E00326.07.201750 Min
Wie digitalisiert man ein 80 Jahre altes Unternehmen?
Im Gespräch: Felix Menden und Carsten Brandt (Wer liefert Was)

Worum es geht
Felix Menden und Carsten Brandt von Wer liefert was? erzählen, wie sie einen 80 Jahre alten Verlag in einen digitalen B2B-Marktplatz verwandelten.
Felix Menden ist CTO von Wer liefert was?, einer Firma mit über 80 Jahren Geschichte, die ursprünglich als Verlag begann. Carsten Brandt ist Senior Manager Corporate Communications. Beide beschreiben die Transformation von einem Print-Verlag zu einem digitalen B2B-Marktplatz.
Die Firma digitalisierte sich in mehreren Wellen: 1995 ging sie online, 2001 wurde das letzte Buch gedruckt. Heute ist sie ein reines Online-Unternehmen mit über sechs Millionen Produkten. Die Digitalisierung betraf nicht nur das Produkt, sondern auch interne Prozesse wie CRM, Routing und Kommunikation.
Die Umstellung veränderte die Unternehmenskultur. Mitarbeiter aus der alten Verlagszeit wurden in neue Rollen wie Web-Entwicklung oder Online-Marketing integriert. Neue Technologien wie APIs, Cloud-Hosting und Chat-Systeme wurden eingeführt. Die Firma setzt auf Transparenz, regelmäßige Meetings und offene Dokumentation im Wiki.
Die Digitalisierung führt zu neuen Geschäftsmodellen: Sichtbarkeit im Netz wird durch Daten- und Produktdigitalisierung erweitert. Kunden sollen nicht nur gefunden, sondern auch mit Daten und Produkten versorgt werden. Die Firma sieht sich als Partner für den Mittelstand bei der Digitalisierung und Internationalisierung.
Ursprüngliche Shownotes 26.07.2017
Wie digitalisiert man ein 80 Jahre altes Unternehmen, das mal als Verlag gestartet ist? Und was passiert, wenn man mit der Digitalisierung fertig ist? Ist man eigentlich irgendwann mit der Digitalisierung fertig?
Diese Fragen bespreche ich heute mit Felix Menden, CTO, und Carsten Brandt, dem Senior Manager Corporate Communications der Wer liefert was? GmbH. Mit über 80 Jahren an Firmengeschichte ist „Wer liefert was“ ein echtes hamburger Traditionsunternehmen. Als eine Firma, die vor Jahrzehnten als Verlag gestartet ist und heute eine reine Online Firma ist, ist „Wer liefert was“ ein echtes Bilderbuch Beispiel für Digitalisierung.
Links aus dem Interview:
- Wer liefert was? GmbH
- Dr. Felix Menden
- Carsten Brandt
- Felix Mendens Twitter Account
- Mikko Hypponen bei Twitter („der absolute Obergott in Security-Sachen“)
- Google Blog
- Heise Telepolis
- WLW Inside Business
Transkript:
Felix: Hallo, ich bin Felix Menden. Ich arbeite seit 3,5 Jahren für „Wer liefert was“. Ich darf hier CTO sein. Schon vorher habe ich ähnliche Positionen bei anderen Unternehmen bekleidet, entweder bei “Gruner & Jahr Digital” oder 5 Jahre bei Xing.Ich komme eigentlich aus der Softwareentwicklung. Ich bin eigentlich Physiker und mache das seit 15 Jahren. Ich bin sehr froh die WLW beim Digitalisieren und mit dem digitalen Geschäftsmodell weiter voranzubringen.
Carsten: Ich bin Carsten Brandt. Ich bin hier Senior Manager Corporate Communications und für die interne und externe Kommunikation bei „Wer liefert was“ zuständig. Ich bin seit einem guten Jahr dabei, mache PR und Pressearbeit aber schon seit 13 Jahren; 6,5 Jahre davon auf Agenturseite, dann war ich 2 Jahre selbstständig und die restliche Zeit auf Unternehmensseite. Ich finde den Prozess, den ich in den letzten zwölf Monaten bei „Wer liefert was“ miterleben durfte, sehr spannend. Jetzt sind wir gespannt, wie wir das Thema Digitalisierung aufdröseln können.
Nils: Ja, genau. Thema Digitalisierung. Ich finde, „Wer liefert was“ ist ein super spannendes Beispiel für das, was Digitalisierung konkret bedeuten kann. Erzählt doch ein bisschen. Was ist „Wer liefert was“ heute und wo kommt die Firma her. Da bekommt man den ersten Eindruck, was an der Digitalisierung dranhängt.
Felix: Das Geschäftsmodell von „Wer liefert was“ ist Werbung. War es immer und wird es wahrscheinlich auch immer sein. Früher war es Werbung in ganz speziellen Branchen: Bücher für Gewerbetreibende, die andere Gewerbetreibende mit schwierigen Produkten und mit B2B-Produkten finden konnten. Heute machen wir das Ganze im Netz. Das heißt, unser Geschäftsmodell ist Onlinewerbung und damit ist unser Geschäftsmodell die Digitalisierung unserer Kunden. Denn viele Mittelständler sind unsere Kunden und wir bringen Sichtbarkeit im Netz und auf dem Produktmarkt und helfen ihnen, bei Google besser gefunden zu werden. Die Geschichte dieser Firma geht länger zurück, als man von einer digitalen Company erwarten mag. Ich würde sagen, wir sind 80 Jahre im Geschäft. Wir sind aber selber noch nicht so alt.
Carsten: Genau, wir sind selber, Gott sei Dank, noch nicht so alt. Angeblich 85 Jahre gibt es die Firma schon. Ursprünglich ist sie als Messeverzeichnis der Leipziger Messe gestartet. Danach waren wir ein Nachschlagewerk für Lieferanten in Buchform. Wenn man heute mit Leuten spricht, ist die Enzyklopädie tatsächlich sehr bekannt. In den 12 Monaten, die ich hier bin, habe ich gelernt, dass früher diese Bücher in vielen deutschen Botschaften außerhalb Deutschlands standen. Wenn jemand am anderen Ende der Welt einen Schraubenlieferanten aus Deutschland suchte, konnte er in seinem Heimatland in die deutsche Botschaft gehen und nach „Wer liefert was“-Nachschlagewerken fragen und sich einen weit entfernten Lieferanten “Made in Germany” suchen.
Felix: Da sind wir heute weiterhin unterwegs. Wir sind eine Firma mit etwa 200 Mitarbeitern und sind Europas größter B2B-Marktplatz im Netz, zusammen mit unserer Tochterfirma “Europages”, die das Ganze in mehreren Sprachen in mehreren Ländern mit Standort in Paris betreibt. Die WLW selber ist ein gutes Beispiel und nimmt die nächste Frage vorweg, was macht Digitalisierung mit dem äußeren und inneren Umfeld.
Was ist Digitalisierung aus der Sicht von Wer liefert was?
Felix: In diesen 85 Jahren hat sich die Firma in mehreren Wellen selber digitalisiert, aber wir haben auch unsere Kunden digitalisiert. Was heißt das? Wir haben in den 80er Jahren das Verlagswerk, was 60 Jahre lang verlegt wurde, als CD-ROM herausgebracht und unseren Kunden das CD-ROM-Gerät mit verkauft, weil das damals keiner hatte. Das war der Umstieg von Mikrofiche auf CD-ROM. Die erste Digitalisierung. Die erste „internetisierung“ war glaube ich 1995.
Carsten: Genau, drei Jahre vor Google, das 1998 gegründet wurde. Wir waren 1995 schon im Netz. Wir waren sehr früh dran und in der ABC-Straße haben wir uns die Nähe zu Google behalten. Da schließt sich der Kreis.
Felix: Wir sind auch der größte Reseller von Google in unserem B2B-Bereich. Den Dienst kann man auch online von uns in Anspruch nehmen.
Carsten: Die Bücher wurden eine Weile parallel gedruckt, aber mittlerweile schon seit längerer Zeit…
Felix: Ich glaube, seit 2001 wird kein Buch mehr gedruckt.
Carsten: Genau, 2000 ist das letzte Buch gedruckt worden. Das steht noch eingeschweißt im schönen Plexiglas-Schuber bei unserem CEO im Büro, als Mahnmal an die alten Zeiten. Aber seitdem ist alles digital.
Felix: Ein Beispiel als gute Überleitung zu dem, was Digitalisierung intern für uns als Firma bedeutet hat: wir haben noch Mitarbeiter, die 2001 und davor schon für “WLW” gearbeitet haben. Ich denke, wir sind eine der ganz wenigen Firmen, die vor über 20 Jahren schon eine elektronische Auftragserfassung hatten. Damals selbstgebastelt mit SAP-Programmierern, die heute ganz andere Sachen hier bei uns programmieren. Wir haben seit 15 Jahren elektronische Vertriebsplanung mit Routing-System, TomTom-Navis und einem extra gebuchten Datendienst, als es damals noch kein richtiges Internet gab.
Unsere Vertriebsmitarbeiter wurden somit draußen gesteuert. Eine eigene Webentwicklung haben wir seit etwa 5 Jahren. Das hatten wir immer outgesourced. Wann wurde es wichtig für unsere Firma das ganze Thema Webplattform, Firmensuche, Produktsuche selbst als digitales Produkt zu kontrollieren? Seit 3 Jahren haben wir firmenweit keine Desktop-PCs mehr – nur noch Laptops und Smartphones und alle so vernetzt, dass jeder von überall arbeiten kann, als sei er in der Firma. Wir haben die interne Arbeitswelt digitalisiert und virtualisiert.
Seit zwei Jahren haben wir Status-Bildschirme im Unternehmen. Die tauchen langsam auf, das merkt man gar nicht mehr. In der Küche steht ein Bildschirm, der sagt, wie stark der Produkt Marktplatz aufgefüllt ist. Wir sind bei etwa 6 Millionen Produkten. Er zeigt an, wie stark der Traffic auf der Webseite ist. Wir haben andere Monitore, auf denen man die Webseite überwachen kann. Der Vertriebsinnendienst hat Monitore, wo sie sehen können, wie viele Anrufe reinkommen und angenommen werden, zu welchen Themen gerade Supportanfragen kommen.
Als nächstes kommt die weitere Intensivierung der internen Kommunikation. Ich selbst bin ein großer Fan von Chat-Diensten. Meistens fangen die Entwickler über Chat-Dienste an, kleine Arbeitsergebnisse kurz mitzuteilen. Da sehe ich für unser Unternehmen noch Potenzial.
Nils: Spannend, was damit verbunden ist. Wenn man sich das Kerngeschäftsfeld anguckt, dann hattest du gesagt, es war immer Werbung und ist heute noch Werbung, aber das Medium hat sich komplett gewandelt. Gibt es andere Themen, die sich durch die Digitalisierung verändert haben? Gibt es Themen, die wir heute haben, die es früher nicht gab? Oder andersherum, gibt es Themen, die wir früher hatten und die heute weggefallen sind? Wenn ich an den Vertrieb denke; es gibt eine große Außendienststruktur. War das die einzige Struktur, die es gab oder gab es das Callcenter, das es heute gibt, schon immer?
Felix: Das war in der Tat nicht so. Es gab schon immer einen starken Außendienst, weil der Mittelstand eine hohe Beratungs-Komponente hat und sonst nicht erreichbar ist. Das sind auch Mitarbeiter, die vorher ihren Termin abmachen. Das ist ein Beratungsgespräch, bei dem man nicht überfallen, sondern mit Vorbereitungszeit beraten wird. Wir haben gemerkt, dass es zunehmend Firmen gibt, die übers Telefon erreichbar sind. Wir haben uns insofern digitalisiert, dass wir am Anfang Telefon-Termine abgemacht haben. Jetzt machen wir im Rahmen des Telefon-Termins Screensharing, um Internet-Ergebnisse, WLW-Ergebnisseite, Google-Ergebnisse, Rankings bei Google und Statistiken über die Themen des Kunden zu zeigen.
Mit einem potenziellen Kunden, der Membranpumpen-Hersteller ist, geht man durch, wo man Membranpumpen im Netz findet. Wo sind die richtigen Portale? Nicht selten sind wir auch das beste Portal. Das ist kein Verkaufstrick, sondern digitale Aufklärung. Auch am Telefon kann man diese Dienstleistung, die wir erbringen, gut verkaufen. Das ist in den letzten 1,5 Jahren dazu gekommen. Die Digitalisierung, also das Screensharing, hat uns geholfen unser abstraktes Produkt zu verkaufen ohne Tabletime, also ohne zusammen am Tisch zu sitzen.
Die nächste Hürde, an einen Gewerbetreibenden heranzukommen, ist über eine Online-Konversion etwas zu verkaufen wie in einem ganz normalen Shop. Das geht mit kleinen Produkten von Interesse, wo man hinterher ins Gespräch kommt, gut. Ich glaube, dass wird in anderen Ländern noch länger dauern. In China oder Asien hat es mehr Tradition über eine Kreditkarte im Jahr 10000 Euro auszugeben. In Europa hat es noch nicht so Tradition.
Carsten: Das Ganze hat auch eine interne Komponente, weil früher die Auftragserfassung, die Auftragseinstellung und die Kundenerfassung ein extrem händischer Aufwand war. Mittlerweile haben wir ein CRM-System eingeführt, das im Hintergrund läuft, wo die Außendienst-Mitarbeiter ihre Termine selber pflegen. Früher gab es eine Agentur, welche die Termine gemacht hat. Jetzt müssen sie selber terminieren. Wenn die Termine abgeschlossen sind, können sie gleich danach in dem Tool entsprechend sagen, ob sie erfolgreich waren oder nicht. Das hat eine ganz andere Komponente: Arbeitsablauf und Prozesse, die früher in der Form nicht da waren.
Felix: Es ist in der Tat sehr spannend zu gucken: Wo waren früher Mitarbeiter und wo sind heute Mitarbeiter? Die Firma hat sich von der Anzahl der Mitarbeiter gar nicht so stark vergrößert. In den letzten 10 Jahren waren es immer rund 180 bis 200 Mitarbeiter. Zum Beispiel in der Auftragsdisposition, wie Carsten gerade gesagt hat, waren drei bis vier Leute damit beschäftigt die Kundendaten hin und her zu schieben. Heute passiert das automatisch und im CRM bekomme ich sogar Vorschläge, mit welchen Kunden ich wann und wo einen Termin machen kann, sodass ich keine langen Fahrzeiten habe. Weil ich dann mit API, Thema „Shared Services“ (in dem Fall zu Google Maps und Google Shared Places) und einem kleinen Routing-Algorithmus einfach vorschlage: Die und die Termine bei dem und dem Kunden wären am praktischsten für dich und so bekommst du deinen Tag gut ausgenutzt.
Nils: Das heißt, im Prinzip mussten sich die Leute im Außendienst an die neue Welt anpassen.
Felix: Genau.
Wie geht Wer liefert was mit dem Kulturwandel um, der durch die Digitalisierung entsteht?
Nils: Thema Kulturwandel. Wenn es früher nur den Außendienst gab und heute auch Callcenter/Tele Sale, dann gibt es bestimmt Konflikte.
Felix: Man hat in einer Vertriebsorganisation den klassischen Kanalkonflikt. In unserem Fall ist es so, dass wir noch so viel Potenzial haben für das was wir tun, dass wir diesen Kanalkonflikt noch nicht sehen oder ihn geschickt verbinden. Es kann zum Beispiel sein, dass sich ein Interessent online registriert, aber noch kein Paket abschließt, weil er es erstmal ausprobieren möchte. Der Außendienstmitarbeiter hat ein paar Tage Zeit, um sich anzugucken, dass sich jemand interessantes registriert hat und ihn dann anrufen, um zu sehen, ob er ein Gespräch möchte. Die Kombination aus Kanälen macht uns stark, anstatt der Konflikt von Kanälen.
Nils: Zum Thema „Zusammenarbeit mit Partnern“ hattest du angesprochen, dass es die Google Maps API gibt. Gibt es Felder, auf die ihr euch fokussiert habt? Ich weiß, dass die ganze Plattform selbst gehostet wird und ein klassischer Weg heute ist es, sich zu überlegen, ob man Dinge in die Cloud auslagert, aber da gibt es sicherlich viele konkrete Beispiele.
Felix: Vor 3,5 Jahren war das noch viel extremer. Da haben wir unser eigenes Rechenzentrum betrieben und kamen noch aus den 80er Jahren und hatten unseren eigenen Dieselgenerator. Als ersten Schritt haben wir uns einen Rechenzentrum-Provider gesucht und die Hardware dorthin geschoben. Der zweite Schritt war eine komplette Virtualisierung. Der nächste Schritt wäre dann Rechen- oder Speicherkapazität in unsere Cloud von einem anderen Anbieter einzuklinken.
Noch lohnt es sich nicht für uns, weil sich am Ende das ganze Thema Computing für eine Firma unserer Größe nicht so schnell entwickelt, dass man davon Kostenvorteile hat. Es macht uns auch sehr beweglich, zum Beispiel können wir unsere Firma mit unserer Tochterfirma zusammenführen. Das wäre sonst nicht möglich.
Was hat sich durch die Digitalisierung bei Wer liefert was noch verändert?
Felix: Ich habe noch einmal überlegt, was sich durch die Digitalisierung verändert hat. Eine Sache, die sich massiv verändert hat, ist nicht nur die Kundenbetreuung, über die wir gerade geredet haben, sondern auch alles, was unser Verzeichnis und unseren Produkt Marktplatz ausmacht. Es gab vor acht oder zehn Jahren eine ganze Abteilung mit 20 Menschen, die nichts weiter als Content Management und Firmenrecherche gemacht haben. Wie man sich vorstellen kann, machen wir das heute natürlich alles elektronisch.
Teilweise sind die Mitarbeiter noch da. Einige machen Onlinemarketing oder verwalten unser Google Adwords Budget. Einige haben andere Aufgaben und das Spannende daran ist, wie es der Einzelne – aber auch die Organisation – schafft, diese Transformation mitzugehen, durch Fortbildung, Prozessveränderung oder durch einen Wechsel der Firma. Das bleibt nicht aus.
Da sind Themen, die bei uns verloren gegangen und durch Technik ersetzt worden sind. Die Anzahl der Menschen, die darin arbeiten, bleiben aber immer gleich, weil ein Firmendaten-Crawler oder ein Datenverarbeitungsalgorithmus von jemandem programmiert werden muss. Es ist lustig zu sehen, dass eine mittelständige Firma nicht kleiner wird und am Ende ein paar Köpfe übrig bleiben, die die Magic steuern. Mit jeder neuen Anschaffung gibt es auch einen Schrankenwärter oder jemanden, der es programmiert, bastelt oder baut.
Carsten: Die Größe hat sich, wie Felix schon sagte, nicht großartig geändert, aber es sind neue Gebiete und Aufgaben dazu gekommen. Das ganze Thema Web Development gab es früher in der Form nicht. Man hat einen Buchdrucker gehabt. Ein Kollege hat sogar Buchdruck gelernt, denn früher waren wir ein Verlagsunternehmen mit eigenen Druckmaschine im Keller. Heute sitzt er im Team und macht Traffic Reports und verwaltet das SEA-Budget.
Es ist super, Leute zu haben, die so lange dabei sind und gesagt haben, “Ich glaube an die neue Vision der Firma und dass sie erfolgreich wird.” Einen ganzen Change-Prozess durchzulaufen, bedeutet sich selbst zu bewegen. Wir hatten das Glück, dass viele das mitgetragen haben. Wie Felix sagte, gab es sicherlich auch ein paar, die gesagt haben, dass es nicht mehr ihr Unternehmen ist. Das ist in so einem Prozess ganz normal und dafür gibt es jetzt ein Team im Web, in dem, da musst du mich jetzt korrigieren, fast 40 Leuten sitzen…
Felix: Irgendwann mal 40 Leute sitzen werden. (Lacht) Jetzt sind es 20, aber wir steuern auf die 40 zu. Lustigerweise denkt man, dass man die Digitalisierung geschafft hat, aber es geht immer noch weiter. Selbst mit einer entwickelten Website und einer super Lieferanten-Maschine, haben wir gesagt: “Das reicht nicht.” Das war das alte Adressenverzeichnis, nur digital. Das Produkt wurde digitalisiert, aber wir wollten den Prozess digitalisieren. Da man heute über Produkte nach Lieferanten sucht, mussten wir aus der Lieferanten-Suchmaschine eine B2B-Produkt-Suchmaschine machen. Das haben wir vor 1,5 Jahren begonnen und sind schon bei 6 Millionen Produkten mit Such-Interface.
Carsten: Zum Vergleich: Zalando, der größte Modehändler, hat etwa 250.000 Produkte auf seiner Seite und wir 6 Millionen. Man sieht die Relation und Bedeutung von dem, was wir in 1,5 Jahren geschafft haben.
Felix: Von der Titanspindel bis zur Augenschraube und zum CNC-Drehteil ist alles dabei. Es ist ganz witzig: Wenn man von einer Firmen- zu einer Produktsuchmaschine wird, ändert man alle Prozesse. Um dem gerecht zu werden, ändern wir auch unsere Organisationsform alle 2 Jahre.
Nils: Vor allem ändern sich zum ersten Mal das Geschäftsmodell, das seit 80 Jahren Bestand hat. Letztendlich wurde nur das Produkt digital.
Felix: Genau, einfach nur Sichtbarkeit verkaufen reicht nicht. Man kann als Hersteller, zum Beispiel von Titan-Unterdruckpumpen, nur dann Sichtbarkeit im Netz erreichen, wenn man seinen Produktkatalog ordentlich digitalisiert. Als bebilderte Datensätze mit guten Erklärungen und Spezifikationen. Man muss in der Lage sein, verschiedene Marktplätze und verschiedene Interfaces – wie Einkaufssysteme oder WLW und andere Marktplätze – gezielt zu bespielen. Sonst wird man von den Beschaffern, von denen man die Aufträge haben will, nicht gefunden. Das heißt, aus dem Onlinemarketing-Play wird in unserer Perspektive in den nächsten 5 bis 10 Jahren ein Data-Play. Sodass wir unseren Kunden als Zusatzprodukt oder Teil der Hauptdienstleistung, ein Daten-Digitalisierungsdienst bieten. Somit helfen wir unseren Kunden, ihre Daten in die entsprechenden Kanäle zu bekommen. Vielleicht landet ein CNC-Drehteil als CRD-Grafik irgendwann über einen Marktplatz in einer Maschine, die das ganze Ding frisst.
Nils: Damit kommen neue Teile ins Geschäftsmodell, wo es bisher keine Schnittstelle gab. Bisher hat man den Firmeneintrag verkauft und die Sichtbarkeit als Firma bekommen, aber die Dienstleistung musste der Kunde selber zusammenbringen.
Felix: Genau, über die Digitalisierung gibt es sowohl eine Aufspaltung in Einzelartikel der B2B-Kataloge, als auch den Beschaffungsprozess selbst. Man muss sich bei einer Plattform einloggen, nach einem Beschaffungsvorhaben oder einem Gut suchen und dann über einen Chat oder einen anderen Weg die ersten Dokumente oder Informationen austauschen – auch das wird digitaler. Vielleicht wird es auch genauso Onlineshopping-mäßig wie im Konsumbereich. Für C-Teile wahrscheinlich ja, für die wirklich interessanten B-und A-Teile wahrscheinlich nicht, weil man doch telefonieren und Zeichnungen austauschen muss. Am Anfang so viel wie möglich zu recherchieren und in relativ kurzer Zeit seine Beschaffung tätigen zu können, das wird uns in den nächsten 4 bis 5 Jahren gelingen. Wir sind fast die Einzigen, die das auf dem europäischen Markt konsequent verfolgen.
Nils: Das eine, was WLW als Plattform dazu schaffen muss, ist schon groß geworden, aber sind die Kunden schon soweit?
Felix: Teils, teils. Es ist die ganze Bandbreite vorhanden. Von einem Hidden Champion im bayerischen Wald mit 200 Mitarbeitern, die weltweit Filterstandsanlagen herstellen und nur eine Homepage haben, die der Neffe des Geschäftsführers in den 90er Jahren mit Logo hingemacht hat, bis zu Firmen, die spezielle Straßen-Fräsgeräte herstellen und schon einen eigenen Onlineshop auf der Homepage haben, ist alles vorhanden.
Zum Einen gibt es eine Menge Firmen, bei denen noch nicht viel vorhanden ist. Das heißt, es gibt viel Potenzial. Zum anderen, muss man adaptiv in seiner Herangehensweise sein. Ich glaube, das werden wir mit unserem Produktangebot können, indem wir von der Homepage bis zum Data-Feed, wenn man den schon hat, alles entsprechend passend für den Kunden anbieten.
Carsten: Wie Felix schon sagte, kommt uns der Außendienst da zugute und vor allem die Mitarbeiter, die schon länger dabei sind und einen guten Kontakt zum Mittelstand haben, weil es ein erklärungsbedürftiges Produkt ist.
Die einen sagen, “Ich gehe zwei mal im Jahr auf die wichtigsten Messen und die Leute kennen mich, kommen zu mir und dann sind meine Auftragsbücher voll.” Das mag vielleicht die nächsten 2-5 Jahre funktionieren, dann wird es aber kippen und wenn man die Weichen nicht auf digital gestellt hat, dann wird man schnell den Anschluss verlieren.
Wir sind als Sparringspartner dafür da, dass man, wenn man keine große Marketing-Budgets hat (und ein Mittelständler hat nicht zwingend eine eigene Marketingabteilung) das outsourcen kann. Über unseren Außendienst und unseren Innendienst hier können wir die Leute mit Reichweiten-Verstärkern und Google-Kampagnen entsprechend unterstützen, um noch mehr Reichweite zu bekommen, was ein Mittelständler mit etwa 10 Mitarbeitern und keinem abgestellten Onlinemarkettier in seinen Reihen sich nicht leisten könnte. Da setzt unsere Dienstleistung an.
Felix: Jetzt fragt man sich natürlich, warum diese Kunden aus dem bayrischen Wald aus unserem Beispiel sich bewegen müssen. Sie sind Monopolisten, groß in ihrem Bereich und haben ihre Connections. Wenn man dorthin kommt, sagen sie, dass alle Leute sie kennen, bei ihnen bestellen und sie so etwas nicht brauchen. Wenn heute das Passwort Digitalisierung ist, dann war es vor 10 Jahren Globalisierung. Die Globalisierung ist nämlich längst da und den Wettbewerber dieses Filter-Herstellers, den sieht er vielleicht nicht, aber der kann schon ein paar Meter weiter in Tschechien, Schweden oder Spanien sitzen.
Wenn die Digitalisierung als großer Bruder der Globalisierung mit dazu kommt, dann ist für den Einkaufenden, der über ein mehrsprachiges Übersetzuns-Interface-Multi-Europa-Marktplatz, so wie wir uns das überlegen, dann steht der spanische Hersteller, der nicht so zertifiziert ist, neben dem deutschen und dem tschechischen. Der Hersteller aus dem bayrischen Wald merkt dann, dass seine Kunden verschwinden und kann sich nicht erklären warum, weil er nicht spürt, wo seine Nachfrage bleibt. Deshalb muss er rechtzeitig anfangen sich zu digitalisieren – und mit Digitalisierung geht immer Internationalisierung einher. Das ist unausweichlich. Der Schrecken der Globalisierung wird durch die Digitalisierung erst richtig spürbar.
Nils: Dann lass uns doch in Richtung Softwareentwicklung gehen. Wir haben schon gehört, dass Softwareentwicklung für viele Jahrzehnte nicht Teil von WLW war und heute ist es der Kern. Alles dreht sich um das digitale Produkt. Wie hat sich die Firma dadurch verändert? Softwareentwickler sind Freigeister in ihrem Wesen. Ich stelle mir vor, dass es Potenzial für Konflikte und Diskussionen gibt, wenn ich 20 Softwareentwickler in einen Verlag setze.
Felix: Wenn wir noch ein echter Verlag wären, dann wäre es, als ob wir Öl ins Wasser kippen. Ich glaube, dass haben wir alle an diesem Tisch schon erlebt. Bei WLW ist es so, dass es ein kontinuierlicher Prozess ist und sich Kulturelemente beginnen zu mischen. Wenn man ein Geschäftsmodell im B2B-Bereich betreibt, muss man sales-lastiger denken. Man muss gucken, ob die Dinge, die man macht, etwas bringen – oder mache ich bescheuert Innovation und treffe manchmal auf ein Golden Nugget? Das ist etwas, was man in der Start-Up-Szene viel beobachtet. Eine zielgerichtete Firma wie wir nimmt dieses Kulturelement aus der Sales-Getriebenheit mit, auf der anderen Seite kommen aus der Softwareentwicklung Themen, die in das restliche Unternehmen überschwappen, wie zum Beispiel agiles Arbeiten.
Ob es im Rest des Unternehmens tatsächlich agiles Arbeiten wird, oder ob sich eine Tele Sales Unit, wie wir das haben, die Idee von einem Kanban-Board schnappt und plötzlich sehen die acht Kundenbetreuer auf dem Board, wer wieviel an wen verkauft hat. Außerdem sieht man eine Tagesstatistik oder es gibt Aufgaben, die noch erledigt werden müssen.
Da beginnen sich die Kulturen zu vermischen. Das ist spannend. Was mir sehr gefallen hat, ist dass wir fast zwei Jahre lang immer jeden zweiten Freitag ein Review Meeting hatten. Die Softwareentwickler haben allen, die interessiert waren (und es kam immer eine bunte Mischung aus allen Abteilungen), vorgestellt, was sie in den letzten zwei Wochen herausgegeben haben. Das ist wieder verloren gegangen, weil die Softwareentwicklung ein Stück weiter ist. Wir wollen in Richtung Continuous Delivery. Da müsste man jeden Tag über einen Chat sagen, was gerade neu ist. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Rest der Firma zuhört.
Was sicherlich auch ein bisschen Kultur-Übertrag gebracht hat, ist Pizza und Bier. Das ist ein Format, wo man in einer Agentur meistens einen Kasten Bier killt, dazu was isst und etwas Afterwork macht. Das haben wir mit der ganzen Firma angefangen und man kann sich da informell über alle Hierarchiestrukturen austauschen. Ich überlege noch, was für Kulturelemente rechts und links herum schwappen. Zum Beispiel in einem Wiki offen zu dokumentieren. Am Anfang haben nur die Entwickler angefangen, mit einem Tracking-System, auch Bugs und Change Requests, wie man das kennt, zu dokumentieren. Jetzt hat auch der Sales- und Marketingbereich eigene Wiki-Areas und es ist alles komplett offen bis zu Human Resources. Man kann sich alles durchlesen und schnell Dokumente austauschen.
Carsten: Du hast gerade eben schon das Agentur-Feeling angesprochen. Unser CEO benutzt immer das Schlagwort des Re-Start ups.
Felix: Wer das wohl erfunden hat…
Carsten: Wer das wohl erfunden hat. Wahrscheinlich war es unser CTO. (Beide lachen)
Man sieht, in unserem Unternehmen wird es über Copy und Paste gemacht. Auf jeden Fall stimmt das. Wir haben, wie es sich für ein Start Up gehört, ein Spielzimmer. Wir haben aber auch das ganze Thema Hierarchie und Transparenz auf ein deutlich aktuelleres und schlankeres Niveau gebracht. Sprich, Hierarchien abgebaut und Transparenz extrem gefördert. Es gibt alle sechs bis acht Wochen ein Company Meeting, wo alle Mitarbeiter zusammengerufen werden und das Management aktuelle Zahlen zeigt. Das wäre in einem alten Verlagswesen gar nicht möglich gewesen. Nach dem Motto: „Wow ist, wenn die Umsatzzahlen offen kommuniziert und transparent dargelegt wird, ob man die Ziele erreichen kann, ob man vor der Welle oder hinter der Welle ist.“ Das sind alles Indikatoren dafür, wie sehr sich die Struktur und Philosophie innerhalb des Unternehmens geändert hat.
Nils: Okay, Thema Transparenz kann man dann an allen Ecken abschließen.
Felix: Genau, nicht in jeder Firma bekommt man Kundenumsatz-Gewinne und Traffic alle paar Wochen transparent erzählt, egal von welchem Dorf man in der Firma kommt.
Carsten: Auf der einen Seite kann man so gemeinsam Erfolge feiern, auf der anderen Seite weiß auch jeder im Unternehmen, wenn man durch ein kleineres Tal läuft oder auch bei Projekten die Timeline nicht einhalten kann, sodass man selber mehr Motivation bekommt, um das Ziel doch zu erreichen.
Wann hat Wer liefert was beschlossen, die Verantwortung für die Digitalisierung selbst zu übernehmen?
Nils: Jetzt hattet ihr am Anfang gesagt, die erste Version der Webseite, als es noch parallel Webseite und Verlag war, wurde durch Zulieferer gemacht. Heute gibt es kleine Randbereich mit Partnern, aber das Kernprodukt wird inhouse entwickelt. Wann war der Punkt, dass ihr gesagt habt: “Das müssen wir selber machen”? Und wie war der Prozess? War es einfach oder war es schwierig?
Felix: Da waren wir beide noch nicht im Unternehmen, aber ich durfte die Nachwehen davon noch erleben und eigentlich war es auch ganz typisch. Jeder macht das, was er am besten kann. Das hat diese Firma auch gemacht. Sie konnte gut SAP aus den 80er Jahren und irgendwann hat sie sich ein Redaktionssystem hinein programmiert, um mit diesem System das Buch zu publizieren.
Man hatte hinterher eine Druckvorlage, die aus SAP einmal im Jahr in eine Druckmaschine gespielt hat und das hat dazu geführt, dass man sich am Anfang der Digitalisierung, wenn man nur das digitale Komplement herstellt, überlegt hat: „Das ist toll. Wir publizieren das nicht in einem Buch, sondern auf einer Webseite.“ Dann sind wir auf einen Zulieferer zugegangen, haben uns eine Website programmieren lassen, bei der man jeden Tag und Nacht einmal die Datenbank aus SAP publiziert hat.
Es war eine statische Webseite, die Stichwortbasiert funktionierte. Das war bis vor 5 Jahren so. Dann kam der Zeitpunkt, an dem es reichweitenmäßig nicht mehr erfolgreich war und übrigens auch der Zeitpunkt, an dem die Firma den Besitzer gewechselt hat. Das Management und die kaufende Firma haben sich dann überlegt: Eine statische Webseite für eine B2B-Suche kann nicht sein. Das muss eine Kernkompetenz sein. Man hat erst mit freien und dann mit festen Mitarbeitern versucht, selber aufzubauen und dann vor drei Jahren, so wie man es richtig macht, eine Webmaschine, die selber indizieren kann.
Ich glaube, das ist der Punkt, an dem man sich überlegen sollte: Wann lohnt es sich, ein eigenes Entwicklungsteam zu haben (ob es ein Entwicklungsteam für ein Beatmungsgerät, eine Webseite oder eine Autopilot-Steuerung fürs Auto ist)? – Nämlich in dem Moment, wo es zum Kerngeschäft und strategisch wichtig wird und der Hebel des Erfolges verloren geht.
Alle 5-7 Jahre war in dieser Firma der Hebel auf den Erfolg, die Reichweite der Webseite, verloren gegangen und zum Glück wurde bemerkt, dass etwas Neues gemacht werden muss. Nur das hat ermöglicht, die alte Webseite so zu verbessern, dass sie State of the Art ist und darauf dann eine Produktsuche aufzubauen mit der Nutzerschaft, die man schon gewonnen hatte. Das ist die einzige Möglichkeit, die man in dem Fall hat.
Nils: Letzte Frage zum Thema Software: Wenn jemand an dem Punkt steht, wo WLW vor ein paar Jahren war; das Kernprodukt muss digital werden und man muss Software entwickeln, wo keine war. Wenn du nochmal ein paar Jahre zurückreisen würdest, welchen Fehler würdest du nicht wiederholen wollen?
Felix: Ich würde wahrscheinlich alle Fehler nochmal machen. Das macht einen schlau. Es gibt ein paar Themen, die mit Webentwicklung zu tun haben, die man altklug jüngeren CTOs ins Handbuch schreiben kann. Man hat manchmal Themen, die möchte man gerne kontrollieren, vor allem was man selber hostet, was an Webseiten ausgespielt wird. Es gibt häufig auch Dinge, die sind nicht so wichtig.
Jetzt nicht böse sein, Carsten, aber zum Beispiel was die Firma über sich selber sagen möchte, Unternehmenswebseite, Marketing Website, Landingpages. Alles was nicht zum Kerngeschäft gehört, ist eine Sache, die kann man super outsourcen. Alles was Content Management angeht, kann man super outsourcen. Als ich in diese Firma kam, wurde das alles mit eigenen Entwicklern gemacht mit einem CMS und das ist die teuerste Tasse Kaffee.
Wenn man das Geld hat, wie diese Firma zum Beispiel, ist es nicht unbedingt eine Kostenfrage, sondern es macht einen langsam, weil man mit anderen Dingen beschäftigt ist. Alles was Contentmanagement ist, würde ich rausgeben. Das hätte ich früher auch bei anderen Firmen machen sollen.
Das andere ist, sich zu überlegen, wann man Sachen herausgeben kann, wenn man Systeme hat, die standardisiert sind, zum Beispiel Themen, wie Abrechnung, Kreditkarte Fakturierung und ähnliches. Aufgrund unserer Historie wickeln wir das selber ab. Das wird uns beim Internationalisieren helfen. Bei anderen Firmen habe ich immer zugesehen so etwas hinauszuschieben.
So etwas wie Hosting in die Cloud zu schieben, hat keinen großen Kosteneffekt und man macht sich sehr abhängig. Es ist en vogue zu sagen, ich kann leichtgewichtig Kleinstfirmen nur mit Cloud Diensten bauen. Irgendwann kommt der Bedarf, die Online Time und die Verfügbarkeit besser kontrollieren zu wollen. Da wird man auf ein eigenes System zurückgehen. Das wird sich aber auch ändern. Wir sind auch vorbereitet, uns in die Cloud aufzulösen. Auch wenn Carsten noch gar nichts davon weiß. Internet of Things, da kommen wir nicht so vor, aber vielleicht unsere Kunden irgendwann.
Was ist das größte Thema, das Wer liefert was im Rahmen der Digitalisierung als nächstes angehen wird?
Nils: Ich denke, wir sind mit den Fragen, die ich vorbereitet hatte, gut durch. Das waren super spannende Antworten und die Zuhörer werden meiner Meinung nach viel mitnehmen. Zum Abschluss habe ich drei Standardfragen, die ich jedem stelle. Was ist das größte Thema, das ihr im Rahmen der Digitalisierung als nächstes angehen werdet?
Felix: Massiv Produktdaten des Mittelstandes und der verarbeitenden Industrie zu digitalisieren. Das ist etwas, was nicht auf der Oberfläche liegt. Etwas, was google nicht finden kann. Ich glaube, das ist unsere nächste Aufgabe.
Carsten: Dem habe ich nichts hinzuzufügen. (Alle lachen.)
Was sind die hilfreichsten Quellen zur Digitalisierung?
Nils: Zweite Frage in der Richtung: Was haltet ihr für die aktuell hilfreichste Quelle zum Thema Digitalisierung? Gerade du, als CTO, gibst eine Marschrichtung vor, der viele Leute folgen. Wie bildest du dich weiter?
Felix: Ich folge auf Twitter den richtigen Quellen, damit ich bunt durchmischt mitbekomme, was los ist. Der Zuhörerschaft kann ich nur sagen, der Blog von Google ist ziemlich gut und sehr unbekannt auf blog.google.com. Ich bin kein Superfan von Google Produkten, aber Google ist in jedem Feld der Digitalisierung unterwegs und – ob sie relevant oder irrelevant sind – sie bloggen über ihre Vorhaben und das kann schockierend sein. Als Ausgleich auf der politischen Seite kann ich ”Heise-Telepolis” nur empfehlen, da kriegt man über Diskussionen bis zu selbstfahrenden Autos einen guten Überblick. Für Security-Sachen ist der absolute Obergott der Mikko Hypponen, dem ich folge, und alles, was der twittert bringt mich bei Blockchain-Betrugssachen, Hackings und Passwordscams aufs Neuste. Denn das ist die dunkle Seite der Digitalisierung. Vielleicht sollte ich mit dir zusammen darüber noch mal eine Podcast-Folge machen. Ich kann auch unser eigenes WLW-Portal das Inside Business, die Kategorie Digitalisierung des Mittelstands, nur empfehlen. Etwas praxisbezogener und etwas näher an den Herstell-Betrieben, von Digitalisierung des Einkaufsprozesses bis zu den ersten Internet of Things, findet man dort jeden Monat etwas Neues.
Nils: Das werde ich im Anschluss verlinken. Letzte Frage: wen würdet ihr gerne in einer zukünftigen Folge hier im Podcast hören? Ich habe schon zwei unrealistische Wünsche bekommen, Emmanuel Macron und den unbekannten Menschen, der das ursprüngliche Bitcoin-Paper geschrieben hat. Vielleicht werde ich ihn finden. Habt ihr einen realistischeren Gast, den ich greifen kann?
Carsten: Ich kann zwei Gäste vorschlagen, die ich dieses Jahr auf Konferenzen gesehen habe und die mich beide beeindruckt haben. Zum einen der omnipräsente, aber trotzdem nicht schlechte Frank Thelen, der sicherlich allen ein Begriff sein dürfte. Wenn man ihn live erlebt, nimmt er auf seinen Konferenzen über Zukunftsthemen kein Blatt vor den Mund. Er sagt wortwörtlich: “Ich finde es scheiße, dass ich ein amerikanisches Auto, nämlich einen Tesla, fahren muss, weil es die deutschen Autobauer nicht hinbekommen ein vernünftiges E-Mobil zu bauen.”
Das ist eine kurzweilige und spannende Aussage, von denen er in seinem Vortrag mehrere trifft. Der andere ist auch omnipräsent in TV und verschiedenen Diskussionen, doch auch er hat mich sehr geflasht. Richard David Precht, der auch einen sehr guten Vortrag zum Thema Digitalisierung hat und aus einer philosophischen Sicht kommt und erklärt, wie in Zukunft gearbeitet wird. Er sagt, dass um ein bedingungsloses Grundeinkommen kein Weg vorbei führt, weil so viele Tätigkeiten in Zukunft digitalisiert werden, dass wir nicht genug Arbeit für alle Menschen haben werden. Das wird kommen und es wird viel mehr darum gehen, wie die Leute ihren Tag füllen und wie wir wieder Kreativität lernen, weil man sonst däumchen-drehend herumsitzen und verblöden würde. Das sind zwei Themen, die mich dieses Jahr sehr positiv überrascht haben.
Felix: Tja, ich kann beliebig hochschießen bei den Gästen, die ich dir wünsche. Einen exotischen Gast als kleines Rätsel. Ich wollte immer mit dem Programmierer der Voyager-Sonde [Larry Zottarelli] reden. Ich weiß nicht, wo er sich aufhält. Ich glaube, er war Europäer. Die Voyager-Sonde wurde mehrfach umprogrammiert in den 25 Jahren, wo sie im inneren Sonnensystem unterwegs war. Ich glaube, als letztes wurde auf Entfernung noch JPEG implementiert, um die Uranus-Bilder durchzubekommen. Das ist ein Gesprächspartner, mit dem ich mir 10 Stunden Podcast anhören würde.
Das ist das unrealistische Ende. Am realistischen Ende und Digitalisierung vom Lebensniveau fände ich Jörn Riedl, den ich kennenlernen durfte, spannend. Er ist der CIO der Stadt Hamburg, der E-Government und IT-Steuerung macht. Der macht sich Hands-on Gedanken, wie die jetzigen IT-Systeme der Verwaltung nutzbringend für uns Bürger verändert werden können, sodass sich der Kontakt mit dem Staat auch beginnt sinnvoll und leichtgewichtig zu digitalisieren. Es hat mich sehr gefreut, als ich ihn letztes Jahr auf einer Veranstaltung gesprochen habe, dass sich ein schlauer Mann Gedanken macht und sich hoffentlich durchsetzen wird.
Nils: Das war unser heutiges Gespräch mit Felix Menden und Carsten Brandt von der Wer liefert was? GmbH. Vielen Dank für das Gespräch.
Transkript
7.444 Wörter
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Wege der Digitalisierung. Wir finden heraus, was Digitalisierung alles bedeuten kann. Heute spreche ich mit Felix Menten und Carsten Brand, beide von der Firma Wer liefert was? Felix Menten ist CTO und Carsten Brand ist Senior Manager Corporate Communications. Wer liefert was? hat mit mir zusammen eine kleine Geschichte, weil ich da eine ganze Weile als Softwareentwickler, als Freelancer gearbeitet habe. Dadurch habe ich aber auch einen tiefen Einblick bekommen in die Firma und vor allen Dingen in die spannende, spannende Historie der Firma. WelliFatWass ist gestartet vor über 80 Jahren als Verlag, hat lange reines Verlagswesen betrieben und eigene Kataloge gedruckt, war damit auch weltweit vertreten. Da werden wir gleich ganz viel zu lernen, was das alles war. Heute ist eine reine Online-Firma. Und diese Transformation hat natürlich technische Konsequenzen. Dazu wird Felix uns spannende Einblicke geben, was da so für Fallstricke lauern, wenn man so einen echten Print-Verlag in ein reines Online-Medium überführt. Aber auch, wieder muss ich sagen, was da für Menschenthemen dranhängen. Was macht das mit der Firmenkultur? Was macht das mit den Mitarbeitern?
Wie entwickle ich meine Leute dahin, dass alle mitgehen? Schaffe ich es überhaupt, dass alle mitgehen und so weiter. Sehr spannend. Ich freue mich auf das Interview. Vielen Dank für die Zeit. Vielen Dank fürs Zuhören.
Hallo, also ich bin Felix Menden. Ich arbeite gerade für Wer liefert was? Und das seit dreieinhalb Jahren. Darf hier CTO sein. Habe ähnliche Positionen auch schon in anderen Unternehmen vorher bekleidet. Entweder bei Gruner und Jahr Digital oder fünf Jahre bei Xing. Komme eigentlich aus der Softwareentwicklung. Ich bin eigentlich Physiker und mache das seit 15 Jahren und bin sehr froh, hier auch WLW beim Digitalisieren mit dem digitalen Geschäftsmodell in der Digitalisierung weiter voranzubringen. Genau, und ich bin Carsten Brandt.
Ich bin hier Senior Manager Corporate Communications, bin für die interne, externe Kommunikation bei Wer liefert was zuständig. Ich bin jetzt seit einem guten Jahr dabei, mache aber PR und Pressearbeit auch schon Und jetzt seit gut 13 Jahren, davon 6, 6,5 Jahre auf Agenturseite, dann war ich 2 Jahre selbstständig und die restliche Zeit dann jetzt eben auf Unternehmensseite. Und ja, ich finde auch den Prozess, den ich jetzt hier so in den letzten 12 Monaten miterleben durfte bei WVF, WVF hat was sehr spannend. Und jetzt sind wir mal gespannt, wie wir hier das Thema Digitalisierung noch ein bisschen aufdröseln können.
Ja, genau. Thema Digitalisierung. Ich finde, Wer liefert was? ist einfach ein super spannendes Beispiel, was Digitalisierung denn mal konkret bedeuten kann. Erzählt doch einfach mal so ein bisschen, was ist Wer liefert was heute und wo kommt die Firma her? Da wird man ja schon so einen ersten Eindruck kriegen, was da so dranhängt an Digitalisierung.
Das Geschäftsmodell von Wer liefert was? Ist Werbung, war es immer, wird es wahrscheinlich auch immer sein. Früher war es Werbung in ganz speziellen Branchenbüchern für Gewerbetreibende, die andere Gewerbetreibende mit schwierigen Produkten, mit B2B-Produkten finden konnten. Heute machen wir das Ganze im Netz. Das heißt, unser Geschäftsmodell ist Online-Werbung und damit ist eigentlich unser Geschäftsmodell selber die Digitalisierung unserer Kunden. Denn viele Mittelständler sind unsere Kunden und wir bringen ihnen Sichtbarkeit im Netz. Wir bringen Sichtbarkeit auf Produktmarktplätze, auf Produktmarktplätzen. und helfen ihnen bei Google und so besser gefunden zu werden. Die Geschichte selber dieser Firma ist schon länger, als man von einer digitalen Company erwarten mag.
Ich würde jetzt mal sagen, wir sind schon 80 Jahre im Geschäft. Carsten und ich sind selber noch nicht so alt. Genau, wir sind Gott sei Dank noch nicht so alt.
Also angeblich 85 Jahre gibt es die Firma jetzt schon ursprünglich gestartet als Messeverzeichnis der Leipziger Messe. Genau, waren danach dann ein Nachschlagewerk für Lieferanten immer in Buchform. Wenn man heute mit Leuten spricht, dann sind diese Enzyklopädie tatsächlich auch wirklich sehr bekannt. Und was ich selber jetzt in diesen zwölf Monaten, seitdem ich hier bin, gelernt habe, ist, dass früher diese Bücher auch in vielen deutschen Botschaften außerhalb Deutschlands stand. Das heißt, wenn jemand am anderen Ende der Welt einen Schraubenlieferanten aus Deutschland suchte, dann konnte er dort in seinem Heimatland in die deutsche Botschaft gehen. dann nach Wer liefert was? Nachschlagewerken fragen und konnte sich dann entsprechend einen weit entfernten Lieferanten made in Germany suchen.
Und da sind wir auch heute weiterhin noch unterwegs. Das ist eine Firma von etwa 200 Mitarbeitern, sind Europas größter B2B-Marktplatz im Netz mit der größten Reichweite, zusammen mit unserer Tochterfirma Europage, die das Ganze in mehreren Sprachen, mehreren Ländern mit Standort in Paris betreibt. BLW selber ist ein ganz gutes Beispiel und vielleicht geht es nämlich gleich die nächste Frage vorweg. Einmal, was Digitalisierung mit dem äußeren und dem inneren Umfeld eigentlich macht. Genau, ja, perfekt. In diesen 85 Jahren hat sich die Firma einmal selber digitalisiert, in mehreren Wellen. Dazu sagen wir später vielleicht noch was. Aber wir haben auch immer unsere Kunden mit digitalisiert. Also was heißt das? Wir haben in den 80er Jahren das Verlagswerk, was 60 Jahre lang verlegt wurde, als CD-ROM rausgebracht und haben unseren Kunden gleich noch das CD-ROM-Gelesegerät mitverkauft damals, weil das keiner hatte.
Das war Umstieg von Mikrofisch auf CD-ROM, also die erste Digitalisierung. Die erste Internetisierung war glaube ich 1995 oder so.
Vor Google, also drei Jahre vor Google. Google war es 1998 gegründet worden und wir waren tatsächlich 1995 schon im Netz, also wirklich sehr, sehr früh dran. Und jetzt haben wir die Nähe hier wieder in der ABC-Straße in Hamburg, da schließt sich so ein bisschen der Kreis. Also die Nähe zu Google haben wir uns da irgendwie behalten.
Genau. Wir sind auch der größte Reseller von Google in unserem B2B-Bereich. Das kann man also auch von uns als Kunde, wenn man Online-Marketing-Dienste in Anspruch nimmt, bekommen.
Genau. Die Bücher wurden eine Weile parallel gedruckt, aber mittlerweile schon seit längerer Zeit.
Ich glaube, seit 2001 wird kein Buch mehr gedruckt.
Genau, 2000 ist das letzte Buch gedruckt worden. Die steht auch hier noch im schönen Plexigas-Schuber bei unserem CEO im Büro. Noch eingespeist als Mahnmal an die alten Zeiten, aber seitdem tatsächlich alles rein digital.
Wir haben, und das ist gleich auch eine ganz gute Überleitung zu dem, was Digitalisierung intern für uns als Firma bedeutet, immer noch Mitarbeiter, die auch damals schon für WLW gearbeitet haben. 2001 und davor. Also ich denke, wir sind einer der ganz wenigen Firmen, die schon vor über 20 Jahren eine elektronische Auftragserfassung hatten, damals über SAP, selbst gebastelt mit SAP-Programmierern, die heute ganz andere Sachen bei uns programmieren. Wir haben seit 15 Jahren eine elektronische Vertriebsplanung. Mit Routing-Systemen war das vor 15 Jahren aufgesetzt. Mit TomTom-Navis und einem extra gebuchten Datendienst, als es noch gar kein wichtiges Internet gab, wurden also unsere Vertriebsmitarbeiter draußen gesteuert.
Eine eigene Web-Entwicklung haben wir seit etwa fünf Jahren. Das war immer eine Sache, die war outgesourced. Also so viel dazu, wann wurde das irgendwie wichtig für unsere Firma, das ganze Thema Webplattform, Firmensuche, Produktsuche eigentlich selbst zu kontrollieren als digitales Produkt. Seit drei Jahren haben wir firmenweit gar keine Desktop-PCs mehr, nur noch Laptops, Smartphones, alle so vernetzt, dass jeder von überall so arbeiten kann, als sei er in der Firma. Also haben wir die Arbeitswelt intern nochmal digitalisiert, virtualisiert. Seit zwei Jahren haben wir Statusbildschirme im Unternehmen, tauchen langsam so auf, merkt man gar nicht mehr. In der Küche steht ein Bildschirm, der sagt, wie doll der Produktmarktplatz aufgefüllt ist, dass wir da jetzt bei 6, irgendwas Millionen Produkten sind, wie stark der Traffic auf der Webseite ist.
Wir haben andere Monitore, auf denen man entweder die Webseite überwachen kann oder der Vertriebsinnendienst hat Monitore, wo Sie sehen können, wie viele Anrufe reinkommen, wie viele Anrufe angenommen werden, zu welchen Themen gerade Support-Anfragen kommen. Und wenn du mich jetzt fragst, was als nächstes kommt, das wäre noch weitere Intensivierung der internen Kommunikation. Also ich selbst bin ganz großer Fan von Chatdiensten. Meistens ist das ja so, dass die Entwickler anfangen und auch über Chatdienste anfangen, kleine Arbeitsergebnisse, Code-Snippets zu teilen. Da sehe ich auf jeden Fall für unser Unternehmen noch Potenzial.
Ja, spannend, was da alles so dranhängt. Wenn man sich mal so das Kerngeschäftsfeld anguckt, dann hattest du ja schon gesagt, eigentlich war es immer Werbung und ist auch heute noch Werbung. Aber das Medium hat sich ja komplett gewandelt. Gibt es andere Themen, die sich irgendwo durch die Digitalisierung sich verändert haben? Gibt es Themen, die wir heute haben, die es früher nicht gab? Oder andersrum gibt es Themen, die weggefallen sind? Wenn ich jetzt an den Vertrieb denke, Es gibt eine große Außendienststruktur. War das mal die einzige Struktur, die es gab? Oder gab es dieses Callcenter, wie es es jetzt gibt, schon immer?
Das war in der Tat nicht so. Es gab schon immer einen starken Außendienst, weil gerade der Mittelstand eine hohe Beratungskomponente hat und auch sonst eigentlich nicht erreichbar ist. Das sind übrigens auch Mitarbeiter, die sich vorher ihren Termin abmachen. Das ist also ein Beratungsgespräch, da wird man nicht überfallen, sondern tatsächlich irgendwie mit Vorbereitungszeit beraten. Wir haben gemerkt, dass es auch zunehmend Firmen gibt, die über Telefon erreichbar sind. Da haben wir uns auch insofern digitalisiert, als wir das am Anfang mal so probiert haben, zu sagen, da können wir einen Telefontermin mit Ihnen abmachen. Jetzt machen wir das so, dass wir dann im Rahmen dieses Telefontermins Screensharing machen, ein bisschen Internet zeigen, WLW-Ergebnisseite, Google-Ergebnisseite, Rankings bei Google, über die wir Statistiken haben zu den Themen des Kunden, also Membranpumpenhersteller, dann geht man mit dem potenziellen Kunden erstmal durch, wo findet man Membranpumpen im Netz, wo sind die richtigen Portale, also nicht selten ist WLW zum Beispiel das beste Portal, das ist jetzt kein Verkaufstrick, sondern einfach eine Art digitale Aufklärung, Und dann kann man auch am Telefon relativ gut diese Dienstleistungen, die wir erbringen, verkaufen.
Das ist in den letzten anderthalb Jahren dazugekommen. Haben wir historisch eigentlich nie gemacht. Die Digitalisierung, also in dem Fall das Screensharing, hat uns geholfen, unser abstraktes Produkt eigentlich überhaupt zu verkaufen. Ohne Table Time, also dass man zu einem Tisch sitzt. Und die nächste Hürde, wirklich an einen Gewerbetreibenden ranzukommen, ist letztlich online. Genauso über eine Online-Conversion etwas zu verkaufen wie in einem ganz normalen Shop. das geht mit so kleinen Interessensprodukten, wo man dann doch hinterher wieder ins Gespräch kommt, ganz gut. Ich glaube aber auch, das wird noch ein bisschen länger dauern. In anderen Ländern wie China oder Asien hat das mehr Tradition, über eine Kreditkarte auch mal im Jahr 10.000 Euro auszugeben für so etwas.
In Europa hat es noch nicht so Tradition.
Das Ganze hat aber natürlich auch wieder eine interne Komponente, Weil früher zum Beispiel auch dann die Auftragserfassung, die Auftragseinstellung, also die Kundenerfassung, das war alles ein extrem händischer Aufwand. Mittlerweile haben wir ein CRM-System eingeführt, SugarCRM, was halt im Hintergrund läuft, wo die Außendienstmitarbeiter ihre Termine selber pflegen. Früher gab es eine Agentur, die die Termine gemacht hat. Jetzt müssen sie eigenterminieren. Wenn Sie diese Terminierung oder die Termine abgeschlossen haben, können Sie gleich danach in dem Tool entsprechend irgendwie sagen, war erfolgreich, war nicht erfolgreich, Wiedervorlage und so weiter und so fort. Also auch das hat eine ganz andere Komponente, einen ganz anderen Arbeitsablauf quasi und einen ganz anderen Prozess jetzt hinter sich, der früher in der Form einfach gar nicht da war.
Das ist in der Tat sehr spannend zu gucken, wo waren früher Mitarbeiter und wo sind heute Mitarbeiter. Die Firma hat sich von der Anzahl der Mitarbeiter gar nicht so doll vergrößert. In den letzten zehn Jahren immer so 180, 190, 200 Mitarbeiter. Zum Beispiel in der Auftragsdisposition, wie Carsten gerade gesagt hat, waren drei, vier Leute nur damit beschäftigt, die Kundendaten hin und her zu schieben. Heute passiert das automatisch und im CRM bekomme ich sogar noch Vorschläge, mit welchem Kunden ich wann einen Termin wo machen kann, dass ich keine langen Fahrzeiten habe mit meinem Auto. Weil wir dann wieder über ein API, also Thema Shared Services, API, in dem Fall zu Google Maps oder zu Google Places, mit einem kleinen Routing-Algorithmus, den wir uns selber geschrieben haben, einfach Vorschlage, okay, die und die Termine bei dem und dem Kunden wären jetzt am praktischsten für dich, dann kriegst du deinen Tag gut ausgenutzt.
Das heißt, im Prinzip mussten sich da die Leute, die den Außendienst machen, einfach anpassen an die neue Welt, wie sie ist? Genau. Und Thema Kulturwandel, also wenn es früher nur Außendienst gab und jetzt auch dann den Callcenter, Telesales, gibt es bestimmt Konflikte, stelle ich mir vor.
Also man hat ja in einer Vertriebsorganisation immer den klassischen Kanalkonflikt. In unserem Fall ist es so, dass wir noch so viel Potenzial haben für das, was wir tun, dass wir diesen Konflikt noch nicht sehen. Oder wir verbinden den ganz geschickt. So kann es zum Beispiel sein, wenn sich ein Kunde online registriert, ein Interessent, der aber vielleicht gar kein Paket abschließt, weil er das erstmal ausprobieren möchte. Der Außendienstmitarbeiter, der kriegt dann vielleicht ein paar Tage Zeit, kann sich das angucken. Ich glaube, das sind drei oder vier Tage. Und dann kann er gucken, da hat sich jemand Interessantes registriert, dann rufe ich den doch jetzt mal an und gucke, ob der ein Gespräch möchte.
Die Kombination aus Kanälen machte uns da eher sehr stark, anstatt der Konflikt aus Kanälen.
Ja, Thema Zusammenarbeit mit Partnern hattest du eben schon angesprochen. Es gibt jetzt zum Beispiel die Google Maps API. Gibt es da Felder, wo sich WLW fokussiert hat? Also Dinge, die man früher vielleicht gemacht hat, weil es keinen Service gab, dass man heute sowas nimmt. Also ich weiß, dass momentan noch die ganze Plattform komplett selbst gehostet wird. Und da ist natürlich so ein klassischer Weg heute zu überlegen, ob man Dinge in die Cloud auslagert. Aber da gibt es sicherlich viel konkretere Beispiele.
Das war sogar noch vor dreieinhalb Jahren viel extremer. Da haben wir unser eigenes Rechenzentrum betrieben. Da kamen wir noch so richtig aus den 80er Jahren und hatten unseren eigenen Dieselgenerator. Jetzt haben wir erstmal Step Nummer 1, haben uns einen Rechenzentrumsprovider gesucht und da die Hardware hingeschoben. Step Nummer 2 ist, dass wir da eine komplette Virtualisierung drauflaufen haben. Der nächste Schritt wäre dann, dass wir uns halt Rechenkapazität oder Speicherkapazität in unsere Private Cloud, aber dann von einem anderen Anbieter halt genauso reinklinken können. Noch lohnt es sich für uns, weil am Ende sich das ganze Thema Computing für eine Firma unserer Größe doch nicht so schnell entwickelt, dass man davon nicht noch Kostenvorteile hat, das zu tun.
Und was es uns auch macht, es macht uns halt sehr beweglich, zum Beispiel in unserem Fall jetzt, zum Beispiel gemeinsam zu hosten mit unserer Tochterfirma, die beiden Firmen zusammenzuführen, da Synergien mitzunehmen, das wäre halt sonst nicht möglich. So, ich habe gerade nochmal überlegt, weil du gefragt hast, was hat sich denn durch die Digitalisierung verändert? Eine Sache, die sich massiv verändert hat, ist nicht nur die Kundenbetreuung, über die wir gerade geredet haben, sondern auch um all das, was halt sozusagen unser Verzeichnis oder unseren Produktmarktplatz ausmacht. Es gab vor, korrigiere mich, acht oder zehn Jahren eine ganze Abteilung mit 20 Menschen, die nichts weiter als Content Management und Firmenrecherche gemacht hat.
Wie man sich das heute vorstellen kann, machen wir das natürlich alles elektronisch. Teilweise sind die Mitarbeiter noch da, einige machen Online-Marketing oder verpfalten unser Google-Sea-Budget. Andere haben andere Aufgaben gemacht und das eigentlich Spannende daran ist, wie es der Einzelne, aber auch die Organisation schafft, diese Transformation mitzugehen. Also entweder durch Fortbildung, Prozessveränderung oder auch durch einen Wechsel der Firma, das bleibt halt auch nicht aus. Genau, das sind also auch Themen, die bei uns verloren gegangen sind, die durch Technik ersetzt wurden. Die Anzahl der Menschen, die daran arbeiten, bleiben aber immer gleich, weil ein Crawler, ein Firmendatencrawler oder ein Datenverarbeitungsalgorithmus muss ja auch von jemandem programmiert werden.
Und das ist halt irgendwie, finde ich, ganz lustig zu sehen für eine mittelständische Firma, dass die dadurch gar nicht irgendwie nur kleiner wird und am Ende bleiben irgendwie so ein paar Köpfe übrig, die so eine Magic steuern, sondern mit allem, was man neu erschafft, gibt es halt auch irgendwie dann so einen Schrankenwärter oder irgendjemand, der was programmiert oder bastelt oder baut.
Genau, also die Größe hat sich natürlich nicht großartig geändert, wie Felix das schon richtig sagte, aber es sind auch ganz andere neue Aufgabengebiete dazugekommen. Also das ganze Thema Web-Development gab es früher in der Formal-Formation. Da hast du eher einen Buchdrucker quasi gehabt. Also ich glaube, den einen Kollegen, den du ansprichst, der hat, glaube ich, sogar Buchdrucker gelernt. Wir waren ja wirklich früher ein Verlagsunternehmen mit eigenen Druckmaschinen auch im Keller. Und heute sitzt er hier bei uns im Team und macht Traffic Reports und verwaltet halt das SEA-Budget. Und das ist natürlich super, wenn man auch Leute hat, die so lange dabei sind, die auch gesagt haben, nee, ich glaube auch an die Firma, ich glaube auch an die neue Vision der Firma, dass es erfolgreich sein wird, jetzt so einen kompletten Change-Prozess durchzulaufen.
Und das bedeutet dann natürlich auch, dass man sich selbst bewegen muss. Und da haben wir das Glück, dass viele das mitgetragen haben. Und wie Felix sagte, sicherlich gab es auch ein paar, die gesagt haben, nee, das ist dann nicht mehr mein Unternehmen. Aber das ist in so einem Prozess auch ganz normal. Und dafür, wie gesagt, gibt es jetzt ein Team im WebDev, wo, da musst du mich jetzt korrigieren, fast 40 Leute irgendwie sitzen.
Irgendwann mal sitzen werden, jetzt sind es gerade noch 20. Oder 20. Aber wir steuern hart auf die 40 zu.
Was halt ganz lustig ist, dass man denkt, man hat die Digitalisierung geschafft, aber es geht dann immer noch weiter. Also selbst mit einer entwickelten Webseite, einer super Lieferantensuchmaschine haben wir schon, als wir in die Firma gekommen sind, gesagt, okay, das reicht nicht, das ist quasi das alte Adressverzeichnis, nur digital. Das ist sozusagen einfach das Produkt digitalisieren, aber was wir wollen, ist über den Prozess digitalisieren. Und nach Lieferantensuchmannschaft heute über Produkte. Und deshalb müssen wir aus der Lieferantensuchmaschine eine B2B-Produktsuchmaschine machen. Und das haben wir in den letzten anderthalb Jahren begonnen. Wir sind schon bei sechs Millionen Produkten, haben ein schönes Suchinterface.
Nur mal so zum Vergleich.
Zalando, irgendwie größter Modehändler, hat so 250.000 Produkte auf seiner Seite und wir 6 Millionen. Nur mal so, damit man mal die Relation hin besieht, was das bedeutet, was wir hier in anderthalb Jahren geschaffen haben.
Ja, also von der Titanspindel bis zur Augenschraube, das CNC-Drehteil ist alles dabei. Das ist halt auch ganz witzig, wenn man halt von einer Firmensuchmaschine zu einer Produktsuchmaschine wird, ändert man auch nochmal alle Prozesse. Wir ändern auch unsere Organisationsform fast alle anderthalb, zwei Jahre, um dem halt auch irgendwie gerecht zu werden.
Vor allen Dingen ändert sich damit doch zum ersten Mal das Geschäftsmodell, das eigentlich seit 80 Jahren Bestand hat und letztendlich eigentlich nur das Produkt digital wurde bisher.
Genau, einfach nur Sichtbarkeit verkaufen reicht halt nicht. Was man ja hat, ist, man kann ja Sichtbarkeit im Netz nur erreichen als Hersteller, zum Beispiel von Titan-Unterdruckpumpen, wenn man halt seinen Produktkatalog ordentlich digitalisiert als bebilderte Datensätze mit guten Erklärungen, mit Spezifikationen und in der Lage ist, verschiedene Marktplätze und verschiedene Interfaces, das können Einkaufssysteme sein, das kann sowas Tolles sein wie WLW oder andere Marktplätze, halt gezielt zu bespielen, weil sonst wird man ja von seinen Beschaffern, von denen man die Aufträge haben will, nicht gefunden. Das heißt, aus dem Online-Marketing-Play, und das ist, glaube ich, auch die Perspektive, die wir so sehen, die nächsten fünf bis zehn Jahre wird irgendwann ein Data-Play, dass wir also unseren Kunden als Zusatzprodukt, vielleicht wird es irgendwann Teil der Hauptdienstleistung, eigentlich einen Daten-Digitalisierungsdienst bieten und unseren Kunden helfen, ihre Daten in die entsprechenden Kanäle zu bekommen.
Vielleicht landet ja auch so ein CNC-Drehteil, CAD-Grafik irgendwann ja auch in einer Maschine, die das ganze Ding fräst. Über so einen Marktplatz, also wo sozusagen der ganze Datenweg, Beschaffungsweg geschlossen ist.
Damit kommen letztendlich neue Teile ins Geschäftsmodell rein, wo es keine Schnittstelle gab. Bisher hat man den Firmeneintrag verkauft, also die Sichtbarkeit als Firma bekommen, aber die Dienstleistung musste immer noch der Kunde selber zusammenbringen.
Genau, da wird also sowohl über die Digitalisierung, Einzelaufspaltungen, Einzelartikeln der ganzen B2B-Kataloge, als auch der Beschaffungsprozess selbst, dass man sich also bei einer Plattform einloggt, nach einem Schaffungsvorhaben sucht oder nach einem Gut sucht und dann über einen Chat oder einen anderen Weg die ersten vielleicht Dokumente oder Informationen austauscht, wird es auch dort digitaler. Dass es vielleicht genauso Online-Shopping-mäßig wird wie im Konsumbereich. Für C-Teile vielleicht ja, für die wirklich interessanten Themen wahrscheinlich nicht, B- und A-Teile, weil man dann doch telefonieren muss, man muss doch nochmal eine Zeichnung austauschen. aber in der Anbahnung schon so viel zu recherchieren, wie es geht und dann halt in relativ kurzer Zeit seine Beschaffung tätigen zu können, das, glaube ich, wird uns in den nächsten vier bis fünf Jahren schon gelingen und wir sind eigentlich fast die Einzigen, die in Europa am Markt das gerade so konsequent verfolgen.
Jetzt ist ja das eine, was WLW als Plattform dazu schaffen muss. Ich denke, da kommen wir gleich zu. Thema Softwareentwicklung ist ja schon groß geworden, aber wird ja dann noch größer. Was sind die Kunden denn soweit?
Also teils, teils. Also es ist halt, Carsten kann vielleicht auch gleich noch was dazu sagen, es ist halt die ganze Bandbreite vorhanden. Von einem Hidden Champion im Bayerischen Wald mit 200 Mitarbeitern, die Filterstandsanlagen weltweit herstellen und nur eine Homepage haben, die der Neffe des Geschäftsführers einmal in den 90er Jahren mit Logo hingemacht hat. und Firmen, die irgendwelche speziellen Straßenfräsgeräte herstellen und schon einen eigenen Online-Shop auf der Homepage haben, ist eigentlich alles vorhanden. Das heißt, also das eine ist schön, die Firmen, bei denen noch nicht so viel vorhanden sind, das sind tatsächlich eine Menge, das heißt viel Potenzial. Und das andere ist halt, man muss halt adaptiv in seiner Herangehensweise sein.
Und ich glaube, dass wenn wir mit unserem Produktangebot können, nehmen wir halt irgendwie von der Homepage bis zum Data-Feed, wenn ich den dann schon habe, halt alles anbieten kann, entsprechend passend für den Kunden.
Genau, aber es ist halt, so wie Felix schon sagte, da kommt uns sicherlich auch unser Außendienst zugute und da kommt uns auch der Außendienst zugute, vor allem die Mitarbeiter, die auch schon länger dabei sind, die einen guten Kontakt zum Mittelstand haben, weil es halt ein erklärungsbedürftiges Produkt ist. Und die einen sagen, Mensch, ich gehe irgendwie zweimal im Jahr auf die beiden wichtigsten Messen, und die Leute kennen mich, die kommen zu mir und dann sind meine Auftragsbücher voll. Das mag jetzt vielleicht in den nächsten zwei, drei, vielleicht fünf Jahren noch so funktionieren, dann aber wird das irgendwann kippen und wenn man dann nicht die Weichen auf digital gestellt hat, dann wird man, glaube ich, da sehr, sehr schnell den Anschluss verlieren.
Und da sind wir halt, der Sparringspartner, eben dafür da, dass wenn man keine großen Marketingbudgets hat und ein Mittelständler ja auch nicht unbedingt zwingend eine eigene Marketingabteilung irgendwie hat, das outsourcen zu können und das eben über unseren Außendienst und dann über unseren Innendienst hier, die die Leute ja auch wirklich mit Reichweitenverstärker, also mit Kampagnen, nochmal mit Google-Kampagnen entsprechend unterstützen, um noch mehr Reichweite zu bekommen, was ein Mittelständler, der keine Ahnung, vielleicht zehn Mitarbeiter hat und eben keinen abgestellten Online-Marketeer in seinen eigenen Reihen hat, einfach gar nicht leisten könnte. Und da setzt genau unsere Dienstleistung quasi an.
Jetzt fragt man sich natürlich, warum diese Kunden, zum Beispiel diese Filterstandshersteller, die ich gerade ausgedacht habe aus dem Bayerischen Wald, warum die sich überhaupt bewegen müssen eigentlich. Die sind quasi Monopolisten oder sind groß in ihrem Bereich, haben ihre Connections, wenn wir da hinkommen, sagen die manchmal sowieso, ach die kennen uns, alle Leute bestellen bei uns, wir brauchen sowas nicht. Wenn heute das Buzzword Digitalisierung ist, dann war es vor zehn Jahren Globalisierung. Die Globalisierung ist nämlich längst da und der Wettbewerber dieses Filterherstellers, den sieht der vielleicht nicht, der kann aber schon ein paar Meter weiter in Tschechien oder in Schweden oder in Spanien sitzen.
Und wenn jetzt die Digitalisierung, ich sage immer so lustig, als großer Bruder der Globalisierung nämlich mit dazu kommt, Dann ist nämlich für den Einkaufenden, der vielleicht noch über ein Mehrsprach-Übersetzungsinterface, ein Multi-Europa-Marktplatz, so wie wir das uns überlegen oder so kommt, da steht dann sozusagen der spanische Hersteller, der vielleicht auch ISO-zertifiziert ist, neben dem deutschen, neben dem tschechischen. Und dann merkt irgendwann, dass der Hersteller aus dem Bayerischen Wald, dass seine Kunden verschwinden und er kann sich gar nicht erklären, warum. Weil er gar nicht spürt, wo seine Nachfrage plötzlich bleibt. Und deshalb muss er eigentlich rechtzeitig genug anfangen, sich zu digitalisieren.
Und mit Digitalisierung geht immer auch Internationalisierung einher. Es ist unausweichlich. Also der Schrecken der Globalisierung wird durch die Digitalisierung erst richtig spürbar.
noch deutlich verschärft.
Ja, dann lass uns doch mal so ein bisschen Richtung Softwareentwicklung gehen. Also jetzt haben wir ja schon gehört, Software war viele Jahrzehnte nicht Teil von Wer liefert was. Heute ist das eigentlich der Kern. Also eigentlich dreht sich alles irgendwo um das digitale Produkt. Wie hat sich denn die Firma dadurch verändert? Ich meine, Softwareentwickler sind ja auch irgendwie Freigeister in ihrem Wesen und ich stelle mir vor, wenn ich 20 Softwareentwickler in einen Verlag dann gibt es da auch erstmal Potenzial für Konflikte und Diskussionen.
Also wenn wir noch ein echter Verlag wären, dann wäre das etwas, als würde man Öl ins Wasser kippen. Ich glaube, das haben wir alle an diesem Tisch schon erlebt. Bei WLW ist es so, dass es ein kontinuierlicher Prozess ist und dass sich dann Kulturelemente auch beginnen zu mischen. Also im B2B muss man, wenn man ein Geschäftsmodell betreibt, schon immer etwas saleslastiger denken. das heißt so eine kpi getriebenheit also dass man guckt bringen die dinge die ich mache was oder mache ich hier irgendwie ungesteuert irgendwie innovation und manchmal treffe irgendwie auf dem golden nugget das ist etwas was man in der start-up szene viel beobachtet ist so eine zielgerichtete firma wie wir nimmt sich sozusagen dieses kulturelement aus der sales getrieben hat mit auf der anderen seite kommen aber aus der software entwicklung themen die dann auch in das restliche Unternehmen reinschwappen, wie zum Beispiel agiles Arbeiten.
Ob es dann wirklich auch agiles Arbeiten im Rest der Unternehmung tatsächlich wird oder ob sich eine Telesales-Unit, so wie wir das haben, vielleicht einfach nur die Idee schnappt von so einem Kanban-Board und plötzlich ist irgendwie ein Board und man sieht, die acht Kundenbetreuer sehen auf einmal, wer wie viel an wen verkauft hat Und man sieht immer so eine Tagesstatistik oder es gibt noch Aufgaben, die erledigt werden müssen, die auch umgehangen werden müssen. Da beginnen sich dann so die Kulturen zu vermischen. Das ist ganz spannend. Was mir sehr gefallen hat, ist, dass wir fast zwei Jahre lang, wir versuchen da gerade eine Neuauflage davon, immer jeden zweiten Freitag ein Review-Meeting hatten, wo die Softwareentwickler selbst, dem Rest der Firma, wer interessiert war, und da kam eigentlich immer so eine bunte Mischung aus allen Abteilungen vorgestellt, hat, was sie in den letzten zwei Wochen released haben.
Das ist jetzt wieder ein bisschen verloren gegangen, weil die Softwareentwicklung jetzt wieder hier ein Stück weiter ist. Wir wollen Richtung Continuous Delivery. Dann müsste man eigentlich am besten über einen Chat jeden Tag sagen, was gerade neu ist. Ich bin mir dann natürlich ganz sicher, ob der Rest der Firma dann immer mit zuhört. Da müssen wir dann auch noch was finden. Was sicherlich auch ein bisschen Kulturübertrag gebracht hat, ist das ganze Thema Pizza und Bier. Das ist ein Format, was ja eigentlich in so einer Agentur, meistens immer Donnerstagabends irgendwie, dass man einen Kasten Bier killt und dazu was isst und dann ein bisschen Afterwork macht. Das haben wir auch irgendwann angefangen, aber mit der ganzen Firma.
Da kann man sich auch informell über alle Hierarchiestufen so ein bisschen austauschen. Jetzt überlege ich gerade noch, Carsten, was für Kulturelemente links und rechts noch gerade so rumschwappen. Also zum Beispiel in einem Wiki offen zu dokumentieren. In unserem Wiki, am Anfang haben natürlich nur die Entwickler angefangen zu dokumentieren mit einem Tracking-System, auch Bugs und Change-Requests, wie man das kennt. Aber jetzt hat auch der Sales-Bereich und der Marketing-Bereich eigene Wiki-Areas und das ist alles komplett offen bis zu Human Resources und man kann sich alles durchlesen und superschnell Dokumente austauschen. Das wäre jetzt ohne ein Web-Entwicklungsteam, hätte man das jetzt auch nicht aus Jux und Tollerei hier im Unternehmen etabliert.
Genau, du hast gerade eben schon Agentur-Feeling ein bisschen angesprochen. Also unser CEO benutzt immer so das Schlagwort des Restart-Ups. Wer das wohl erfunden hat, das Wort. Wer das wohl erfunden hat, wahrscheinlich war es unser CTO. Hier sieht man auch, es wird über Copy-Paste gemacht in unserem Unternehmen. Nein, aber auf jeden Fall, das hat natürlich schon so ein bisschen, stimmt das schon? und wir haben, wie es sich für ein Startup quasi gehört, ein Spielezimmer. Wir haben aber auch das ganze Thema Hierarchie und Transparenz, glaube ich, deutlich auf ein aktuelleres und schlankeres Niveau gebracht, sprich also Hierarchien abgebaut und Transparenz extrem gefördert. Es gibt ungefähr alle sechs bis acht Wochen ein Company Meeting, also ein All Hands, wo alle Mitarbeiter zusammengerufen werden und das Management-Team auch ganz klar aktuelle Zahlen zeigt.
Das wäre in einem alten Verlagswesen quasi gar nicht möglich gewesen, nach dem Motto, wow, es werden die Umsatzzahlen irgendwie offen kommuniziert und transparent dargelegt, ob man die Ziele erreichen kann, ob man vor der Welle ist, hinter der Welle, wie auch immer. Das sind alles so Indikatoren dafür, wie sehr sich hier tatsächlich auch die Struktur und auch die Philosophie innerhalb des Unternehmens tatsächlich geändert hat.
Okay, also ich denke, Thema Transparenz kann man da einfach an allen Ecken abweisen.
Ja, Transparenz ist auf jeden Fall. Also es ist nicht in jeder Firma so, dass man Kundenumsatz, Gewinne und Traffic alle paar Wochen, egal von welchem Dorf man kommt, in der Firma so transparent erzählt bekommt. Genau.
Also, so kann man natürlich auf der einen Seite Erfolge gemeinsam feiern, auf der anderen Seite weiß auch jeder im Unternehmen, wenn man gerade vielleicht mal durch ein kleineres Tal irgendwo läuft oder auch bei Projekten vielleicht die Timeline mal nicht ganz so einhalten kann, Dass man vielleicht auch selber dann nochmal so ein bisschen mehr Motivation kriegt und sagt, Mensch, jetzt schlage ich hier nochmal einen Schlag mehr irgendwie rein, um dann das Ziel vielleicht dann noch zu erreichen.
Jetzt hattet ihr vorhin gesagt, am Anfang die erste Version der Webseite, als das alles noch parallel Verlag und Webseite war, wurde durch Zulieferer gemacht. Heute weiß ich, dass es irgendwo kleine Randbereiche gibt, wo es irgendwo Partner gibt, aber eigentlich das Kernprodukt und alles wird ja in-house entwickelt. Wann war da der Punkt, als ihr gesagt habt, jetzt müssen wir es selber machen?
Und wie war der Prozess? War das einfach? War das schwierig? Da waren wir beide noch nicht im Unternehmen, aber ich durfte die Nachwählen davon noch erleben und eigentlich auch ganz typisch. Also jeder macht immer das, was er am besten kann. Das hat diese Firma auch gemacht. Diese Firma konnte sehr gut SAP aus den 80er Jahren. Und irgendwann haben ein paar findige Programmierer, die Firma hatte auch SAP benutzt und hat sich ein Redaktionssystem da rein programmiert, um mit diesem Redaktionssystem das Buch zu publizieren. Man hatte also hinterher eine Druckvorlage, die man aus SAP einmal im Jahr in eine Druckmaschine gespielt hat. Und das hat dazu geführt, dass am Anfang der Digitalisierung, wo man jetzt ja erstmal sozusagen nur das digitale Komplement irgendwie herstellt, sich überlegt wurde, na das ist ja toll, dann publizieren wir das halt nicht in einem Buch, sondern auf eine Webseite.
und ist zu einem Zulieferer hingegangen, hat sich eine Webseite programmieren lassen, bei der man jeden Tag, jede Nacht einmal die Datenbank aus SAP publiziert hat. Das war eigentlich also in Wirklichkeit eine quasi statische Webseite, die stichwortbasiert funktionierte. Und das war bis vor fünf Jahren so. Dann kam der Zeitpunkt, an dem das auch reichweitenmäßig nicht mehr erfolgreich war. Übrigens der Zeitpunkt, wo die Firma den damaligen Besitzer auch gewechselt hat und sich das Management und die kaufende Firma dann überlegt hat, also das kann es ja eigentlich nicht sein, eine statische Webseite für eine B2B-Suche. Das muss ja eigentlich eine Kernkompetenz sein. Also hat man erst mit freien, dann mit festen Mitarbeitern die Suche versucht, selber aufzubauen, erstmal mit dem alten System und dann, so wie man es eigentlich richtig macht, vor drei Jahren, nämlich eine Webmaschine, die sie selber sozusagen indizieren kann.
Und ich glaube, das ist auch ganz genau der Punkt, an dem man sich als Firma überlegen sollte, wann lohnt es sich, ein eigenes Entwicklungsteam für irgendwas zu haben. Also ob es ein Entwicklungsteam für ein Beatmungsgerät oder ein Entwicklungsteam für eine Webseite oder ein Entwicklungsteam für eine Autopilotensteuerung fürs Auto ist, nämlich in dem Moment, wo es zum Kerngeschäft wird und wo es strategisch wichtig wird und wo mir der Hebel des Erfolges verloren geht. Und das war dieser Firma, wie oft in der Vergangenheit, alle fünf, sieben, zehn Jahre, war dieser Firma der Hebel auf den Erfolg, nämlich Reichweite der Webseite, so ein bisschen verloren gegangen und hat zum Glück, wie bei allen anderen Themen auch gemerkt, jetzt müssen wir was Neues machen. Und nur das hat ja überhaupt ermöglicht, die alte Webseite so zu verbessern, dass sie state of the art ist und darauf dann letztlich eine Produktsuche aufzubauen mit der Nutzerschaft, die man ja schon mal gewonnen hatte.
Das ist die einzige Möglichkeit, die man in dem Fall hat. Genau.
Ja, vielleicht letzte Frage zu dem ganzen Thema Software. Gibt es da irgendeinen Fehler? Also wenn jetzt irgendwer zuhört, der gerade an dem Punkt steht, wo WLW vor ein paar Jahren war, dass das Kernprodukt vielleicht jetzt digital werden muss, dass man irgendwo anfangen muss, Software zu entwickeln, wo vorher keine war, Aber wenn du nochmal ein paar Jahre zurückreisen würdest, welchen Fehler würdest du nicht wiederholen wollen?
Also ich würde wahrscheinlich alle Fehler nochmal machen. Das macht einen schlau. Es gibt ein paar Themen, die mit Webentwicklung zu tun haben, die man vielleicht altklug anderen oder jüngeren CTOs ins Stammbuch schreiben könnte. Man hat manchmal Themen, die möchte man gerne kontrollieren. vor allen Dingen, was man selber hostet, was irgendwie an Webseiten ausgespielt wird. Es gibt aber häufig davon auch Dinge, die sind nicht so wichtig. Also jetzt nicht böse sein, Carsten, aber zum Beispiel alles, was die Firma über sich selber sagen möchte. Unternehmenswebseite, Marketing-Webseiten, Landing-Pages, alles, was eben nicht zu dem Kerngeschäft dazugehört, ist eine Sache, die kann man super outsourcen.
Alles, was in Content-Management-Systeme geht, kann man super outsourcen. Als ich in diese Firma kam, wurde das alles mit eigenen Entwicklern noch mitgemacht, mit einem eigenen CMS und das ist natürlich die teuerste Tasse Kaffee. Also wenn man das Geld hat, wie diese Firma zum Beispiel hat, ist es gar nicht unbedingt eine Kostenfrage, sondern es macht einen langsam, weil man mit anderen Dingen beschäftigt ist, die einem nicht weitergehen. Also alles, was Content Management ist, würde ich jetzt heutzutage immer rausgeben. Hätte ich vielleicht früher auch mal früher machen sollen, auch noch bei anderen Firmen. Das andere, was man sich vielleicht überlegen kann, ab wann man Sachen rausgeben kann, ist das ganze Thema, wenn man Systeme hat, die standardisiert sind.
Also zum Beispiel Themen wie Abrechnung, Themen wie Kreditkarten, Faktorierung und solche Sachen. Da sind wir aufgrund unserer Historie, wickeln wir alles ab. Das wird uns helfen jetzt beim Internationalisieren. In anderen Firmen habe ich eigentlich immer zugesehen, sowas rauszuschieben. Sowas wie Hosting in die Cloud zu schieben, hat gar nicht so einen großen Kosteneffekt. Und man macht sich doch sehr, sehr abhängig. Das ist ja eine Sache, die sehr en vogue ist, zu sagen, ich kann ganz leichtgewichtig auch Kleinstfirmen nur mit Cloud-Diensten bauen. Irgendwann kommt der Bedarf, auch die Online-Time und die Verfügbarkeit besser kontrollieren zu wollen. Da wird man wohl wieder auf ein eigenes System zurückgehen.
Das wird sich aber auch ändern. Also wir sind auch vorbereitet, uns in die Cloud aufzulösen. Auch wenn Carsten noch gar nichts davon weiß. Genau. Internet of Things, da kommen wir nicht so vor. Aber vielleicht unsere Kunden irgendwann. Ja, das stimmt.
Und die Zulieferer.
Und die Zulieferer, genau.
Ja, ich denke, dann sind wir mit den Fragen, die ich so vorbereitet hatte, glaube ich, ganz gut durch. Ich finde, das sind super spannende Antworten und ich denke, dass viele der Hörer da auch viel von mitnehmen werden. Zum Abschluss habe ich mal die drei Standardfragen, die ich jedem genauso stelle. Was ist das größte Thema, das ihr im Rahmen der Digitalisierung angehen werdet als nächstes?
Massiv Produktdaten des Mittelstandes und der verarbeitenden Industrie zu digitalisieren, das ist etwas, was nicht auf der Oberfläche oben liegt. Das ist etwas, was Google nicht finden kann, wenn man dazu in die Fabrikhalle, in das Produktionsbüro selber hinlaufen muss. Ich glaube, das ist unsere nächste Aufgabe. Dem habe ich nichts nachzufangen.
Okay, zweite Frage in der Richtung. Was haltet ihr für die aktuell hilfreichste Quelle zu dem Thema Digitalisierung? Also gerade du als CTO gibst ja im Prinzip eine Marschrichtung vor, der viele Leute folgen. Wie bildest du dich weiter?
Ich folge auf Twitter den richtigen Quellen, damit ich ein bisschen auch bunt durchmischt mal mitbekomme, was los ist. Der Zuhörerschaft kann ich nur sagen, der Blog von Google ist ziemlich gut. Sehr unbekannt eigentlich, also blog.google. Ich bin gar kein allergrößter Superfan von immer Google-Produkten, aber Google ist in fast jedem Digitalisierungsfeld unterwegs. Und ob sie relevant oder nicht relevant was machen, die bloggen darüber. Und das kann schon ganz schön schockierend sein. Sonst als Ausgleich eher auf der politischeren Seite Heise Telopolis kann ich nur empfehlen. Da kriegt man also auch von Diskussionen über selbstfahrenden Autos anderen Themen eigentlich einen ganz guten Überblick. Für Security-Sachen ist der absolute Obergott der Mikko Hyppinen, dem ich auf Twitter folge und alles, was der twittert, bringt mich bei Blockchain-Betrugssachen, Hackings, Passwort, Scams, bekommt man auch so mit, weil das gehört nämlich die dunkle Seite der Digitalisierung.
Vielleicht sollte ich darüber nochmal einen Blog machen mit dir zusammen, einen Podcast. Und ich kann natürlich auch auf unserem eigenen WLW-Portal, das Inside Business, die Kategorie Digitalisierung des Mittelstandes nur empfehlen. Ein etwas praxisbezogener, etwas näher an den Herstellbetrieben dran. Von Digitalisierung des Einkaufsprozesses bis zu ersten Internet of Things Artikeln findet man dort eigentlich auch jeden Monat irgendwas Neues.
Cool. Werde ich alles verlegen im Anschluss. Ja, dann letzte Frage. Wen würdet ihr gerne in einer künftigen Folge hier im Podcast hören? Ich kann schon sagen, ich habe schon zwei etwas unrealistische Wünsche bekommen, den Emmanuel Macron und den Menschen, der das ursprüngliche Bitcoin-Paper geschrieben hat, der leider ja nicht so, man weiß nicht, wer es ist. Vielleicht werde ich es rausfinden, aber vielleicht habt ihr einen realistischeren Gast, den ich auch dann tatsächlich greifen kann.
Also ich kann mal zwei Gäste zumindest vorschlagen, die ich dieses Jahr auf Konferenzen gesehen habe und die mich beide wirklich beeindruckt haben. Das eine war, der auch ein bisschen omnipräsent ist, aber trotzdem nicht schlecht ist, ist Frank Thelen, der sicherlich allen ein Begriff sein dürfte. Wenn man den mal live erlebt und da wirklich auch kein Blatt vor den Mund nimmt, war da auf einer Konferenz, wo es auch um Zukunftsthemen natürlich ging. und der einfach sagt wortwörtlich, ich finde es scheiße, dass ich ein amerikanisches Auto fahren muss, nämlich einen Tesla, weil es die deutschen Autobauer einfach nicht hinbekommen, ein vernünftiges E-Mobil zu bauen, dann ist das so eine Aussage, davon trifft er in seinem Vortrag tatsächlich mehrere.
Das ist wirklich kurzweilig und ganz spannend. Und das andere ist auch relativ omnipräsent in TV und in verschiedenen Diskussionen, aber auch der hat mich sehr geflasht, ist Richard David Precht, der Philosoph, der auch einen sehr, sehr guten Vortrag zum Thema Digitalisierung hat und der dann natürlich aus einer philosophischen Sicht kommt und ein bisschen mehr erklärt, wie in Zukunft gearbeitet wird. Und er zum Beispiel auch so jemand ist, der sagt, das bedingungslose Grundeinkommen wird kommen. Es wird gar keinen Weg dran vorbeiführen, weil so viele Tätigkeiten in Zukunft digitalisiert werden, dass wir gar nicht genug Arbeit für alle Menschen haben werden. Das heißt, das wird kommen und es viel mehr dann darum gehen wird, wie die Leute und wie die Menschen quasi ihren Tag füllen und wie wir wieder Kreativität lernen, weil man sonst einfach nur Däumchen drehend rumsitzen würde und dann halt einfach wirklich verblödet.
Also das sind wirklich zwei Themen, die mich dieses Jahr bisher wirklich sehr positiv überrascht haben.
Tja, also ich kann natürlich auch noch beliebig hochschießen bei den Gästen, die ich dir hier wünsche. einen exotischen Gast, vielleicht ein kleines Rätselthema zum Ausfindig machen. Ich habe mir immer mal gedacht, ich würde gerne mal mit dem Programmierer der Voyager-Sonde reden. Ich weiß gar nicht, wo der sich eigentlich aufhält. Ich glaube, das waren Europäer. Die Voyager-Sonde wurde mehrfach umprogrammiert während der 25 Jahre, wo sie noch im inneren Sonnensystem unterwegs war. Ich glaube, als letztes wurde sogar auf Entfernung noch JPEG dort implementiert, um noch die Uranus-Bilder irgendwie halbwegs durchzubekommen. Das ein Gesprächspartner, da würde ich 10 Stunden Podcast mit hören. Also das war jetzt am unrealistischen Ende.
Am realistischen Ende und vielleicht auch, weil Digitalisierung, um das ein bisschen vom Lebenssinnniveau und dem abstrakten Faszinierenden runterzuholen, Fände ich es ganz spannend, Jörn Riedel, den ich einmal kennenlernen durfte, den CIO der Stadt Hamburg der E-Governments und IT-Steuerung macht, zu haben. Der macht sich wirklich hands-on Gedanken, wie die jetzigen IT-Systeme der Verwaltungen nutzbringend für uns als Bürger so verändert werden können, dass sich unser Kontakt mit dem Staat auch beginnt sinnvoll und leichtgewichtig zu digitalisieren. Und es hat mich sehr gefreut, als ich in letztes Jahr auf einer Veranstaltung gesprochen habe, dass sich da so ein schlauer Mann da Gedanken macht und hoffentlich wird er sich durchsetzen.
Okay, einen von den vier werden ich nicht gut. Viel Erfolg. Ja, vielen Dank für das Gespräch, vielen Dank für eure Zeit.
Sehr gerne. Das war unser drittes Interview für den Podcast Wege der Digitalisierung. Vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank Felix und Carsten für eure Zeit und euer Wissen und eure Einblicke. Ich habe wieder viel gelernt. Ich bin wieder eigentlich nicht überrascht, aber eigentlich doch überrascht, wie wenig am Ende die Technik und wie viel mehr die Menschen eine Rolle spielen bei der Digitalisierung. Gerade bei der Digitalisierung einer Firma wie Wer liefert was, die eigentlich ihre Technik 100% getauscht hat, sogar mehrfach im Laufe der Zeit. Und die es tatsächlich geschafft hat, viele der Menschen aus der ganz alten Verlagszeit in die jetzt heute ganz neue Zeit mitzunehmen. Natürlich sind Leute dazugekommen, die Jobbeschreibungen haben, die es früher nicht gab.
Trotzdem finde ich es schön zu sehen, dass so viele Leute aus der alten Zeit einfach mitgekommen sind. Und dass es geschafft wurde, die Kultur so weit zu erhalten, dass alle irgendwo mitgenommen wurden. Und ich hoffe, dass viele Leute, die hier zuhören, daraus lernen können, wie sie das auf ihre eigenen Firmen übertragen können. Ich werde alle Quellen, alle Links, alle Personen, die genannt wurden, verlinken in den Shownotes. Das Ganze findet ihr unter www.wegederdigitalisierung.de. Das hier ist das dritte Interview. Und wir sind ganz neu auf iTunes. Ich würde mich freuen, wenn ihr uns da eine Bewertung, liebst natürlich eine positive Bewertung, hinterlasst. Wir sind neu auf iTunes, deswegen haben wir die Chance, in diese Hot & New-Sparte reinzugeraten.
Das passiert dann, wenn wir ganz viel Aktionen auf unserem Profil haben, das heißt Kommentare, Ratings und so weiter. Ich würde mich freuen, wenn ihr den Podcast spannend findet, wenn ihr da auch so viel Wissen draus zieht wie ich, wenn ihr uns den Gefallen tun könntet, ein bisschen auf iTunes für uns Werbung zu machen, nenne ich es mal. In zwei Wochen geht es weiter mit dem nächsten Interview. Ich bin schon sehr gespannt, wen ich als nächstes vor das Mikrofon. bekomme und ich freue mich ich bedanke mich fürs Zuhören und ich freue mich aufs nächste Interview Bis bald Musik Musik