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E00128.06.201738 Min

Was kann sich durch Digitalisierung in einem Unternehmen verändern?

Im Gespräch: Christopher Nigischer (Consider IT)

Titelbild zu E001: Was kann sich durch Digitalisierung in einem Unternehmen verändern? – Christopher Nigischer (Consider IT)

Worum es geht

Christopher Nigischer von Consider IT erklärt, wie Digitalisierung Unternehmen verändert – von Papier zu Blockchain.

Christopher Nigischer ist Geschäftsführer der Consider IT GmbH und betreibt mehrere Tochterunternehmen. Er hat Erfahrung in Technologieberatung, Softwareentwicklung und Innovationsprojekten. Seine Unternehmen arbeiten in Bereichen wie Zeitarbeit, additive Fertigung und Blockchain.

Er diskutiert, wie Digitalisierung Prozesse effizienter macht, aber auch neue Risiken wie Datenschutzverletzungen und Ransomware bringt. Beispiele sind digitale Bewerbungsprozesse über Facebook und die Papierlast im Personalwesen.

Ein zentrales Thema ist der Kulturwandel: Mitarbeiter müssen sich an digitale Arbeitsweisen anpassen. Die Digitalisierung von Dokumenten, wie Arbeitsverträgen, bleibt eine Herausforderung. Blockchain soll Vertrauen schaffen, etwa bei der Heizkostenabrechnung.

Ursprüngliche Shownotes 28.06.2017

Unser erster Ausflug in die Untiefen der Digitalisierung führt mich zu Christopher Nigischer von der Consider IT GmbH.  Wir kennen uns schon seit über zehn Jahren, als wir beide bei Altran gearbeitet haben und haben seitdem den Kontakt gehalten. Christopher bewegt sich mit Consider IT auf beiden Seiten der Digitalisierung, einige Geschäftsfelder verändern sich für ihn dadurch, auf anderen Geschäftsfeldern hilft er seinen Kunden bei der Umsetzung der Digitalisierung.

Links aus dem Interview:

Transkript:

Nils: Vor mir sitzt Christopher Nigischer, Geschäftsführer der Consider IT GmbH, und wir werden uns jetzt darüber unterhalten, was Digitalisierung für ihn und sein Unternehmen bedeutet. Erzähl mal: Wer bist du? Was hat dich hierher getrieben?

Christopher: Danke, Nils. Ich freu mich auf die Gelegenheit zum Gespräch. Wer bin ich? Ich bin ursprünglich Österreicher. Seit zwölf Jahren bin ich erst in Hamburg und lerne richtiges Deutsch. Die ersten Jahre waren wir Kollegen bei Altran Technologies, wo ich das Geschäft der Technologieberatung gelernt habe und dann dort als Manager einen Bereich geführt habe. Letzten Endes hat das zu meiner heutigen Tätigkeit geführt, nämlich als Unternehmer tätig zu sein, sich selbstständig zu machen und mit Till Witt 2010 die Consider IT GmbH zu gründen. Dort haben wir erstmal sehr ähnlich weitergearbeitet wie zuvor im Angestelltenverhältnis. Mit unseren Teams aus Informatikern und Ingenieuren bearbeiten wir Projekte für Kunden. Daraus ist mehr geworden. Dieses Jahr hatte ich schon die ein oder andere Gelegenheit, auf Konferenzen zu sprechen und Kurzprofile auszuarbeiten, wo man in tausend Worten oder Zeichen über sich selbst spricht.

Ich neige dazu, mich als kleinen Serienunternehmer zu bezeichnen, weil zu Consider IT eine Reihe weiterer Unternehmen dazu gekommen sind, wie die Consider US, Consider Food oder die Consider Carbon. Diese Woche Montag waren wir wieder beim Notar und haben die Chainstep GmbH gegründet, die sich auf Beratungsthemen rund um Blockchain-Technologie spezialisiert. Wir haben einen bunten Mix aus Unternehmen am Start, auch verschiedene Geschäftsfelder betreffend, wie den Online-Handel für Allergiker-Lebensmittel im klassischen Business zu Konsumgeschäft über Zeitarbeit und IT-Beratung bis hin zu eigenen Innovationsprojekten im Bereich additive Fertigung und Blockchain-Technologie. Es besteht eine große Bandbreite. Es ist auch eine super-spannende Aufgabe für mich, überall als Geschäftsführer und Gesellschafter aktiv mitzuwirken, indem ich den Kollegen den Rahmen gebe, den sie brauchen, um erfolgreich zu sein, und die Dinge vorantreibe. Insofern glaube ich, dass ich zur Digitalisierung vielfältige Berührungspunkte habe. Lass uns gleich in die Thematik einsteigen.

Nils: Super spannend. Wie Christopher sagt, wir kennen uns schon eine ganze Weile und haben auch gelegentlich den Kontakt gehalten, aber einiges ist auch für mich neu, obwohl wir gelegentlich mal ein Bier trinken waren.

Was ist Digitalisierung?

Nils: Die Motivation für diesen Podcast ist, dass Digitalisierung alles und nichts bedeutet und ich Geschichten sammeln möchte. Du hast ein paar Themen angerissen, die euch betreffen. Es klingt durch, dass du auf der einen Seite Unternehmen bei der Digitalisierung hilfst und dass du in bestimmten Geschäftsfeldern auch selber von der Digitalisierung betroffen bist. Wenn du es charakterisieren müsstest, was bedeutet denn Digitalisierung für dich und deine Unternehmen?

Christopher: Ich würde es so darstellen, dass mit der Erfindung des Internets Ende des letzten Jahrhunderts ein Weg begonnen wurde, unsere Welt in all ihren Facetten digital abzubilden: von Informationen über Dinge bis hin zu menschlichen Beziehungen und Vertragskonstruktionen und der Möglichkeit Geschäfte einzugehen. Das ist heute alles möglich.

Jetzt sehen wir einen Wandel dahin, dass die digitale Welt ein Stück weit ein eigener Wirtschaftssektor ist, der nicht nur die physische Welt abbildet, sondern völlig eigenständige Möglichkeiten bietet zu wirtschaften, sich zu vernetzen, Kontakte zu knüpfen, etc. Das ist so spannend für die Wirtschaft, weil Digitalisierung dabei hilft die Effizienzpotenziale zu heben, Prozesse nicht mehr über Papier und den physischen Austausch abzuwickeln, sondern digital in Lichtgeschwindigkeit und völlig unabhängig von Raum und Zeit. Wir können somit global zusammenarbeiten und haben dadurch ein riesiges Potenzial an Kunden, Mitarbeitern und Dienstleistern, auf die wir unmittelbar zugreifen können. Die Globalisierung macht damit den Absatz der physischen Güterströme ganz krass möglich. Damit einher geht eine Beschleunigung, aber auch die Notwendigkeit für Firmen, sich darauf einzustellen. Es wäre Quatsch, einen Papierprozess einfach 1:1 digital abzubilden. Das bringt zwar auch Vorteile, aber richtig attraktiv werden die Vorteile erst, wenn du die spezifischen Möglichkeiten der digitalen Technik für dich nutzt und darauf aufbauend ganz neue Geschäftsmodelle erschaffst.

Schauen wir uns konkret den Teil des Unternehmens an, wo wir betroffen sind und den Wandel aufgrund der Digitalisierung auch selbst vollziehen müssen. Wir sitzen hier in den Räumlichkeiten von Adler Personal. Das ist der Betriebsteil, der sich mit Zeitarbeit beschäftigt. Wir haben Kunden im gewerblichen Bereich – Logistik-Unternehmen, für die wir arbeiten und denen wir im Rahmen der Arbeitsüberlassung Personal stellen. Zwanzig Mitarbeiter sind beim Kunden vor Ort im Einsatz und zwei Disponenten hier im Büro. Dazu haben wir noch eine Auszubildende, die das Team unterstützt, und hoffentlich zur künftigen Disponentin ausgebildet wird. Es ist ein sehr papiergetriebenes Geschäft, das bei den Arbeitsverträgen der Mitarbeiter beginnt. Man ist gut beraten, das in Schriftform zu tun und diese Dokumente aufzubewahren. Ein guter der Teil der Miete geht dafür drauf, dass wir den notwendigen Platz haben, das Papier aufzuheben. Über die Arbeitsverträge hinaus haben wir auch Arbeitnehmerüberlassungsverträge mit den Kunden. Hier gibt es durchaus sehr strenge gesetzliche Regelungen und auch regelmäßige Kontrollen der Aufsichtsbehörden, in diesem Fall der Agentur für Arbeit. Es wird überprüft, ob die Zeitarbeitsfirmen regelkonform arbeiten, ob Aspekte wie Mindestlohn, Tarifverträge und darüber hinausgehende Verpflichtungen, die erneut nachgeschärft worden sind, eingehalten werden. Letztes Jahr gab es erst eine Kontrolle, bei der drei Mitarbeiter der Agentur für Arbeit bei uns alle Akten des letzten Jahres verlangt haben. Nachdem die Kollegen die Akten herausgesucht haben, wühlten sich die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit ein paar Tage durchs Papier. Gott sei Dank haben wir dann die Nachricht erhalten, dass es keine Beanstandungen gab. Natürlich kann das auch anders gehen. Es ist naheliegend, dass solche Überprüfungen auch anders durchgeführt werden können. Das können wir uns beide vorstellen, aber so ist die Welt der Zeitarbeit heute.

Nils: Das heißt, im Prinzip sind es zwei Schnittstellen, die es schon immer gab, auf der einen Seite die Kontrolle und auf der anderen Seite die Beziehung zu den Mitarbeitern. Schätzt du, dass die Digitalisierung das radikal verändert hat, oder ist es ein Feld, das man noch mal angehen könnte?

Christopher: Es gibt noch Möglichkeiten, sich anders aufzustellen, bis hin zu papierlosen Organisationen, aber damit kommen wir zum Thema Kulturwandel. Das hast du bereits angesprochen. Wir haben hier ein Team mit bis zu 15 Jahren Erfahrung in Zeitarbeit, die den Papierprozess gelernt haben. Bis jetzt habe ich mich nicht getraut, das radikal umzustellen, weil ich im Gespräch mit dem Team noch Widerstände feststelle und es erschien mir nicht sinnvoll, es von oben aufzuzwingen.

10 Minuten Antwortzeit auf digitale Stellenanzeigen

Christopher: Es gibt auch andere Beispiele, in denen Digitalisierung stark gelebt wird. Wo kriegen wir zum Beispiel unsere Bewerber her? Die effizienteste, stärkste und beste Quelle ist Facebook. Die Kandidaten, nach denen wir suchen, sind gut organisiert in Gruppen. wie zum Beispiel “Stellen um Hamburg”. Und diese Facebook-Gruppen funktionieren so, dass man dort seine Stellenanzeigen postet und 10 Minuten später zwei bis drei Bewerber am Start hat. Wenn es gut geht, wird am gleichen Tag das Bewerbungsgespräch geführt und am nächsten Tag startet der Mitarbeiter beim Kunden.

Nils: Wow!

Christopher: Das ist keine Utopie, sondern gelebte Praxis. Da kommt Digitalisierung voll zum Tragen. Man sieht auch, was für ein Potenzial dahinter steckt, denn wer sollte Facebook verbieten, den ganzen Rest der Wertschätzung als Softwarelösung, als digitaler Agent einfach mitzumachen und möglicherweise braucht es dann irgendwann den ganzen Rattenschwanz dahinter, die Disponenten der Zeitarbeit, nicht mehr in dem Umfang wie heute.

Das ist ein weiterer Weg dorthin. Wir sehen, dass Zeitarbeit auch immer noch ein Beziehungs-Geschäft ist. Man muss die Mitarbeiter kennenlernen, einschätzen, wer zuverlässig ist und wen man zu seinen Kunden schicken kann. Auch auf der Kundenseite muss man wissen, mit wem man arbeitet und wie das Kundenumfeld ist. Wir werden heutzutage nicht von Bewerbern überlaufen, sondern es ist ein Verkaufsjob – sowohl beim Kunden, als auch beim Mitarbeiter und Bewerber, weil die guten Leute es sich aussuchen können. Der Arbeitsmarkt ist mittlerweile so trockengelegt, dass wir Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Nils: Thema Kulturwandel, im Prinzip bringen die Leute, die in Facebook-Gruppen nach Jobs suchen, die Kultur, mit der sie von Haus aus aufgewachsen sind, mit? Schließlich kennen sie es nicht anders?

Christopher: Ja.

Nils: Und im Prinzip müssen sich die Leute, die nicht so aufgewachsen sind, dem anpassen. Wenn in der Zukunft Firmen ihre Stellen nur noch über Facebook ausschreiben, weil die klassischen Regeln nicht mehr attraktiv sind, dann bedeutet das eventuell, dass Leute auf der Strecke bleiben.

Christopher: Möglicherweise. Gerade im Bereich des Arbeitsmarktes gibt es noch genug analoge Angebote. Die Agentur für Arbeit kümmert sich persönlich und individuell um die Leute und macht das sehr gut. Daher habe ich kurzfristig diese Befürchtung nicht. Es ist eher so, dass wer die Chancen erkennt, sie gut für sich nutzen kann. Es ist natürlich convenient, dass das Smartphone fast immer am Start ist, egal, wie die Qualifikation eines Bewerbers aussehen. Facebook hat eine Marktdurchdringung, die für uns einen guten Weg etabliert hat, und unser Team nutzt diesen Weg hervorragend. Auch, indem es sich selbst als Arbeitgeber auf Facebook präsentiert. Dieser Kanal ist mittlerweile wichtiger als die eigene Homepage. Natürlich geht das mit Risiken einher. Man ist von diesem amerikanischen Konzern ein Stück weit abhängig, muss nach dessen Regeln spielen und hat auch auf Regeländerungen keinen Einfluss. Das sind Randbedingungen, die einen Teil von der eigenen Wertschöpfung abziehen und als Wert in Amerika entstehen lassen, obwohl es ein Bewerbungsprozess ist, der hier in Deutschland abläuft. Aber gut.

Gibt es Datenschutzprobleme durch die Digitalisierung mit Facebook?

Nils: Jetzt hattest du gesagt, dass die Prüfung von der Agentur für Arbeit gut und elegant durchgelaufen ist, siehst du da Facebook als Risiko für zukünftige Prüfungen? Facebook und Datenschutz sind zwei Wörter, die Hand in Hand kommen.

Christopher: Ehrlich gesagt hatten wir ein ganz spannendes Beispiel, so aus der Schule geplaudert. Wir hatten vor eineinhalb Jahren einen Vorfall im Bereich Datenschutz. In einer Facebook-Gruppe wird auch emotional diskutiert. Heute würde man das wahrscheinlich Hasskommentar nennen. Ein Bewerber hat sich ungerecht behandelt gefühlt und dann sehr piseling über unsere Kollegin, die mit ihm in Kontakt stand, in der Gruppe kommuniziert. Worauf sie ihm geschrieben hat: “Sie hätten sich ja nicht bei uns bewerben müssen.” Daraufhin meinte er: “Was fällt ihnen ein? Sie legen hier in der Gruppe offen, dass ich mich beworben habe. Ich fühle mich in meinen Datenschutzrechten verletzt. Blabla.” Er hat dann angedroht, diesen Fall an den Hamburger Datenschutzbeauftragten zu geben. Wir hatten es nicht erwartet, aber er hat es gemacht. Wir dachten, “Ach ja komm, ist sicher ein Graubereich, also muss man sich genau anschauen.” Dann kam ein Brief mit der Aufforderung den Sachverhalt zu schildern. Das haben wir gemacht und es hat zu keinen weiteren Konsequenzen geführt.

Es war aber eine interessante Erfahrung zu sehen, wie nahe die Rechtsverletzungen doch liegen. Damit sind wir wieder beim Kulturwandel. Die Kollegin hat in dem Moment, in dem er mit dem Datenschutzbeauftragten gedroht hat, gewusst, dass es nicht so cool war. Vorher hatte sie das aber nicht auf dem Zettel, dass so etwas um die Ecke geschossen kommt.  Den Anlass haben wir genutzt, um das zu adressieren und in der Belegschaft für mehr Sensibilität für das Thema zu sorgen.

Wir hatten auch den Fall, dass uns Ransomware betroffen hat. Da wir uns natürlich immer freuen, wenn Bewerbungsunterlagen kommen, ist der Blick, was ist das jetzt für eine Datei und kann ich die öffnen, nicht so scharf, wie er sein müsste. Peng, alles war verschlüsselt und wir durften dann einen Bitcoin bezahlen, was damals noch nicht so viel Geld war.

Das wars mit krassen Geschichten, die ohne Digitalisierung nicht stattfinden würden. Als kleine Abrundung zu diesem Themenblock, denke ich, dass für Unternehmen jeder Größe einerseits Chancen und Effizienzpotenziale hebbar sind, doch jeder muss seinen individuellen Weg dafür finden und die Leute mitnehmen. Zum anderen handelt man sich, wie beim Thema Datenschutz oder Hackerangriffe, neue Risiken ein, die es ohne Digitalisierung nicht gäbe. Meine Hypothese dazu ist, dass wir alle das Thema Verschlüsselung, Datenschutz und Kryptographie mit seinen Möglichkeiten noch mehr kennenlernen müssen, weil darin ein Teil der Lösung dieser Probleme steckt. Trotzdem ist es ein Wissensbereich, der mit dem richtigen Umgang mit Passwörtern beginnt. Mittlerweile beginnen öffentliche Rundfunkanstalten, die Leute zu informieren.  Das reicht bis hin zu neuen Geschäftsmodellen, die durch Kryptographie und neue Technologien wie Blockchain beispielsweise wirklich werden. Kryptographie wird dann auf einmal ein Business-Enabler, der bestimmte Maschinen oder Krypto-Economics erst realisierbar macht. Das sehen wir gerade bei Digitalisierung 2.0 und in Feldern, wo wir das auch vorantreiben und nicht nur Betroffene sind.

Nils: Spannend. Wir können da den Bogen gleich hinschlagen. Digitalisierung 2.0 höre ich jetzt zum ersten Mal, aber das war zu erwarten. (Beide lachen)

Christopher: Ich will das nicht dogmatisch in den Markt treiben.

Nils: Letztendlich haben wir die Kernprozesse, die es schon immer gab. Man hat immer schon versucht, Mitarbeiter zu finden. Ich find es total spannend, was es für Detailprobleme, Herausforderungen und Möglichkeiten gibt.

Jetzt kommen wir zu dem Punkt, wo ihr bei der Umsetzung der Digitalisierung helft, Thema Softwareentwicklung, Produktentwicklung, Internet of Things. Dazu habe ich eine Randnotiz, du sagtest eben, dass Rundfunkansstalten heute schon über Passwortsicherheiten reden. Wahrscheinlich liest man in der Apothekenrundschau irgendwann, wie man sein Passwort am besten macht. Das ist einfach ein neues und junges Thema. Die Jahrzehnte, die man bestenfalls hatte, sind eine unheimlich kurze Zeit. Das heißt, dass es den Leuten, die es umsetzen, vielleicht nicht bewusst ist.

Wenn man über das Thema Werte nachdenkt; ich bin Softwareentwickler vom Background her. Mir hat niemand erklärt, was für eine Verantwortung ich irgendwann haben werde, indem ich Dinge bauen kann. Hätte ich Medizin studiert; den Hippokratischen Eid gibt es seit etwa dreieinhalb tausend Jahren. In anderen Disziplinen ist es unheimlich tief verankert, dass man sich Gedanken darüber macht, was man tut, aber die meisten Softwareentwickler sind heute wahrscheinlich noch so unterwegs: “ Cool, kann ich, mach ich, probier ich mal, was passiert.” Und dann kommen Sachen raus, die man vorher noch gar nicht antizipiert hat.

Chancen der Digitalisierung

Thema Software, spannen wir den Bogen dahin, an welchen Stellen mischt ihr mit? Du hast schon gesagt, Blockchain ist ein Thema, wo ihr dabei seid.

Christopher: Ja. Vor etwa ein bis zwei Jahren, hat es die Consider IT etwa fünfeinhalb Jahre gegeben und wir hatten uns etwas aufgebaut. Jetzt sind es 40 Mitarbeiter und es ist eine gewisse Stabilität erreicht. Viele GmbHs überleben das erste, zweite oder dritte Jahr nicht. Da haben wir ein paar Stürme der ersten Jahre gut umschifft und die teilweise auch gespürt, aber gut. Wir haben die Firma gegründet, damit sie bleibt und in strategischer Hinsicht hatten wir sehr früh gesagt, dass wir diversifizieren. Wir wollen unterschiedliche Geschäftsfelder erschließen, wenn sich die Möglichkeiten ergeben. Unter Aufzählung der verschiedenen Themen kann man sagen, dass wir diesem Leitspruch treu geblieben sind. Es gab auch das Risiko sich zu verzetteln, aber ich glaube, da haben wir eine sinnvoll Balance hinbekommen.

Das andere Thema war, dass wir über die reine Dienstleistung hinaus eigene Produkte und Intellectual Property perspektivisch schaffen wollten, und das geht nicht, wenn du beim Kunden vor Ort Projekte realisiert. Du musst Freiräume schaffen, musst dafür auch Geld in die Hand nehmen und musst dir vielleicht überlegen: Wie kannst du über externe Finanzierungsinstrumente, Venture Capital oder Fördermaßnahmen solche Aktivitäten finanzieren?

Wir haben uns zwei Technologiefelder rausgesucht. Wir konnten es auf der grünen Wiese machen. Wir waren da nicht vorbelastet. Ursprüngliche Kernkompetenzen waren nicht stark ausgeprägt, weil jedes Kundenprojekt anders ist. Daher haben wir gesagt, “Komm, wenn wir es uns aussuchen können, was ist denn aktuell der heißeste Shit, was du machen kannst?”  Und dann sind wir bei Blockchain-Technologie und additiver Fertigung gelandet und haben in beiden Bereichen Projekte angeschoben: Additive Manufacturing und 3D-Druck, stärker mechanisch, mechatronisch geprägt, aber immer auch mit der Verbindung zur Software. Wir entwickeln neue 3D-Druckverfahren, die einerseits sehr große Objekte in kurzer Zeit druckbar machen und zum anderen 3D-Druck und Komposit-Materialien verbinden um Form, Flexibilität und die Eigenschaften von Komposits zu verknüpfen. Da ist viel Mechanik-Entwicklung dabei, teilweise spielen auch Verfahrensentwicklung und Materialtechnik eine Rolle, aber auch die Software, die diese Prozesse steuert, ist wichtig. Ich würde sagen, da hat sich durch Digitalisierung nicht allzu viel verändert.

Bei der Softwareentwicklung sind es Instrumente für den Austausch, wie Slack, die mehr Interaktivität für Entwicklerteams bieten. Dadurch kommt Geschwindigkeit rein, weil man nicht im eigenen Saft der Probleme brütet, sonder auch mal eine Frage raushaut und sich Communities anschließt. Das ist alles sehr zugänglich, aber auf die Zusammenarbeit zwischen dem Produktmanager und Entwickler kannst du auf die Weise ganz gut abheben. Da nutzen wir es. Da ist es ein Vorteil. Da ist Software für die Produkte, die daraus hoffentlich bald entstehen, ein inhärenter Anteil für den Bereich additive Fertigung.

Bei der Blockchain-Technologie ist es eigentlich ein reines Software Thema. Da sind wir ja erstmal so gestartet, dass wir gesagt haben: Blockchain-Technologie, was ist das eigentlich, was kann das, was tut das? Heute stehen wir an dem Punkt, dass wir sehen, da werden viele Experimente durchgeführt, von Start-ups, die die unterschiedlichsten Use Cases versuchen umzusetzen. Da haben wir auch eins am Start. Das eine richtet sich auf das Wärme-Messwesen in Deutschland, also das Heizungskalorimeter-Ablesungwesen, das gerade auch vom Bundeskartellamt untersucht wurde. Es gibt eine starke Marktkonzentration. Vier Unternehmen teilen sich diesen Markt. Sie haben sehr hohe Margen, EBIT-Raten von 30, 35, 40 Prozent. Das hätten wir auch gerne.

Nils: Ja, klingt sehr attraktiv.

Christopher: Und die teilen sich 80 Prozent des Marktes untereinander auf. Es wurde festgestellt, das ist ein oligopolistischer Markt. Da wird der Regulator aktiv werden, um mehr Transparenz mehr Interoperabilität zu schaffen, und wir haben gesagt: “Mensch komm, Heizkosten ablesen, wozu brauchst du einen großen Verwaltungsapparat? Du braucht das Gerät an der Heizung und dahinter im Idealfall eine vertrauenswürdige Datenbank, eine Blockchain, die das absichert, und eine Software, die dann die Abrechnung erstellt. Heute sitzt niemand mehr in den Unternehmen und rechnet das manuell aus.“ Und da sind wir losgelaufen und entwickeln den Demonstrator und werden die Werbetrommel rühren, um zu sagen, in Deutschland werden 1,7 Milliarden Euro für diese Dienstleistung ausgegeben. Vorher hatte ich erwähnt, bei den Firmen gibt es 30 bis 40 Prozent EBIT-Marge. Das heißt, wir rechnen mit 400 bid 500 Millionen, die wir alle für eine einfach Dienstleistung zu viel zahlen. Diese halbe Milliarde wieder zu sozialisieren und den Leuten ein Stück weit zurückzugeben, das könnte eine solche verteilte Lösung auf Basis der Blockchain-Technologie ermöglichen, aber es ist kein dünnes Brett zu bohren, weil du viele Endpunkte an den Heizungen hast. Bei 40 Millionen Haushalten in Deutschland kommt schon einiges zusammen.

Nils: Dazu hab ich einen Gedanken, wo es wieder richtung Kulturwandel und Vertrauen geht. Wir wohnen in einer Wohnanlage, wo es eine gemeinschaftlich genutzte Heizung gibt und einmal im Jahr kommt der Ableser, wahrscheinlich von einem dieser vier Vereine. Vor ein paar Jahren sind diese Teile bei uns ausgetauscht worden und sind jetzt theoretisch remote auslesbar. Ich habe ihn gefragt: „Warum muss ich einen halben Tag zu Hause sein?“ Er hat gesagt: “Ich könnte das von außen machen, wenn es dafür freigeschaltet wäre, aber die Eigentümergemeinschaft will das nicht. Die wollen hinterher einen Zettel haben, auf dem ich unterschreibe, welche Werte ich abgelesen habe.”

Das heißt, es gibt schon eine Technik um es remote auszulesen, die ist nicht Blockchain basiert, also fehlt das Vertrauen. Glaubst du, dass Blockchain das Puzzlestück ist, dass dieses Vertrauen bekommt?

Christopher: Ja, ob die Eigentümergemeinschaft in deinem Fall das auch erkennen und wertschätzen kann, ist eine spannende Frage. Ich hoffe, dass das so ist. Das ist eine sehr spezielle Situation. Der Auftraggeber für den Ablesedienst ist der Besitzer des Mietobjekts, zahlen muss es aber der Mieter, über die Nebenkostenabrechnung. Das heißt, dem Vermieter ist es per se egal, was es kostet. Er selber hat keine Kosten zu tragen. Je angespannter die Situation der Mietpreise ist, umso mehr zählt natürlich jeder Euro, den du zu viel zahlst, und umso genauer muss man hinschauen, wo die Kohle bleibt, was man als Mieteinnahmen bekommt und was man als Nebenkosten draufschlagen muss.

Vertrauen ist eines der Versprechen oder Erwartungen, die wir mit Blockchain verbinden. Ohne humanes Vertrauen  auszukommen, ohne die Notwendigkeit einer Beziehung und des menschlichen Fleisch und Blutes, das etwas unterschreibt. Sondern, dass wir durch die Gestaltung des technischen Systeme wissen, Beschiss funktioniert nicht. Diesem Wandel unterliegen wir alle. Das hat nicht nur etwas mit Blockchain zu tun, sondern auch mit dem selbstfahrenden Auto, dem du dich irgendwann hingibst und sagst: Hoffentlich läufts. Auch da spielt Vertrauen eine große Rolle – und wie wir uns als Gesellschaft gegenüber der Technik aufstellen, ist im Fluss und ein spannendes Thema.

Nils: Ja, auf jeden Fall. Ich bin gespannt, ob ich mir demnächst keinen Tag mehr frei nehmen muss für die Heizungsablesung.

Im Prinzip sind das alles State-of-the-Art-Technologien. Softwareentwicklung ist etwas, das seit Jahrzehnten praktiziert wird, und es gibt größere Firmen, die jahrzehntelange Praktik-Prozesse in der Softwareentwicklung haben. Ist das ein Thema für euch, dass ihr agile Softwareentwicklung knacken müsst, oder habt ihr spät genug angefangen, um direkt am Puls der Zeit zu sein?

Christopher: In Teilen, ja. Es wird spannend, wenn die Teams größer werden. Im Moment ist die Zusammenarbeit zwischen zwei oder drei Leuten leicht zu organisieren. Der Weg geht aber dahin, dass man Businessleute und Produktmanager mit differenzierten Rollen integriert und sich ein agiler Modus Operandi bei uns noch herausbilden muss.

Ich würde uns nicht als besonders reife Organisation bezeichnen. Wir sind gut aufgestellt, weil wir klein, hands-on und pragmatisch sind. Ein Overhead oder V-Modell gibt es per se nicht. Damit gehen aber auch Probleme einher. Wo ist jetzt nochmal die Spezifikation, was ist mit der Architektur, wo haben wir das aufgeschrieben? In welchen Slack-Channel muss ich das suchen?

Wie kann gutes Wissensmanagement funktionieren?

Christopher: Ich habe kürzlich erst mit Till, meinem Geschäftspartner, diskutiert. Wir haben es als Ergebnissicherung umschrieben. Man könnte auch Wissensmanagement dazu sagen. Je mehr Wissen bei uns in der Organisation entsteht, umso wichtiger wird es das wieder auffindbar zu machen, zu dokumentieren und mit einem spielerischen Charakter umzusetzen, dass es nicht als Belastung empfunden wird, sonder nebenher entsteht. Es gibt da ein gutes Beispiel: Manche unserer Projekte erfordern einen Halbjahresbericht, den wir dann einer externen Partei, einem Fördergeber, einem Finanzier oder einem Kunden zur Verfügung stellen. Teilweise nehmen wir einen Slack-Channel und verarbeiten ihn zu einem lesbaren Bericht, was durchaus praktikabel ist und große Vorteile bietet.

Nils: Das stimmt. Das Thema Kommunikation und Wissensmanagement habe ich heute schon in einigen Kontexten gehört. Vorteil: Es gibt viele coole Kanäle, die es früher nicht gab. Nachteil: Es gibt ganz schön viele coole Kanäle und oft benutzt man sie alle.

Christopher: Absolut. Und dann wird eine Diskussion per E-Mail begonnen, in WhatsApp fortgesetzt, in Slack weitergeführt, mit Handlungssträngen, die parallel verlaufen. Holla, die Waldfee. Das ist kaum mehr nachvollziehbar. Ein unified Messenger ist mir nicht bekannt, wo man alles praktikabel zusammen hätte. Bei Microsoft Office 365 mit Jena und Teams und allem möglichen Zusätzen, sind gute Ansätze dabei. Doch es ist nicht so attraktiv. Und intuitiv bedienbar wie Slack ist es lange noch nicht. Häufig arbeitest du dich durch deine Mails, dann guckst du in WhatsApp, dann guckst du in Trello, dann in Slack und dann kannst du wieder von vorne anfangen, weil genug Mails aufgelaufen sind. Das ist ein kleines Perpetuum mobile, wo man nur das tut. Und hat man dann was Wertschöpfendes geleistet, Fragezeichen?

Nils: So gesehen, eine Herausforderung, welche die Digitalisierung mit sich bringt.

Christopher: Ja, eine neue Herausforderung

Was würdest du anders machen, wenn du neu anfangen könntest?

Nils: Eine letzte Frage zum Thema Software. Gibt es irgendetwas, was du anders machen würdest, wenn du heute neu anfangen könntest? Oder hattet ihr in einzelnen Projekten zu wenig Komplexität?

Christopher: Was mir aktuell Bauchschmerzen macht, ist der Toolflow-Zirkus, weil wir nicht vorgegeben haben, für welche Zwecke es zu nutzen ist. Ich fand, es war ein spannender Weg, erst zu klären, wie wir kommunizieren wollen und dann, wenn wir noch wollen, die Firma zu gründen. In den einzelnen Gesellschaften und Betriebsteilen sind die Teams sehr ergebnis-verantwortlich und müssen daher gucken, welche Arbeitsinstrumente sie brauchen und sich das organisieren. Durch diese Freiheit verwendet der eine Dropbox, der andere Google Drive, der dritte Office 365. Das sind nur die statischen Dateien. Es setzt sich in den Tools natürlich fort. Auf die Dauer verliert man den Überblick und hat dann auch Silos, wo die berühmten Synergie-Effekte nicht stattfinden können, weil alles eingesperrt ist. Jetzt sind wir dabei, dort nachzusteuern und zu sagen: “Wir wollen jetzt nicht per Order-Mufti alles vorgeben, aber wir wollen ein Grundset an gemeinsamer Technologie und Tools etablieren und die Kollegen mitnehmen, das gemeinsam zu  nutzen, indem man Vorteile aufzeigt.”

Nils: Das kann ich mir vorstellen. Eure spezielle Struktur mit den vielen verschiedenen Themen nebeneinander, spielt aber sicher auch eine Rolle.

Christopher: Ja, natürlich.

Welches Problem im Bereich Digitalisierung würdest du am liebsten über Nacht lösen?

Nils: Was ist für euch das größte Thema im Bereich Digitalisierung, das du angehen willst? Oder anders: Wenn du über Nacht ein Thema lösen könntest, was sollte morgen aus der Welt sein?

Christopher: Den Aktenwust im Personalwesen zu digitalisieren. Jeder Brief, den ich kriege, ist ein Graus, weil ich den erst scannen und dann weiterverarbeiten muss. Ich hab mir bis jetzt keinen schickilacki Scanner angeschafft. Hier ein kleiner Einblick in mein Leben. Der beste Platz, um mit dem Smartphone etwas zu scannen, ist mein Ceran-Kochfeld, weil es schwarz ist und die Dunstabzugshaube darüber beleuchtet ist. Ich leg das Papier auf das Kochfeld, zieh die Dunstabzugshaube aus, mach die Beleuchtung an, damit ich eine homogene Ausleuchtung habe, und scanne dann mit dem Smartphone alles, was ich schriftlich kriege. Wenn ich das Papier nicht brauche, schmeiße ich es weg und hebe es nur digital auf. Unterlagen wie ein Gesellschaftsvertrag werden abgelegt. Ein Medienbuch ist das klassische Beispiel, wirklich pain in the ass. Man muss dahin kommen, dass man Schriftform-Erfordernisse digital abdecken kann. Das geht heute grundsätzlich, mit dem digitalen Personalausweis, digitalen Signaturen, etc. Eine weitere kleine Anekdote: Du kriegst als Österreicher keinen elektronischen Personalausweis aus Deutschland und der Östereichische ist mit den deutschen Systemen nicht kompatibel.

Nils: Das ist 2017 ja auch zu viel verlangt.

Christopher: Ich hoffe, das ändert sich in absehbarer Zeit. Der Personalausweis ist eine traurige Geschichte. Meiner Meinung nach ist er noch nicht dort angekommen, wo er sein könnte. Blockchain ist vielleicht eine einfachere Technologie, wo man einfacherer vorankommen kann. Wir werden es sehen. Aber ich glaube, dass die digitale Welt noch einen Schritt nach außen tun kann, was die Grenze von digitaler zu physischer Welt betrifft. Alles was Papier anbelangt, fällt für mich unter diesen Schritt. Es wäre für mich ein Traum, das loszuwerden.

Nils: Ich guck mal, was ich machen kann. (Beide lachen)

Hilfreiche Quellen zur Digitalisierung

Nils: Was ist die hilfreichste Quelle zum Thema Digitalisierung, die du regelmäßig oder kürzlich gelesen oder gehört hast?

Christopher: Der Heise-Newsletter, den ich mir auf heise.de mit interessanten Themen zusammengsetöpselt habe. Digitalisierung ist auch ausdifferenziert in IT-Security und Industrie 4.0 und weiß der Kuckuck, was noch alles. Den lese ich jeden Tag in der früh und der hält mich auf dem Laufendem.

Nils: Spannend. Wen hättest du hier gerne als Gast im Podcast? In einem anderen Interview habe ich gehört, ich sollte Emmanuel Macron zur internationalen Digitalisierung interviewen. Ich weiß nicht, ob ich das dieses Jahr noch hinbekomme. Wünsch dir was.

Christopher: Vielleicht eine unmögliche Aufgabe. Finde Satoshi Nakamoto.

Nils: Das ist doch das Wort zum Sonntag.

Das war unser heutiges Gespräch mit Christopher Nigischer von der Consider IT GmbH. Vielen Dank für das Gespräch, Christopher.

Transkript

5.819 Wörter

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Wege der Digitalisierung. Wir finden heraus, was Digitalisierung ist. Dies ist mein erstes Interview für unseren Podcast und ich bin schon sehr aufgeregt. Heute spreche ich mit Christopher Nigescher von der Considered GmbH. Christopher ist ein alter Freund und ein ehemaliger Kollege von mir. Wir haben den Kontakt gehalten, haben uns immer mal auf dem Laufenden gehalten, was wir so tun, aber ganz genau weiß ich nicht, was er alles macht. Seine Firma ist als Beratungsfirma und als irgendwie Beteiligung an anderen Tochterfirmen auf beiden Seiten der Digitalisierung unterwegs, zumindest dessen, was ich heute schon als Digitalisierung kenne und verstehe. Christopher ist neuerdings stark im Thema Blockchain unterwegs.

Ich bin gespannt, was er uns dazu erzählen kann. Und insgesamt werden wir jetzt einfach hören, was Christopher uns erzählt, was Digitalisierung aus seiner Sicht bedeutet. Viel Spaß mit unserem ersten Video. Vor mir sitzt Christoph Anigischer, Geschäftsführer der Considerit GmbH. Und wir werden uns jetzt mal ein bisschen unterhalten, was Digitalisierung für ihn und sein Unternehmen bedeutet. Erzähl mal, wer bist du? Was hat dich hierher getrieben?

Okay, danke Nils. Ich freue mich auf die Gelegenheit zum Gespräch. Ich bin ursprünglich Österreicher, bin jetzt seit zwölf Jahren in Hamburg und lerne richtiges Deutsch. und war die ersten Jahre, hier waren wir ja Kollegen bei Altrane Technologies, wo ich das Geschäft der Technologieberatung gelernt habe und dann als Manager dort einen Bereich auch geführt habe, was letzten Endes dann auch zu meiner heutigen Tätigkeit geführt hat, nämlich als Unternehmer tätig zu sein, sich selbstständig zu machen, 2010 mit Till, Till Witt gemeinsam, die Considate GmbH zu gründen und dort erst mal sehr ähnlich weiterzuarbeiten wie zuvor im Angestelltenverhältnis, nämlich mit unseren Teams aus Informatikern und Ingenieuren Projekte für Kunden zu bearbeiten.

Daraus ist mehr geworden. Ich hatte jetzt dieses Jahr schon die eine oder andere Gelegenheit, auch auf Konferenzen zu sprechen und dann so Kurzprofile auszuarbeiten, wo man in tausend Worten oder tausend Zeichen über sich selbst spricht. Ich neige dazu, mich mittlerweile als so einen kleinen Serienunternehmer zu bezeichnen, weil zur Consider It eine Reihe weiterer Unternehmungen dazugekommen ist, wie eine Consider Ass, eine Consider Food, eine Consider Carbon. Und diese Woche Montag waren wir wieder mal beim Notar und haben die Chainstep GmbH gegründet, die sich auf die Beratungsthemen rund um Blockchain-Technologie spezialisiert. Also wir haben einen bunten Mix an Unternehmen da am Start, auch verschiedene Geschäftsfelder von Online-Handel für Allergiker-Lebensmittel, im klassischen Business-to-Consumer-Geschäft, über Zeitarbeit und IT-Beratung bis hin zu eigenen Innovationsprojekten im Bereich additive Fertigung und Blockchain-Technologie.

Also eine große Bandbreite, eine super spannende Aufgabe für mich, da überall auch als Geschäftsführer und Gesellschafter aktiv mitzuwirken, den Kollegen den Rahmen zu geben, den sie brauchen, um erfolgreich zu sein und die Dinge voranzutreiben. Insofern glaube ich, habe ich zur Digitalisierung vielfältige Berührungspunkte. Und dann lass uns da vielleicht mal einsteigen in diese Thematik.

Super spannend. Wie Christopher sagte, wir kennen uns schon eine ganze Weile und haben auch gelegentlich den Kontakt gehalten. Aber einiges ist auch für mich neu, obwohl wir gelegentlich mal ein Bier trinken waren. Thema Digitalisierung. Also die Motivation für diesen Podcast ist die, dass Digitalisierung irgendwie alles und nichts bedeutet. Und ich Geschichten sammeln möchte. Und jetzt hast du so ein paar Themen angerissen, die du machst, die ihr macht. Da klingt so durch, dass du auf der einen Seite Unternehmen hilfst bei der Digitalisierung und dass du selber auch Geschäftsfelder hast, wo du im Prinzip betroffener Digitalisierung bist. Wenn du es charakterisieren müsstest, was bedeutet denn Digitalisierung für dich und deine Unternehmen?

Ich würde das so darstellen, dass da mit der Schaffung, Erfindung des Internets Ende des letzten Jahrhunderts ein Weg begonnen wurde, unsere Welt digital abzubilden, in all ihren Facetten von Informationen über Dinge, aber auch bis hin zu menschlichen Beziehungen, Vertragskonstrukten, also der Möglichkeit, Geschäfte einzugehen. All das ist heute auch digital möglich und wir sehen jetzt einen Wandel dahin, dass auf einmal die digitale Welt auch ein Stück weit, ja nicht Selbstzweck, aber sich ein eigener Wirtschaftssektor ist, der nicht nur die physische Welt abbildet, sondern völlig eigenständige Möglichkeiten bietet zu wirtschaften, sich zu vernetzen, Kontakte zu knüpfen etc. So und damit verbunden, warum ist das so spannend auch für die Wirtschaft? Weil Digitalisierung dabei hilft, wahnsinnige Effizienzpotenziale zu heben. Prozesse nicht mehr über Papier und über den physischen Austausch abzuwickeln, sondern digital.

Geht halt einfach in Lichtgeschwindigkeit, geht völlig unabhängig von Raum und Zeit weitgehend. Das heißt, wir können wirklich global zusammenarbeiten und haben dadurch ein riesiges Potenzial an Kunden, an Mitarbeitern, an Dienstleistern, auf die wir unmittelbar zugreifen können. Also diese Globalisierung, die dadurch auch abseits der physischen Güterströme ganz krass möglich wird einfach. die damit einhergeht, aber schon auch für die Firmen die Notwendigkeit, sich darauf einzustellen. Du kannst es schon machen, als wäre Quatsch, einen Papierprozess einfach eins zu eins digital abzubilden. Das bringt auch Vorteile, aber richtig attraktiv wären die Vorteile erst, wenn du die spezifischen Möglichkeiten digitaler Technik auch für dich nutzt und wenn du darauf aufbauend vielleicht auch ganz neue Geschäftsmodelle schaffst.

Ja, vielleicht um es ein bisschen konkreter zu machen, lass uns gucken auf den Teil der Unternehmen, wo wir Betroffene sind der Digitalisierung und diesen Wandel auch selbst vollziehen müssen. Wir sitzen ja hier in den Räumlichkeiten von Adler Personal. Das ist unser Betriebsteil, der sich mit Zeitarbeit beschäftigt. Wir haben hier Kunden im gewerblichen Bereich, Logistikunternehmen, für die wir arbeiten und für die wir Personal stellen im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung, 20 Mitarbeiter, die beim Kunden vor Ort im Einsatz sind und zwei Disponenten hier im Büro und eine Azubine, die das Team unterstützt und hier auch zur hoffentlich zukünftigen Disponentin dann ausgebildet wird. Und das ist ein wirklich sehr papiergetriebenes Geschäft, das ja damit beginnt, dass man mit Mitarbeitern Arbeitsverträge abschließt.

Da ist man durchaus gut beraten, das in Schriftform zu tun und diese Dokumente auch aufzuheben, aufzubewahren. Also ein guter Teil der Miete geht hier mittlerweile dafür drauf, dass wir das Papier aufheben und dem den notwendigen Platz geben, weil über die Arbeitsverträge hinaus haben wir da auch Themen wie die Arbeitnehmerüberlassungsverträge mit den Kunden. Hier gibt es durchaus auch sehr strenge gesetzliche Regelungen, wie man das richtig zu tun hat. Und es gibt auch regelmäßige Kontrollen der Aufsichtsbehörden, in dem Fall der Agentur für Arbeit, die schaut, ob die Zeitarbeitsfirmen auch regelkonform arbeiten, ob Aspekte wie Mindestlohn, Tarifverträge und darüber hinausgehende Verpflichtungen, die jetzt auch gerade nochmal nachgeschärft worden sind, ob das alles eingehalten wird.

Und wir hatten jetzt letztes Jahr so eine Kontrolle erst, wo drei Mitarbeiter der Agentur für Arbeit hier aufgelaufen sind und gesagt haben, geben Sie uns alle Akten des letzten Jahres. Dann haben die Kollegen die Akten rausgesucht und die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit haben sich zwei Tage durchs Papier gewühlt. Gott sei Dank für uns, um uns dann zu sagen, alles gut, keine Beanstandung, Haken dran. Aber dass das natürlich auch anders geht, dass man solche Überprüfungen auch anders durchführen kann, ist naheliegend. Das wissen wir beide, können wir uns vorstellen. Aber das ist die Welt, in der wir uns in der Zeitarbeit erstmal heute bewegen.

Das heißt, im Prinzip sind es ja zwei Schnittstellen, die es eigentlich schon immer gab. Also natürlich die Kontrolle von der einen Seite und die Beziehung zu den Mitarbeitern und den Kunden auf der anderen Seite. Hast du da eine Einschätzung? Hat sich da durch die Digitalisierung irgendwas radikal verändert? Oder ist das ein Dichtenfeld, das man nochmal angehen könnte?

Es gibt mittlerweile Möglichkeiten, um hier sich ganz anders aufzustellen, bis hin zu wirklich so gut wie papierlosen Organisationen. Aber da kommen wir zu diesem Thema Kulturwandel, das ist das angesprochen. Wir haben hier ein Team, das 14, 15 Jahre Zeitarbeitserfahrung haben, die Mitarbeiter, die länger dabei sind, und die haben den Papierprozess gelernt. die wurden so ausgebildet. Und das radikal umzustellen, habe ich mich bis jetzt ehrlich gesagt nicht getraut, weil ich auch in den Gesprächen mit dem Team feststelle, dass da schon noch Widerstände vorhanden sind. Und deshalb das von oben aufzuzwingen, war mir bis jetzt nicht, erschien mir nicht sinnvoll. Es gibt auch andere Beispiele, wo hier Digitalisierung auch wiederum sehr stark gelebt wird.

Wo kriegen wir nämlich zum Beispiel unsere Bewerber her? Dass die effizienteste und beste und stärkste Quelle ist Facebook. Die Kandidaten, nach denen wir suchen, sind gut organisiert in Gruppen, wie zum Beispiel Stellen in und um Hamburg. Und diese Facebook-Gruppen funktionieren so, dass man dort seine Stellenanzeigen postet und zehn Minuten später zwei, drei Bewerber am Start hat, wenn es gut geht. Am gleichen Tag das Bewerbungsgespräch führt und am nächsten Tag startet der Mitarbeiter beim Kunden. Also das ist jetzt keine Utopie, sondern das ist gelebte Praxis. Da kommt Digitalisierung voll zu Tagen. Da sieht man aber auch, was da an Potenzial noch dahinter steckt, weil wer soll es denn Facebook verbieten, diesen ganzen Rest der Wertschöpfung als Softwarelösung, als digitaler Agent einfach mitzumachen.

Und dann braucht es den ganzen Rattenschwanz dahinter, nämlich die Disponenten der Zeitarbeit, also möglicherweise irgendwann nicht mehr oder nicht mehr in dem Umfang wie heute. Das ist ein weiter Weg dorthin. Wir sehen, dass Zeitarbeit immer auch noch ein Beziehungsgeschäft ist. Man muss die Mitarbeiter kennenlernen, Man muss sie einschätzen, man muss schauen, wer ist zuverlässig, wen kann man zu seinen Kunden auch schicken. Und genauso gilt es auf der Kundenseite zu wissen, mit wem arbeitet man da, wie ist das Kundenumfeld. Und unser Job ist heute nicht so, dass wir von Bewerbern überlaufen werden, sondern es ist eine Vertriebsarbeit, ein Verkaufsjob, sowohl beim Kunden als auch beim Mitarbeiter, beim Bewerber, weil die guten Leute können es sich aussuchen.

Und der Arbeitsmarkt ist mittlerweile so trockengelegt, dass wir schon Überzeugungsarbeit auch leisten müssen.

Ja, spannend. Thema Kulturwandel, im Prinzip heißt das ja, die Leute, die bei Facebook in so einer Gruppe suchen, die bringen diese Kultur eigentlich von Haus aus mit. Die sind so aufgewachsen, die kennen das nicht anders. Und im Prinzip heißt es, die Leute, die nicht so aufgewachsen sind, müssen sich dem aber irgendwie anpassen. Wenn irgendwann in irgendeiner Zukunft alle Firmen nur noch über Facebook ihre Stellen ausschreiben, weil die klassischen Wege nicht mehr attraktiv sind, dann bedeutet das wohl, dass vielleicht auch Leute auf der Strecke bleiben.

Möglicherweise. Es gibt da, glaube ich, gerade im Bereich des Arbeitsmarktes genug analoge Angebote noch. Die Agentur für eine Arbeit, die sich da immer auch noch persönlich und individuell um die Leute kümmert, das auch sehr gut macht. Und ja, da habe ich jetzt nicht kurzfristig die Befürchtung. Es ist eher so, dass die diese Chancen erkennen, können sie gut für sich nutzen. Das ist natürlich convenient sozusagen. Und wir sehen, dass egal wie die Qualifikation eines Bewerbers ist, ein Smartphone ist eigentlich fast immer am Start. Und Facebook hat eine Marktdurchdringung, die das für uns einen guten Weg etabliert hat. Und das macht das Team hervorragend, diesen Weg zu nutzen, auch sich selbst als Arbeitgeber zu präsentieren auf Facebook.

Also da ist dieser Kanal mittlerweile wichtiger als die eigene Homepage. Was natürlich auch mit Risiken einhergeht, man muss dann durch diesen amerikanischen Konzern ein Stück weit ausgeliefert oder abhängig davon, muss nach dessen Regeln spielen und ist auch auf Regeländerungen, also hat man ja kaum Einfluss oder keinen Einfluss. Das sind dann alles Randbedingungen, die natürlich einen Teil der eigenen Wertschöpfung abziehen und wo das dann halt als Wert in Amerika entsteht, obwohl es ein Bewerbungsprozess ist, der hier national in Deutschland abläuft.

Jetzt hattest du eben gesagt, dass diese Prüfung durch die Agentur für Arbeit gut und elegant durchgelaufen ist. Siehst du da Facebook als Risiko für zukünftige Prüfungen? Also Facebook und Datenschutz sind ja immer so zwei Wörter, die eigentlich Hand in Hand kommen.

Hatten wir ehrlich gesagt ein ganz spannendes Beispiel so aus der Schule geplaudert. Wir hatten einen Vorfall im Bereich Datenschutz, ist jetzt anderthalb Jahre her. In so einer Facebook-Gruppe wird ja dann auch gern mal emotional diskutiert, also Hasskommentare würde man das wahrscheinlich heute nennen. Und da hatte sich ein Bewerber ungerecht behandelt gefühlt und hatte dann sehr pieselig über unsere Kollegin, die da mit ihm in Kontakt stand, in der Gruppe kommuniziert. Worauf sie das hat ihm, glaube ich, dann geschrieben? im Jahr, also sie hätten sich ja nicht bei uns bewerben müssen oder so, worauf er meinte, was fällt Ihnen ein, Sie legen hier in der Gruppe offen, dass ich mich beworben habe, ich fühle mich mit meinen Datenschutzrechten verletzt, bla bla.

Und er hat dann angetroht, er gibt diesen Fall an den Hamburger Datenschutzbeauftragten, hat er auch gemacht. Also wir hatten es nicht gedacht, dass es tut, weil wir dachten so, naja komm, ist sicher ein Graubereich, also muss man sich genau anschauen. Er bekam dann einen Brief mit der Aufforderung, den Sachverhalt zu schildern, haben wir gemacht, hat dann zu keinen weiteren Konsequenzen geführt, aber war eine interessante Erfahrung auch zu sehen, wie nahe da doch Rechtsverletzungen liegen und wie sehr man, und dann sind wir wieder beim Kulturwandel, weil die Kollegin hat dann natürlich im Moment, wo der da gedroht hat, den Datenschutzbeauftragten sofort gewusst, oh, das war jetzt vielleicht nicht so cool.

Hatte das vorher aber nicht auf dem Zettel, dass da sowas um die Ecke geschossen kommt. Wir haben das genutzt dann als Anlass, da auch mal das zu adressieren und auch in der Belegschaft für mehr Sensibilität für das Thema zu sorgen, was, glaube ich, ganz gut war. Wir hatten auch schon mal den Fall, dass uns Ransomware betroffen hat. Da sind wir natürlich dadurch, dass wir Bewerbungsunterlagen uns immer freuen, wenn welche kommen. Und dann ist immer der Blick, was ist das jetzt für eine Datei und kann ich die öffnen? Vielleicht nicht so scharf, wie er sein müsste. Und Peng hatten wir alles verschlüsselt hier und durften dann, ich weiß nicht, war damals noch nicht so viel Geld, ein Bitcoin oder so bezahlen, dann war es auch wieder gut.

Aber krasse, krasse Geschichten, die ohne Digitalisierung so nicht stattfinden würden. Und das sieht man, denke ich, und das ist vielleicht noch so eine kleine Abrundung für diesen Themenblock, dass einerseits Chancen und Effizienzpotenziale durch Digitalisierung hebbar sind für Unternehmen jeder Größe. Jeder muss seinen individuellen Weg dafür finden und die Leute mitnehmen. Und zum anderen handelt man sich Thema Datenschutz, Thema Hackerangriffe, neue Risiken ein, die es ohne Digitalisierung auch nicht gäbe. Meine Hypothese dazu ist, dass wir alle das Thema Verschlüsselung, Datenschutz, Kryptografie im weitesten Sinne noch deutlich mehr kennenlernen müssen mit seinen Möglichkeiten, weil darin steckt ein Teil der Lösung dieser Probleme.

Und es ist aber trotzdem ein Wissensbereich, der begonnen mit, wie gehe ich richtig mit Passwörtern um, wo ja mittlerweile auch öffentliche Rundfunkanschalten beginnen, die Leute zu informieren, bis hin zu neuen Geschäftsmodellen, die durch Kryptografie mit neuen Technologien wie Blockchain beispielsweise erst möglich werden. Da wird Kryptografie auf einmal etwas, was ein Business-Enabler wird und sowas wie eine Machine oder Crypto-Economics erst realisierbar macht. Okay, aber da sind wir dann bei Digitalisierung 2.0 so und in Feldern, wo wir das auch vorantreiben und nicht nur Betroffene sind.

Ja, spannend. Wir können da eigentlich den Bogen gleich hinschlagen. Digitalisierung 2.0 höre ich jetzt, glaube ich, zum ersten Mal, aber es war zu erwarten, dass das irgendwann... Ich will das nicht dogmatisch hier in den Markt treiben. Nee, nee, nee, wir melden das als Marke an. Alles gut. Nee, aber klar, letztendlich auf der einen Seite hat man die Kernprozesse, die es schon immer gab, also man hat schon seit ewig versucht, Mitarbeiter zu finden und finde ich total spannend, also was es da für Detailprobleme und Herausforderungen und Möglichkeiten gibt durch Digitalisierung und ja, andersrum auch jetzt kommen wir vielleicht zu dem Punkt, wo ihr bei der Umsetzung der Digitalisierung helft Thema Softwareentwicklung Produktentwicklung, Thema Internet of Things, IoT, da macht er ja auch viele spannende Sachen.

Eine Randnotiz habe ich dazu noch, du sagtest eben, dass letztendlich die Rundfunkanstalten heute über Passwortsicherheit schon reden, wahrscheinlich lesen bis irgendwann in der Apothekenrundschau, auch wie man sein Passwort am besten macht. Das ist einfach ein Thema, das ist ganz neu und ganz jung. Also die Jahrzehnte, die man da jetzt bestenfalls hatte, sind unheimlich kurze Zeit. Das heißt auch, dass es den Leuten, die es umsetzen, vielleicht gar nicht so bewusst ist. Wenn man überlegt, Thema Werte, also ich bin ja Softwareentwickler vom Background her, dass mir im Studium eigentlich niemand so richtig erklärt hat, was für eine Verantwortung ich irgendwann haben werde, indem ich Dinge bauen kann.

Hätte ich Medizin studiert, den Hippokratischen Eid gibt es seit, weiß ich nicht, dreieinhalbtausend Jahren. Also in anderen Disziplinen ist das einfach unheimlich tief verankert, dass man sich Gedanken über das macht, was man da tut. Und ich glaube, die meisten Softwareentwickler heute sind eher noch so unterwegs, cool, kann ich, mache ich, probiere ich mal, was passiert. Manchmal kommen da noch Sachen raus, die man gar nicht so antizipiert hat vorher. Ja, Thema Software, wenn wir mal so ein bisschen den Bogen dahin schlagen. An welchen Stellen mischt ihr denn mit? Du hast schon gesagt, Blockchain ist ein Thema, wo ihr dabei seid.

Ja, also wir haben ja neben unserem reinen Dienstleistungsgeschäft vor anderthalb, fast zwei Jahren, damals gab es die considerate fünfeinhalb Jahre, wir hatten uns ein bisschen was aufgebaut, es sind jetzt so 40 Mitarbeiter um und bei und da ist eine gewisse Stabilität erreicht. Viele GmbHs überleben das erste, zweite, dritte Jahr nicht. Da haben wir also so ein paar Stürme der ersten Jahre offenbar gut umschifft. Haben die sicher auch teilweise gespürt, aber gut. Wir haben die Firma einfach gegründet, damit sie auch bleibt. Und damit verbunden war eine der Fragestellungen, auch in strategischer Hinsicht hatten wir sehr früh gesagt, die wollen diversifizieren. Also wir wollen unterschiedliche Geschäftsfelder uns erschließen, wenn sich Möglichkeiten ergeben.

An der Aufzählung der verschiedenen Themen, glaube ich, sieht man, dass wir diesem Leitspruch immer treu geblieben. Immer auch mit dem Risiko, sich zu verzetteln. Aber gut, ich glaube, da haben wir eine sinnvolle Balance gerade noch so hingekriegt bis jetzt. Das andere Thema war, dass wir gesagt haben, über die reine Dienstleistung hinaus. Wir wollen eigene Produkte, eigenes Intellectual Property perspektivisch auch schaffen. Und das geht halt nicht, wenn du beim Kunden vor Ort Projekte realisierst. Das heißt, du musst Freiräume schaffen, musst dafür auch Geld in die Hand nehmen, musst dir vielleicht überlegen, wie kannst du über externe Finanzierungsinstrumente, über Venture Capital oder über Fördermaßnahmen einfach solche Aktivitäten auch finanzieren.

Und wir haben uns zwei Technologiefelder rausgesucht, weil wir konnten sie auf der grünen Wiese erstmal machen, wir waren da nicht vorbelastet. Also es gab diese ursprünglichen Kernkompetenzen in der Form nicht so stark ausgeprägt, weil jedes Kundenprojekt ohnehin anders ist. Und so haben wir gesagt, na komm, wenn wir es uns eh aussuchen können, was ist denn da gerade aktuell heißeste Shit, den du machen kannst. Und dann sind wir bei Blockchain-Technologie und bei additiver Fertigung gelandet und haben in beiden Bereichen Projekte angeschoben. Additive Manufacturing oder 3D-Druck, schon stärker mechanisch, mechatronisch geprägt, immer auch mit einer Verbindung zur Software. Da entwickeln wir neue 3D-Druckverfahren, die einerseits sehr große Objekte in relativ kurzer Zeit druckbar machen und zum anderen 3D-Drucktechnologie und Composite-Materialien verbinden, um Formflexibilität und die Eigenschaften von Composites zu verknüpfen.

Da ist viel Mechanikentwicklung dabei, teilweise Verfahrensentwicklung, Materialtechnik spielt eine Rolle, aber natürlich auch die Software, die diese Prozesse dann steuert und regelt, ist natürlich wichtig. Da würde ich sagen, hat sich durch Digitalisierung nicht allzu viel verändert. Ich meine, das sind Dinge, Softwareentwicklung tut man halt digital in der Serie. Das ist vielleicht so, dass über Instrumente wie zum Beispiel Git oder jetzt für den Austausch Slack, das deutlich mehr Interaktivität auch für Entwicklerteams bietet, da schon Geschwindigkeit auch reinkommt, weil man nicht so lange im eigenen Saft der Probleme brütet, sondern auch mal dann einfach eine Frage raushaut, sich Communities anschließt.

und das alles ist halt sehr zugänglich, aber auch die Zusammenarbeit zwischen einem produktbezogenen, also Produktmanager und einem Hardware-Entwickler kannst du auf die Weise ganz gut abbilden. Da nutzen wir es, da läuft es als Vorteil und da ist Software für die Produkte, die daraus hoffentlich bald entstehen, ein inhärenter Anteil für den Bereich additive Fertigung. Bei Blockchain-Technologie ist es eigentlich ein reines Software-Thema. Dort sind wir ja erstmal gestartet und sagen, Blockchain, das muss man erstmal verstehen. Was ist das überhaupt? Was kann das? Was tut das? Und sich dann da reinfuchsen in diese Thematik. Heute stehen wir an dem Punkt, dass wir sehen, da werden viele Experimente gerade durchgeführt von Startups, die halt einfach die unterschiedlichsten Use Cases versuchen umzusetzen.

Da haben wir auch eigene definiert und am Start. Das eine richtet sich auf das Wärmemesswesen in Deutschland, also das Heizungskalorimeter-Ablesewesen, das gerade auch vom Bundeskartellamt untersucht wurde. Da gibt es eine starke Marktkonzentration. Vier Unternehmen teilen sich diesen Markt, haben sehr hohe Margen, also EBIT-Raten von 30, 35, 40 Prozent. Hätten wir auch gerne. Ja, klingt sehr attraktiv. Und die teilen sich so 80 Prozent des Marktes untereinander auf. Da wurde jetzt schon festgestellt, also das ist ein oligopolistischer Markt. Da wird der Regulator aktiv werden, um mehr Transparenz, mehr Interoperabilität zu schaffen. Und wir haben gesagt, Mensch komm, also Heizkosten ablesen.

Ich meine, wozu brauchst du da einen großen Verwaltungsapparat? Du brauchst das Gerät an der Heizung und dahinter im Idealfall eine vertrauenswürdige Datenbank, eine Blockchain, die das absichert und eine Software, die dann die Abrechnung erstellt. Da sitzt ja heute auch niemand mehr in den Unternehmen und rechnet das manuell aus. Und da sind wir jetzt mal losgelaufen und entwickeln den Demonstrator und werden dann natürlich auch die Werbetrommel rühren, um zu sagen, also in Deutschland werden da 1,7 Milliarden Euro für diese Dienstleistung ausgegeben. Das hatte ich vorher erwähnt, 30 bis 40 Prozent EBIT-Marge bei diesen Firmen, das heißt wir reden von 400, 500 Millionen Euro, die wir alle da zu viel zahlen für eine sehr einfache Dienstleistung.

diese halbe Milliarde wieder zu sozialisieren und den Leuten ein Stück weit zurückzugeben. Das könnte eine solche verteilte Lösung auf Basis von Blockchain-Technologie ermöglichen. Aber es ist kein dünnes Brett zu bohren, weil du hast diese Endpunkte an den Heizungen und das sind viele. Also bei so um und bei 40 Millionen Haushalten in Deutschland, da kommt schon einiges zusammen.

Dazu habe ich jetzt gleich direkt einen Gedanken, wo es halt wieder Richtung Kulturwandel geht. Und das ist so ein Vertrauensthema. Also bei uns kommt, wir wohnen in so einer Wohnanlage, wo es eine gemeinschaftlich genutzte Heizung gibt. Und da kommt einmal im Jahr der Ableser von einem dieser vier Vereine wahrscheinlich. Und ich habe mit dem, vor ein paar Jahren sind bei uns diese Teile mal ausgetauscht worden. Und die sind jetzt theoretisch remote auslesbar. Und ich habe den dann gefragt, warum muss ich immer noch einen halben Tag zu Hause sein? Und der hat gesagt, ich könnte das von außen machen, wenn das dafür freigeschaltet wäre. aber die Eigentümergemeinschaft will das nicht. Die wollen hinterher einen Zettel haben, auf dem ich unterschreibe, welche Werte ich abgelesen habe.

Das heißt, dieser Kulturwandel ist auch da erstmal zu... Also es gibt schon eine Technik, um es remote auszulesen, die ist nicht blockchainbasiert, das heißt, dieses Vertrauen fehlt da. Glaubst du, dass da Blockchain vielleicht genau das Puzzlestück ist, was dieses Vertrauen dahin bringt?

Ob das dann die Eigentümergemeinschaft in deinem Fall auch erkennen kann und das wertschätzt, ist eine spannende Frage. Ich hoffe, dass das so ist. Also wir haben ja da eine sehr spezielle Situation. Der Auftraggeber für den Ablesedienst ist der Besitzer des Mietobjekts. Und zahlen muss es aber der Mieter über die Nebenkostenabrechnung. Das heißt, dem Vermieter per se ist es fast egal, was es kostet. Er hat da ja jetzt nicht Selbstkosten damit zu tragen. Aber je angespannter auch die Situation mit Mietpreisen und so ist, umso mehr zählt natürlich jeder Euro, den du zu viel zahlst. Und umso genauer muss man hinschauen, wo bleibt die Kohle und was kriege ich als Mieteinnahmen, was muss ich als Nebenkosten draufschlagen.

Und Vertrauen, das ist ja eines der Versprechen oder eine der Erwartungen, die wir mit Blockchain verbinden, dass man ohne Humanvertrauen sozusagen auskommt, ohne die Notwendigkeit einer Beziehung, ohne die Notwendigkeit eines Menschen in Fleisch und Blut, der was unterschreibt, sondern dass wir durch die Gestaltung der technischen Systeme wissen, Beschiss ist nicht, funktioniert einfach nicht oder so gut wie nicht. Und diesem Wandel unterliegen wir alle, das geht ja hin bis zu, das hat gar nichts mit Blockchain zu tun, aber dem selbstfahrenden Auto, dem du dich ja auch irgendwann anhin gibst und sagst, hoffentlich läuft es. Auch da spielt Vertrauen eine große Rolle. Und wie wir uns da aufstellen als Gesellschaft gegenüber der Technik, ist im Fluss und ist ein spannendes Thema.

Ja, auf jeden Fall. Ich bin gespannt, ob ich vielleicht demnächst keinen Tag mehr freinehmen muss für die Haltungsablesung. Jetzt sind das ja alles im Prinzip State-of-the-Art-Technologien. Ich weiß nicht, ob die Frage überhaupt sonderlich relevant ist. Softwareentwicklung ist ja nur eine Sache, die irgendwie seit Jahrzehnten praktiziert wird. Und es gibt Firmen, gerade größere Firmen, wir auch Jahrzehnte Praktikprozesse haben in Softwareentwicklung. Ist das irgendwie ein Thema für euch, dass ihr da alte Themen in der Software, also Thema agile Softwareentwicklung, dass ihr das knacken müsst? Oder habt ihr spät genug angefangen, um da direkt am Puls der Zeit zu sein?

In Teilen, in Teilen, ja. Was ich dafür spannend halte, ist, wenn die Teams größer werden, also im Moment ist es ein, zwei, vielleicht mal drei Leute, da ist auch eine Zusammenarbeit leicht zu organisieren. Aber der Weg geht doch dahin, dass man dann auch Businessleute dabei hat, Produktmanager dabei hat, wo sich die Rollen ausdifferenzieren und wo dann sicher auch ein Modus operandi, der Lean, der agil ist, bei uns noch sicher ausbilden muss. Also da würde ich uns jetzt nicht als sonderlich reife Organisation bezeichnen. Wir sind vielleicht insofern nicht schlecht aufgestellt, weil wir klein sind, hands-on, pragmatisch. den vielen Overhead oder ein V-Modell oder sowas gibt es per se nicht. Damit verbunden aber halt auch manchmal die Probleme, die damit einhergehen und sagen, wo ist jetzt nochmal schnell die Spezifikation?

Was ist mit der Architektur? Wo haben wir das aufgeschrieben? In welchem Slack-Channel muss ich das suchen? Also, ich hatte zuerst kürzlich mit Till, mit meinem Geschäftspartner diskutiert. Wir haben es überschrieben mit Ergebnissicherung. Man könnte jetzt auch Wissensmanagement dazu sagen. Je mehr Wissen bei uns in der Organisation auch entsteht, umso wichtiger wird es, das wiederfindbar zu machen, auch zu dokumentieren und das vielleicht mit einem spielerischen Charakter so umzusetzen, dass es nicht als Belastung empfunden wird, sondern dass es quasi nebenher entsteht. Und Slack ist da ein gutes Beispiel. Also manche der Projekte, in denen wir arbeiten, erfordern einen Halbjahresbericht, den wir dann einer externen Partei, sei es einem Fördergeber, einem Finanzier oder einem Kunden zur Verfügung stellen.

Und dann nehmen wir uns teilweise schon einen Slack-Channel, exportieren den und verarbeiten das dann zu einem lesbaren Bericht, was durchaus praktikabel ist. Also da bietet das schon große Vorteile.

Also es stimmt schon, dieses Thema Kommunikation, Wissensmanagement heute, das habe ich in einigen Kontexten schon gehört. Vorteil, es gibt viele coole Kanäle, die es früher nicht gab. Nachteil, es gibt ganz schön viele coole Kanäle und oft benutzt man sie irgendwann noch alle.

Absolut, und dann wird eine Diskussion per Mail begonnen, in WhatsApp fortgesetzt, in Slack weitergeführt, in Handlungsstränge, die parallel verlaufen. Oder die Waldfee, das ist dann kaum nachvollziehbar mehr. Ja. Aber den Unified Messenger, mir ist da nichts bekannt, wo man das wirklich alles praktikabel zusammen hätte. Ich sehe jetzt bei Microsoft mit diesem Angebot Office 365, wo dann Yammer und Teams und alles Mögliche dazukommt. Da sind gute Ansätze dabei, aber so attraktiv und so intuitiv bedienbar wie in Slack ist es dann doch lange noch nicht. Häufig ist es ja so, du arbeitest nicht durch deine Mails, dann guckst du in WhatsApp, dann guckst du in Trello, dann guckst du in Slack und dann kannst du wieder vorne anfangen, weil wieder genug Mails aufgelaufen sind.

Das ist so auch ein kleines Perpetuum mobile, wo man nur das tut und hat man dann das Wertschöpfendes geleistet?

Fragezeichen. Also so gesehen eine Herausforderung, die die Digitalisierung damit sich bringt. Neue Herausforderung. Vielleicht zum Thema Software, die letzte Frage. Gibt es da irgendwas, was du sagst, irgendeinen Fehler, den du, wenn du heute neu anfangen würdest, so nicht wiederholen würdest? Oder habt ihr da zu wenig Komplexität in einem einzelnen Projekt gehabt?

Was Bauchschmerzen macht aktuell, ist, wir laufen auf so einen Tool-Flow-Zirkus zu, weil wir das halt nicht vorgegeben haben, was es für welche Zwecke zu nutzen ist. Aber ich fand das gerade einen sehr spannenden Weg zu sagen, wir klären erst, wie wollen wir kommunizieren und dann gründen wir, wenn wir dann noch wollen, die Firma. Ich auch nicht. Wir haben da einfach im Grunde jeden Team, weil bei uns in den einzelnen Gesellschaften und Betriebsteilen die Teams auch sehr ergebnisverantwortlich sind selbst und wir deshalb bis jetzt immer gesagt haben, also ihr müsst schon gucken, welche Arbeitsinstrumente ihr braucht und euch das organisieren. Und mit dieser Freiheit ist natürlich dann auch, der eine benutzt Talkbox, der andere hat ein Google Drive, der dritte hat alles auf Office 365 und da reden wir jetzt nur über die eher statischen Dateiendaten.

Das setzt sich in den Tools natürlich fort. Da blickst du ja auf die Dauer überhaupt nicht mehr durch. Und du hast dann auch so Silos, wo diese berühmten Synergieeffekte dann auch nicht stattfinden können, wenn alles eingesperrt ist. Das ist etwas, da sind wir jetzt dabei nachzusteuern und zu sagen, okay, wir wollen jetzt nicht hier per OrderMove die alles vorgeben, aber wir wollen ein Grundset an gemeinsamer Technologie und Tools schon etablieren und die Kollegen dann auch mitnehmen, dazu das gemeinsam zu nutzen, indem man Vorteile aufzeigt.

Ja, kann ich mir vorstellen. Wobei da sicherlich auch eure spezielle Struktur, dass ihr einfach relativ viele Themen habt, die irgendwie nebeneinander her existieren, sicherlich eine Rolle spielen. Klar, natürlich. Was ist für euch das größte Thema im Bereich Digitalisierung, das du angehen willst? Oder anders, wenn du über Nacht ein Thema lösen könntest, was sollte morgen aus der Welt sein?

Den Aktenwust im Personalwesen zu digitalisieren. Für mich ist ehrlich gesagt jeder Brief, den ich kriege, ein Kraus, weil ich ihn erstmal scannen muss und dann weiterverarbeiten. Ich habe mir da bis jetzt nie so einen schickilacki Scanner angeschafft, sondern ein kleiner Einblick in mein Leben. Der beste Platz, um mit dem Smartphone etwas zu scannen, ist mein Ceran-Kochfeld, weil es schwarz ist. Und darüber ist die Dunstabzugshaube, die beleuchtet ist. Das heißt, ich lege das Papier auf das Kochfeld, ziehe die Dunstabzugshaube auf, mache das Licht da oben an, damit ich eine homogene Ausleuchtung habe und scanne dann mit dem Smartphone alles, was ich schriftlich kriege. Weil ich es in der Regel, wenn ich es das Papier nicht brauche, schmeiße ich es weg und hebe es nur digital auf.

Dort, wo es Unterlagen sind, die man halt im Gesellschaftsvertrag aufhebt, dann wird es abgelegt. Also Medienbruch, klassisches Beispiel, also das ist wirklich pain in the ass. Wenn das weg wäre, tausend Rosen, da muss man halt dahin kommen, dass man Schriftformerfordernisse auch digital abdecken kann. Das geht ja heute grundsätzlich mit Dingen wie dem digitalen Personalausweis, digitale Signaturen etc., die da eine Rolle spielen. Weitere kleine Anekdote. Ich habe erzählt, ich bin Österreicher. Du kriegst als Österreicher keinen elektronischen Personalausweis aus Deutschland. Und der österreichische ist nicht kompatibel mit den deutschen Systemen. Das hat 2017 auch zu viel verlangt. Absolut. Also ich hoffe, das ändert sich in absehbarer Zeit.

Und ja, Personalausweis, glaube ich, ist sowieso auch so eine traurige Geschichte, die noch nicht dort angekommen ist, wo sie hin könnte. Auch da ist vielleicht Blockchain als einfachere Technologie etwas, wo man besser vorankommen kann. wir werden es sehen. Aber diese Grenze digitale zu physischer Welt, da gibt es glaube ich schon einen Schritt, den die digitale Welt noch nach außen tun kann und alles, was Papier anbelangt, fällt für mich unter diesen Schritt. Also das loszuwerden wäre echt ein Traum.

Okay, ich gucke mal, was ich machen kann. Was ist die hilfreichste Quelle zum Thema Digitalisierung, die du so regelmäßig oder in kürzlicher Zeit gelesen, gehört hast? Der Heise

Newsletter, den ich mir da zusammengestöpselt habe, heise.de und dann die Themen, die einen interessieren. Da ist die Digitalisierung, glaube ich, auch nochmal ausdifferenziert in IT-Security und Industrie 4.0 und weiß der Kuckuck, was nicht alles. Den lese ich jeden Tag in der Früh und der hält mich ganz leidlich auf dem Laufenden.

Ah, spannend. Cool. Wen hättest du hier gerne als Gast im Podcast in der Zukunft. Wen soll ich... Ich habe schon in einem anderen Interview den Emmanuel Macron gehört. Den sollte ich mal zu Digitalisierung international interviewen. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt dieses Jahr noch so hinkriege.

Aber ich wünsche dir auch. Vielleicht eine unmögliche Aufgabe. Finde Satoshi Nakamoto.

Das ist doch das Wort zum Sonntag. Ja. Okay. So, das war mein erstes Interview für den Podcast Wege der Digitalisierung. Ich habe viel gelernt. Ich muss gestehen, den Begriff Digitalisierung 2.0 kannte ich nicht. Der war neu für mich. Ich finde es interessant, dass genau dieses Thema Dokumente, die irgendwie analog auf Papier sind, digitalisieren, tatsächlich heute noch so ein Riesenthema ist. Aus meinem Leben ist das zum Glück schon ein bisschen mehr verschwunden. Aber andersrum kann ich mir vorstellen, dass es Branchen gibt, in denen das noch viel schlimmer ist. Ich habe viel gelernt. Ich hoffe, ihr habt auch alle viel gelernt. Ich werde alle Quellen, alle Links, alle genannten Verweise in den Shownotes dokumentieren.

Das Ganze ist zu finden unter der Domain wegederdigitalisierung.de. Dies hier ist die erste Episode. Ich würde mich freuen über Kommentare, die gerne direkt unter dem Artikel geschrieben werden können. Ich würde mich auch freuen, wenn euch das Ganze geholfen hat oder auch nicht geholfen hat, finde ich auch über Feedback dankbar, wenn ihr unseren Podcast auf iTunes raten oder reviewen könntet. Das würde uns jetzt gerade speziell helfen, weil wir ganz neu auf iTunes gelauncht werden und man in der ersten Phase noch in diese Hot-and-New-Sparte kommen kann. Und das passiert wohl, so wie ich das verstanden habe, wenn man ganz viel Aktion auf dem Profil hat. Also von daher, ein positives Rating bei iTunes wäre ein Highlight.

Weiter geht's in zwei Wochen mit der nächsten Episode. Ich weiß noch nicht genau, wer das sein wird, weil ich schon so viele spannende Interviews zu sagen habe. Ich weiß nicht, wen ich zuerst vor das Mikrofon kriege. Man darf gespannt sein. Es geht auf jeden Fall spannend. Bis bald. Musik

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