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E01624.01.201836 Min

Warum brauche ich Werte um die Digitalisierung zu meistern?

Im Gespräch: Robert Wiechmann (Agile Coach)

Titelbild zu E016: Warum brauche ich Werte um die Digitalisierung zu meistern? – Robert Wiechmann (Agile Coach)

Worum es geht

Robert Wiechmann, Agile Coach, spricht über Werte in der agilen Transformation und ihre Rolle bei der Digitalisierung.

Robert Wiechmann ist Agile Coach und Autor. Er unterstützt Unternehmen bei der agilen Transformation. Sein Fokus liegt auf Werten, Kultur und menschzentrierten Prozessen.

Er beschreibt Agile als Arbeit in kleinen, cross-funktionalen Teams mit schnellem Feedback und ständigem Experimentieren. Digitalisierung sieht er als ständigen Wandel, der Organisationen vor neue Herausforderungen stellt.

Werte sind für ihn entscheidend. Sie müssen gelebt werden, nicht nur an die Wand gepinnt. Unternehmen, die nur auf Kosten und Geschwindigkeit setzen, verlieren den Blick auf Mitarbeiter und Kunden.

Er sieht agile Prinzipien auch außerhalb der Softwareentwicklung, etwa in der Medizin. Der Erfolg hängt von Führungskultur und Verantwortungsübertragung ab, nicht nur von Tools wie Scrum oder Kanban.

Ursprüngliche Shownotes 24.01.2018

Es gibt heute keinen Status Quo mehr. Aber wie reagiert man als Organisation darauf? Was macht das mit meiner Produktentwicklung und mit den daran hängenden Prozessen? Die Antworten dazu gibt uns heute Robert Wiechmann, Autor, Berater und Agile Coach.

Robert unterstützt Organisationen bei ihrer agilen Transition. Neben dem Aufbau und der Beratung von Scrum- und Kanban-Teams, widmet er sich dabei vor allem der Organisation als Gesamtbild. Denn die Einführung von agilen Methoden in einer kleinen Ecke (meistens der Produktentwicklung) bringt erstmal gar nichts, solange sich die Organisation nicht als Ganzes mitentwickelt.

Robert arbeitet praxisorientiert und immer auf Augenhöhe. Er scheut sich nicht davor, auch unbequeme Dinge anzusprechen. Da ich vor einer Weile mit Robert gemeinsam in einem Team gearbeitet habe, kann ich das mit gutem Gefühl bestätigen. Aus dem Grund ist Robert ebenso Berater für Führungskräfte und Manager, wie Mentor und Trainer für die Teams mit denen er arbeitet.

In unserem Interview erzählt Robert viele anschauliche Beispiele, wann eine agile Transformation hilfreich und sinnvoll ist, wie man sie umsetzt und wo die Fallstricke lauern. Wer Produkte entwickelt oder die Entwicklung von Produkten verantwortet, wird in diesem Interview ein paar spannende Dinge lernen.

Viel Spaß beim Zuhören!

Links aus dem Interview:

Transkript

4.290 Wörter

Automatisch erstellt (Whisper), nicht korrigiert. Namen und Fachbegriffe können falsch geschrieben sein. Ein Klick auf eine Zeitmarke springt im Player dorthin.

Hallo und herzlich willkommen zur 16. Folge von Wege der Digitalisierung. Heute spreche ich mit Robert Wichmann. Robert ist Agile Coach. Wir haben uns vor zwei, drei Jahren schon einer Weile kennengelernt, als ich als Freelancer bei Wer liefert was war und Robert da als Agile-Coach beschäftigt war. Von daher werden wir heute über agile Softwareentwicklung, das Thema Agile im weiteren Sinne sprechen und was Digitalisierung aus Roberts Sicht ist, der Software-Teams begleitet, Produkte zu entwickeln und letztendlich darüber hinaus Organisationen entwickelt. Sag du mal, was machst du als Agile-Coach?

Was mache ich als Agile-Coach? Ja, vielen Dank für die Einladung, Nils, erst mal. Ja, meine Aufgabe ist es eigentlich, in ein Unternehmen zu gehen und Teams dabei zu unterstützen, dass sie halt ihre Ziele erreichen. Das ist so mein wesentlicher Aspekt. Ich schaue, dass Prinzipien und Werte in Unternehmen einfließen. Das ist so mein vordergründiges Ziel. Ja, die Aufgaben können sehr vielfältig sein, von Begleitung einiger Führungskräfte hin zu Begleitung von großen Teams, Abteilungen, ganzen Organisationen bis hin zu Schulungen, Trainings ist alles dabei und immer wieder sehr spannend.

Was ist Digitalisierung als Thema so in deinen Augen? Was siehst du da?

Also für mich ist Digitalisierung immer so ein Zwicken in die Seite, also ein ständiges Verlassen der Pfade, ein tägliches Verändern. Es gibt irgendwie keinen Status quo mehr und immer wieder die Herausforderung, sich neu zu hinterfragen als Persönlichkeit, aber auch als Organisation. Die Geschwindigkeit, mit der die Digitalisierung voranschreitet, führt halt einfach dazu. Und ich sehe in vielen Unternehmen einfach auch die Herausforderung, die damit einhergeht, dass diese Geschwindigkeit oftmals nicht, oder dass Unternehmen nicht her der Lage werden durch diese Geschwindigkeit, weil natürlich die Komplexität einfach auf das Unternehmen wirkt.

Also in vergangenen Interviews kam das ja auch schon so als Tenor durch, dass Digitalisierung eigentlich kein Technologiethema letztlich ist, dass das immer so der Stein des Anstoßes ist, aber dass es eigentlich ein Menschenthema ist, ein Prozessthema, ein Kulturthema. Höre ich jetzt aus deiner Antwort auch so raus?

Ja, man sagt auch nicht umsonst, dass es die Revolution ist, die vierte sozusagen. Und das merkt man natürlich halt auch, dass es jeden betrifft, vom Unternehmen bis zum Individuum.

Ja, ich glaube, um das so ein bisschen klarer zu kriegen, würde ich doch direkt mal eben die Frage nach der agilen Softwareentwicklung hinterherstellen. Du bist Buchautor, du hast die zweite Auflage deines Buches schon rausgebracht vor einem Jahr. Fun Fact, das war das erste Buch über agile Softwareentwicklung, das ich gelesen habe.

Sehr gut, guter Einstieg.

Genau. Deswegen sitzen wir ja auch wahrscheinlich heute hier. Am Ende führt uns das alles irgendwie so zusammen. Ich glaube, den Begriff Agile, agile Softwareentwicklung, hat heute eigentlich jeder irgendwie gehört. Ich weiß aber aus Erfahrung, dass die meisten Leute trotzdem kein besonders klares Bild haben, was das denn wirklich ist. Vielleicht magst du da einfach ein paar Sätze zu sagen. Was ist der Grundgedanke? Was steckt dahinter? Warum macht man das? Warum ist das eine gute Idee? Was ist es vielleicht auch alles nicht?

Agile ist natürlich so ein Begriff geworden, der halt durch viele Münder geht und viele unterschiedliche Sichtweisen hervorruft. Und für mich ist Agile halt die Arbeit in kleinen cross-funktionalen Teams, die häufige Auslieferung von Softwareprodukten und das schnelle Einsammeln von Nutzerfeedback, was heutzutage ja auch sehr, sehr wertvoll ist. Für mich vielmehr ein Punkt, der wichtigste Punkt, der Fokus auf Werte und nicht so sehr auf den Output oder auf Kosten, auf das Kapital. Dass einerseits immer dieser Blick auf den Kunden, aber halt auch auf die Mitarbeiter im Unternehmen da ist. Wie agieren wir untereinander? Das Kulturthema. Und ein ständiges Experimentieren mit den Prozessen und Herausforderungen.

Das ist für mich so dieser agile Begriff. Und viele wollen dahin und stoßen dann natürlich auf Schwierigkeiten. Es kam in der Praxis. Das Buch war damals halt ein Anstoß, das Ganze in ein klareres Bild zu bringen. und viele können sich darunter jetzt auch besser was vorstellen.

Ich komme ja aus der Embedded Software ursprünglich und zu dem Zeitpunkt Scrum, davor war es Extreme Programming und davor war es bestimmt noch irgendwas anderes. Also über agile Softwareentwicklung wurde schon an vielen Stellen geredet und es gab schon ganze Bereiche der Softwareindustrie, die das genutzt und umgesetzt haben. in der Embedded Software Welt ist das zumindest vor drei Jahren noch nicht so angekommen gewesen, ich weiß nicht wie das heute ist ich würde jetzt sagen im Prinzip hängt das so zusammen, also dass diese agile Bewegung entstanden ist heißt ja auch es kommt irgendwo aus dieser Softwarekrise als auf einmal Software teurer war als die Hardware und Projekte nicht fertig wurden, Probleme kennt man irgendwo, in der Embedded Welt ist es leider immer noch nicht so umgesetzt, deswegen habe ich diese Probleme die anderswo schon gelöst waren, da immer noch genauso kennengelernt.

Jetzt ist die Frage, siehst du, dass dieses agile Denken irgendwo in andere Industrien reinwächst? Vielleicht müsste man das den Leuten in Berlin für den Flughafen mal geben. Kann das funktionieren? Oder ist das was, was rein auf Softwareentwicklung gemünzt ist und was darüber hinaus eigentlich kein...

Nein, ich bin total der Meinung, dass das funktionieren kann. Wir sehen das ja auch in anderen Bereichen wie der Medizin beispielsweise. Es braucht halt einfach Zeit und es braucht ein anderes Mindset, vor allem in den Führungsetagen meines Erachtens. Ich glaube, die Unternehmen, die jetzt diesen agilen Weg eingeschlagen haben, haben halt sehr viel Wert darauf gelegt auf Geschwindigkeit. Was aber vergessen wurde bei dem Ganzen, ist der Mensch, der dahinter steht, meines Erachtens. Ich glaube, da müssen Unternehmen jetzt investieren. Also Skram und Kanban anzuwenden oder XP ist das eine, aber das Individuum dann halt auch nach vorne zu holen, das in die Kultur mit einfließen zu lassen, nicht nur Werte an die Wand zu pinseln, sondern sie halt auch dann spürbar, erlebbar zu machen.

Das ist so eines der wesentlichen Aspekte und ich glaube, so einige Industrie tun sich schwer damit, aber auch das wird kommen, weil sie einfach ansonsten meines Erachtens keine Chance in der heutigen Zeit haben.

Jetzt haben wir eine Definition von Digitalisierung und eine von agiler Softwareentwicklung und in beiden kommt Feedback vor. Jetzt ist Digitalisierung etwas, was uns einfach schnelle Feedbackzyklen vor die Tür wirft und wir können damit machen, was wir wollen. Bei der agilen Softwareentwicklung hat man im Prinzip diese schnellen Feedbackzyklen geschaffen, um schneller, besser zu werden und kundenzentrierter zu werden. Siehst du da Zusammenhänge in der Richtung? Also wird die Digitalisierung vielleicht immer schneller aufgrund von Methoden wie agiler Softwareentwicklung oder ist das andersrum? Könnten wir der Digitalisierung gar nicht standhalten, wenn wir nicht unsere Methoden anpassen? wie zum Beispiel mit Agila Software mitmachen?

Also ich glaube ersteres, dass halt schon die Geschwindigkeit und ja auch dieses Ausgründen jetzt der vielen Startups dafür sorgt und der große Markt, der globale Markt einfach dafür sorgt, dass Geschwindigkeit das Thema Nummer eins ist für Unternehmen und dass die Agilität dort schon dafür sorgt, dass Schnellprodukte in einer kleineren Version beispielsweise am Kunden sind, getestet werden können und so zu einer schnelleren Marktreife einfach kommen. Also diesen Vorteil sehe ich schon, weil wir umgeben uns ja, ich weiß nicht, wie viele Apps du auf deinem Telefon hast und wie viele davon schon ausgereift sind oder eben nicht. Ja, ich glaube, das ist einfach so ein eines der wesentlichen Aspekte, dass einige schon diesen Weg gegangen sind. Gleichzeitig sehe ich aber halt auch, dass diese Geschwindigkeit, die die Entwicklung dann mit sich bringt, ja, und dass der Kundenfokus teilweise dann halt auch zu Ungunsten der Mitarbeiter im Unternehmen einfach passiert.

Und da würde ich gerne mehr Wert schöpfen, also Werte und Prinzipien einfach mit einfließen lassen. Hat das deine Frage beantwortet?

Ja, doch. Das Thema mit den Werten finde ich total spannend, weil das ist was, was ich schon lange irgendwo für mein persönliches Leben habe, dass ich mir früh klar geworden bin, was ich was ich will, was ich auch nicht will und dass ich dann auch konsequent die Entscheidung danach treffe. Wir haben für Lionizers uns unsere Werte frühzeitig gesucht und leben danach. Jetzt ist das für mich als Individuum einfach, das ist für mich als Gründer einer jungen Firma einfach, weil wir, also es gibt nichts was wir verändern müssen. Ich bin mir sicher, dass du da Schwierigkeiten erlebst in deiner täglichen Arbeit, dass das für ein alteingesessenes Unternehmen mit Leuten, die schon lange bestimmte Aufgaben tun, dass das schwierig ist, nachträglich Werte zu verändern. Aber ich denke, manchmal wird es nötig sein. Die Frage ist, gibt es da Best Practices?

Nein, die Best Practices gibt es eigentlich nie. Wenn, dann muss man schon das ganz Ganze sehen und Unternehmen sind halt einfach sehr unterschiedlich und das genau ist halt die Komplexität, die es mit sich bringt, da auch diesen Wandel voranzutreiben, weil am wenigsten wird gerne über die sozialen Aspekte gesprochen in Unternehmen, sondern es geht halt eher immer um das, wie verdienen wir unser Geld und manchmal tritt sogar der Kunde da in den Hintergrund. weil es irgendwie nur ums Geldverdienen geht und die Schnelle Mark, in Anführungszeichen. Ich persönlich finde halt, dass mit der Digitalisierung eines oder etwas in Unternehmen passieren muss, dass sie halt hin wieder zu Werten gehen, dass sie auf ihre Mitarbeiter schauen und den Mitarbeitern halt auch wieder herausheben, um für die Kunden, also wir sind jetzt bei Individualität, wir sind bei den Produkten, die wir anbieten für die Kunden, immer mehr bei individuellen Produkten, um auch diese Individualität dann herstellen zu können.

Und das ist sozusagen ein ständiger Feedback-Zyklus mit dem Kunden und dann halt auch entsprechend innerhalb der Teams. Und ich finde, was für mich in dieser ganzen Diskussion zu kurz kommt, ist, dass man halt auch nicht nur diese Denke weg vom, ich möchte der Beste in der Welt sein, hinzu, ich möchte der Beste für die Welt sein. Also, dass ich so diesen globalen Gedanken halt in mein Unternehmen einfließen lasse, dass mir diese Werte wichtig sind, dass ich darauf schaue, was kann ich lokal, regional beispielsweise tun und verändern und nicht immer nur darauf schauen, wie kann ich größer werden und globaler. Ich glaube auch diese beispielsweise Vorteile, Firmen in China zu gründen oder in China entwickeln zu lassen oder Softwareentwickler in Indien einzukaufen, das wird sich auf kurz oder lang einfach auflösen, weil diese Vorteile heutzutage gar nicht mehr so eine Rolle spielen.

Ja, das stimmt. Also was Dienstleistungen wie Softwareentwicklung angeht, sehe ich das, dass die Preise da einfach auch ansteigen und letztendlich die Komplexität das oft gar nicht hergibt. Ich habe lustigerweise jetzt gerade gehört mit diesen ganzen Methoden, 3D-Druck und so weiter. Das bewegt sich ja auch auf so einer exponentiellen Kurve, was da Marktreife und so angeht. Damit wird es auf einmal wieder billiger, vor Ort zu produzieren. Weil die Produktion momentan über die Personalkosten im Fernost halt günstig ist, aber wenn die Personalkosten wegfallen, weil es nur noch automatisiert ist, dann kann es sein, dass einen das irgendwo wieder in völlig andere Umwälzungen bringt.

Richtig.

Feedback. Wir hatten es am Anfang schon, jetzt war es eben wieder dabei. Also wir haben letztendlich die Digitalisierung bringt uns Feedback-Zyklen zu unseren Kunden. Würdest du sagen, dass die im Unternehmen dann einfach noch fehlen? Also letztendlich, wir haben auch heute in einem Unternehmen Slack und WhatsApp und MetaMost und was weiß ich nicht alles für Tools. Also es wird ja einfach alles immer transparenter. Die Unternehmen können ihren Kunden gegenüber nicht mehr verheimlichen, was da teilweise für schräge Nummern laufen. Weswegen man da...

Ich weiß nicht, was du meinst.

Kann sich jetzt jeder selbst ausdenken. Und genauso ist es ja im Unternehmen, dass sich Dinge einfach nicht mehr verheimlichen lassen, die lange Zeit einfach verheimlicht wurden vielleicht.

Vor allem reagieren, also das Beispiel Flurfunk, also die Führungsetage weiß mehr und irgendwie sickert das durch oder wie auch immer. Aber diese Themen heutzutage noch so zu spielen, wäre einfach falsch, weil Mitarbeiter da halt auch schon den Shift im Kopf haben. Und ich bin da halt bei der Transparenz und das schnelle Feedback halt auch im Unternehmen. Das ist eines der wesentlichen Punkte, die halt auch wichtig und ein Wettbewerbsvorteil sind. Also da auch schnell innerhalb des Unternehmensfeedback beispielsweise über die nächsten Ideen einzusammeln und sie nicht einfach in den Raum zu stellen. Ja, wir machen jetzt das und wir fahren das und alle so, oh, ja, okay, verstehe ich nicht oder kann ich nicht mittragen oder was auch immer das Thema ist.

Sondern so eine Einbeziehung muss da einfach an einem sehr frühen Zeitpunkt stattfinden.

Wenn du jetzt an die Kunden denkst, die dich ansprechen, die dich buchen, denen du hilfst, das Ganze umzusetzen, mit welcher Geisteshaltung kommen die? Kommen die und sagen, die Welt läuft uns weg, wir müssen was tun, um irgendwie mitzukommen, um nicht unterzugehen? Oder sind das die Vordenker, die sagen, wir wissen, dass das der richtige Weg ist und wir wollen den gehen, weil es uns einen Marktvorteil verschafft?

Ja, es ist so ein bisschen beides. Es ist gemischt und die Gründe sind sehr unterschiedlich. Viele kommen einfach nur mit der Frage, wir wollen agil sein. Und ja, gut, dann muss man da sehr viel Aufklärungsarbeit noch tun und sprechen und reden. Und letztendlich geht es schon darum, um Veränderungen und um beispielsweise eine engere Zusammenarbeit mit dem Kunden herzustellen. Und da sind die Unternehmen häufig gar nicht, sondern die sind eher bei sich. Wie können wir uns optimieren, verbessern, schneller werden, effektiver, effizienter? Das sind dann die Begriffe. Aber es geht halt häufig nicht um die ganze Wertigkeit des Unternehmens oder der Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette, sondern es geht dann halt auch immer nur so auf den Kostenblick oder wie können wir schnell zum Geld kommen.

Da muss man viel Arbeit, Aufklärungsarbeit leisten, dass man das auch hindreht zum Kunden, zur partnerschaftlichen Einbeziehung des Kunden, die ja heutzutage oftmals noch gar nicht so gesehen wird, weil einfach auch Verträge oder so geschlossen werden, dass da irgendwie Paragrafen hinterhängen, die eine Partnerschaft beispielsweise gar nicht zulassen.

Wenn du da in Richtung Management denkst, also ich meine, agile Werte bedeuten ja zum Beispiel unter anderem Verantwortung so weit wie möglich ins Team geben. Wenn ich jetzt an so ein paar Firmen denke, in denen ich schon irgendwo mitgearbeitet habe, dann ist das nicht der Modus mit denen, die so funktionieren. Also da wird Macht anders verteilt und da wird Verantwortung anders verteilt und da hängen dann oft auch Befindlichkeiten dran. Das passt ja, wenn man dieses Agile konsequent bis zum Schluss umsetzt, nicht zusammen. Das muss doch für dich genau das Spannungsfeld sein, dass dich jemand einsetzt und sagt, mach mal die da unten irgendwie effizienter und du denen dann sagst, ja, das bedeutet aber, dass wir beiden reden müssen.

Genau, diese Wesenshaltung ist halt bei vielen noch da. Und häufig ist die Intention einfach gut, aber man merkt dann in der Zusammenarbeit, dass da Muster bestehen und dass eigentlich vielleicht der direkte Auftraggeber eher die Beratung braucht oder das Coaching dann in dem Falle als das Team, was dahinter steht. Und das ist immer so eines der Schlüsselmomente, wo man dann in eine Situation kommt, wo so ein Aha-Effekt auch einfach da ist, wenn man darüber redet. Aber dieser Shift zu, wir brauchen ein neues Führungsverständnis, ich unterstütze meine Leute, ich bereite irgendwie Wege, dass sie arbeiten können, Ich übergebe das an ein Team, was cross-funktional zusammengestellt ist, also übergreifend über alle Disziplinen, die notwendig sind.

Und das muss noch einhergehen. Und auch dieses Rollenbild von CTO, CEO oder was auch immer da für ein Titel hinter steht, dass das sich genauso integriert. Und dass man da auf einer Ebene spricht. Egal, wer im Unternehmen spricht, irgendwie sollten alle das gleiche Wissen verstehen und die gleiche Sprache sozusagen anwenden.

Es gibt ja die Unternehmen, die irgendwo Softwareentwickler beschäftigen, weil Software ein Kernanteil ist. Und die haben alle miteinander das Problem heute, Fachkräftemangel. Man kriegt einfach nicht so viele so gute Softwareentwickler, wie man gerne hätte. Das heißt, die überhaupt zu kriegen, ist ein Riesenkrampf. Und sie dann zu halten, ist ein noch viel spannenderes Problem. Das heißt, da ist irgendwo dieses ganze Thema Mitarbeiterzufriedenheit irgendwo ein Riesenthema. Und ich habe gelernt aus dem Buch von dem Jeff Sutherland, der Scrum erfunden hat, der schon in den 50ern erste Gedanken dazu hatte, der hat an irgendeinem Punkt gesagt, Glück oder Zufriedenheit im weiteren Sinne ist der einzige Indikator, den du als Frühwarnsystem nutzen kannst.

Man kann ja eigentlich alles heute irgendwie messen und die meisten Metriken, die man anwenden kann, ob man jetzt an Umsatz oder Clickthrough oder irgendwas Digitales denkt, Das ist alles retrospektiv. Also ich kann am Monatsende sehen, dass wir nicht genug Geld auf dem Konto hatten. Aber wenn ich so eine Glücksumfrage, klingt jetzt esoterisch, aber irgendwie Zufriedenheit nehme. Wenn ich da einen Einbruch sehe, dann werde ich das einen Monat oder zwei Monate später irgendwo in Mitarbeiterfluktuation oder Umsatz oder irgendwas sehen. Ich finde das total plausibel. Wenn ich an die Momente denke, an denen ich irgendwann das Handtuch geworfen habe, dann war das, nachdem ich eine ganze Weile frustriert war und irgendwann gesagt habe, ich ändere hier nichts mehr, dann gehe ich halt.

Es gibt für mich als Softwareentwickler genug Jobs da draußen. Ich finde, daraus ergeben sich zwei Fragen. Das eine ist, ist den Unternehmen es bewusst, dass dieses Thema Mitarbeiterzufriedenheit ein Frühwarnsystem ist und wird das angewendet? Und das andere bedeutet das vielleicht, dass so Sachen wie Scrum und agile Denkweisen eigentlich nur in den Bereichen Fuß fassen können, wo es diesen Fachkräftemangel gibt. Sprich, wenn ich an irgendeine Branche denke, in der die Arbeitslosigkeit immer noch gegeben ist und hoch ist, wo ich gar nicht diese Luxussituation als Softwareentwickler habe, sondern froh sein muss, wenn ich einen Job habe und den auch morgen noch habe.

Also ich glaube, um die zweite Frage vorwegzunehmen, die Luxussituation gibt es heutzutage nicht mehr, weil halt einfach in allen Bereichen der Gesellschaft die Digitalisierung voranschreitet und ich mich mit dem Thema auseinandersetzen muss. Und ich bin auch gar nicht so überzeugt, ob es einen Fachkräftemangel wirklich gibt. Und ich bin aber überzeugt davon, zu deiner ersten Frage, dass es vielleicht andere Wege gibt oder Unternehmen halt auch eine Chance haben, Fachkräfte zu halten. Also im Medizinbereich sind Ärzte beispielsweise ja auch Mangelware. Und warum ist das so, könnte man sich fragen. Also unter welchen Bedingungen wird da zusammengearbeitet, gearbeitet? Und wenn wir das jetzt auf unterschiedliche Industrien einfach anwenden, dann sehe ich schon in der Agilität eine hilfreiche Schlüsselkomponente, einfach weil es wieder um das Individuum geht.

Und wenn ich das richtig anwende, dann kann ich natürlich auch die Zufriedenheit meiner Mitarbeiter im Unternehmen wieder erhöhen oder ihnen zumindest einen Wert zukommen zu lassen oder den Wert Zufriedenheit wichtig für das Unternehmen zu machen.

Ist den Unternehmen das vorher bewusst, was da am Ende ja letztendlich auch einfach in der Bilanz dranhängt? Also dass man erstmal denkt, naja, Werte, Wischiwaschi, Esoterik, aber dass das am Ende einfach sich in Geld...

Ich habe beides erlebt. Jetzt müssen wir über dieses Wertethema reden. Wir haben doch da welche, hier ziehe ich mal aus der Schublade. Die andere Seite, wo ich merke hier, die Mitarbeiter fordern das, dass wir da einen anderen Weg gehen und die verstehen, was sich verändert. Und wir müssen uns als Unternehmen verändern, auch die Geschäftsführung. Also wir müssen uns anders aufstellen. Also diese beiden Pole gibt es da. Und zum Ersten auch nochmal eine Anekdote. Ich habe auch mit Unternehmen zusammengearbeitet, wo es dann um Werte ging und diese Werte mussten erneuert werden. Und dann habe ich diesen Prozess begleitet und irgendwann wurde ich aus dem Prozess genommen, weil Marketing diese Werte dann entwickelt hat.

Und dann wurden sie nachher schön, wie gesagt, angekündigt. ins Wiki gestellt, ausgedruckt, als Poster aufgehängt. Und dann bin ich nach ein paar Wochen in so eine Geschäftsführerrunde gegangen, habe gefragt, habt ihr eigentlich mal nach den Werten gelebt? Und sagt mir doch mal Beispiele. Und dann war Schweigen im Raum. Und dieses Verordnen funktioniert halt einfach nicht. Also ich als Persönlichkeit muss bei mir selber anfangen und ich muss das täglich zeigen, vorleben, um da auch eine Veränderung daraus zu entwickeln.

Also wenn ich jetzt gucke, hier in meinem Bücherregal steht eine ganze Reihe Bücher auch so über Führung und Leadership und so. Das ist jetzt in unserer kleinen Firma vielleicht alles noch ein bisschen nicht so anwendbar, aber das sind teilweise Bücher aus den 70ern, 80ern, wo genau das schon irgendwie drin stand, was offensichtlich noch nicht in allen Firmen angekommen ist und gelebt wird. Glaubst du, dass das durch diese, also wenn wir jetzt mal sagen, Digitalisierung ist ein Trend, der ist da, kann man gut finden oder nicht, lässt sich jetzt aber nicht aufhalten. Agile Entwicklungen sind zumindest im Markt auch so ein Thema, was irgendwo Fuß fasst und in viele Unternehmen reinrutscht. Wird das dazu führen, dass die Unternehmen diese Leadership-Themen jetzt ernster nehmen müssen, besser umsetzen werden oder halt irgendwo vom Markt verschwinden werden?

Ich glaube, die Auseinandersetzung ist zwangsläufig, muss jetzt erfolgen, weil Unternehmen haben halt auch jetzt, du sagst es halt über die letzten Jahrzehnte, vielleicht noch aus einer Luxusposition agiert. Da bestehen Strukturen und Prozesse, Kommunikationswege, Kulturen, die natürlich sehr lange brauchen, um vielleicht eine Veränderung mal spürbar zu machen. Otto beispielsweise arbeitet ja schon sehr lange daran Und das ist ein Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern und da malen die Mühlen natürlich auch langsam. Aber ich glaube, die Chance besteht halt auch immer darin, wirklich in kleinere Einheiten zu denken. Also wieder, wenn ich vorhin von lokal, regional gesprochen habe, dann rede ich im Unternehmen halt von kleinen Teams, kleinen Organisationseinheiten, um Geschwindigkeit halt wieder mit reinzubringen, weil Organisationen beschäftigen sich ja, wenn man mal, also wir kennen das ja aus dem Arbeitsalltag, mit sehr viel Gepäck, ja, also was sie auf den Schultern tragen, was aber überhaupt nichts mit dem Erfolg oder mit dem Geschäft zu tun hat, aber einfach ein Ballast ist, der da Trägheit oder zu Trägheit führt.

Und das ist natürlich etwas, was man jetzt mit dem Voranschreiten dieses Themas sich nicht mehr leisten kann.

Okay, hoffen wir das Beste sein. Ja, also mit den Fragen, die ich mir vorher für wichtig und spannend ausgedacht hatte, bin ich durch. Wenn du jetzt nicht sagst, dass du noch irgendeine große Erkenntnis anschließen willst, würde ich mal so zu den Abschlussfragen kommen.

Gerne.

Ja, du hattest es vorher schon gesagt zu der Frage, was ist das größte Problem, das du für dich digitalmäßig angehen willst. vorhin hast du keine Idee, jetzt hast du eine halbe Stunde Zeit gehabt. Also hast du irgendein Thema im Zuge der Digitalisierung, das du für dich, für deine Arbeit angehen wirst mittelfristig?

Ja, also so richtig habe ich auch nicht eine Idee. Ich habe natürlich immer so die Vision, wie bekomme ich für mich vielleicht auch sinnvolles Feedback, wenn ich mal Workshops oder Aufträge beendet habe, vielleicht auch da über ein digitales Feedback-App oder eine Anwendung nachzudenken. Das finde ich schon sehr spannend, gleich den Austausch dann herzustellen mit hier ist das Material, hier ist das, was wir besprochen haben und gebt mir doch mal gleich Feedback. Natürlich haben Unternehmen häufig auch schon diese Instanzen, aber ich könnte es dann mehr auf mich nutzen, um Münzen, um für mich da das Wertvollste rauszuholen. Also ich mache das natürlich auch direkt immer im Gespräch, aber auch da könnte ich mir vorstellen, dass ich da noch etwas rausziehen kann.

Ja, stimmt, fällt mir da noch nichts an. Ich meine, es gibt so Sachen wie Kununu und so weiter, wo ich mich als Arbeitnehmer, also wo ich meine Arbeitgeber bewerten kann.

Es gibt schon einige Vorreiter bei meinen Kunden, die dann halt auch ein Trainerportal haben, wo man dann sich zu einem Training einbuchen kann. Und dann können später auch die Trainings bewertet werden. Und somit bekommt halt auch der Trainer so ein bisschen so ein geschärftes Profil, was ja ganz schön ist. Und ja, sowas könnte ich mir auch für meine Zwecke vorstellen.

Ja, spannend. Wäre ja sicherlich nicht nur für dich interessant, sondern eigentlich für alle, die irgendwo in einem ähnlichen Film arbeiten. Das stimmt, das stimmt. Ja, cool. Wie hältst du dich aktuell zum Thema Digitalisierung im weiteren Sinne?

Also eigentlich, ich lese da viel. Natürlich bekomme ich viel durch Blogs mit, T3N, Gründerzähne. Das sind so die Quellen, die ich habe. Gerne lese ich auch digitale Transformation. Also nicht Transformation, sondern Tanzformation. Oder auch den Newsletter vom Zukunftsinstitut, die immer auch sehr gute Studien rausbringen. Das sind so eigentlich die wesentlichen Quellen. Gleichzeitig auch mein Freund Holger Milde, der Nearby Mainz gegründet hat, Ein kleines Unternehmen, was sich so auf die Physical Web-Themen bezieht. Und der ist auch für mich so ein Austauschpartner und einer, der sich viel mit dem Thema beschäftigt. Wäre auch mein Vorschlag für dich als nächster Interviewpartner, weil ich glaube, da zur Industrie 4.0 und was man alles mit diesen Beacons machen kann.

Das ist, glaube ich, ein spannendes Thema.

Ja, auf jeden Fall. Das klingt genau nach meinem Thema.

Das denke ich schon.

Ja, perfekt. Dann würde ich sagen, war es das für heute. Vielen Dank. Für deine Zeit, für dein Wissen, für alles, was du uns so erzählt hast. Ja, das war die 16. Episode von unserem Podcast Wege der Digitalisierung mit Robert. Ich werde alle Quellen, alles, was wir so genannt haben im Laufe des Gesprächs, in dem Artikel zu dem Podcast verlinken, wegederdigitalisierung.de. Das war es für heute. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Musik Musik Musik

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