E00409.08.201745 Min
Welche Fähigkeiten brauche ich als Führungskraft, um mein Team in die digitale Zeit mitzunehmen?
Im Gespräch: Petra Carlsen (Change Manufaktur)

Worum es geht
Petra Karlsen berät Unternehmen, wie Führungskräfte Teams in die digitale Zeit führen können.
Petra Karlsen ist Managementberaterin, Trainerin und Coach. Sie gründete die Change Manufaktur und berät Unternehmen zu Digital Leadership und Veränderungsprozessen. Ihre berufliche Laufbahn reicht von IT-Technikerin über Vertrieb bei Adobe bis zu Führungsaufgaben in Personaldienstleistung.
Sie betont, dass Führungskräfte heute weniger technische Spezialisten sein müssen, sondern Brücken bauen, Beziehungen aufbauen und eine Kultur der Kreativität und Fehlerfreundlichkeit schaffen. Digitalisierung erfordert eine Veränderung der Unternehmenskultur, nicht nur der Technik.
Karlsen nennt als zentrale Fähigkeiten für Führungskräfte Transparenz, Empathie, Geduld und die Fähigkeit, Mitarbeiter früh in Veränderungsprozesse einzubinden. Sie warnt vor top-down-Veränderungen ohne Beteiligung und fordert, dass Führungskräfte selbst Vorbilder sein müssen.
Sie empfiehlt, von der eigenen Neugierde auszugehen, mit jüngeren Generationen zu sprechen, Technik nicht zu verurteilen, sondern zu verstehen, und sich bewusst mit den Ängsten der Mitarbeiter auseinanderzusetzen.
Ursprüngliche Shownotes 09.08.2017
Welche Fähigkeiten brauche ich als Führungskraft heute, um mein Team in die digitale Zeit mitzunehmen? Und was sind die größten Anfängerfehler die ich dabei machen kann?
Diese Fragen bespreche ich heute mit Petra Carlsen, Inhaberin der Change Manufaktur. Frau Carlsen berät Unternehmen zu den Themen Digital Leadership und Change.
Links aus dem Interview
Buchtipp
- Führung rockt!: Wie Sie bei Ihren Mitarbeitern ein Klima für freies Denken und Innovationen schaffen
Lutz W. Eichler
Transkript
Nils: Wir finden heraus, was die Digitalisierung konkret bedeutet. Ich bin heute zu Gast bei Petra Carlsen, Inhaberin der Change Manufaktur. Frau Carlsen begleitet Unternehmen bei den Transformationsprozessen, die bei der Digitalisierung immer eine Rolle spielen, die aber oft nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommen. Frau Carlsen, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen. Auf geht’s mit unserem Interview.
Frau Carlsen: Vielen Dank, dass Sie mit mir dieses Interview führen. Ich bin Petra Carlsen. Zu meiner Profession, ich bin seit 2010 selbständig als Managementberaterin, Trainerin und Coach tätig. Inzwischen habe ich einen Weg gefunden, mit dem ich mich auf Themen im Bereich Führung, Kommunikation und Konflikte spezialisiere. Ich selber komme aus der IT und bin technische Assistentin Informatik. Seit Mitte der 80er Jahre kenne ich die Entwicklung der Informatik, da ich in all diesen Jahren ich in der IT-Branche gearbeitet habe. Allerdings nicht als Technikerin oder Programmiererin, sondern im Vertrieb und Marketing. Ich war sehr lange bei Adobe-Systems und habe deutschland- und europaweit Vertriebsmarketing gemacht. Dann war ich bei einem der größten Personaldienstleistern Führungskraft und habe eine eigene Niederlassung geleitet und „nur“ IT-Personal an Projekte vermittelt. Dort, wo Menschen gesucht worden sind, habe ich meine Mitarbeiter vorgestellt. Außerdem habe ich freie und festangestellte Mitarbeiter für spezielle Projektthemen oder Festanstellung gesucht. Somit hatte ich immer einen Bezug zur IT-Branche. Ich war sehr lange Führungskraft und habe daher in den letzten 25 Jahren den Wandel in der Führung der Unternehmen auf Grund von Veränderungen in der Arbeitsumgebung und den Arbeitsbeziehungen miterlebt und mit gestaltet. Auch Arbeitsmodelle haben sich in den letzten 30 Jahren stark gewandelt und werden sich noch weiter wandeln. Diese Berufsentwicklung hat dazu geführt, dass ich heute Unternehmen zum Thema Führung 4.0, die so genannte Arbeitswelt 4.0 oder Digital Leadership, berate. Da sich durch die Digitalisierung noch viel wandeln wird, müssen sich Unternehmen anpassen. Außerdem wächst spannenderweise eine Generation Y heran – oder meine Kinder, die als Generation Z in 15 Jahren auf den Arbeitsmarkt kommen, die komplett neue Erwartungen und Themen an ihren Arbeitgeber stellen werden. Dahingehend wird sich die Arbeitswelt weiter wandeln und mit diesem Thema beschäftige ich mich beruflich.
Nils: Letztendlich hat diese Vorstellung dazu geführt, dass wir heute hier sitzen. Mich und alle Zuhörer würde interessieren, was das konkret an Beispielen bedeutet.
Technik treibt Kultur
Nils: Was hat sich im Arbeitsleben verändert? Was muss eine Führungskraft heute anders machen, nur weil die Welt digitaler geworden ist?
Frau Carlsen: Ich möchte das unter eine Überschrift setzen, nämlich “Technik treibt Kultur”. Seit das Automobil oder die Dampflok erfunden wurde, gab es technische Fortschritte. Es ist aber nie so schnell gegangen. Technik hat sich nie so schnell weiterentwickelt. Da wir Menschen per se nicht veränderungsfreudig sind, ertragen wir diese Schnelligkeit nicht. Die Welt ist inzwischen zu komplex, dass jeder von uns gleich auf den Zug aufspringen kann, wenn etwas Neues kommt. Dafür gibt es zu viele neue technische Themen und zu viele Anforderungen, die auf den einzelnen Mitarbeiter oder Menschen einprasseln. Daher meine ich “Technik treibt Kultur”. Es verändert sich so viel ganz schnell, aber wir kommen nicht mit. Als Führungskraft, da sind wir beim Thema Führung 4.0, müssen wir uns dem Thema annehmen: Wie nehme ich meine Mitarbeiter mit? Sie sollen verstehen, warum jetzt Veränderung, neue Technik oder Digitalisierung auf sie zukommt.
Die Menschen haben unheimlich viel Angst, deswegen stehen sie still. Sie wollen sich nicht verändern, weil sie nicht wissen, wohin es geht. Die Führungskraft von heute, morgen und auch übermorgen muss fähig sein, Brücken zu neuen Menschen, Unternehmen, Kontakten und Verbindungen zu bauen, damit diejenigen, die ihren Job machen sollen, das auch können. Die Führungskraft wird in Zukunft weniger Spezialist in einem technischen Thema sein, sondern muss vermitteln, Beziehungen aufbauen, Brücken bauen, Ressourcen zur Verfügung stellen, Leute motivieren und ihnen Feedback geben können, wie sie ihren Job gut zu machen haben.
Leute, die verstehen mit Menschen umzugehen, sind die richtigen Führungskräfte und weniger die Spezialisten, die in einem technischen Thema super gut sind. Wenn sie dann noch mit Menschen umgehen können, ist das ok. Doch mit Menschen umzugehen und sie mitzunehmen wird viel mehr in den Vordergrund treten.
Nils: Das passt zu den Erlebnissen aus meinen 10 Jahre Berufserfahrung, die ich seit dem Studium habe.
Wen betrifft Digitalisierung?
Nils: Ich höre heraus, dass es jedes Unternehmen betrifft, egal, ob das Produkt zwangsläufig digitalisiert wird. Natürlich gibt es Branchen, die sind von der Digitalisierung betroffen, weil es nicht mehr analog geht, aber Sie hatten vorher das Beispiel des Gärtners erwähnt. Ein Gärtner, der heute Mitte 50 ist, wird sich nicht mehr anpassen, aber ein Gärtnereibetrieb muss seine Mitarbeiter in 20 Jahren anders führen als heute. Das heißt, Digitalisierung betrifft jeden.
Frau Carlsen: Ja, das glaube ich schon. Es gibt sicherlich Berufsgruppen, die müssen nicht so tief in die Technik oder die Digitalisierung eintauchen und werden es nur am Rande mitbekommen. Ein Gärtner nutzt heute eine Ausschreibungsplattform wie MyHammer und kommuniziert mit seinen Kunden und Lieferanten über WhatsApp, E-Mail, etc. Das hat er vor 5 Jahren noch nicht gemacht und nach meinem Wissen ist es der höchsten Grad der Digitalisierung für ihn. Es wird wahrscheinlich keinen digitalen Bagger geben, aber vielleicht wird er irgendwann statt Gehilfen einen Roboter zum Rasenmähen haben. Es gibt schon Trollis, die auf dem Rasen rumeiern. In Sachen Technik wird er noch mehr in die Digitalisierung einsteigen, doch bei Unternehmen, wie Airbus, Lufthansa oder ein Mittelstand, der etwas produziert, ist der Maß der Digitalisierung ein Vielfaches. Trotzdem glaube ich, dass sich auch der Gärtner weiterhin mit dem Thema beschäftigen und kreativ bleiben sollte, um den Zug nicht zu verpassen. Denn er möchte unter Umständen sein Unternehmen weitervererben und, dass es in 10 Jahren noch im Wettbewerb bestehen kann, weil ihm der Zug nicht abgefahren ist. Er hat nichts davon, wenn ihn die Kunden nicht mehr finden oder er fünfmal so lange braucht, etwas im Garten zu gestalten wie sein Mitbewerber, weil er das mit eigenen Händen macht.
Eine der Fähigkeiten (und jetzt kommen wir zurück zu Führungskräften und Management in der Digitalisierung) die ich heute haben muss, ist Innovationskraft. Ich muss eine Umgebung schaffen, als Management und für mich selber und für die Mitarbeiter, dass sie kreativer sind als heute oder gestern, um neue Produkte und Ideen zu entwickeln. Wie kann ich mich im Wettbewerb durch Digitalisierung verbessern? Vielleicht muss ich die Lernumgebung und Fehlerkultur im Unternehmen verändern. Wie rede ich als Führungskraft, nicht top-down, sonder auf Augenhöhe. Ich sollte zulassen, dass Mitarbeiter etwas ausprobieren dürfen, ihre Freiräume haben und neben ihrem Job an Projekten arbeiten können, die im ersten Schritt wie Spinnerei aussehen.
Ich denke an diese fantastische Methode „Design Thinking„. Das kennt man aus der IT- und Produktentwicklung, aber eigentlich nicht bei Dienstleistungsentwicklung. Ich kann mit dieser Methode arbeiten, um alle kreativen Prozess anzuleiten. Das sind Tools, die ich als Führungskraft kennen muss. Wenn ich solche Tools anwende, steht dahinter die Haltung, eine kreative Kultur im Unternehmen einzuführen. Die Technik oder die Digitalisierung werden es beschleunigen, dass ich mich als Unternehmen immer wieder neu erfinden muss. So eine Kultur muss ich einführen, damit die Leute Lust haben, sexy Projekte und spannende Themen zu erobern und selber mitzuentwickeln. Das kann ich auch mit einem Buchhalter oder jemanden mit einem routinierten Job machen. Auch sie können sich überlegen, wie mein Service zum Kundendienst attraktiver werden kann. Daraus kann sich ein digitales Projekt entwickeln, vielleicht auch nur eine neue Kundenansprache. Die Haltung: “Ich kann etwas dazu beitragen, dass wir besser werden”, sollte im Unternehmen eingeführt werden und das macht Digitalisierung. Davon bin ich überzeugt.
Wie schaffe ich es, die Kollegen mitzunehmen in die neue digitale Zeit?
Nils: Da habe ich spontan zwei Fragen. Ich stimme voll zu und sehe das, wenn ich mit jungen Start Ups arbeite. Wenn ich mit dem gesetzten Mittelstand oder kleinen Konzernen arbeite, sehe ich zwei Probleme. Zum einem eine alteingesessene Führungsebene, die das nicht so sieht und dann kommt ein junger 21-jähriger Absolvent, der die Welt verändern will, das aber nicht kann. Frustriert lernt er von seinen Kommilitonen woanders hinzugehen. Zum Anderen bin ich eine Ende 20-jährige motivierte Führungskraft, die in einem Unternehmen etwas reißen will. Meine 50 Jahre alten Kollegen sagen aber, dass sie das schon immer so gemacht haben und ich ruhig machen soll. Wenn ich in einem Unternehmen dafür verantwortlich bin, die Digitalisierung zu schaffen, weil ich sonst zwangsläufig untergehen werde, wie gehe ich beide Seiten an? Wie schaffe ich es, die Führungsebene mitzunehmen? Wie schaffe ich es ältere Mitarbeiter/innen mitzunehmen? Ich will sie nicht gehen lassen. Ich will, dass alle mit mir in die neue Welt kommen.
Frau Carlsen: Das ist wahrhaftig ein Mammut-Projekt und das ist auch ein Problem. Wir brauchen gar nicht in große Unternehmen zu gucken. Das treffe ich beim tradierten Mittelstand oder Kleinstunternehmen an, mit denen ich zusammenarbeite. Ich treffe Menschen in jeder Altersgruppe, die motiviert sind sich zu verändern. Ich treffe auch 20-jährige, die sich nicht verändern wollen. Insofern ist Alter das eine, aber was der Mensch hat und kennt, das liebt er. Das ist auf einer Skala von eins bis zehn vertreten.
Der Eine ist neugierig und hat das in seinem Lebenslauf auch immer gehabt mit einer Familie oder einem soziales Umfeld, wo er seine Neugierde ausleben durfte. Das sind Menschen, die sich später in ihrem Leben gerne verändern und auf neue Dinge anspringen. Sie haben Lust in ein Unternehmen einzutauchen, wo sie kreativ sein und Fehler machen dürfen und haben Bock etwas neues zu erfinden, andere zu begeistern und mitzuziehen. Dann gibt es Menschen, die in ihrem Kokon groß geworden sind, und denen ist das wichtig. Ich denke, dass wir zukünftig für alle einen Platz haben werden. Es ist auch nicht so, dass heute Digitalisierung ist und zack. Sondern wir beschreiten den Weg gemeinsam. Wenn Geschäftsführer, Inhaber, die oberste Ebene und Vorstände keine Vorbilder sind, dann können sie ihr Projekt Digitalisierung an der Haustür abgeben. Sie müssen Offenheit, Fehlerkultur und Kreativität wirklich mit leben.
Das heißt, dass sie sich in die Teams mischen und an den Kreativprozessen beteiligen. Das ist bei allen Führungsthemen so, egal welche Kultur eingeführt wird. In den letzten 10 bis 5 Jahren habe ich das Thema Familienfreundlichkeit und Gesundheit in Unternehmen mit gestaltet. Wenn der Chef sagt, wir machen einen auf Gesundheit und haut ab, um eine Zigarette zu rauchen, dann haben die Unternehmen keine Gesundheitskultur. Er muss mit einsteigen, mitmachen und dafür sorgen, dass jeder sieht, wie gesundheitsförderlich er sein Leben führt und das Leben seiner Mitarbeiter versucht zu führen.
Mit dem Thema Veränderungsbereitschaft und Fehlerkultur ist das genauso. Wenn Sie in der Führungsebene jemanden haben, der ein Mandat vorgibt, es aber selber nicht lebt und es top-down herunterlässt, dann kriegen sie das nicht hin. Am Anfang muss die oberste Führung sagen: “Wir möchten uns verändern.” Ihnen muss aber klar sein, dass sie erklären müssen wieso und warum. Mit der Ansage, dass sich etwas verändern wird, dann hat der letzte Mitarbeiter noch nicht verstanden, wieso eine Veränderung auf ihn zukommt. Auch das ist ein Change-Management-Prozess nur viel schneller, sodass die Leute keine Zeit haben es zu begreifen. Daher brauche ich noch mehr Transparenz. Ich muss mehr sagen, mehr hingehen und mehr mit den Leuten reden. Das wird es sein, darum machen wir das, das wird auf dich zukommen und ich muss sie auch fragen, wo sie selber stehen. Ich muss ihnen das Gefühl geben auf ihrer Seite zu sein. Was brauchst du, damit du diesen Schritt mitgehen kannst? Zu selten werden die Leute in ihrem neurotischem Keller, in ihrer Wut, in ihrer Angst und Versiertheit wegen der anstehenden Veränderungen angenommen. Man muss sagen, dass es in Ordnung ist, verwirrt zu sein und es nicht gut zu finden. Wie glaubst du, kannst du es schaffen, dass du mit uns diesen Weg gehst? Diese Frage muss ich mehrmals stellen und das dauert. Führungskräfte brauchen Geduld bis die Leute das können.
Ich muss sehen, dass es auch Leute gibt, die das nicht mehr können, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht wollen. Dann ist die Frage, wie gehe ich damit um? Kann ich sie trotzdem verstehen und eine Trennungskultur gestalten, die auch für den Mitarbeiter förderlich ist? Man kann sagen: Ich tue trotzdem noch etwas für dich, aber wir wissen beide, dieser Weg geht gerade nicht weiter. Dafür schaffe ich am anderen Ende der Seite neue Jobs für Mitarbeiter, die ich noch gar nicht kenne. Es werden sicherlich Qualifikationen wegfallen, aber Digitalisierung gibt Chancen auf neue Jobprofile. Ich bin jetzt 30 Jahre im Job und 52 Jahre alt. Die Jobs, die mir mit 20 Jahren vorgestellt worden sind, gibt es heute nicht mehr. Da hat sich viel verändert und das wird noch schneller werden. Die Schnelligkeit ist das Problem und deswegen ist mehr Transparenz, Offenheit und auf die Bedürfnisse der Einzelnen eingehen notwendig. Dann kriege ich sie vielleicht auch mit. Trotzdem wird es schwer. Es ist kein Spaziergang.
Nils: Ich würde sagen, dass es mir als 20-jährigen Anfänger hilft, wenn die Transparenz vorgelebt wird. Angenommen ich nehme die Digitalisierung vor und soll die Führung ausführen. Gibt es Mittel, die gut funktionieren, und gibt es Mittel, auf die man spontan kommt, die aber nicht so gut funktionieren? Spontan denke ich an Großraumbüros, da gibt es geteilte Meinungen. Man kann auch das richtig oder falsch machen. Gibt es denn Anfängerfehler?
Frau Carlsen: Ich glaube, der größte Anfängerfehler ist, seine Mitarbeiter nicht mit einzubeziehen. Auch wenn man Angst davor hat, würde ich das immer machen. “Was, ich soll meine Mitarbeiter fragen? Die sollen wissen wie es geht?” Dann sage ich: “Ja, machen Sie das.” Denn die Mitarbeiter sind nicht blöd. Wir haben sie alle rekrutiert und sind davon ausgegangen, dass wir jemandem einen Arbeitsvertrag geben, weil wir ihn für gut befinden. Irgendeine Qualifikation wird er gehabt haben, dass ich ihn genommen habe und die Mitarbeiter denken auf alle Fälle im Hintergrund mit. Sie haben vielleicht aufgehört, ihr Mitdenken, ihre Ideen und Gedanken heraus zu geben, weil ich keine kreative Umgebung im Unternehmen habe. Vielleicht haben sie zum Teil auch Angst zu sagen: “Halt, das geht nicht“, oder: „Wir möchten aber was anderes”, weil sie Sanktionen gespürt haben, die andere leider erleben durften. All das ist eine Kultur im Unternehmen und eine Geschichte, die ich nicht voraussagen kann.
Ich kann den Führungskräften nur den Tipp geben: “Beziehe deine Mitarbeiter mit ein.” Wenn man digitalisieren will, sagt man ja nicht: “Jetzt Digitalisierung”, sondern es geht in der Regel um eine Produktentwicklung, eine neue IT-Plattform oder eine IT-Kommunikation, die neu eingeführt wird, ein neues SAP- oder CRM-System. Wie wird so ein Prozess bisher gemacht? In der Regel wird ein kleines Team rekrutiert, das sich diesem Projekt annimmt und sich überlegt: Welche Lösungen kaufen wir ein oder machen wir irgendwas individuell? – Werden da wirklich die wichtigsten Mitarbeiter gefragt? Können wir nicht doch gucken, ob wir mehr Leute mit einbeziehen können, um den Prozess der Gestaltung erst mal gut machen zu können?
Nichts ist schlimmer, als etwas den Leuten vorzusetzen, das keine Sau braucht. Deshalb sollte man besser tiefer in die Vorbereitung reingehen und so viel Leute wie möglich in die Lösungsfindung mit einbeziehen. Das kennen Sie aus der IT. Da wird sehr viel in Teams gemacht. Wir hatten vorher Design Thinking als Methode angesprochen. Da werden verschiedene Prototypen erstellt, weiterentwickelt, weggeworfen und so weiter. Sicherlich kann man diese Art des kreativen Prozesses auf einen großen Teil der Belegschaft übertragen. Man muss nicht jeden nehmen, aber man muss auf alle Fälle Repräsentanten daraus nehmen und das wäre für mich der erste Schritt. Je früher ich Leute in die Lösungsfindung mit einbeziehe, desto besser. Wenn dann eine Lösung da ist, würde ich sofort die Leute in das Thema “Warum” mit einbeziehen. Was ist der Nutzen?
Ich bin auf der einen Seite Verfechter davon, dass ein Unternehmen ganz klar sagen soll, das ist unsere Aufgabe als Unternehmen. Damit verdienen wir Geld. Damit werden wir auch in Zukunft Geld verdienen. Es ist unser Job, Arbeitsplätze zu erhalten. Wir sind kein Sozialamt, um es ganz krass zu sagen. Für mich sind das die Leitplanken einer achtspurigen Autobahn. Egal, ob wir acht, sechs oder nur zwei Spuren haben, ich muss diesen Rahmen setzen und den Mitarbeitern sagen: “Im Rahmen dieser acht Spuren der Autobahn kannst du dich bewegen und hast Freiheiten, kannst ausprobieren, kannst Verantwortung übernehmen und so weiter.” Nur meistens sind diese Leitplanken nicht gesetzt. Die Mitarbeiter wissen nicht warum, wieso, wo die Reise hingeht. Gerade in dem Veränderungsprozess muss ich als Mitarbeiter wissen, wofür der ganze Mist gut ist, auch wenn ich dafür nicht stehe. Wenn mir jemand sagt: “Ja Leute, weil wir hier sonst in 5 Jahren die Tore schließen dürfen, weil es dieses Unternehmen nicht mehr gibt.”, dann ist dem Letzten auch klar, dass man etwas tun muss. Es gibt auch im Veränderungsmanagement den Tipp, den Druck der Veränderung plausibel darzustellen. Es nicht schönzureden, sondern zu sagen: “Wenn wir das nicht machen, wird das und das passieren”, damit die Leute aus dem Quark kommen und sagen: “Ich gehe mit.”
Nils: Das hat sich erst durch die Geschwindigkeit ergeben, oder? Ein Unternehmen, dass kein plausibles Geschäftsmodell hat, ist auch vor 50 Jahren den Bach hinunter gegangen, aber war da die Welt noch so langsam, dass ich als Chef steuern konnte ohne irgendwem zu erklären, wieso, weshalb, warum. Vielleicht hat das funktioniert.
Frau Carlsen: Das sind viele verschiedene Facetten. Natürlich glaube ich, dass Technik sich heute schnell wandelt. Ich habe gerade ein neues Handy gekauft, ist das schon wieder alt? Apple bringt alle halbe Jahre ein neues Handy. Produktwerbung; das ist klar. Dann gibt es neue Funktionen und ich frage mich, wieso brauche ich das? Das ist im kleinen Consumer-Bereich so, aber im Großen entwickelt sich die Technik natürlich auch schnell. Ich selber bin Informatikerin, wenn ich mich nicht ständig auf den Seiten von Stanford über neue Projekte informiere, dann wüsste ich nicht, was alles möglich ist. Wenn ich als Normalverbraucher über Big Data nichts nachlesen würde, wüsste ich gar nichts. Aber jetzt bin ich ITlerin, ich les sowas, fasse es gleich auf und entwickle es in meinen Gedanken weiter. Doch nicht jeder hat diesen Zugang. Deswegen glaube ich, dass die Menschen überfordert sind, wenn sie auf einmal hören, Einführung Projekt X . Sie fallen aus allen Wolken, weil sich für sie alles verändert. Das ist das eine.
Das andere ist, dass jeder weiß, es wird sich etwas verändern und dieses Wissen macht Ängste. Die sind aber nicht nennbar. Ich habe Angst, dass das oder das passiert. Sie haben einfach nur Angst, weil es unbekannt ist und wir alle so etwas noch nicht hatten. Deswegen ist der Schritt, sich gar nicht zu bewegen der erste Schritt. “Nee, ich weiß doch. Hier kenn ich mich aus und hier find ich es gut und habe meine Qualitäten.” Doch keiner weiß, womit kenn ich mich in zwei Jahren aus oder womit muss ich mich in zwei Jahren auskennen. Was passiert dir da eigentlich wirklich? Das macht irre Angst und Irritation und so komplex war die Welt noch nie für uns, weil wir ja auch so viel hören. Wir haben Internet, Radio, Fernseher, verschiedene Messenger-Dienste und die Newsletter. Wir werden vollgedröhnt mit Informationen von jeder Seite. Wir haben inzwischen digitale Anzeigetafeln in der U-Bahn. Überall sind wir up to date und informiert über alles.
Wissen und Informationen waren noch nie so leicht zu bekommen, aber das überfordert uns. Ich muss ja filtern. Ich muss in meiner kleinen Hirnwelt filtern und sagen, was trifft da auf mich zu. Das ist für keinen mehr richtig möglich. Alles das macht es notwendig, dass ich eine Führungskraft habe, die sagt: “Das sind unsere Werte. Dafür machen wir das. Das ist unsere Zukunft als Unternehmen und das ist deine Zukunft, lieber Mitarbeiter. Daran sehe ich dich, du kannst das und jenes.” Die müssen noch viel mehr verbindende, vertrauensvolle Beziehungen zu Mitarbeitern aufbauen als noch vor 5 oder 10 Jahren.
Nils: Kann ich aus meiner Erlebniswelt nachvollziehen.
Frau Carlsen: Sie sind Generation Y, die wollen das auch.
Nils: Gerade noch. Ich bin auf der Grenze. Wie kann ich als Unternehmen diese Werte, diese Vision und die Strategie so rüberbringen, dass die Leute nicht denken: “Ja ja, der nur wieder.” Dieses Thema Vision, Strategie, Mission, das ist an vielen Stellen sehr breit getreten worden. Wenn ich als neue Führungskraft in einen Konzern hereinkomme und sage, das ist unsere neue Vision. Dann werde 80 Prozent der Leute sagen: “Ja, aber ich habe hier schon acht Visionen erlebt und das geht auch vorbei.”
Frau Carlsen: Na klar, Sie beschreiben gerade ein Bild eines großen Tankers. Wir wissen, einen Tanker im Wasser zu drehen ist schwerer und mühsamer als ein kleines Motorboot. Sie brauchen Hilfe von außen, innen und viel mehr Kraftanstrengung, als wenn Sie ein kleines Motorboot haben. Beim Motorboot reißen Sie einmal das Steuer herum und zack, dreht es sich und fährt in die andere Richtung. Das ist eine ganz gute Metapher. Es gibt kein Geheimrezept, aber ich glaube, hier geht es darum, mit so wenig Schaden wie möglich durch den Change zu kommen. Sie werden im Changeprozess, egal, ob es ein großes oder kleines Unternehmen ist, immer Fehler machen. Ich vergleiche das mit Erziehung und Familienleben. Sie können das Ding nur in die Grütze fahren, weil wir Menschen um uns herum haben.
Menschen sind Individualisten. Keiner ist wie der andere und wir haben eine Tagesform und eine Lebensgeschichte. Das kommt noch dazu. Wenn ich Sie heute treffe, verstehen wir uns gut und morgen haben Sie vielleicht gerade ein Problem von außen und dann hackt es auf einmal zwischen uns. Das alles muss eine Führungskraft und das Top-Management auf dem Schirm haben. Es geht nicht nur darum, dass sie alles handlen können. Ich finde, eine Führungskraft ist sehr authentisch, wenn sie sagt: “Es tut mir leid, du enttäuscht mich jetzt. Ich verstehe dich gerade nicht.” Oder “Es geht mir selber nicht gut. Ich habe Schwierigkeiten mitzugehen. Wie können wir als Team das denn…?” Das ist neues Wording übrigens. Eine Führungskraft mit 50 Jahren Bestand würde immer sagen: “Ich darf doch keine Schwächen zugeben.” Ich finde es wichtig, dass auch Führungskräfte sagen: “Ich kann das alleine nicht.” Mit dieser Haltung, “Ich kann das alleine nicht.”, sagt sie, dass andere das besser können. Es ist in Ordnung, dass andere etwas besser können als eine Führungskraft.
Nur, was eine Führungskraft auf dem Schirm haben muss, ist dieses Umfeld zu begreifen. Wie individuell wir alle sind und, dass jeder Mitarbeiter eine andere Art der Motivation oder Ansprache braucht, damit er motiviert ist. Um ein kreatives Umfeld und eine Fehlerkultur aufzubauen, muss man Ressourcen einkaufen und zur Verfügung stellen, Wissen zur Verfügung stellen, vielleicht mehr Mitarbeiter, Jobs umdefinieren und andere Arbeitsplatzgestaltung. Vertrauen unter den einzelnen Mitarbeitern können Sie nur erreichen, wenn der oberste Big Boss vorgeht, das lebt und es seine Haltung ist. Dann können Sie sich ein Steinchen vorstellen, dass Sie in die Pfütze schmeißen, um Wellen entstehen zu lassen. Je mehr Steinchen Sie schmeißen, desto mehr Wellen und desto größer wird auch der Kreis. So entwickelt sich Kultur.
Nils: Da fällt mir ein, ich kenne viele Firmen, wo das aus der IT-Abteilung heraus kam. Gerade in der Softwareentwicklung hat man in der Regel jüngere Leute. Zumindest kommen viel mehr Jüngere, als Ältere herein. In den 80er haben noch nicht so viele Informatik studiert, wie heute.
Frau Carlsen: Weiß ich. (Beide lachen.)
Nils: Wenn ich mir einen Kunden anschaue, bei dem ich in den letzten Monaten viel war, da ist der komplette Change hin zum digitalen Unternehmen aus der Entwicklungsabteilung heraus getrieben worden. Ein Entwickler hat angefangen ein Wiki aufzusetzen und heute dokumentieren auch Onlinemarketing und Finanzbuchhaltung ihre Dinge drin. Das waren alles Sachen, die kamen daher. Auch Softwareentwicklung, die Branche steckte massiv in der Krise, bis gesagt wurde, wie können wir verhindern, dass Projekte viel zu groß und viel zu teuer werden. Im Wesentlichen ist agile Softwareentwicklung ein Werte- und Kulturwandel.
Frau Carlsen: Absolut. Ich habe noch Entwickler erlebt, die gar nicht kommunizieren. Deswegen habe ich mich in den 80er Jahren nach meiner Ausbildung entschieden, nicht in die Softwareentwicklung zu gehen. Das sind alles nur Nerds, die mit ihren Birkenstock und drei Paketen Zigaretten in ihrem dunklen Kämmerchen sitzen und entwickeln, entwickeln, entwickeln. Nur reden sie nicht mit ihren Kollegen und schon gar nicht mit ihrem Kunden. Das war nicht meins, weil ich einfach senden und reden muss. Ich brauche Kommunikation und daher war für mich klar, ich gehe hinaus in die Welt, werde Vertrieblerin, mache Marketing für IT. Da kann ich übersetzen und damals ist es den ITlern ganz schwer gefallen in der realen Welt anzudocken und zu verstehen, was Kunden wollen und umgekehrt. Sie konnten auch nicht für den Kunden übersetzen, was sie machen.
Da hat sich viel verändert. Die Leute und auch die Softwareentwicker von heute sind viel fähiger. Viele, nicht unbedingt alle, aber viele können Sie heute auf Kunden loslassen. Sie sind es gewohnt zu kommunizieren und Transparenz zu schaffen. Klar gibt es eine Bandbreite von bis, aber ich bin davon überzeugt, da hat sich unheimlich viel verändert und da breche ich die Lanze für meine ITler.
Auch Mädchen und Frauen… Ich rede von Mädchen, weil es mit der Kultur in der Schule losgeht und wie sie in MINT-Berufe und -Fächer herangeführt werden. Mädchen und Mathe schließt sich nicht aus. Nur wird es ihnen leider noch durch die alten Riten vermiest. Vielleicht sollten Mädchen erstmal alleine lernen, weil Mädchen anders an Technik herangehen als Jungs. Damit sie wissen, IT ist kreativ. Als Softwareentwickler kann ich gestalten und neue Dinge entwickeln. Oft ist der Grund warum Mädchen das abwählen, dass sie glauben, dass gibt es alles nicht. Das ist aber Bullshit. Und ich denke, die Welt hat sich schon verändert und ich bin sehr froh, dass die neue Generation da ist.
Durch die Softwareentwicklung und die Technik verändert sich viel und das meinte ich mit “Technik treibt Kultur”. Trotzdem gab es in der IT damals Projekte, da war nichts mit agil. Die Leute haben so gedacht und die gibt es zum Teil noch. Es ist ganz egal, ob die in der Buchhaltung sitzen oder noch in der IT-Abteilung, in ihrem Kämmerchen, als IT-Leiter oder Technikfreak, und sich nicht bewegen und nicht verstanden haben, dass Kommunikation zum Kunden und in die Außenwelt unheimlich wichtig ist. Die Themen Kommunikation und Transparenz sind mit der Schlüssel zur Digitalisierung; zu fragen wieso, weshalb und den Leuten zu übersetzen, was ich in der Technik meine. Was bedeutet das für die Umwelt, was für Chancen gibt es, mit den Ängsten souverän umgehen?
Angst ist berechtigt, denn es wird Jobs nicht mehr geben. Es gibt heute Profile und Leute, die etwas gelernt haben und die Generation, die nicht gelernt hat, sich ein Leben lang fortzubilden, wird ein großes Manko haben, dass es Jobs gibt, die werden wegfallen. Diese Leute kann ich unter Umständen auch nicht in neue Profile einbringen, warum auch immer. Vielleicht haben wir da auch noch eine gläserne Decke.
Warum fange ich nicht mit 50 nochmal was Neues an? Eigentlich kann ich es, aber ich habe mir einen Status aufgebaut. Ich muss Geld verdienen. Vielleicht muss man sich Arbeits- und Lernmodelle überlegen, dass Menschen nochmal komplett umschulen können. Da ist das Unternehmen auch wieder gefordert und sollte nicht nur sagen: ”Ich kaufe jetzt Neue und Junge ein, die das schon können.”, sondern auch sagen, “Okay, was muss ich investieren, damit der Mitarbeiter, der 20 Jahre einen guten Job in der alten Welt gemacht hat, die nächsten 10 Jahre bis zu seiner Rente oder bis er gehen möchte, noch einen neuen Job machen kann?“ – Da muss ich nochmal in Ausbildung investieren und nicht nur schnell in einen Kurs. Ältere lernen anders als Junge. Also muss ich mir als Unternehmen überlegen, wie kriege ich eine Lernform hin, damit sich die 50-jährigen über eine Schulung freuen.
Nils: Ja, wahrscheinlich ist genau die Schulung das Problem.
Frau Carlsen: Dann nenn ich es nicht mehr Schulung, sondern etwas Anderes.
Nils: Vielleicht ist das Format einfach verbrannt. Letzte Woche habe ich in einer Firma, die heute eine reine Online Plattform ist, ein Interview geführt. Heute führt dort jemand die Onlinemarketing-Kampagnen, der vor vielen Jahrzehnten als gelernter Buchdrucker angefangen. Also es geht!
Frau Carlsen: Es geht natürlich. Ich möchte nicht die Alten verdammen und sagen: Das geht nicht. Ich glaube, dass der Mix immer noch das Richtige ist. Ich finde es selber unheimlich befruchtend, wenn ich mit jungen Leuten zusammen komme und mich mit denen Austauschen kann. Ich finde es nur gut und befruchtend, wenn ich merke, dass sie neugierig sind auf meine Welt und auch erfahren möchten, wie ich bisher gelebt und gearbeitet habe, was wichtig ist und was meine Erfahrungen sind. Das gut zu vermischen. Dieser Mix aus dem Neuen und dem Alten, aus der Unbeschwertheit der Jugend, der Neugierde und dem Drang nach vorne zu gehen, zusammen mit der Erfahrung der Alten.
Deswegen wünsche ich mir von jungen Leuten Akzeptanz. Sag ich jetzt als Mix aus der Generation X, obwohl ich mich nicht so fühle. Mit meinem Lebensmodell passe ich eher zur Generation Y, wenn man sich dieses Modell anguckt. Trotzdem habe ich fast 30 Jahre Berufserfahrung und vieles davon war gut. Auch das darf in dieser Welt nicht verloren gehen. Weil: Immer nur neu, neu, neu, da drehen wir auch am Rad, denn das können wir nämlich gar nicht verarbeiten. Es ist wichtig, dass wir uns über Werte bewusst werden. Was für Werte haben wir hier eigentlich? Welche Werte wollen wir als Unternehmen und Menschen leben? Was wollen wir in unserem Leben noch behalten? Da verändert Technik auch einiges. Ich muss mir bewusst machen, wo gehe ich mit und wie weit gehe ich nicht mit. Entscheidungen klar treffen und dann als Führungskraft dem Team erklären, wie dieser Weg als Team zu gehen ist, welchen Werte und Bedürfnisse dahinter stehen und was der Nutzen für alle ist. Dann gehen viele auch mit. Nur ist das ein langer Prozess und die Führungskraft muss sich selber klar werden, warum sie das macht.
Hilfreiche Quellen zur Digitalisierung
Nils: Davon ausgehend würde ich gerne zu meiner Schlussfrage kommen. Jedesmal frage ich nach einer Quelle, die Sie am hilfreichsten finden, wie kann man sich dem Thema noch ein bisschen nähern? Ich habe mitgenommen, im Prinzip trifft Digitalisierung jeden, egal ob man vom Geschäftsmodell digital werden muss oder nicht. Es betrifft uns alle und vor allem Dingen betrifft es sowohl mich als Mitarbeiter, als auch als Führungskraft oder Familienvater, der zu Hause ist und dessen Frau arbeitet. Irgendwie betrifft es jeden. Das heißt, es muss irgendwas geben, wo ich mich als ganz normaler Teilnehmer unserer heutigen Gesellschaft dieser Digitalisierung anpassen kann. Gibt es eine Quelle, die Sie empfehlen würden?
Frau Carlsen: Ich würde Ihnen darauf mehrere Antworten geben und nicht nur eine Quelle. Das ist das Buch „Führung rockt!”. Das ist ganz neu erschienen zum Thema Führung, wie sich Führung verändern sollte. Ich muss schmunzeln, ich finde es klasse. Es ist eigentlich nicht viel Neues darin. Es ist sehr deutlich beschrieben, was passiert mit den Unternehmen, wie war Führung noch vor 20 Jahren. Immer mit dem Thema War of Talents, Fachkräftemangel, die Guten wollen wir haben. Als Unternehmen kann ich nur beständig wachsen und mich dem Leistungsdruck behaupten wenn ich die besten Leute an Bord habe und vor allen Dingen halten kann. Das beschreibt er alles im Buch „Führung rockt!” und das ist toll. Es ist so gnadenlos ungeschont geschrieben, dass ihr euch das reinziehen müsst. Habt den Mut, liebe Führungskräfte und guckt euch das an, weil da stehen viele tolle Sachen darin. Für den einen oder anderen sind sicher auch noch ein paar Watschen dabei, aber das ist die Sprache, die ich gerne spreche.
Zum anderen kann ich die Leuphana Universität in Lüneburg empfehlen. Die Professorin Remdisch, die in der freien Zeit in ihren Semesterferien viel in Stanford ist, hat viel zum Thema Digital Leadership geforscht. Das Projekt heißt Leadership Garage. Auf der Homepage kann man sich Tipps zu Digital Leadership ansehen, wie sich Führung verändern wird und wie sich Unternehmen fit machen können für die Digitalisierung und zwar nicht technisch fit, sondern in Sachen Kultur. Das finde ich wunderbar. Es ist auch leicht geschrieben und sie bringen schöne Beispiele, weil sich Arbeitsplätze verändern werden. Sie gehen davon aus, dass sich Workplaces verändern und sich die Führung anpassen muss. Der Ansatz ist das. Toll geschrieben und es gibt ein paar knackige Punkte.
Das Dritte ist im Grunde ein Tipp an jeden Einzelnen: Bleibt neugierig oder fangt wieder an neugierig zu werden in Richtung neue Techniken. Das ist heute alles nicht mehr in Fachchinesisch geschrieben. Wenn jemand Kinder hat, kann man sich mit der Familie hinsetzen und sagen: “Warum hast du so ein Handy? Was machst du damit? Wie nutzt du den Computer?” Mein Sohn ist vierzehn und meine Tochter ist sechzehn, die sind mir um Längen voraus, wie sie diese Medien nutzen, damit umgehen und sie in ihrem Denken involviert haben. Sie sind nur digital groß geworden, auch wenn ich das nicht wollte. Ich bin analog groß geworden und bin umgesattelt. Das heißt, meine alten Hirnstrukturen laufen noch.
Ich finde es aber spannend, sich hinzusetzen als Nichtwissender und zu fragen, wie machst du das, warum machst du das, was macht das mit dir, wie fühlst du dich, wenn du mit deinen Leuten nur über Snapchat und WhatsApp und nicht mehr im wahren Leben kommunizierst und nicht draußen in der Eisdiele sitzt, wie ich das früher gemacht habe. Trotzdem ist das für meine Kinder ein Lebensgefühl und ganz wichtig, dass sie das haben, was ich als Mutter doof finde. Man sollte das nicht verteufeln, sondern den Generationenwandel akzeptieren und sich hineinversetzen in das, was meine Kinder machen. Das finde ich ganz wichtig.
Umgekehrt versuche ich aber auch mit Menschen in den Dialog zu gehen und zu sagen: “Halt, stopp, ich möchte euch trotzdem erzählen, was ich dabei finde und wie ich damit lebe und wie ich denke.”, damit man da Brücken baut. Dadurch kann ich in meinem kleinen Umfeld Ängste, was die Zukunft angeht, bei mir selber und meiner Umgebung abbauen. Ich glaube, das größte Problem ist die Zukunftsangst. Digitalisierung hängt wie ein Damoklesschwert über uns und verdammt uns leider dazu, uns nicht zu bewegen. Deswegen meinte ich, bleiben Sie neugierig, gucken Sie mal um die Ecke. Das ist mein persönlicher Tipp an jeden Einzelnen, sich dem nicht zu verschließen, sonder reflektiert zu sagen: “Ich guck mal, was für mich dabei herausspringt.” – und vielleicht geht die Rechnung auf und es wird ein Gewinn. Vielleicht sagt man auch, ”Nein, ist nichts für mich.” Aber dann ist das okay und reflektiert.
Nils: Ja, das ist ein hervorragendes Schlusswort. Ganz vielen Dank für das Gespräch.
Frau Carlsen: Ja, gerne wieder.
Nils: Das war unser heutiges Interview mit Petra Carlsen von der Change Manufaktur. Vielen Dank für das Gespräch, Frau Carlsen.
Transkript
7.775 Wörter
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Wege der Digitalisierung. Wir finden heraus, was Digitalisierung ist. Heute führe ich mein viertes Interview für unseren Podcast. Ich werde sprechen mit Frau Petra Karlsen, die ist die Inhaberin der Change-Manufaktur. Frau Karlsen berät Unternehmen zum Thema Digital Leadership und Change, speziell bei der Frage, wie kann ich diese Veränderungsprozesse, die im Rahmen der Digitalisierung, der digitalen Transformation eines Unternehmens anstehen, Wie schaffe ich es da, alle Leute mitzunehmen? Und wir haben ja in den vergangenen Interviews speziell mit Wer liefert was in der dritten Episode und auch bei der zweiten Episode im Creative Space gelernt. Ich habe gelernt, dass das Thema Technologie immer nur irgendwie der Stein des Anstoßes ist und dass eigentlich die Menschen Themen die viel größeren und die viel spannender sind.
Von daher bin ich sehr gespannt, was Frau Karlsson uns dazu heute erzählen wird und freue mich, dass sie sich die Zeit nimmt, mit uns zu reden. Vielen Dank und auf geht's!
Eismale, vielen Dank, dass Sie mit mir dieses Interview führen. Ich bin Petra Karlsen, vielleicht zu meiner Profession. Ich bin seit 2009 selbstständig als Managementberaterin, Trainerin und Coach und habe mich inzwischen mit meinem Weg, auch den ich da gefunden habe, Spezialisiert auf die Themen Führung, Kommunikation, Konflikte, also in diesem Bereich alles das, was Unternehmen eigentlich haben. Ich selber komme aus der IT, deswegen haben wir uns ja auch getroffen in dem IT-Netzwerk und bin technischer Assistentin Informatik. Also kenne seit Mitte der 80er Jahre eigentlich die Entwicklung der Informatik, was sich da so ergeben hat und habe in diesen ganzen Jahren auch in der IT-Branche gearbeitet.
Allerdings dann nicht mehr als Technikerin oder Programmiererin, sondern im Vertrieb und im Marketing. Ich war bei Adobe Systems sehr lange, habe Vertrieb und Marketing deutschlandweit, europaweit gemacht und war dann bei einem der großen Personaldienstleister, Führungskraft, habe eine eigene Niederlassung geleitet und habe nur, in Anführungsstrichen, IT-Personal vermittelt. Also sieben Projekte vermittelt. Dort, wo eben Menschen gesucht worden sind, habe ich eben meine Mitarbeiter vorgestellt oder eben freie Mitarbeiter oder festangestellte Mitarbeiter gesucht. für spezielle Projektthemen oder für die Festanstellung auch. Somit immer diesen Bezug zur IT-Branche. Ich selber war eben sehr lange Führungskraft und habe im Grunde in den letzten 25 Jahren miterlebt, wie sich die Unternehmen in Sachen Führung auch, glaube ich, aufgrund der veränderten Arbeitsumgebung und Arbeitsbeziehungen und Arbeitsmodelle, die sich ja in den letzten 30 Jahren wirklich stark gewandelt haben und noch mehr wandeln werden, glaube ich, habe ich selber miterlebt, durfte auch mitgestalten.
und das hat mich dann praktisch, diese Berufsentwicklung hat mich dahin zugeführt, dass ich heute auch Unternehmen berate zum Thema Führung 4.0, so nennen wir das ja, wie Arbeitswelt 4.0 oder auch Digital Leadership, weil sich da Unternehmen doch ganz schön anpassen müssen, eben einmal aus dem Grund, dass viel noch passiert, dass sich Unternehmen noch wandeln werden durch Digitalisierung, B aber auch, was ich ganz interessant finde, eine Generation jetzt heranwächst, die sogenannte Generation Y oder meine Kinder, die dann als Generation Z in 15 Jahren, in 15 Jahren auf den Arbeitsmarkt kommen, die komplett neue Erwartungen und Themen haben, die sie an ihren Arbeitgeber stellen. Und da wird sich die Arbeitswelt noch mehr drum wandeln.
Und das ist mein Thema, wo ich mich auch beruflich beschäftige.
Ja, spannend. Letztendlich genau diese Vorstellung hat ja dazu geführt, dass wir heute hier sitzen. Dann würde mich jetzt und sicherlich die Zuhörerinnen und Zuhörer auch interessieren, was heißt das denn an Beispielen gemacht? Also was hat sich heute im Arbeitsleben verändert, was eine Führungskraft heute anders machen muss, nur weil die Welt digitaler geworden ist?
Okay, also ich möchte das unter so einer Überschrift setzen, nämlich Technik treibt Kultur. Ich glaube, dass wir hatten natürlich schon immer, seit eigentlich das Automobil erfunden wurde oder die Dampflok, irgendwo technische Fortschritte. Ich glaube aber, es ist noch nie so schnell gegangen, dass Technik so schnell sich weiterentwickelt. Und wir Menschen sind aber ja per se nicht unbedingt diejenigen, die super veränderungsfreudig sind. Und auch diese Schnelligkeit wirklich ertragen. Also ich glaube, dafür ist die Welt inzwischen zu komplex, dass jeder von uns es versteht. Gleich, oh, was Neues wird, zack, ich springe auf den Zug auf und gehe gleich mit. Dafür ist sie zu komplex, dafür sind es zu viele neue technische Themen und zu viele Anforderungen, die auf den einzelnen Mitarbeiter oder den einzelnen Menschen einpressen.
Und deswegen meinte ich, Technik treibt Kultur. Es verändert sich so viel ganz schnell, aber wir kommen gar nicht mit. Und wir müssen uns als Führungskraft, und da sind wir beim Thema Führung 4.0, eigentlich genau diesem Thema annehmen, wie nehme ich meine Mitarbeiter mit. Dass sie verstehen, warum jetzt Veränderungen, dass sie verstehen, warum jetzt die neue Technik oder warum Digitalisierung. Weil ich glaube, dass die Menschen heute unheimlich viel Angst haben und eher deswegen auch stillstehen und sich nicht verändern wollen, weil sie gar nicht wissen, wohin geht es denn. Und die Führungskraft von heute und morgen und auch übermorgen muss eigentlich fähig sein, genau diese Brücken zu bauen.
Zu dem Neuen, zu neuen Menschen, zu auch neuen Unternehmen, zu neuen Kontakten, Verbindungen und so weiter, damit diejenigen, die da ihren Job machen sollen, es auch wirklich können. Und ich glaube, die Führungskraft wird viel weniger der Spezialist in einem Technikthema sein in Zukunft oder in einem Thema sein, sondern die muss vermitteln, die muss Beziehungen aufbauen, Brücken bauen, die muss Ressourcen zur Verfügung stellen. die Leute auch motivieren können und ihnen Feedback geben können, wie sie ihren Job gut zu machen haben oder wie sie es gut machen können. Das wird vielmehr der Job sein. Also Leute, die es verstehen, mit Menschen umzugehen, das sind die richtigen Führungskräfte. Weniger die Spezialisten, die jetzt auf irgendeiner Ebene sich da super gut sind in irgendeinem technischen Thema oder so.
Wenn die dann noch mit Menschen gut umgehen können, ist das okay. Aber ich glaube, das Erste wird vielmehr in den Vordergrund treten, mit Menschen umzugehen und zu gucken, dass ich sie mitnehme. Ja, so, als erstes mal.
Ja, also passt natürlich voll in mein Erleben, so meine zehn Jahre Berufserfahrung, die ich jetzt so habe seit Studium. Das heißt, da höre ich jetzt raus, im Prinzip betrifft es jedes Unternehmen, ganz egal, ob sich das Produkt jetzt zwangsläufig digitalisieren wird. Natürlich gibt es Branchen, die sind heute von der Digitalisierung betroffen, weil es heute nicht mehr analog geht. Aber Sie hatten vorhin dieses Beispiel mit dem Gärtner. Natürlich wird vielleicht ein Gärtner, der heute Ende 50 ist, sich nicht noch anpassen. Aber ein Gärtnereibetrieb in 20 Jahren muss auch seine Mitarbeiter ganz anders führen als heute noch. Das heißt, so gesehen, der Führungsteil der Digitalisierung betrifft eigentlich jeden.
Ja, glaube ich schon. Also es gibt sicherlich Berufsgruppen, die müssen nicht so tief eintauchen in die Technik oder in die Digitalisierung. Die werden vielleicht auch nur am Rande das mitbekommen. Also Gärtner war das Modell, der nutzt jetzt heute vielleicht eine Ausschreibungsplattform MyHammer. Der nutzt die Kommunikation mit seinen Kunden und mit seinen Lieferanten über WhatsApp, E-Mail und so weiter. Das hat er vor fünf Jahren noch nicht gemacht. Das ist vielleicht mit dem, was ich jetzt weiß, geradezu ist er an dem höchsten Grad der Digitalisierung. Es wird wahrscheinlich keinen digitalen Bagger geben. aber vielleicht wird er irgendwann gehilfen haben, noch einen Roboter zum Rasen mähen.
Gibt es ja schon, diese Trollys, die da auf dem Rasen rumeiern und so weiter. Da wird er bestimmt auch in Sachen Technik noch ein bisschen mehr in die Digitalisierung einsteigen. Aber habe ich jetzt ein anderes Unternehmen, ich sage mal, ein Airbus oder eine Lufthansa oder Ähnliches, oder auch einen Mittelstand, der irgendwas produziert, da ist das Maß der Digitalisierung um ein Vielfaches, das garantiert. Trotzdem glaube ich, dass der sich auch weiterhin, auch der Gärtner, bleiben wir bei diesem Beispiel, sich mit diesem Thema beschäftigen sollte und vor allen Dingen einfach kreativ bleibt, um den Zug nicht zu verpassen. Denn er möchte ja unter Umständen sein Unternehmen an seinen Sohn oder Nachfolger weitervererben, dass es da also auch noch einen Wettbewerbsvorteil gibt, auch in zehn Jahren.
Oder dass er einfach im Wettbewerb bestehen kann überhaupt, weil er den Zug, weil ihm der Zug nicht abgefahren ist. Weil was hat er davon, wenn ihn die Kunden nicht mehr finden? Oder wenn er fünfmal so lange braucht, irgendetwas im Garten zu gestalten wie sein Mitbewerb, nur weil er das mit eigenen Händen macht. Und ich glaube, das ist eine der Fähigkeiten, und kommen wir wieder zurück zu Führungskräften oder auch zu Management in der Digitalisierung, dass ich heute Innovationskraft haben muss, dass ich einfach eine Umgebung schaffen muss als Führungskraft und auch als Management für mich selber, wie aber auch für die Mitarbeiter, dass sie kreativ sind und kreativer sind als heute vielleicht oder als gestern, um überhaupt mal neue Produkte zu entwickeln oder neue Ideen zu entwickeln.
Wie kann ich denn noch im Wettbewerb besser werden durch Digitalisierung? Und das heißt, dass sich vielleicht eben einfach die ganze Lernumgebung im Unternehmen verändern muss. Fehlerkultur, wie rede ich miteinander? Führungskraft nicht top-down, sondern auf Augenhöhe, dass ich zulasse, dass Mitarbeiter was ausprobieren dürfen, dass sie ihre Freiräume haben, neben ihrem Job auch mal an Projekten zu arbeiten, die vielleicht im ersten Schritt erstmal wie Spinnerei aussehen. Also ich denke jetzt an diese fantastische Methode Design Thinking. Kennt man aus der IT und in der Produktentwicklung, kennt man aber eigentlich nicht, wenn sie nur über Dienstleistungsentwicklung reden oder so. Kann ich aber für alles anwenden. Um einen Kreativprozess im Grunde anzuleiten, kann ich unter anderem mit dieser Methode arbeiten.
Und das sind so Tools, die ich als Führungskraft dann auch kennen muss. Und dahinter steht ja eine Haltung, wenn ich solche Tools anwende. Und das ist wieder Kultur, um halt einfach eine Kreativkultur in meinem Unternehmen erstmal einzuführen. Weil ich glaube, dass die Technik oder die Digitalisierung es beschleunigen wird, dass ich einfach mich immer wieder neu erfinden muss als Unternehmen. Und so eine Kultur muss ich einführen. Dass die Leute Lust haben, Bock haben, sexy Projekte, spannende Themen zu erobern und auch selber mitzuentwickeln. Und das kann ich auch mit einem Buchhalter machen. Oder jemanden, der eigentlich nur einen Routinejob macht oder so. Dass der sich auch überlegen kann, Kundendienst, wie kann ich meinen Service zum Kunden noch attraktiver machen und so weiter.
Also dann entwickelt sich da vielleicht ein digitales Projekt raus. Vielleicht ist es aber auch nur eine neue Kundenansprache. Keine Ahnung, nur die Haltung. Ich kann was dazu beitragen, dass wir besser werden. Die sollte ins Unternehmen eingeführt werden. Und das macht Digitalisierung, bin ich von überzeugt.
Ja, da habe ich jetzt spontan zwei Fragen. Also ich stimme voll zu und ich sehe das. Also wenn ich mit kleinen Jungen Startups arbeite, die sind voll so drauf. Und wenn ich mit eher gesetzterem Mittelstand oder kleinen Konzernen arbeite, sehe ich da zwei Probleme. Und das eine ist, möglicherweise habe ich eine Führungsebene, die irgendwo ein bisschen alteingesessen ist, die das nicht so sieht. Und dann kommt da irgendein junger 21-jähriger Absolvent und will die Welt verändern und kann nicht. Und der ist dann frustriert und hat aber von seinen Kommilitonen gelernt, ja dann gehst du halt woanders hin. Und das andere ist, möglicherweise bin ich eine Ende-20-jährige motivierte Führungskraft, die in einem kleinen Konzern was reißen will und habe da aber 50 Jahre alte Kollegen, die sagen, das haben wir schon immer so gemacht und machen wir ruhig.
Und wenn ich jetzt in so einem Unternehmen dafür verantwortlich bin, dass ich irgendwo diese Digitalisierung schaffe, weil ich sonst ja zwangsläufig untergehen werde, wie gehe ich beide Seiten an? Also wie schaffe ich es, die Führungsebene mitzunehmen und wie schaffe ich es aber auch, ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen? Ich will ja nicht gehen lassen. Ich will ja am Ende, dass alle mit in die neue Welt mit mir kommen sozusagen.
Also das ist wahrhaftig, das ist ein Mammutprojekt und das ist auch ein Problem. Und da brauchen wir gar nicht in große Unternehmen zu gucken, da ist auch schon tradierter Mittelstand oder selbst auch kleine, ich arbeite auch mit Kleinstunternehmen zusammen, ich glaube, also ich treffe das überall an, ich treffe Menschen auch in jeder Altersgruppe an, die unheimlich motiviert sind sich zu verändern und ich treffe die bei 20-Jährigen genauso wie bei 50-Jährigen, ich treffe auch 20-Jährige, die sich nicht verändern wollen, also auch die habe ich. ist das eine, Alter ist das eine natürlich, aber der Mensch das, was er hat und das, was er kennt, liebt er. Brauchen wir uns, glaube ich, beide nur in die Tiefen, die Augen gucken, ist so. Und jetzt sind wir da auf einer Skala von 1 bis 10.
Der eine ist neugierig, hat das vielleicht auch so in seinem Lebenslauf immer gehabt, hat eine Familie irgendwie gehabt oder auch ein Umfeld, ein soziales Umfeld, wo er seine Neugierde ausleben durfte. Das sind wahrscheinlich Menschen, die dann mit Chance auch später in ihrem Leben sich gerne verändern und auf neue Dinge anspringen und so weiter und auch Lust haben, in so ein Unternehmen oder in so ein Umfeld einzutauchen, wo sie kreativ sein dürfen, wo sie auch Fehler machen dürfen, wo sie Bock haben, was Neues zu erfinden, wo sie andere begeistern und auch die Chance haben, andere zu begeistern und mitzuziehen und so weiter. Und dann gibt es Menschen natürlich, die vielleicht in ihrem kleinen Sicherheitspaket groß geworden sind, in so einem Kokon und denen ist das auch wichtig.
Ich denke, dass wir zukünftig für alle einen Platz haben werden. Und die Kultur oder überhaupt es sich Gott sei Dank ja nicht, heute ist es Digitalisierung, zack, das gibt es auch nicht, sondern es ist ein Weg, den wir gemeinsam beschreiten. Den wird es allerdings am einfachsten zu beschreiten sein, wenn ich vor allen Dingen, und da packe ich wirklich Geschäftsführer, Inhaber, die oberste Ebene an, Vorstände, Wenn die keine Vorbilder sind, dann können sie ihr Projekt Digitalisierung an der Haustür abgeben. Die müssen dafür stehen und müssen letztendlich Offenheit, Fehlerkultur, Kreativität mitleben. Und ich meine wirklich mitleben. Das heißt, dass die sich in die Teams mischen und an diesen Kreativprozessen sich auch mitbeteiligen.
Das ist übrigens bei allen Führungsthemen so. Egal, was sie für eine Kultur einwenden, ich habe das ganze Thema Familienfreundlichkeit, Gesundheit in den letzten 10 bis 5 Jahren auch mit Unternehmen gestaltet. Immer das Gleiche. Wenn ein Chef nur ansagt, ja mach mal einen auf Gesundheit und haut ab und geht die Zigarette rauchen, dann haben sie im Unternehmen keine Gesundheitskultur. Der muss letztendlich genauso damit einsteigen und mitmachen und dafür sorgen, dass jeder sieht, wie gesund oder wie gesundheitsförderlich er sein Leben selber führt und auch das Leben seiner Mitarbeiter versucht zu führen. Sonst ist das Ding so. Und so ist es auch mit diesem Thema Veränderungsbereitschaft, Fehlerkultur und eine Führungskultur eigentlich einzuführen, die eher auf Augenhöhe ist.
Wenn Sie da oben jemanden haben, der Ihnen zwar ein Mandat gibt, ausspricht, sagt man, mach mal. Aber es dann selber nicht lebt, sondern auch top down noch runter lebt, dann kriegen Sie das nicht hin. Und ich glaube, das ist der große Anfang. Dass eigentlich wirklich die oberste Führung sagt, wir möchten uns verändern. Ihnen muss aber auch klar sein, dass Sie dann sagen müssen, wieso und warum. Wenn Sie nur irgendwie eine Ansage machen, da wird sich jetzt was verändern und vielleicht das auch mitleben, dann hat aber der letzte Mitarbeiter noch nicht verstanden, wieso jetzt so eine Veränderung auf ihn zukommt. Ich finde, es ist ganz wichtig in so einem Veränderungsprozess und darüber reden wir eigentlich.
Also wenn Sie in Change-Management-Prozesse reingucken, ist auch das wieder ein Change-Management-Prozess. Nur viel schneller, die Leute haben nicht so viel Zeit, das zu begreifen. Das heißt, ich muss noch mehr Transparenz haben. Ich muss noch mehr sagen, noch öfter hingehen und den Leuten reden, das wird es sein, darum machen wir das, das wird auf dich zukommen und ich muss sie auch fragen, wo sie selber stehen. Also ihnen auch wirklich das Gefühl geben, ich bin auf deiner Seite, was brauchst du, damit du diesen Schritt mitgehen kannst. Und das wird auch zu wenig getan. Wirklich die Leute in ihrem, ich sag mal, in meinem neurotischen Keller, in ihrer Wut, in ihrer Angst, in ihrer Verwirrtheit, die sie ja haben, wenn so Veränderungen anstehen, mitzunehmen und erstmal anzunehmen, zu sagen, ja, es ist okay, dass du verwirrt bist, es ist okay, dass du das jetzt nicht gut findest.
Wie glaubst du denn, kannst du das schaffen, dass du mit uns diesen Weg gehst? Und diese Frage kann ich nur einmal stellen, die muss ich mehrmals stellen. Und das dauert auch. Also Führungskräfte brauchen auch Geduld, bis die Leute dann ein Stück weit das können. Und klar muss ich auch irgendwo sehen, vielleicht gibt es wirklich Leute, die es nicht mehr können, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht wollen. Und da ist die Frage, wie gehe ich damit um? Kann ich sie trotzdem verstehen und auch eine Trennungskultur gestalten, die irgendwo förderlich auch für diesen Mitarbeiter ist, dass man sagt, ich tue trotzdem noch was für dich, aber wir wissen beide, dieser Weg geht jetzt gerade nicht weiter.
Dafür schaffe ich aber vielleicht am anderen Ende der Seite neue Jobs für Mitarbeiter, die ich noch gar nicht habe, die ich noch gar nicht kenne. Also es werden sicherlich Qualifikationen wegfallen, aber ich glaube auch, dass Digitalisierung Chancen gibt auf ganz neue Jobprofile. Also ich bin jetzt 30 Jahre im Job, ich bin 52 Jahre alt. Die Jobs, die mir mit 20 vorgestellt worden sind, die gibt es heute auch nicht mehr. Da hat sich schon ganz viel verändert. Und so wird es auch weitergehen, nur schneller. Und ich glaube, schneller ist das Problem. Und deswegen mehr Transparenz, mehr Offenheit und noch mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Leute eingehen. Dann kriege ich sie vielleicht auch mit.
Trotzdem wird es schwer. Es ist kein Spazierpark.
Ich würde sagen, ja, eigentlich sogar beide Seiten fast. Ich glaube, dass es mir als 20-jährigen Anfänger vielleicht auch hilft, wenn von oben diese Transparenz vorgelegt wird. Wäre für mich jetzt die nächste Frage, angenommen, dass ich so eine Digitalisierung irgendwo vorleben muss und diese Führung irgendwo ausführen soll. Gibt es da Mittel, die gut funktionieren? Und gibt es vielleicht Mittel, auf die man spontan kommt, die aber nicht so gut funktionieren? Also man denkt jetzt vielleicht spontan an Großraumbüros und da gibt es geteilte Meinungen. Man kann auch das richtig oder falsch machen. Aber gibt es so die Anfängerfehler?
Also ich glaube, der größte Fehler ist, es ist ganz egal, wenn sie ihre Mitarbeiter nicht mit einbeziehen. Ich würde immer, auch wenn man davor Angst hat als Führungskraft, Was, ich soll meine Mitarbeiterfrau? Die soll ich fragen, wie es geht oder was die eigentlich wollen? Ich sage, ja, machen Sie es, gerade in diesen Bereichen, weil die Mitarbeiter sind nicht blöd. Also ich glaube schon daran, dass wir haben sie ja mal alle rekrutiert. Wir sind ja auch mal davon ausgegangen, dass wir jemandem einen Arbeitsvertrag gegeben haben, weil wir ihn für gut gefunden haben, irgendeine Qualifikation wird er gehabt haben, dass ich ihn genommen habe. Und die Mitarbeiter denken auch mit. Sie haben vielleicht, also auf alle Fälle im Hintergrund denken sie mit.
Sie haben vielleicht aufgehört, ihr Mitdenken rauszugeben und ihre Ideen und Gedanken, weil ich keine kreative Umgebung im Unternehmen habe. Und vielleicht haben sie auch in Teilen Schiss zu sagen, halt, stopp, das geht nicht. Oder wir möchten aber was anderes, weil sie auch Sanktionen gespürt haben, die andere dann erleben durften, leider. Alles das ist ja eine Kultur im Unternehmen und auch eine Geschichte und die kann ich gar nicht voraussagen. Ich kann nur immer wieder den Leuten den Tipp geben, den Führungskräften sagen, Wir ziehen deine Mitarbeiter mit ein. Wenn du digitalisieren willst, das heißt ja nicht, ich sage ja nicht an, so, jetzt Digitalisierung, sondern es geht ja in der Regel um eine Produktentwicklung.
Oder es geht um eine neue IT-Plattform. Oder irgendwie eine IT-Kommunikation, die neu eingeführt wird. Ein neues SAP, in Anführungsstrichen, CRM oder sonst was System, keine Ahnung. Irgendwie sowas versteht man ja darunter. Und das heißt, da würde ich schon, wie wird denn so ein Prozess bisher gemacht? In der Regel, ein kleines Team wird rekrutiert, die sich diesem Projekt annehmen und dann sich überlegen, welche Lösung kaufen wir ein oder machen wir irgendwas individuell und so weiter. Werden da wirklich die wichtigsten Mitarbeiter gefragt? Können wir nicht doch noch gucken, ob wir mehr Leute mit einbeziehen, um diesen Prozess der Gestaltung erstmal gut zu machen? Weil nichts ist schlimmer, als etwas den Leuten vorzusetzen, wo sie hinterher sagen, das braucht keine Sau.
Also wir nicht so zu arbeiten, sondern wir hätten es anders gemacht. Also dadurch vielleicht in die Vorbereitung besser reinzugehen und so viele mögliche Leute mit einbeziehen in die Lösungsfindung. Und das kennen Sie aus der IT. Da wird sehr viel in den Teams, die machen, Design Thinking hatten wir vorhin angesprochen als Methode, da wird ein Prototyp erstellt und hast du nicht gesehen, verschiedene Prototypen erstellt, die weiterentwickelt, weggeworfen und so weiter. Sicherlich kann man diese Methode oder diese Art des Kreativprozesses kann man auch auf einen großen Teil der Belegschaft übertragen. Und man muss nicht jeden nehmen, aber man muss auf alle Fälle Repräsentanten daraus nehmen. Und das wäre für mich der erste Schritt.
Also je früher ich Leute mit einbeziehe in die Lösungsfindung, desto besser. Wenn denn dann eine Lösung da ist oder man sagt, wir wollen das so oder so, dann würde ich sofort die Leute wirklich auch an das Thema, warum machen wir das eigentlich? Was ist der Nutzen daraus? Ich bin auf der einen Seite schon ein Verfechter davon, dass ein Unternehmen ganz klar sagen soll, das ist unsere Aufgabe als Unternehmen. Damit verdienen wir Geld. Damit werden wir auch in Zukunft Geld verdienen. Das ist unser Job, Arbeitsplätze zu erhalten. Wir sind kein Sozialamt. Also um das ganz krass zu sagen. Trotz, also es ist so für mich die Beschreibung der Leitplanken einer achtspurigen Autobahn. Haben wir acht Spuren oder haben wir sechs Spuren?
Manche Unternehmen haben nur zwei Spuren. Aber ich muss diesen Rahmen ganz klar setzen. Und dann den Mitarbeitern auch sagen, in diesen acht Spuren der Autobahn, in diesem Rahmen der Leitplanken kannst du dich aber bewegen und hast viele Freiheiten. Du kannst ausprobieren, kannst Verantwortung übernehmen und so weiter. Nur meistens, ganz ehrlich, sind diese Leitplanken nicht gesetzt. Die Mitarbeiter wissen nicht warum, wieso, wo geht die Reise hin. Das ist schon das große Thema. Und gerade in dem Veränderungsprozess muss ich als Mitarbeiter wissen, wofür der ganze Mist. Auch wenn ich dann dazu nicht stehe. Aber wenn mir jemand sagt, ja Leute, weil wir ansonsten in fünf Jahren hier die Tore schließen dürfen, weil es dieses Unternehmen nicht mehr gibt, dann ist dem Letzten auch klar, dass man was tun muss.
Also es gibt auch im Veränderungsmanagement, gibt es wirklich den großen Tipp, den Druck der Veränderung auch wirklich plausibel darzustellen. Es nicht schön zu reden, es wird nicht so schlimm, sondern auch wirklich zu sagen, wenn wir das nicht machen, dann wird das und das passieren. damit die Leute aus dem Quark kommen und sagen, ich gehe mit.
Das hat sich, würde ich jetzt mal unterstellen, im Prinzip durch die Geschwindigkeit erst ergeben, oder? Ich meine, ein Unternehmen, das kein plausibles Geschäftsmodell hatte, ist auch vor 50 Jahren den Bach runtergegangen. War da einfach die Welt so langsam noch verglichen mit heute? Also, dass man als Unternehmen, also, dass ich als Chef steuern konnte, ohne irgendwen erklären, wieso, weshalb, warum? Und vielleicht hat es funktioniert?
Also ich glaube, dass wir, das sind auch wieder viele Facetten. Natürlich glaube ich, dass Technik sich heute so schnell wandelt und ändert. Ich habe gerade ein neues Handy, ist das schon wieder alt. Und Apple bringt in jedem Produktwerbung, alles klar, alle halbe Jahr ein neues Handy raus. Und da sind schon wieder neue Funktionen. Und ich frage mich, wieso brauche ich das schon wieder? So ist es nur im Kleinen, im Konsumerbereich, aber im Großen natürlich entwickelt sich die Technik auch so schnell. Und ich glaube, bei Digitalisierung, ich weiß, also ich selber, ich bin ja Informatikerin, trotzdem, wenn ich mich nicht ständig mal auf den Seiten von Stanford mal gucke, was gibt es da für Projekte, informiere, dann wüsste ich nicht, was ist eigentlich alles möglich.
Und wenn ich nicht über Big Data selber mal was nachlesen würde, also als Normalverbraucher, dass du das gar nicht weißt. Aber jetzt bin ich ITlerin und ich lese sowas und fasse sowas gleich auf und entwickle das in meinen Gedanken weiter. Aber das hat ja nicht jeder, diesen Zugang. Deswegen glaube ich, dass die Menschen damit echt überfordert sind, wenn sie auf einmal hören, Einführung, Projekt X und die fallen aus den Wolken. Weil sich für sie alles verändert. Das ist das eine. Das andere ist, dass jeder weiß, es wird sich was verändern. Und dieses Wissen macht Ängste. Die sind aber nicht nennbar. Ich habe Angst, dass das oder das oder das passiert. Die haben einfach nur Angst, weil es Unbekannt ist.
Und weil wir alle sowas noch nicht hatten. Und deswegen ist dieser Schritt erstmal sich gar nicht zu bewegen, der erste Schritt. Nee, ich weiß doch, hier kenne ich mich aus und hier finde ich es gut und hier habe ich doch meine Qualitäten. Weil aber auch keiner wirklich weiß, womit kenne ich mich denn in zwei Jahren aus? Oder womit muss ich mich in zwei Jahren auskennen? Was passiert da eigentlich wirklich? Das macht irre Angst und Irritation. Und ich glaube, so komplex war die Welt noch nie für uns, weil wir ja auch so viel hören. Wir haben Internet, wir haben Radio, wir haben Fernseher, die verschiedenen Messenger-Dienste, Newsletter. Wir waren voll gedröhnt mit Informationen aus jeder Seite.
Sie haben inzwischen digitale Anzeigentafeln, hast du nicht gesehen, in der U-Bahn. Überall sind sie up to date und werden ja informiert über alles. Wissen war noch nie so leicht zu bekommen oder Informationen so leicht zu bekommen. Aber das überfordert uns. Ich muss ja filtern. Ich muss ja meiner kleinen Hirnwelt, Gehirnwelt filtern und sagen, und was trifft da auf mich zu? Und es ist schier fast für keinen mehr richtig möglich. Und ich glaube, alles das macht es notwendig, dass ich da eine Führungskraft habe, die da auf einer Seite steht und sage, das sind unsere Werte. Dafür machen wir das. Das ist unsere Zukunft als Unternehmen. Und das ist deine Zukunft, lieber Mitarbeiter. Daran sehe ich dich.
Du kannst das und jenes. Also die müssen noch viel mehr dieses Verbindende, Vertrauensvolle, diese Beziehung aufbauen zu den Mitarbeitern als noch vor 5 oder 10 Jahren.
Kann ich aus meiner persönlichen Erlebniswelt auf jeden Fall total nachvollziehen.
Sie sind Generation Y, die wollen das auch.
Gerade noch, ich bin auf der Grenze. Ich habe den Übergang noch erlebt. Dazu hätte ich jetzt die Frage, wie kann ich als Unternehmen diese Werte und diese Vision und die Strategie so rüberbringen, dass die Leute nicht denken, ja, ja, der nur wieder. Also dieses Thema Vision, Strategie, Mission, das ist an vielen Stellen auch so breit getreten worden. Also wenn ich in so ein Konzern reinkomme und ich als neue Führungskraft sage, und das ist unsere neue Vision, dann werden noch 80% der Leute sagen, ja, aber ich habe schon acht Visionen hier erlebt und das geht auch vorüber.
Na klar. Sie beschreiben gerade ein Bild eines großen Tankers. Und jetzt wissen wir selber, einen Tanker im Wasser zu drehen, ist um ein Vielfaches schwerer und mühsamer. Und da brauchen Sie mehr Hilfe von außen und aber auch von innen und viel Kraftanstrengung, als wenn Sie ein kleines Bötchen haben, so ein Motorboot, da schreißen Sie einmal in der Steuerhombe und zack, dreht er sich und fährt in die andere Richtung. Das ist, glaube ich, eine ganz gute Metapher. Und auch da gibt es kein Rezept, kein Geheimrezept. Aber ich glaube, hier geht es eigentlich nur darum, mit so wenig Schaden wie möglich durch den Change zu kommen. Sie werden im Change-Prozess, egal ob es ein großes oder ein kleines Unternehmen ist, immer Fehler machen.
Ich vergleiche das schon auch so ein bisschen wie mit Erziehung und Familienleben. Sie können eigentlich das Ding nur in die Grütze fahren. Manchmal, weil wir haben ja Menschen um uns herum. Und dazu auch noch Menschen, die zwar irgendwie einmal Individualisten sind, alle, es ist keiner wie der andere. Aber wir haben ja alle eine Tagesform. Kommt ja auch noch dazu. Und eine Lebensgeschichte. Und wenn ich sie heute treffe, verstehen wir uns gut. Und morgen haben sie vielleicht gerade ein Problem. Was weiß ich was von außen. Und dann hakt es auf einmal zwischen uns. Und das alles muss so eine Führungskraft und auch das Topmanagement einfach nur auf dem Schirm haben. Es geht nicht darum, dass sie alles handeln können.
Ich finde, eine Führungskraft ist okay und auch sehr authentisch übrigens, wenn sie mal sagt, es tut mir leid, du enttäuscht mich jetzt. Ich verstehe dich gerade nicht. Oder es geht mir gerade selber nicht gut. Ich habe da Schwierigkeiten mitzugehen. Wie können wir als Team das denn so? Das sind alles das neue Wording übrigens. Das würde eine Führungskraft 50 Jahre gestanden. Die würde nie sagen, ich kann doch, würde immer sagen, ich darf keine Schwächen zugeben. Ich finde es wichtig, dass auch Führungskräfte sagen, ich kann das allein nicht. Und auch diese Haltung daran gehen, weil erst in dem Moment mit dieser Haltung, ich kann das alleine nicht, sagt sie ja, andere können das vielleicht besser.
Und ich finde das völlig okay, dass andere etwas besser können als eine Führungskraft. nur was eine Führungskraft auf dem Schirm haben muss, ist genau dieses Umfeld zu begreifen, wie individuell wir alle sind und dass jeder Mitarbeiter eigentlich individuelle Ansprache braucht und eine andere Art der Motivation oder eine Ansprache, damit der motiviert ist. Und selber das dann händeln können ein Stück weit. Ressourcen einkaufen vielleicht, Ressourcen zur Verfügung stellen, Wissen zur Verfügung stellen, vielleicht mehr Mitarbeiter, Jobs umdefiniert, andere Arbeitsplatzgestaltung, damit eben dieses kreative Umfeld, eine Fehlerkultur aufgebaut werden kann, Vertrauen sich entwickeln kann unter den einzelnen Mitarbeitern.
Und das können sie eigentlich nur erreichen, indem sie, klar, der oberste Big Boss muss vorgehen und das auch wirklich leben und das muss seine Haltung sein. Und dann können sie sich vorstellen, wie so ein Steinchen, was sie in die Pfütze schmeißen und dann entstehen ja Wellen. Und je mehr Steinchen sie schmeißen, desto mehr Wellen und desto größer wird auch der Kreis. Und so entwickelt sich Kultur.
Da fällt mir jetzt gerade ein, ich kenne viele Firmen, wo das aus der IT-Abteilung rauskam. Also gerade Softwareentwicklung, da hat man in der Regel eher jüngere Leute. Es kommen zumindest viel mehr jüngere als ältere Leute rein, weil es haben in den 80ern noch nicht so viele Leute Informatik studiert wie heute. Weiß ich. so und wenn ich jetzt sehe, also ein Kunde bei dem ich jetzt in den letzten Monaten viel war, da ist der komplette Change hin zum digitalen Unternehmen komplett aus der Entwicklungsabteilung raus getrieben, so diese ganze Transparenz, da hat irgendein Entwickler angefangen ein Wiki aufzusetzen und irgendwann also heute dokumentieren da auch Online-Marketing und Finanzbuchhaltung ihre Dinge drin, aber das waren alles Sachen, die kamen daher und auch Softwareentwicklung Also die Branche steckte ja massiv in der Krise, bis das Agile Manifest irgendwo eigentlich versucht hat, wie können wir verhindern, dass Projekte viel zu groß und viel zu teuer werden.
Aber im Wesentlichen ist agile Softwareentwicklung ja auch ein Werte- und Kulturwandel. Absolut. Also ich habe ja noch Entwickler erlebt und deswegen habe ich mich damals auch in den 80er Jahren entschieden, nicht in die Softwareentwicklung zu gehen nach meiner Ausbildung. Weil ich gedacht habe, die kommunizieren ja gar nicht. Das sind ja alles nur Nerds, die sitzen an ihren Birkenstocken mit drei Paketen Zigaretten in ihrem dunklen Kämmerchen und entwickeln, entwickeln, entwickeln, aber sie reden nicht mit ihren Kollegen und schon gar nicht mit dem Kunden. Das war nicht meins, weil ich einfach senden muss und reden und Kommunikation brauche. Das war für mich dann klar, ich gehe raus in die Welt, werde Vertrieblerin und mache Marketing für IT.
Dann kann ich nämlich übersetzen. Und damals den IT-Lern ist es, glaube ich, ganz schwer gefallen, in die, ich sage mal, in die reale Welt anzudocken und zu verstehen, was wollen eigentlich die Kunden und umgedreht, sie konnten auch nicht übersetzen an den Kunden, was sie machen. Und da, glaube ich, hat sich ganz viel verändert, dass die Leute von heute einfach viel fähiger sind, also auch die Softwareentwickler von heute, die können sie heute schon, nicht unbedingt alle, aber viele können sie viel, viel mehr auf Kunden loslassen. Die sind es gewöhnt zu kommunizieren und Transparenz zu schaffen. Klar gibt es da auch wieder eine Bandbreite von bis, aber ich bin davon überzeugt. Und da breche ich echt die Lanze inzwischen für meine ITler.
Das hat sich unheimlich verändert. Und deswegen glaube ich auch, dass Mädchen, Frauen, also ich rede von Mädchen jetzt, weil da geht es ja los in der Kultur, in der Schule. Wie werden Mädchen in MINT-Berufe oder in MINT-Fächer herangeführt? Da fangen wir ja mit an. dass die das eigentlich, also können sowieso, Mädchen und Mathe schließt sich nicht aus, überhaupt nicht, das war schon wieder beim Thema Kultur, sondern dass sie dafür eigentlich auch mehr Interesse zeigen sollten. Nur wird es denen leider noch durch diese alten Riten, die da irgendwie stattfinden, so ein bisschen vermiest und vielleicht sollten auch Mädchen alleine erstmal lernen eine Zeit lang, weil die an Technik auch anders rangehen als an Jungs und dass sie dann einfach auch wissen, IT ist kreativ, als Softwareentwickler kann ich gestalten und da kann ich wirklich Dinge, ja wirklich was Neues entwickeln.
Und das ist ja eigentlich der Grund, warum Mädchen das oft abwählen, weil sie glauben, das gibt es alles da nicht. Ist aber vollkommen Bullshit. Und nur ich denke, dass sich diese Welt schon verändert hat und da bin ich auch sehr froh, dass die neue Generation da jetzt da ist, dass sich durch die Softwareentwicklung oder durch die Technik, und das meinte ich mit Techniktreibkultur, wirklich sehr, sehr viel verändert. trotzdem gab es in der IT damals Projekte da war nichts mehr agil und so gedacht haben auch die Leute und die gibt es natürlich noch in Teilen und ist ganz egal, ob die in der Buchhaltung heute sitzen oder noch in der IT-Abteilung irgendwo und in ihrem Kämmerchen oder teilweise auch als IT-Leiter oder als Technik-Phrik oder so und sich auch nicht bewegen und es noch nicht verstanden haben, dass die Kommunikation zum Kunden und in die Außenwelt unheimlich wichtig ist, also ich glaube das Thema Kommunikation ist mit der Schlüssel für Digitalisierung.
Transparenz, aber auch zu fragen, warum, wieso, weshalb, es den Leuten zu übersetzen, was ich in der Technik meine, was bedeutet das für die Umwelt, was für Chancen es da auch gibt, aber auch ganz wichtig, mit den Ängsten souverän umzugehen und zu sagen, ja, okay, Ängste kann ich verstehen und die sind auch berechtigt. Es wird Jobs nicht mehr geben. Es gibt Profile heute, Leute, die etwas gelernt haben und die Generation, die halt nicht gelernt hat, ein Leben lang sich vorzubilden, wird da eben ein großes Manko dann natürlich haben, dass es eben Jobs gibt, die werden wegfallen. Und diese Menschen kann ich unter Umständen auch nicht in neue Profile reinbringen. Warum auch immer. Vielleicht haben wir da auch noch so eine bläserne Decke.
Warum sage ich nicht mit 50 nochmal was ganz Neues zu machen? Eigentlich kann ich es, aber natürlich habe ich mir hier einen Status aufgebaut. Ich muss Geld verdienen. Vielleicht muss man sich da auch Arbeits- und Lernmodelle überlegen, dass Menschen nochmal komplett umschulen können. Und da ist das Unternehmen auch wieder gefordert. Nicht nur zu sagen, ich kaufe jetzt neue Junge ein, die das noch schon können, und zu sagen, okay, was muss ich denn investieren, um den Mitarbeiter, der jetzt hier 20 Jahre einen richtig guten Job gemacht hat in der alten Welt, damit er vielleicht die nächsten 10 Jahre bis zu seiner Rente oder bis er eben gehen möchte, dann doch noch einen neuen Job machen kann.
Da muss ich vielleicht noch mal in Ausbildung investieren. Nicht nur eben mal eben schnell einen Kurs. Ich glaube auch das Alte anders lernen als Junge. Also muss ich mir doch als Unternehmer überlegen, wie kriege ich da eine Lernform hin, wo die 50-Jährigen auch sagen, hurra, ich kriege eine Schulung, super.
Wahrscheinlich ist genau die Schulung das Problem.
Vielleicht nenne ich es anders, ne?
Ja, genau. Vielleicht ist das Format einfach verbrannt. Aber ja, ich habe gerade letzte Woche auch ein Interview geführt in einer Firma, die heute eine reine Online-Plattform ist. wo heute jemand, die Online-Marketing-Kampagnen führt, der hat da vor vielen Jahrzehnten als gelernter Buchdrucker angefangen also es geht
es geht natürlich und ich glaube auch umgedreht natürlich, also ich möchte jetzt hier nicht die alten verdammen und sagen, die gehen nicht sondern ich glaube, dass der Mix immer noch das Richtige ist und ich finde es selber unheimlich befruchtend, wenn ich mit jungen Leuten zusammenkomme und mich mit denen austauschen kann. Ich finde es aber insoweit nur gut und befruchtend, wenn ich auch merke, dass die neugierig sind auf meine Welt. Dass die auch erfahren möchten, wie habe ich denn bisher gelebt oder wie habe ich bisher gearbeitet und was ist wichtig, was sind meine Erfahrungen. Und das dann gut zu vermischen. Ich glaube, mit dieser Mix eben aus dem Neuen und aus dem Alten, aus einer, ich sage mal, aus der Ungeschwerbtheit der Jugend, der Neugierde heraus, das und diesen Drang nach vorne zu gehen, finde ich diese Mischung zusammen mit dem, was Alte sagen, halt stopp, das sind schon unsere Erfahrungen, lass uns doch nochmal in diese Richtung oder überdenken, dass das das Gesündeste ist.
Und deswegen wünsche ich mir auch von jungen Leuten Akzeptanz. Das sage ich jetzt als, ich bin so der Mix, ich bin gerade auf der Grenze zwischen Generation X und Babyboomer, obwohl ich mich nicht so fühle. Also ich denke manchmal mehr mit meinem Lebensmodell hier, dass ich eher zur Generation Y passe, wenn man dieses Modell sich anguckt, als zu den anderen. Trotzdem Erfahrung, fast 30 Jahre Berufserfahrung und ich glaube, da war vieles von gut. Und auch das darf in dieser Welt nicht verloren gehen. Weil immer nur neu, neu, neu, neu, neu, drehen wir genauso am Rad. Können wir nämlich gar nicht verarbeiten. Und ich denke, es ist wichtig, dass wir uns über Werte bewusst werden. Was für Werte haben wir hier eigentlich?
Wie wollen wir als Unternehmen? Welche Werte wollen wir leben? Auch als Menschen, was wollen wir noch behalten in unserem Leben? Und da verändert Technik ja sowieso auch einiges. Nur ich muss mir bewusst machen, wo gehe ich mit und wie weit gehe ich nicht mit. Und Entscheidungen ganz klar treffen. Und ich glaube, dann als Führungskraft dem Team zu erklären, warum dieser Weg zu gehen ist, mit welchen Werten, welche Bedürfnisse dahinter stehen und was der Nutzen ist für alle. Dann gehen viele auch mit. Aber das dauert und das ist ein Prozess und die Führungskraft muss erstmal sich selber klar werden, warum sie das macht.
Ja. Ich glaube, davon ausgehend würde ich gerne zu meiner Schlussfrage kommen. Und zwar ist die jedes Mal eine Quelle, die Sie am hilfreichsten finden, wie man sich dem Thema noch ein bisschen nähern kann. Und zwar habe ich jetzt mitgenommen, im Prinzip betrifft Digitalisierung jeden, egal ob mein Unternehmen jetzt vom Geschäftsmodell her digital werden muss oder nicht. Irgendwie betrifft es uns alle. Und vor allen Dingen betrifft es mich sowohl als Mitarbeiter als auch als Führungskraft, als auch vielleicht als Familienvater, der zu Hause ist und meine Frau arbeitet. Also irgendwie betrifft es jeden. Das heißt, es muss ja irgendwas geben, wo ich als ganz normaler Teilnehmer unserer heutigen Gesellschaft mich dieser Digitalisierung anpassen kann.
Gibt es da irgendeine Quelle, die Sie empfehlen würden?
Also, ja, ich hatte ja vorhin schon mal ein Buch. Also ich würde sogar Ihnen da mehrere Antworten drauf geben. Nicht nur eine Peile. Das eine ist dieses, jetzt habe ich den Autor nicht, vielleicht können wir den noch nachschieben. Das ist dieses Buch Führung rockt. Das ist ein ganz neues Buch, ich glaube Ende letzten Jahres oder Anfang dieses Jahres erschienen, zum Thema Führung, wie sich Führung verändern sollte. Und ich muss schmunzeln, ich finde es klasse, es ist eigentlich nicht viel Neues drin, sondern es ist nochmal sehr, sehr deutlich beschrieben, was passiert hier eigentlich mit den Unternehmen, wie war Führung noch vor 20 Jahren und wie kriegen wir, und zwar immer mit diesem Thema War of Talents, also Fachkräftemangel, die Guten wollen wir haben und als Unternehmen kann ich nur beständig wachsen und mich diesem Leistungsdruck eigentlich auch behaupten, wenn ich die besten Leute an Bord habe und halten kann vor allen Dingen.
Und das beschreibt der eigentlich alles in diesem Buch Flo-Grockt und das ist toll und das ist so gnadenlos ungeschönt geschrieben, dass ich einfach sage, zieht euch das rein, habt ihr Mut, liebe Führungskräfte, guckt euch dieses Buch an, weil da stehen so viele tolle Sachen drin. Und es sind auch für den einen oder anderen von uns bestimmt auch ein paar Watschen dabei. Ist so. Aber das ist die Sprache, die ich auch gerne spreche. Das ist das eine. Das andere ist, dass ich empfehlen kann, und zwar hat die Leuphana Universität in Lüneburg, die forscht. Das ist die Professor Remdisch. Die ist auch in ihren Semesterferien in den freien Zeiten sehr viel in Stanford und forscht zum Thema Digital Leadership.
Und das Projekt heißt Leadership Garage. Also wie ein Leadership Garage. Und da mal auf die Homepage zu gucken, Digital Leadership, Leadership Garage, Leuphana Universität, welche Tipps dort gegeben werden, wie sich Führung verändern wird und wie sich Unternehmen fit machen können für die Digitalisierung. Und zwar nicht technisch fit, sondern Kulturdenken. Finde ich wunderbar. Also das ist auch leicht geschrieben und die bringt so ein paar schöne Beispiele, was Stanford in Amerika, eben in den USA, was die dort schon für Unternehmen beschreiben, wie sich eigentlich Arbeitsplätze, die Workplaces verändern. Und davon gehen die aus. Workplaces verändern sich und wie muss ich Führung dann anpassen.
Der Ansatz, toll. Toll geschrieben und da gibt es ein paar knackige Punkte. Ja, und das dritte ist im Grunde ein Tipp an jeden Einzelnen nur, dass er neugierig bleibt oder wieder anfängt, neugierig zu werden. Und die Neugierde würde ich mal wirklich in Richtung neue Techniken, Das ist heute alles nicht mehr in Fachchinesisch geschrieben. Und sich mal auch, vielleicht wenn jemand Kinder hat, mit einer Familie, mit den Kindern hinsetzt und sich mal hinsetzt und sagt, hier, warum hast du so ein Handy, was machst du mit deinem Handy, wie nutzt du denn den Computer? Weil mein Sohn ist 14, meine Tochter ist 16. Die sind mir um Längen voraus, wie sie diese Medien nutzen und damit umgehen und in ihrem Denken irgendwie involviert haben.
Weil die sind digital groß geworden, nur digital, auch wenn ich das nicht wollte. Und ich bin analog und bin umgesattelt sozusagen. Das heißt aber, meine alten Hirnstrukturen laufen ja noch irgendwo. Und das finde ich aber ganz spannend, sich wirklich mal hinzusetzen als Nichtwissendar und zu fragen, wie machst du das? Warum machst du das? Was macht das mit dir? Wie fühlst du dich, wenn du mit deinen Leuten nur über Snapshot und WhatsApp und ich weiß nicht was kommunizierst und nicht mehr im wahren Leben draußen in der Heißdiele sitzt, so wie ich das früher gemacht habe. Und trotzdem ist es für meine Kinder ein Lebensgefühl und ganz wichtig, dass sie das haben, was ich doof finde als Mutter.
Aber es ist so. Und das dann nicht zu verteufeln, sondern zu sagen, okay, das ist ein Generationenwandel, den muss ich erstmal akzeptieren. Und dann versuche ich mich doch mal hineinzuversetzen in das, was meine Kinder da machen. Und das finde ich ganz wichtig. Umgedreht versuche ich aber auch, mit Menschen in den Dialog zu gehen und zu sagen, halt stopp, ich möchte euch trotzdem erzählen, was finde ich dabei, wie ich lebe und wie ich denke. sodass man da irgendwo Brücken baut. Und dadurch glaube ich, kann ich in meinem kleinen Umfeld einfach Ängste bei mir selber abbauen, aber auch bei meiner Umgebung abbauen, was die Zukunft angeht. Und ich glaube, das größte Problem ist die Zukunftsangst.
Digitalisierung hängt wie so ein Damoklesschwert über uns. Und verdammt uns dann leider dazu, uns nicht zu bewegen. Und deswegen meinte ich Neugierde. Bleiben Sie neugierig, gucken Sie mal um die Ecke. Und das ist mein persönlicher Tipp an jeden Einzelnen, sich dem nicht zu verschließen, sondern zu sagen, ja, ich gucke mal, was da Gutes für mich herausspringt. Und natürlich reflektiert. Und vielleicht macht man eine Rechnung auf und sagt, super, ist ein Gewinn für mich. Oder man sagt auch, nö, ist nichts für mich. Aber dann ist es okay und ist es reflektiert.
Ja, super. Ich finde, das ist ein ganz hervorragendes Schlusswort.
Okay.
Ganz vielen Dank für das Gespräch.
Ja, gerne. Super. Gerne wieder.
Das war unser viertes Interview für den Podcast Wege der Digitalisierung. Vielen Dank, Frau Kaysen, für Ihre Zeit und vielen Dank für das viele Wissen und die vielen Erkenntnisse, die ich gewinnen konnte. Und ich hoffe, dass viele unserer Zuhörerinnen und Zuhörer auch ganz viel gelernt haben. Ich werde wie immer alle Links und alle Quellen, die wir so im Laufe des Gesprächs genannt haben, verlinken in den Shownotes. Das Ganze findet ihr unter wegederdigitalisierung.de. Das hier ist das vierte Interview mit der Change-Manufaktur. Und wir sind neu auf iTunes. Das heißt, ich würde mich freuen über ein Rating bei iTunes. Am liebsten natürlich positiv, aber vor allen Dingen ehrlich. Feedback würde uns super helfen.
Ich freue mich sehr über jeden Kommentar unter den Artikeln oder auf iTunes oder auch E-Mails. Wir sind auf Twitter und auf Facebook erreichbar. Ich hoffe, dass wir hier einen Wert erzeugen, dass andere genauso viel davon haben wie ich. Und freue mich auf das nächste Interview in zwei Wochen. Vielen Dank. Bis bald. Musik