E00608.09.201738 Min
Wie kann man sich mit der Digitalisierung arrangieren?
Im Gespräch: Christiane Brandes-Visbeck (Ahoi Consulting)

Worum es geht
Christiane Brandes-Visbeck hilft Menschen, sich mit der digitalen Transformation auseinanderzusetzen.
Christiane Brandes-Visbeck ist Inhaberin von Ahoi Consulting und hilft Menschen, sich mit der digitalen Transformation auseinanderzusetzen. Sie hat als Journalistin begonnen und später in verschiedenen Berufen Erfahrungen mit digitalen Veränderungen gesammelt.
Sie betont, dass Digitalisierung nicht nur Technik ist, sondern menschliche Anpassung erfordert. Besonders wichtig sind soziale Kompetenzen, Selbstführung und die Fähigkeit, mit Veränderung umzugehen. Ihre Arbeit konzentriert sich auf Führung im digitalen Zeitalter, insbesondere bei Menschen, die sich damit schwer tun.
Sie entwickelte den Digital Leadership Canvas, ein Werkzeug zur Selbstevaluation und Teamreflexion. Es hilft, Werte, Fähigkeiten, Netzwerke und Erfolge zu reflektieren. Der Erfolgsbarometer fördert Anerkennung und Motivation in Teams.
Ihr Buch „Netzwerk schlägt Hierarchie“ erschien im September 2017 und verbindet Praxis mit Theorie. Sie empfiehlt lebendige Austauschformate wie Barcamps und Hackathons als Quellen für neue Perspektiven.
Ursprüngliche Shownotes 08.09.2017
Oh mein Gott, jetzt muss ich twittern und facebooken – Wie kann ich mein Team in diese Zeit mitnehmen? Welche Herausforderungen und welche Möglichkeiten habe ich dabei?
Die Technik ist heute der Driver of Change. Es geht aber heute nicht nur um Veränderung, sondern tatsächlich um Transformation. Change heißt nur, ich verändere etwas. Zum Beispiel zieh ich mir heute ein anderes Kleid an. Transformation bedeutet, dass ich mich als Mensch nochmal überprüfen muss. Kann ich mit meinen Glaubenssätzen und meinen Vorstellung, wie man leben sollte, heute noch zurechtkommen?
Diese Fragen bespreche ich heute mit Christiane Brandes-Visbeck, Inhaberin von Ahoi Consulting Ahoi Innovation. Christiane hilft Menschen dabei, sich mit ihren Erfahrung und ihrer Expertise mit der neuen Zeit zu arrangieren, damit sie Spass daran haben und ihre Karriere befördern können.
Links aus dem Interview
- Christiane Brandes-Visbeck
- Ahoi Innovation
- Digital Leadership Canvas
- Barcamps in Deutschland
- Canva
App für Grafiken
Buchtipp
- Netzwerk schlägt Hierarchie: Neue Führung mit Digital Leadership
Christiane Brandes-Visbeck, Ines Gensinger
Transkript
Nils: Wir finden heraus, was Digitalisierung im echten Leben bedeutet. Ich bin heute zu Gast bei Christiane Brandes-Visbeck, der Inhaberin von Ahoi Consulting. Christiane berät Unternehmen im Rahmen der Digitalisierung mit dem Schwerpunkt „Digital Leadership“ und mit der Frage, wie sich die Führungskultur mit der Digitalisierung anpassen und verändern. Christiane, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Gespräch nimmst. Auf geht’s! Christiane, erzähl mal. Wer bist du? Was hat dich hierher geführt?
Christiane: Ich bin Christiane und ich habe in den 90er Jahren nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften, Medienrecht und Germanistik als Journalistin gearbeitet. Nach drei Berufsjahren war ich Chefredakteurin und hatte nach drei Jahren das Ziel erreicht, das ich normalerweise nach 20 Jahren hätte erreichen sollen.
Als Chefredakteurin habe ich in den 90er Jahre eine Fernsehsendung verantwortet, die ein digitales Schnittgerät hatte. Das war neu und wir hatten auf einmal als junge Redaktion die Möglichkeit, anders zu produzieren, als damals üblich war. Durch digitale Schnittgeräte musste man Filme nicht mehr von Anfang bis Ende schneiden, sondern konnte in der Mitte etwas herausnehmen oder einfügen. Man konnte auch Musik auf eine andere Art und Weise unterlegen. Man hatte sehr viele Freiheiten in der Gestaltung von Filmen. Wir konnten experimentieren und andere Optiken entwickeln. Außerdem haben wir inhaltlich ernsthafte und unterhaltende Themen zusammengeführt, was damals gar nicht ging. Man hatte entweder Ernst und Nachrichten oder Unterhaltung. Doch das war seicht und zutiefst routinemäßig.
Wir haben diese Transformation genutzt, um technisch Neues und andere Inhalte zu produzieren. Dieses Erlebnis hat mich bis heute geprägt. Ich wurde gezwungen, eine digitale Neuheit anzuwenden, auf die ich ehrlicherweise keine Lust hatte. Nachdem ich mich darauf eingestellt hatte, fand ich es aber total toll. Seitdem habe ich in meinem gesamten Leben, in dem ich neun verschiedene Berufe ausgeübt habe, immer wieder Interesse gezeigt an digitalen Innovationen und an den beruflichen und privaten Auswirkungen. Man kann seine Leben dadurch besser, schöner, toller und interessanter machen.
Nils: Was ist 2017 daraus geworden?
Christiane: 2017 bin ich mit dem Thema „Digital Leadership“ und „Content Strategy“ unterwegs. Das sind zwei unterschiedliche Themen. Content Strategy kommt aus dem Journalismus und der Kommunikationsrichtung. Als Unternehmen überlegt man sich, wie man seine Inhalte einsetzt, damit sie in der PR die Reputation des Unternehmens fördern oder ob man sie als „Social Selling“ nutzt, um potenzielle Kunden, Leser oder User zu finden.
Digital Leadership interessiert mich, weil wir im heutigen Zeitalter der Digitalisierung nicht nur technische Veränderungen einführen, sondern uns auch als Menschen auf diese neue Zeit einstellen müssen. Gerade die Älteren und technisch nicht affinen unter uns müssen umdenken. Unsere Aufgabe ist es nicht immer Angst zu haben und nicht zu sagen „Oh Gott, jetzt muss ich twittern, facebooken und mich auf neue Technologien einstellen und wieder was neues lernen!“. Sondern wir sollten sagen: “ Oh, großartig, jetzt guck ich mal, was kann ich damit machen. Wie hilft es mir vielleicht neue Informationen zu kriegen? Wie kann ich mich besser vernetzen und neue Leute kennenlernen, die mich beruflich und privat weiterbringen?“ Und das mache ich heute. Ich helfe Menschen dabei, sich mit ihren Erfahrung und ihrer Expertise mit der neuen Zeit zu arrangieren, damit sie Spass daran haben und ihre Karriere befördern können. Das Stichwort ist „Digital Leadership als Karrierebooster“.
Nils: Da werden wir bestimmt spannende Geschichten hören, was das konkret für einzelne Leute bedeuten kann.
Was ist Digitalisierung?
Nils: Vorweg die Frage, was bedeutet Digitalisierung für dich? Das ist die Frage, um die sich der ganze Podcast dreht. Was bedeutet Digitalisierung in deinen Augen?
Christiane: Digitalisierung bedeutet für mich, dass man analoge Prozesse auf einmal schneller machen kann. Die Schnelligkeit, die technisch möglich ist, ist einerseits schön, weil wir jetzt schnell über Messenger miteinander sprechen können. Früher habe ich noch mit Faxen gelebt. Ich hatte einen Lebensgefährten in Amerika. Ich habe ihm ein Fax geschickt und irgendwann hat er zurückgefaxt. Das war total modern. Andere Leute haben telefoniert. Aber heute geht das alles simultan. Zum einen ist das toll, aber auf der andere Seite ist man gestresst und 24/7 online ist. Man muss sich Gedanken über Digital Detox machen und auf einmal Verantwortung übernehmen. Wann möchte ich digital unterwegs sein und wann gönne ich es mir eine Pause? Als Mensch bin ich auf einmal anders gefordert. Ich muss mich selber steuern und anderen Leuten sagen: „Ich bin jetzt offline und für euch nicht erreichbar.“ Das sind die Themen, die mich besonders beschäftigen.
Nils: Wenn du an die Kunden denkst, die du berätst, gibt es da noch weitere Aspekte?
Christiane: Ja, es gibt zwei verschiedene Kategorien. Das eine sind Menschen, die ganz weit von digitalen Themen weg sind. Das sind häufig Journalisten und Kommunikationsmenschen in Kommunikationsabteilungen der Unternehmen, die sich endlich mit der Thematik auseinandersetzen müssen. Warum Social Media? Warum ist Pressearbeit in Kombination mit Social Media erfolgreicher? Dürfen wir weiterhin Pressetexte schreiben? Ja, das ist auch okay. Aber, wie muss man das begleiten, damit es in der heutigen Welt gut ankommt. Es ist die Kombination von online und offline.
Andererseits habe ich auch Kunden, die in der technischen Branche unterwegs sind. Ingenieure oder Finanzmenschen, die ganz stark zahlen-orientiert oder technikgetrieben sind. Sie müssen sich auf einmal auf die neue Zeit einstellen, weil sie festgestellt haben, dass es viele neue Software-Möglichkeiten gibt und sie dadurch global arbeiten müssen. Auf einmal haben sie Kollegen in Hong Kong, Rumänien oder Südamerika, mit denen sie zusammen an einem Projekt arbeiten müssen. Da gibt es nicht nur sprachliche Barrieren, sondern auch Kultur- und Kommunikationsbarrieren. Selbst wenn alle Skypen und englische Präsentationen lesen können, gibt es trotzdem viele neue Themen, die in der Führung von Teams auf einmal eine Rolle spielen. Damit sind Techniker und Ingenieure überfordert. Dort komme ich mit der Idee von Digital Leadership ins Spiel. Ich zeige, wie man in dieser disruptiven und innovativen Zeit mit Menschen umgehen kann, damit sie Lust haben, weiterhin einen guten Job zu machen. Das Stichwort ist für mich „soziale Kompetenz“.
Nils: Die Technik ist somit der Wegbereiter dafür, dass alle anders arbeiten müssen und sich keiner auf dem ausruhen kann, was Jahrzehnte lang funktioniert hat. Sondern sie müssen sich anpassen. Die Technik treibt uns, aber ist in der Digitalisierung nur die Spitze des Eisbergs. Eigentlich sind es Menschen-Themen.
Christiane: Genau. Die Technik ist der Driver of Change. Jetzt stellen wir aber fest, dass es nicht nur um Veränderung geht, sondern tatsächlich um Transformation. Das ist noch heftiger. Change heißt nur, ich verändere etwas. Zum Beispiel zieh ich mir heute ein anderes Kleid an oder ich ändere meinen Modestil. Transformation bedeutet, dass ich mich als Mensch nochmal überprüfen muss. Kann ich mit meinen Glaubenssätzen und meinen Vorstellung, wie man leben sollte, heute noch zurechtkommen? Ist es zeitgemäß zu denken, dass alle Leute, die ständig aufs Handy gucken internetsüchtig sind und behandelt werden müssen? Ist es auf der anderen Seite ok, dass Menschen beim ersten Date Smartphones neben sich liegen haben und immer gucken, ob sie eine Message bekommen? Mich interessieren diese sozial gesellschaftlichen und menschlichen Auswirkungen von Technologie und wie wir damit umgehen.
Mich interessiert auch die generationsübergreifende Thematik. Manchmal erlebe ich einen Hass auf andere Generationen. Die Alten gegen die Jungen. Die wertorientierte Generation Y, die ihre Grenzen kennt und dann meine Generation X, die es gewohnt ist Verträge zu erfüllen und das zu tun, was ihnen gesagt wird. Sie sind stolz, ihr Arbeitspensum zu schaffen, auch wenn es noch so hoch ist. Da entstehen CLINCHES. Die ganz junge Generation Z, die nur so hoch springt, wie sie muss und nur dann Dinge macht, wenn sie daraus einen persönlichen Vorteil ziehen kann. Wir haben hier sehr viele kulturelle Themen, die durch die schnelle Transformation viel anstrengender werden, als wenn wir im gleichbleibenden Setting wären. Wenn wir immer noch das Setting aus den Siebzigern hätten, könnten wir allen Generationen, was gut oder nicht so gut funktioniert. Aber heute leben wir in einer ständigen Veränderung. Auf einmal wissen wir nicht, was funktioniert und was nicht oder was richtig und was falsch ist.
Deshalb haben wir aus meiner Sicht diese gesellschaftlichen Probleme. Plötzlich ist politisch auch viel los. Die Rechte und Linke stoßen aufeinander. Starke Männer bekommen wieder viel Macht auf eine Art und Weise, die für mich gar nicht erträglich ist. Das liegt daran, dass derjenige, der die Technologie gut nutzt und sich traut über Grenzen zu gehen, leider vorne ist. Das möchte ich ändern.
Welche Probleme haben die Menschen mit Digitalisierung?
Nils: Kannst du Cluster benennen? Ich stelle mir vor, dass bestimmte Themen bei vielen Kunden immer wieder aufkommen. Das Grundproblem ist für alle gleich. Es gibt mehr Technologie, die mehr Bereiche unseres Lebens beschleunigt. Wahrscheinlich wird ein Maschinenbauer, der spezielle Drehteile herstellt, andere Probleme haben, als ein Journalist. Gibt es auch übergreifende Probleme?
Christiane: Ja, für mich ist es immer das gleiche Problem. Gerade in Deutschland, Made in Germany; wir sind sehr qualitätsbewusst und legen viel Wert auf unsere Ausbildung und deren Dokumentation. Die Wege müssen ordentlich sein; erst Schule, dann Studium und das Ganze durch Zeugnisse belegt. Jetzt sind wir in einer Zeit in der, der Macher und Entrepreneur, der sich traut Fehler zu machen und daraus zu lernen, möglicherweise viel erfolgreicher ist, als die Person, die alles richtig gemacht hat. Sauber zur Schule, ordentliches Abi, Studium durchgezogen, eifrig gelernt, dann beruflich die Karriereschritte, wie es sich gehört, einem nach dem anderen absolviert hat. Dieser Mensch ist möglicherweise nicht so erfolgreich, wie die jungen oder auch alten Wilden, die außerhalb der Zeit sind. Das sind die Gründer und Entrepreneure und das macht die Gesellschaft schwierig. Sowohl der Ingenieur, als auch der Redakteur kommen damit nicht gut zu Recht, da sie an das geordnete deutsche Wesen glauben, danach erzogen wurde und das auch gut finden.
Nils: Ist das denn besser? Das Neue?
Christiane: Ich finde nichts besser oder schlechter.
Kann man Menschen helfen, mit der Digitalisierung leichter umzugehen?
Christiane: Man muss sich als Mensch überlegen: Kann ich mir von dem Neuen etwas abgucken, was mein Leben bereichert? Gibt es Dinge, die ich nicht leben möchte? Ich erlebe das in meinem Coaching-Umfeld. Ich habe mit vielen Führungskräften zu tun, die Angst vor der Digitalisierung haben. Das geben sie natürlich nicht zu.
Es gibt immer einen, der sich verkriecht. Den nenne ich „Chef aus der Hölle“. Der sitzt in seinem Büros; die Tür ist zu; er kommuniziert maximal über E-Mail und geht nicht aus dem Büro heraus. Er redet nicht mit seinen Mitarbeitern und weiß nicht was Sache ist. Er verkriecht sich, weil er Angst vor dem Neuen hat und davor, dem nicht entsprechen zu können, seinen Job zu verlieren und sich zu blamieren.
Dann gibt es die Menschen, die Angst haben, indem sie dagegen anwettern. Wutbürger, für die alles schrecklich ist und früher besser war. Sie möchten die D-Mark zurück und damals, als es noch nicht so schnell ging, war besser. Dann gibt es die Dritten, die sagen: „Ja, ich habe Angst. Das mag ich nicht zugeben, aber ich gucke mal. Ich möchte mitmachen. Eigentlich finde ich es auch ganz geil und habe Lust auf die neue Zeit.“ Diesen Menschen kann ich gut helfen. Die Menschen, die ein bisschen technologieaffin sind, kriege ich meistens über Apps. Denen zeige ich eine coole App, die ein Problem löst, das sie haben und noch nicht kannten. Wenn sie über das Smartphone oder eine coole App spielerisch Zugang zu diesem Thema haben, dann sind die Leute total begeistern und lernen etwas Neues. Canva funktioniert auch gut. Das ist ein Programm, mit dem man tolle Grafiken erstellen kann und dann twittern oder auf Facebook posten kann. Das ist dann das Gadget-Thema. Mein Haus, mein Schiff, meine Frau und meine coole App. Dann haben sie den Zugang zur neuen Zeit. Man muss nur herausfinden, was es ist.
Nils: Und die beiden anderen Typen?
Christiane: Ja, mit denen tue ich mir schwer. Wenn ich Leute zum Thema Innovation berate, werde ich immer gefragt, was man mit denen macht, die nicht mit wollen. Mein Tipp ist, sie in Ruhe zu lassen. Die gucken, ob ihr erfolgreich seid. In dem Moment, in dem sich euer Team besser versteht, ihr bessere Ergebnisse erzielt, Lob von der Geschäftsleitung bekommt und somit erfolgreich seid, werden sie Lust haben mitzumachen. Ihr müsst sie fragen, ob sie Lust haben mitzumachen oder, noch besser, ihre Expertise anfragen.Die Person, die nur im Office sitzt und sich nicht traut, kann irgendetwas gut. Das Team soll dann ihre Expertise anfragen und ihr zeigen, dass sie im Team gebraucht wird. In der Regel kommen die Leute. Wenn sie nicht kommen, dann werden sie früher oder später kündigen, weil sie nicht in die neue Zeit passen.
Die Wutbürger sind, aus meiner Erfahrung, nur wütend, weil sie nicht gesehen werden. Man sollte ihnen eine Plattform geben. Ein Standard, der trotzdem Spaß macht ist ein BarCamp oder ein Hackathon. Wenn ein wütender Mensch dazu eingeladen wird, dort über ein Thema zu erzählen, dass er oder sie gut kennt, wenn sie das präsentieren dürfen und sich trauen, dann fühlen sie sich so großartig, dass ein Teil ihrer Wut weg geht. Sie werden gesehen, anerkannt und bekommen Wertschätzung, von der sie nicht mehr dachten, dass es sie gibt. In manchen Unternehmen erlebe ich das auch, über das „New-Work“ Thema. Chefs sitzen nicht mehr in Einzelbüros, sondern alle sind zusammen auf der Fläche. Da die Chefs mit den Mitarbeitern in einem Büro sitzen, haben sie auf einmal einen anderen Zugang. Ein Micromanager-Chef wird manchmal entspannter, weil er nicht mehr kontrollieren muss, ob die Mitarbeiter alles richtig machen, weil man sowieso in einem Büro sitzt. Auf einmal bekommen die Mitarbeiter mehr Freiheit und können auf Augenhöhe reagieren. Es gibt viele Wege, die man ausprobieren kann. Ich würde immer mit denen anfangen, die Lust haben. Ich würde die motivieren, die offen sind und die anderen im Blick behalten, aber nicht zwingen. Das bringt gar nichts.
Das Digital Leadership Canvas hilft, sich in der neuen Zeit zu positionieren
Nils: Vor uns auf dem Tisch liegt ein Canvas, ein Digital-Leadership-Canvas, dass du entwickelt hast und wir auch verlinken werden. Kann man mit diesem Werkzeug herausfinden, wie und wo man Digital Leadership Change angehen kann, wenn man das möchte?
Christiane: Ja, genau. Ich habe oft mit Menschen zu tun, die keine Lust auf diese neue, digitale Zeit haben. Sie wissen nicht, wo ihre Position ist und wie sie im Unternehmen mit dem digitalen Transformationsauftrag umgehen sollen. Oder sie wollen das gerne, aber wissen nicht, wie sie ihren Chefs und Kollegen erzählen, dass es ganz toll ist.
Dafür habe ich diese Canvas entwickelt, da die Leute oft nicht wissen, was sie tun sollen. Der erste Schritt ist nicht vorhanden und bei dieser Canvas fange ich damit an, dass ich erstmal sage: „Du oder das Team überlegt euch, wie eure Vision der Führung im digitalen Zeitalter aussieht. Wie will ich dann sein? Wie will ich mich selbst führen? Wie möchte ich mit meinen Kollegen oder Mitarbeitern umgehen? Welche Werte sind für uns entscheidend?
Wenn ich diese Fragen beantwortet habe, kann ich gucken, ob ein gemeinsames Wertesystem vorhanden ist. Was kann ich schon? Was sind meine Management- und Leadership Skills? Welche inspirativen Persönlichkeitsmerkmale habe ich, die Menschen motivieren, gerne das zu tun, was ich möchte?
Dann kann ich gucken, welche digitalen Skills habe ich, die mir helfen in dieser neuen Zeit zurecht zu kommen. Dann schaue ich mir an: Wer ist in meinem Netzwerk? Wen kenne ich? Warum kennen die Leute mich? Warum finden sie mich gut und wollen in meiner Nähe sein?
Wenn man das alles reflektiert hat, dann hat man sich in dieser neuen Zeit positioniert. Dann kann man für sich alleine oder im Team herausbekommen, was noch besser werden kann und was unsere Herausforderungen sind. Welche Lösungen sind vorstellbar? Wenn man sich das alles in dieser Canvas aufgeschrieben hat, dann hat man einen Plan. Dann kann man im Team sagen, wir machen einmal im Monat Freitags einen zweistündigen Workshop, um die Herausforderungen abzuarbeiten. Wenn wir Lösungen brauchen, können wir sagen, wir brauchen das Budget oder diese Ressource oder Ähnliches, damit wir das besser hinbekommen.
Dann gibt es noch das letzte Feld, das Erfolgsbarometer. Ich finde es sehr wichtig, dass man Erfolge anerkennt und feiert. Eine unser Problematiken im Unternehmen ist, dass Mitarbeiter sich oft nicht gesehen fühlen. Studien zeigen jedes Jahr, dass Mitarbeiter nicht gesehen werden, Chefs sie schlecht behandeln und nicht loben. Sie bekommen kein Feedback und werden als Ressource missbraucht. Dieses Erfolgsbarometer soll Menschen helfen zu reflektieren, was Erfolg ist und wie wir ihn feiern. Für mich ist Erfolg schon positiv zu denken und nicht zu sagen (so ein Bullshit-Bingo): „haben wir immer schon gemacht“ oder „geht nicht“ oder „da musst du woanders hingehen.“ Man kann sich lustige Dinge ausdenken, wenn man noch keine hardcore Erfolge feiern kann. Das hilft einem anzuerkennen, dass man weiter gekommen ist, anders denkt und anders miteinander umgeht. Deshalb ist mir das Erfolgsbarometer besonders wichtig. Es lohnt sich, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Nils: Ich bin ein Fan von den Canvas, seit das Business Model-Canvas vor ein paar Jahren erschienen ist. Ich finde es super, weil es jeder verwenden kann. Das Businessmodell brauch ich, wenn ich ein Start-Up gründen oder mein eigenes Geschäft hinterfragen will, aber das hier kann, meiner Meinung nach, jeder benutzen.
Christiane: Das ist auch meine Erfahrung. Ich war im Mai auf der Media-Convention. Das ist die Medienkonferenz die parallel zur Republica in Berlin stattfindet. Ich wurde eingeladen, einen Workshop zu dieser Canvas zu halten und das Thema Führung im digitalen Zeitalter vorzustellen. Für diesen kleinen Canvas-Workshop waren 40 Leute vorgesehen. Ich hatte 40 Canva und Stifte mit. Doch es waren weit über 80 Leute in diesem Raum. Es war total überfüllt. Viele Leute sind weg gegangen und es wurde tierisch viel darüber getwittert. Das war genau dasselbe. Die Leute haben gesagt: „Hey, das kann ich unabhängig von meiner Position im Unternehmen oder wie wichtig ich bin, gut nutzen. Es hilft mir, mich in dieser neuen digitalen Zeit zu positionieren und Zugang zu meinen Kollegen zu finden.“
Deshalb mag ich auch dieses Feld „Wie sehen die anderen mich?“ so gerne, weil ich in den Workshops Geschenke machen kann. Die Leute füllen ihre Kenntnisse selber aus und hinterher sag ich: „Jetzt kommen wir zu Feld fünf. Jetzt sagen die anderen bitte, was sie an diesem Kollegen, dessen Kenntnisse wir gerade besprechen, toll finden.“ Dann dürfen sie Post-its schenken, auf denen etwas draufsteht. Dieses Feld ist das Herz-Öffnungsfeld. Nach diesem Feld sind die Leute offen für den Change, den die digitale Zeit von ihnen erwartet. Es geht alles übers Herz. Das ist meine Erfahrung. Leute transformieren sich nur, wenn man sie darin wertschätzt und sie sieht.
Nils: Das finde ich total cool. Ich hab das mehrfach in Retrospektiven gemacht. Wenn wir Software entwickeln und auf die große Meilensteine der letzten Wochen zurückblicken, schreibt jeder im Team einem anderen einen Dankbarkeitszettel.
Christiane: Genau, das ist das selbe Konzept.
Nils: Das öffnet die Runde.
Christiane: Ja. Ich mache diese Canvas auch mit Ingenieuren. Das sind gestandene Menschen zwischen 25 und 65 und größtenteils Männer. Die lachen mich schon mal aus, wenn ich die Digital-Leadership-Canvas auf Papier mitbringe. „Ich denke, wir reden hier von Digitalisierung.“ Bei diesen bunten Zetteln sind alle erstmal skeptisch, aber hinterher sind sie begeistert. Auf einmal fangen sie an, sich mit den Werten des Unternehmens auseinander zu setzen. Was verbindet sie und in welchem Geist wurde die Firma gegründet? Der Gründergeist ist heute noch da und das verbindet sie. Auf einmal fangen sie an, sich über das Thema des Trainings Gedanken zu machen. Bei mir geht es immer um Führung auf Distanz, Fehlerkultur oder Softskill-Themen, aber dafür ist die Leadership-Canvas ist gut, um sich dem Neuen gegenüber zu öffnen.
Nils: Ich werde sie bestimmt einsetzen.
Christiane: Dankeschön.
Nils: Direkt im Anschluss dazu, demnächst soll dein Buch erscheinen, in dem das Canvas auch besprochen wird.
Christiane: Ja, genau. Ich wollte, die digitale Transformation und das Führen in der digitalen Zeit nicht nur als Idee des Umdenkens vorstellen, sondern etwas praktisches mitliefern, das Menschen anwenden können. Das Buch heißt „Netzwerk schlägt Hierarchie – Neuere Führung mit Digital Leadership“, und erscheint wahrscheinlich Mitte September.
Für mich geht es darum, den Menschen, die sich damit auseinandersetzen wollen oder müssen, die erste Hürde zu nehmen. Niederschwellig möchte ich sagen: „Jeder kriegt das hin. Es liegt an euch. Habt ihr euch darüber Gedanken gemacht?“ Dann stelle ich ein paar Konzepte vor. Effectuation ist mir sehr wichtig oder zu lernen, Ressourcen schonend zu arbeiten. Nicht mehr so wie früher: „Ich nehm den Job an, wenn ich eine Assistentin, ein Auto und drei neue Mitarbeiter bekomme und die zwei, die ich habe, sollen entlassen werden.“ Das ging früher. Heute geht das nicht mehr.
Man muss lernen realistisch umzudenken und die Möglichkeiten, die da sind, nutzen. Ich nenne es das „Tim Mälzer Prinzip“, als Beispiel: Ich koche unter Zeitdruck. Kühlschrank auf, Vorratskammer auf, die drei wichtigsten Lebensmittel, auf die ich Lust habe, gebe ich bei Chefkoch ein. Diverse Rezepte werden ausgespuckt und was mir am besten gefällt, nehme ich. Das adaptiere ich zu meinen Möglichkeiten und dann koche ich dieses Gericht. So funktioniert digitale Führung für mich. Aus dem was ich habe, mache ich das Beste. Das Leben ist kein Ponyhof. Ich hab jetzt dieses Team mit diesen Vorteilen und diesen Macken, die ertrage ich einfach und wir machen das Beste daraus. Dann werden wir ein Winning Team. Darum geht es in diesem Buch.
Nils: Ich bin total gespannt. Ich denke, in Zeiten von Fachkräftemangel ist das der einzige Weg, der vielversprechend ist.
Christiane: Genau, unter den vielen Jobs in meinem Leben, war ich auch „Bereichsleiterin Personal und Kommunikation“ bei einer mittelständigen Bank. Das erste Mal in meinem Leben wurde ich ernsthaft mit dem Thema Personalmanagement in der Theorie konfrontiert. Ich hab immer Personal entwickelt, aber ich war nicht in dem Management-Thema zu Hause. Dort habe ich gespürt, wie das Thema Stellenbeschreibung und die ganzen Recruiting-Prozesse, auch durch Software aufgegeben, das behindern.
Oft hat man nicht die richtigen Leute gefunden, weil man nicht die richtigen Fragen gestellt hat, die falschen Leute Erstauswahl gemacht haben oder die Beschreibung immer männlich formuliert waren. Es ist sehr schwierig ein diverses Team hinzubekommen, wenn man sofort Vorurteile gegenüber Menschen hat, die anders aussehen. In dieser Position ist mir vieles klar geworden und ich habe angefangen, mich mit dem Thema „Wie findet man die richtigen Mitarbeiter?“ zu beschäftigen. Ich wollte auch eine App, „Job Digger“, dafür entwickeln. Das war ein Start-Up Projekte, das ich eine Zeit lang gemacht habe. Leider wurde es nicht finanziert und wir haben damit aufgehört. So bin ich auf dieses Thema „Mitarbeiter führen, Menschen entwickeln, Führung im digitalen Zeitalter“ gekommen. Für mich ist es wichtig, dass die richtigen Menschen für die passenden Positionen gefunden werden und dieses missmatchen endlich aufhört.
Wo ist die Digitalisierung in der Gesellschaft schon angekommen und wo besteht noch Handlungsbedarf?
Nils: Die nächste Frage ist ein Sprung, aber vielleicht passt es trotzdem. Du hast als Journalistin angefangen und unterschiedliche Stationen erlebt. Wenn du zurückblickst und auch durch die Brille deiner Kunden guckst, welche Bereiche sind gut digitalisiert und was sind Ecken in unserer Gesellschaft, wo wir ganz am Anfang stehen? Wo ist noch der größte Handlungsbedarf?
Christiane: Unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, ist allgemein bekannt, dass dort am ehesten digitalisiert wird, wo der Druck am größten ist. Wo sich verändert werden muss, weil Wachstum sonst nicht mehr möglich ist oder weil nicht ausreichend viel Geld verdient wird, um die angestellten Mitarbeiter zu beschäftigen.
Nummer eins ist die Automobil- und Automobilzulieferbranche. Die sind sehr stark digitalisiert. Ob sie immer das richtige Mindset haben, ist sehr unterschiedlich, aber sie haben den Druck. Sie müssen das machen, ob sie wollen oder nicht. Die zweite heftig betroffene Branche ist in meinen Augen die Finanzbranche. Ich war bei einer Bank. Ich weiß, wie weit sie es nicht schaffen, Kunden glücklich zu machen. Das Thema „User Experience“ war bei einer Bank nie das Thema. „Nein, sie können heute keinen Termin bekommen.“ – „Ja, ich hab mir aber heute frei genommen.“ – „Ja, trotzdem heute aber nicht.“ – Das war Bankwesen früher. Da ist der Druck extrem hoch und es wird viel digitalisiert, Prozesse werden optimiert und verschnellert.
Aber man kann auch unterschiedliche Wege nutzen, um als Kunde zufrieden zu sein. Das finde ich sehr interessant. Mein liebster Bereich ist nunmal die Medienlandschaft. Die hat sehr lange gebraucht, sich mit dem Thema Digitalisierung und digitale Transformation auseinander zu setzen. Das fand ich immer Schade. Ich wollte immer gerne mit Medien arbeiten, aber sie haben sich nicht für das Thema interessiert. Letztes Jahr wurde ich zum ersten Mal eingeladen, einen Vortrag und Workshop zu halten über Führung im digitalen Zeitalter und Mindset. „Wie ist das, wenn ich das Geschäftsmodell ändere? Wie gehe ich mit Mitarbeitern um?“
Die Medien fangen jetzt damit an und darüber bin ich sehr glücklich. Da ist der Druck groß, weil die alten Geschäftsmodell nur noch bedingt gut funktionieren. Bei den älteren Generationen ja, aber alles was jung ist, möchte anders bedient werden. Sie haben es schwer, weil die neuen digitalen Geschäftsmodelle finanziell noch nicht so erfolgreich sind, wie die anderen. Der Springer Verlag zeigt aber gerade, dass man auch digital Geld verdienen kann. Ich hoffe, dass da mehr Drive reinkommt.
Medizin ist jetzt ein ganz großer Bereich. Philips ist dabei, sich neu aufzustellen. Ich habe Leute in meinem Umfeld, die jetzt in Medizin-Start-Ups arbeiten. Das wird auch noch spannend.
Nils: Da fällt mir gleich eine Anschlussfrage ein. Du hast gesagt, im Journalismus-Bereich wollen die älteren Leute Medien auf eine herkömmliche Weise konsumieren und die Jüngeren nicht. Das stellt die Medienfirmen vor die Herausforderung, dass sie beides machen müssen. Siehst du das auch in anderen Bereichen?
Christiane: Ja, das sehe ich in vielen Bereichen. Ich sehe viele mittelständische Unternehmen mit 200-300 Mitarbeiter, die dieses zweigleisige Modell fahren. Einerseits das Klassische, weil sie das können und die Kunden da sind. Auch wenn die Umsatzzahlen latent zurückgehen, sind sie immer noch ok. Wenn sie klug sind, fahren sie auch das digitale Modell. Dann sagen sie: „Wir experimentieren und haben ein anderes Mindset. Fehler sind erstmal in Ordnung, solange wir daraus lernen. Wir müssen noch nicht viel Geld verdienen. Wir haben eine neue Firmenkultur. Wir lassen andere Kommunikations- und Entwicklungswege zu.“
Kürzlich habe ich mit einer Unternehmerin gesprochen, die sehr erfolgreich ist. Sie sagte zu mir: „Ich glaube, jetzt sind bei mir beide Wege ganz gut. Wie führe ich sie zusammen?“ Das ist für mich die nächste große Frage in der Businesswelt. Wie kriege ich die beiden Welten zusammen? Oder muss ich sie zusammen bekommen? Das werden die Zukunftsfragen sein.
Nils: Spannend. An diesem Punkt in unserem Gespräch finde ich das offensichtlich, aber für mich ist die Frage neu.
Was ist das größte Problem, das du im Rahmen der Digitalisierung angehen wirst?
Nils: Dann kommen wir zu den drei Abschlussfragen, die ich immer stelle. Was ist das größte Problem, dass du konkret im Rahmen der Digitalisierung angehen wirst? Sei es für dich selbst oder deine Clienten?
Christiane: Das wird im weitesten Sinne das Thema „Führen im digitalen Zeitalter“ sein. Zum einen klassische Führung, aber auch das Thema der Selbstführung. Ich merke bei mir selber, dass ich beruflich Transformationen erlebe, weil ich so viele verschiedene Jobs hatte und ich mich durch die Digitalisierung beruflich stark verändert habe. Für mich ist die Frage, inwieweit hält ein Mensch es aus, sich immer weiter zu transformieren? Ist das zumutbar und machbar oder ist es irgendwann genug? Welche Konsequenzen hat das für mich, mein Leben und meinen Broterwerb? Das ist meine private Frage. Im Beruflichen wird mich das Thema „Führung von Unternehmen, Menschen und Prozessgestaltung für die neuen Zeit“, beschäftigen.
Hilfreiche Quellen zum Thema Digitalisierung
Nils: Wenn du jemandem eine Quelle empfehlen solltest, der sich für das Thema Digitalisierung interessiert, dann kommt dein Buch natürlich zu allererst?
Christiane: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin nicht so die Theoretikerin. Du hast erzählt, du hörst viele Podcasts. Ich spreche viel mit Menschen. Ich lese viele Blogs und Zeitungsartikel. Ich lese gelegentlich Bücher, aber nicht so gerne. Für mich sind die größten Quellen Events, bei denen man sich austauschen kann. Barcamps, Hackathons, Medienkongresse und überall da, wo man Vorträge hören und mit Menschen sprechen kann. Idealerweise sind viele Veranstaltungen in der Lage die Vorträge oder Paneldiskussionen aufzuzeichnen. Vieles kann man später nachhören oder nachsehen. Ich interessiere mich für den lebendigen Austausch. Deshalb sage ich auch immer allen Leuten, die sich für diese neue Zeit interessieren, geht auf einen Mag Barcamp oder zu einem Hackathon. Guckt euch an, wie es ist, wenn man in kurzer Zeit ein Problem lösen will mit Menschen, die man vorher noch nicht kannte. Guckt euch an, wieviel Spaß das macht. Wenn ihr den Spirit „Wir kriegen das gemeinsam hin“ miterlebt, verändert es das eigene berufliche Leben und die Wahrnehmung im Privaten, von dem was eine Rolle spielt oder was Erfolg sein kann. Das wären meine Empfehlungen.
Nils: Das kann ich nur bestätigen. Wen würdest du gerne in Zukunft in diesem Podcast hören?
Christiane: Ach, da gibt es so viele Leute.
Nils: Gerne auch mehrere.
Christiane: Ich möchte keine Namen nennen, das fände ich nicht nett. Ich habe gerade einen Fachartikel über digitale Führung im Mittelstand geschrieben und festgestellt, dass es unglaublich schwer war, Menschen zu finden, die bereit und in der Lage waren (oder denen gestattet wurde) zu erzählen, wie sie die digitale Transformation vorantreiben, unterstützen, begleiten und erleben. Mich interessieren solche Erfahrungsberichte. Wie haben wir das gemacht? Was hat gut funktioniert und was nicht? Ich glaube ehrlicherweise nicht an Rezepte. Ich glaube nicht, dass man sagen soll A,B,C,D und dann funktioniert das. Je mehr unterschiedliche Beispiele man hört und Erfahrungen man machen kann, desto mehr Vorstellungskraft hat man von der digitalen Transformation. Dann würden mir mehr Leute glauben, wenn ich sage: „Es gibt kein falsch, es gibt nur passend oder unpassend.“ Deshalb würde ich es gut finden, wenn du mehr Cases machen würdest von Menschen, die tatsächlich im Unternehmen oder als Berater unterwegs sind und sich aktiv für den Wandel einsetzen und was sie für Erfahrungen machen.
Nils: Eine Geschichte habe ich Ende Juli gebracht, das Interview mit „Wer liefert was“.
Christiane: Ja, das muss ich mir anhören.
Nils: Das war die erste sehr konkrete Geschichte in der Richtung. Ich werde weitere suchen.
Christiane: Ich kann dir später auch noch Namen nennen.
Nils: Okay, vielen Dank. Dann war unser Interview für heute.
Christiane: Danke Nils. Es hat mir Spaß gemacht.
Nils: Das war unser Interview mit Christiane Brandes-Visbeck von Ahoi Consulting. Vielen Dank für das Gespräch und für das Interesse. Bis zum nächsten Mal.
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Wege der Digitalisierung. Wir finden heraus, was Digitalisierung alles bedeuten kann. Heute, in unserem sechsten Interview, spreche ich mit Christiane Brandes-Füssbeck. Christiane ist Inhaberin von Ahoi Consulting und hilft Menschen dabei, sich so mit der neuen Zeit zu arrangieren, dass sie Spaß daran haben und ihre Karriere befördern können. Das bedeutet, es geht wieder um die Themen Mensch und digitale Transformation. Wir haben es schon in vergangenen Interviews, vor allen Dingen einen sehr ähnlichen Aspekt in dem vierten Interview mit der Change-Manufaktur, aber auch im zweiten Interview mit dem Creative Space, mit der Susanne Draheim und am Rande auch mit Wer liefert was gelernt. Technologie ist immer nur der Treiber und am Ende müssen Organisationen und damit netzerkonsequent einfach Menschen mit den Konsequenzen der digitalen Transformation klarkommen.
Das heißt, entweder man freut sich drüber und macht mit oder man bleibt vielleicht auf der Strecke und als Führungskraft muss man dafür sorgen, dass alle mitkommen. So, und da ist Christiane ganz vorn dabei und hilft Firmen und Menschen dabei. Wie kann ich das erreichen? Ich bin sehr gespannt, was Christiane uns alles erzählen wird. Sie hat auch ein Buch zu dem Thema geschrieben, über das sie uns bestimmt was erzählen wird. Ich freue mich auf das Gespräch. Auf geht's! Ich sitze hier vor Christiane Brandes-Visbeck und wir reden heute über digitale Transformation, Digital Leadership. Christiane, erzähl mal, wer bist du, was hat dich hierher geführt?
Ja, ich bin Christiane und ich habe in den 90er Jahren als Journalistin gearbeitet, nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften und ein bisschen Medienrecht und auch Germanistik und war dann nach drei Berufsjahren Chefredakteurin und hatte damit nach drei Jahren das Ziel erreicht, was ich eigentlich normalerweise vielleicht nach 20 Jahren hätte erreichen sollen. Und als Chefredakteurin habe ich damals in den 90er Jahren eine Fernsehsendung verantwortet, die ein digitales Schnittgerät hatte. Das war ganz neu und wir hatten auf einmal als junge Redaktion die Möglichkeit, anders zu produzieren, als es damals üblich war. Digitale Schnittgeräte konnten sozusagen Filme so schneiden, dass man nicht mal von Anfang bis Ende schneiden musste, sondern konnte in der Mitte mal was rausnehmen oder einfügen.
Man konnte auch Musik unterlegen auf eine andere Art und Weise. Jedenfalls hatte man sehr viel Freiheiten in der Gestaltung von Filmen. Das heißt, wir konnten experimentieren. Wir konnten andere Optiken entwickeln und haben auch inhaltlich ernsthafte Unterhaltungsthemen zusammengeführt, was damals überhaupt nicht ging. Man war entweder Ernst und Nachrichten oder Uh und Unterhaltung und das war seicht, so Tutti Frutti mäßig. Das heißt, wir haben also diese digitale Transformation genutzt, um anders zu produzieren technisch, aber auch um andere Inhalte zu transportieren. Und dieses Erlebnis hat mich total geprägt bis heute. Also ich wurde gezwungen, eine digitale Neuheit anzuwenden, auf die ich ehrlich gesagt keinen Bock hatte.
Und nachdem ich mich aber darauf eingestellt habe, fand ich es total toll. Und seitdem habe ich in meinem ganzen Leben, ich habe ungefähr neun verschiedene Berufe seitdem gemacht, immer wieder Interesse gezeigt an Innovationen, digitalen Innovationen und was das bedeutet fürs Berufliche und auch fürs Private und wie man sein Leben dadurch besser, schöner, toller, interessanter machen kann. Also was ist 2017 draus geworden? Ja, 2017 bin ich mit dem Thema Digital Leadership und Content-Strategie unterwegs. Das sind zwei erstmal unterschiedliche Themen. Content-Strategie kommt aus dem Journalismus und aus der Kommunikationsrichtung, dass man einfach guckt, wenn man Inhalte hat als Unternehmen, was mache ich mit denen und wie setze ich sie ein, damit sie in der PR die Reputation des Unternehmens fördern oder sich als Social Sending nutze, um potenzielle Kunden zu finden oder auch im Journalismus, um eben hier zu finden.
Leser, User oder wie auch immer zu bekommen. Und dieses Thema Digital Leadership ist interessant für mich, weil wir heute in den Zeitaltern der Digitalisierung ja nicht nur technische Veränderungen einführen, sondern wir müssen uns als Menschen auch auf diese neue Zeit einstellen, umdenken, gerade die Älteren unter uns oder die technisch nicht so affinen. Das heißt, unsere Aufgabe ist, nicht immer Angst zu haben, oh Gott, jetzt muss ich twittern, jetzt muss ich Facebooken, jetzt muss ich mich auf neue Technologie einstellen und wieder was Neues lernen, sondern dass man sagt, oh, großartig, jetzt gucke ich doch mal, was kann ich damit machen, hilft es mir vielleicht, kriege ich neue Informationen, kann ich mich besser vernetzen, lerne ich neue Leute kennen, die mich beruflich weiterbringen und privat bereichern.
Und das ist das, was ich heute mache, dass ich Menschen dabei helfe, mit dem, was sie haben, an Erfahrung, an Expertise, eben sich mit dieser neuen Zeit so zu arrangieren, dass sie Spaß daran haben und auch ihre Karriere dadurch befördern können. Digital Leadership als Karrierebooster wäre so das Stichwort.
Cool. Ich glaube, da werden wir bestimmt gleich ein paar spannende Geschichten, was das konkret für einzelne Leute bedeuten kann, hören. Vorweg die Frage, die ich eigentlich allen am Eingang stelle, was bedeutet Digitalisierung für dich? Das ist ja die Frage, um die sich dieser ganze Podcast irgendwie dreht. Was ist Digitalisierung in deinen Augen?
Digitalisierung bedeutet für mich, dass man analoge Prozesse jetzt auf einmal schneller machen kann. Und diese Schnelligkeit, die technisch jetzt möglich ist, ist einerseits schön für uns, weil wir können jetzt ganz schnell mal eben über Messenger miteinander sprechen und schnell Antworten bekommen. Früher, ich habe ja noch mit Faxen gelebt, da habe ich nach Amerika, ich hatte einen Lebensgefährd in Amerika, da habe ich einen Fax geschickt und dann hat er irgendwann zurückgefaxst und das war schon total modern. Andere Leute haben telefoniert. Ja, und heute geht das alles simultan. Das ist zum einen die tolle Seite. Es ist aber auch diese andere Seite, dass man gestresst ist, dass man 24-7-Auswärts-On ist, dass man jetzt auf einmal sich Gedanken machen muss über Digital Detox und auf einmal für sich selber die Verantwortung übernehmen muss, wann möchte ich digital unterwegs sein und wann gönne ich es, mir eine Pause zu machen.
Und dass ich als Mensch auf einmal ganz anders gefordert bin, nämlich mich selber zu steuern und auch anderen Leuten zu sagen, ich bin jetzt offline und ich möchte es auch sein, ich bin nicht erreichbar für euch. Das sind so die Themen, die mich da besonders beschäftigen.
Und wenn du an deine Kunden denkst, also die Leute, die du berätst, gibt es da noch weitere Aspekte?
Ja, es gibt so zwei verschiedene Kategorien. Das eine sind die Menschen, die ganz weit weg sind von digitalen Themen, also häufig Journalisten, Kommunikationsmenschen, zum Beispiel in Kommunikationsabteilungen von Unternehmen, die sich jetzt endlich mal mit dieser digitalen Thematik auseinandersetzen müssen. Warum Social Media? Warum ist Pressearbeit in Kombination mit Social Media erfolgreicher? Warum dürfen wir auch weiteren Pressetexte schreiben? Ja, es ist okay. Aber wie muss man das begleiten, damit es in der heutigen Zeit gut ankommt? Also diese Kombination von Online und Offline einerseits. Und andererseits habe ich aber auch Kunden, die in der technischen Branche unterwegs sind, Ingenieure oder Finanzmenschen, die also ganz stark zahlenorientiert oder technikgetrieben sind und die sich jetzt auf einmal auch auf die neue Zeit einstellen müssen, weil sie festgestellt haben, dadurch, dass es diese vielen neuen Softwaremöglichkeiten gibt und sie global arbeiten müssen, haben sie jetzt auf einmal Kollegen in Hongkong oder in Rumänien oder in Südamerika und mit denen müssen sie jetzt zusammen in einem Projekt arbeiten.
Und da gibt es ja jetzt nicht nur sprachliche Barrieren, sondern es gibt auch kulturelle Barrieren. Es gibt Kommunikationsbarrieren und selbst wenn alle skypen können und alle auf einmal in der Lage sind, Videocalls zu bedienen und Präsentationen zu lesen, die auf Englisch geschrieben wurden, gibt es trotzdem so viele neue Themen, die in der Zusammenarbeit, in der Führung von Teams, die da auf einmal eine Rolle spielen, dass dann diese Ingenieure und Techniker manchmal ein bisschen überfordert sind. Und da komme ich dann ins Spiel. Dann komme ich ins Spiel mit dieser Idee von Digital Leadership, wie man in dieser disruptiven, innovativen Zeit so mit Menschen umgehen kann, dass sie Lust darauf haben, weiterhin einen guten Job zu machen.
Da ist das Stichwort dann für mich soziale Kompetenz.
Ja, spannend. Ein bisschen haben wir es ja eben, bevor wir das Interview gestartet haben, schon angerissen. Das heißt, im Prinzip ist die Technik eigentlich der Wegbereiter dafür, dass wir heute alle anders arbeiten müssen und dass keiner sich mehr so richtig auf dem ausruhen kann, was jahrzehntelang funktioniert hat, sondern ich muss mich dem anpassen. Und eigentlich, die Technik treibt uns, aber die Technik ist, was die Digitalisierung angeht, eigentlich nur die Spitze des Eisbergs. Eigentlich sind das Menschenthemen.
Genau. Das ist für mich so. Also die Technik ist der Driver, Driver of Change. Und jetzt stellen wir aber fest, es geht nicht nur um Change, also nicht nur um Veränderung, sondern es geht tatsächlich um Transformation. Und Transformation ist noch was Heftigeres. Also Change heißt ja einfach nur, ich verändere etwas. Keine Ahnung, ich ziehe mir heute mal ein anderes Kleid an oder ich ändere jetzt meinen Modestil. Aber Transformation bedeutet ja tatsächlich, dass ich mich als Mensch auch nochmal überprüfen muss. Kann ich mit meinen Glaubenssätzen und mit meinen Vorstellungen, wie man leben sollte, heute überhaupt noch zurechtkommen? Ist es immer noch zeitgemäß zu denken, ach, alle Leute, die ständig aufs Handy gucken, sind internetsüchtig und die müssen behandelt werden.
Ist das eine Denke, die noch zeitgemäß ist? Umgekehrt, ist es völlig okay, wenn Menschen sich daten, vielleicht auch zum ersten Mal, wenn sie nebenher das Smartphone auf dem Tisch liegen haben und immer gucken, ob sie eine Message bekommen. Das heißt, mich interessieren diese ganzen sozialgesellschaftlichen und menschlichen Auswirkungen von Technologie auf uns Menschen und wie wir damit umgehen. Und mich interessiert auch die generationsübergreifende Thematik. Also ich erlebe es so, dass manchmal so ein Generationshate aufkommt, so die Alten gegen die Jungen. Also Generation Y, werteorientiert, wissen genau, wo ihre Grenzen sind und dann meine Generation X, die wir gewöhnt sind, Verträge zu erfüllen, die immer das tun, was ihnen gesagt wird, die stolz sind darauf, dass sie ihr Arbeitspensum schaffen und wenn es noch so hoch ist.
Und da kommen ja dann Clashes und jetzt die ganz junge Generation Z, die nur so hoch springt, wie sie muss und die nur dann Dinge macht, wenn sie daraus einen persönlichen Vorteil ziehen kann. Das heißt, wir haben ja hier sehr viele kulturelle Themen, die aber durch diese schnelle Transformation so viel anstrengender werden, als wenn wir in dem immer gleichen Setting wären. Wenn wir immer noch das Setting aus den 70ern hätten, dann könnten wir jetzt allen Generationen sagen, okay, das funktioniert gut und das funktioniert nicht so gut. Und dann würden sich alle Generationen einwendeln. Aber heute leben wir in einem Constant Change, in einer ständigen Veränderung. Und auf einmal wissen wir gar nicht mehr, was funktioniert und was funktioniert nicht.
Was ist richtig, was ist falsch. Und deshalb aus meiner Sicht haben wir auch diese großen gesellschaftlichen Probleme, wo auf einmal jetzt politisch auch so viel los ist. Dass Rechte auf Linke stoßen und dass starke Männer auf einmal wieder so viel Macht bekommen auf eine Art und Weise, die natürlich für mich unsäglich und gar nicht erträglich ist. Aber das liegt alles daran. Weil der, der die Technologie gut nutzt und der sich traut, über Grenzen zu gehen, ist leider vorne und ich möchte das ändern.
Kannst du Cluster benennen? Ich stelle mir vor, wenn du mit vielen Klienten, Kunden arbeitest, dass bestimmte Themen immer wieder aufkommen. Also das Grundproblem, die Grundursache ist ja für alle gleich. Es gibt immer mehr Technologie, die immer mehr Bereiche unseres Lebens beschleunigt. Und also wahrscheinlich wird ein Maschinenbauer, der Spezialdrehteile macht, andere Probleme haben als ein Journalist. Haben die auch gleiche Probleme?
Ja, für mich ist es immer das gleiche Problem, dass man, also gerade in Deutschland, made in Germany, wir sind ja sehr qualitätsbewusst und wir legen sehr viel Wert auf Ausbildung und wir legen ja auch Wert darauf, dass die Ausbildung dokumentiert ist und dass die Wege auch ordentlich sind, also erst Schule und dann Studium und das Ganze durch Zeugnisse belegt. Und jetzt auf einmal sind wir in so einer Zeit, wo der Macher und der sich was traut und der Entrepreneur und die Person, die sich auf einmal traut, Fehler zu machen, daraus zu lernen, möglicherweise viel erfolgreicher ist, als diese Person, die eigentlich alles richtig gemacht hat. Sauber zur Schule, ordentliches Abi, Studium durchgezogen, vereifigt gelernt, dann beruflich die Karriereschritte, so wie sich das gehört, eins nach dem anderen absolviert hat. Dieser Mensch ist möglicherweise gar nicht so erfolgreich oder noch nicht mehr erfolgreicher als diese jungen Wilden oder auch alten Wilden, die einfach jetzt mal außerhalb der Zeit sind.
Und das sind eben diese Gründer und diese Entrepreneure und das macht die Gesellschaft schwierig und damit kommen sowohl der Ingenieur als auch der Redakteur nicht so gut zurecht, der eben an dieses geordnete, sortierte deutsche Wesen glaubt und danach auch erzogen wurde und es eigentlich auch gut findet. Ist das denn besser, das Neue? Ich finde nichts besser und nichts schlechter. Es ist einfach nur, man muss sich einfach immer als Mensch überlegen, kann ich mir von diesem Neuen was abgucken, was mein Leben auch bereichert und gibt es auch Dinge, die ich nicht leben möchte. Ich erlebe das so in meinem Coaching-Umfeld. Ich habe ja auch mit vielen Führungskräften zu tun und viele Führungskräfte, mit denen ich arbeite, die haben Angst vor dieser Digitalisierung. Das geben die natürlich nicht zu, aber sie haben Angst. Und dann gibt es den einen, der verkriecht sich, das nenne ich dann immer Chef aus der Hölle.
Die sitzen in ihren Büros, Tür ist zu, die kommunizieren maximal über E-Mail, gehen auch nicht aus dem Büro raus, reden nicht mit ihren Mitarbeitern, wissen vielleicht auch gar nicht, was gerade Sache ist und verkriechen sich, weil sie Angst vor dem Neuen haben und Angst haben, dass sie dem Neuen nicht entsprechen können und ihren Job verlieren und dass sie sich blamieren. Dann gibt es die Menschen, die Angst haben, indem sie dagegen anwettern. Wutbürger, die sagen alles schrecklich und früher war alles viel besser und ich möchte D-Mark zurück und damals, als alles noch nicht so schnell war, ging es uns besser. Und dann gibt es die Dritten, die sagen, ja, ich habe Angst, das mag ich jetzt nicht zugeben, aber ich gucke mir mal, ich möchte eigentlich mitmachen. Eigentlich finde ich es auch ganz geil und eigentlich habe ich auch Lust auf diese Neuzeit. Und diesen Menschen kann ich dann gut helfen. Und wenn es dann Menschen sind, die ein bisschen technologieaffin sind, die kriege ich dann meistens über Apps.
Denen zeige ich dann irgendeine coole App, von denen ich weiß, dass die ein Problem lösen, was sie haben, die sie auch noch nicht kannten. Und wenn die dann einmal spielerisch Zugang zu diesem digitalen Thema haben, über das Smartphone oder eine coole App oder was zum Beispiel auch mal gut funktioniert, ist Canva, das ist so ein Grafikprogramm, womit man tolle Grafiken erstellen kann, die man dann twittern oder auf Facebook posten kann, dann sind die Leute total begeistert und dann können sie etwas Neues, was sie vorher nicht können. Und das ist dann so dieses Gadget-Thema, so mein Haus, mein Schiff, meine Frau und meine coole App. Und dann haben sie den Zugang zur neuen Zeit. Und man muss halt rauskriegen, was es ist.
Und die beiden anderen Typen?
Ja, damit tue ich mich schwer. Also mit diesen Chefs aus der Hölle, da würde ich dann immer sagen, Leute, wenn ich jetzt Leute berate in Richtung, es geht doch in die Innovation, fragen die mich auch mal, was mache ich mit denen, die nicht mitwollen. Mein Tipp ist dann immer, lasst sie. Die gucken, ob ihr erfolgreich seid und in dem Moment, wo ihr erfolgreich seid, sei es im Team besser versteht, sei es bessere Ergebnisse erzielt, Lob von der Geschäftsleitung bekommt, wenn das so ist, werden die irgendwann Lust haben mitzumachen. Und ihr müsst halt immer wieder fragen, hey, wollt ihr dabei sein? Oder noch besser ihre Expertise anfragen. Also mein Tipp ist dann immer, so eine Person, die immer im Office sitzt und sich nicht traut, die kann aber irgendwas gut. Was auch immer. Und dann würde ich irgendwann diesem Team sagen, hey, und jetzt fragt ihr mal bei sowieso diese Expertise an, von der ihr wisst, dass sie sie hat. Und ihr braucht den unbedingt im Team. In der Regel kommen die Leute. Und wenn sie nicht kommen, dann werden sie früher oder später kündigen. Das ist dann einfach so, weil die dann in die neue Zeit nicht passen.
Die Leute, die Wutbürger sind, auch da meine Erfahrung, die sind ja immer nur wütend, weil sie sich nicht gesehen fühlen. Auch wenn man denen eine Plattform gibt. Also ich habe Kunden, denen rate ich dann, ich meine sie als Standard, aber macht trotzdem Spaß, sie sollen mal so ein Barcamp machen oder mal ein Hackathon durchführen. Wenn die das dann machen und dann so ein wütender Mensch eingeladen wird, mal was zu erzählen über das Thema, was er oder sie besonders gut kann, wenn die das dann präsentieren dürfen und wenn die sich das trauen, dann fühlen die sich natürlich auch wieder so großartig, dass ein Teil ihrer Wut weggeht, weil sie werden gesehen, sie werden anerkannt und sie bekommen dann auf einmal eine Wertschätzung, von der sie gar nicht mehr dachten, dass es sie gibt.
In manchen Unternehmen erlebe ich das übrigens auch über dieses New Work Thema, dass Chefs nicht mal in Einzelbüros sitzen, sondern jetzt sitzen alle auf der Fläche und dadurch, dass jetzt die Chefs mit den Mitarbeitern in einem Büro sitzen, haben die auf einmal einen anderen Zugang und dann wird so ein Micromanager-Chef manchmal entspannter, weil er nicht mehr so kontrollieren muss, ob die Mitarbeiter das alles richtig machen, weil man ja eh in einem Büro sitzt. Und auf einmal kriegen dann die Mitarbeiter mehr Freiheit und können viel mehr auf Augenhöhe agieren als noch vorher. Also von daher viele Wege, man kann das alles probieren, aber ich würde immer mit denen anfangen, die Lust haben, ich würde immer die motivieren, die offen sind und die anderen im Blick behalten, aber nicht zwingen, das bringt gar nichts.
Hier liegt auf dem Tisch ein Canvas, Digital Leadership Canvas, das du entwickelt hast, das wir auch verlinken werden. Ist das genau das Werkzeug, mit dem man herausfinden kann, wie man, wenn man diese digitale Digital Leadership Change angehen will, wo man ansetzt?
Genau, also ich habe es ja oft mit Menschen zu tun, die keine Lust auf diese neue digitale Zeit haben und die dann auch nicht so genau wissen, wo da ihre Position ist und wie sie jetzt im Unternehmen mit diesem Digitalisierungs- oder noch schlimmer digitalen Transformationsauftrag umgehen sollen. Oder die wollen das gerne, aber sie wissen nicht, wie sie ihren Chefs oder Kollegen erzählen, dass das eigentlich ganz toll ist. Und dafür habe ich diese Canvas entwickelt, die soll so ein erstes ins Machen geben. Oft wissen Leute einfach nicht, was sie tun sollen, der erste Schritt ist nicht vorhanden. Und bei dieser Canvas fange ich damit an, dass ich erstmal sage, Leute, du für dich oder ihr im Team, überleg doch mal, wie ist eigentlich eure Vision über Führung im digitalen Zeitalter?
Wie will ich dann sein? Wie will ich mich selbst führen? Wie möchte ich mit meinen Kollegen umgehen oder mit meinen Mitarbeitern? Und welche Werte sind für uns entscheidend? Und wenn ich diese Fragen beantwortet habe, dann kann ich gucken, wenn da so ein gemeinsames Wertesystem vorhanden ist, was kann ich im Moment eigentlich schon? Was sind meine Management- und Leadership-Skills? Also was habe ich an Kompetenz und Know-how? Und welche inspirativen Persönlichkeitsmerkmale habe ich vielleicht? Die Menschen motivieren gerne das zu tun, was ich möchte. Dann kann ich gucken, welche digitalen Skills habe ich, die mir helfen, jetzt in dieser neuen Zeit zurechtzukommen. Und dann schaue ich mir an, wer ist eigentlich in meinem Netzwerk, wen kenne ich, warum kennen die Leute mich, warum finden die mich gut, warum sind sie gerne mit mir zusammen, warum wollen sie immer in der Nähe sein.
Und wenn man das alles reflektiert hat, dann hat man sich selbst schon mal positioniert in dieser neuen Zeit und dann kann man für sich alleine oder im Team herausbekommen, was kann noch besser werden, wo sind unsere Herausforderungen und welche Lösungen sind vorstellbar. Und wenn man sich das alles in dieser Canvas aufgeschrieben hat, dann hat man schon mal so einen Plan. Und da kann man zum Beispiel im Team sagen, okay, wir machen jeden einmal im Monat freitags einen zweistündigen Workshop und arbeiten die Herausforderung ab als To-Do-Liste. Oder aber wenn wir Lösungen brauchen, können wir wo auch immer hingehen und sagen, wir brauchen das Budget oder diese Ressource oder was auch immer, damit wir das besser hinbekommen.
Und dann gibt es noch das letzte Feld, das habe ich jetzt Erfolgsbarometer genannt, weil ich es natürlich auch immer sehr wichtig finde, dass man Erfolge überhaupt anerkennt und vielleicht auch feiert. Also eine unserer Problematiken in Unternehmen ist ja, dass Mitarbeiter sich oft nicht gesehen fühlen. Also Gallup-Studie zeigt das jedes Jahr. Mitarbeiter werden nicht gesehen, Chefs behandeln sie schlecht, sie werden nicht gelobt, sie bekommen kein Feedback, sie werden eigentlich nur als Ressource missbraucht. Und dieses Erfolgsbarometer soll Menschen helfen, zu reflektieren, was ist ein Erfolg und wie feiern wir den. Für mich ist schon ein Erfolg, zum Beispiel positiv zu denken, weniger ja aber zu sagen oder so ein Bullshit-Bingo haben wir immer schon gemacht oder geht nicht oder da musst du woanders hingehen.
Also, dass man sich da einfach so lustige Dinge ausdenkt, wenn man noch keine Hardcore-Erfolge feiern kann, die einem aber helfen zu sagen, ja, ich bin weitergekommen, ich denke anders, wir denken anders, wir gehen anders miteinander um. Und deshalb ist dieses Feld Erfolgsbarometer mir besonders wichtig, weil es einfach so dieses, ja, es lohnt sich, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen Feld ist.
Total cool. Also ich bin von diesen Canvas totaler Fan seit das Business Model Canvas vor ein paar Jahren erschienen. Und ich finde das super, weil das hier kann jeder verwenden. Das Business Model Canvas brauche ich, wenn ich ein Startup gründen will oder mein eigenes Geschäftsmodell hinterfragen will. Aber das hier kann meiner Meinung nach jeder benutzen.
Das ist auch so meine Erfahrung inzwischen. Ich war im Mai auf der Media Convention damit, das ist diese Medienkonferenz, die parallel zur Republika stattfindet in Berlin und ich wurde also eingeladen, da einen Workshop zuzugeben zu dieser Canvas, also das Thema Führung im digitalen Zeitalter vorzustellen und dann diesen kleinen Canvas-Workshop zu machen. Und es waren 40 Leute vorgesehen und ich hatte dann auch 40 Canvases mit und Post-its und Stifte. Und dann waren da weit über 80 Leute in diesem Raum. Es war total überfüllt, viele Leute sind weggegangen, es wurde tierisch viel darüber getwittert. Und das war auch genau das, dass die Leute gesagt haben, hey, das ist was, was ich nutzen kann, unabhängig von meiner Position im Unternehmen, unabhängig davon, wie wichtig ich bin.
Es hilft mir einfach, mich selber in dieser neuen digitalen Zeit zu positionieren und aber gleichzeitig auch Zugang zu meinen Kollegen zu finden. Und deshalb mag ich auch dieses Feld, wie sehen die anderen mich so gerne, weil da kann ich in Workshops dann immer so Geschenke machen. Das heißt also, die Leute füllen ihre Kenntnisse selber aus und hinterher sage ich so, und jetzt komme ich zu Feld 5. Und jetzt sag mir doch mal, jetzt sagen die anderen bitte, was sie an diesen Kollegen, dessen Kenntnis wir gerade besprechen, toll finden. Und dann dürfen die Post-it schenken, wo was draufsteht. Und dieses Feld ist das Herzöffnungsfeld. Nach diesem Feld sind die Leute offen für den Change, den die digitale Zeit von ihnen erwartet.
Also es geht alles übers Herz. Das ist meine Erfahrung. Leute transformieren sich nur, wenn man sie darin wertschätzt und wenn man sie sieht.
Das finde ich total cool. Ich habe das schon mehrfach gemacht in Retrospektiven, wenn wir Software entwickeln, wenn das so große Meilensteine sind, dass man genau das macht, wenn man so zurückblickt auf die letzten Wochen, dass jeder irgendwem anders aus dem Team einen Dankbarkeitszettel immer ist.
Genau, selbe Konzept. Das ist total super.
Ja, und das öffnet so eine Runde.
Und auch bei Ingenieuren. Also ich mache diese Canvas auch mit Ingenieuren. Das sind gestandene Menschen, so zwischen 25 und 65, größtenteils Männer. Die lachen mich dann schon mal aus, wenn die sagen Digital Leadership Canvas auf Papier. Ich denke, wir reden hier über Digitalisierung. und dann noch mit diesen bunten Zetteln und dann schreiben. Und dann sind die erst mal alle so, oh, und hinterher sind sie so, ja. Und dann auf einmal fangen die an, sich mit den Werten des Unternehmens auseinanderzusetzen und was sie verbindet und in welchem Geist diese Firma mal gegründet worden ist. Und dass der Gründergeist ja heute immer noch da ist und dass er sie heute immer noch verbindet und dass sie deshalb da ja eigentlich auch ganz gerne sind.
Und dann fangen sie auf einmal an, sich Gedanken zu machen über das Thema, worum es dann in diesem jeweiligen Training geht. Bei mir geht es dann immer so um Führung auf Distanz oder um Fehlerkultur lernen oder es geht immer um solche Soft-Skill-Themen. Aber dafür ist diese Leadership-Kennung einfach ein ganz schöner Öffner, dass man sich einfach öffnet für Neues.
Total cool. Ich werde die bestimmt einsetzen demnächst. Danke. Dankeschön. Vielleicht passt da direkt der Anschluss. Du hast gesagt, dass demnächst, also wahrscheinlich, wenn dieses Interview online ist, schon erschienen sein wird. Ein Buch?
Ja, genau.
Das Canvas wird darin auch besprochen.
Genau, das war die Idee, dass ich die digitale Transformation und Führen in der digitalen Zeit sozusagen nicht nur vorstellen wollte als Idee des Umdenkens und Mindset, sondern ich wollte auch was Praktisches mitliefern, dass Menschen dann, nachdem sie das Buch gelesen haben, gleich irgendwas haben, was sie anwenden können. Und das Buch heißt Netzwerk schlägt Hierarchie, neuere Führung mit Digital Leadership. Erscheint wahrscheinlich Mitte September. Und für mich geht es einfach nur darum, Menschen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen wollen oder müssen, die erste Hürde, also sie zu motivieren, die erste Hürde zu nehmen. Für mich ist das so niedrigschwellig, dass ich einfach so sage, ja, jeder kriegt das hin, es liegt an euch und habt ihr euch darüber mal Gedanken gemacht oder darüber Gedanken gemacht.
Und dann stelle ich auch so ein paar Konzepte vor, zum Beispiel Effectuation ist mir persönlich sehr wichtig. oder auch, dass man lernt, Ressourcen schon zu arbeiten, also nicht mehr so wie früher. Ich nehme den Job an, wenn ich eine Assistentin bekomme und ein Auto und noch drei neue Mitarbeiter und die zwei, die ich habe, sollen entlassen werden. Ging ja früher alles, heute geht das halt nicht mehr. Und dass man einfach so auch da umdenkt, dass wir einfach lernen, realistisch zu denken, die Möglichkeiten, die da sind, zu nutzen. Also ich nenne das immer Tim-Melzer-Prinzip und bringe dann immer dieses Beispiel, so wie ich koche, ich habe ja nicht so viel Zeit, Kühlschrank auf, Vorratskammer auf, die drei wichtigsten Lebensmittel, auf die ich Lust habe, gebe ich bei Chefkoch ein, dann werden mir diverse Rezepte ausgespuckt und das, was mir am besten gefällt, nehme ich dann, das adaptiere ich so ein bisschen zu meinen Möglichkeiten und dann koche ich dieses Gericht.
Und das ist für mich auch das, wie digitale Führung funktionieren kann, dass ich aus dem, was ich habe, das Beste mache, dass ich mir nicht immer was wünsche und Wunschkonzert spiele, das Leben ist kein Ponyhof, das heißt, ich sage, okay, ich habe jetzt dieses Team mit diesen Vorteilen und die Klammern, diesen Macken, die ertrage ich einfach und dann machen wir jetzt das Beste und Geilste draus und dann werden wir so ein Winning-Team. Darum geht es in diesem Buch.
Cool. Also ich bin total gespannt und ich denke in Zeiten von Fachkräftemangel ist das eigentlich der einzige Weg, der vielversprechend ist.
Genau, ich war ja mal in meinem Leben unter den vielen Jobs, die ich hatte, war ich auch mal Bereichsleiterin Personal und Kommunikation bei einer mittelständischen Bank und da war ich ja dann das erste Mal in meinem Leben so ernsthaft diesem ganzen Thema Personalmanagement, also in der Theorie konfrontiert. Ich habe immer Personal entwickelt, aber ich war halt nicht so in diesem Management-Thema zu Hause. Und ich habe dann so richtig gespürt, wie so dieses Thema Stellenbeschreibung und die ganzen Recruiting-Prozesse, die zum Teil auch durch Software aufgegeben werden, wie das so behindert. Dass man oft nicht die richtigen Leute gefunden hat, weil man die falschen Fragen gestellt hat, weil die falschen Leute die Erstauswahl gemacht haben, weil vielleicht auch die Beschreibungen zum Beispiel immer männlich dann vielleicht formuliert waren, wie schwierig es ist, diverse Teams hinzubekommen, weil man sofort Vorurteile gegenüber Menschen hat, die anders aussehen.
Also mir sind so, so viele Themen in dieser Position klar geworden. Und als ich dann nicht mehr dort beschäftigt war, habe ich sofort angefangen, mich mit diesem Thema, wie findet man die richtigen Mitarbeiter so zu beschäftigen. Ich wollte da auch eine App für entwickeln, Jobdigger. Das war mal so ein Starter-Projekt, was ich eine Zeit lang gemacht habe, wurde leider nicht finanziert. Da haben wir wieder damit aufgehört. Und so bin ich dann aber auf dieses Thema Mitarbeiter, Mitarbeiter führen, finden, Menschen entwickeln, zu diesem Thema Führung im digitalen Zeitalter gekommen. Und das ist für mich einfach total wichtig, dass die richtigen Menschen gefunden werden für die passenden Positionen und dieses Mismatchen endlich mal aufhört.
Ich glaube, die nächste Frage ist so ein bisschen so ein Sprung, aber vielleicht passt es trotzdem.
Gerne springen.
Du hast gesagt, du hast mal als Journalistin angefangen und du hast unterschiedliche Stationen erlebt. Wenn du so zurückblickst und wenn du im Prinzip jetzt auch durch die Brille deiner Kunden und Klienten guckst, Was würdest du sagen, welche Bereiche sind schon sehr gut digitalisiert und was sind so Ecken in unserer Gesellschaft, wo wir ganz am Anfang stehen? Also wo ist noch der größte Handlungsbedarf?
Genau, also wenn ich das jetzt mal so unter wirtschaftlichen Aspekten betrachte, ist ja auch allgemein bekannt, wird da am ehesten digitalisiert, wo der Druck am höchsten ist. Also wo sich verändert werden muss, weil Wachstum sonst nicht mehr möglich ist oder weil nicht ausreichend viel Geld verdient wird, um die Mitarbeiter zu beschäftigen, die man hat. Das ist Nummer eins Automobilbranche und Automobilzulieferbranche. Die sind sehr, sehr stark digitalisiert. Ob die jetzt immer das richtige Mindset haben, das ist sehr, sehr unterschiedlich. Aber die haben den Druck, die müssen das machen, ob sie wollen oder nicht. Die zweite Branche, wo das sicherlich sehr heftig ist, ist in meinen Augen die Finanzbranche.
Ich war bei einer Bank, ich weiß, wie weit die es nicht schaffen, Kunden glücklich zu machen. Und dass das Thema User Experience bei einer Bank nie ein Thema war. Nein, sie können heute keinen Termin bekommen. Ja, ich habe mir aber heute freigenommen. Ja, trotzdem heute nicht. Das war Bankwesen früher. Und da ist natürlich der Druck auch extremstens hoch. Und da wird viel digitalisiert, die Prozesse werden optimiert, verschnellert. Aber auch so, dass man eben unterschiedliche Wege nutzen kann als Kunde, um eben zufrieden zu sein. Das finde ich sehr interessant. Mein liebster Bereich ist ja nun mal die Medienlandschaft. Der hat sehr lange gebraucht, um sich mit diesem Thema Digitalisierung, digitale Transformation auseinanderzusetzen.
Fand ich immer ein bisschen schade. Ich wollte immer so gerne mit Medien arbeiten. Und die haben sich immer gar nicht für dieses Thema interessiert. Und letztes Jahr wurde ich jetzt zum ersten Mal mal eingeladen, mal einen Vortrag oder zum Workshop zu halten, Überführung im digitalen Zeitalter oder Mindset oder wie ist das eigentlich, wenn ich jetzt das Geschäftsmodell ändere, wie gehe ich dann mit Mitarbeitern um? Die Medien fangen jetzt damit an. Und da bin ich auch sehr glücklich darüber, aber da ist der Druck natürlich auch groß, weil die alten Geschäftsmodelle nur noch bedingt gut funktionieren. Bei den älteren Zielgruppen ja, aber alles, was jung ist, möchte anders bedient werden. Und klar, haben sie es schwer, weil die neuen digitalen Geschäftsmodelle finanziell noch nicht so erfolgreich sind wie die anderen.
Aber der Springer Verlag zeigt ja jetzt gerade, dass man auch Digitalgeld verdienen kann. Also ich hoffe, dass da jetzt ein bisschen mehr Drive reinkommt. Achso, Medizin ist ein großer Bereich jetzt. Also E-Health, ganz, ganz groß. Philips ist ja dabei, sich neu aufzustellen. Ich habe Leute in meinem Umfeld, die jetzt in Medizin-Startups arbeiten. Das wird auch noch spannend.
Da fällt mir gleich eine Anschlussfrage zu ein. Du hast gesagt, der Journalismusbereich, die alten, älteren Leute wollen auf die herkömmliche Weise die Medien konsumieren, die jüngeren nicht. Das stellt natürlich die Medienfirmen vor die Herausforderung, dass sie im Prinzip beides machen müssen gerade. Siehst du das in anderen Bereichen auch?
Ja, das sehe ich bei vielen Bereichen so. Ich berate ja viele mittelständische Unternehmen, die so mittelgroß sind, so 200-300 Mitarbeiter. Und bei denen ist das tatsächlich so, dass die, also die fahren alle dieses zweigleisige Modell. Einerseits das klassische, herkömmliche, weil das können sie, das beherrschen sie, die Kunden sind da. Und auch wenn vielleicht die Umsatzzahlen latent zurückgehen, sind sie eigentlich immer noch ganz okay. Und dann fahren sie aber, wenn sie klug sind, das neue digitale Modell, wo sie sagen, gut, wir experimentieren, wir haben ein anderes Mindset, Fehler sind erstmal okay, solange wir daraus lernen, wir müssen noch nicht so viel Geld verdienen, wir haben eine neue Firmenkultur, wir lassen andere Kommunikations- und Entwicklungswege zu.
Und ich habe kürzlich mit einer Unternehmerin gesprochen, die sehr erfolgreich ist. Die hat mich dann gefragt, sagt sie so, ich glaube, jetzt sind bei mir beide Wege ganz gut. Wie führe ich die denn jetzt zusammen? Und das ist, glaube ich, für mich die nächste große Frage in der Businesswelt. Genau die. Wie kriege ich diese beiden Welten zusammen? Oder muss ich sie zusammenbekommen? Oder das werden die Zukunftsfragen sein.
Spannend. Also finde ich jetzt, wo wir an diesem Punkt im Gespräch sind, total offensichtlich. Aber es ist für mich neu, die Frage. würde ich sagen, kommen wir zu den drei Abschlussfragen, die ich immer an dieser Stelle stelle. Die erste, was ist das größte Problem, das du konkret im Rahmen der Digitalisierung angehen wirst? Sei es für dich selbst oder für deine Kunden, Klienten?
Ja, das wird im weitesten Sinne dieses Thema Führen im digitalen Zeitalter sein. Also einmal klassische Führung auf jeden Fall, aber auch dieses Selbstführungsthema. Also ich merke bei mir selber, ich erlebe ja eigene Transformationen beruflich, weil ich ja so viele verschiedene Jobs hatte, weil ich durch die Digitalisierung eben auch beruflich mich stark verändert habe und immer mit verändert habe. Und für mich ist so die Frage, inwieweit hält ein Mensch es aus, sich immer weiter zu transformieren? Ist das zumutbar? Ist das machbar? Oder sage ich irgendwann, jetzt ist aber Schluss, jetzt will ich nicht mehr. Und wenn ich das mache, welche Konsequenzen hat das für mich und mein Leben und natürlich auch für mein Bruderwehr?
Und das ist so meine private, persönliche Frage. Und im Beruflichen wird mich dieses Thema führen, Unternehmensführen, Prozesse so gestalten, dass sie in der neuen Zeit auch funktionieren, Menschen führen. Das wird mich immer beschäftigen, bin ich ganz sicher.
Okay, wenn du jemandem eine Quelle empfehlen solltest, der sich für dieses Thema Digitalisierung interessiert. Dein Buch natürlich zuallererst.
Ja, das muss man ja. Genau, Quelle. Also ich bin ja, muss ich ganz ehrlich sagen, nicht so die Theoretikerin. Also du hast mir erzählt, du hörst viele Podcasts. Ich spreche viel mit Menschen. Ich lese viele Blogs und ich lese auch viele Zeitungsartikel. Ich lese gelinglich Bücher, aber nicht so gerne. Für mich sind die größten Quellen eigentlich immer Events, wo man sich austauschen kann. Barcamps, Hackathons, Kongresse, Medienkongresse. Also überall da, wo man Vorträge hören und mit Menschen aber auch darüber sprechen kann. Und idealerweise sind ja auch viele dieser Veranstaltungen jetzt auch in der Lage, diese Vorträge oder Panel-Diskussionen aufzuzeichnen. Das heißt, vieles kann man ja später nachhören oder nachsehen.
Und ich interessiere mich einfach immer für diesen lebendigen Austausch. Und deshalb sage ich auch mal allen Leuten, die sich für diese neue Zeit interessieren, geht mal auf ein Barcamp, geht mal zu einem Hackathon, guckt mal, wie das ist, wenn man in kurzer Zeit ein Problem lösen will, innerhalb von 48 Stunden mit Menschen, die man vorher noch nicht kannte. Und guckt euch mal an, wie viel Spaß das macht. Und wenn ihr so miterlebt, diesen Spirit und dieses, wir kriegen das gemeinsam hin, das verändert das Leben. Das verändert auch das Leben, das eigene berufliche Leben und auch die Wahrnehmung im Privaten von dem, was eine Rolle spielt oder was Erfolg sein kann. Das wären meine Empfehlungen.
Cool. Kann ich nur bestätigen. Letzte Frage. Wen würdest du gerne in einer Zukunft in diesem Podcast hören? Wen soll ich versuchen, vor das Mikrofon zu kriegen?
Ach, da gibt es so viele Leute. unterstützen, begleiten und erleben. Mich würde es interessieren, mehr solche Erfahrungsberichte zu hören. Wie haben wir das gemacht? Was hat gut funktioniert? Was hat nicht gut funktioniert? Wobei ich ganz ehrlich nicht an Rezepte glaube. Ich glaube nicht, dass man sagen soll A, B, C, D und dann funktioniert das. Nein. Aber je mehr unterschiedliche Beispiele man hört und je unterschiedliche Erfahrungen man wahrnehmen kann, desto mehr Vorstellungskraft hat man davon, wie das mit dieser digitalen Transformation sein kann. Und dann würden auch mehr Leute mir glauben, wenn ich immer sage, es gibt kein richtig oder falsch, es gibt nur passend oder unpassend. Und deshalb würde ich es gut finden, wenn du mehr Cases machen würdest von Menschen, die tatsächlich, sei es im Unternehmen oder auch als Berater unterwegs sind und Leute eben sich aktiv für diesen Wandel einsetzen und was sie für Erfahrungen machen.
Okay, das werde ich tun. Also eine Geschichte Ende Juli, das Interview mit Wer liefert was? Ja, das muss ich mir anhören. Genau, das war die erste sehr konkrete Geschichte in der Richtung. Genau. Genau, ich werde weitere suchen.
Und ich kann dir auch Namen nennen, aber jetzt nicht.
Okay, vielen Dank. Gerne. Okay, ja, dann war das unser Interview für heute. Vielen Dank für deine Zeit. Danke Nils, hat Spaß gemacht. Das war unser sechstes Interview für den Podcast Wege der Digitalisierung. Vielen Dank Christiane für deine Zeit und dein Wissen. Ich gehe fest davon aus, dass alle, die hier zuhören, genauso viel gelernt haben wie ich. Ich werde wie immer alle Links, alle Quellen, alle Personen in den Shownotes dokumentieren. Das Ganze findet ihr unter wegederdigitalisierung.de. Dies hier ist die sechste Episode. Wir sind ganz neu auf iTunes. Ich würde mich freuen, es würde uns super helfen, wenn jeder, der hier zuhört, sich die Zeit nimmt, uns ein ehrliches Feedback auf iTunes zu geben.
Wir haben immer noch die Chance, in das Hot & New zu kommen. Das schaffen wir, wenn wir ganz viel Aktionen auf dem Profil haben. Ehrliches Feedback, bitte. Ich freue mich über Feedback. Ich freue mich sehr über positives Feedback. Aber ehrliches Feedback hilft uns besser zu werden und mehr Interviews zu führen, die euch weiterhelfen. Ja, auf geht's in zwei Wochen mit dem nächsten Interview. Vielen Dank fürs Zuhören und bis bald.