E01115.11.201745 Min
Wie kann ich die Digitalisierung nutzen, um besser Wissen zu vermitteln?
Im Gespräch: Thorsten Römer (AMH)

Worum es geht
Thorsten Römer vom Archäologischen Museum Hamburg erklärt, wie Digitalisierung Wissen vermittelt, ohne Arbeitsplätze zu verlieren.
Thorsten Römer ist kaufmännischer Geschäftsführer des Archäologischen Museums Hamburg (AMH). Das Museum hat seinen Sitz in Harburg und ist zuständig für Archäologie, Stadtgeschichte Harburgs und Bodendenkmalpflege in Hamburg und dem Landkreis.
Das Museum digitalisiert seine zwei Millionen Objekte im Depot, um sie für Recherchen und Ausstellungen nutzbar zu machen. Parallel nutzt es Social Media, Podcasts, einen Blog und einen Webshop zur Wissensvermittlung.
Digitale Kanäle erweitern den Zugang zu Besuchern, erhöhen die Reichweite und ermöglichen Feedback. Die Digitalisierung führt nicht zu Stellenabbau, sondern schafft neue Aufgaben – wie die Stelle für digitale Vermarktung bei AMH.
Das Museum testet neue Technologien wie Chatbots, VR und Augmented Reality. Es strebt eine Integration von digitalen und physischen Besuchserfahrungen an, ohne klassische Modelle zu ersetzen.
Ursprüngliche Shownotes 15.11.2017
Kann man ein Museum digitalisieren? Wie kann man Archäologie digitalisieren? Und kann ich das vielleicht noch verbinden? Wie kann die Digitalisierung einem archäologischen Museum weiterhelfen? Ist das Konzept des Museums in unserer digitalen Zeit überhaupt noch relevant? Die Antworten gibt uns heute Thorsten Römer, kaufmännischer Geschäftsführer des archäologischen Museums Hamburg.
Thorsten Römer ist kaufmännischer Geschäftsführer des archäologischen Museums Hamburg und hat dort schon frühzeitig die Weichen ins digitale Zeitalter gestellt. Einerseits wird die große Sammlung des Museums Stück für Stück digitalisiert und damit besser durchsuchbar und nutzbar, andererseits nutzt das Museum die digitalen Kanäle um seine Kernaufgabe der Wissensvermittlung besser zu erfüllen.
Neben vielen spannenden und konkreten Details, wie man die digitale Welt in den Betrieb eines Museums einbeziehen kann, habe ich in diesem Interview zwei ganz wichtige Punkte gelernt:
Erstens sind durch die Digitalisierung im archäologischen Museum Hamburg keine Stellen weggefallen oder verändert worden, es sind einfach nur neue Arbeitsplätze und Tätigkeitsfelder entstanden.
Und zweitens ist die Aufgabe der Wissensvermittlung viel einfacher geworden, weil es neue und bessere Wege gibt, um Feedback zu bekommen und schnell zu berücksichtigen.
Neben diesen beiden Punkten gibt es noch viele weitere gute Hinweise, wie man die Digitalisierung zu seinem Vorteil nutzen kann, ohne dabei seinen Kern aus den Augen zu verlieren.
Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:
Transkript
6.655 Wörter
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Wege der Digitalisierung. Wir finden heraus, was Digitalisierung alles bedeuten kann. Heute spreche ich mit Thorsten Römer. Herr Römer ist Geschäftsführer des Archäologischen Museums Hamburg. Wir haben uns vor einer Weile kennengelernt bei einem Vortrag, bei dem er teilgenommen hat, wo ich gelernt habe, wie digital ein Museum heute eigentlich schon sein kann. Das fand ich total spannend, da musste ich ihn sofort hier für den Podcast als Interviewpartner gewinnen. Ich bin sehr froh, dass er sich heute die Zeit für uns nimmt, dass ich ihn befragen darf und dass er uns sein Wissen teilen wird, was Digitalisierung in seiner Branche so bedeuten kann. Ich kann schon einen ein bisschen Sneak Peek geben.
Das Thema Menschen ist mal wieder wie immer ein großes Thema. Spannenderweise hat sein Museum, sein Betrieb nur gewonnen. Also die Digitalisierung hat ganz viel Zusatznutzen gestiftet und dadurch sind einfach nur neue Stellen entstanden. Es ist nichts weggefallen. Und im Gegensatz zu anderen Interviews in der Vergangenheit, wo die Transformation ja irgendwo auch dazu führt, dass vielleicht Stellenbeschreibungen obsolet werden und man gucken muss, ob man die Leute mitnimmt in die neue Zeit und so weiter, finde ich das einen absolut motivierenden und positiven Einblick, dass es auch die Unternehmen gibt, in denen die Digitalisierung einfach nur Zusatznutzen stiftet, neue Stellen schafft und aber nichts Bestehendes kaputt macht.
Auf geht's mit dem Interview. Vielen Dank, Herr Römer, für Ihre Zeit.
Ich sitze hier heute im Archäologischen Museum in Harburg und vor mir sitzt Herr Römer. Wir haben uns vor einigen Wochen kennengelernt, als es um den Smart Square ging, eine Veranstaltung über E-Culture in Hamburg. Und da habe ich gelernt, dass das archäologische Museum schon sehr digital ist. Ich habe festgestellt, dass ich seit 15 Jahren nicht hier war und das dringend mal wieder auffrischen muss. Und ja, fand das einfach unglaublich spannend, was in diesem Bereich an Digitalisierung passiert, was man für Museum erstmal gar nicht unbedingt erwartet und dann noch für ein archäologisches Museum, das ja eher in die Vergangenheit guckt. Da finde ich den Blick in die Zukunft einfach spannend. Ja, von daher stellen Sie sich einfach kurz vor, wer sind Sie, was machen Sie, was hat Sie heute hierher geführt und was ist Digitalisierung in Ihrem konkreten Fall?
Ja, das mache ich gern. Thorsten Römer, 51 Jahre alt, kaufmännischer Geschäftsführer hier im Archäologischen Museum Hamburg. hat seinen Sitz hier in Harburg, ist aber ein Hamburger Museum mit dem Standort hier in Harburg, eines der ehemaligen sieben staatlichen Museen, heute in einer Rechtsform der Stiftung öffentlichen Rechts. Ich bin kaufmännischer Geschäftsführer hier im Vorstand, der besetzt ist mit einer Doppelspitze, dem kaufmännischen Geschäftsführer. Diese Funktion habe ich inne und dann gibt es den Direktor, der sich um den wissenschaftlichen Bereich kümmert, das ist Professor Rainer Maria Weiß. Und ja, tätig bin ich für das Museum seit knapp zwei Jahren. Habe vorher Erfahrungen gesammelt, lange Zeit in der Medienbranche, aber auch in der Industrie.
Habe also auch mal andere Branchen kennengelernt und mich auch mit Digitalisierung in anderen Branchen beschäftigt, weil da hat ja jede Branche so seine spezifischen Eigenheiten. Und wir aber als Archäologisches Museum Hamburg sind mit der Digitalisierung früh, haben wir früh begonnen. Also wir haben das für uns früh erkannt, dass das ein wichtiger zusätzlicher Weg ist, um Wissen zu vermitteln, um unsere Dinge, die wir forscherisch ermittelt haben, dann auch an den Mann und an die Frau zu bringen. Vielleicht noch eine kleine Ergänzung zu unseren grundsätzlichen Aufgaben. Wir sind neben der Archäologie für ganz Hamburg auch zuständig für die Stadtgeschichte Harburg. Harburg war bis 1937 selbstständige Stadt.
Die Ursprünge des Museums gehen auf das Jahr 1898 zurück. Und insofern sind wir eigentlich mal entstanden als Museum für die Stadt Harburg. Es gab dann in den 70er Jahren mal eine Bereinigung der Museumslandschaften, sodass die Archäologie hier bei uns gebündelt wurde. Und insofern sind wir für die Archäologie zuständig, für die Stadtgeschichte Haburgs zuständig und machen die sogenannte Bodendenkmalpflege in Hamburg. Das heißt, Bodendenkmäler sind Dinge, die sich unter der Erde befinden. Man kennt sonst die Baudenkmäler immer, aber es gibt auch Bodendenkmäler in der Stadt und die werden durch uns betreut. Das heißt, wenn gebaut wird in der Stadt, werden wir in das Baugenehmigungsverfahren eingebunden und dürfen nach dem Gesetz, bevor gebaut wird, dort archäologisch graben und die Erkenntnisse der Vergangenheit sichern, bevor dann dort eine Tiefgarage oder sonstiges entsteht.
Ja, spannend. Ich habe es eben im Vorgespräch schon erzählt. Ich habe hier im Channel Harburg früher eine Weile gearbeitet und da gab es eine größere Grabung. Also ich bin an diesem archäologischen Fenster viele Monate vorbeigelaufen und das ist doch sehr spannend.
Ja, Archäologie ist tatsächlich sehr spannend, insbesondere dann, wenn sie einem noch ein wenig erklärt wird, weil die Begeisterung der Archäologen, die bei einer Grabung in einer Kloake stehen und sich über eine kleine Fibel freuen, erschließt sich vielleicht nicht im ersten Moment und bedarf dann einer Erläuterung. Insofern ist Archäologie immer ein Thema, was sich dann erschließt, wenn man es von fachkundiger Stelle auch erklärt bekommt. Die von Ihnen angesprochene Grabung lief über zwei Jahre. Das war eine der größten Stadtkerngrabungen, die es in Deutschland gab. Das Spannende für Archäologen ist immer, wenn sich Straßenverläufe über viele Jahrhunderte nicht geändert haben, dann kann man davon ausgehen, dass dort archäologisch eine ganze Menge zu finden ist und nicht über veränderte Straßenverläufe, Baumaßnahmen der letzten 100 Jahre irgendwie die Archäologie auch schon vernichtet wurde.
Und das Spannende ist halt immer, Sie müssen sich das so vorstellen, auf dem Niveau hier in der Hansestadt, auf dem wir uns jetzt zu Fuß bewegen, ist im Grunde genommen viereinhalb bis fünf Meter über der eigentlichen Nulllinie, die es seinerzeit gab. Das heißt, wenn Sie heute graben von der jetzigen Straßenoberfläche nach unten, dann gehen Sie quasi viereinhalb oder fünf Meter durch die Jahrhunderte zurück auf die ehemalige Nulllinie und können dann sehr schön sehen, da gab es den Brand von da und da, da gab es den Überfall, weil man in der Regel immer, wenn irgendwas passierte, planiert hat und obendrauf gebaut hat. Und so haben sich letztendlich über die Jahrhunderte die unterschiedlichen Schichten ergeben, die man anhand der Funde, die es dann gibt, in einen Kontext stellen kann und somit sich dann Rückschlüsse erlauben über die damalige Zeit.
Also das sage ich als Kaufmann und nicht Archäologe. Ich hoffe, es war anschaulich genug.
Ja, das kann ich persönlich nachvollziehen. Wir haben den alten Schrebergarten übernommen. Also wenn ich da weiter als einen halben Meter tief grabe, dann finde ich auch raus, was da im Laufe der Jahrzehnte so.
Ja, das ist richtig. Und was man wissen muss, es gibt ein Denkmalschutzgesetz und eine sogenannte Regelung des Schatzregals. Das heißt, alles, was Sie finden auf Ihrem privaten Grundstück, ob Gold oder Knochen oder archäologische Befunde, gehört der Stadt und nicht Ihnen persönlich. Und das ist aber weniger jetzt im privaten Bereich für uns in der Hansestadt ein Thema. Wir sind auch zuständig für die Bodendenkmalpflege im Landkreis. Das machen wir quasi in Personalunion mit. Das heißt, da arbeiten wir länderübergreifend, auch begründet durch die Historie, dass eben damals die selbstständige Stadt habe, wo ich und der Landkreis zusammengehörten. Da sind die archäologischen Befunde dann häufig schon 50 Zentimeter unter der Oberfläche zu finden und nicht fünf Meter tief. Also wenn sie aufs flache Land gehen, hat man natürlich über die Jahrhunderte nicht so exzessiv gebaut wie in so einer Großstadt wie Hamburg.
Oder da, wo man archäologisch Befunde vermuten kann, das können die Archäologen relativ gut, indem sie sagen, wie ist das Areal angeordnet, gibt es irgendwo einen Wasserlauf. Wasser ist immer ein klares Indiz, dass die Leute dort gesiedelt haben. Vielleicht eine kleine Anhöhe, von der man aus auch Feinde sehen konnte. Also das sind für die Archäologen dann immer relativ schnell Erkenntnisse, dass man dort archäologische Spuren finden kann. Und das bestätigt sich dann in der Regel auch.
Ja, total spannend. Ich könnte jetzt in die Richtung noch ganz viel weiter fragen, auch weil ich eine Freundin habe, die Archäologin ist. Ich bin da persönlich auch sehr interessiert, aber vielleicht kommen wir in Richtung Digitalisierung zurück, damit das irgendwen noch interessiert, der jetzt gehört. Thema Digitalisierung. Sie hatten gesagt, dass Ihr Museum schon sehr früh begonnen hat. Wie kann ich mir das vorstellen? Was bedeutet Digitalisierung für so einen Archäologischen?
Also ich glaube, für uns selber muss man nochmal differenzieren, was bedeutet Digitalisierung. Das hat aus unserer Sicht sicherlich zwei Stränge. Der eine Strang ist, dass wir uns mit der Digitalisierung dessen beschäftigen, was wir als Objekte in unserem Bestand, in unserem Depot haben. Also wir als Archäologisches Museum haben und auch als Stadtmuseum für Harburg rund zwei Millionen Objekte in unseren Depots. Analog zum Teil fotografiert, aber noch nicht so digitalisiert, dass man aus diesen Daten und Informationen, die man hätte, eine Online-Recherche zum Beispiel betreiben könnte oder eine interne Recherche betreiben könnte. Da hat man in der Stadt grundsätzlich vor ein paar Jahren mal angefangen, was das Erfassen dieser Objekte angeht. Natürlich auch mit der Zielrichtung, sie dann in Zukunft irgendwie nutzbar zu machen, für wen auch immer, ob für Dritte oder für eigene Recherche, für Ausstellungen, die man macht, für Publikationen, die man herausbringt.
Also der erste Schritt ist mal, dass man intern sagt, wenn wir überhaupt an Digitalisierung denken, müssen wir natürlich das, was wir als unseren Bestand bezeichnen, digitalisieren und der wächst halt bei uns immer, weil bei jeder Ausgrabung, die wir in der Stadt oder im Land tätigen, kommen in der Regel neue Stücke dazu. Das heißt, es ist also auch ein fortlaufender Prozess, aber es ist auch ein langer Prozess, bis man das dann tatsächlich irgendwann mal abgeschlossen hat. Das ist, würde ich mal sagen, so eine interne Digitalisierung, die wir im ersten Schritt betreiben, mit der Option, sie dann irgendwann auch entweder als Bestände zu öffnen, damit man da recherchieren kann, damit man Auswertung fahren kann. Das wird die Zukunft zeigen.
Der zweite Weg der Digitalisierung ist sicherlich das, wie wir grundsätzlich versuchen, unseren Hauptanspruch, den wir als kulturelle Einrichtung sehen, nämlich der Wissensvermittlung irgendwo zu folgen. Also ein Museum hat natürlich auch betriebswirtschaftliche Aspekte. Wir müssen natürlich Besucher hier auch generieren, die ins Museum kommen. Aber in letzter Konsequenz geht es natürlich darum, als Kultureinrichtung Wissen zu vermitteln über alle Wege, die es gibt. Und da gab es früher relativ eindimensional die klassische Ausstellung und die Publikation. Und diese Art der Wissensvermittlung hat sich einfach durch die Digitalisierung massiv verbreitert. Also wir haben viel mehr Optionen heutzutage, an Kultur- und wissensinteressierte Menschen heranzukommen.
Was aber eben nicht bedeutet, dass wir das traditionell Analoge komplett vernachlässigen, weil wir schon auch wissen, dass es immer noch einen Kreis in der Bevölkerung gibt, die entweder nicht mit dem Smartphone ausgestattet sind oder nicht alles mit dem Smartphone machen wollen. Vielleicht geht man auch mal ganz bewusst in ein Museum, um eben nicht alles mit dem Smartphone zu machen. Dennoch eröffnet die Digitalisierung natürlich ganz vielschichtige Möglichkeiten, Wissen zu transportieren. Das sind einfache Dinge, die wir haben. Wir haben ein Newsletter, zu dem man sich anmelden kann. Man kann sich bei WhatsApp anmelden und wird informiert. Wir sind bei Facebook, wir sind bei Twitter. Wir haben aber relativ früh auch mit Podcasts angefangen.
Wir haben einen eigenen Blog, den wir betreiben. Also sind auf diesen ganzen Social-Media-Kanälen sehr intensiv unterwegs und haben jetzt auch mit unserer neuen Website, die wir seit einigen Monaten haben, dann nochmal die Klammer gebildet, auch zu unseren digitalen Aktivitäten. Und haben über, da gibt es ja gewisse Auswertungstools, die Sie fahren können, das muss ich den Digitalexperten nicht erklären, was es da für Optionen gibt. Aber auch so das allgemeine Feedback, was wir bekommen auf unsere Social-Media-Aktivitäten, ist wirklich sehr, sehr positiv. Und eröffnet uns einfach auch Möglichkeiten, dass wir über die Dinge, die wir tun, also nehmen Sie mal das Grabungsgeschäft, also das archäologische Grabungsgeschäft, darüber zu informieren, wo graben wir gerade, warum tun wir das, was finden wir dort.
Wir sind bei YouTube natürlich auch aktiv. Da gibt es ganz viele verschiedenste Möglichkeiten, das geballte Wissen, was wir entweder schon haben oder was sich neu ergibt durch unsere Tätigkeit, über diese Kanäle einfach auch interessierten Menschen zugänglich zu machen. Und da sprechen wir heutzutage ja nicht mehr über Jung und Alt, sondern wir sprechen über die, die digital nutzen und die, die es digital nicht nutzen. Also das Durchschnittsalter der Nutzer bei Facebook ist meine ich über 40. Also da sprechen wir nicht mehr grundsätzlich von einem ganz jungen Medium. Und das sind für uns aber die Kanäle, die wir zwingend bespielen wollen, um einfach auch Menschen mit uns in Kontakt zu bringen, die uns vielleicht gar nicht so auf dem Schirm haben, sprich diejenigen, die bundesweit oder international auf uns aufmerksam werden, auf Dinge aufmerksam werden, die wir machen, Publikationen, die wir herausbringen.
Also es ist auch ein Vertriebskanal, wenn Sie so wollen. Wenn wir eine neue Publikation haben, haben wir die in der Vergangenheit, gab es mal eine Pressemitteilung, dann ist die vielleicht einmal abgedruckt worden und stand dann im Museumshop. Ja, heute haben wir einen Webshop und können Produkte anbieten. Also insofern hat die Digitalisierung für uns tatsächlich auch einen monetären Wert, der dahinter steht. Aber im ersten Gang geht es eigentlich um das Thema Wissensvermittlung. Die Digitalisierung hält dann aber natürlich auch Einzug im klassischen Museumsgeschäft. Also sie finden heutzutage in fast jedem Museum digitale Applikationen, wie auch immer die aussehen, ob das Audio-Guides sind, ob das Apps sind, die sie temporär runterladen können, ob das Zusatzinformationen sind, die ihnen über Eyebeacons oder andere Dinge dann auch zugänglich gemacht werden.
Und wir haben für die Ausstellung, die wir in der Vergangenheit konzipiert haben, eben auch in diesem Bereich viel gearbeitet, um den Leuten, die zu uns in die Ausstellung kommen, tatsächlich auch Mehrwerte mitzugeben. Es gibt ja immer den flüchtigen Betrachter, der einfach das Ganze auf sich wirken lässt und einmal durchs Museum geht. Da gibt es Leute, die eine Publikation kaufen. Und es gibt aber auch Leute, die deutlich mehr wissen wollen über die Region. Wo kommen die Objekte her? Wer hat sie entdeckt? All solche Dinge an Mehrwerten, die man früher vielleicht nur schwierig transportieren konnte, sind heute über die digitalen Wege einfach viel leichter zu transportieren. Und für uns ist das tatsächlich eine Möglichkeit, dass wir neben der physischen Ausstellung einfach auch deutlich mehr noch zu dem, was da zu sehen ist, zeigen oder erklären können.
Also der Drang nach Wissensvermittlung wird da mehr gestillt, als es vielleicht vor 20 Jahren möglich war. Aber immer so aufbereitet, dass es letztendlich, wie heißt es so schön, der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler, so aufbereitet, dass es eben auch der normale Nutzer versteht und nicht ein wissenschaftlicher Fachkollege. Also da muss dann auch tatsächlich ja immer mal ein bisschen eingegriffen werden, dass das rein Wissenschaftliche dann auch allgemein verständlich wird. Also das ist so unsere klassische Ausrichtung, dass wir die Digitalisierung als Ergänzung verstehen und nicht als Ersatz für bisherige Anwendungsformen. Und wir wünschen uns natürlich auch, dass diejenigen, die über die digitalen Kanäle mit uns in Kontakt treten bzw. von uns Kenntnis erlangen, dann vielleicht auch mal den Weg zu uns finden und sich Dinge hier vor Ort anschauen, weil wir schon auch glauben, dass das haptische, also Dinge dann auch selber zu sehen, vielleicht sogar anfassen zu können.
Unsere archäologische Dauerausstellung ist sehr dafür konzipiert, dass eben auch angefasst, mitgemacht, ausprobiert werden kann. Also insofern soll das eine das andere auch durchaus ein wenig befördern. Und wer hier war, kriegt vielleicht den Hinweis, übrigens wenn du mehr wissen willst, gibt es die diversen digitalen Kanäle, nutzt das einfach. Und insofern befruchtet sich das eigentlich gegenseitig und führt dazu, dass wir, wenn wir unten ins Gästebuch gucken, bei der aktuellen Sonderausstellung, die wir haben, eben auch ganz viele Gäste hier haben, die nicht aus Hamburg und der Region kommen, sondern bei einem Besuch in Hamburg dann auch Stationen hier machen, über welchen Kontakt die dann auch immer mit uns in Berührung gekommen sind.
Also das ist mal so der große Spannungsbogen Digitalisierung für uns, aber da fragen Sie gern im Detail noch nach. Das war ja jetzt einmal so der komplette Ritt durch die Digitalisierung.
Ja, total spannend. Ich habe ganz viele Fragen. Mal gucken, ob ich die alle zusammenkriege. Also ich finde das total positiv beeindruckend, dass es so viel Mehrwert gibt, ohne dass es irgendwo mit so Angst verbunden ist. Also ich habe halt Digitalisierung als Schlagwort oft als ein Angstthema wahrgenommen und das spüre ich hier gerade gar nicht und das finde ich persönlich total schön. Und dieses Thema Ergänzung statt Ersatz finde ich total super. da würde mich als erstes interessieren, ob sie dadurch, ich weiß nicht, vielleicht fürs Tagesgeschäft positive Feedback-Schleifen bekommen haben. Also früher war es so, Leute gingen in die Ausstellung, gingen vielleicht wieder, vielleicht konnte man irgendwo noch was ins Tagebuch schreiben, Gästebuch.
Aber es gab ja eigentlich nicht so viel Feedback-Kanäle. Ich denke, das lief wahrscheinlich eher auf fachlicher Ebene, dass man sich da unter Archäologen irgendwo ausgetauscht hat. Jetzt letztendlich diese ganzen Social-Media-Kanäle speziell sind ja eigentlich Dialogmedien. Richtig. Also so ein Newsletter vielleicht ist immer noch so ein klassisches Push-Medium, aber Social-Media ist ja ein echter Feedback-Kanal eigentlich. Ein schneller Feedback-Kanal.
Genau. Mit schnellen Reaktionszeiten, die gefordert werden, das ist natürlich auch eine Herausforderung für ein Museum. Weil für die Digitalisierung oder die Social-Media-Kanäle ist ja nichts anderes weggefallen. Das heißt, die Arbeit, die wir vorher gemacht haben, machen wir weiter. Und dann ist was Neues hinzugekommen mit der Digitalisierung. Und es hört ja nicht auf. Also es gibt ja immer wieder neue Entwicklungen, die es zu verfolgen gilt und zu bewerten gilt. Nutzen wir sie, nutzen wir sie nicht. Instagram, Snapchat und all diese Geschichten. Da wird es immer wieder neue Tools geben. Also wir arbeiten zum Beispiel auch mit Groupon zusammen, haben also auch als Medium, um Tickets zu verkaufen, wo man dann ja auch mal so einen Response spürt.
Also die Leute treten schon intensiv mit uns in Kontakt, als Reaktion auf Nachrichten von uns oder auf den Ausstellungsbesuch. Also das findet schon statt. Und das ist ja eigentlich auch das Schöne, dass über digitale Kanäle einfach auch eine Auswertbarkeit möglich ist.
Das heißt, in der Vergangenheit hat man vielleicht mehr damit arbeiten müssen,
war eine positive Grundstimmung in der Ausstellung, sind die Leute da mit dem Lachen wieder rausgegangen oder interessiert und sahen glücklich aus. Heute können wir über die digitalen Kanäle tatsächlich ja eher so ein Stimmungsbild auch etwas klarer einfangen, wenn wir nämlich mitkriegen, was kriegen wir für Informationen über die Kanäle, wie ist die Verweildauer auf unserer Website, wie wird ein Newsletter, haben wir steigende Zahlen, also das ist auch so ein Indiz dafür, dass die Leute sich einfach dafür interessieren. Das heißt, die Digitalisierung ist in dem Sinne, und das haben Sie ja schön gesagt, ist für uns eher eine niedrige Eintrittsbarriere, also Eintrittsschwelle. Wir wollen den Leuten das eher einfacher machen, mit Kunst und Kultur in Kontakt zu geraten, weil es vielleicht für den einen oder die andere einfacher ist, sich erstmal über so ein Medium mit Kunst und Kultur zu beschäftigen, als direkt ins Museum zu gehen, wo man vielleicht manchmal doch diese kleine Schwellenangst haben könnte.
Bei uns völlig unberechtigt. Hups, passe ich da überhaupt hin und will ich das überhaupt? Also insofern ist das für uns eher auch ein Instrument, um vielleicht Berührungsängste abzubauen. Aber wir kriegen eben auch klar gefiltert, was Leute gut oder weniger gut finden. Da muss man dann auch mal aufpassen, dass das eben auch nicht ausartet. Also dieses Thema Redaktion, was letztendlich jeder ja irgendwo hat, wir haben bei der Ausstellung EIS-Zeiten auch mit so einer Social-Media-Wall gearbeitet. Da muss man dann auch aufpassen, dass da nicht irgendwelche Dinge stehen, die man da aus politisch-religiösen oder ethnischen Gründen nicht stehen haben möchte. Aber das Reaktionsverhalten und das Feedback, was wir kriegen, ist schon wichtig und interessant für uns, um die Erkenntnisse, die wir daraus gewinnen, auch für zukünftige Ausstellungen mit zu verwenden.
Also nehmen wir mal ein Beispiel, ohne dass das jetzt konkret ist. Wenn Sie auf einer Ausstellung hundertfach die Information erhalten würden, also irgendwie habe ich eure Texte nicht verstanden,
also hier ist bei uns nicht passiert, sage ich gleich nochmal,
dann zeigt ihnen das, dann hat der Wissenschaftler das zwar gut gemeint, aber beim Adressaten ist es irgendwie nicht richtig angekommen, also hat man was falsch gemacht. Also das eröffnet einfach auch Möglichkeiten, sich für die Zukunft besser professioneller, zielgruppengerechter aufzustellen und das nutzen wir dann natürlich auch.
Ja, schön. Also ich kenne genau dieses Konzept Feedback, ist der Grundgedanke agiler Softwareentwicklung. Also da nutzen wir es als Softwareentwickler, dass wir halt schnelles Feedback kriegen, damit man nicht ein Jahr irgendwas baut, was hinterher keiner haben will. Aber ich finde das schön, dass das auf so ganz etablierte, klassische, ich nenne es mal Geschäftsmodell. Ich meine, Museum ist einfach eine Institution, das Konzept ist schon alt. Aber dass man das auch da einfach ergänzen kann und dadurch einen Mehrwert schafft, den man früher nicht hatte.
Ja, und man guckt dann natürlich, was ist so der Trend der Zukunft. Das mag sich vielleicht jetzt im ersten Gang dann wieder etwas befremdlicher anhören, aber auch wir denken darüber nach, mit Chatbots zu arbeiten. Das heißt, wenn Sie ganz zielgerichtet Produkte anbieten, wo Sie sagen, da stellen Leute Fragen zu irgendeinem Thema, können Sie hier nicht 20 Leute sitzen haben, die das beantworten. Also dann versucht man auch in diesem Bereich mit einer Art künstlichen Intelligenz zu arbeiten. Die gute Botschaft ist dann in diesem Fall wieder, man sagt dem Automaten eigentlich, was er antworten soll. Also wenn die Frage kommt, was ist die Hammerburg, dann gibt es eben die Antwort dazu. Aber auch das sind für uns Dinge, wo wir uns ausprobieren, kann man in einem gewissen Umfang auch mit Automatismen arbeiten.
Weil das wissen, glaube ich, alle besser als ich. Gerade diese ganzen digitalen Medien schreien natürlich nach schnellen Reaktionsgeschwindigkeiten. Wenn sie irgendwo eine Frage hinschicken und haben nach 30 Minuten noch keine Antwort, dann gucken sie auf ihr Smartphone, ist das kaputt oder sagen, der Partner ist doof, weil der antwortet ja gar nicht. Also das hat einfach auch Anforderungen an Kultureinrichtungen, denen man auch gerecht werden muss, auch auf der personellen Seite. und man kann sicherlich thematisch auch mit solchen Chatbots mal versuchen, ob es funktioniert, aber auch das wird spannend zu sehen, ob uns das dann irgendwie um die Ohren fliegt oder ob wir sagen, nee, das funktioniert.
Also das ist überhaupt unser Anspruch, dass wir sagen, früher war es vielleicht häufig so, dass man gesagt hat, man probiert erst dann Dinge oder implementiert erst dann Dinge, wenn man sich hundertprozentig sicher ist, dass es funktioniert. Da ist man, glaube ich, heutzutage im Zeitalter der Digitalisierung eher dabei zu sagen, okay, wir durchdenken das, wir versuchen das gut aufzusetzen, aber wir gehen da auch rein mit der Option, vielleicht wird es auch nicht so gutiert. Läuft nicht so, das Interesse ist nicht da. Also, dass man auch eher mal Dinge einfach so als Experiment aufsetzt, um zu gucken, funktioniert das auch für eine Kultureinrichtung oder da eher nicht. Und Chatbot ist so eine Geschichte, wo wir glauben, das könnte funktionieren.
Wir werden es probieren und schauen, was dann dabei rauskommt. Aber das ist unser Anspruch. Wir wollen eigentlich alle technologischen Möglichkeiten irgendwie einmal mit ausprobieren und gucken, sind sie irgendwie für eine Kultureinrichtung, für ein Museum sinnvoll einzusetzen. Spannend. Ich bin gespannt.
Ich habe schon vorhin gesagt, ich muss unbedingt mal wieder hier mit Zeit und Ruhe durch die Ausstellung gehen. Ich werde auch die Online-Kanäle mal gerne im Blick behalten. Eine andere Frage, die mich noch interessiert. Sie hatten eben gesagt, heute ist nicht mehr die Frage, ist das Publikum jung oder alt, sondern digital oder nicht digital. Hat sich Ihr Publikum verändert durch die digitalen Angebote? Also sind jetzt mehr junge Menschen, digitale Menschen da, die vorher nicht da waren oder kann man das vielleicht gar nicht sagen, weil man es vorher einfach nicht wusste?
Also es wäre, glaube ich, nicht korrekt, wenn ich das mit hundertprozentiger Sicherheit und mit Zahlen unterlege, weil die gibt es so nicht. So ein Museum ist natürlich auch immer abhängig davon, was für ein Programm bietet es. Es gibt dann immer die Dauerausstellung, die archäologische, die wir haben, die ist dann berechenbarer. Sonderausstellungen sind natürlich auch immer abhängig vom Thema. Insofern ist diese Messbarkeit dann schon hinsichtlich der Sonderausstellung nicht so einfach zu machen. Aber wir haben schon das Gefühl, dass uns grundsätzlich natürlich digitale Anwendungen jünger machen, also als Kultureinrichtung einfach jünger machen. Und ich glaube, bei vielen Dingen darf man heutzutage nicht den Fehler machen, es heute zu tun und zu erwarten, dass ich morgen den entsprechenden Response habe, sondern letztendlich ist es, glaube ich, ein Prozess, der sich entwickelt, bis hin, womit wir auch experimentieren mit VR und auch Augmented Reality.
Das sind auch alles Dinge, die wir ausprobieren. Und natürlich kann man sich vielleicht irgendwann auch eine digitale Ausstellung nur über eine VR-Brille vorstellen, die dann aber in zehn Jahren vielleicht gar keine VR-Brille mehr ist, sondern eine Kontaktlinse, die man sich aufs Auge setzt, technologisch mal weitergedacht. Und dass der oder diejenige, nehmen Sie jetzt mal so einen klassischen Fall, wir haben eine ganz tolle Ausstellung und Sie haben eine 85-Jährige in München, die sagt, ich würde ganz gern diese Ausstellung sehen, aber ich komme da partout nicht mehr hin, ist aber bereit über VR und hat dann die virtuelle Ausstellung vor Augen kuratiert über Audio mit Video-Applikationen, die man einspielen kann und, und, und, und ist dafür bereit, über Micropayment auch 2,99 Euro zu bezahlen.
Also so könnte es vielleicht in 10 oder 15 Jahren auch aussehen. Ob das so kommt, weiß ich nicht. Aber die Digitalisierung eröffnet an der Stelle Möglichkeiten, die man als klassischer Standort hier sonst nicht hätte, weil wir gehen ja mit den Ausstellungen so nicht auf Wanderschaft. Werden wir jünger durch die Digitalisierung oder nicht? Wir müssen, glaube ich, irgendwann mal dazu kommen, dass wir sagen, die Trennung zwischen zahlender Besucher hier und digitaler Besucher da, die muss sich, glaube ich, irgendwann auch auflösen. Als Kaufmann sage ich immer, ich brauche auch zahlende Besucher. Also insofern muss da irgendwann auch ein Payment-Modell hinterstehen. Also das ist natürlich jetzt noch nicht ausgereift, muss man ehrlicherweise sagen.
Aber vielleicht kommt man ja in der Entwicklung dazu, so wie ich es eben gerade skizzierte mit dem digitalen Museum. Wir sind von jeher eigentlich ein junges Museum, weil wir mit unserer archäologischen Dauerausstellung, die sehr auf ein junges Publikum ausgerichtet ist, haben wir hier jeden Tag drei, vier, fünf Schulklassen, die unsere Ausstellung besuchen. Das heißt, wir haben zigtausende Kinder jedes Jahr bei uns im Museum. Das heißt, wir haben für uns jetzt gar nicht das Problem, dass wir total veralten sozusagen und man sich immer sagt, was passiert, wenn die Alten mal nicht mehr sind, kommen die Jungen. Also zu uns kommen die Jungen auch schon. Trotzdem ist es natürlich wichtig, auch die jungen Menschen weiter irgendwo mit uns in Kontakt treten zu lassen. Das gelingt durch digitale Medien dann manchmal einfacher als über die alten klassischen analogen Wege.
Man denkt aber auch natürlich über digitale Bildungskonzepte nach, die man in Kooperation mit Schulen vielleicht sich irgendwann mal vorstellen kann. Also da sind ganz viele Dinge, die in der Überlegungsphase sind. Einige sind in der Realisierungs- bzw. Testphase. Manche sind Zukunftsmusik. Aber für uns ist es wichtig, dass wir diesen Weg jetzt mitgehen und unsere eigenen Erfahrungen sammeln und nicht immer darauf warten, dass andere es zuerst machen, sondern eigentlich haben wir in Hamburg so ein bisschen für uns den Anspruch, ohne dass wir das vielleicht wirklich auch immer so umsetzen. Wir würden ganz gern Neuigkeiten als Erste mit ausprobieren. Wir sind hier ein schlagkräftiges Team, haben Digitalisierung immer früh auf dem Zettel gehabt und insofern gelingt uns das, glaube ich, auch ganz gut.
Die Digitalisierung hilft einfach, uns bekannter zu machen und letztendlich jünger, weiß ich nicht, aber auch Jüngere oder Junggebliebene oder diejenigen, die mit uns noch nicht in Kontakt getreten sind, irgendwie zu erreichen. Also irgendwie ist es dann so der bunte Blumenstrauß im Kommunikationsmix, den man macht und möglichst wollen wir alle haben, also vom Kinderalter bis zum Seniorenalter und darauf richten wir ja letztendlich auch unsere Ausstellung aus, also die Ausstellung Eiszeiten, die bis April diesen Jahres lief, hat zum Beispiel auch ein paar Comic-Elemente gehabt. Wir haben hier einen Mitarbeiter, der Comics zeichnen kann. Ich kann das leider nicht. Ich bin da völlig unbegabt. Der hat kindgerecht Comics dazu gemalt. Also zu den Texttafeln, die für die Eltern eher gedacht waren, dann für Kinder nochmal irgendwie sowas zu machen.
Also wir versuchen uns immer mit allem, was wir tun, ob das analog ist, ob das digital ist, möglichst alle Zielgruppen mit zu erfassen, was das Alter angeht. Also insofern grenzen wir keinen aus und unser Bildungsantrag hört auch nicht auf, dass wir sagen, wir wollen keinen, der unter 6 ist oder keinen, der über 90 ist. Nee, zu uns sollen alle kommen und die Digitalisierung hilft dabei.
Das ist ein ganz hervorragendes Schlusswort, würde ich sagen. Also ich habe keine großen konkreten Fragen und ich finde das unheimlich positiv. Also dieses Bild ist einfach gut. Ich würde gerne unsere drei Abschlussfragen stellen, die ich immer zum Ende stelle. Sie hatten gesagt, Sie haben ein paar Projekte, die angedacht sind, ein paar, die schon in der Realisierung sind. Was ist so das wichtigste Thema in dem Kontext, das Sie angehen und lösen wollen in der näheren Zukunft?
Naja, also wir haben das schon angerissen. Letztendlich bedeutet Digitalisierung nicht, man macht es heute und dann läuft das und man muss sich nicht mehr darum kümmern, sondern die Herausforderung bei der Digitalisierung ist einfach immer irgendwie auch der Entwicklung zu folgen, zu spüren, wo gehen Trends hin, sich damit auseinanderzusetzen, mit welcher Technologie arbeitet man, die Umsetzbarkeit für eine museale Einrichtung. Finanzierung spielt natürlich auch immer eine Rolle, also das betrifft aber ja irgendwo jeden. Digitalisierung kostet Geld, also monetäre Mittel müssen dafür natürlich auch zur Verfügung stehen, beziehungsweise eingeworben werden. Und es ist einfach auch ein personeller Aufwand, der dahinter steht. Also das macht sich eben nicht von alleine, auch wenn man mal so ein Chatbot irgendwie probiert, letztendlich macht sich die Digitalisierung nicht alleine.
Das heißt, die Herausforderung für uns ist einfach, die Digitalisierung weiter so intensiv zu begleiten, wie wir das in den letzten 15 Jahren, würde ich mal sagen, getan haben, dem Schritt zu halten und es auch immer wieder zu schaffen, tatsächlich unserem eigenen Anspruch, wir wollen relativ früh und schnell dabei sein, auch gerecht zu werden, das zu finanzieren und mit Personal zu hinterlegen. Das ist eigentlich die große Herausforderung und das würde ich sagen ist die Herausforderung. Also die Digitalisierung wird nicht weggehen. Es gab ja mal Leute, die vielleicht dachten, irgendwann verschwindet das Internet. Das wird wohl nicht mehr passieren. Also das ist unsere Aufgabe, aber das verstehen wir nicht als Problem, sondern eigentlich als Herausforderung, weil das sind Dinge, dafür sind wir da, gerade wir Kulturmenschen und die Führungsverantwortlichen, die wir hier haben, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Also Problem, nein, Herausforderung, würde ich sagen.
Dann habe ich da gleich noch eine Nachfrage. Wenn Sie sagen, seit 15 Jahren, ist das immer mehr geworden im Laufe der Zeit? Also was es an personellem Aufwand und monetärem Aufwand bedeutet? Oder sehen Sie da irgendwo einen Punkt, wo es sich einpendelt? Also ich meine, es kommen immer mehr Kanäle dazu, aber es sterben auch Kanäle weg. Man hat ja nicht irgendwann alles, sondern immer die aktuellen.
Naja, man fängt irgendwann mal an, dann macht das einer mit, der irgendwie in der Lage ist, eine Maus zu bedienen und einen Computer anzuschalten. Dann sagt man, du bist doch der Digitalexperte bei uns im Haus. Dann macht man das erstmal mit, dann wächst das und irgendwann stellt man fest, dass man es eigentlich so mit Bordmitteln nicht mehr so hinbekommt, wie man das vielleicht vom Anspruch her für sich selber reklamiert. Mittlerweile haben wir dafür eine Mitarbeiterin, die sich insbesondere um unsere komplette digitale Vermarktung und auch die Social-Media-Kanäle kümmert. Also das heißt, da ist schon Personalzuwachs irgendwo auch entstanden, weil an anderen Stellen ist eben keine Arbeit weggefallen.
Wir machen das klassische Museumsgeschäft nach wie vor in der Museumspädagogik, in der Ausstellungskonzeption und Realisierung. Das heißt, es ist schon auch ein personeller Mehrbedarf da. Ob man in der Zukunft alles immer mitmachen muss, muss man sehen. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass wir jetzt irgendwann in fünf Jahren fünf Leute in dem Bereich sitzen haben. Das muss dann schon irgendwie auch alles ausgewogen sein, wie Sie eben ja zu Recht sagten. Es gibt dann auch mal Kanäle, die dann vielleicht nicht mehr die Relevanz haben, die sie früher mal hatten. Da muss man sich übrigens davon vielleicht auch verabschieden. Also auch diesen Mut muss man dann irgendwann haben und nicht immer diesen Anspruch haben.
Was wir einmal gemacht haben, machen wir jetzt immer. Man muss dann vielleicht auch mal zu der Erkenntnis kommen, das machen wir jetzt einfach nicht mehr. Aber es gibt ja immer mal Dinge, die dann auch eine Renaissance erleben. Also Podcast war ja irgendwie vor 10, 15 Jahren schon mal so ein Thema. Dann war das irgendwie auch eine gewisse Zeit lang gefühlt etwas weniger on vogue und ist aber die letzten Jahre wieder total trendy geworden. Also da gibt es dann auch mal so ein Up and Down für so Anwendungen. Aber der personelle Mehrbedarf, der Mehraufwand, den jeder hat, der Digitalisierung so intensiv betreibt, wie man es glaube ich heutzutage machen muss. Und es gibt meines Erachtens kaum noch Bereiche, wo sie davon nicht berührt sind.
Und das ist einfach dann aber auch von der kaufmännischen Seite her so abzubilden, dass man sich das auf Deutsch gesagt leisten muss und kann. Also wir sehen das, so wie wir personell im Moment aufgestellt sind, sind wir eigentlich ganz zufrieden.
Schön. Ja, schön zu hören, dass nichts weggefallen ist, aber im Prinzip Arbeitsplätze entstanden sind dadurch. Also Digitalisierungsangst bedeutet oft ja auch, dass man denkt, mein Job fällt weg.
Nee, hier ist nichts weggekommen. Hier ist eine nette Frau Katrin Schröder dazugekommen und die macht einen tollen Job. Nee, nee, also für uns ist Digitalisierung überhaupt kein Rationalisierungseffekt gewesen, sondern eher auch tatsächlich das Portfolio zu erweitern und das auch mit zusätzlichem Personal zu hinterlegen. Das ist tatsächlich so.
Schön. Also ist ja leider nicht überall so, aber ich finde es gut, dass es auch diese Geschichten mal gibt, dass man das mal bewusst irgendwo sagt und hört. Und das haben wir ja nicht abgesprochen vorher. Nee, nee, genau. Aber einfach gut. Zweite Abschlussfrage. Wie halten Sie sich speziell zum Thema Digitalisierung aktuell? Gibt es da besonders gute Quellen, wo Sie sagen, die müsste man mal im Blick haben?
Ach, sicherlich keine Quelle, wo ich jetzt irgendwie einen Tipp geben könnte, den noch keiner kennt. Also ich glaube, jeder guckt so in seiner Branche, wo gibt es Trends. Also wer macht was gut, was kann man abgespeckt oder in anderer Version für sich selber so machen. Man geht natürlich mal auf die eine oder andere Zukunftskonferenz, auf die eine oder andere Tagung. Wir haben jetzt letztens selber mal so ein Startcamp durchgeführt, wo natürlich auch ganz viel Input kommt von kreativen Leuten, was man aufgreifen kann. Aber ansonsten ist man einfach auch sehr viel im Netz unterwegs, guckt, was ist der Trend der Zukunft, nicht nur in Deutschland. Nun muss man nicht alles immer aus Amerika adaptieren.
Manchmal sind die aber bei vielen Dingen ja doch mal einen Schritt weiter, als wir das sind. Da kann man dann auch mal hinschauen. Also es ist einfach ein intensiver Rechercheprozess über alle Möglichkeiten, die man hat. Über Kollegen, über Portale, über Tagungen, über Startcamps, über Blogger und Social-Media-Treffen, die wir hier dann auch mal machen. Ich setze sie da übrigens auf die Liste, dass sie dann gern mit dabei sind. Und insofern muss, glaube ich, jeder einfach die Recherche bezogen auf seine Branche irgendwo optimieren. Google kennt ja jeder, da kann man es ja auch mal eingeben. Aber für uns ist das tatsächlich ein intensiver Rechercheprozess, den wir über unsere Dame, über Katrin Schröder machen und die dann auch immer mal wieder mit Ansätzen kommt, die wir dann diskutieren, wie zum Beispiel die Chatbots und dann eben auch in einen Praxistest überführen.
Okay. Okay, dann letzte Frage, wenn Sie sich wünschen dürfen, wen ich hier in Zukunft mal vor das Mikrofon bekommen soll, hätten Sie da jemanden, den Sie gerne zum Thema Digitalisierung interviewt hätten?
Also das ist ja ein breites Feld mit der Digitalisierung. Sie nannten vorhin einen Politiker, an den es wohl schwierig ist, ranzukommen. Insofern würde ich mal versuchen, einen etwas realistischeren Zugangsoption zu nennen. Also wir haben hier ja gerade in der Süderelbe-Region eine ganze Menge an kreativem Know-how, was das Thema Technologie, Industrie 4.0, Digitalisierung angeht. Das ist einmal der Hit-Technologie-Park, der Christoph Birkel, ich weiß nicht, ob Sie den kennen, der Geschäftsführer dort. Und der Martin Mahn, der hier in der Schlossstraße sitzt, die haben sich jetzt aber letztens, das ist die ehemalige Tutech, schimpfen sich aber glaube ich jetzt ein bisschen anders. Martin Mahn, Tutech in der Schlossstraße auf der rechten Seite.
Ja, den kenne ich glaube ich sogar persönlich. Das sind sicherlich auch spannende Interviewpartner, insbesondere auch Martin Mahn, die ja sehr intensiv mit Hochschulen zusammenarbeiten und sicherlich auch aus diesem Aspekt, aus dem forscherischen Aspekt, eine Menge zum Thema Digitalisierung sagen können, wo geht die Reise hin. Aber auch die Schnittstelle eben bilden zu, oder die TU hier in Harburg hat ja auch viele Ausgründungen sozusagen, Startups, die sich dann da gegründet haben. Und der Hit Technologie Park von Herrn Birkel, da sind ja auch viele Unternehmensgründer, Startups, die sich gerade in diese Richtung irgendwie entwickelt haben. Also ich glaube, das wären zwei spannende Gesprächspartner, die man zum Thema Digitalisierung ansprechen kann und wahrscheinlich leichter zu erreichen als Herr Macron.
Ja, das denke ich auch. Ja, total cool. Werde ich beide versuchen, vor das Mikro zu kriegen. Dann ganz vielen Dank für Ihre Zeit, ganz vielen Dank für die spannenden Einblicke.
Ja, ich danke für die Gelegenheit. Wer mehr wissen will, www.amh.de, Archäologisches Museum Hamburg. Da sind alle Aktivitäten von uns auch zu sehen und man kann sich anmelden für die Social Media Kanäle, für den Newsletter oder einfach nur lesen, was bei uns passiert und man kann vorbeikommen. Also freuen wir uns natürlich auch drüber.
Ja, genau. Ich werde beide verlinken und den Besuch kann ich mir umfängen. Also was ich eben im Vorbeigehen gesehen habe, was ich hier getan habe, ist ein Besuch mehr als mehr. Vielen Dank.
Das war unser elftes Interview für den Podcast Wege der Digitalisierung mit Herrn Römer vom Archäologischen Museum Hamburg. Vielen Dank, Herr Römer, für Ihre Zeit. Vielen Dank für das viele spannende Wissen, für die Einblicke, die wir gewinnen konnten. Ich werde alle Links, alle Quellen in den Shownotes dokumentieren, wie immer. Das Ganze findet ihr unter wegederdigitalisierung.de. Das hier ist das elfte Interview mit dem Archäologischen Museum Hamburg. Wie in den letzten Folgen immer der Hinweis, ich würde mich sehr über ein Review und eine Bewertung bei iTunes freuen. Wir sind da ganz neu, wir haben immer noch die Chance in die Hot & New Sparte zu kommen, wenn auf unserem Profil bei iTunes ganz viel passiert.
So, das war's für heute und ich freue mich auf unser nächstes Interview und in zwei Wochen geht's hier weiter. Bis bald.