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E01229.11.201743 Min

Wie kann ich schnelles Feedback nutzen, um besseres Fernsehen zu produzieren?

Im Gespräch: Eugen L. Gross (Aiconix)

Titelbild zu E012: Wie kann ich schnelles Feedback nutzen, um besseres Fernsehen zu produzieren? – Eugen L. Gross (Aiconix)

Worum es geht

Eugen L. Gross von Aiconix erklärt, wie künstliche Intelligenz Feedback aus Videobetrachtung nutzt, um Inhalte besser zu gestalten.

Eugen L. Gross ist Gründer von Aiconix, einem Start-up in Hamburg. Er war früher Kameramann und Produzent in der Medienbranche. Seine Erfahrung reicht von analogen Satellitentechniken bis zu digitalen Produktionsprozessen.

Das Unternehmen entwickelt Software mit neuronalen Netzen, die das Nutzerverhalten bei Videobetrachtung vorhersagt. Ziel ist es, Kreative beim Schnitt und bei der Dramaturgie zu unterstützen, indem es zeigt, wo Zuschauer abschalten.

Die Software indiziert Inhalte wie Personen, Szenen und Themen. Sie ermöglicht automatisierte Inhaltsproduktion, etwa durch automatisches Erstellen von Nachrichtenbeiträgen. Das soll relevantere, besser monetarisierte Inhalte schaffen.

Gross betont, dass die Technik nicht den kreativen Prozess ersetzen soll, sondern unterstützen. Er sieht Herausforderungen in der Akzeptanz bei Kreativen und in der Balance zwischen digitaler und analoger Kommunikation.

Ursprüngliche Shownotes 29.11.2017

Wie kann ich die Methoden von heute nutzen, um ganz klassische Medien besser zu machen? Kann  künstliche Intelligenz dabei helfen? Wenn ja, wie kann das funktionieren? Wie kann mir das auch noch einen Marktvorteil bringen? Die Antworten gibt uns heute Eugen L. Gross von der Firma aiconix.ai.

Eugen hat viele Jahre als Kameramann und als Produzent für das Fernsehen gearbeitet. Im Laufe dieser Zeit hat er drei Phasen der Digitalisierung erlebt, die seinen Arbeitsablauf mal mehr, mal weniger verändert haben. Mal ist einfach die Technik einfacher oder leichter geworden, mal ist eine völlig neue Art zu arbeiten entstanden.

Aus den Jahren an Erfahrung in der Branche ist der Wunsch entstanden, die Art wie Filme produziert werden, zu verbessern. Bisher fließt Feedback nur sehr langsam oder indirekt zurück von den Zuschauern in die Produktion. Mit aiconix.ai will Eugen dies ändern, indem Nutzerverhalten und Inhalte gemeinsam analysiert und verstanden werden.

Eugen teilt in diesem Interview ein paar sehr spannende Einblicke in ein Arbeitsfeld, von dem man sonst wenig mitbekommt und gibt uns einen spannenden Ausblick, was uns im Bereich Video in der kommenden Zeit erwarten wird.

Viel Spaß beim Zuhören!

Links aus dem Interview

Buchtipps

  • Meine größte Chance: Wie Fehler uns voranbringen
    Nikolaus Förster
  • Founders at Work: Die Anfänge erfolgreicher IT-Startups. 33 Pioniere im Gespräch
    Jessica Livingston

Transkript

6.755 Wörter

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Wege der Digitalisierung. Wir finden heraus, was Digitalisierung eigentlich alles bedeuten kann. Heute ist unser zwölftes Interview und ich spreche mit Eugen Gross. Eugen ist heute Gründer eines Start-ups, war in der Vergangenheit Kameramann und Produzent und wird uns erzählen, was Digitalisierung in seinem Leben so angerichtet hat, was er heute versucht in der Welt anzurichten mit seinem Beitrag zur Digitalisierung und hat ein paar sehr, sehr spannende Einblicke dazu. Einerseits, weil er gesagt hat, dass er drei Wellen der Digitalisierung als Kameramann erlebt hat. Das ist sehr spannend zu sehen, wie die Technologie da eingeschlagen hat und was sich geändert hat, was sich eben auch nicht geändert hat.

Und dann, wie er dieses ganze Wissen aus den vielen Jahren Arbeit als Kameramann heute nutzt, um die ganze Branche völlig umzukrempeln, wenn das so klappen sollte. Ja, ich freue mich, dass er sich die Zeit für uns nimmt. Vielen Dank, Eugen. Auf geht's mit unserem Interview. Ja, herzlich willkommen zur nächsten Folge von Wege der Digitalisierung. Heute sitzt Eugen neben mir. Wir haben uns vor einer Weile kennengelernt, als er mich interviewt hat, lustigerweise, nach einem Vortrag, den ich gehalten habe über verantwortungsvolle Softwareentwicklung. Im Laufe des Kennenlernens habe ich festgestellt, dass das, was er macht, so spannend ist, dass er unbedingt hier im Podcast mal was erzählen sollte.

Und das kann er viel besser erklären als ich. Von daher herzlich willkommen. Vielen Dank, dass du da bist. Und erzähl, wer bist du? Was machst du?

Danke für die Einladung. Mein Name ist Eugen Gross. Ich bin Gründer des Startups Iconics AI. Wir sitzen derzeit im TU-Tech-Gebäude an der TU Hamburg und entwickeln eine Software, die mithilfe neuronaler Netze das Nutzerverhalten beim Betrachten von Videos vorhersagt. Ursprünglich bin ich ein Kind der 80er Jahre. Da hieß es, komm doch zum Fernsehen, da ist es lustig. Und das habe ich nach der Schule auch gleich gemacht, weil lustige Arbeit und viel Spaß bei der Arbeit und Dinge zu machen, die man gerne macht, nämlich Filme, war das entscheidende Argument, um zum Film zu gehen. Ich komme allerdings auch aus einer kreativen Familie. Mein Papa war Zenor, meine Mutter war Tänzerin. Das heißt, unser Umfeld war natürlich auch vom Film und Fernsehen, Theater.

Und deswegen war es für mich ein relativ leichtes, dort hinzugehen. Ich glaube, dass ich eigentlich ein verkappter Schauspieler war, der sich nur nicht getraut hat, das zu äußern oder auch nicht talentiert genug gewesen wäre, wie ich jetzt glaube, um Schauspieler zu werden. Meine Eltern haben auch immer gesagt, Bub, bitte lern was Anständiges, geh nicht zum Theater. Und als ich dann gekommen bin, habe ich gesagt, ich gehe zum Film. Nein, das ist noch viel schlimmer. So habe ich meinen Weg als Kameraassistent gemacht in Wien, bin dann nach Deutschland gekommen, wurde dann zu einer recht frühen Zeit mit Anfang 20 Kameramann, habe viele verschiedene Genres bedient, viel in der aktuellen Berichterstattung am Anfang gearbeitet, habe dann mich durch Interesse zum Satellitentechniker fortgebildet.

Das waren die Jungs, die mit diesen großen Satellitenschüsseln plötzlich überall auf der Welt eine Live-Übertragung machen konnten. Das fand ich ganz spannend. Das war auch spannend. Das ist eigentlich ein Berufsbild, das ein Diplom-Ingenieur gemacht hat oder jemand, der das richtig gelernt hat. Damals war es so Not am Mann, dass man jeden von der Straße geholt hat, wie mich. Ich hatte einen Tag Einschulung, am nächsten Tag musste ich meine erste Live-Übertragung machen und eine Woche später hieß es, schnell nach Lettland, schnell nach Russland, schnell nach Brüssel. Und habe ich einige Jahre in dem Bereich als S&G-Operator, wie er es richtig hieß, ganz gut Geld verdient und habe dort auch meine erste Digitalisierung erlebt, weil die Digitalisierung von analoger Technik zu digitaler Technik war ein großer Sprung.

Wir hatten zweieinhalb Meter große Schüsseln in der analogen Technik und plötzlich nur 60 Zentimeter in der analogen Technik. Digitalen. Ja, mit der digitalen Technik. Und ich musste in Russland mit 1000 Watt, Face Combined, mit zwei Verstärkern, die bei minus 25 Grad vier Stunden aufwärmen mussten, senden, um nach Europa, also nach Berlin zu kommen. Allerdings war das Satellit über dem Atlantik, also das heißt, da musste ich wirklich richtig weit durch die Atmosphäre senden und das war alles plötzlich mit der Digitaltechnik ein Klacks. Das hat in ein Auto reingepasst, unser Equipment war 600 Kilo schwer, das musste richtig mit einem LKW transportiert werden und teilweise mit Kränen aufs Dach transportiert werden.

Und die Digitaltechnik hat es einfach möglich gemacht, dass man mit einem Laptop und mit einem Abspielgerät und mit einer Kamera, die man mit einem Kabel angeschlossen hat, mit kleiner Technik live gemacht hat. Und das war spannend, hat aber auch dazu geführt, dass ich nicht mehr in diesem Geschäft tätig war, sondern dann wieder mehr mit der Kamera gearbeitet habe. Und dann kam die nächste Digitalisierung für mich. Als Kameramann wurden halt auch die Kameras digital, die Aufzeichnungsmethoden wurden digital. Das hat mich aber in meiner Arbeit weniger tangiert, weil ob da hinten etwas auf Band analog aufgezeichnet wurde oder digital aufgezeichnet wurde, hat für mich keinen Unterschied gemacht.

Und als später eine Festplatte kam, hat es für mich in der Arbeit als Kameramann keinen Unterschied gemacht. Es hat eher in der Verbindung mit dem Kunden eine Geschwindigkeit gebracht, weil man musste das analoge Material nicht in den Avid digitalisieren, sondern man konnte gleich direkt darauf zugreifen und dadurch wurden die Produktionsprozesse sehr viel schneller. Am Anfang absurd, weil es immer zwischen analog und digital mehrfach hin und her gegangen ist. Man hat ja auch noch bei Spielfilmen auf Celluloid gefilmt, hat das Ganze digitalisiert, hat es im Avid geschnitten und ist dann wieder ins Kopierwerk gegangen, hat die Filmschnipsel anhand dessen, wie es am Computer gemacht wurde, wirklich noch manuell zusammengeklebt.

und der Film ist so entstanden, das heißt, da war so eine Zwischenphase, die viel mehr Aufwand war und das habe ich nie verstanden, warum das so passiert, bis dann eben auch der Film und alles, was aufgenommen wurde, digital war und das hat uns die Arbeit sehr erleichtert, hat aber auch dazu geführt und das ist in jedem Bereich der Digitalisierung zu spüren, dass der Arbeitsalltag sehr komprimiert wurde. Man hat eben nicht die Zeit gehabt, sich zwischen der Aufnahme und dem Schnitt das Material nochmal zu sichten, sondern es war immer alles sofort verfügbar. Es musste sofort geschnitten werden. Es musste sofort live sein. Und das hat dazu geführt, dass die Arbeit schon sehr verdichtet wurde.

Und das sieht man ja auch in jedem x-beliebigen Bereich. Wenn man früher einen Brief geschrieben hat oder einen Fax geschickt hat, hat es eine Woche gedauert, bis man eine Antwort bekommen hat. Heutzutage werde ich schon sehr nervös, wenn mein Rechtsanwalt oder Steuerberater nicht innerhalb von 24 Stunden antwortet, wenn nicht sogar innerhalb von einer Stunde. Ich sage gerade Rechtsanwalt und Steuerberater, weil ich das Gefühl habe, dass diese beiden Berufszweige schon noch sehr 1.0 sind. Und zwar E-Mails schreiben, aber mit einer anderen Geschwindigkeit als wir, die in dem Digitalbusiness arbeiten und auch erwarten, dass andere so schnell sind. Da muss ich mich manchmal auch ein bisschen zurücknehmen. Im eigenen Freundeskreis auch, dass manche eben auf eine WhatsApp nicht sofort antworten, sondern ein bisschen brauchen und dann vielleicht als Antwort zurückrufen und mir aufs Band sprechen.

Ja, so ist jeder anders und die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in der Entwicklung der Digitalisierung sind, glaube ich, auch ein Thema, das in großen Unternehmen ein richtig großes Problem ist und viel Gehirnschmalz braucht, um alle abzuholen, alle mitzunehmen, die dann eben auch alle am gleichen Strang ziehen.

Ja, das ist eigentlich, also ich finde, das war ein schöner Bogen, den du gespannt hast. Es ging aus, alles irgendwie von der neuen Technik, also analoge Satellitentechnik, digitale Satellitentechnik und am Ende hat es aber zur Verdichtung deines Arbeitsalltags geführt. Und jetzt kann man sagen, die Medien sind da schon sehr früh bei gewesen, die Digitalisierung irgendwo reinzuziehen. Also letztendlich, ich glaube auch Hamburg at Work als Netzwerk ist ja irgendwo aus der Medienbranche entstanden und heute sind sie Digitalkluster für viele Branchen. Und wie du sagst, es gibt Branchen, die sind da noch nicht so weit wie andere. Aber am Ende kommt es immer irgendwie auf Menschenthemen. Also oft ist die Technik der Treiber und beschleunigt und verdichtet Dinge, aber am Ende sind es ja immer noch Menschen, die irgendwo kommunizieren, zusammenarbeiten, die Arbeit tun.

Und da kommt die Digitalisierung dann irgendwo an und erzeugt vielleicht Probleme, vielleicht Vorteile. Ja, also es ist so der rote Faden, der sich bisher durch meine Interviews zieht. Dass es immer irgendwie mit der Technik losgeht, aber am Ende immer bei den Menschen ankommt und dass das eigentlich die spannenden oder schmerzhaften Probleme erzeugt.

Diese Veränderung in der Gesellschaft durch die Digitalisierung, das geht ja mit so einer rasenden Geschwindigkeit voran. Das sind Veränderungen, die früher über Generationen Zeit gebraucht haben, wie man kommuniziert. Vom Buch bis hin zu täglichen Zeitungen, die Nachrichten, die in einer viel schnelleren Geschwindigkeit zum Kunden gekommen sind, dass man plötzlich weiß, was am anderen Ende der Welt passiert. Und das, was wir jetzt erleben mit der Digitalisierung und mit der Art der Kommunikation, die über den ganzen Globus geht, das geht mit so einer Geschwindigkeit und das ist halt nicht auch immer gut für alle. ist für viele gut. Viele, die vorher abgeschottet irgendwo am Land waren, haben jetzt einen Zugang zu allen Dingen, die wir auch in den Städten haben, zu Informationen. Man kann mit einer kleinen Idee irgendwo in Indien am Land auch ein Business aufbauen, das weltweit arbeitet. Aber es gibt halt auch ganz viele, die auf der Strecke bleiben und das ist ein Thema, wie bringt man die Leute dazu, dass sie das wollen, dass sie mitmachen bei der Digitalisierung und dass sie ihren Vorteil sehen und wie kann man auch wirklich alle abholen und allen, die daran teilnehmen, einen Benefit haben.

Ja, ich denke, das ist ein Thema, das uns alle irgendwo befassen wird, also ich gehe ja davon aus, dass viele der Zuhörer hier irgendwie die Digitalisierung in ihrem Umfeld auch treiben. Also letztendlich hören sie zu, weil sie Interesse daran haben, was ist Digitalisierung. Aber ja, also ich habe schon in unterschiedlichen Interviews unterschiedliche Beispiele bekommen. Also zum Beispiel habe ich den Felix Menden von Wer liefert was interviewt. Und er hat gesagt, dass da im Unternehmen viele Leute sind. Das war mal ein reiner Verlag. Heute ist es eine reine Online-Firma. Die haben es aber geschafft, viele Leute mitzunehmen. Und da ist jetzt ein ehemaliger gelernter Buchdrucker, der noch die eigene Buchpresse bedient hat, der heute SEO-Kampagnen führt.

Und ich habe letzte Woche den Herrn Römer vom Archäologischen Museum Hamburg interviewt. Das wird, glaube ich, die zehnte Folge sein, wenn sie live geht. Und der hat zum Beispiel gesagt, dass Digitalisierung bei denen einfach nur Zusatznutzen erzeugt hat bisher. Dadurch sind neue Stellen geschaffen worden und mehr, also alle haben was davon. Die Besucher, die Leute, die jetzt auch aus München heraus Dinge erfahren können, die sonst nie vor Ort gewesen wären. Da sind einfach neue Stellen geschaffen worden, aber es ist nichts weggefallen. Und andersrum gibt es ganze Branchen, die fallen einfach weg, die werden digitalisiert. Das waren früher Jobs, die hat man als Mensch gemacht, heute machen das Maschinen.

Das sind Menschen, die müssen gucken, wo sie bleiben. Von daher, je mehr ich lerne, desto mehr sehe ich, wie unterschiedlich das auf die Branchen sich auswirkt. Jetzt würde ich gerne hören, lernen, was dein Startup macht. Du hast gesagt, weil du Spaß am Job wolltest, zum Film gegangen. Da ist Startup ja eigentlich genau der konsequente Schritt. Was macht ihr da und was hat das mit Digitalisierung und mit Film zu tun?

Ich habe 2015 bis 2016 ein Masterstudium an der Hamburg Media School gemacht. Das nennt dann das Executive MBA in Media Management. Und habe da sehr viel über Digitalisierung gelernt. Ich war immer sehr technisch affin, aber nie selbst derjenige, der bis ins tiefste Detail eingestiegen ist. Und dort habe ich auch sehr viel darüber gelernt aus Management-Sicht, wofür man Technologie verwenden kann, gerade im Kontext von Medien. Und als es darum ging, eine Masterarbeit zu schreiben und ein Thema zu finden, habe ich mich damit beschäftigt, wie heutzutage die digitalen Player Online-Videos produzieren. Ich habe gemerkt schon in meiner Zeit als Kameramann und Producer, dass es eigentlich plötzlich andere Player waren.

Unsere Auftraggeber haben sich verändert. Es waren halt nicht der NDR oder RTL, sondern plötzlich kamen Produktionsfirmen, die großen Verlagshäusern gehört haben, die anders produziert haben, die mit anderer Technik produziert haben, die schneller produziert haben, eben Online-Videos. Und es wurde lange Zeit, und da habe ich wahrscheinlich auch dazugehört von meinen Kollegen, belächelt, weil die drei Minuten eben in einer Qualität waren, die wir alteingesessene Kameraleute nicht gut fanden. Aber das hat sich auch verändert. Inzwischen gibt es in dem Bereich auch ganz großartige Filme und Beiträge. Und das Sehverhalten hat sich geändert. Ich weiß es von mir selbst, wenn ich etwas finden möchte und eine Information haben möchte, schaue ich selten ein 8-10 Minuten Video, sondern ich möchte das in 1,30 bis 3 Minuten verstanden haben.

Das heißt, für mich als Kameramann oder für diese ganze Produktionskette wurde viel mehr produziert, schneller produziert und es wurde über andere Medien verteilt. Und wenn wir beim Fernsehen, ich habe so klassisch Show und Unterhaltung als Kameramann gemacht, wir haben am nächsten Tag die Quoten bekommen, nicht ich, aber wir haben sie gelesen und haben gesehen, wo die Leute abgeschaltet haben. Und dann haben wir uns natürlich das Produkt angesehen und haben gesehen, okay, der Moderator hat zu lange gesprochen oder es kam ein Musik-Act, der ist nicht gut angekommen. Dann konnte man es einigermaßen zuordnen, aber auch nicht zu hundertprozentig genau, weil es war natürlich immer auch eine gute Ausrede zu sagen, auf dem Parallelprogramm hat Fußball begonnen.

und jetzt ist es so, dass wir sehr viel mehr Daten haben, wir wissen sehr viel mehr über den Zuschauer und die Daten liegen nicht bei uns kreativ. Ich habe in der Masterarbeit rund 100 Videos sekundengenau analysiert und habe versucht zu verstehen, was passiert in der Dramaturgie, wenn viele Leute abschalten. Hat das einen Zusammenhang und das hat einen deutlichen Zusammenhang. Ich habe bis auf ein, zwei Ausnahmen, wo ich auch immer davon ausgegangen bin, dass es auch ein paar Fehlmessungen gab, immer verstanden, wenn 30 Prozent der Personen an einer Stelle abschalten, was da gerade passiert ist. Da kam ein Protagonist ins Bild, die Leute haben abgeschaltet. Er hat also eigentlich lernen können, der Protagonist funktioniert in der Zielgruppe nicht.

Der wurde aber viermal hintereinander eingekauft. Was mein Ergebnis daraus war, das habe ich auch dann hinterfragt, die Daten liegen bei Marketing und Sales in den Verlagshäusern, die mich unterstützt hatten und haben diesen Loop zu den Kreativen, dass die Kreativen erfahren, was funktioniert, was nicht funktioniert, findet nicht statt oder hat nicht stattgefunden, zumindest bei meinen Beispielkunden nicht. Dort ist es auch häufig so gewesen, dass es externe waren, die diese Filme gemacht haben. Und jetzt war mein Gedanke daraus, ja, was können wir denn machen letztendlich? Es geht ja nicht darum, ein mittelmäßiges Produkt gut zu vertreiben, indem man Technologie reinsteckt, um eine große Reichweite zu haben, sondern wir wollen, oder ich als Filmemacher, der das Produkt liebt, möchte doch eigentlich ein besseres Produkt schaffen, dadurch, dass ich die Informationen über die Daten habe.

Und als ich mich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt habe und mit diesen Mustern, Mustererkennung, Vorhersagen, kam der Gedanke, dass wir doch eigentlich diese Daten, die historischen Daten, die wir für jede Zielgruppe haben, relativ genau auch dafür nutzen können, ein System zu trainieren, ein Netzwerk zu trainieren und dem Netzwerk auf der anderen Seite auch die Informationen geben, was in dem Video passiert ist. Und genau daraus ist mein Startup entstanden. Wir trainieren neuronale Netze, wollen eine Vorhersage treffen, wie der Nutzer sich verhält und diese Vorhersage nicht nur dafür zu nutzen, Kreative zu unterstützen, dabei in dem Produktionsprozess, weil sie am Schnittplatz schon sagen, okay, dramaturgisch habe ich einen Fehler gemacht, hier ist 30 Sekunden Smalltalk, nach 20 Sekunden spreche ich mir die Leute ab, vielleicht kürze ich den Smalltalk zwischen dem Gast und dem Moderator oder ich mache daraus zwei Teile und das am Schnittplatz schon zu sehen, würde helfen, die Produkte relevanter zu machen für den Nutzer.

Daraus entstanden ist jetzt nicht nur dieses Empfehlungssystem, sondern auch die automatisierte Erstellung von Content, weil wir gemerkt haben, dass auch in den Archiven oder generell der Content, der zur Verfügung steht, in so großen Massen da ist und das Sichten dieses Contents so lange dauert, unser System aber auch den Content indizieren kann. Das heißt, wir erkennen Menschen, wir erkennen Dinge, wir erkennen Szenen, wir erkennen die Sprache, wir können sagen, worüber gesprochen wird. Und als Beispiel zum Beispiel, wenn man einen Fernsehbeitrag schneidet und im Archiv ein Bild sucht, wo Helmut Kohl mit Brezhnev zusammensteht, so findet man im Archiv wahrscheinlich tausend Hits, aber man weiß nicht, worüber sie an dem Moment sprechen.

Unser System indiziert nicht nur die Personen, erkennt die Personen, sondern man kann auch im Vorfeld über die Indizierung sagen, worüber sprechen die denn gerade. Wenn ich jetzt einen Bild suche, eine Szene suche, wo die beiden vor einem See im Sonnenschein stehen, ist es das Bild, aber wenn ich sage, ich möchte auch wissen, dass sie kurz einen Smalltalk über ihre Frauen halten, auch das ist heutzutage mit der Technik möglich und das würde jemand, einen Filmemacher, wahnsinnig dabei unterstützen, schneller zu produzieren, nicht zu lange zu suchen, vielleicht auch die sozialen Medien zu screenen, das, was über die Agenturen reinkommt, zu filtern und schneller einen Nachrichtenbeitrag zu machen, beziehungsweise was das Endziel für uns ist, automatisiert Nachrichtenbeiträge zu erstellen.

Dass die Storyline, die der Journalist aufschreibt, bebildert wird und automatisiert ein Video dabei rauskommt. Für den Kanal optimiert auf die Zielgruppe, weil wir ja wissen, was die Zielgruppe sich gerne ansieht und wo sie abschaltet. Das heißt, auch die Monetarisierungsmöglichkeiten im Netz sind dann höher, weil ein Nutzer, der ein Video sieht, wird vielleicht das zweite Video sich auch ansehen, wird wieder Werbung sich angucken, man kann es wieder monetarisieren und man hält den Nutzer länger an der Webseite, was ja das Ziel ist, wenn der Content relevanter wird.

Okay, das heißt, ein Benefit sozusagen ist, dass der Content einfach besser wird? Also ihr schließt den Feedback-Loop, den es bisher nicht gibt, obwohl alle Komponenten vorhanden sind?

Ja.

Aber mit dem Automatisieren, also und das wäre ja, würde ich sagen, erstmal ein Punkt, also da muss niemand auf der Strecke bleiben, es gewinnen erstmal nur alle. Aber mit dem zweiten Schritt, wenn das so funktionieren sollte, fällt ja im Prinzip wieder ein Stückchen Job auf einmal auch weg, was aber letztendlich ja oft auch dann eben nicht der kreative Teil ist. Also wenn dann der Journalist die kreative Arbeit leistet, die Storyline aufschreibt und auch genau genug beschreiben kann, was er da gerne für Inhalte, für Bilder, für Content hätte, dann ist das ja eigentlich nur noch ein Malen nach Zahlen, sage ich mal. Und das würdet ihr dann leisten.

Die Jobs sind ja leider Gottes schon weggefallen. Der Journalist, oder aus der Zeit, als ich junger Kameraassistent war, da sind wir rausgefahren für einen Nachrichtenbeitrag, da gab es einen Kameramann, einen Kameraassistent, einen Tonmann mit einem Tonassistent, es gab einen Fahrer, eine beleuchtete Redakteur und vielleicht auch noch eine Produktionsassistent. Das ist ja wirklich schon sehr lange her. Heute geht ein Journalist, der screent die Story, der recherchiert die Story, der filmt die Story und er schneidet sich selbst am Laptop. Und damit steht er extrem unter Druck nachher, ein Produkt abzuliefern, das schnell online gehen muss. Gerade in der aktuellen Berichterstattung verdienen die Geld, die zuerst online sind.

Und wenn wir den Journalisten einen Teil abnehmen können, nämlich die Recherche im Archiv, die Bilder zu suchen und vielleicht den Schnitt zur Gänze abzunehmen, dann hat er mehr Zeit, sich um die Story zu kümmern. Wir reden jetzt von aktuellen Berichterstattungen. Es geht tatsächlich um die redaktionell gestaltete aktuelle Berichterstattung. Wenn wir wiederum sprechen von einem Empfehlungssystem, von einem gestalteten Beitrag, der vielleicht auch ein bisschen mehr Zeit hat, dann ist da schon noch ein Cutter, der den Schnitt macht mit dem Redakteur, aber da gibt es ein Empfehlungssystem von unserer Seite. Das ist der halbautomatische Schnitt. Da gibt es das Empfehlungssystem, das dem Cutter erklärt, du hast hier dramaturgisch und dem Redakteur erklärt, du hast dramaturgisch einen Fehler gemacht.

Und zwar deswegen. Die Kreativität soll ja nicht beschnitten werden. Ich weiß, wie schwierig es ist, so ein Empfehlungssystem zu akzeptieren als Kreativer. Ich muss es ja nicht. Es ist eine Empfehlung. Wenn alle Ampeln auf Rot stehen, kann es trotzdem ein wahnsinnig kreativer Film werden. Aber wir wissen, dass es 90% handwerkliche Fehler sind. Wenn ich einen Film mache und gewisse Erfahrungen habe, die mein Kollege aber nicht gemacht hat oder umgekehrt, zehn Kollegen haben eine Erfahrung, die ich wiederum nicht gemacht habe, so ist das eine Falle, in die ich einfalle. Und dieses Risiko, diese Risiken zu vermeiden, die bekannt sind, kann ich in ein großes Buch schreiben, das ich mir wahrscheinlich nicht durchlese und das auch nicht merke.

Oder ich kann es eben mit Unterstützung von der Digitalisierung darauf aufmerksam machen und Empfehlungsabgeben. Ich habe einmal einen Film angesehen, der hieß Memento. Da sind alle Szenen von hinten nach vorne. Kein Computer hätte den als erfolgreich errechnet. Nee, definitiv nicht. Der war aber wahnsinnig erfolgreich, zumindest für mich. Ich finde den auch großartig. Ja, das war großartig, weil das mal was anderes war. Und man muss halt unterscheiden. Wir sprechen jetzt nicht hier von Spielfilmen, sondern wir sprechen von Beiträgen. Und ein Redakteur, der früher einen Beitrag am Tag gemacht hat, muss heute drei machen. Das heißt, da brauchen wir auch die Unterstützung. damit es funktioniert.

Und es wird ja auch letztendlich viel, viel mehr Content produziert. Und es ist viel differenzierter. Ein Redakteur, der früher sowohl aktuelle Berichterstattung gemacht hat, als auch Magazinbeiträge, der ist heutzutage eher auf ein Genre spezialisiert. Und da geht es auch um Geschwindigkeit, es geht darum, schnell zu produzieren. Und es wird auch viel mehr produziert. Auch eine Verdichtung der Arbeitswelt. Und wir wollen als Unterstützung dieses neuronale Netz sehen, das Menschen dabei unterstützt, relevanteren Content zu produzieren und dass der Content deswegen monetarisiert, weil er die Leute interessiert und nicht, weil SEO reingesteckt wurde und große Reichweite erzielt wird. Wenn du in einem Supermarkt einen Joghurt verkaufst und es ist zu süß, machst du auch nicht mehr Marketing, um es besser zu verkaufen, sondern du gehst vielleicht in dich nach dem Test und sagst, Das muss weniger süß sein.

Auch ein blödes Beispiel, weil es wird oft ein zu süßes Joghurt mit viel Marketing trotzdem gut verkauft. Aber du verstehst, was ich meine.

Ja, wir werden ja eh den Kontakt eng halten, weil wir quasi Nachbarn sind. Ich bin total gespannt, wenn das Ganze irgendwo produktiv ist, wie das angenommen wird. Weil ich mir vorstellen kann, dass das erstmal auf Widerstände stößt, obwohl es eine große Erleichterung ist.

Ja, wir haben zwei verschiedene Kundengruppen. Wir haben einerseits die Manager, die das kaufen, die den Benefit vielleicht schneller sehen, weil es monetär schnell abzubilden ist. Und wir haben die Zielgruppe der Kreativen, die das annehmen muss, die damit arbeiten muss. Das heißt, das ist wie beim klassischen Fernsehen. Du hast einerseits die Werbetreibenden, die das bezahlen, andererseits die Kunden, die es sehen sollen. Und die Werbetreibenden zahlen nur, wenn viele Kunden sehen. Und so ist es bei unserem Produkt auch. Wir müssen einerseits schaffen, dass die Kreativen es annehmen, damit die Manager es bezahlen. Das ist sicher auch ein spannendes Thema. Da könnten wir eine ganze Sendung füllen mit.

Ich stelle mir das ein bisschen so vor, wie es irgendwie gewesen sein muss, als diese ersten SEO-Plugins so rauskamen. Also wenn man an geschriebenen Content denkt, da bekomme ich genauso ein Ampelsystem. Dass mir mein WordPress sagt, da an der Stelle ist der Titel zu kurz, zu lang, da fehlt ein Keyword und so weiter. Und natürlich kann ich das nutzen, um zwar Google maximal zu befriedigen und der Nutzer bleibt auf der Strecke. Aber ich weiß auch, dass es da am Anfang die Leute gab, die gesagt haben, cool. Und die Leute, die gesagt haben, ey, warum sagt mir der Computer jetzt, dass mein Text doof ist? Ich mache das schon immer so.

Ist noch immer so. Schaut dir die großen Verlagshäuser an. Die Journalisten, die für einen Printtitel schreiben, schreiben meistens nicht für die Webseite. Und das muss sich ändern, wird sich ändern. Aber bei vielen großen Verlagshäusern ist die Geschwindigkeit zu hoch gewesen, dass sind nicht alle mitgenommen worden. Das ist ein ganz spannendes Thema. Wie kann ich meine Mitarbeiter motivieren? Und eben nicht nur, wenn sie frisch sind und wenn sie 25-jährig sind. Sondern ich möchte ja die Mitarbeiter lange haben. Ich möchte ja auch Leute in Teilzeit hier haben, die gerne zur Arbeit gehen. Ich möchte, dass die Leute nicht um 17 Uhr den Bleistift fallen lassen, weil es die schlimmsten 8 Stunden ihres Tages sind.

Sondern Menschen so zu motivieren, dass sie gerne zur Arbeit gehen, dass sie mitziehen mit dem, was du machst und das für viele Jahre. Das ist, glaube ich, die größte Herausforderung heute in der digitalen Welt, weil die Hochqualifizierten können auch schnell wieder wechseln. Und ich möchte ja auch die Hochqualifizierten, die die Option haben zu wechseln, bei mir im Unternehmen halten, weil ich glaube, dass der Wert eines Unternehmens am besten dadurch steigt, dass man gute Mitarbeiter hat.

Auf jeden Fall. Das sehe ich genauso und es ist schwer, sie überhaupt zu finden. Wir als Softwareentwicklungsagentur können da ein langes, trauriges Lied von singen. Im Prinzip ist euer Produkt ja ein reines Softwareprodukt, sage ich mal. Willst du da noch kurz drei Worte dazu erzählen? Nutzt ihr da Standardtechnologien? Also erfindet ihr eine komplette Technologie neu oder nutzt ihr einfach sehr gute Tools auf neue Weise? Oder wie entsteht das Ganze?

Sowohl als auch. Zu tief von der Technik kann ich dir nicht erzählen, weil das der Alexander macht. Alexander Koleski ist Neuroinformatiker und ist derjenige, der die Entwicklung leitet. Wir arbeiten jetzt gerade prototypisch da und für den Prototypen nutzen wir sehr viele vorhandene Tools, um zu zeigen, was wir machen wollen, ist möglich. In Zukunft, wenn der Prototyp erstmal angenommen ist und wenn wir auch die nächste Finanzierung haben, weil das natürlich bei Startups immer so ein Stück für Stück Weg, immer einen Schritt weiter und dann wieder schauen, dass die nächste Finanzierung klappt. Wenn wir unsere ganzen Beweise angetreten haben, wenn wir den Prototyp haben, zum Minimal-Wire-Product-Product gekommen sind, mit ersten Pilotkunden das ausprobiert haben, dann wird das mit eigenen Mitteln dargestellt.

Und wir haben gemerkt, dass da an diesem Thema der Bilderkennung oder Medienerkennung, es geht auch um Text und Sprache, ein wahnsinniger Bedarf ist. Jedes Unternehmen hat inzwischen Medien. Und diese Medien liegen meistens brach, werden nicht indiziert, man findet sie nicht und man kann wahnsinnig viel damit machen. Und deswegen bauen wir nicht nur an unserem Endprodukt, weswegen wir eigentlich angetreten sind, sondern haben es an ein paar Zwischenebenen eingezogen. weil wir gemerkt haben, das Indizieren von Mediendaten ist ein Riesenthema und das bieten wir auch an und das ist auf dem Weg dorthin entstanden, weil wir mussten es ja für uns auch machen. Und da haben wir jetzt eine Oberfläche, machen mit einigen Pilotkundentests.

Neben uns sitzt ein Startup, das erkennt Partikel in Ölen und mit einem Mikroskop. Auch da geht es darum, die haben eine Datenbank, die haben eine Bibliothek mit den Partikeln und sie haben die Daten aus dem Mikroskop, das zusammenzuführen, neuronales Netz mit unserer Oberfläche, kann man all diese Sachen zusammenbringen. Ich stelle dir vor, ein Unternehmen hat kleinteilige Produkte und die Kunden rufen im Call-Centrum an und sagen, ich möchte das nachbestellen. Wissen aber nicht genau, was es ist. Und das dauert relativ lang, ob der Dübel, die Schraube, die kleine Kupplung, der Filter, herauszufinden, was das ist. Dasselbe Unternehmen hat aber alle Daten, alle Bilddaten. Ich stelle dir das Anwendungsbeispiel vor, der Kunde geht in die App, fotografiert mit seinem Handy das Produkt.

Es gibt die Bilddatenbank und es gibt ein Match. Den Match können wir machen und im Shop sofort auf das richtige Produkt verweisen. Also Anwendungsbeispiele mit Indizierung von Mediendaten gibt es viele und wir wollen mit unserem Ökosystem hier in der Mitte ansetzen und möglichst breit gefächert Kunden anbieten, Mediendaten zu indizieren und zu schauen, auch dass andere daraus Geschäft zu entwickeln Und wir machen sozusagen das Matching, die Technik im Hintergrund. Aber erstmal kümmern wir uns hauptsächlich um Medienkunden, weil aus den Medien kommen wir. Und da kennen wir uns aus, das ist unsere Kernkompetenz. Und deswegen haben wir eben auch mit diesem einen Produkt, mit dem Produkt für Medienleute begonnen.

Aber es ist sehr viel weitreichender, was mit der Technik, die wir anbieten, möglich ist. sein Abwägen zwischen was schaffen wir mit unseren Ressourcen und was möchten wir gerne. Und das ist beim Startup immer das große Problem, wenn du am Abend nach Hause gehst und sagst, du hast alles geschafft, was du dir heute vorgenommen hast, dann hast du einen Fehler gemacht, weil das ist beim Startup nicht. Und das ist für mich ein langer Lernprozess gewesen, dass wir einfach viel zu viel am Tisch haben und nur die Hälfte davon schaffen. Auf der anderen Seite ist es auch wahnsinnig erfüllend, etwas selbst voranzubringen, ein eigenes bauen und sein eigenes Know-how hineinzubringen. Deswegen, ich habe das Gefühl, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich genau an der richtigen Stelle sitze.

Mit meinem Know-how über Digitalisierung, über Technik. Ich bin zwar kein Techniker, aber ich habe Ahnung davon. Ich kann mitsprechen. Ich bin kein Programmierer, aber ich habe selbst ein bisschen Programmiererfahrung. Durch die Fernsehtechnik, Satellitentechnik, durch die Regie als Medienmensch, als Kameramann, als Regisseur, als Produzent, Als Unternehmer kommt jetzt plötzlich alles zusammen und ich habe das Gefühl, wirklich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu stehen. Und es herrscht Goldgrüderstimmung. Und das ist ein wahnsinnig befriedigendes Gefühl, wenn ich am Abend nach Hause gehe und zu denke, ja, ein Schritt sind wir weitergekommen. Aber nach jedem Hoch gibt es auch ein Tief. Und das muss man auch erstmal aushalten, dieses Karussell.

Aber ich finde, das klingt unglaublich inspirierend. Also im Prinzip beschreibst du, wie es mir und Rieke geht. Also seit wir Lionizers gegründet haben, ist es auch perfekt. Also wir haben Software entwickelt schon Jahrzehnte vorher, aber das Konstrukt, wie es jetzt ist, ist einfach, wie es sein soll. Ich finde, das ist eine super Überleitung zu unseren Abschlussfragen. Also von den vielen Dingen, die du dir vornehmen könntest, was davon wirst du denn im Rahmen der Digitalisierung bei euch konkret versuchen zu lösen? als nächstes?

Ein großes Problem, wie ich glaube, ist die gute Mischung zwischen digitaler Kommunikation und analoger Kommunikation zu finden. Ich bin immer versucht, alles digital zu machen und merke immer öfter, wie viel wichtiger es ist, etwas mit Bleistift und mit Kugelschreiber auf den Zettel zu schreiben. Das hat eine andere Haptik. Ich lese alles digital, merke aber, dass ich teilweise andere Konzentrationen habe, wenn ich mir einen Zettel in die Hand nehme. Ich setze mich hier nicht, konzentriere mich anders. Die Geschwindigkeit, mit der wir kommunizieren, heißt aber auch oft, dass manche Dinge verloren gehen. Und gerade seitdem wir jetzt zu dritt hier sitzen, ich habe ja vorhin ja alleine gearbeitet und die anderen waren remote in Berlin. Seitdem wir zusammensitzen, ist es viel wichtiger geworden, mal einen Tisch zu rufen und etwas aufzuzeichnen.

Das kann man zu dritt sehr gut machen. Irgendwann werden es mehr Leute werden. Es gibt ganz viele Tools, wie man mit Kunden umgeht, wie man intern kommuniziert, was man wo niederschreibt. Diese Mischung aus analog und digital, die macht das aus. Und da habe ich noch nicht wirklich eine Lösung dafür gefunden, die man als Regel anwenden kann.

Ja, habe ich leider auch keine Patentlösung, aber auch, das ist ein Thema, das habe ich schon in diversen Interviews genauso gehört, dass wir immer mehr Kanäle zur Verfügung haben und das so gesehen auch immer mehr Disziplin erfordert, irgendwo ja noch einen Sinn in der Kommunikation zu haben. Und ja, also ich kann das bestätigen, wir sind jetzt zum Glück alle jeden Tag im Büro und das ist total gut. Vorher haben wir auch teilweise remote gearbeitet und da bleiben einfach Sachen auf der Strecke. Also so sehr ich Freund von freier Arbeitseinteilung bin und auch gerne Remote-Projekte früher gemacht habe, es ist einfach so, dass man in person anders, besser kommuniziert.

Ich genieße es auch remote zu arbeiten, ich genieße es auch irgendwo im Café in Berlin. oder im Coworking-Space mal zwei, drei Stunden zu arbeiten. Da arbeite ich teilweise auch konzentrierter als im Büro, weil mich nichts ablenkt. Aber einmal am Tag oder wenn es nicht geht, alle paar Tage mal persönlich zusammenzusetzen, sich auch Zeit zu nehmen, einen Termin zu machen und sagen, wir schauen jetzt, was haben wir geschafft und was wollen wir schaffen, wo stehen wir. Das ist ganz, ganz wichtig.

Okay, ich könnte da auch noch ganz viel weiter zu fragen, aber eigentlich sind wir ja schon bei den Abschlussfragen. Wie hältst du dich aktuell zum Thema Digitalisierung? Was ist da so dein tägliches, wöchentliches?

Leider Gottes mache ich das über Newsletter und die überfordern mich. Ich habe früher viele Podcasts gehört. Damals bin ich aber zwischen Berlin und Hamburg gependelt mit dem Auto und das hat sich angeboten, im Auto Podcast zu hören. Ich pendle es nicht mehr mit dem Auto, sondern fahre Bahn und da mache ich den Laptop auf und arbeite. Das heißt, diese Auszeit sich zu nehmen, Podcasts zu hören oder die Newsletter zu lesen, hat sich stark reduziert, leider Gottes. Alles, was ich am Tag über finde, was mich interessiert in Artikeln auf Webseiten, schicke ich mir rüber mit meinem Pocket Viewer und lese sie dann in der Bahn. Ich fahre rund 30, 40 Minuten mit der U- und mit der S-Bahn zur Arbeit und diese Zeit nutze ich dafür, Artikel zu lesen.

Ich glaube auch, dass da eine Geschwindigkeit und so viele Quellen sind, dass manche Dinge verloren gehen und man gar nicht so viel screenen kann, wie man vielleicht möchte. Aber gut, das ist nun mal so. Das ist bei Startups auch so. Wie ich gesagt habe, wenn man alles erledigt bekommen hat, dann stimmt irgendwas nicht.

Ja. Okay, und wenn du dir jemanden wünschen darfst, den ich hier in irgendeiner Zukunft vor das Mikro kriege, hast du da jemanden, den du gerne interviewt hättest zum Thema Digitalisierung?

Nikolaus Förster von Impulse-Medien, der auf dem Reeperbahn-Festival eben dieses Buch vorgestellt hat, in dem er Personen porträtiert hat, die über der Scheitern sprechen. Und das fand ich sehr beeindruckend. Besonders, weil er gesagt hat, das sind meistens ältere Herrschaften gewesen, die erst dann über ihr Scheitern sprechen konnten. Und ich wünsche mir, dass Gründer, die auch am Anfang stehen, auch mal darüber sprechen, was dann wirklich schiefgelaufen ist. Es kam aus dem Publikum die Frage an Herrn Förster, was war denn ihr Scheitern? Und das hat mich sehr berührt, weil er gesagt hat, Scheitern oder was er falsch gemacht hat, war in der Zeit, als er selbst gegründet hat, das war ein Management-Buyout von einem Magazin aus dem Verlag, hat er zu wenig darauf geachtet, Familie und Arbeit unter den Hut zu bringen.

Es gab nur Arbeit. Und das fand ich sehr beeindruckend, weil es tatsächlich so ist, man kann nicht an zwei Fronten, Krieg ist das falsche Wort, man kann aber nicht an zwei Fronten kämpfen. Und wenn zu Hause keine Ruhe ist und wenn die Familie nicht gut versorgt ist und wenn man sich nicht die Zeit hat, um die Familie zu kümmern, sondern nur arbeiten, dann leidet die Arbeit drunter. Und deswegen auch dieser Satz, Family first. das war auch so ein Ding, das mir hängen geblieben ist also es kommt zuerst die Familie und wenn zu Hause alles in Ordnung ist wenn man zu Hause Ruhe hat wenn man außer Haus gehen kann und weiß, dass es denen gut geht dass das Kind versorgt ist dass meine Frau auch zufrieden ist und wir auch Zeit für uns hatten dann kann man in Ruhe arbeiten und dann kann man auch viel leisten und man kann auch viele Stunden kloppen aber es muss wieder die Perspektive sein dass für das Privatleben Platz ist und ich glaube, das ist oder das ist für mich gerade jetzt wichtig, wo ich ja nicht ein ganz junger Gründer bin, sondern schon ein paar Runden gedreht habe und mich jetzt sehr in die Arbeit gestürzt habe, zu sagen, nee, nee, das ist ganz wichtig, dass zu Hause auch viel Zeit verbracht wird und dass man auch Zeit für sich hat, mal essen zu gehen.

Und das ist der größte Luxus, auch mal Zeit zu verschwenden, sich an die Eis dazusetzen, aufs Wasser zu schauen.

Ja, kann ich total bestätigen. Also als unser erstes Kind geboren wurde, das war der Moment, an dem ich die Projekte weit außerhalb im Prinzip aufgegeben habe und gesagt habe, es geht nicht mehr, drei Stunden am Tag Reisezeit zu haben, egal wie spannend das Projekt ist.

Ja, man kann es sich halt nicht immer aussuchen. Man muss ja auch sein Geld verdienen, man muss auch seine Arbeit machen und das ist für mich jetzt sicher nicht der ideale Zeitpunkt gewesen, um es zu gründen. Aber irgendwie muss ich das unterm Hut bringen und muss ich schaffen, dass es klappt. Das muss sowohl das Unternehmen klappen, aber ich möchte, dass mein Familienleben nicht darunter leidet. Und deswegen vielen Dank an Nikolaus Förster, dass er auch das so ehrlich gesagt hat. Und vielleicht kannst du ja in deinem Podcast in Zukunft auch Menschen dazu fragen, was sie zu ihrem Ärgern und Scheitern erzählen und was sie daraus gelernt haben.

Ja, ist ein guter Punkt. Ich werde das in die Fragen aufnehmen, finde ich gut. Ich werde das Buch verlinken und ich habe zwei Ideen, die in die ähnliche Richtung gehen, die dir vielleicht vorher schon helfen. Es gibt eine Meetup-Gruppe, gab es zumindest, die heißt Fuck Up Nights. Und da gehen Leute auf die Bühne und erzählen von ihrem Scheitern. Also ich war selbst noch nicht bei der Hamburger Gruppe, aber ich weiß, dass es die gibt. Also die hat genau das Ziel. Und es gibt ein Buch, Founders at Work. Und das ist die Jessica Livingston, glaube ich, die Frau von dem Y-Kombinator-Gründer. Und die hat 30 IT-Gründer aus allen Jahrzehnten Und da sind auch erfolgreiche, die auch heute noch am Markt sind dabei, aber auch halt welche, die grandios in die Grütze gegangen sind.

Also da habe ich unheimlich viel daraus gelernt. Spannend so. Also ich weiß nicht, ob ich von denen nun zufällig noch irgendwen, gut, die wurden schon interviewt, das kann man auch nachlesen. Okay. Aber ja, ich werde gucken, ob ich da mal Leute finde, die da offen sind. Vielen Dank für deine Zeit. Vielen Dank für dein Wissen.

Vielen Dank für die Einladung und wir bleiben ja in Kontakt, wir sind ja fast Nachbarn.

Ja, ganz genau.

Dir auch alles Gute.

Super, danke. Das war unser zwölftes Interview für den Podcast Wege der Digitalisierung mit Eugen Gross vom Startup Iconics. Vielen Dank Eugen für deine Zeit, vielen Dank für dein Wissen und alles, was wir heute lernen durften. Ich werde alle Quellen, alle Links, alles, was wir so besprochen haben, worauf man verlinken kann, in den Shownotes dokumentieren. Das Ganze findet ihr wie immer unter wegederdigitalisierung.de. Das hier ist das zwölfte Interview mit Iconics. Und mal wieder, wie immer, der Hinweis, wir sind noch immer neu auf iTunes. Und ich würde mich sehr freuen, falls ihr uns ein Feedback, am liebsten natürlich ein positives Feedback bei iTunes geben könntet, weil wir immer noch die Chance haben, in dieser Hot-and-News-Sparte zu sein.

Und da kommen wir hin, wenn wir ganz viel Action auf unserem Profil da haben. Ja, von daher freue ich mich auf euer Feedback. Und ich freue mich, dass ihr zugehört habt. Und freue mich auf unser nächstes Interview. Und bis bald. Musik Musik

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