicherlich etwas und das Beispiel kann ich bestätigen. Ich habe voriges Jahr für einen Kunden eine spezielle Pumpe bauen müssen und bin dann in China fündig geworden. Und ich wäre nie auf den chinesischen Lieferanten aufmerksam geworden, wenn nicht ich im Internet hätte googeln können. Ja, das ist so. Ja, das ist einfach so, dass im Grunde genommen jeder alles auf der Welt finden kann. ich mir diese Veränderung natürlich als Mittelständler angucken muss. Und wenn ich nur aufgrund, also wenn ich da in der Nische nicht sehr spitz positioniert bin, von mir aus eine bestimmte Qualität oder irgendetwas anderes, dann habe ich jetzt Konkurrenz, die vorher nicht sichtbar war, die wird jetzt sichtbar.
Und da muss ich dann jetzt überlegen, kann ich da jetzt irgendwas anderes draufsetzen? Kann ich da noch einen anderen Service bieten? kann ich da andere Finanzierungsmodelle etc. Da ist jetzt, sagen wir mal, Fantasie gefragt. Und das ist sicherlich auch eine Veränderung zu früher. Früher konnte ich mich darauf ausruhen, dass ich ein guter Maschinenbauer bin, dass ich in meinem Fachgebiet gut war. Und heutzutage muss ich eigentlich in allen Gebieten gut sein. Ich muss mein Fachgebiet gut beherrschen, aber ich muss auch gut in Finanzen, Marketing, Menschenführung etc. sein. Das hat sich sehr stark verändert. Und wenn ich da in einem Gebiet patze, dann kann das schnell zu meinem sehr extremen Nachteil geraten.
Ja, das hat sich verändert. Ich meine, das ist letzten Endes, selbst der einzelne Selbstständige ist doch heutzutage Buchhalter, Steuerspezialist, Marketing-Mensch, keine Ahnung was. Und dann geht er auch noch raus und bietet seine Dienstleistung an. Also ein einfaches Beispiel ist meine Friseurin. Die kann nicht nur gut Haare schneiden, sondern die muss jetzt eine Webseite auch machen. Die muss sich überlegen, wie sie sich auf Facebook darstellt. Die muss die ganzen Steuersachen, die jetzt kommen, im Kopf haben. Also das hat sich sehr stark verändert. und das führt sicherlich auch zu Veränderungen und Leute, die ein Talent hatten, müssen entweder sich Partner suchen, die die anderen Talente mitbringen oder aber sie gehen unter.
Und früher hat es ausgereicht, eine Sache gut zu machen, um damit in seine Nische zu passen. Ja, das stimmt. Das ist eine starke Veränderung.
Wir haben einen Kleingarten und ich habe da gerade einen LKW Erde bestellt und habe bei Google gesucht, Mutterboden liefern, Harburg. Und habe dann hier große lokale Harburger Firma, August Ernst, die machen das auch schon seit Jahrzehnten. Ich habe dann da angerufen und gesagt, ich habe es über Google gefunden. Über Google? Echt? Das ist ja cool. Ja, ja.
Ja, das ist so.
Ja, aber die haben offensichtlich das noch nicht als Vertriebskanal dann erkannt.
Ja, das stimmt. Ja, das ist, ich glaube, ich habe eben angesetzt, dass die Leute mit einer spezifischen guten Eigenschaft es schaffen konnten, in den vergangenen Jahrzehnten eine Firma erfolgreich aufzubauen. Ich kann mir vorstellen, dass viele von denen heutzutage an ihre Grenzen stoßen oder vielleicht schon über die Klippe gehen, weil sie diese breite Aufstellung nicht hinkriegen. Viele Mittelständler klagen heutzutage über Mitarbeiterprobleme. Wie kriege ich die Mitarbeiter? Wie finde ich sie? Wie binde ich sie? Weil sie halt A, sich nicht so positiv darstellen, wie sie vielleicht sind und damit nicht so wahrgenommen werden. Und Punkt zwei, früher konnte ein Chef sagen, das wird so gemacht.
Dann wurde auch gemacht, dann sind alle in Deckung gegangen und haben gesagt, bevor der Chef da böse wird, hat sie gesagt, hey, was willst du? Dann gehe ich halt woanders hin. Und das ist sicherlich auch eine starke Veränderung. Wobei ich das jetzt, wie weit ich das der Digitalisierung in die Schuhe schieben kann, das sind einfach auch gesellschaftliche Veränderungen. Das sind Wechselwirkungen, die sich gegenseitig beeinflussen. Da möchte ich aber nicht unbedingt das Thema Digitalisierung oben drüber schreiben. Also halte ich für übertrieben.
Ich habe da zu dem Thema speziell auch gelesen, dass das, ich weiß nicht, ob das stimmt, ich habe das nie nachgeprüft, aber in dem Buch gelesen, dass es im Prinzip vier Arten von Generationen gibt und die folgen im Prinzip immer aufeinander. Also ich habe so meine Peergroup, wie auch immer, XY, wo auch immer man mich da einsortieren mag. Und das, was jetzt kommt, also so wie ich, also diese Art von Generation gab es aber vor, weiß ich nicht, 60, 80, 100 Jahren schon mal.
Okay.
Dadurch, dass ich bin, wie ich bin, erziehe ich eine bestimmte Art von Kindern. Das heißt, die werden natürlich alles anders machen, als ich das gerne hätte und so weiter. Und in 60 Jahren ist aber genau wieder so eine Generation X. Ich müsste das gleich mal nachforschen. Ich fand, das war ein cooles Buch. Wir haben das zumindest irgendwo in den USA über 150 Jahre, diese Wechsel. Es geht gerade so um dieses Loyalität. Also bin ich ein Arbeitgeber, ein Berufsleben lang loyal oder bin ich eigentlich im Herzen Freelancer und will gar nicht angestellt sein oder wechsle ich alle drei Jahre?
Also das kann ich mir vorstellen, dass man solche Studien in den USA machen kann, weil es auch meines Wissens eine der ganz wenigen Regionen ist, die eigentlich seit ein paar hundert Jahren keinen Krieg hatten.
Zumindest nicht vor Ort, ne?
Ja, darum geht es ja. Also Kriege führen ja durchaus zu sehr starken gesellschaftlichen Verwerfungen und Veränderungen. Mein Urgroßvater ist 104 geworden, der ist 1857 geboren, 1961 gestorben, hat von den ersten Dampfloks bis zum Sputnik alles miterlebt. Und der hat auch viel Kriege miterlebt, wenn ich das richtig recherchiert habe. Für den war das in Anführungszeichen normal, dass immer nach einer gewissen Zeit wieder alles umgewürfelt wurde. Und wir sind ja jetzt die dritte Generation, die im Frieden in Europa, in Deutschland lebt. Und toi, toi, toi, möge es noch so lange so bleiben.
Ja, auf jeden Fall. Ja, ich finde das auch, also auch was du vorher sagtest, mit dem heute muss ein selbstständiger Alters, ich habe mich vor zehn Jahren selbstständig gemacht, das war immer so. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man mal selbstständig sein konnte ohne Marketing, Steuern, Vertrieb, blabbi, blub, alles. Also vor zehn Jahren war das auf jeden Fall so, als ich gestartet bin.
Ja, ich würde sagen, gut, da hat das Internet, sagen wir mal, die Jahrtausendwende, so von mir aus, das Internet hat ja vorher schon ein bisschen angefangen, aber wahrnehmbar hat es halt mit der Jahrtausendwende angefangen. Und vor zehn Jahren war 2007 oder ungefähr, also waren danach, da hat sich schon viel verändert. Aber vorher war es halt, dass man halt mit, wer alles beherrschte, war sicherlich im Vorteil, aber man konnte halt auch mit einzelnen Fähigkeiten schon ganz gut durchstarten. Und die alte Unternehmen-Generation, auf die wir heute stoßen, die sind ja zwischen 50 und 70. Und das sind halt die Jungs, die seitdem sie in 60 Jahren gestartet sind und noch ganz andere Zeiten erlebt haben und denen möglicherweise auch hinterherweinen.
Und das funktioniert heute nicht mehr.
Ich komme noch mal auf den Plattformgedanken. Ja, gerne. Weil ich einfach gerade den Gedanken hatte, jetzt sind ja Mittelständler häufig B2B unterwegs. Also zumindest unser Beispiel mit dem Spezialventilbau aus der Pampa. Jetzt haben die das Problem, dass auf einmal die Konkurrenz sichtbar wird. Vielleicht war die ja schon immer da. Vielleicht gab es den in Portugal und China auch schon immer. eigentlich ist das doch genau das Problem, dass der Einzelhandel auch hat. Gut, da hat man jetzt ein Amazon, wo man heute alles bekommt, also auf einmal gibt es da den starken Konkurrenten, aber früher hatte ich meinen Gemischtwarenladen im Ort oder weiß ich nicht, meinen Spezialladen und das war alles sehr regional und es gab kein Internet, das heißt, ich hatte keine Konkurrenz von Orten weiter, weil die Leute das gar nicht wussten.
Heute ist das so, nächster Schritt ist Amazon hat eh alles. Von daher habe ich als Einzelhändler heute große Probleme, wenn ich nicht einen guten Online-Shop, eine gute Online-Offline-Verbindung und so weiter habe. Ist das genau das Gleiche, was gerade den Mittelständlern im B2B-Bereich passiert durch die Plattform? Oder ist das noch ein anderes Problem? Wenn das so wäre, könnten die natürlich mal den Einzelhändler des Vertrauens fragen, was ihnen von den Füßen gehauen hat
das besser machen? Ich glaube, dass man das nicht vergleichen kann, weil der B2B-Mittelständler meiner Ansicht nach eher noch die Chancen hat, mit speziellen Services, mit speziellen Angeboten sich von der Konkurrenz abzuheben. Das, was der Einzelhändler hat, das ist ein Produkt, was ich an tausend Stellen gleich kaufen kann. Das ist diese Vergleichbarkeit. Und ob ich eine Tüte Kaffee nun bei A, B, C kaufe oder im Internet, es ist immer dieselbe Tüte, die vom selben Hersteller kommt. Und gerade wir Deutschen neigen auch dazu zu kaufen, wo es am billigsten ist. Also ich habe mich mal mit einem Controller von Kraft Master Foods unterhalten, und er sagte, das einzige Produkt, wo wir noch ordentliches Geld verdienen, gut, dieses Gespräch liegt jetzt zehn Jahre zurück, aber ist Philadelphia-Käse.
Das ist das einzige, was der Deutsche wirklich bereit ist, mehr zu zahlen. Und ansonsten müssen wir einfach immer billig, billig, billig sein. Ganz anders in Frankreich. Wenn man mal in Frankreich einkauft, dann hat man mit einem vergleichbaren Warenkorb. Zu Deutschland zahlt man oft 30 Prozent mehr, weil die Franzosen da irgendwie anders ticken. und gerade bei also bleiben wir bei diesem Ventilhersteller da denke ich mal kann der Hersteller sich noch dadurch differenzieren dass er einfach besseren Service bietet, also ein Beispiel was mir gerade für diesen Menschen einfällt ist, dass er nicht nur das Ventil anbietet, sondern auch die CAD-Zeichnung so habe es gerade selbst erlebt in meinem hobby bin ich was ich gerne modell schraube und habe bestimmte teile bestellt und habe dann nicht nur die teile bekommen oder konnte ich mir sogar die crd zeichnung runterladen so dass ich die teile direkt in meine konstruktion einbauen konnte fand ich total sexy und natürlich kaufe ich dann bei dem händler der von mir aus 20 prozent teurer ist aber ich habe halt Zeit und Geld gespart, weil ich genau weiß, das Teil, was ich in meiner CAD-Zeichnung drin habe, ist auch das Teil, was ich geliefert bekomme.
Ob das bei dem Händler aus Spanien oder Portugal oder China der Fall ist, das weiß ich nicht. Da habe ich die Garantie, weil ich da ja genau diese Konstruktionszeichnungen habe. Und ich kriege es sogar für zehn verschiedene CAD-Programme. Fand ich also total klasse. Das sind so Dinge, wo ich denke, da kann man sich differenzieren.
Okay, aber das erfordert ja, dass man das tut.
Ja, klar.
Bisher musste man das vielleicht nicht, aber dann ist der Unterschied, der Einzelhändler, der so eine Commodity verkauft, hat die Chance nicht? Genau. Also der hat nur die Chance, Preiskampf oder Untergehen?
Der hat noch andere Chancen, aber da können wir gleich drauf kommen.
Okay, aber als Mittelständler, also wenn ich nichts tue, dann bin ich in der Spirale, aber ich habe zumindest die Chance nicht. Genau.
Also das ist das, was ich meinte. Setz dich hin, guck dir deine Kunden an, von mir aus besuch deine Kunden, red mit ihnen, ganz einfache Frage, Kunde, was hättest du gerne von mir, was kann ich besser machen, was wünschst du dir von mir? Ganz simple Frage. Und dann werden sicherlich viele Dinge kommen, wo ich innerlich den Kopf schüttle und vielleicht zwei, drei Ideen, wo ich sage, hey, tschakka, das ist es. Also ich würde mich auch nicht da hinsetzen in meinem Kämmerchen und versuchen selber darüber nachzudenken, was andere wollen, sondern einfach rausgehen und fragen. Ich habe das selbst in meinem Umfeld mal gemacht. Ich habe einfach mal zehn Kunden oder Kundinnen waren es in diesem Fall gefragt, wie gefällt euch das, was wünscht ihr euch etc.
Und da kommen erstaunliche Sachen bei raus. Und da braucht man kein Meinungsforschungsinstitut. Gerade diese Mittelständler haben gute bestehende Kundenbeziehungen und machen wir uns nichts vor. Der Vorteil beispielsweise von Mittelständlern ist, dass ich die persönliche Kundenbeziehung habe. Häufig, nicht immer. Und das ist ganz wertvoll. Und meine Erfahrung, und das wird jeder vernünftige Vertriebsmensch auch bestätigen, ist, selbst negative Erfahrungen erhöhen die emotionale Bindung. Selbst wenn ich mit dem Kunden mal was vergeigt habe, ich kann ihn eigentlich nach einer Wissenzeit wieder anrufen, fragen und wie sieht es aus und kann dann auch solche Fragen stellen und der Kunde wird auch lieber bei mir kaufen wenn ich nicht extrem viel teurer bin, weil er da weiß, mit wem er es zu tun hat und so weiter und das ist ja beispielsweise die Schwäche von Amazon Amazon hat und die ganzen Firmen legen ein wahnsinniges Wachstum hin und können sich überhaupt nicht mehr um den Einzelnen kümmern.
Da bin ich eine Nummer. Und wenn ich Pech habe und mein Fall nicht in deren Schemata passt, dann falle ich unten durch. Und wenn ich dann nicht irgendeine Zeitung oder irgendein Medium habe, was das dann mal als Skandal aufgreift, dann bin ich niemand. Und dann bin ich weg. Und diese Erfahrung werden auch immer mehr Leute machen. Und jetzt kommen wir wieder zu dem, was so ein Einzelhändler machen kann. der kann sich bemühen, die emotionale Bindung zu den Kunden zu verbessern, indem er irgendetwas macht, was mich als Kunden erfreut. Es gibt gerade hier in Hamburg ein wunderbares Beispiel. Da gibt es den Rewe-Markt, der von irgendeinem ehemaligen Fußballspieler übernommen wird. Ich interessiere mich leider oder zum Glück nicht so für Fußball.
Aber der hat den Markt extrem erfolgreich nach oben gebracht. Indem sie Late-Night-Shopping machen, Single-Shopping etc. Ja, du lachst, aber das sind so Events, die dazu führen, dass der Kunde natürlich sagt, hey, ist ein geiler Laden, gehe ich gerne hin. Und wir Menschen haben ja noch eine andere Eigenschaft, wir sind Gewohnheitstiere. Das heißt, wenn ich regelmäßig irgendwo bin, dann brauche ich diese Regelmäßigkeit. Dann fällt es mir schwer, dieses Muster zu durchbrechen und woanders hinzugehen. Und dann werde ich auch meine normalen Einkäufe immer in meinem Lieblingssupermarkt machen, weil da eine nette, hübsche Verkäuferin ist, weil da keine Ahnung, irgendwas ist, was ich eigentlich gerne mag.
Klar, vielleicht werde ich dann auch mal zur Not am Sonntagvormittag bei irgendeinem Lieferservice bestellen, der mir dann gegen 14 Uhr irgendwas Spezielles bringt, weil ich das vergessen habe, aber abends grillen will oder Freunde kommen. Aber ich werde trotzdem meinen Standardeinkauf noch im Supermarkt machen. Das mache ich natürlich nicht, wenn ich in irgendeinen Supermarkt gehe, dort eine Muffing-Verkäuferin oder einen Muffing-Verkäufer habe, der Pfandautomat nicht funktioniert, das alles mit Stress verbunden ist, ich keinen Parkplatz finde und ich dann die Alternative habe, im Internet zu bestellen. Dann ist natürlich da die Motivation abzuwandern größer. Aber wie gesagt, das sind Dinge, die auch ein Einzelhändler machen kann.
beispielsweise die buchläden die waren ja die ersten die stress hatten mit internet versand also bücher und cds waren einfach die sind einfach überall gleich und die buchläden haben sich ja auch sehr stark verändert kaum ein buchladen der nicht eine kaffee ecke hat wo ich nicht schmökern kann wo nicht nette freundliche verkäuferin weiterhelfen und so weiter wo ich vom Rhein, ich verkaufe dir ein Buch, haben die sich entwickelt zu einem Platz, wo ich gerne immer hingehe, entspanne, schmökere. Klar, die haben jetzt auch viel Tim Rift, den sie so mitverkaufen, aber so überleben die auch.
Und dieser Trend kommt nicht mal aus
Deutschland. Meiner Kenntnis nach kommt die auch aus den USA. Die amerikanischen Buchhändler haben das als erstes erfunden. Und das ist dann von ein, zwei großen Ketten hier in Deutschland übernommen worden. Also ich habe es noch miterlebt wie in Köln. Ich glaube, Gonski hieß der Laden. Riesengroße Buchhandlung. Umgebaut wurde mit Kaffee-Ecken und Bistro und allem drum und dran, sodass man durchaus Lust hatte, da hinzugehen, weil es hat Spaß gemacht. Man hat sich da wohl gefühlt. Man hat schmökern können, man hat anderen Leuten zugucken können usw. Das sind so Sachen, die dann auch so einem Laden helfen zu überleben. Und der nächste Punkt beispielsweise, ich hatte mal eine Rederei, die wollte Internet-Marketing oder hat Internet-Werbung mit uns gemacht, die wollten partout ihre Kreuzfahrtkataloge an den Mann bringen.
Sie hatten aber Angst, dass ihnen die Reisebüros abspringen, weil über die kam natürlich damals das Hauptgeschäft. Und was sie damals nicht umgesetzt hatten, war meine Idee zu sagen, okay, wer es partout will, kriegt den Katalog nach Hause. Aber bei demjenigen, bei dem ein Reisebüro in der Nähe ist, der kriegt den Katalog ins Reisebüro, kann es da abholen mit einer Flasche Sekt und einer netten Begrüßung. So nach dem Motto, kann wir Ihnen da weiterhelfen. Dann habe ich nämlich zweifelig mit einer Klappe. Ich habe meinen Katalog rausgeschickt und ich habe direkt die persönliche Bindung an das Reisebüro hergestellt. und das Reisebüro kann entweder Folgegeschäft generieren und ich habe es vor allem nicht kannibalisiert.
Also das Reisebüro muss ja dankbar sein, wenn ich Leute in seinen Laden schicke und wenn es keine Flasche Sekt gibt, so what. Aber die Leute sind immer da gewesen und wenn ich dann da nette Mitarbeiter habe, dann ist das nicht schlecht. Ist übrigens meiner Ansicht nach auch ein Trend, der bei den Banken kommen wird. Die Banken versuchen ja ganz viel Geschäft über Internet abzuwickeln. Das finde ich durchaus klug. Ich bin froh, wenn ich meine Überweisung abends, nachts am Wochenende machen kann. Was ziemlich dämlich ist, dass die Banken, die ja nun teilweise Toplagen in den Regionen haben, dass sie die ganzen Läden verkaufen, vermieten, schließen, anstatt da nette, freundliche Mitarbeiter hinzusetzen, die mir mal irgendeine Frage beantworten, die mir über irgendein Problem, was ich nicht im Internet lösen kann, helfe.
Die mir zeigen, wie eine App funktioniert. Keine Ahnung, da gibt es ja genügend Ideen. Also diesen Trend halte ich für, sagen wir mal, nicht ewig anhaltend. Ich glaube, dass die irgendwann wieder diese Läden aufmachen, da kleine Service-Shops hinsetzen, super nette, freundliche Menschen hinsetzen, zu denen ich einfach gerne gehe und die dort gewisse Basisfunktionalitäten wahrnehmen. und alles, was schwieriger wird, da holen sie über Videokonferenz einen Berater, der das Ganze für mich managt. Und der Mensch aus Fleisch und Blut macht den Vermittler und so weiter. Das kann ich mir vorstellen, das wird der Trend der Zukunft sein.
Genau das passiert schon. Ich habe in der 17. Folge Gabriel Rath interviewt. der ist für die Ostseesparkasse aus Rostock verantwortlich für das ganze Thema Digitalisierung. Und die wachsen vor allen Dingen in der Anzahl der Filialen und der Leute, die irgendwo verstreut arbeiten. Und die nutzen genau das. Die haben Mitarbeiter-Apps, die machen Sachen wie Working Out Loud. Also er hat da super coole Sachen erzählt. Und das wird halt von der Geschäftsführung, vom Vorstand von ganz oben getrieben, mitgelebt, vorgelebt. und die nehmen aber auch jeden Einzelnen mit. Und die machen genau das, was du gerade gesagt hast. Und offensichtlich erfolgreich.
Ja. Also ich weiß, dass diese Gedanken stammen, gebe ich zu, nicht ganz von mir, dass diese Gedanken seit 2006, 2007 in dem Sparkassenverband ventiliert worden sind. Und wenn die das jetzt umsetzen, freue ich mich. Ich glaube, dass das wirklich sauber Zukunft hat. Denn eins wird bei der ganzen Digitalisierung, die ich ja überall alles liebe, weil ich ja selber Techniker bin, immer wieder vergessen, wie wir Menschen funktionieren. Wir Menschen sind soziale Wesen, wir Menschen brauchen sozialen Kontakt und etwas, was auch kaum einer weiß, Menschen können vom sozialen Kontakt nie genug bekommen, da gibt es kein Sättigungsgefühl. Ich habe bei Siemens im Vertrieb gearbeitet und die waren super professionell, was auch so Belohnungen angeht.
Da gab es tolle Reisen an den Arsch der Welt mit Fahrradfahren und Bier trinken in irgendwelchen Hauptstädten etc. Was die sich da haben einfallen lassen, das war schon sehr, sehr spannend. Und wenn man jetzt Motivationsforscher sagt, all diese Belohnungen führen eigentlich zu einem Sättigungsgefühl. Also gerade auch Bonussysteme, die über Geld funktionieren. Und das Einzige, was halt nicht zur Sättigung führt, ist halt sozialer Kontakt. Und ich glaube, das ist auch etwas, was dann halt die Kollegen, die sich mit der Digitalisierung beschäftigen, mal im Hinterkopf haben sollten, dass ich dadurch natürlich noch mal ganz andere Kundenbindungen bekomme oder auch neue Kontakte bekomme. wenn sich das rumspricht.
Ja, macht total Sinn. Also passt zu meiner Erfahrung. Lustigerweise passt das zu dem, ich habe, ich muss mal im Luschan Wonders war, letztes Jahr, Finn Plotz interviewt, der Geschäftsführer von unserem aktuellen größten Kunden ist, der vorher eine Firma gegründet, aufgebaut, verkauft hat. Der hat angefangen, als er 16 war, der ist heute 21. Und der nutzt all das, was online und digital ist. Aber der sagt mit seinen 21 Jahren, ich setze mich lieber ins Auto und fahre mal eine Stunde dahin, um mit dem Auge in Auge zu reden, als eine E-Mail zu schreiben, weil der persönliche Kontakt den Erfolg ausmacht. Und das ist auch meine Erfahrung. Ich mache den Podcast bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich, so wie wir das jetzt hier machen, dass wir uns gegenüber sitzen.
Alles andere würde, glaube ich, einfach nicht so gut werden, wie es persönlich wird.
Ich meine, das ist eigentlich ein sehr schöner Gedanke, den man allen Leuten zurufen sollte, die vielleicht Angst vor dem Thema Digitalisierung haben, dass das eigentlich alles Hilfsmittel sind, die einem das Leben erleichtern sollen, die das Leben auch verändern, aber dass der Mensch immer noch im Mittelpunkt steht. Und ich glaube, jetzt kommen wir wieder vielleicht zurück zu den Videokonferenzsystemen. Damals waren sie keine Hilfe oder sind nicht als Hilfe wahrgenommen worden, sondern als Bedrohung, Belästigung. Und heutzutage, wo sich viele Menschen dem Thema spielerisch nähern, Die Leute nutzen ja die Videokonferenz, also sei es Skype etc. etc. ja nicht, weil sie es müssen, sondern weil sie das Bedürfnis nach Nähe haben.
Sie wollen ihren Enkel sehen. Sie wollen ihren Ehemann sehen, der auf Dienstreise ist. Die Ehefrau, die vielleicht auch auf Dienstreise ist etc. Die Mutter will die Kinder sehen, die gerade bei der Oma im Urlaub sind usw. Deswegen nutzen die das. Und dann nutzen die es auch gerne, weil es ihnen ja weiterhilft.
Ja. Ja, und weil es einfach ist.
Und weil es natürlich einfach ist. Es geht auf Knopfdruck. Das muss ich sagen, war damals noch ein bisschen schwieriger.
Ich würde gerne so Richtung Abschlussfragen kommen. Ein Gedanken zu dem, was du eben bei meinem letzten Ausflug zu den Plattformen gesagt hattest. Mich hat das so glücklich gemacht, dass man einfach seine Kunden fragen soll. Ich arbeite gerne und oft mit Startups. und ich habe in der Vergangenheit ja auch einige Firmen selber mitgegründet, von daher habe ich alles, was da so gerade in ist, rauf und runter gelesen, dieses ganze Business Model Canvas und Value Proposition Design und so weiter und letztendlich ist ja auch da die Kernaussage in diesem heutigen Startup-Hype, dass man erstmal das Kundenbedürfnis validieren muss und da musst du rausgehen und mit echten Menschen reden und so weiter und ich weiß nicht, wie oft ich das gemacht habe, irgendwelche Ideen validiert, rausgefunden, ja, gibt einen Markt oder ist eine tolle Idee, aber will keiner haben.
Und das ist so anstrengend, wenn du mit einer Idee dastehst und dich dann fragen musst, okay, wer ist denn da, wen könnte ich denn fragen? Wo finde ich die? Wie frage ich die? Und dann geht man durch Facebook-Gruppen oder macht Online-Umfragen oder versucht irgendwo Menschen in der realen Welt irgendwo aufzutun. Aber dass man als Mittelständler genau das Gleiche nur tun muss, einfach mal die Leute fragen, dadurch einen Marktvorteil bekommt. Aber die gibt es ja schon. Die habe ich ja in meiner Kundenkarte. Ich muss sie nur anrufen. Das ist so einfach. Das ist schön. Das macht mich zuversichtlich.
Ja, also gerade wenn wir über diese B2B-Sachen reden, glaube ich, sollte es nichts einfacher als das sein. Ich muss mich nicht mal in die Fußgängerzone setzen. Genau, ja. Ich hatte auch mal die Chance oder die Aufgabe, mich mit ISO 9000 zu beschäftigen. Und als ich anfing, haben alle gesagt, ISO 9000 ist scheiße, da kannst du die größte Scheiße zertifizieren lassen. Mit dieser Grundaussage bin ich dann zu einem Kurs gegangen, wo dann verschiedene Leute geschult wurden, wie führe ich ISO 9000 ein. Und dann habe ich aber zum Glück in der allerersten Stunde oder Runde gelernt, dass es nicht nur darum geht, etwas zu zertifizieren, sondern es auch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess gibt.
Und dann habe ich plötzlich begriffen, oh, das ist ja doch gar nicht so übel. Und das ist, glaube ich, etwas, was vielen fehlt und von vielen nicht gelebt wird. Nämlich dieses Kreislauf, wo stehe ich und wie kann ich das, was ich habe, verbessern. Wenn ich das mache, dann muss ich eigentlich zwangsläufig auch mal dahin kommen, meine Kunden zu fragen und auch meine Mitarbeiter zu fragen und so weiter und so weiter. Und das ist für mich so der Schlüssel, dieser Kreisprozess, gucken, wo stehe ich, was ist gut, was läuft schlecht, was muss ich verbessern, ändern, wieder gucken und so weiter. Wenn ich das mache, wenn ich das kontinuierlich mache, dann ist auch das Thema Digitalisierung, was weiß ich auch immer, für mich eigentlich nicht mehr das Thema.
Und ich möchte noch ein kurzes Beispiel bringen für Leute, denen das Thema wirklich vorbeigeht. Ich hatte mal in einer Beratungsrunde eine Unternehmerin, etwas älter, die war völlig irritiert und verängstigt, glaube ich, also sagen wir mal verunsichert, was das Thema Social Media anging, weil alle sagten, wir müssen Social Media machen. Diese Frau hat noch ein Büroservice für asiatische Firmen, also eine deutsche Telefonnummer, deutsche Mailadresse, wahrscheinlich auch deutsche Webseiten für asiatische Kunden. Und sie hat letzten Endes nichts anderes gemacht, als bestimmte Anfragen halbautomatisch beantwortet und andere Dinge weitergeleitet nach Asien und das dann wieder zurück nach Deutschland transferiert und ist zwei oder dreimal im Jahr nach Asien geflogen und hat sich dort persönlich mit den Kunden getroffen, abgesprochen und so weiter.
Und da sie diese Firma anscheinend auch nicht vererben wollte, konnten wir ihr dann sagen, Mädel, du machst alles richtig. Diesen persönlichen Kontakt zu deinen Kunden, das ist das Entscheidende. Den Rest, den du in Deutschland machst, ist auch gut. Du brauchst keine Angst vor Facebook, Xing oder sonstigen Medien haben, weil das dein Geschäftsmodell überhaupt nicht betrifft. Und die Frau war auch glücklich und zufrieden und ist dann sehr beruhigt nach Hause gegangen.
Ja, also ist ja auch so, dass das einfach nicht für jeden was ist. Wir machen Software, unsere Projekte dauern Monate bis Jahre. Ich kriege all unsere Projekte ausschließlich über persönlichen Kontakt. Und ich habe einmal versucht, Google-Anzeigen zu schalten, aber ein Klick auf IoT kostet 18 Euro. Wenn überhaupt eine Anfrage kommt über so eine Online-Kanal-Geschichte, dann ist das jemand, den kenne ich nicht, das ist jemand, der kennt mich nicht. Und ich habe noch nicht erlebt, dass da ein qualifizierter Kontakt kam.
Nein, es gibt einfach auch nicht wenige Beispiele, wo das einfach überhaupt nicht funktioniert. Meine Frau als Filmemacherin, diese Branche ist so klein, so speziell, die wird nie, nie, nie einen Auftrag über das Internet bekommen, sondern die, dass Dutzend oder zwei Dutzend Redakteure deutschlandweit die potenzielle Auftraggeber sind, kennt sie persönlich, die kennen sie, die wissen, was sie macht, ist so. Also da gibt es einfach auch Beispiele, wo es einfach dann wirklich nicht funktioniert.
Man muss halt nur herausfinden, ob das auf einen zutrifft oder ob man übermorgen abgestellt ist. Ja, okay. Ich glaube, wir können das noch Stunden und Stunden weiterführen. Aber ich komme mal zu den Abschlussfragen, bevor wir alle anderen langweilen. Wie hältst du dich zu dem ganzen Thema aktuell? Also was hörst du, liest du, guckst du, um aktuell zu bleiben?
Ich muss auch in zwei Bereichen aktuell bleiben. Das eine ist von mir aus die Technik. Da gönne ich mir ab und zu mal den Luxus selber zu programmieren oder Dinge, die meine Programmierer machen, nochmal selber nachzuvollziehen. Immer wissend, dass die Lungs wahrscheinlich schneller und besser sind, aber so die Grundlagen muss ich einfach kennen und können. Und das Zweite ist, mit einem gewissen Abstand das betrachten, was um mich herum passiert. Zeitungen lesen, wir Menschen reden, zu reflektieren, was passiert hier wirklich, um einfach die Zusammenhänge zu verstehen und zu begreifen.
Und gibt es da bestimmte, also ist das die Tageszeitung oder gibt es da bestimmte Medien, die du...
Also wenn ich für Medien, ja, was ich absolut schätze, ist den Deutschlandfunk. Und da auch die Presseschau am Morgen, weil ich da das Gefühl habe, ein mindestens 350, wenn nicht sogar 360 Grad Meinungsbild zu bekommen, um einfach auch Meinungen zu hören, die ich vielleicht nicht ganz so gut finde, aber die einfach auch wichtig sind, mal gehört zu haben. Sonst kann ich ja auch nicht dazu lernen, wenn ich mich nur so... Und ansonsten, ja, die Nachrichten bei MTV, also oder bei Spiegel Online, das sind so die wesentlichen.
Okay, werde ich verlinken. Die Menschen, die man so trifft, kann ich nicht verlinken, das muss jeder für sich selbst hinkriegen. Ja. Ja, dann die Abschlussfrage ist, gibt es jemanden, den du gerne in einem zukünftigen Interview hier vor mir sitzen hättest?
Also spontan würde ich Jörg Janssen sagen, den ich deswegen schätze, weil er sehr reflektiert ist und in seiner Arbeit eine sehr hohe Methodenkompetenz hat, was für mich für eine sehr hohe, technisch gesprochen, Wiederholgenauigkeit führt. Ich habe einfach selbst die Erfahrung gemacht, dass wenn man mit bestimmten guten Methoden an Fragestellungen herangeht, dass man dann sehr schnell sehr weit kommt. Und das halt immer wieder. Und das ist für mich ein Wert an sich. nichts gegen Bauchgefühl, aber gerade wenn ich, sagen wir mal, viele verschiedene Projekte habe und da immer wieder zu guten Ergebnissen komme, dann finde ich das wertvoller, als wenn man ab und zu mal in einem Einzelprojekt Top-Leistungen erbringt.
Auf jeden Fall.
Ja, das ist das.
Okay, ja, vielen Dank. Ich werde versuchen, da zu einem Interview zu kommen. Das war die 23. Folge unseres Podcasts Wege der Digitalisierung. Vielen Dank fürs Zuhören. Alle Informationen, Links und so weiter, was man irgendwie online nachvollziehen kann, werden wir verlinken in den Shownotes zu dieser Episode auf wegederdigitalisierung.de. Das hier ist die 23. Folge. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.